SPD-nahe Stiftung lädt jüdischen Schriftsteller Chaim Noll wegen unliebsamer Ansichten aus

Von Felizitas Küble

Der deutsch-israelische Schriftsteller und Universitäts-Dozent Chaim Noll (siehe Fotos) wurde kürzlich von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung ohne Angabe von Gründen ausgeladen.

Lag es vielleicht daran, dass er öffentlich geäußert hatte, die AfD sei doch relativ judenfreundlich (jedenfalls stärker als die anderen Parteien)?

Immerhin hatte sich die AfD als einzige Fraktion im Deutschen Bundestag für die Verlegung der Deutschen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem ausgesprochen, was zweifellos im Sinne des Staates Israel wäre.

Auch wir waren zum Beispiel reichlich enttäuscht darüber, daß z.B. die früher betont pro-israelische CSU sich nicht für eine Botschaftsverlegung nach Jerusalem stark machte.

Auch in anderen Themenbereichen hat sich die AfD auf die Seite des jüdischen Staates gestellt, etwa bei ihren Protesten gegen skandalöse Hilfsgelder aus Deutschland und der EU für radikal-palästinensische Gruppen und Projekte.

Die nahostpolitischen Vorstellungen der SPD bzw. des von Maas geführten Außenministeriums sind hingegen einseitig pro-arabisch, teils sogar iranfreundlich. Auch in den Vereinten Nationen stellt sich die deutsche Regierung bei entsprechenden Resolutionen leider nur selten auf die Seite des jüdischen Staates.

Statt daß die SPD samt ihrer Stiftung endlich in sich geht und ihre abweisende Haltung gegenüber Israel überdenkt, „bestraft“ sie den Autor, der auf diese Fakten hinweist.

Chaim Noll schreibt regelmäßig in der liberal-konservativen Infoseite „Achse des Guten“;  in einem Kommentar schreibt er  jetzt darüber, daß die „Friedrich-Ebert-Stiftung eine seit Monaten verabredete Lesung mit mir im Ariowitsch-Haus in Leipzig abgesagt“ habe  – und dies wohlgemerkt „drei Tage vor dem geplanten Termin“.

Ja, dies geschah sogar „ohne Angabe von Gründen“. Die Krönung des dreisten Treibens kommt noch: Auf der Website des Ariowitsch-Hauses wurde die plötzliche Absage so formuliert, dass der Eindruck entstehen konnte, sie ginge von mir aus. Was ich besonders schäbig finde.“

Sind wir auf dem Weg zur Meinungsdiktatur?

Der in der „DDR“ geborene und vom SED-Regime verfolgte Schriftsteller Noll macht sich über die heutigen Zustände in Deutschland anscheinend keine Illusionen:

„Früher, als die Bundesrepublik Deutschland noch eine Demokratie war, als es noch so etwas wie Meinungsfreiheit gab und Pluralität, haben mich parteinahe Stiftungen zu ihren Veranstaltungen eingeladen, auch wenn ich dort kritische Gedanken vortrug.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung lädt offenbar nur noch Gäste ein, die sich im Sinn ihrer Partei-Linie äußern. Es ist reine Heuchelei, wenn die dahinter stehende Partei die Bedrohung demokratischer Werte durch die AfD beklagt.“

Damit bringt Noll die Sachlage exakt auf den Punkt.

Am 6. November 2018 nahm ich in Krefeld an einer Lesung des israelischen Publizisten im Jüdischen Gemeindezentrum teil.

Nach seinem Referat, das mit Buch-Auszügen gespickt war (siehe Fotos), fragte ich Chaim Noll, ob die Regierung Netanjahu den Migrationspakt  – der damals in aller Munde war  –  unterzeichnen werde. Der Autor antwortete mit einem klaren Nein.

Am nächsten Tag brachten wir – unter Berufung auf Noll – eine Meldung hierüber im CHRISTLICHEN FORUM: https://charismatismus.wordpress.com/2018/11/07/israel-unterschreibt-den-migrationspakt-nicht/

Der Publizist behielt recht: Einige Wochen später war es nämlich amtlich, daß Israel nicht zu den Unterzeichnerstaaten gehört – ebenso wie die USA und viele mittel- und osteuropäische Länder.

Gut zwei Wochen vor der Krefelder Veranstaltung mit Noll im Rahmen seiner Deutschlandtour hatte der Schriftsteller in unserem CF einen ausführlichen Artikel über die jüdischen und „jiddischen“ Zusammenhänge mit der deutschen Sprache veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/22/warum-deutsch-eine-juedische-sprache-ist/

Und kurz zuvor erschien in unserem CHRISTLICHEN FORUM eine Buchbesprechung des deutsch-israelischen Autors, worin er sich nicht scheute, einige handfeste politische Probleme deutlich zu durchleuchten: https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/14/gehoeren-juden-noch-zu-deutschland/

Der früher in der „DDR“ unter dem Namen Hans Noll bekannte Bürgerrechtler fiel während der SED-Diktatur in Ungnade; er lebte danach in Westdeutschland und Rom; 1995 wanderte er nach Israel ein und lebt seitdem mit seiner Familie in der Wüste Negev.

Inhaltlich beziehen sich die literarischen Erzählungen in seinen Büchern meist auf die Lebensverhältnisse im heutigen Israel; sie schildern sehr anschaulich und bisweilen humorvoll den Alltag in den Städten und Kibbuzsiedlungen; sie berichten z.B. von den Konflikten zwischen ultrareligiösen und eher säkularen Juden, von jungen Soldaten und uralter Tradition, von den Besonderheiten der Negev-Wüste etc.

Dieser unabhängige Denker ist damals wie heute denjenigen ein Dorn im Auge, die sich lieber mental gleichschalten lassen und bequem dem rotgrünen Zeitgeist unterordnen, wie das skandalöse Beispiel der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt.

Der prominente Namensgeber Friedrich Ebert  –  aufrechter Sozialdemokrat und einstiger Reichspräsident  –  käme heute garantiert aus dem Kopfschütteln über seine Partei nicht mehr heraus.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Warum das 5. Gebot in richtiger Übersetzung „Du sollst nicht morden“ lautet

Von Felizitas Küble

In der Online-Ausgabe der „Jüdischen Allgemeinen“ vom 3. April 2019 befaßt sich der Münchner Historiker Dr. Michael Wolffsohn mit dem Thema „Juden in der Bundeswehr“: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/nach-allem-und-trotz-allem/

Schon vor Jahrzehnten, als es noch eine Ausnahmeregelung für Holocaust-Überlebende der dritten Generation gab, nicht zum „Bund“ eingezogen zu werden, plädierte der deutschjüdische Professor (siehe Foto) für eine Beteiligung jüdischer Soldaten nach der Devise: „Gleiche Rechte, gleiche Pflichten“.

Heute sind Juden in der Bundeswehr samt ihrem Militär-Rabbiner längst eine  Selbstverständlichkeit. 

In seinem Artikel „Nach allem und trotz allem“ äußert sich Wolffsohn auch zur Übersetzung und Auslegung des 5. Gebotes: „Du sollst nicht morden“, das sowohl sprachlich wie inhaltlich oft falsch mit „Du sollst nicht töten“ übersetzt wird.

Doch der überzeugte jüdische Autor kennt sich aus und schreibt:

„In der Tradition Martin Luthers übersetzt die christliche Einheitsbibel nämlich dieses zentrale Gebot aus dem Dekalog irreführend und sinnwidrig mit »Du darfst nicht töten«. Im hebräischen Original heißt es »lo tirzach«, »Du darfst nicht morden«. –  Es heißt nicht »lo taharog«, »Du darfst nicht töten«.   – Das wiederum heißt unausgesprochen »Notfalls darfst du töten« – wenn nämlich dir selbst der Tod droht.“

Er erinnert sodann an das Wort des bekannten Schriftstellers Albert Camus: Manchmal muss man »töten, um den Mord abzuschaffen«.

