Hochzeitsbräuche: Der tiefere Sinn des Kranzes

Von Felizitas Küble

Manches Brauchtum um Ehe und Hochzeit ist nicht nur altehrwürdig, feierlich und volkstümlich, sondern hat auch einen tieferen Sinn. Dazu gehört das „Kränzen“ vor der Heirat, das in vielen Gegenden Süddeutschlands, aber auch im Münsterland, Emsland und Ostfriesland weit verbreitet ist.

Dabei wird die Haustür der Brautleute mit Tannenzweigen geschmückt und oben in die Mitte ein  – rundes oder rechteckiges –  Schild gesetzt mit den Worten: „Gott segne euren Einzug“ oder (wie hier auf dem Foto): „Gott segne das Brautpaar“.

Dieser Spruch ist rund oder viereckig und ebenfalls von grünen Zweigen oder manchmal von Blumen umrahmt.

Das „Kränzen“ wird meist von den Nachbarn – manchmal auch von Freunden oder Angehörigen – übernommen. Dabei binden Männer die Tannenzweige zu einem Kranz, während Frauen ihn mit Rosen und farbigen Schleifen dekorieren. Meist wird der Kranz am Vorabend der Trauung über der Hauseingangstür angebracht. 

Dieser grüne Kranz ist letztlich eine Ableitung aus dem Siegeskranz der römischen Kaiser und auch der späteren Regenten.

Im antiken römischen Reich erhielt jeder Mann eine „Krone“ aus Eichenlaub, wenn er einem Mitbürger in der Schlacht das Leben gerettet hat. Es war also eine militärische Auszeichnung. Diese Bürgerkrone hieß „corona civia“.

Erstmals erhielt mit Augustus – der zur Zeit Christi regierte – auch ein römischer Kaiser diese Eichenlaubkrone. Der Grund lag darin, daß er durch die Beendigung des Bürgerkriegs viele Menschenleben gerettet hat und für Recht und Ordnung sorgte. Er wurde als gerechter, treuer und zuverlässiger Herrscher gewürdigt und geachtet.

Die Eichenlaubkrone trug er bei festlichen Anlässen teils auf dem Haupt, meist hing sie aber über seiner Haustür.

Auch in Preußen wurde diese Symbolik des Siegeskranzes bei bürgerlichen oder militärischen Auszeichnungen übernommen. Bekannt ist aus jener Zeit das Volkslied „Heil Dir im Siegerkranz“, das zugleich eine Art Königs- und Kaiserhymne war, wenngleich keine offizielle Nationalhymne.

Was nun die Ehe damit zu tun hat? – Erstens bilden auch Mann und Frau, wenn sie sich zur Familie erweitern, gleichsam ein „kleines Königreich“, in dem sie gerecht und verläßlich „regieren“ sollen zum Wohl ihrer Kinder.

Zweitens übernehmen sie Verantwortung füreinander und verpflichten sich zu Treue und lebenslanger Verbundenheit. Damit sind sie nicht nur äußerlich, sondern auch geistig-seelisch erwachsen, haben jugendliches Ungestüm („Sturm und Drang“) oder pupertäre Launen hinter sich gelassen – und treten in den Ernst des Lebens bzw. in den „Ehestand“ ein. Für die Hochzeit gibt es auch das Wort „Trauung“ – die Brautleute „trauen“ sich etwas (zu)…

Bei jüdischen und bei orthodoxen Hochzeiten wird die Braut sogar mit einer Krone geschmückt. Der Brautkranz über der Haustür soll eine Art Ersatz für diese Krönung darstellen.


August: Kaiser Augustus gab diesem Monat seinen Namen

Leben, Mythos und Bedeutung dieses römischen Kaisers

Kaiser Augustus kommt nicht nur alljährlich im Weihnachtsevangelium vor, sondern er ist auch der Namensgeber des Ferienmonats August. Der August hat 31 Tage und wurde im Jahre 8 v. Chr. nach dem römischen Herrscher Augustus benannt, da er in diesem Monat sein erstes Konsulat angetreten hatte.

Der Name der Stadt Augsburg geht auf die römische Provinzhauptstadt „Augusta Vindelicorum“ zurück, die 15 v. Chr. unter dem römischen Kaiser Augustus als Castra gegründet wurde. Damit gehört Augsburg zu den ältesten Städten Deutschlands.  

Was wissen wir über den größten und berühmtesten Herrscher Roms? Wie kam er an die Macht? Was für ein Lebenswerk hat er der Nachwelt hinterlassen? Wie besiegte er seine Feinde und machte sich selbst zur Legende?

Der heute so bekannte Ehrentitel „Augustus“ wurde ihm erst im Jahre 27 v. Chr. durch den Senat verliehen. Auf Deutsch bedeutet er so viel wie „der Erhabene“. Die Namen „Augustus“ und „Caesar“ wurden dann in der Regierungszeit seines Nachfolgers Tiberius zum festen Bestandteil der römischen Kaisertitulatur.

