Auch der reisende Visionär Lungenschmid bietet „Warnungs“-Botschaften

Von Felizitas Küble

Kürzlich war der selbsternannte Nahtod-Visionär Helmut Lungenschmid wieder mit einer Vortragstour durch Westfalen zugange, teils tagt er mit weit über hundert Teilnehmern wie am 3. Juli in Hembergen.

Offenbar sind der Naivität mancher Gläubigen keine Grenzen gesetzt. Immerhin zeigt schon ein kurzer Blick in den 1. Band über Lungenschmids Jenseitsoffenbarungen („Mein Sterbeerlebnis“), daß er sich theologisch voll neben der Spur befindet.

Aber das ficht seine Fangemeinde offenbar nicht an – selbst wenn der Autor sogar die Ewigkeit der Gottheit Christi leugnet und weitere Absurditäten bietet. (Näheres dazu  HIER.)

Dabei versteht sich am Rande, daß auch dieser (Hell-)“Seher“ genaue Auskunft über Zukünftiges zu bieten vermag, immerhin macht genau dies den Reiz solcher Bücher und Tagungen aus.

Will nicht jeder Mensch gerne wissen: Was kommt auf mich zu? Was geschieht zukünftig mit der Welt? Was habe ich nach dem Tod zu erwarten?

Panikmache ist in Deutschland immer schon auf fruchtbaren Boden gefallen, sei es der ökologische (Kernkraft-)GAU bzw. Umwelt-Niedergang („Saurer Regen“ und „Waldsterben“ etc. sorgten schon in den 70er Jahren für diffuse Ängste), sei es eine immer wieder aufkeimende Weltuntergangsstimmung in religiöser Hinsicht.

In diese weitverbreitete Zukunftsangst, die freilich auch von tatsächlichen Problemen genährt wird, passen die Botschaften von der „Warnung“ wie der Deckel auf den Topf.

Gemeint ist damit eine angebliche Zwischen-Wiederkunft Christi  v o r  seinem endgültigen Erscheinen in Herrlichkeit.

Demnach soll es in Bälde eine weltweite „Seelenschau“ geben, die Christus durch ein überall sichtbares „Kreuz am Himmel“ startet. Jeder Mensch sehe dann den (mehr oder weniger) schrecklichen Zustand seiner Seele im Lichte Gottes – und manche fallen vor Entsetzen gleich tot um.

Dieses Szenario – das sich weder mit der biblischen Endzeitprophetie noch mit der kirchlichen Lehre vereinbaren läßt  – ist nicht ganz neu, tritt aber abwechselnd in jeweils anderem Gewande zum Vorschein, propagiert von neuen Visionären und diversen „Opferseelen“.

Wir haben unlängst über einige Warnungs-Botschafter/innen berichtet, z.B. Luz de Maria oder eine anonyme Dame namens „Maria von der Vorbereitung der Herzen“…

Zu dieser erlauchten bzw. erleuchteten Schar gesellt sich auch unser Nahtod-Erfahrener Lungenschmid, wie die Webseite mit dem vielsagenden Titel „Kreuz am Himmel“ zu berichten weiß: https://www.kreuzamhimmel.li/index.php?site=lungenschmid

Am Schluß seiner visionären Einsichten heißt es: „Man bilde sich seine eigene Meinung“. Dieser Aufforderung gerne nachkommend, sei folgendes angemerkt:

Lungenschmid will die universale Seelenschau schon vorweg selber erlebt haben, gewissermaßen als Vorposten dessen, was uns allen noch blüht:

Jesus Christus sagte mir während dieser Seelenschau, dass Sein Vater möchte, dass sich alle Menschen auf ein bevorstehendes Ereignis vorbereiten. Dieses Geschehen wird in Bälde stattfinden.“

Daß dieses Phänomen „bald“ vonstatten geht, wurde schon bei den  – kirchlich nicht anerkannten –  Marienerscheinungen im spanischen Bergdorf Garabandal Anfang der 60er Jahre behauptet. Lungenschmid plappert es nach und weiß zu berichten, daß Gott-Vater alle Menschen darauf „vorbereiten“ möchte.

Bloß merkwürdig: Sollte der Allwissende es „versäumt“ haben, dieses aufregende Mega-Ereignis in der Heiligen Schrift zu erwähnen? Weder in den alt- noch in der neutestamentlichen Büchern findet sich ein Sterbens(!)-Wörtchen über dieses schaurige Endzeitspektakel.

