Papst gegen Beihilfe zum Suizid/Selbstmord: Ärzte dürfen keine Vollstrecker des Todes sein

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Mit deutlichen Worten hat Papst Franziskus ärztliche Beihilfe zur Selbsttötung von Schwerkranken verurteilt. Kein Arzt dürfe sich zum „Ausführer eines nicht existenten Rechts“ aufschwingen.

Das sagte er am Freitag zu italienischen Chirurgen im Vatikan:

„Die Medizin ist von ihrem Wesen her Dienst am menschlichen Leben. Ärzte brauchen neben ihrer technisch-beruflichen Kompetenz einen Wertekodex, mit dem sie den Sinn einer Krankheit und ihrer eigenen Arbeit einordnen und aus jedem klinischen Fall eine menschliche Begegnung machen können.“

Gerade bei schweren Krankheiten müssten Patienten „bewusst, mit Intelligenz und Herz“ begleitet werden.

„Mit dieser Einstellung kann man die Versuchung zurückweisen, zu der auch Änderungen der Rechtslage beitragen: dass man nämlich die Medizin nutzt, indem man den möglichen Todeswunsch des Kranken ausführt oder dazu Beihilfe leistet. Das sind voreilige Lösungen für Fragen, bei denen es – anders als man denken könnte – nicht um die Freiheit der Person geht, oder ein falsches Mitleid…

Es gibt kein Recht, über das eigene Leben verfügen; kein Arzt kann sich also zum Ausführer eines nicht existenten Rechts machen.“

Der Papst zitierte auch seinen Vorgänger, nämlich Johannes Paul II. Dieser hatte 1995 in seiner Enzyklika „Evangelium Vitae“ geschrieben:

„In dem heutigen kulturellen und sozialen Umfeld, in dem die Wissenschaft und die ärztliche Kunst Gefahr laufen, die ihnen eigene ethische Dimension zu verlieren, können sie bisweilen stark versucht sein, zu Urhebern der Manipulation des Lebens oder gar zu Todesvollstreckern zu werden.

Angesichts dieser Versuchung ist ihre Verantwortung heute enorm gewachsen und findet ihre tiefste Inspiration und stärkste Stütze gerade in der dem Ärzteberuf innewohnenden, unumgänglichen ethischen Dimension, wie schon der alte und immer noch aktuelle hippokratische Eid erkannte, demgemäß von jedem Arzt verlangt wird, sich zur absoluten Achtung vor dem menschlichen Leben und seiner Heiligkeit zu verpflichten.“

Quelle: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-09/papst-franziskus-arzt-beihilfe-suizid-gesundheit-euthanasie-medi.html


„Bundesverband Lebensrecht“ kritisiert Bundestagsbeschluß zur Tötungsbeihilfe

Angehörige und Ärzte dürfen jetzt als Tötungsassistenten agieren

Martin Lohmann (siehe Foto), Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL), erklärt zur heutigen Parlamentsentscheidung:  Lohmann5

„Mit der Entscheidung des Bundestages hat man den Schutz des Lebens in Deutschland weiter verunmöglicht. Leider wurde auf geradezu fahrlässige Weise die Chance vertan, die Beihilfe zur Selbsttötung zu unterbinden. Einzig konsequent gewesen wäre das vollständige Verbot der Beihilfe, wie es in zahlreichen anderen Ländern logischerweise gültig ist.

Der BVL-Chef sieht die Befürchtungen vieler Lebensrechtler bestätigt, dass „wir in unserer Gesellschaft ein tödlich beschädigtes Verständnis von Freiheit und Verantwortung haben“. Für Lohmann ist das Ergebnis der Debatte ein „subtiler Abschied von der Freiheit für das Leben“.

Denn tatsächlich werde mit dem ausschließlichen Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid allen anderen Formen der Beihilfe „faktisch Tür und Tor“ geöffnet. Im wirklichen Leben könnten jetzt Angehörige und Ärzte zu einer „real existierenden Lebensgefahr“ werden.

Daher, so Lohmann, müsse er schlichtweg wiederholen, was der BVL bereits im Vorfeld der Debatte gesagt habe und – leider – aktuell bleibe: Wenn Angehörige und nahestehende Personen, also auch Pflegekräfte, ebenfalls zu Tötungsassistenten werden dürfen, dann sind nicht nachprüfbare Todesfälle programmiert.

