Unsinniges Sondergebet mit „Heilsgewißheit“

Von Felizitas Küble

Von befreundeter Seite erhielt ich einen Hinweis auf das folgende Gebet, das auf einer sehr erscheinungsbewegten Seite präsentiert wird und anscheinend auf eine Vision oder Audition (Einsprechung) zurückgeht, die von Christus selber stammen soll: https://www.gebete-die-helfen.info/tod-h%C3%B6lle-fegefeuer/

Welche „Mystikerin“ (meist sind diese Sonderbegnadeten ohnehin Frauen) diese spezielle Privatoffenbarung verkündet, wird nicht erwähnt – aber viele Personen aus der Seher/innen-Schar bleiben ohnehin gerne anonym bzw. blühen ganz bescheiden in der „Verborgenheit“, wobei aus der Not eine Tugend gemacht wird.

Unter dem Titel „Tod, Hölle, Fegefeuer“ wird also folgende Verheißung und Anrufung vorgestellt:

Kinder, betet Mein kostbares Blut immer an und opfert es meinem Vater auf um Barmherzigkeit. Achtet auf dieses Gebet! Betet es immer zur Sühne für die ganze Welt.

Wenn ihr es verrichtet, betet es immer drei Mal.

Ich versichere euch, dass das göttliche Erbarmen sich vervielfältigen wird. Betet es immerfort, sehr oft am Tag, da ihr in diesen gottlosen Tagen lebt. Bete es, so dass ihr sicher sein könnt vor dem Reinigungsfeuer. Kinder, macht es der ganzen Welt bekannt.

Ewiger Vater, ich opfere Dir auf alle Wunden deines innig geliebten Sohnes Jesus Christus; die Schmerzen und die Todesqualen Seines heiligen Herzens und Sein kostbares Blut, das aus allen Seinen Wunden geströmt ist zur Sühne für meine Sünden und die der ganzen Welt. Amen (3 x).

Hierzu stellen wir fest:

  1. Nicht nur das „heiligste Herz“ Jesu hat Todesqualen erlitten, sondern die ganze menschliche Natur unseres Erlösers.
  2. Warum wird hier wieder einmal eine „neue“ Anrufung präsentiert, obwohl die Kirche hierzu längst ein bewährtes Gebet kennt: „Wir beten Dich an, HERR JESUS CHRISTUS und preisen Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.“
  3. Im kirchlichen Gebet heißt es richtig, daß wir Christus selber anbeten – doch in dieser Sonder-Verheißung wird dazu aufgefordert: „Beten immer mein kostbares Blut an…“ – Wir beten aber immer die Person Christi an – und nicht speziell einzelne Organe, nur sein Blut usw.
  4. Sodann gibt es laut katholischer Lehre keine Heilsgewißheit (u.a. auf dem Konzil von Trient verkündet) – auch für Gläubige nicht, aber natürlich für sie Heilshoffnung oder Heilszuversicht. Erst recht gibt es nicht von vornherein eine Sicherheit vor dem Fegefeuer (das ja immer zum HEIL führt), auch nicht durch eine Extra-Andacht oder Gebet aus „mystischer“ Quelle. Daher kann dieser Satz „Bete es, so dass ihr sicher sein könnt vor dem Reinigungsfeuer“ nicht von Christus stammen.
  5. Aufopferungsgebete dieser Art sind ohnehin zumindest grenzwertig, denn wenn jeder Laie sozusagen das Leiden Christi per Gebet dem himmlischen Vater „aufopfern“ kann – wozu bedarf es dann noch der heiligen Messe, die allein von einem Priester gefeiert werden kann?!


Unsinnige „Aufopferung“ der hl. Kommunion

Von Felizitas Küble

Im frommen katholischen Spektrum hört man immer wieder, dieser oder jener habe die hl. Kommunion für diesen oder jenen „aufgeopfert“, sei es zur Bekehrung oder Besserung, Heilung oder Bestärkung im Glauben. 