Aber nun hat es der Ewige  – nach dem Glauben erscheinungsbewegter Gemüter  – für gut befunden, einige Mädels in Garabandal über seine zuvor geheimgehaltenen Pläne zu informieren, dasselbe sodann einige Jahrzehnte später einer anonymen „irischen Seherin“ zu offenbaren (die inzwischen freilich als Schwindlerin entlarvt ist) –  oder eben auch den schreiblustigen Lungenschmid  – soeben erschien der zweite dicke Band seiner Privatoffenbarungen – ins Bild zu setzen, auf daß diese Begnadeten alle Welt aufscheuchen aufklären.

Was ein echter Prophet ist, der weiß auch, was nach solch einer Schreck-WARNUNG abgeht:

„Es wurde mir auch gezeigt, dass sich Millionen und Abermillionen Menschen über die ganze Welt verstreut bekehrt hatten. Aber bei weitem nicht alle Menschen wurden von dieser Seelenschau anhaltend tief berührt.“

Was sind schon „Millionen und Abermillionen“? Warum nicht einige Milliarden? Wozu sonst das ganze Spektakel?

Lungenschmid beklagt sich bereits jetzt: „Manche blieben ihrem atheistischen Glauben treu, weil sie derart verstockte Herzen hatten, dass nicht einmal dieses grosse Wunder an ihnen Wirkung zeigte. Andere wurden bekehrt, sind aber dann nach einer bestimmten Zeit wieder in den alten Unglauben zurückgefallen.“

Tja, da fragt sich nicht nur meine Wenigkeit, welchen Sinn wir dieser universalen „Seelenschau“ abgewinnen dürfen, wenn hinterher im Grunde sowieso alles beim alten bleibt…?!

 


Argentinien: Seherin Luz de Maria bietet Stigmatisationen und Visionen der Endzeit

Von Felizitas Küble

Im Getümmel von Wundersucht und „frommer“ Sensationslust fehlt es auch in Lateinamerika nicht an passenden Sehern und Botschaften des Himmels.

Zu ihnen gehört seit einigen Jahren die auch auf deutschen Webseiten beworbene „Mystikerin“ Luz de Maria. Die in Costa Rica geborene Familienmutter lebt in Argentinien und leitet dort Gebetsgruppen. Nun ist das Land groß, doch auf der Reklame-Seite für die Seherin wird die Stadt oder Gemeinde, in welcher sie wohnt, nicht erwähnt. 

Immerhin tritt sie mit Namen auf, was man nicht von allen“Begnadeten“ behaupten kann, gab es doch beispielsweise jahrelangen Wirbel um eine anonyme „irische Seherin“ mit ihren Warnungs-Botschaften: sie behauptete, schon vor der eigentlichen Wiederkunft Christi in Herrlichkeit sei er weltweit mit einem Kreuz am Himmel sichtbar und bringe die „Warnung“, eine angebliche „Seelenschau“ als Prüf- und Straf-Aktion für alle Erdenbewohner etc.

Es handelt sich hierbei um Ankündigungen, die in ähnlicher Weise auch von jener argentinischen Seherin verkündet werden. Von und über Luz de Maria ist anscheinend  – noch  – kein Buch in Deutsch erschienen; das hier abgebildete Buch in ihrem Heimatland zeigt typischerweise eine Bluttränen-Madonna, angeblich entstanden auf einem Bildnis von Guadalupe. 

Allerlei wundersame „Zeichen“ sind in der Seher-Szene gang und gäbe, gleichsam das Salz in der Suppe.

Auf dieser Webseite  – https://www.revelacionesmarianas.com/de/luzaleman.html  – wird diese Sühneseele näher vorgestellt. Natürlich führt auch sie ein Opferleben, weil sie „Verfolgung“ und „üble Nachrede“ von denen erleidet, die ihre Botschaften „nicht akzeptieren“. 

Aber – so heißt es tröstlich weiter – die Visionärin „nimmt das an, wissend, dass sie als Werkzeug Christi den gleichen Weg, den Christus auf der Erde ging, gehen muss.“

Die Dame „erlebt verschiedene mystische Erfahrungen, in denen Christus sein Leiden am Kreuz mit ihr teilt“.  – Daß der Opfertod des HERRN seit zweitausend Jahren beendet ist, hat sich in diesen Kreisen noch nicht herumgesprochen. 

