Evangelikaler ABC kritisiert Beihilfe zur Selbsttötung: Kirche soll Klarheit schaffen

Der bayerische Diakoniepräsident Michael Bammessel hat dafür geworben, das christliche Verständnis der Würde des Menschen auch in die Debatte um Beihilfe zur Selbsttötung einzubringen.

Maßgeblich sei für ihn das so genannte „Kronenkreuz“ der Diakonie, also die Verbindung von Kreuz und Krone: Auch in Menschen, die schweres Leid tragen, leuchte durch Christus der Glanz Gottes.

Kein Leben sei daher wertlos: „Deshalb können wir als Diakonie auch nicht Herr über Leben und Tod spielen“, betonte Bammessel (siehe Foto) bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern (ABC) im mittelfränkischen Gunzenhausen.

Gerade auch im größten Leid gehe es darum, die Würde des Menschen zum Leuchten zu bringen. Vor diesem Hintergrund sei es für ihn undenkbar, dass diakonische Einrichtungen Beihilfe zur Selbsttötung anböten.

Eine Debatte dazu hatten mehrere evangelische Theologien, darunter der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, angestoßen. Bammessel äußerte Verständnis für die aufgeworfenen Fragen, da in diakonischen Einrichtungen auch Menschen mit Einstellungen betreut würden, die er selbst nicht teile: „Auch sie verdienen unseren Respekt und unsere Begleitung.“

Er könne sich beispielsweise nicht vorstellen, einem Suizid-Willigen ein Gebet zu verweigern. Es wäre auch fatal, so Bammessel, wenn Menschen den Eindruck gewönnen, man könne über das Thema Sterben nicht mit Kirchenvertretern reden, weil sie kein Verständnis für die Angst vor einem womöglich qualvollen Sterben hätten.

Auch Professor Ralf Frisch (siehe Foto) von der Evangelischen Hochschule Nürnberg warnte vor einer Art Besserwisserei, die den Gesprächsfaden zu schnell abreißen lasse. Damit sei aber nicht der Verzicht auf eine dezidiert christliche Position gemeint, so Frisch, der den Selbstbestimmungsbegriff des Sterbehilfe-Urteils des Bundesverfassungsgerichts einer deutlichen Kritik unterzog:

„Christen können nicht für eine Selbstbestimmung stehen, die den Menschen nicht vor seiner Selbstzerstörung schützt. Christen stehen vielmehr für einen ‚Paternalismus‘ im besten Sinn des Wortes. Unsere Selbstbestimmung steht letztlich nicht in unseren Händen, sondern in den Händen Gottes, des Vaters. Wenn Gott in den Raum des Sterben-Wollens und des Um-das-Leben-Ringens eintritt, dann verändert sich etwas, vielleicht sogar alles.“

Evangelische Ethik und Seelsorge sollten gerade beim Thema des assistierten Suizids den Mut haben, Gott zur Sprache zu bringen. Beim Gedanken, dass der assistierte Suizid – wie von einzelnen Theologen vorgeschlagen – zu einer Art Kasualie (kirchlichem Ritual) werde, grusele ihn hingegen.

Uwe Heimowski (siehe Foto), der Politik-Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz, erinnerte an die Ernsthaftigkeit der Debatte im Bundestag, als dieser 2015 gewerbsmäßige Beihilfe zur Selbsttötung unter Strafe stellte.

Er hoffe, dass in der kommenden Legislaturperiode genauso intensiv über eine Neuregelung diskutiert werde, nachdem das Bundesverfassungsgericht das Gesetz im Februar 2020 unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht für verfassungswidrig erklärt hatte: Das Recht auf selbstbestimmtes Leben beinhalte, so die Karlsruher Richter, auch das Recht auf Sterbehilfe.

Diese Entscheidung sei ein klarer Bruch mit der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, kritisierte ABC-Sprecher Hans-Joachim Vieweger (siehe Foto).

Karlsruhe habe eine Art Grundrecht zum Suizid postuliert, das nicht einmal auf schwere oder unheilbare Krankheitszustände oder bestimmte Lebens- und Krankheitsphasen beschränkt sei. Hier werde Autonomie zum Maßstab aller Dinge gemacht: „Da dürfen wir als Kirche nicht mal den kleinen Finger reichen“, so Vieweger.

