Spiritueller Missbrauch in der charismatischen Jugend-Gemeinschaft „Totus Tuus“?

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Geistlicher Missbrauch bei Totus Tuus?“ berichtet die neue Juni-Ausgabe der „Herder-Korrespondenz“ aus Freiburg über Beschwerden von Aussteigern wegen sektenähnlicher Strukturen und religiösem Fanatismus bei dieser Bewegung. Auch das „Neue Ruhr-Wort“ berichtet aktuell darüber.

Die Jugend-Initiative „Totus Tuus“ gehört zu den sog. „Neuen geistlichen Gemeinschaften“, ist eng mit Medjugorje verbunden und versteht sich als „charismatisch“ und „marianisch“. Man fühlt sich dabei besonders der „Neu-Evangelisierung“ verpflichtet.

Solidarisch ist diese Gruppierung auch mit dem charismatisch-ökumenischen „Gebetshaus Augsburg“ und dem von dort initiierten „Mission Manifest“.

BILD: Medjugorje ist das Ziel der meisten Totus-tuus-Wallfahrten

Die Gemeinschaft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die 1997 entstand, veranstaltet seit Jahrzehnten Pilgerfahrten zum Erscheinungsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina.

Da die dortigen Phänomene kirchlich nicht anerkannt sind, tröstet man sich gerne mit dem Hinweis bzw. der Ausflucht, die Anerkennung der Marienerscheinungen sei gleichsam durch das „Gottesvolk“ vonstatten gegangen – wie eine Art Abstimmung mit den Füßen. Damit wird das kirchliche Hirtenamt in diesem Punkt letztlich durch die eigene Anhängerschar verdrängt.

Wir haben uns bereits zur Entstehungszeit unseres CHRISTLICHEN FORUM im Sommer 2011 skeptisch mit „Totus tuus“ befaßt: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/21/%e2%80%9etotus-tuus%e2%80%9c-feiert-medju-jubilaum-in-heroldsbach/

Zuvor hatte ich ausführliche Telefonate und Gespräche mit Totus-Mitgliedern geführt und (vergeblich) versucht, sie von ihrer Erscheinungsfixiertheit abzubringen und Schwärmer-Phänomene wie das sog. „Ruhen im Geist“ (charismat. „Hammersegen“, Rückwärtskippen in Trance) kritisch zu durchleuchten. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/05/30/wie-eine-charismatikerin-die-geisttaufe-bei-alan-ames-und-totus-tuus-erlebte/)  

Laut Herder-Korrespondenz werfen ehemalige Mitglieder dieser Gemeinschaft nunmehr vor, bereits als Jugendliche von ihren Familien isoliert und seelisch-spirituell unter Druck gesetzt worden zu sein. Auch von „blindem Gehorsam“ und religiösem Leistungsdruck ist die Rede.

BILD: Der Paulus-Dom von Münster, in dem die Gruppe „Totus Tuus“ jahrelang ihre Gebetsabende im Beisein des Bischofs gestaltete.

„Totus Tuus“ (das lateinische Wort heißt übersetzt „Ganz Dein“ und bezieht sich auf Maria) ist auch in der Diözese Münster aktiv und kirchlich anerkannt.

Die Gemeinschaft schreibt dazu auf ihrer Webseite: „Aus einer lockeren Gruppe ist ganz langsam eine verbindliche Gemeinschaft gewachsen, die an Ostern 2004 als eine private Vereinigung von Gläubigen diözesanen Rechts durch den damaligen Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, kirchlich anerkannt wurde.“

Die Gruppe durfte z.B. allgemeine Gebetsabende und Jugend-Andachten im Paulus-Dom mitgestalten, an denen der Bischof mehrfach persönlich teilnahm. Als Geistlicher Beirat fungierte Weihbischof Christoph Hegge, der früher allgemein für die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ zuständig war.

Seit einiger Zeit läuft nun aufgrund der Vorwürfe ehemaliger Mitglieder eine amtliche kirchliche Visitation der Gruppe im hiesigen Bistum, die nächstes Jahr abgeschlossen sein soll. (Näheres hier: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/aussteiger-werfen-gruppe-totus-tuus-geistlichen-missbrauch-vor/)

HINWEIS: Wir warnen seit Jahrzehnten vor dem pastoralen (seelsorglich-geistlichen) Missbrauch durch schwärmerisch-fanatische Gemeinschaften.  – Hier finden Sie weitere 27 Artikel (Erlebnisberichte, Analysen, Rezensionen) zu genau dieser Thematik: https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/


Evangelikale Bücher warnten schon lange vor dem „geistlichen“ Missbrauch

Von Felizitas Küble

Kürzlich erschien das vieldiskutierte Buch der Ex-Nonne Doris Wagner mit dem Titel „Spiritueller Missbrauch“.