Merkwürdigerweise heißt es sodann: „Priester mehrerer Länder unterstützen sie, aber wie Christus selbst zu ihr sagt: „Ich bin dein spiritueller Führer“, denn Christus ist es,  der jeden ihrer Schritte und alles, was sie tut, führt.“

Aha, unser HERR ist offenbar nicht ihr Erlöser, sondern lediglich eine Art Guru, nämlich ihr „spiritueller Führer“ – ein Ausdruck, der sich weder in der Bibel noch in kirchlichen Gebetbüchern findet, der vielmehr stark nach esoterischer Literatur riecht.

Apropos „riechen“ – auch hier hat Luz de Maria einiges zu bieten: Wenn sie in  Ekstase fällt und angeblich die Wundmale Christi empfängt, weint sie manchmal „Tränen aus Blut, die sehr intensiv duften, so sehr, dass der Duft den ganzen Raum erfüllt.“

Von einem Duftphänomen der Wunden Christi am Kreuz liest man allerdings nichts in der Heiligen Schrift  – zugleich kennt man diese Begleiterscheinung längst aus der Esoterik und falschmystischen Visionen.

Am 16.2.2010 sagte der Erscheinungs-Christus der angeblich stigmatisierten Dame folgendes:

„Meine Mutter hat Euch im Laufe der Jahrhunderte auf der ganzen Welt vor dem gewarnt, was nun TATSÄCHLICH unmittelbar bevorsteht…. Eine WARNUNG wird in das Innere der  Menschen vordringen und sie werden nur auf meiner Seite sein.“

Diese Ankündigung, wonach die Zwischen-Ankunft Christi mit dem Warnungs-Ereignis „unmittelbar“ bevorstehe, ist nun auch schon über acht Jahre alt.

Weiter heißt es über diesen Vorgang: „Das Licht wird einen Moment lang zu allen kommen, um sie von der Sünde zu befreien, aber mit meinem Schmerze und dem meiner Mutter, werden sie danach noch stärker in der schwarzen Sünde verbleiben, vom Bösen beseelt, das die schwachen und ungläubigen Gedanken kontrollieren wird.“

Verstehe das, wer will  – vermutlich bedarf es hierfür der speziellen „Logik“ erscheinungsbewegter (Aber-)Gläubiger. 

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Verstiegene Visionen von Luisa Piccarreta

Von Felizitas Küble

Seherinnen und angeblich besonders begnadete Opferseelen, Sühneseelen und Sühneopferseelen gibt es zuhauf, glaubt man den Auskünften in erscheinungsseligen Kreisen.

In letzter Zeit erhalten wir immer wieder werbende Hinweise aus diesem  Spektrum für die „Mystikerin“ Luisa Piccarreta, wie in vielen  Fällen eine „Sühneseele“ aus Italien, genauer Süditalien (Corato, Provinz Bari).

Die Visionärin wurde 82 Jahre alt und lebte von 1865 bis 1947, gehörte dem Dritten Orden der Dominikaner an und soll schon im kindlicher Alter von 13 Jahren Erscheinungen des „leidenden Heilands“ erhalten haben, der zu ihr sprach: „Seele, hilf mir“ und der ihr seine Passion gezeigt haben soll.

Luisa Piccarreta (siehe Foto) war über 60 Jahre lang bettlägerig; ihre „mystischen“ Erfahrungen bzw. Gespräche mit Jesus und Maria füllen sage und schreibe 36 Bände, womit sogar die wortreiche griechisch-orthodoxe „Prophetin“ Vassula Ryden übertroffen wird.

Es würde zu weit führen, sich durch die endlos erscheinende Reihe ihrer „Eingebungen“ durchzuarbeiten, wenn schon per flüchtigem Durchblättern irgendeines x-beliebigen Bandes klar erkennbar ist, daß sich in den angeblichen „Botschaften“ des Himmels zahlreiche theologische Irrtümer, Verstiegenheiten und Merkwürdigkeiten finden.

Nehmen wir als Beispiel den Band VI. mit dem Titel „Ich will euch zur Quelle führen“ (siehe Abbildung). Schon der Untertitel spricht „Bände“: „Jesus eröffnet uns das Innerste seines Göttlichen Willens.“

Hat Christus etwa zweitausend Jahre zugewartet, bis es IHM gefiel, der „Sühneseele“ Luise den Wesensgehalt des göttlichen Willens zu offenbaren? – Ist die Selbstmitteilung Gottes im Alten und Neuen Bund nicht in der Heiligen Schrift bereits zuverlässig überliefert? Bedarf es zur nötigen Erkenntnis der Gläubigen weiterer 36 Bände?