Die Absicht ist in der Regel in Ordnung, die Formulierung klingt aber mißverständlich. Ein Opfer ist etwas, das man anderen überreicht, auf das man selber verzichtet. Wenn ich einem Bettler meinen Apfel gebe, dann „opfere“ ich ihn  – und habe ihn logischerweise dann nicht mehr.

Anders bei der hl. Kommunion, denn diese ist eine persönliche Begegnung mit Christus, die man nicht einfach auf andere „übertragen“ kann, zumal es dadurch trotzdem bei der eigenen sakramentalen Vereinigung mit Christus bleibt.

Was man gewissermaßen „aufopfern“ kann, sind die helfenden Gnaden, gleichsam die „Früchte“ der hl. Kommunion: Hier kann ich Christus bitten, sie jemand anderem zukommen zu lassen, der z.B. gerade in großen Nöten steckt, der göttlichen Hilfe besonders bedarf usw. Es sollte aber als BITTE an Gott formuliert werden, dann wie der HERR hierauf reagiert, ob er das „Opfer“ in der gewünschten Weise umsetzt, bleibt immer noch IHM überlassen.

Trotzdem bleibt es dabei, daß es sich nicht um ein „Opfer“ im eigentlichen Sinne handelt, denn die sakramentale Begegnung mit Christus bleibt uns nach dem Empfang der hl. Kommunion so oder so erhalten; wie können hierauf gar nicht verzichten, da diese Wirkung mit dem würdigen Empfang der Hostie automatisch verbunden ist. 

Dies vorweg – und nun zu einigen Verstiegenheiten und Ausuferungen in oberfrommen und erscheinungsbewegten Kreisen.

Nehmen wir als Beispiel diese im Internet kursierende „Aufopferung“ der hl. Kommunion, die auf „Heilandsworte“ zurückgeht, die einer stigmatisierten „Seherin“ offenbart wurden: https://liebechristi.jimdo.com/gebete/aufopferung-der-hl-kommunion/

Es geht bei der französischen „Begnadeten“ um Marie-Julie Jahenny (1850-1941), der vom Himmel angeblich folgende Kommunion-Aufopferung gelehrt wurde:

Im Namen aller und für alle Menschen opfere ich die Hl. Kommunion
durch das Mutterherz Mariens mit dem hl. Josef,
mit dem ganzen Himmel und den Armen Seelen
dem Himmlischen Vater auf für die Bekehrung der Sünder

und für alle Menschen auf der ganzen Welt.

Sovielmal Gottes Barmherzigkeit zu zählen vermag,
soll diese Hl. Kommunion sein für jeden Menschen bis zum Ende der Welt. Amen.

Das sind typisch pseudo-fromme Übertreibungen!

Es fängt schon damit an, daß die Aufopferung „im Namen aller Menschen“ vollzogen wird. Mit welcher Logik? Die Ungläubigen oder Andersgläubigen werden damit gewiß nicht einverstanden sein. Aber auch die Gläubigen sind gottlob nicht alle derart abergläubisch….

Sodann hätte man gerne gewußt, warum im Zusammenhang mit Maria, Josef und dem ganzen Himmel auch die „Armen Seelen“ aufgezählt werden. Was haben sie mit einer solchen Anrufung zu tun? 

Auch der letzte Absatz ist vermessen, wenn er diese eine hl. Kommunion, die man „aufopfert“, gelten lassen möchte „für jeden Menschen bis zum Ende der Welt“.

Solche Verstiegenheiten klingen sehr fromm und wohlmeinend, sind aber weder vernünftig noch entsprechen sie dem Sinn der Eucharistie.

Gottes Barmherzigkeit hat sich vollgültig im Opfertod seines Sohnes gezeigt und erwiesen – und nicht etwa in „unseren“ Aufopferungen.

Neben dieser Anrufung verbreitet der Fanclub der stigmatisierten Jahenny auch ein „Kreuz der Vergebung“, um das sich ebenfalls einiger theologischer Unsinn rankt: https://charismatismus.wordpress.com/2011/12/05/ist-das-kreuz-christi-ein-schutz-amulett/