Auch der ABC-Vorsitzende Till Roth riet zu Klarheit. Man könne nicht aus Sorge, wie kirchliches Handeln in einer säkularen Gesellschaft ankomme, auf biblische Wahrheit verzichten. Sowohl das Evangelium als auch die Gebote Gottes seien zu predigen – und damit auch die göttlichen Maßstäbe für ein gutes und gottgefälliges Leben.

Text und Fotos: Pressemitteilung des ABC


„Sterbehilfe“: Passauer Bischof Stefan Oster befürwortet den Sensburg-Entwurf

Brand-Entwurf bietet keinen konsequenten Lebensschutz

Bischof Stefan Oster schrieb am Sonntag auf seiner Facebookseite zur aktuellen „Sterbehilfe“-Debatte und den Bischof-Stefan-Oster-2481mkGesetzesentwürfen, welche die Beihilfe zum Suizid (Selbstmord) regeln sollen:

Die „aktive Mitwirkung an der Selbsttötung eines Menschen“ sei ein „dramatischer Verstoß gegen die Überzeugung, dass Gott der Herr über Leben und Tod, mithin über Anfang und Ende des Lebens ist.“

Der Passsauer Oberhirte fügte hinzu: „Aus meiner Sicht kommt der von den Bischöfen im erwähnten Flyer dargestellten Position der Gesetzesentwurf von Patrick Sensburg, Thomas Dörflinger und anderen am nächsten.“ (Sensburg-Entwurf siehe hier: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/053/1805376.pdf)

Dieser Gesetzesentwurf will nicht nur die organisierte Beihilfe zur Selbsttötung unter Strafe stellen, sondern jede Form, auch die ärztliche oder private Beihilfe, verbieten.

Am vergangenen Freitag hat bereits der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer erläutert, weshalb er für den Sensburg-Gesetzesentwurf plädiert, der sich „eindeutig für das Leben ausspricht“.

Zu dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützten Brand-Entwurf stellte Bischof Oster fest, dieser scheine „offenbar mehrheitsfähig zu sein“, bleibe aber aus seiner Sicht „dennoch hinter der Forderung nach konsequentem Lebensschutz noch zurück“.

 


„Sterbehilfe“/Beihilfe zum Suizid: Bistum Regensburg plädiert für Sensburg-Entwurf

Die offizielle Internetpräsenz des Bistums Regensburg stellt sich klar hinter den Gesetzesentwurf der CDU-Parlamentarier Sensburg/Dörflinger, der alle Formen der Beihilfe zur Selbsttötung unter Strafe stellen will, also auch eine „private“ Mithilfe. borMedia1840101

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer erklärt zur aktuellen Debatte folgendes:  „Wir müssen allen den Rücken stärken, die sich gegen jegliche Form von aktiver Sterbehilfe oder Beihilfe zur Selbsttötung, ob gewerblich oder privat, organisiert oder frei, aussprechen.“

Sodann heißt es auf der amtlichen Bistumsseite weiter:

„Am 2. Juli 2015 fand im Bundestag die erste Lesung von vier Gesetzentwürfen statt, die sich mit der Frage der rechtlichen Regelung der aktiven Sterbehilfe befassen. Die katholische Kirche hat in dieser Frage eine klare Position:

Sie „spricht sich nachdrücklich gegen alle Formen der aktiven Sterbehilfe und der Beihilfe zur Selbsttötung aus. Hilfe beim Sterben durch die sogenannte passive Sterbehilfe (einschließlich der Therapiezieländerung) hingegen sieht sie als ethisch vertretbar an“ (Flyer Sterben in Würde – Worum geht es eigentlich?, Bonn DBK 2014, 2f.).

In der derzeitigen Bundestagsdebatte ist unter den vier Gesetzentwürfen nur einer („Sensburg-Dörflinger-Entwurf“) dabei, der sich in dieser Hinsicht eindeutig für das Leben ausspricht.“

Quelle und weitere Infos hier: http://www.bistum-regensburg.de/aktuelle-themen/aktive-sterbehilfe-und-assistierter-suizid-ethisch-nicht-vertretbar/#c17811