Wie im Vorwort dieses Buches erwähnt wird, handelt es sich bei Luisa um „jene Seele, die als erster Mensch in das Reich des Göttlichen Willens eintreten durfte“ (S. 11).  Oho  – eine solche Gnadenfülle wurde also demnach nicht einmal der Gottesmutter geschenkt.

Weiter heißt es über die besonders erwählte und angeblich stigmatisierte Visionärin: „Das Wunder einer Seele, die im Göttlichen Willen lebt, übertrifft alle Wunder und Gnadengaben zusammengenommen, die Gott bisher gewährte.“ – Aha! Doch damit nicht genug, denn die Buchautorin Dr. Gertraud Pflügl weiß gar Umstürzendes zu berichten:

„Luisa Piccarreta wird eines Tages auf der ganzen Welt bekannt sein und alle werden ihr zu danken wissen, denn sie ist es, die der gesamten Menschheit die Pforten ins Reich des Göttlichen Willens geöffnet hat.“

Auf der nächsten Seite wird zwar eingeräumt: „Maria bleibt in ihrer Stellung als die Mutter des Erlösers und als Königin des Himmels und der Erde einzigartig“. Freilich wird sofort hinzugefügt: „…doch ist Luisa so etwas wie die „Königstochter“. „

Kein Wunder also, daß diese Wunderfrau in moralischer Vollkommenheit hellstens erglänzte: „Luisa überwand die Neigung zum Bösen durch das Geschenk des Göttlichen Willens. Alle ihre Gedanken, Wünsche, Neigungen, Worte und Taten waren frei von jeder bösen Begierlichkeit.

Mit anderen Worten, diese begnadete Sühneopferseele befand sich offenbar im Zustand der Paradieses-Unschuld, zumal es weiter heißt: „Luisa war der erste Mensch, der Maria in ihrer Unbeflecktheit ähnlich werden durfte.“

Bei solch einem erstaunlichen Befund erscheint es naheliegend, daß Luisa fast wie eine Art Miterlöserin gefeiert wird: „Sie trug die heiligen Male ihres Seelenbräutigams und war mit ihm eine lebendige Gekreuzigte, die für die Sünden der Menschen sühnte.“  –  Auf S. 14 wird sie als „Sühnopfer für die ganze Menschheit“ gewürdigt, war sie doch „das getreue Abbild des Erlösers, der sie schließlich am Kreuz mit sich vereinigte“, wobei er sich außerdem insgesamt viermal mit ihr „vermählt“ hat  – vermutlich nach der Devise: Doppelt hält besser  – und aller guten Dinge sind vier!

Diese Frau mit ihrer „einzigartigen Stellung im Heilsplan Gottes“ hat zwar notgedrungen „ihr Leben auf der Erde fortgesetzt, doch ihre Seele hatte schon ihren Wohnsitz im Himmel aufgeschlagen. So konnte sie verschmolzen mit Jesus auf eine ganz neue Art zum Heil der ganzen Menschheit wirken“.

Eine „Verschmelzung“ zwischen Gott und den Seelen gibt es nicht einmal im Himmel; die Seligen erhalten dort einen gnadenhaften „Anteil“ an der göttlichen Herrlichkeit, was aber keineswegs eine Verschmelzung zwischen der Gottheit und den Geschöpfen beinhaltet.

Angeblich, so heißt es auf Seite 19, soll Papst Pius X. über einen der Luisa-Bände („Stundenuhr“) zu ihrem Beichtvater gesagt haben: „Hier spricht der Herr selbst. Pater, dieses Buch sollten Sie auf Knien lesen.“  – Allerdings fehlt jeder Quellenhinweis für diese Behauptung.

Überdies hätte man gerne gewußt, wozu diese einzigartig auserwählte, von jeder bösen Begierlichkeit ganz und gar befreite Seherin überhaupt noch eines Beichtvaters bedurfte?

Schlägt man in diesem Buch irgendeine Seite auf, weht einem oft eine völlig verstiegene „Spiritualität“ und ein weltfremdes, überzogenes Asketentum entgegen.