Nachdem die Ordensfrau aus der Gemeinschaft „Das Werk“  –  das sich selbst als „geistliche Familie“   versteht  – ausgetreten war, schlug sie einen theologisch progressiven Kurs ein und verfaßte zwei Bücher, die persönliche Erlebnisse schildern bzw. vor religiöser Manipulation warnen.

In kirchenpolitischer Hinsicht schüttet die Autorin allerdings das Kind mit dem Bade aus, was bei einem „Blick zurück im Zorn“ des öfteren geschieht, aber gleichwohl von geistiger und geistlicher Unreife zeugt.

Freilich entsteht nun da und dort der Eindruck, als habe die reformkatholische Verfasserin gleichsam ein „Tabu gebrochen“, als habe sie das Thema des „geistlichen Missbrauchs“ ganz neu und taufrisch in die Öffentlichkeit gebracht.

Einigen naiven katholischen Kreisen mag das so erscheinen, vor allem, wenn sie bislang erscheinungsbewegt und schwarmgeistig gar nicht mitbekommen haben, welches Ausmaß der seelsorgerliche Missbrauch gerade in einigen „oberfrommen“ Gruppierungen anrichten kann.

Wir warnen im CHRISTLICHEN FORUM seit Bestehen im Mai 2011 genau vor diesem Phänomen – und obwohl das Themenspektrum hier sehr vielseitig ist, konzentrieren wir uns  auf ungesunde Phänome in esoterischen, charismatischen und wundersüchtigen Bewegungen – auch im Hinblick auf (un)geistliche Manipulation der Gläubigen oder gruppendynamischen Seelenfang.

Die Problematik kommt auch in meiner 52-seitigen Broschüre „Botschaften des Himmels?“ zur Sprache, die vor 11 Jahren erschien; sie konnte wohl manches Hineinschlittern in gefährliche Strömungen verhindern oder betroffenen Aussteigern bei ihrem „Freischwimmen“ Mut machen, wie ich aus etlichen Rückmeldungen erfuhr.

Leider hat sich ansonsten im katholischen Bereich diesbezüglich wenig getan, nicht selten fühlen wir uns  – offen gestanden – fast wie „Rufer in der Wüste“.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, sei darauf hingewiesen, daß dieses Problemfeld von evangelikaler Seite schon früh erkannt wurde  – auch im Hinblick auf seelsorgliche Mißstände in deren eigenen Reihen.

Gerade diese theologisch konservativen und nüchtern denkenden Verlage und Gruppen warnen seit langem vor irrgeistigen Abwegen der Frömmigkeit – einschließlich schwärmerischer, glaubensfanatischer bzw. sektiererischer Tendenzen. Zu diesen mahnenden Stimmen gehört z.B. auch die evang. Nachrichtenagentur IDEA.

Als konkretes Beispiel sei das Buch „Zerbrochene Flügel“ von Jutta Wilbertz erwähnt, das bereits 2006 im evangelischen Verlag R. Brockhaus erschien (siehe 1. Foto). Es trägt den vielsagenden Untertitel „Geistlicher Missbrauch und zerstörerischer Glaube“.

Die Herausgeberin selbst berichtet von ihren verstörenden Erfahrungen in einer charismatischen deutschen Mega-Gemeinde, die auf „Zeichen und Wunder“ sowie auf „Prophetien“ getrimmt war und Gehorsam gegenüber dem – angeblich gottbegnadeten – Hauptpastor forderte.

Erfreulicherweise hat Frau Wilbertz trotz schmerzlicher Erlebnisse und seelischem Missbrauch ihren christlichen Glauben nicht verloren, sondern nach ihrem Ausstieg schrittweise wieder neuen Glaubens- und Lebensmut gefunden.

Ähnlich erging es weiteren Menschen, die ihre bewegenden und erschütternden Schicksale in diesem Sammelband schildern.

Eine ausführlichere Besprechung des lesenswerten Buches folgt demnächst.

 

 


Aussteiger aus der ultralinken „Antifa“ über Sexismus und Intoleranz dieser Szene

Es gibt neben linksradikalen Randalierern auch  e c h t e , gemäßigt, sozusagen „bürgerliche“ Antifaschisten, die sich aktiv sowohl gegen den braunen wie gegen den roten Extremismus wenden und grundsätzlich jede Gewalt (auch gegen „Sachen“) ablehnen.