Wenn man glaubt, es würden nur Todkranke im Einzelfall von der Suizidmöglichkeit Gebrauch machen, dann verleugnet man die Erfahrungen aus Nachbarländern.

„Ich finde es erschreckend, dass die sogenannten Argumente gelegentlich an vernebelnde und sedierende Pseudoargumentationen erinnern“, sagte Lohmann. Wenn etwa von führenden Grünen argumentiert werde, der Staat solle sich da raushalten, dann könne man nur antworten: 159481-3x2-teaser296

„Ein Staat, der jedes Falschparken und jede Geschwindigkeitsübertretung unter Strafe stellt und selbst Mülltonnen kontrolliert, entdeckt auf einmal die Gewissensfreiheit, wenn es um Leben und Tod geht. Ist sortierter Müll wichtiger als der unbedingte Schutz des Lebens?“

Zudem sei es nahezu absurd, ausgerechnet in den Grenzsituationen des Lebens der angeblichen Freiheit freien Lauf zu lassen: „Die Selbsttötung hat nichts mit Freiheit zu tun, sondern ist ein Akt der tödlichen Verzweiflung, in der es das Recht auf Lebenshilfe geben müsste. Wenn das Subjekt der Freiheit sich selbst zerstöre, gibt es keine Freiheit mehr. Insofern kann auch die Beihilfe kein Dienst an der Freiheit sein.“

Überdies zeige der Blick in Länder, wo die Beihilfe nicht konsequent verboten ist, wie geradezu selbstverständlich die Euthanasie werde. Lohmann: „Schade, dass es nicht wirklich ein klares Bewusstsein für das Leben und seinen Schutz mehr gibt. Und fatal, dass viele meinen, man könne zwischen Leben und Tod einen Kompromiss oder eine Mischform machen. Die mutmachende Arbeit der Lebensrechtler bleibt gerade nach diesem Tag im Reichstag weiter lebenswichtig.“


Bischof Algermissen (Fulda): Hilfe beim Sterben statt Beihilfe zum Sterben

Auf einem Symposion der Theologischen Fakultät Fulda am Samstag, dem 17. Oktober 2015, hielt Bischof Heinz Josef Algermissen eine Ansprache, in welcher er die vorangegangenen Vorträge würdigte und zugleich den kirchlichen Standpunkt zur Debatte um die Beihilfe zur Selbsttötung erläuterte.

Wir dokumentieren den vollständigen Wortlaut der Dankesansprache des Bischofs mit freundlicher Genehmigung des Bistums Fulda (die Zwischentitel stammen von uns):

„Die breit angelegte Diskussion um die Beihilfe zum Suizid hat uns die letzten Monate begleitet und wird sich wohl in den kommenden Tagen noch zuspitzen, zumal der Deutsche Bundestag Anfang November über die überparteilichen Gruppenanträge zur „Neuregelung der Beihilfe zur Selbsttötung“ abschließend befinden wird. Foto Leupolt - Bistum Fulda

Dieser Diskussionsprozess berührt höchst bedeutsame existenzielle Fragen des menschlichen Lebens. Es wäre ein Unding, würden wir sie an Politiker und Parteien abgeben. Und darum ist mir dieses nunmehr 13. Symposion unserer Theologischen Fakultät Fulda so wichtig.

Und deshalb bin ich sehr dankbar für die beiden Hauptreferate, die uns den Weg in das Problem ebenso kompetent wie anrührend geöffnet haben.

BILD: Bischof Heinz Josef Algermissen übt Kritik an einem „falschen Autonomieverständnis“ (Foto: Leupolt / Bistum Fulda)

Ich danke in unser aller Namen Herrn Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, Augsburg, seit 2008 Mitglied des Deutschen Ethikrates und seit kurzem Stiftungsratsvorsitzender der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, und Herrn Professor Dr. Friedemann Voigt, Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Marburg, je für einen profunden Vortrag.

Nicht über den Zeitpunkt des eigenen Todes entscheiden

Im Grundsätzlichen einmütig haben sich Vertreter beider großer Kirchen in dieser Debatte engagiert zu Wort gemeldet. Ihre Position lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Jede Hilfe beim Sterben, keine Hilfe zum Sterben.