So wird  z.B. auf S. 173 eine Botschaft von „Jesus“ an Luisa zitiert:

„In dem Maß, als du dich selbst vergessen und zerstören wirst, wirst Du in Meiner Kenntnis voranschreiten….Alles, was die Seele von sich behält und was ihrem Anfang nicht angeglichen ist, muss sie vernichten…So kann man sagen, dass sich für die Seele, die vollkommen losgeschält ist, alle Dinge in Gott verwandeln. Mehr noch, sie findet Ihn nicht nur, sondern betrachtet Ihn, sie fühlt Ihn, umarmt Ihn.“

In diesen Texten wechseln sich ständig Zuckerbrot und Peitsche, kitschige „Umarmungen“ mit Gott bei gleichzeitiger rabiater Darstellung des Wirkens Gottes, als würde ER die menschliche Freiheit gleichsam vergewaltigen: „Mein Wille jedoch  – das erste, was Er niederschlägt, ist der menschliche Wille –  toleriert keine menschliche Absicht.“

Gott betreibt keineswegs ein „Niederschlagen“ des menschlichen Willens, zumal es andernfalls sinnlos gewesen wäre, diese Willensfreiheit überhaupt zu erschaffen – sie ist ja ein Geschenk des Ewigen selbst. Freilich soll der Mensch seine Freiheit nicht mißbrauchen, aber GOTT wendet keine Gewalt gegenüber der  Seele an, auch nicht im übertragenen Sinne. 

Auf S. 190 erzählt der angebliche Jesus seiner vermeintlichen  Begnadeten folgendes: „In Mir ist keine Materie. Alles ist reinster Geist.“  – Dies klingt sehr nach gewissen gnostischen bzw. doketistischen Vorstellungen, wonach Christus auf Erden nur eine Art Scheinleib getragen habe, aber nicht wirklich und wahrhaftig Mensch geworden sei, wobei ER auch nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt der Gott-Mensch geblieben ist, also seine menschliche Natur keineswegs ablegte.

Stattdessen wird dieser Visions-Jesus weiter dahingehend zitiert, er habe deshalb das Menschsein angenommen, um dem Menschen „ein höchst vollkommenes Beispiel zu geben, wie er seine eigene Materie vergeistigen kann. So muss die Seele alles vergeistigen….“

Geradezu blasphemisch erscheinen weitere Ausführungen von „Jesus“ über auserlesene Seelen nach dem Vorbild der Luise:

„Die Höhe der Vollkommenheit einer Seele, die in Meine Willen vernichtet ist, ist derart, das sie wie Gott wirkt…Wenn sie mit diesem Willen lebt, besitzt sie die Macht, die Weisheit, die Heiligkeit und all die anderen Tugenden, die Gott Selbst hat

Die Seele, der es gelingt, von Meinem Willen alleine zu leben, ist die Königin aller Königinnen. Ihr Thron ist so hoch, dass sie den  Thron des Ewigen erreichen wird. Sie tritt in die Geheimnisse der höchsten Dreifaltigkeit ein…“ (S. 191)

Damit wird auf scheinfromme, nicht nur verstiegene, sondern theologisch hochgefährliche Unart und Weise der luziferische Grundgedanke vermittelt: Wollt ihr sein wie Gott?

Es wäre ein Leichtes, massenhaft weiteren Unfug und Irrtum aus diesen Botschaftsbänden aufzubröseln, doch erscheint dies eher überflüssig, wenn schon eine gewisse Auswahl dieser „Offenbarungen“ zeigt, wo der (Irr-)Weg langgeht  –  und daß es sich hierbei weitgehend um eine Neu-Auflage alter gnostischer Häresien handelt.

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Foto-Quelle des Porträts: http://luisapiccarreta.de

 


Von den Merkwürdigkeiten eines Wunderbildes der „heiligen Familie“

Von Felizitas Küble

Dieses vermeintliche Wunderfoto kam mir bereits öfter in die Hände. Ich sah es auch in etlichen Wohnungen erscheinungsbewegter Katholiken. Obwohl ich einer Bekannten in Münster vor ca. zehn Jahren meine kritischen Einwände nannte, hängt es dort immer noch.  media-433119-2

Es sei dahingestellt, ob dieses Bild einer „übernatürlichen“ (also in Wirklichkeit „unterirdischen“) Quelle entstammt oder lediglich die Fälschung (Fotomontage, Gemälde) eines Zynikers ist, der naive Gläubige gerne hinters Licht führen will.