Auch die Halacha, das jüdische Religionsgesetz, hat sich stets im Sinne eines Notwehr- und Verteidigungsrechts ausgesprochen – sowohl für Personen wie für Nationen.

Das „jüdische Fundamentalgebot“, das den MORD verbietet, gilt hingegen ausnahmslos – und so sieht es auch die katholische Moraltheologie.

Foto: Michaela Koller

 

 


Ranis: Fastennachmittag mit Dr. Boroda würdigt sechs christliche Märtyrer der NS-Zeit

Jüdischer Autor über „Leidenswege in einem gottlosen System“

Beeindruckende Zeugnisse von Menschen, die für ihren Glauben ein Martyrium auf sich nahmen, legte Dr. Moisei Boroida am zweiten Fastensonntag in der katholischen St.-Elisabeth-Kirche in Ranis (Thüringen) vor.

Der Musikwissenschaftler und Autor zeichnete die Lebenswege von sechs christlichen Märtyrern des 20. Jahrhunderts nach, die „dem gottlosen System der Nationalsozialisten zum Opfer fielen“.

Da­bei verwob der 1947 in Georgien als Kind jüdischer Eltern geborene Künstler die Biographien mit Briefen, Zitaten und emotionalen Szenen zu einem Gesamtkunstwerk, ergänzt von der Musik der Schola der katholischen Gemeinde.

BILD: Mit den zwei Bänden des „Deutschen Martyrologiums“ bedankte sich Johannes Heibel (rechts) vom Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde Ranis bei Dr. Moisei Boroda in der St.-Elisabeth-Kirche.

Alle Märtyrer vereint die Bereitschaft, für ihren Glauben den Tod auf sich zu nehmen. Wie sich bei einzelnen Theologen des vergangenen Jahrhunderts diese Erkenntnis geradezu herausbildete, stellte Dr. Moisei Boroda eindrücklich vor.

Seine Texte – von den Lektoren der Raniser katholischen Gemeinde gelesen – ließen die Gäste aus Ranis, Pößneck, Neustadt/Orla, Auma, Weida und Saal­feld an den letzten Stationen des Lebens von Karl Leisner, Alois Andritzki, Edith Stein, Alfons Maria Waxmann, Franz Reinisch und Dietrich Bonhoeffer teilhaben.

Während Edith Stein, laut Boroda „eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des christlich-jüdischen Glaubens“, und der evange­lische Theologe Dietrich Bonhoeffer sicherlich den meisten Gästen vertraut waren, erschloss der Wissenschaftler mit den anderen vier Priestern Neuland. Alle kamen während des Zweiten Welt­krieges, zumeist in Konzentrationslagern oder in Gefängnissen, oder kurz danach ums Leben.

Drei von ihnen sind seliggesprochen (Leisner, Andritzki, Stein), für einen hat der Prozess dazu be­gonnen (Reinisch), Edith Stein wurde außerdem 1989 heiliggesprochen. Damit wird sie als Heilige in der katholischen Kirche besonders verehrt.

Johannes Heibel von der Raniser Gemeinde, der Dr. Moisei Boroda eingeladen hatte, sagte zur Begrüßung: „Uns erscheint es heute fremd, dass Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt und hingerichtet wurden.“ – In vielen Ländern der Welt sei dies jedoch auch heute noch zu beobachten.

Gleichzeitig schlug er den Bogen vom Pallotinerpater Franz Reinisch – einem der vorgestellten Märtyrer – zur Region: Zwei aus der weltweiten Gemeinschaft waren viele Jahrzehnte auch hier als Priester tätig, Pater Ewald Rieg in Ranis und Pater Remigius Unmüßig in Ziegenrück.

Als „sehr ansprechend und sehr prägnant“ würdigte Pfarrer Werner Ciopcia aus Neustadt/Orla im Gespräch mit dieser Zeitung den Fastennachmittag in Ranis. Ihn habe vor allem das Zusam­menspiel der Lebens- und Leidenswege der sechs Märtyrer sehr angesprochen.

„Das 20. Jahrhundert hat uns gezeigt, in welchen Abgrund der Staat kommen kann, wenn er und seine Anführer sich von Gott lossagen“, gab Dr. Moisei Boroda den Gästen am Ende der Veranstaltung mit auf den Weg.

Wenn Edith Stein gesagt habe, dass kein Weg am Kreuz vorbeiführe, so erweitere er diese Aussage zu: „Kein Weg führt an Gott vorbei“, so der Schriftsteller, Komponist und Musikwissenschaftler.

Autor dieses Artikels und Fotograf des ersten Bildes ist Stephan Breidt aus Ranis, dem wir für die Abdruckgenehmigung herzlich danken.

Gemälde: Evita Gründler

 


Die Unionsfraktion würdigt den verstorbenen Historiker Arnulf Baring als großen Deutschen

Am vergangenen Wochenende starb der bedeutende Historiker und Buchautor Prof. Dr. Arnulf Baring. Dazu erklärt der vertriebenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Eckhard Pols (siehe Foto):

„Arnulf Baring hat in seiner fast 30jährigen Schaffenszeit als Professor für Zeitgeschichte und Internationale Beziehungen am F.-Meinecke-Institut der Berliner Universität bis heute gültige Standardwerke geschrieben.

Sein hohes Ansehen gründete auf den gründlichen Analysen etwa der Außenpolitik des ersten Bundeskanzlers („Im Anfang war Adenauer“) oder der neuen Ostpolitik in der Ära Brandt-Scheel (Bestseller „Machtwechsel“). Baring zählt damit zu den maßgebenden Chronisten der Bundesrepublik.

Der Autor hat darüber hinaus die aktuelle politische Entwicklung der Bundesrepublik mit seinem immensen publizistischen Wirken stets kritisch – mitunter provokant – begleitet und wurde dadurch zum bekanntesten deutschen Historiker.

Dabei trat Baring, der 1945 den Dresdner Feuersturm überlebt hatte, entschieden für ein demokratisch verfasstes Deutschland ein.

Mit der Wiedervereinigung war das mögliche Scheitern der Berliner Republik sein unermüdlicher Antrieb, auf die bislang – insbesondere von der Politik – nicht verinnerlichte neue alte Mittelage in Europa und notwendige Strukturreformen aufmerksam zu machen, damit der deutsche Staat inneren wie äußeren Krisen gewachsen ist.

Der Konservative Arnulf Baring wurde mit seinen grundlegenden Betrachtungen über den Zustand unserer Nation zum  – so schrieb etwa der SPIEGEL  –  „Praeceptor Germaniae“; aufgrund seiner hervorragenden Leistungen für das Gemeinwesen wurde ihm 2011 das Große Verdienstkreuz verliehen.

Sein eindringlicher Appell an uns Parlamentarier zu offenem Vordenken, die wirklichen Probleme des Landes anzugehen und Führungsbereitschaft neu herauszubilden, hallt nach.

Noch 2014 mahnte Baring auf dem Deutschlandtreffen der Ostpreußen, den Blick nach Osten zu richten. Es sei die historische Aufgabe Deutschlands, auf die außerordentliche Sorge der östlichen Nachbarn zu reagieren, wieder unter russische Vormacht zu fallen. Nur vier Jahre später sind ausgerechnet auf dem Gebiet des ehemaligen Königsbergs atomar bestückbare Raketen mit einer Reichweite bis nach Berlin stationiert worden.

Die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag würdigt Arnulf Baring als einen bedeutenden Geisteswissenschaftler und herausragenden Verfechter der Republik: Der Patriot Arnulf Baring gehört zu den großen Deutschen.

Seinem Andenken verpflichten wir uns und unser tiefes Beileid gilt seiner Familie.

Wir setzen uns dafür ein, dass das Bundesarchiv, Nachlassverwalter der Unterlagen des Historikers Baring, eine vollständige Dokumentation seiner publizistischen Werke, insbesondere die Berichte seiner legendären Exkursionen in die versunkenen Landschaften Schlesiens oder Böhmens erstellt.“


USA: Jüdischer Philosoph Daniel Pipes warnt vor Islamisierung durch weitere Migration

Von Felizitas Küble

Der in den USA als Publizist tätige Dr. Daniel Pipes (siehe Foto) ist der Sohn von Holocaust-Überlebenden; ein großer Teil seiner Verwandtschaft wurde von Nazi-Schergen ermordet. Der 1949 geborene Philosoph lehnt den Linksextremismus ebenso ab wie jeden Antisemitismus.

Er bekämpfte bereits als Student die totalitären Ideologien der „Neuen Linken“ bzw. 68er Rebellion. Der klassisch-liberale und konservative jüdische Autor gründete dann als Nahost-Experte das Middle-East-Forum und fungierte als Ratgeber von fünf US-Präsidenten. 

Wir haben bislang in unserem CHRISTLICHEN FORUM drei Artikel von ihm veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/?s=pipes

Weil sich Pipes eindeutig sowohl gegen den Islam wie gegen die rotgrüne Dominanz in Medien und Politik positioniert und zudem die migrationsorientierte Stiftung „Open Society“ von George Soros kritisch beleuchtet, ist er der linken Szene – vor allem  in Deutschland und Österreich – ein Dorn im Auge. (Näheres hierzu berichtete er in der Washington Times: http://de.danielpipes.org/18523/erbost-durch-deutsche-und-oesterreichische-medien)

Am 15. Dezember 2018 gab der jüdische Publizist der italienischen „Controverso Quaotdiano“ ein aufschlußreiches Interview, das von H. Eiteneier übersetzt wurde. Darin ruft Dr. Pipes die europäischen Nationen auf, endlich aus ihrer Traumseligkeit zu erwachen und die Bedrohung durch den Islam zu erkennen, die durch Millionen muslimische Einwanderer weiter angewachsen ist.

Dr. Pipes gibt auch diverse Einwände der Redaktion eindeutige Antworten – so etwa auf die Rückfrage, warum er denn „rechtspopulistische“ Parteien wie etwa die AfD oder die FPÖ in Europa als „zivilisationistisch“ bezeichne. Seine Antwort lautet, dieser Ausdruck beschreibe diese Parteien genauer als die üblichen Begriffe, denn diese Parteien „konzentrieren sich darauf, die westliche Zivilisation zu bewahren, was zivilisationistisch zum exaktesten Begriff macht.“

Stiftung von George Soros gegen westliche Zivilisation

Kritisch äußert sich der jüdische Politologe zur Stiftung von George Soros, der sich bekanntlich einflußreich für weitere Migrantenströme nach Europa einsetzt. Der in Ungarn geborene Milliardär aus den USA schiebt islamkritische Standpunkte in typisch linker Mainstream-Manier gern in die „islamophobe“ Schublade.

Aus Sicht von Pipes ist das Soros-Ziel einer „grenzenlosen Gesellschaft“ in Wirklichkeit ein „perfektes Vehikel für die Vernichtung der westlichen Zivilisation“.

Sodann zitiert die Redaktion aus dem Buch „Der Selbstmord Europas“ von Douglas Murray folgende Aussage:

„Menschen aus aller Welt strömen gerade zu einer Zeit nach Europa, in der es selbst nicht mehr weiß, was es sein soll. Und während die Einwanderung von Millionen Menschen aus anderen Kulturen in eine starke und durchsetzungsfähige Kultur hätte funktionieren können, kann die Einwanderung in eine von Schuld zermarterte, abgestumpfte, sterbende Kultur nicht gut gehen.“

Dr. Piper erklärt dazu: „Dem stimme ich entschieden zu. Ich bin derselben Perspektive in einem Blogeintrag nachgegangen, den ich 2005 anfing: „British Culture – Worth Saving?“ 

Auf die Frage, wie man die sogenannte „politische Korrektheit“ bekämpfen sollte, reagiert Piper kurz und erhellend: „Indem wir mehr Konservative dazu ermutigen, Intellektuelle zu werden.“

Er bezeichnet das Risiko der Islamisierung Europas als „sehr ernst“: „Sie ist unvermeidlich, es sei denn, die Zivilisationisten schaffen es, die Grenzen zu kontrollieren und Muslime zu integrieren.“

Auf die Nachfrage nach einem „Gegenmittel“ antwortet er: „Die Europäer wachen auf und stimmen dafür, die notwendigen Schritte zu unternehmen.“

Das vollständige Interview mit Dr. Pipes lesen Sie hier: http://de.danielpipes.org/18642/europa-wach-auf


Münster: Jüdischer Künstler Dr. Moisei Boroda würdigt christliche Märtyrer der NS-Diktatur

Von Felizitas Küble

Am Sonntagabend, dem 25. November, gab es in der St.-Clemens-Kirche von Münster-Hiltrup eine außergewöhnliche Andacht: Der jüdische Komponist und Literat Dr. Moisei Boroda gestaltete eine Gedenkandacht für christliche Märtyrer – die meisten von ihnen katholische Priester – die wegen ihres Glaubens und ihrer Nächstenliebe in der NS-Diktatur ihr Leben lassen mußten.

Der Musikwissenschaftler und Schriftsteller aus Georgien, der seit Jahrzehnten in der westfälischen Stadt Herne lebt und ausgezeichnet deutsch spricht, kam mit seiner christlich-orthodoxen Frau Sofia Tchkonia zur Pfarrkirche, um einige mutige Geistliche aus der NS-Zeit und ihre heldenhafte Tapferkeit zu ehren.

BILD: Dr. Boroda gestaltete die Diashow mit Unterstützung seiner Frau Sofia – die ebenfalls Musikwissenschaftlerin ist  –  in der Clemens-Kirche von Münster-Hiltrup

Dem Künstler wurde 2016 der Ehrentitel „Botschafter georgischer Kultur“ verliehen; zudem erhielt er Literaturpreise und das Ehrendiplom der „Gesellschaft für die Renaissance jüdischer Kultur“.

Die bewegende Würdigung unter dem Leitwort „Denn Dein ist das Reich“ wurde mit einer eindrucksvollen Diashow und klassischer Musik (z.B. Bach, Schubert, Chopin) sowie einem altgeorgischem Choral begleitet.

Der Komponist setzt sich unermüdlich für das Andenken an christliche Blutzeugen ein, wobei er sein besonderes Augenmerk auf katholische Geistliche legt. Sein diesbezügliches Engagement begann bereits im Jahr 2001, als er sich näher mit dem Lebenszeugnis des seliggesprochenen Priesters Karl Leisners befaßte, der als Opfer der NS-Tyrannei im KZ Dachau starb.

Monika Kaiser-Haas (siehe 2. Foto) sprach am Ambo über Leben und Glaubenszeugnis ihres Onkels, des Geistlichen Karl Leisner aus dem Bistum Münster. Die Hiltruperin ist Vize-Präsidentin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. (Unser Porträt des Seligen hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/06/17/der-selige-karl-leisner-priester-bekenner-und-maertyrer-in-schwer-bedraengter-zeit/)

Der konkrete Anlaß dieser kirchlichen Gedenkveranstaltung ist das zehnjährige Bestehen des Arbeitskreises Bernhard Poether, der von Pfarrer Ewald Spieker  – ebenfalls aus Hiltrup – geleitet wird.

Der Ruhestands-Geistliche (siehe drittes Bild) setzt sich für die Seligsprechung von Kaplan Poether ein, der wie Leisner (und hunderte weiterer Priester) im KZ Dachau starb. Elisabeth Georges erläutere die Stationen seines Lebens. (Näheres zu Poether hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/26/pfarrfest-in-muenster-hiltrup-zeigte-kelch-des-priesters-und-kz-opfers-bernhard-poether/)

Der Hiltruper Pfarrer Nike Netzler begrüßte die versammelten Gläubigen in der Clemens-Kirche. Die Lesungen und Dia-Fotos widmeten sich sodann neben Leisner und Poether weiteren Märtyrern, darunter dem Jesuitenpater Alfred Delp, der wegen seiner aufrechten Haltung gegen die NS-Tyrannei von Freislers Schreckensgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, wie Stefan Winter berichtete.

Zudem wurde an den Ordensmann Elpidius Markötter erinnert, der erst ins KZ Sachsenhausen kam und danach im KZ Dachau von NS-Schergen ermordet wurde. Magdalena Dreike verdeutlichte seinen tapferen Werdegang.

Das Gedenken galt sodann den bekannten vier Lübecker Märtyrern (siehe Foto), darunter drei katholischen Geistlichen (Johannes Prassek, Hermann Lange, Eduard Müller) und einem evangelischen Pastor (Karl F. Stellbrink).

Auch diese Männer mußten ihr konsequentes Glaubenszeugnis und ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Leben bezahlen, was Gisela Korth eindrucksvoll schilderte.

Dabei wurde an das Wort Christi erinnert: „Niemand hat eine größere Liebe, als wer sein Leben läßt für seine Freunde.“ 

Abschließend sprach Marie-Luise Lammert über den orthodoxen Priester-Mönch Prof. Dr. Grigol Peradze, dessen glaubensstarkes Leben in Auschwitz endete. Er wurde von der orthodoxen Kirche in Polen und Georgien zum Heiligen erklärt.

BILD: Der orthodoxe Geistliche und Märtyrer Grigol Peradze aus Georgien (Porträt aus der Diaschau)

Bei der Schlußansprache betonte Dr. Moisei Boroda (siehe Foto), der die Gesamtkomposition des Gedenkabends gestaltete, noch einmal das Motto „Dein ist das Reich“ aus dem ökumenischen Zusatz des Vaterunser-Gebets.

Er erläuterte, daß totalitären Ideologien wie der Nationalsozialismus und der Kommunismus auf kurz oder lang zum Scheitern verurteilt seien. Gottlose Systeme, welche die Zehn Gebote und die Menschenwürde mit Füßen treten, hätten keinen Bestand, denn der Ewige sei der HERR der Geschichte. 

Der jüdische Literat erinnerte dabei auch an die millionenfachen Opfer der unmenschlichen Sowjet-Diktatur, wobei auch unter „Hammer und Sichel“ tausende von Priestern – meist orthodoxe Geistliche  – als Märtyrer starben; nicht erst unter Stalin, sondern bereits unter Lenins Herrschaft. Umso wichtiger sei das gemeinsame Einstehen für die christlich-jüdischen Werte und Ideale inmitten einer verweltlichten Zeit.

Dr. Boroda würdigte das Vaterunser als eines der „schönsten Gebete“. In der nachfolgenden Diskussionsveranstaltung im Pfarrheim betonte er erneut die „jüdischen Wurzeln“ dieses wichtigsten Gebets der Christenheit.

BILD: Dr. Boroda mit seiner Frau Sofia Tchkonia nach der Gedenkveranstaltung

Bei dem Empfang im Gemeindehaus konnten Dr. Boroda viele Fragen gestellt werden, die er eingehend beantwortete. Dabei ging es auch um die Haltung kirchlicher Institutionen und Würdenträger während der NS-Diktatur, die sehr unterschiedlich war.  Der deutsch-georgische Schriftsteller würdigte vor allem den damaligen Berliner Oberhirten Graf von Preysing und seinen Einsatz für die verfolgten Juden.

Pfarrer em. Ewald Spieker moderierte den Abend im Pfarrsaal. Danach wurde Dr. Boroda vom Reporter einer Tageszeitung aus Münster interviewt.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Warum Deutsch eine jüdische Sprache ist

Von Chaim Noll

In einer Diskussion an der Ben Gurion Universität in Beer Sheva über die Zukunft der deutsch-jüdischen Literatur ließ die aus Wien stammende, heute in Amerika lebende Schriftstellerin Ruth Klüger den Satz fallen: „Deutsch ist eine jüdische Sprache“.

Niemand widersprach. Als wir vor rund zwanzig Jahren zum ersten Mal eine Konferenz über deutsch-jüdische Literatur an der Ben Gurion Universität veranstalteten, eine Konferenz, auf der zwangsläufig deutsch gesprochen wurde, obwohl die offizielle Konferenzsprache vorsichtshalber Englisch war, kam es zu Unmutsäußerungen der Bevölkerung.

FOTO: Unser Gast-Autor Chaim Noll ist deutsch-jüdischer Schriftsteller und lebt in Israel

Lange haben die deutschen Einwanderer in Israel ihre Sprache verleugnet. Viele haben innerhalb ihrer Familien nicht mehr Deutsch gesprochen, ihren Kindern und Enkeln die frühere Muttersprache vorenthalten, eine Sprache, in der Juden über Jahrhunderte in Deutschland, Österreich-Ungarn, der Schweiz, in Teilen Polens, der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern eine Sprachheimat hatten, in der sie ihre Geschäfte machten, an den Universitäten unterrichteten und literarisch brillierten.

In den frühen Kibuzim war es regelrecht verboten, deutsch zu sprechen, obwohl oder gerade weil ihre Erbauer oft zu einem großen Teil aus deutschsprachigen Ländern und Gebieten stammten.

Zum einen sollte die drakonische Maßnahme dem aus alten Büchern wiederbelebten Neu-Hebräisch helfen, sich in der extrem multikulturellen, aus aller Welt eingewanderten, etwa zweihundert Muttersprachen sprechenden jüdischen Bevölkerung des britischen Mandatsgebiets Palästina, später des jungen Staates Israel durchzusetzen.

Zweitens galt der deutschen Sprache die tiefe Aversion der Flüchtlinge aus Hitler-Deutschland und den besetzten europäischen Ländern – die Sprache wurde absurderweise mit den Nazi-Tätern identifiziert, obwohl diese sie weder liebten noch wirklich beherrschten.

Daher war es in Israel über Jahrzehnte allgemeine Verabredung, die deutsche Sprache zu ignorieren und zu verachten. Trotz der damit verbundenen Einbußen:

So konnte fast niemand mehr – auch kaum ein Fachwissenschaftler – die Werke der Gründerväter des neuen Staates im Original lesen, denn Theodor Herzl, Moses Hess, Nathan Birnbaum und viele führende Zionisten schrieben deutsch. In dieser Sprache verständigte sich die Szene des säkularen Zionismus, deutsch führte sie ihre Debatten und Korrespondenzen, organisierte sie ihre Strukturen und Kongresse.

Deutsch scheint auch die Sprache der gebildeten Juden im Osten gewesen zu sein: Leo Pinsker, geboren in der Wojewodschaft Lublin im östlichsten Polen und russischer Staatsbürger, verfasste 1882 sein zionistisches Grundsatzpapier „Autoemancipation. Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden“ auf Deutsch – er sprach Russisch nur mittelmäßig, Hebräisch gar nicht und Jiddisch lehnte er als „Jargonsprache“ ab.

Feststellung des Verlusts

Auch die Gedankenwelt der deutsch-jüdischen Philosophie blieb fast allen Israelis in ihrer sprachlichen Subtilität verschlossen, sei es das Werk von Moses Mendelssohn, von Abraham Geiger, Franz Rosenzweig, Hermann Cohen, oder das Schrifttum eines für Israels religiöse Bevölkerung wegweisenden Rabbiners wie Samson Rafael Hirsch aus Frankfurt, der seinen berühmten, von Hunderttausenden Juden in aller Welt studierten Tora-Kommentar selbstverständlich in seiner deutschen Muttersprache schrieb. 

Sogar ein Sprachwissenschaftler und Islam-Forscher wie Ignaz Goldziher verfasste damals, obwohl er in Budapest lebte und lehrte, seine umfangreichen Bücher in deutscher Sprache.

FOTO: Die Menora  – der siebenarmige Leuchter  – ist neben dem Davidstern ein bekanntes Symbol des Judentums

Schon Mendelssohn hatte im späten achtzehnten Jahrhundert so nachdrücklich auf Deutsch als Sprache philosophischer Theorie und schöngeistiger Literatur insistiert, dass er seinen König, Friedrich den Zweiten von Preußen, für deren Vernachlässigung kritisierte.

In seinen um 1770 erschienen Literaturbriefen bedauert er, dass Friedrichs Gedichtsammlung  Poésies diverses nicht in deutscher, sondern französischer Sprache geschrieben war: „Welcher Verlust für unsere Muttersprache (sic!), dass sich dieser Fürst die französische geläufiger gemacht!“

Israelische Leser, der deutschen Sprache entwöhnt, blieben auf englische oder hebräische Übersetzungen angewiesen, um die Gedanken deutschsprachiger Denker zu rezipieren, obwohl noch die eigenen Eltern oder Großeltern diese Sprache gesprochen und gelesen hatten.

Dabei waren gerade die philosophischen und theologischen Vordenker der jüdischen und israelischen Moderne im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit ihren an Kant und der deutschen Philosophie-Sprache geschulten Schachtelsätzen, Substantivierungen und kühnen Begriffsschöpfungen oft nicht adäquat übersetzbar.

Texte von Abraham Geiger, Franz Rosenzweig oder Rabbi Samson Raphael Hirsch kann eigentlich nur ein Kenner der deutschen Sprache in all ihren Feinheiten verstehen.

Deutsch-jüdische Literatur

Am stärksten litt die Rezeption der deutsch-jüdischen Literatur. Seit Jahren erbe ich Bücher aus opulenten deutschsprachigen Bibliotheken, deren Besitzer sterben, ohne dass jemand in ihrer Familie mit ihren Schätzen etwas anfangen könnte, mit den berühmten Erstausgaben der jüdischen Verlage der Weimarer Republik und Österreichs, Samuel Fischer, Kurt Wolff, Czolnay, Cassirer, den in Leder gebundenen Kunstbänden von Klemperer und Meyer-Graefe, den Romanen, Novellen, Gedichten von Arthur Schnitzler, Hofmannsthal, Harden, Wassermann, Else Lasker-Schüler, Stefan Zweig, Julius Bab, Kafka, Max Brod, Franz Werfel, Feuchtwanger, Schalom Asch. 

Diese oft hundert Jahre alten Bücher, in einer heute vergessenen Grandezza der Ausstattung, mit kostbaren Einbänden, Vorsatzpapieren, Vignetten und Illustrationen, mit Golddruck und seidenen Lesebändern, fallen mir in den Schoß – einzig aus dem Grund, weil ich  deutsch lesen kann.

Und so sehr mich die unerwarteten Geschenke freuen, die mir manchmal kistenweise ins Haus kommen und wunderbare Lesestunden bescheren, so sehr bedauere ich, dass die eigentlichen Erben, die in Israel geborenen Kinder und Enkel der Verstorbenen, unfreiwillig darauf verzichten müssen.

Die Literatur der Juden in deutschsprachigen Ländern ist ein für das heutige westliche Selbstverständnis bedeutendes Phänomen, indem sie den über Jahrhunderte währenden Prozess der Einwanderung und Akkulturation in diesen Ländern widerspiegelt.

Deutsch-jüdische Literatur reflektiert gesellschaftliche Verhältnisse über einen Zeitraum von fast zwei Jahrtausenden. Die erste bekannte Erwähnung einer jüdischen Gemeinde in Deutschland in einem Edikt Kaiser Constantins aus dem Jahre 321 lässt auf noch frühere Existenz von Juden im deutschen Sprachraum schließen, da in diesem Edikt bereits von einer reichen, etablierten Gemeinde in Colonia, dem heutigen Köln, die Rede ist, von deren Repräsentanten der römische Kaiser verlangt, endlich ihrer Bedeutung entsprechende öffentliche Ämter zu bekleiden.

Frühe Gemeinden bestanden vermutlich bereits um die Zeitenwende, in den römischen Gründungen entlang des Rheins, in Garnisonsstädten in Süddeutschland, vor allem in Bayern und Franken, ferner – gleichfalls früh bezeugt – im heutigen Österreich.

Auch Versuche jüdischer Dichter in der deutschen Sprache sind früh belegt, etwa des mysteriösen Süßkind von Trimberg aus Franken. Sein Auftauchen im Codex Manesse dokumentiert ihn als vergleichsweise frühen Autor in der erst relativ spät entstehenden deutschen Literatur.

Die sich im Mittelalter – gegenüber dem Reich Karls des Großen – verschlechternde Situation der Juden findet ihren Niederschlag im Rückgang literarischer Äußerung in deutscher Sprache.

Bekannt werden einige jüdische Disputanten, besonders Josel von Rosheim im späten 15. Jahrhundert, die in den öffentlichen Debatten, ausgelöst durch anti-jüdische Hetzschriften, die Position der Juden verteidigen und bei dieser Gelegenheit ihre Beherrschung der deutschen Hochsprache demonstrieren.

Die aus der deutschen Sprachöffentlichkeit verbannten Juden hinterlassen dafür eine umso tiefere Spur im hebräischen Schrifttum dieser Zeit, sowohl im talmudischen – am bekanntesten Rabbi Shimeon bar Izchak, genannt Raschi, in Mainz und Worms – als als auch in der hebräischen Poesie, wie Yehuda ha Chassid, Meir von Rothenburg, Shimeon bar Isaak und andere. 

Raschi gehört bis heute zu den meist gelesenen jüdischen Autoren weltweit. Eine besondere Entdeckung für deutschsprachige Leser seines berühmten Tora-Kommentars sind die gelegentlich im hebräischen Text auftauchenden deutschen Wörter, allerdings in hebräischen Lettern geschrieben, dort, wo Raschi meinte, das deutsche Wort drücke, was er sagen wollte, am prägnantesten aus.

Sie verraten ausgeprägtes Sprachgefühl im Deutschen, das Raschi perfekt beherrschte, wenn er sich dieser Sprache auch nicht offiziell bediente. Andere deutsch-jüdische Autoren dieser Jahrhunderte schreiben jiddisch wie Glückel von Hameln. Bis ins 18.Jahrhundert bleiben durchweg deutsch schreibende jüdische Autoren eine Ausnahme.

19. Jahrhundert: Emanzipation, Assimiliation und moderner Zionismus

Das änderte sich grundlegend mit der Befreiung der deutschen Juden aus dem Ghetto und ihrer beginnenden bürgerlichen Emanzipation. Ende des 18.Jahrhunderts gelangte die deutsch-jüdische Literatur zu ihrer eigentlichen Ausprägung und  Bedeutung.

Ihre Entfaltung ging einher mit der haskalah-Bewegung, die innerhalb des deutschen Judentums für größere Öffnung gegenüber der deutschsprachigen Kultur und stärkere Assimilation plädierte. Bei einigen deutschsprachigen Autoren dieser Zeit ging die Annäherung bis zum religiösen Übertritt ins Christentum, bei Rahel Varnhagen, Heine und Börne, auch beim jungen Karl Marx.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlangten die Juden in Deutschland bis zu einem gewissen Grad die bürgerliche Gleichstellung, stießen jedoch noch immer auf unüberwindliche Barrieren (keine Professuren, Verbeamtungen etc.).

Die Schaffung des Identitätsraums „Jude in Deutschland“ und Probleme im Spannungsfeld „Assimilation – jüdisches Selbstgefühl“ stehen im Mittelpunkt der literarischen Auseinandersetzung der bedeutenden deutsch-jüdischen Autoren dieser Zeit.

Rasch entstand eine jüdische Belletristik in deutscher Sprache mit namhaften, viel gelesenen Romanciers, Poeten und Dramatikern wie Berthold Auerbach, Karl Emil Franzos, Fanny Lewald oder dem frühen Nobelpreisträger Paul Heyse. Andere beteiligten sich als politische Publizisten und Redner aktiv an der Durchsetzung der bürgerlichen Rechte in Deutschland, etwa Johann Jacoby, von dem der berühmte Satz stammen soll: „Es ist  das Unglück der Könige, dass sie die Wahrheit nicht hören wollen.“

Jüdische Autoren waren maßgeblich an der Entstehung einer kritischen Publizistik beteiligt (die in Deutschland bekanntermaßen sehr viel später als anderswo aufkam), Moritz Saphir, Ernst Dohm oder Julius Rodenberg, vor allem der fulminante Maximilian Harden, der mit Hilfe seiner Zeitschrift Die Zukunft führende Politiker des wilhelminischen Deutschland in große Bedrängnis brachte.

Die Mitwirkung der deutschen Juden am Aufstieg des deutschen Kaiserreichs erreichte ihren Höhepunkt in den sogenannten „Goldenen Jahrzehnten“ der deutschen Juden zwischen der Reichsgründung 1871 und den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Von Anbeginn waren deutsche Juden aktiv am Aufbau des deutschen Reiches beteiligt, auf fast allen Gebieten, darunter auch – für die Öffentlichkeit am meisten spürbar – als Politiker und Parlamentarier, die schriftstellerisch hervortraten.

Auf der anderen Seite beeinflussten jüdische Denker weitgehend das Profil der Opposition, vor allem des deutschen und österreichischen Sozialismus und der Arbeiterbewegung, Marx, Bernstein, Lassalle oder Rosa Luxemburg. Zur gleichen Zeit entstand die Literatur des modernen Zionismus, dessen bahnbrechende Schriften – politisch, wirtschaftlich oder religiös – wiederum von deutschsprachigen Autoren stammen.

Weimarer Republik: Jüdisch geprägte Kulturblüte

Andere leisteten Wesentliches bei der Errichtung und Profilierung der Weimarer Republik, der ersten deutschen Demokratie, nach Ende des Weltkriegs. Parallele Entwicklungen vollzogen sich in Österreich, wo gleichfalls das Kaiserreich von einer Republik abgelöst wurde, in der wiederum Juden eine große öffentliche Rolle spielten.

Die noch in der Kaiserzeit üblichen Behinderungen für Juden entfielen, das religiöse Bekenntnis nahm keinen Einfluss mehr auf die Vergabe öffentlicher Ämter, so dass Juden in fast allen Bereichen und Rängen der Gesellschaft tätig werden konnten.

Der zunehmenden Integration stand jedoch ein wachsender Antisemitismus gegenüber, der zunächst von politischen Gegnern der Republik ausging, dann auf größere Kreise der Bevölkerung übergriff. Dennoch gelangten die deutschen und österreichischen Juden zu einer öffentlichen Bedeutung wie niemals zuvor.

Jüdische Publizistik gewann immensen Einfluss auf das öffentliche Klima, teilweise mit spektakulären Wirkungen auf deutschsprachige Öffentlichkeiten, Autoren wie Theodor Wolff, Alfred Kerr, Tucholsky oder Karl Kraus, teilweise begünstigt durch Medienkonzerne jüdischer Gründer (Ullstein, Mosse) und jüdische Buch- und Zeitschriftenverleger.

Auch viel gelesene Philosophen wie Hermann Cohen und Edmund Husserl, Sozialwissenschaftler wie Georg Simmel, Psychologen wie Alfred Adler, Sigmund Freud und Magnus Hirschfeld gelangten zu einem die Epoche prägenden Einfluss.

Zugleich gewann die belletristische Literatur deutsch-jüdischer Autoren eine Breitenwirkung, die den „jüdischen Hintergrund“ der (meist stark assimilierten, gelegentlich zum Christentum konvertierenden) Autoren nicht selten vergessen machte und ihre – wenngleich illusorische – Identifikation mit der deutschen Literatur dieser Tage begünstigte, Schriftsteller von unterschiedlicher literarischer Qualität, doch großer Beliebtheit beim deutschsprachigen Publikum wie Georg Hermann, Joseph Roth, Alfred Döblin, Vicky Baum, Arthur Holitscher, Emil Ludwig, Mascha Kaleko oder Else Ury, Verfasserin der populären „Nesthäkchen“-Romane, die 1943, als fast Siebzigjährige, in Auschwitz vergast wurde.

Vor allem aber bildeten jüdische Autoren die Avantgarde der literarischen Moderne. Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass die modernen Literaturströmungen in der deutschen Literatur, etwa die expressionistische Lyrik und Dramatik, ihre wesentlichen Impulse von Juden erhielten, von Ernst Blass, Jakob van Hoddis, Paul Kornfeld und Alfred Ehrenstein als Lyriker, Carl Sternheim und Walter Hasenclever als Bühnenautoren.

Andere Autoren erwiesen sich als visionäre Gestalten für die intellektuellen Diskurse kommender Jahrzehnte, sowohl im Literarischen, wie Kafka und Walter Benjamin, als auch in Philosophie und Sozialwissenschaften wie Karl Popper, Hans Jonas oder Norbert Elias. Das moderne deutsche Theater und das junge Medium Film verdankten ihre wesentliche Inspiration jüdischen Künstlern (Otto Brahm, Max Reinhardt, Erich von Strohheim oder Fritz Lang), die aus ihren deutschsprachigen Entstehungsländern bis nach Hollywood übergriff.

Die Jahre der Weimarer Republik stellen ein einzigartiges Phänomen von Kulturdurchdringung dar. Ein solcher Grad jüdischer Akkulturation ist in der langen jüdischen Geschichte fast beispiellos, vergleichbar allenfalls der Integration der Juden in den USA.

Als umso schrecklicher wurde der Absturz in die Katastrophe der Shoa empfunden. Eine englische Historikern beschreibt den beispiellosen Vorgang mit den Worten: „German Jewry, from the proudest, most assimilated, most secure of all European-Jewish communities, now became almost overnight a harried minority, struggling for unity and dignity under almost impossible conditions.”

NS: Jewish brain drain und deutsche Kulturkatastrophe

Judenhass war eins der zentralen Motive der Nationalsozialistischen Bewegung, die 1933 in Deutschland zur Macht kam. Dennoch gründeten in Deutschland verbliebene jüdische Künstler und Intellektuelle 1933 den „Kulturbund deutscher Juden“, um das über Jahrhunderte gewachsene Werk deutsch-jüdischer Kultur fortzusetzen.

Die Nationalsozialisten stimmten unter der Bedingung zu, dass sich der Kulturbund ausschließlich zu „jüdischer Thematik“ und für ein jüdisches Publikum äußerte: an Stelle der bisherigen Assimilation der deutschen Juden trat also zunächst ihre Segregation, dann, mit den 1935 erlassenen Nürnberger Rasse-Gesetzen, ihre Kriminalisierung und Verfolgung.

Allerdings arbeiteten jüdische Verlage und Zeitschriften noch bis weit in die Dreißiger Jahre und hielten sich dabei an ihre früheren editorischen Konzepte. So veröffentlichte der S.Fischer Verlag noch 1936 Thomas Manns biblisch orientierte Josephs-Romane, der Schocken-Verlag noch bis Frühjahr 1939 eine ganze Reihe mit Büchern jüdischer Autoren.

Rund eine Viertelmillion deutscher Juden emigrierte in diesen Jahren ins Ausland, infolgedessen entstand eine über alle Welt verstreute deutsch-jüdische Exil-Literatur mit Vertretern selbst an entlegenen Orten wie Neuseeland (Karl Wolfskehl) oder Mexiko (Anna Seghers), massiert jedoch in Nordamerika (Ernst Toller, Richard Beer-Hofmann, Bruno Frank, Siegfried Kracauer, Hermann Broch, Soma Morgenstern, Moritz Goldstein oder Hans Sahl), Westeuropa (Nelly Sachs, Alfred Wolfenstein, Ernst Sommer, F.B.Steiner, Ludwig Winder, Gabriele Tergit, Arthur Koestler, Manes Sperber, Mynona) und im späteren Israel (Else Lasker-Schüler, Max Brod, Martin Buber, Shalom Ben-Chorin, Ludwig Strauss, Gershom Sholem, Manfred Sturmann, Arnold Zweig, Werner Kraft, Leo Perutz, Anna Maria Jokl).

Aus dem Rückblick gesehen, trug die NS-Zeit eher zur Stärkung der deutsch-jüdischen Literatur als –  wie von den Nazis beabsichtigt – zu ihrer Zerstörung bei. Auch unter „fast unmöglichen Bedingungen“ entstand bedeutende deutsch-jüdische Literatur in Nazi-Deutschland oder Österreich (so wurde etwa der Roman „Weg ohne Ende“ des später nach Palästina emigrierten Gerson Stern überhaupt erst 1934 geschrieben und 1935 von der Jüdischen Rundschau in Deutschland veröffentlicht) und weltweit im Exil. 

Die Exil-Autoren erbrachten den Beweis für die Autonomie der deutsch-jüdischen innerhalb der deutschsprachigen Literatur, da sich während der zwölf Jahre erzwungenen Exils herausstellte, dass deutsch-jüdische Literatur auch außerhalb ihrer Herkunftsländer, in fremden Sprach-Umgebungen, gedeiht und fortbesteht.

Die wenigen Juden, die sich nach 1945 in Deutschland und Österreich befanden oder dorthin zurückkehrten, betraten ruinierte, demoralisierte Länder. (Einzig in der Schweiz gab es keine drastische Milieuveränderung.)

Dabei verlief die Entwicklung jüdischen Lebens unterschiedlich in beiden deutschen Nachkriegsstaaten und in Österreich. Für die jüdischen Intellektuellen, die aus dem Exil zurückkehrten oder in deutschsprachigen Ländern überlebt hatten, war die sich wandelnde öffentliche Stimmung im Zuge der „Vergangenheitsbewältigung“ entscheidend.

Die für eine konsequente „Aufarbeitung“ der NS-Vergangenheit eintretende 68er Generation wandte sich den literarischen, philosophischen oder soziologischen Texten deutsch-jüdischer Autoren zu, deren einige, etwa Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Ernst Bloch, Herbert Marcuse, Hannah Arendt oder Erich Fromm, zu Ikonen dieser Bewegung wurden.

Auch belletristische Autoren und Dichter gelangten zu einiger Bedeutung in der Literaturszene der jungen Bundesrepublik, Hilde Domin, Rose Ausländer, Wolfgang Hildesheimer, Hermann Kesten und Edgar Hilsenrath.

In der DDR wurde die Notwendigkeit einer jüdischen Kontinuität geleugnet, das Dasein der wenigen Juden marginalisiert und die Literatur jüdischer Autoren ausschließlich im Kontext ihrer Parteinähe geduldet, nur wenige wagten oppositionelle Regungen (Stefan Heym, Jurek Becker).

Im Österreich der Nachkriegszeit blieb die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der eigenen NS-Vergangenheit lange Zeit halbherzig, dennoch fanden dort etliche jüdische Autoren einen dauerhaften Ort, Hilde Spiel, Ilse Aichinger, Friedrich Torberg, Heinrich Eduard Jacob, Elfriede Jellinek oder Robert Schindel. In allen deutschsprachigen Ländern, auch in der Schweiz (Margarete Susman, Robert Neumann, André Kaminski, Salcia Landmann, Hans Habe), gab es bald nach dem Krieg wieder deutsch-jüdische Autoren, darunter prominente und einflussreiche.

Juden in deutsch-sprachigen Nachkriegsliteraturen

Die deutsch-jüdische Literatur war durch die Jahre der NS-Herrschaft geschädigt worden, aber nicht verstummt. Zu den Überlebenden und Rückkehrern aus dem Exil gesellten sich jüngere Autoren, Kinder von „Remigranten“ oder von den wenigen in Deutschland und Österreich Überlebenden. Zudem wurden Deutschland und Österreich in den folgenden Jahrzehnten Einwanderungsländer für Juden aus Osteuropa und der Sowjetunion, von denen einige literarisch hervortraten, nach erfolgreichem Wechsel aus der früheren Muttersprache ins Deutsche.

Andere deutsch-jüdische Autoren blieben im Exil, veröffentlichen von dort aus in deutschen Verlagen und nehmen Einfluss auf das geistige Leben ihrer deutschsprachigen Lese-Länder. Einige nach dem Krieg geborenen Autoren verließen ihr deutschsprachiges Herkunftsland, leben dauernd im Ausland und veröffentlichen dennoch weiterhin in deutscher Sprache ihre Bücher.

Schon angesichts der stark gestiegenen Zahl von Juden in Deutschland und Österreich wird die Bedeutung der deutsch-jüdischen Literatur weiter zunehmen. Die Zahl deutsch-jüdischer Autoren ist im Steigen, ermutigt von der wachsenden Zahl ihrer Leser. Ihre Veröffentlichungen wirken sich schon jetzt wohltuend auf das geistige Klima, die Dialogkultur und Weltoffenheit Deutschlands aus.

Auch unter jungen Israelis erlebt die deutsche Sprache in diesen Tagen einen enormen Prestigegewinn, Tausende lernen gegenwärtig diese Sprache, um eine Zeit lang in Deutschland zu leben oder zu Zwecken wissenschaftlicher und beruflicher Arbeit  in ihrem Heimatland.

Der Bann scheint gebrochen, der Zugang zu den Schätzen deutsch-jüdischen Denkens und Schreibens von neuem geöffnet. Nach Jahrzehnten der Bedrohung freuen wir uns über die Begegnung kommender Generationen mit dem geistigen Fundus der zweitausendjährigen deutsch-jüdischen Vergangenheit.

Obwohl ich seit zwanzig Jahren in Israel lebe, habe ich mich vor einiger Zeit entschlossen, meine Bücher wieder in deutscher Sprache zu schreiben. Dem war eine Periode der Abwendung vorangegangen, eine Annäherung an andere Sprachen und ihre Ausdrucksmöglichkeiten, über Jahre mochte ich deutsch weder lesen noch schreiben.

Doch nach einigem Nachdenken habe ich verstanden, dass die Vorgeschichte deutsch-jüdischer Literatur und Geistesarbeit zu bedeutsam ist, zu grandios und zu einzigartig, um sie wegen der zwölf Jahre Naziherrschaft für beendet anzusehen oder aufzugeben.

Ein junger Israeli, den ich kürzlich auf dem Flughafen in Tel Aviv beim Einchecken nach Berlin kennenlernte, erzählte mir, er wolle eine Weile in meiner Geburtsstadt leben, um die Sprache zu lernen. Seine Großmutter stamme aus Berlin, hätte aber in Israel niemals mehr Deutsch gesprochen.

Mit der Zeit sei daher in ihm so etwas wie eine Sehnsucht entstanden, eine Sehnsucht nach der deutschen Sprache, wie nach einem Erbe, das man ihm vorenthalten hatte und in dem er – wie immer, wenn etwas verborgen und verschwiegen wird – besondere Geheimnisse und Köstlichkeiten vermutete.

Und da erinnerte ich mich, dass es mir einst mit dem Judentum, dem Land Israel und der hebräischen Sprache ähnlich gegangen war: gerade, weil ich in meiner Jugend fast nichts darüber lernen konnte, wurde die Sehnsucht danach so stark, dass ich ins Land der Juden auswanderte. Ich bin nicht enttäuscht worden.

Möge es den jungen Israelis, die es heute nach Deutschland und in die deutsche Sprache zieht, genauso ergehen.

Internetpräsenz des Autors: http://chaimnoll.com/


Evangelischer Autor: „Die katholische Kirche hat kein Monopol auf Missbrauch“

Der protestantische Gast-Autor Peter Haisenko veröffentlichte am 29. September auf dem Web-Portal „Epoch Times“ einen engagierten Artikel unter dem Titel: „Warum wird sexueller Missbrauch nur bei der katholischen Kirche thematisiert?“

Schließlich, so der Verfasser weiter, habe die katholische Kirche „kein Monopol auf Missbrauch, genauso wenig wie Deutschland ein Monopol auf Verbrechen hat“.

Haisenko schreibt sodann: „Die Berichte über Missbrauch in englischen Internaten sind Legion.“  –  Mancher prominente Politiker sei auf der Insel schon über Sexskandale „auch mit Minderjährigen“ gestürzt. 

Der Autor stellt fest: „Seit den 1970er Jahren musste ich beobachten, dass es “modern” ist, Negatives über die katholische Kirche zu verbreiten. Ich selbst bin kein Katholik und stehe auch den Evangelikalen nicht nahe, obwohl ich evangelisch getauft bin und sogar konfirmiert; dennoch bin ich darüber irritiert, in welcher Ausschließlichkeit über Missbrauchsskandale der katholischen Kirche berichtet wird.“

Er erinnert daran, daß es über die Kinder- und Jugendheime in der ehem. DDR die „übelsten Berichte“ von betroffenen Opfern gebe. 

Der Verfasser schildert eigene Beobachtungen bei dem pädosexuellen Leiter einer evangelischen Jugendfreizeit mit Konfirmanden, wobei er nicht glaube, daß es sich hierbei um einen „krassen Einzelfall“ gehandelte habe.

Hinsichtlich der USA weist Haisenko darauf hin: „Die großen Medienkonzerne sind nicht in katholischer Hand.“

Kritisch befaßt er sich mit puritanischer „Doppelmoral“ gerade in sexueller Hinsicht: „All das steht im Konflikt mit der Lebensfreude, die der katholischen Lehre anhaftet.“

Eine Art Heiligsprechung der katholischen Kirche liege ihm „wirklich fern“: „Zu große Leichenberge liegen in deren Kellern.“

Der Autor fügt allerdings hinzu: „Aber mein Gerechtigkeitssinn verbietet mir, zu schweigen, wenn wieder einmal mit zweierlei Maß gemessen wird; wenn … nur eine Seite bezichtigt wird und die andere ihren Heiligenschein behalten darf.“

Er unterstütze die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale der katholischen Kirche:

„Ich kämpfe aber mit meiner ganzen Kraft dagegen, dass nur die eine Seite das Büßerhemd anziehen soll.

Wenn sich die Welt auch in dieser Hinsicht verbessern soll, dann müssen die abscheulichen Taten auf allen Seiten offen gelegt werden, damit nicht nur immer eine Seite, die ebenfalls Verbrechen begangen hat, den moralischen Zeigestock schwingen kann.“

 


Zwischenruf eines deutsch-israelischen Judenchristen zur absurden Causa „Sami A.“

Von Klaus Moshe Pülz

Kann es in diesem Land der Leisetreter und Opportunisten angesichts der Affäre Sami A. noch abwegiger zugehen?!

Man stelle sich vor, daß seit vielen Jahren der Leibwächter des Massenmörders Osama bin Laden und Propagandist eines gewalttätigen Islams, Sami A., endlich von der Stadt Gelsenkirchen in seine ursprüngliche Heimat nach Tunesien abgeschoben wurde.

Doch das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen setzt nun deshalb die Stadt Bochum nach der umstrittenen Abschiebung dieses berüchtigten Islamisten mit einem beispiellosen Schritt unter Druck.

Diese dubiosen Richter haben tatsächlich die Ausländerbehörde unter Androhung eines Zwangsgeldes von 10.000 Euro aufgefordert, den nach Tunesien abgeschobenen Gefährder  zurückzuholen, weil dem „Ärmsten“ in seinem Heimatland Folter drohen könnte.

Dessen Chef und Freund Osama bin Laden ist für den schrecklichen Anschlag vom 11. September 2001 auf das New Yorker World-Trade-Center mit fast 4000 Toten verantwortlich. Dabei sieht Tunesien keinen Grund, Sami A. nach Deutschland zurückzuschicken.

Statt um die Sicherheit der deutschen Bürger besorgt zu sein, sorgt man sich um Wohl und Wehe dieses Islamisten, der gewiß auch Blut unschuldiger Menschen an seinen Fingern hat.

Wo bleibt hier der deutsche Rechtsstaat? Eigentlich müßte man diese famosen deutschen Richter hinter Schloß und Riegel bringen, wenn sie so sträflich mit der Sicherheit deutscher Bürger umgehen!

Wären die Funktionäre der AfD nicht so ungeschickt, könnte diese Partei unter solchen Umständen zur stärksten Partei im Deutschen Bundestag mutieren. Es ist einfach erschütternd, daß überhaupt ein solcher Gedanke der Rückführung eines hochkarätigen Gewaltverbrechers aufkommen konnte.

Daß US-Präsident Trump auf die sog. Migrationspolitik der deutschen Regierung mit völligem Unverständnis reagiert, ist allzu verständlich.

Ich persönlich bedaure nur das allzu frühe Ableben meines einstigen Freundes Axel C. Springer, der stets meine Eindrücke voll teilte. Selbst Franz-Josef Strauß hätte der Schwesterpartei CDU längst den Rücken gekehrt!

Unser Autor, der judenchristliche Publizist Klaus M. Pülz, wirkt als Schriftsteller und Prediger in Deutschland und Israel; er leitet den Verein “Zelem” (www.zelem.de) und bringt seit Jahrzehnten den “Bote Neues Israel” heraus. 

 


Publizist Hannes Stein plädiert in der „WELT“ für das Lebensrecht ungeborener Kinder

Der liberal-konservative Journalist und Publizist Hannes Stein ist u.a. als US-Korrespondent der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ und als Autor der Tageszeitung „Die Welt“ tätig. Er hat einige Sachbücher veröffentlicht, darunter „Moses und die Offenbarung der Demokratie“.

Kürzlich hat er sich mit einem Essay in der „Welt“ deutlich gegen Abtreibungsfreiheit positioniert. Martina Blatt berichtet hierzu im evangelikalen PRO-Medienmagazin u.a. folgendes:

Der Journalist Hannes Stein spricht sich gegen Abtreibung aus; er schreibt dazu: „Vom Moment der Zeugung an, also wenn es dem Spermium gelungen ist, die Eizelle zu befruchten, ist der komplette Chromosomensatz vorhanden, um ein menschliches Wesen entstehen zu lassen.“

Mit seiner Überschrift „Recht hat sie“ nimmt Stein Bezug auf die Katholische Kirche, mit deren Lehre der Journalist wenig übereinstimmt. Geht es aber um Abtreibung, stellt er sich auf die Seite dieser Institution.

„Die Wissenschaft hat festgestellt, dass es sich beim Fötus nicht um ein Ding, nicht um eine krebsförmige Wucherung, nicht um eine bewusstlose Anhäufung von Zellen, sondern um ein Kind handelt, das noch keine Luft atmet“, schreibt er weiter. „Menschen sind Menschen“ und hätten Rechte, erklärt der deutsch-amerikanische Blogger: „Diese Rechte genießen sie unabhängig von Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Alter oder Grad der Behinderung.“

Der Verfasser schließt seinen Essay mit den Wort: „Eines Tages werden auch die Feministinnen entdecken, dass Frauen selbstverständlich das Recht auf ihren Anteil am Kuchen haben […]. Aber sie haben nicht das Recht zu töten.“