Der Geburtsname von Augustus lautete Gaius Octavius. Er stammt aus dem römischen Patriziergeschlecht der Julier, welches aus Alba Longa stammte.

Dieser Name wurde vom sagenumwobenen Iulus abgeleitet, der angeblich ein Sohn des trojanischen Adeligen Aeneas war. Aeneas betrachtete sich als Sohn der Aphrodite (oder Venus) und begründete damit den Stammbaum der Julier. Der Vorgänger und Adoptivvater von Augustus  –  der bekannte Gaius Julius Caesar  –  leitete durch diese Mythos sogar seine „göttliche“ Herkunft ab.

Während seines Aufstiegs zur Herrschaft wurde er von den Geschichtsschreibern oft auch als Octavian (Oktavian) bezeichnet, um ihn von seinem Vorgänger Gaius Julius Caesar namentlich besser unterscheiden zu können. Im Laufe seiner Regierungszeit wechselte er noch häufiger seine Namen und Titel, so dass er unter mehreren Bezeichnungen in der Geschichtsschreibung auftaucht.

Kurz vor seinem Tod lautete sein vollständiger Name und Titel „Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex Maximus, Consul XIII, Imperator XXI, Tribuniciae potestatis XXXVII, Pater patriae“. –  Zu Deutsch bedeutet dies etwa: „Imperator Caesar, Sohn des Vergöttlichten, der Erhabene, Höchster Oberpriester, 13 mal Konsul, 21 mal Imperator, 37 mal Inhaber der tribunizischen Gewalt, Vater des Vaterlandes.“

Der direkte Vorgänger von Augustus hieß Gaius Julius Caesar, der in den „Iden des März“ im Jahre 44 v. Chr. bei einem Anschlag in der Senatssitzung durch 23 Messerstiche ums Leben kam. Die Verschwörung gegen Caesar hatte eine Gruppe Senatoren um Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus vorbereitet und ausgeführt. Viele Senatoren nahmen es Caesar übel, dass er sich mit militärischen Druckmitteln zum Diktator auf Lebenszeit ausrufen ließ. Besonders die Anhänger der Republik befürchteten, dass er nach der Königswürde greifen wolle, was das endgültige „Aus“ für die Republik bedeutet hätte.

Richtig ist, dass Caesars Amt am Ende königsgleich war, er aber letztlich keinen Weg fand, mit der Zustimmung des Senats und des römischen Volkes die Monarchie einzuführen. Die Verschwörer rechneten sich durch die Ermordung Caesars aus, als „Retter der Republik“ zu gelten und vom Volk als „Befreier“ gefeiert zu werden. Doch Caesar genoss sowohl beim Volk als auch bei seinen Truppen hohes Ansehen, so dass die Mörder schließlich flüchten mussten, um anderen mächtigen Gestalten wie Mark Antonius oder Octavian  –  eben Augustus  –  das Feld zu überlassen.

Als Gaius Julius Caesar gestorben war, wurde seine Beerdigung unter tumultartigen Bedingungen durchgeführt. Hier heizte vor allem sein früherer Mitstreiter Mark Antonius die Stimmung beim Volk gegen die Caesarenmörder kräftig an. Es wurden aufwendige Leichenspiele veranstaltet, in denen die blutige Toga von Caesar gezeigt wurde. Die berühmte Rede von Mark Antonius, in der er indirekt die Schandtaten der Verschwörer anprangerte, brachten das Fass zum Überlaufen.

Das Volk nahm die aufgebahrte Leiche an sich und errichtete spontan einen Scheiterhaufen aus Möbeln, Kleidern und Waffen, um den geliebten Diktator darauf einzuäschern. Im Anschluss versuchte der aufgebrachte Mob die Häuser der Caesarenmörder zu stürmen, um die Verschwörer zu lynchen. In dieser Phase des Machtkampfes kann man also Mark Antonius als „Verbündeten“ von Augustus bezeichnen, der durch diese Aktion eine wichtige Tür zur Macht für Augustus öffnete. Auch wenn dies vielleicht nicht ganz absichtlich geschah, da sich Marc Anton selbst schon als Nachfolger Caesars sah.

Augustus war zur Zeit der Ermordung Caesars ein „unbeschriebenes Blatt“ im Kampf um die Macht in Rom. Letztlich war der Schlüssel Caesars Testament, in dem er Augustus als Adoptivsohn anerkannte und ihm eine große Summe seines Vermögens vermachte. Dieser Schachzug war zwar etwas ungewöhnlich, doch entsprach er durchaus dem römischen Recht. Da Augustus nun offiziell als „Sohn Caesars“ in der Öffentlichkeit auftreten konnte, war der Weg zur großen politischen Bühne frei.
Als „Sohn Caesars“ war es ein leichtes, sich vor dem Volk als „Rächer“ an den Mördern seines Vaters auszugeben und viele Sympathien beim Volk und den Legionen zu gewinnen. Das Testament Caesars lieferte ihm also sowohl die politische Legitimation als auch die finanziellen Mittel, in den Machtkampf um die Nachfolge Caesars einzusteigen.