Zu diesem erfreuliche Spektrum gehört zB. die Webseite „Magnus-Becker-Blog„.

Antifa Graffiti

Nach einem Artikel „Münster gegen Neonazis“ wurde dort unter dem Titel „Münster gegen Abtreibung“ ein Artikel veröffentlicht, der sich klar gegen die Stör-Aktionen von linksradikaler Seite ausspricht und zugleich für das Lebensrecht ungeborener Babys eintritt.

Hier finden Sie diesen sachlichen, wohltuenden und fairen Artikel:
http://www.magnusbeckerblog.de/muenster-gegen-abtreibung/2546/

Neben diesem kenntnisreichen Beitrag des engagierten Blogbetreibers sind auch die Leserkommentare hierzu vielsagend und informativ; wir zitieren einige Beispiele:
So schreibt zB. Jan Effing:
Von Galen erreichte als katholischer Widerstandskämpfer gegen das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten landesweit Bekanntheit.“ – DAS  wollen die, die ’1000 KREUZE FÜR DAS LEBEN’ “stolpern” lassen wollen, einfach nicht begreifen! Und sie, die Linken (selbst die wohlmeinenden naiven, die vielleicht wirklich nur gegen vermeintliche “Frauenfeindlichkeit” protestieren möchten), machen sich zum Handlanger brauner Sozialisten, die am liebsten x & y abtreiben lassen würden! Da sind dann rote Sozialisten leider der verlängerte Arm der Euthanasie-befürwortenden Neonazis!“

Zudem meldet sich eine „Linke Aussteigerin“
(so nennt sie sich selbst) zu Wort:
„Hey! Die undifferenzierte Stimmungsmache der “Antifa” gegen EuroProLife war für mich ein Grund, auszusteigen.Einer der Gründe, warum ich aus der angeblichen ANTIfa, die diesen Namen aber nicht verdient, denn die meisten Jungs dort sind widerliche Chauvischweine (Strauss-Kahn, den übelsten aller Sexisten, nehmen die bis heute in Schutz, nur weil er wie sie roter Sozialist ist), ausgetreten bin.“
Eine weitere Ex-Antifa-Dame reagiert etwas „zwiespältig“, aber durchaus klar gegen Extremismus: „Ääääheem?? Das sehe ich zwiespältig und bin keineswegs enthusiastische Abtreibungsgegnerin, aber das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit sollte Lebensschützern nicht abgesprochen werden! Wenn am kommenden Samstag euch ProLife-Aktiven der Mund verboten werden soll, werde ich bei den ProChoice-Aktivitäten nicht mehr mitmachen! Denn mit EINEM liegst du richtig, Magnus! Wenn du wüsstest, wie recht du mit diesen beiden Sätzen hast! Ich fühle mich an meine Zeit in der Anarchoszene von vor zwei Jahren erinnert:  “(..) Wer -wie die meisten linksextremen Männer- den “Kampf gegen Sexismus” als Grund für eigene Aggressionen gegen Lebensschützer vorschiebt, aber selber der eigentliche Sexist ist (Projekte gegen Sexismus schikaniert), der ist einfach nur noch verlogen! “Emanzipatorisch” sind solche Linken sicherlich nicht! (…)“

Auch folgender Leserkommentar ist aufschlußreich:

„Ich bin gestern bei der Vorbesprechung des Antifa-Protests gegen den heute bevorstehenden “1000 Kreuze für das Leben”-Schweigemarsch offen aufgetreten und habe gefordert, dass sich die Genossen und Genossinnen gegen den Frauenschinder Strauss-Kahn positionieren (…), aber nicht gegen rechtschaffene Bürger, die sich aus honorigen Motiven gegen Abtreibung engagieren. Dafür wurde ich übelst beschimpft, der Sexismus des Monsieur Strauss-Kahn gerechtfertigt, verharmlost oder sogar bejubelt! Verkehrte Welt! Als ich meinen Austritt aus der Gruppe ankündigte, wurde ich sektenhaft bedroht. Das machte mir richtig Angst. Ich habe vorerst bei einer Genossin Unterschlupf gefunden, aber fürchte mich noch. Wenn sie unter Druck gesetzt wird, gibt sie eventuell preis, mich zu verstecken. Ich melde mich bald wieder!“