Das von allen Seiten eingeforderte Sterben in Würde könne doch nur bedeuten, Art und Weise des Sterbens würdevoll zu gestalten. Entsprechend freut man sich auch auf Seiten der Kirchen über einen in den letzten Monaten deutlich gewordenen politischen Konsens, den palliativ-medizinischen Bereich in Deutschland entschieden ausbauen zu wollen. Kreuzkuppel

Vor allem aber misstraut man kirchlicherseits dem offenbar weit verbreiteten Wunsch nach einem selbstbestimmten Sterben, dem Wunsch, über den Zeitpunkt des eigenen Todes entscheiden zu können. Einfache Appelle wie „mein Tod gehört mir“ oder „Selbstbestimmung bis zuletzt“ sind plakativ und helfen nicht weiter. Dahinter steckt oft nicht nur die Angst vor einem schmerzvollen, womöglich von der Intensivmedizin sinnlos hinausgezögerten Sterbeprozess.

Stimmen aus Theologie und Kirche beklagen, dass hinter diesem Wunsch häufig auch ein falsches Autonomieverständnis steht, demnach man um jeden Preis verhindern möchte, anderen zur Last zu fallen, von anderen in der Endphase seines Lebens abhängig zu werden.

Wahre Selbstbestimmung: Auch das Sterben leben

In der theologischen Begründung dieser kirchlichen Position heißt es dann: Weil das Leben ein Geschenk Gottes ist, hat kein Mensch das Recht, über seinen eigenen Tod zu verfügen. Das von Gott geschenkte Leben lässt sich nicht einfach zurückgeben. Das geschenkte Leben bis zu seinem Ende zu leben und auch das Sterben zu leben, ist vielmehr Ausdruck der wahren Selbstbestimmung des Menschen.images

In Diskussionen wird häufig eingewandt, durch Gesetze, Normen und Weisungen werde der Mensch von außen gelenkt und fremdbestimmt. Das Gegenteil ist der Fall. Denn der Mensch hat seine einzigartige Würde, die unser Grundgesetz „unantastbar“ nennt, weil er Abbild Gottes ist. Nur in lebendiger Beziehung zu seinem Urbild vermag sich das Abbild wirklich zu entfalten, kommt das Gewissen zu seiner vollen Würde und Bedeutung.

Das Gesetz im Inneren des Gewissens, von dem das Zweite Vatikanische Konzil spricht, wird durch die Stimme Gottes nicht verfremdet, sondern entfaltet und gedeutet.

Auch Christen bedürfen der Schärfung des Gewissens

Als Christinnen und Christen sind wir dazu berufen, Zeuginnen und Zeugen Jesu Christi zu sein, der sich als „Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 14,6) mitgeteilt hat. Es ist unsere Berufung, den Menschen zu helfen, sich Gott zu öffnen, seinen Ruf zu vernehmen und seiner Botschaft zu folgen.

Damit wir dieser Berufung gerecht werden können, bedürfen wir zunächst selbst der Stärkung und Schärfung unseres eigenen Gewissens, auf dass wir uns im Diskurs dieser Gesellschaft deutlich und eindeutig verhalten. Ich hoffe und wünsche, dass uns die Anregungen und Fragen dieses heutigen Tages dazu eine gute Hilfe sind.

In der heftig geführten Debatte über „Sterbehilfe“ können wir zeigen, welch Geistes Kinder wir sind. Ich danke den beiden Referenten noch einmal sehr herzlich und Ihnen allen, dass Sie an diesem Symposion teilnehmen.“

Über diese Stellungnahme des Bischofs hat auch die Fuldaer Zeitung berichtet: http://www.fuldaerzeitung.de/artikelansicht/artikel/4321110/regional+fulda/bischof-algermissen-keiner-hat-das-recht-uber-eigenen-tod-zu-verfugen


„Sterbehilfe“: Portal der Bischofskonferenz lobt den problematischen Brand-Entwurf

Wo bleibt die Unterstützung des Sensburg-Dörflinger-Entwurfs?