Im Gerangel um Caesars Nachfolge taten sich drei mächtige Männer zusammen, um die politische Macht in Rom aufzuteilen. Im November des Jahres 43 v. Chr. taten sich Octavian, Marcus Aemilius Lepidus und Marcus Antonius zu einem Bündnis zusammen, welches als das 2. Triumvirat in die Geschichte einging. Ihr gemeinsames Ziel war die Sicherung des politischen Erbes nach Caesars Ermordung und die Bestrafung der Mörder.

Das Triumvirat hielt insgesamt etwa zehn Jahre, wobei Augustus gegen Ende seinen Rivalen Lepidus entmachtete. Am Ende des Triumvirates blieben somit nur noch Augustus, der den gesamten Westen des römischen Reiches beherrschte, und Mark Antonius übrig, der seine Machtposition im Osten hatte.

Augustus wurde am 23. Sep. 63 v. Chr. geboren und starb am 19. August 14. n. Chr. in Nola bei Neapel. In seine Amtszeit fällt die Geburt Jesu Christi. Jesus und Augustus sind sich nie persönlich begegnet. Dennoch hatte Augustus‘ Lebenswerk auf die spätere Christenheit einen großen Einfluss. So ist Augustus für das Neue Testament von grundlegender Bedeutung. Das Imperium Romanum, das er seinen Nachfolgern hinterließ, ist nicht nur der Rahmen all dessen, was sich im Neuen Testament abspielt, sondern für die meisten Christen der sie prägende Lebensraum. Mit seiner Infrastruktur vom Euphrat bis zum Atlantik und von Nordafrika bis nach Schottland ist dieses Imperium die geographische Voraussetzung für eine schnelle Ausbreitung des Evangeliums.

In Rom gab sich Augustus als moralischer Erneuerer und war ein starker Verfechter und Hüter von Ehe und Familie (Monogamie).

Hier ist anzunehmen, dass die späteren Christen einige Eigenschaften von Augustus als Wertvorstellungen aufnahmen. Beispielsweise nannte sich auch der Papst in den ersten Jahrhunderten der Kirche wie Augustus „primus inter pares“ (Erster unter Gleichen). Auch das römische Rechtswesen kann als wichtiger Vorläufer unseres modernen (abendländischen oder „christlichen“) Rechtsverständnisses angesehen werden.

In dieser Zeit hat sich die berühmte ägyptische Königin Kleopatra VII  –  die Große  –  einen unsterblichen Namen in der Geschichte gemacht. Sie wurde etwa 69 v. Chr. geboren und starb 30 v. Chr. angeblich durch den Biss einer Schlange (Selbstmord), als Augustus das Heer des Antonius vernichtend geschlagen hatte. Es gelang Augustus, Marc Antons Ansehen bei den Römern zu vernichten und so einen Krieg gegen ihn anzuzetteln.

Nachdem Marc Antonius besiegt war, gab es für Augustus keine ernsthaften Konkurrenten mehr, und seinem Aufstieg zum ersten „Mann im Reich“ stand nichts mehr im Wege.

Doch Augustus hatte vom Beispiel Caesars gelernt und strebte nicht offen die Kaiserkrone an, sondern ersann ein recht kompliziertes Konstrukt, welches ihm zwar die Macht gab, aber nach außen hin bescheiden wirken ließ. Er selbst bezeichnete sich zwar nie als römischer Kaiser, aber die von ihm geschaffene Machtform des „Prinzipats“ war im Grunde nichts anderes als eine „verhüllte“ Alleinherrschaft. Sie ebnete den Weg für seine Nachfolger, sich dann endgültig als „römische Kaiser“ etablieren zu können.

Von ihm soll der berühmte Ausspruch stammen „Ich kam in eine Stadt aus Ziegeln und erschuf eine Stadt aus Marmor“. Dies scheint nicht übertrieben, denn während seiner Regierungszeit erlebte die Stadt eine kulturelle Blüte und der Handel florierte. Viele berühmte Bauwerke wurden zu seiner Zeit erschaffen  –  z.B. die Aquädukte, die Kanalisation, das Augustusforum, das Marcellustheater.

All dies geht Hand in Hand mit seinem Anspruch, Rom den Frieden gebracht zu haben. Als „Pax Augusta“ sollte seine Regierungszeit in der Erinnerung bleiben. 

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan