Bayern: Erinnerung an Holcoaust und NS-Euthanasie – Warnung vor neuem Judenhaß

CSU-Politiker haben beim bayerischen Trauerakt zum Holocaust-Gedenktag dazu aufgerufen, die Erinnerung an die NS-Diktatur wach zu halten. Die Veranstaltung erinnerte an das Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten und fand im schwäbischen Ursberg statt. 

Aus der Behinderteneinrichtung in Ursberg wurden bis zum Ende des 2. Weltkrieges 519 Menschen deportiert, 379 von ihnen wurden ermordet.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bezeichnete die deutsche Erinnerungspolitik als bleibende Aufgabe: „Wir dürfen das dunkelste Kapitel unserer Geschichte nie vergessen. Das unvorstellbare Unheil des Holocausts und der Euthanasie-Morde dürfen sich in Deutschland niemals wiederholen.“

Gleichzeitig betonte Herrmann: Rechtsradikales Gedankengut sowie linksextremer Antisemitismus dürften keinerlei Platz in Deutschland finden. Außerdem dürfe man nicht zulassen, dass muslimische Migranten Judenhaß ungehindert mit nach Deutschland bringen. 

Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) erklärte, die systematische Ermordung von behinderten Menschen sei damals „ein Schritt hin zu weiteren Gräueltaten“ gewesen. Das Euthanasie-Programm habe in großen Teilen „als Muster für den späteren Massenmord in den Vernichtungslagern“ gedient.

Quelle: Bericht in http://www.csu.de


Rede der bayerischen Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) gegen Judenhaß

Vollständiger Wortlaut der Ansprache vom 18. Juli 2014:

Wir sind hier auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus zusammengekommen. Warum der Platz diesen Namen trägt, wissen wir alle.
Wehret den Anfängen  –  diese Lehre haben wir aus dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte gezogen.  Wehret den Anfängen  –  das Gebot ist heute aktueller denn je. csm_Odeonsplatz_2014_ba2c728af5

Was wir in den letzten Tagen mitten in Deutschland erleben mussten, hat uns zutiefst erschüttert: In Demonstrationen wird zu Gewalt gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger aufgerufen. Ein israelischer Tourist wird am Rande einer Kundgebung aufs Übelste beschimpft. Antisemitische Parolen hallen laut und für alle vernehmbar durch unsere Städte.

Das ist unerträglich. Das ist eine Schande für unser Land. Dafür gibt es keine Gründe und erst recht keine Rechtfertigung.

Ich sage Ihnen ganz deutlich: Ich verstehe jede Sorge um das Leid der Menschen auf beiden Seiten im Gaza-Konflikt. Die täglichen Nachrichten und Bilder lassen niemanden kalt.

Aber was wir in den letzten Tagen hier und in anderen Ländern Europas erleben, überschreitet ganz eindeutig Grenzen. Denn es ist perfide, antisemitische Hetze unter dem Deckmantel der Kritik an Israel zu betreiben. Wer vor Synagogen demonstriert, um angeblich die israelische Politik anzuprangern, der entlarvt sich selbst.

Wir sind heute hier, um ein Zeichen zu setzen: Wenn jüdische Bürgerinnen und Bürger in unserem Land bedroht werden, wenn sie sich Sorgen um ihre Sicherheit machen, dann gibt es nur eines: Wir stellen uns mit allen Mitteln des Rechtsstaats und mit Zivilcourage entschieden dagegen! Bei uns ist kein Platz für Antisemitismus! deutschland-israel-flag

Wir wollen den Anfängen Einhalt gebieten. Das Unrecht, das Böse kommt immer auf leisen Sohlen angeschlichen. Das wissen wir in Deutschland aus bitterer Erfahrung: Auch damals gab es immer vorgeschobene Gründe, warum der Hass gegen Menschen anderen Glaubens angeblich berechtigt war. Er war es in der Vergangenheit nicht, und er ist es heute nicht!

Deutschland ist ein Land, in dem alle Menschen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, sicher und in Frieden leben können. Wir haben erfahren, was Ausgrenzung bedeutet, in welche Katastrophe es führt, wenn Rassismus und Intoleranz herrschen. In gemeinsamer Kraftanstrengung und aus tiefer Überzeugung treten wir deshalb heute ein für Frieden, Freiheit, Toleranz und Menschenwürde. Das ist unverrückbar. Das lassen wir uns nicht nehmen, durch niemanden.

Die Verteidigung dieser Werte ist unser gemeinsamer Auftrag. Wir sind ein Land, in dem es die Freiheit gibt, zu demonstrieren. Ein Land, in dem jeder seine Meinung äußern kann. Aber wir sind kein Land, in dem Platz ist für Hass und Intoleranz. Das dulden wir nicht!

Wir sind glücklich darüber, dass jüdische Gemeinden und jüdische Kultur wieder ein selbstverständlicher Teil Bayerns und Deutschlands sind. Dass dies auch so bleibt, dafür treten wir hier und heute und in Zukunft ein. Darin sind sich alle demokratischen Kräfte in unserem Land einig – ohne Wenn und Aber.

Dazu braucht es jeden einzelnen von uns, offene Ohren, offene Augen und eine laute Stimme. Antisemitismus hat in unserem Land keinen Platz!

Lassen Sie uns dafür eng zusammenstehen, lassen Sie uns achtsam und wachsam sein, damit alle Menschen in unserem Land sicher und friedlich miteinander leben können!

Quelle: https://www.bayern.landtag.de/aktuelles/veranstaltungen/gaeste-und-begegnungen/29072014-landtag-setzt-zeichen-gegen-antisemitismus/


Israel ehrt vier „Gerechte unter den Völkern“ im Bayerischen Landtag

Schon bei der Gründung von Yad Vashem im Jahr 1953 wurde auch die Ehrung der „Gerechten unter den Völkern“ in den Auftrag der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte eingeschlossen.   Gruppenfoto (Bildarchiv Bayerischer Landtag, Foto Rolf Poss)

Seit 1963 zeichnet Yad Vashem im Namen des Staates Israel und des jüdischen Volkes mit diesem Titel nichtjüdische Menschen aus, die während des Holocaust unter Einsatz ihres eigenen Lebens Juden retteten.

Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, war am 24. Juni 2014 Gastgeberin einer Feierstunde zu Ehren von zwei Frauen und zwei Männern aus Bayern, die posthum (nach ihrem Tod) als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt wurden.

Stefan und Therese Steinbacher

Stefan Steinbacher und seine Mutter Therese versteckten ab Januar 1945 auf ihrem sehr kleinen Bauernhof in Kruchenhausen südöstlich von München die verfolgte Jüdin Ilse Gerweck.

Ihre beiden Töchter Barbara und Monika kamen in Verstecken in der Nähe unter. Die Retter versorgten die drei Untergetauchten bis zur Befreiung durch die US-Armee im Mai 1945 mit allem Lebensnotwendigen, obwohl sie selbst nur über sehr begrenzte Mittel verfügten und in ständiger Angst lebten, entdeckt und denunziert zu werden.

Nur dank der Hilfe der Familie Steinbacher überlebten Ilse, Barbara und Monika Gerweck den Holocaust. Beide Töchter und ihre Familien, die zum Teil in Israel leben, nahmen an der Zeremonie im Landtag teil, in der der Generalkonsul des Staates Israel, Dr. Dan Shaham, die Yad Vashem-Urkunde und Medaille an den Enkel von Stefan Steinbacher, Andreas Kuhnlein, überreichte.

Alois und Maria Rauch

Als sie im April 1943 ihren Deportationsbefehl bekam, wandte sich die Jüdin Elfriede Seitz in ihrer Not an ihre Bekannten Alois und Maria Rauch in Grucking in der Nähe von München.

Das Ehepaar Rauch nahm die Verfolgte sofort auf ihrem Hof auf. Zwei Jahre lang, bis zur Befreiung im Mai 1945, versorgte und versteckte Familie Rauch Elfriede Seitz und rettete ihr somit das Leben.

Die Tochter der Geehrten war damals 13 Jahre alt und erinnert sich heute noch gut daran, dass ihre Eltern nicht zögerten, zu helfen, obwohl ihnen bewusst war, dass sie sich und ihre Familie dadurch in sehr große Gefahr brachten.

In der Feierstunde nahm Maria Theresia Gebhard jetzt stellvertretend für ihre Eltern Alois und Maria Rauch die Yad Vashem-Medaille und Urkunde aus den Händen von Generalkonsul Dr. Dan Shaham entgegen.

Schülerinnen und Schüler der drei bayerischen Partnerschaftsschulen mit Yad Vashem, das Anne-Frank-Gymnasium Erding, das Katharinengymnasium Ingolstadt und das Melanchthon-Gymnasium Nürnberg, nahmen an der Feierstunde im Landtag teil.

Quelle: Botschaft des Staates Israel in Berlin