Dieses Wunderfoto ziert auch die Bände der falschmystischen Botschaften „Die Vorbereitung“ (ein ähnlicher Unsinn wie jene der „Warnung“). Zudem findet man es dort auf deren Internet-Startseite: http://www.dievorbereitung.de/index.html

Auch bei „Warnungs“-Anhängern wird dieses wundersame Bild gerne verbreitet, zB. auf der Fanseite von Herrn Roemer. Interessanterweise taucht er es ganz in eine orange Farbgebung ein  –  und dies wohl nicht ohne Grund: https://ssl.kundenserver.de/jochen-roemer.de/Gottes%20Warnung/images/Die%20Heilige%20Familie.jpg

Zunächst einige Anmerkungen zur äußeren Gestalt des Bildes:

  1. „Maria“ strahlt keine Warmherzigkeit aus, alles wirkt ziemlich „spitz“, auch der Augenausdruck mit Tendenz zum stechenden Blick.
  2. Die Fingerhaltung „Josefs“ ist unnatürlich: Man versuche selbst, die Hand so merkwürdig zu halten  –  das ist allenfalls mit großer Anstrengung möglich. Zudem ist der fünfte Finger viel zu lang.
  1. Das „Christkind“ könnte der Nivea-Werbung der 50er Jahre entstammen. Die Ohren sind zu groß und zu tiefliegend. Das Baby hat eine „Geheimratsecke“, als wäre es 70 Jahre alt: rechts oben fehlt das Haar bis zum Hinterkopf, dafür ist es vorne zu weit in die Stirn hineingewachsen.
  1. Wenn die Sonne scheint (links oben), können nicht zugleich die Sterne funkeln.
  2. Die „Heilige“ Familie kommt direkt aus der Dunkelheit, was freilich  h i e r  –  bei „Licht“ betrachtet  – sehr passend ist. Logisch wäre es an sich, daß der Priester die hl. Messe in einem zumindest halbdunklen Raum feiert (eine Kirche ist kein Sonnenstudio)   –  und die heilige Familie aus einem hellen himmlischen Licht kommt.

6. Das Schlimmste jedoch: das „Jesuskind“ ballt die Faust gegen den Priester bzw. die heilige Hostie.

Soll die wirkliche Bedeutung der hl. Messe verdrängt werden?Kreuzkuppel

Zudem ist das Bild insgesamt theologisch unsinnig, denn die hl. Messe ist keine sakramentale Vergegenwärtigung der heiligen Familie, sondern des Kreuzesopfers Christi.  –  Soll diese Glaubenswahrheit durch einem fromm wirkenden Kitsch unterschwellig verdrängt werden?

Auf der Rückseite eines mir vorliegenden Exemplares dieses Wunderfotos wird die angeblich übernatürliche Entstehung geschildert, ergänzt durch die Aussagen einer ebenso anonymen wie  „begnadeten“ Person:

Jemand habe einen Priester bei einer hl. Wandlung fotografiert, wobei dieses Bild herausgekommen sei. Man erfährt aber nicht, wo die hl. Messe stattfand, w e r  der Fotograf war und w e r  jene „begnadete Person“ ist, die das Bild als wunderbar „bestätigt“ bzw. als himmlische Gnadenquelle verherrlicht.

Zu den Aussagen der „Begnadeten“ sei zudem festgestellt:

1. Diese seltsame „Logik“ dreht sich natürlich im Kreise, wenn eine falschmystische Quelle durch eine andere falschmystische Quelle „bestätigt“ wird.  Das ist etwa so, wie wenn die „Madonna“ von San Damiano versichert, daß die Erscheinungen von Heroldsbach echt seien…Natürlich befürworten sich die verschiedenen Irrgeister gegenseitig!

2. Die „Offenbarung“ der  angeblich Begnadeten kann schon deshalb nicht von „oben“ stammen, weil sie die unzutreffende Ansicht äußert, daß durch ein Bild (noch dazu durch dieses Bild!) direkt Gottes „Gegenwart“ ins Haus komme. Die katholische Kirche hat stets daran festgehalten, daß wir nicht die Bilder (oder Statuen) als solche verehren, sondern die himmlischen Personen, die sie darstellen; es geht also um eine symbolische Bedeutung, keine quasi-sakramentale, sonst wäre dies magisch gedacht bzw. abergläubisch untermalt.

Ein religiöser Andachtsgegenstand wird zu einem Sakramentale, wenn er von einem Geistlichen nach kirchlichem Ritus gesegnet wird. Von einer solchen Weihe bzw. Segnung ist in der Botschaft der „Begnadeten“ aber nicht die Rede.

Somit wird zu einem verstiegenen, tendenziell fetischistischen Bilderkult angeregt, der nicht katholisch ist und mehrfach kirchlich abgelehnt wurde. (Nachzulesen etwa im „Catechismus Romanus“, dem jahrhundertelang verbindlichen Weltkatechismus, zB. auf S. 276 im dritten Teil, 2. Hauptstück.)

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.