Lebensrechtler und überzeugte Christen fassen sich an den Kopf: 159481-3x2-teaser296

„Katholisch.de“, das offizielle Internet-Portal der katholischen „Deutschen Bischofskonferenz“, stellt sich in einem Artikel vom 9. Juni 2015 allen Ernstes hinter den sog. „Brand-Entwurf“ in puncto „Sterbehilfe“ bzw. Euthanasie:

Dieser Gesetzesentwurf will die Beihilfe zum Selbstmord (Suizid) nicht etwa allgemein verbieten, sondern lediglich die organisierte „Sterbehilfe“ unter Strafe stellen. Die private „Beihilfe“ (etwa durch Angehörige, „Nahestehende“ sowie Ärzte/Pfleger) würde dann also nicht gesetzlich untersagt.  

Kürzlich hat die CDL diesen fatalen Standpunkt in einer Pressemeldung deutlich kritisiert: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/15/sterbehilfe-cdl-kritisiert-gesetzentwurf-der-abgeordneten-brand-griese/

Während nun die „Christdemokraten für das Leben“ das verhängnisvolle Problem klar erkennen, würdigt „KathimagesCA4JYFAColisch.de“ diesen inkonsequenten Entwurf, den die CDL zu Recht als „Brand-gefährlich“ bezeichnet.

Das Lob für einen derartigen Gesetzesvorschlag ist nicht nur ein eklatanter Verstoß gegen das Lebensrecht, sondern letzten Endes ein erschreckender Verrat am 5. Gebot Gottes („Du sollst nicht morden“).

„Katholisch.de“ berichtet folgendes zum Brand-Entwurf:

„Danach soll die Beihilfe zur Selbsttötung zwar grundsätzlich straffrei bleiben. Die gewerbsmäßige, also auf Gewinn ausgerichtete Suizidbeihilfe und die geschäftsmäßige, auf Wiederholung angelegte Beihilfe zur Selbsttötung soll aber verboten und sanktioniert werden.

Die katholische Kirche lobte den Entwurf. Er schlage eine „maßvolle Justierung der bestehenden, im Vergleich zu anderen Ländern liberalen Rechtslage in Deutschland vor“, erklärte der Leiter der Katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten.Patrick Sensburg

Wenn es um das Lebensrecht und damit und ein fundamentales Rechtsgut geht, genügt ein „kleineres Übel“ nicht; also reicht es nicht aus, lediglich die gewerbliche und organisierte „Sterbehilfe“ zu verbieten.

Zudem hätte man gerne gewußt, weshalb dieser Artikel sowie der zitierte Karl Jüsten mit seiner Stellungnahme den Eindruck erweckt, als sei „die“ Katholische Kirche auf Seiten des Brand-Entwurfs. Uns ist durchaus bekannt, daß es katholische Oberhirten hierzulande gibt, die den hervorragenden Sensburg-Dörflinger-Entwurf befürworten.

Nun hätte man dem Verfasser des Artikels noch zugutehalten können, daß er den konsequenten Gesetzentwurf der CDU-Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Patrick Sensburg (siehe Foto) und Thomas Dörflinger vielleicht nicht kennt; dieser sieht ein ausnahmsloses Verbot jeder Beihilfe zur Selbsttötung vor, wie es zB. auch in unserem Nachbarland Österreich gesetzlich der Fall ist.

(Näheres zu diesem positiven Entwurf hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/17/causa-suizidbeihilfe-cdu-parlamentarier-sensburg-dorflinger-fur-das-leben/)

Aber der Autor von „Katholisch.de“ kennt diesen Gesetzesentwurf sehr wohl und bezeichnet ihn als „bislang strengsten“: „Den bislang strengsten Gesetzentwurf haben die CDU-Abgeordneten Patrick Sensburg und Thomas Dörflinger vorgelegt, der die Beihilfe zur Selbsttötung auch in Einzelfällen verbieten will.“

Das Portal der Bischofskonferenz sieht offenbar keinen Grund, diesen „strengsten“ Entwurf angemessen zu loben – stattdessen wird der äußerst problematisch Brand-Entwurf ausdrücklich gewürdigt.

Erfreulich ist es hingegen, daß der medizinethische Wissenschaftler Prof. Dr. med. Axel W. Bauer den ausgezeichnet klaren Entwurf der CDU-Parlamentarier Sensburg & Dörflinger lobt.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.