Theologisch konservative Protestanten über Papst Franziskus und die Hoffnungen der evangelikalen Bewegung: „Treue zum Evangelium“

Führende Vertreter der evangelikalen Bewegung in Deutschland äußern vielfältige Erwartungen an den neuen Papst Franziskus. 

In Stellungnahmen verbinden deutsche Evangelikale ihre Gratulation an Franziskus mit einer Würdigung der Entscheidung, an die Spitze der katholischen Kirche einen aus Südamerika stammenden Theologen zu wählen. Dort leben etwa 40 Prozent aller Katholiken.

Dieser Perspektivwechsel könne der Kirche und der gesamten Christenheit gut tun, sagte der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Präses Michael Diener, gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.  

Foto: Kloster Ettal

Foto: Kloster Ettal

Außerdem hofft Diener, dass die in Lateinamerika gelegentlich auftretende Konkurrenz zwischen katholischer Kirche und evangelikalen Gruppierungen „die insgesamt wachsende Wahrnehmung und Wertschätzung von Gemeinsamkeiten zwischen katholischer Kirche und Weltweiter Evangelischer Allianz, etwa in ethischen Fragen, nicht beeinträchtigt, sondern weiter vorangetrieben wird“.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der theologisch konservativen Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), könnte Franziskus wichtige Impulse, Hilfe und Korrektur für die weltweite Ökumene geben:

„Wir wünschen ihm jene Weltoffenheit, die die Herausforderungen der Zeit aufnimmt, aber dem Relativismus, Zeitgeist und Säkularismus wehrt“, so Rüß. Der Papst brauche neben Kraft und Beistand des Heiligen Geistes „die unerschütterliche Standfestigkeit und Treue zum Evangelium und den unveränderbaren Grundlagen christlichen Glaubens. Wir hoffen auf eine Weiterführung des christuszentrierten, bewahrenden Glaubenskurses von Benedikt XVI., wie er in seinen Jesusbüchern zum Ausdruck kam“.

Der Direktor für ökumenische Angelegenheiten der Weltweiten Evangelischen Allianz, Rolf Hille, bezeichnete Papst Franziskus als Persönlichkeit „mit charismatischer Ausstrahlung und tiefem geistlichen Leben“.

Die Namenswahl deute an, dass er sich als Anwalt der Armen und Ausgebeuteten verstehe und der sozialen Frage höchste Aufmerksamkeit widmen werde. In ethischen Fragen, etwa beim Schutz ungeborenen Lebens, werde es wohl bei der bisherigen Haltung der katholischen Kirche bleiben. 

Quelle: http://www.idea.de

 


Evangelikale Dachverbände und Freikirchen würdigen Papst Benedikt und seine „christuszentrierte“ Verkündigung: „Ein Mahner gegen den Zeitgeist“

Evangelische Allianz dankt für geistliche Klarheit und ethischen Grundkonsens

Theologisch konservative Protestanten  äußern sich weitgehend positiv über den noch amtierenden Papst Benedikt anläßlich seiner Rücktrittsankündigung. Hier ein Auszug aus den Stellungnahmen großer evangelikaler Dachverbände:

Die Deutsche Evangelische Allianz lobt den Vorbildcharakter der Entscheidung: „Seit über 700 Jahren bringt damit ein Inhaber des Petristuhls die geistlich-dienende Dimension seines Amtes dadurch zum Ausdruck, dass er an den Insignien seiner Macht nicht festhält, sondern bewusst loslässt“, erklärte der Allianzvorsitzende, Präses Michael Diener.  

Man danke Benedikt XVI. „für die Klarheit, mit der er die geistliche Dimension aller christlichen Einigungsbemühungen deutlich gemacht hat“ und dafür, dass er in seinen Jesus-Büchern Glaube, Vertrauen in die Heilige Schrift und Wissenschaft verbunden habe.

Präses Diener begrüßte ferner, dass in vielen ethischen Fragen  –  etwa dem Lebensrecht und dem Schutz von Ehe und Familie  –  der Grundkonsens zwischen Positionen der Allianz und der katholischen Kirche immer wieder erkennbar geworden sei.  

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Die Evang. Allianz werde den Prozess der Neuwahl eines Papstes im Gebet begleiten. Zugleich wünsche man sich, „dass die katholische Kirche sich in ihren Lehren und Traditionen immer mehr vom lebendigen Wort des lebendigen Gottes formen und prägen lässt“.

Evang. Freikirchen: Lob für päpstliche „Jesus-Bücher“

Auch die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) brachte ihren Respekt für die Entscheidung des Papstes zum Ausdruck. Präsident Ansgar Hörsting (Witten) erklärte:  „Nachdem der Vorgänger von Krankheit gezeichnet bis zum Schluss im Amt blieb und verehrt wurde, was ich ebenfalls respektiere, stand zu befürchten, dass daraus ein ständige Wiederholung abgeleitet wird. Dem hat Benedikt einen Riegel vorgeschoben.“

Hörsting wird nach eigenen Angaben vor allem die „Jesus-Bücher“ des Papstes positiv in Erinnerung behalten: „Sie sind bemerkenswert, weil sie sowohl die historische als auch die innere Dimension des Glaubens an Jesus Christus vermitteln.“ 

Ev. Konferenz Bekennender Gemeinschaften: Er verbindet geistige Brillanz und tiefe Frömmigkeit

Nach Ansicht der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands verbindet Benedikt XVI. wie kein anderer Kirchenführer in seiner Theologie „brillante Intellektualität, Argumentationsfähigkeit mit tiefer Frömmigkeit“.

Sein Pontifikalamt habe für eine Kirche gestanden, „die sich nicht dem großen Meinungsstrom und Zeitgeist anpasst“, erklärte der Vorsitzende des theologisch konservativen Zusammenschlusses, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg).

Die Mahnungen Benedikts „vor dem Einfluss des Säkularismus in der Kirche, dem Zeitgeist, der Diktatur des Relativismus und der Beliebigkeit, sein Eintreten für die Neu-Evangelisation Europas haben zeitlose Bedeutung und geben Orientierung des Glaubens über alle Konfessionsgrenzen hinweg, auch bei allen Bekennenden Gemeinschaften“.

Beeindruckend sei auch sein „unermüdliches Christuszeugnis“. Im Rückblick werde man feststellen müssen, dass die evangelische Kirche „es leider versäumt hat, intensiver den ökumenischen Dialog mit diesem Papst gesucht zu haben, der wie kein anderer zuvor so evangelisch-christuszentriert gelehrt und verkündigt hat“.

Prof. Peter Beyerhaus: Benedikt ist einer der großen Päpste

Der ebenfalls theologische konservative Missionswissenschaftler Dr. Peter Beyerhaus, den der Papst seit der gemeinsamen Lehrtätigkeit in Tübingen zu seinen evangelischen Weggefährten zählt, äußerte sich überzeugt, dass Benedikt XVI. als einer der großen Päpste in die Kirchengeschichte eingehen werde.

Der Papst sei ein hervorragender Theologe, der sich mutig für die Entlarvung des antichristlichen Zeitgeistes einsetze. Seine Bücher über Jesus Christus und die Konsequenzen des Glaubens für das christliche Leben seien auch für evangelische Christen wichtig.

Protestanten könnten Benedikt XVI. als einen der Ihren betrachten. Beyerhaus erinnert auch daran, dass der Papst das Anliegen einer „christuszentrierten Bekenntnis-Ökumene“ teile.

Zu den Bekenntniskongressen der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften habe der Papst „ermutigende Grußbotschaften“ geschickt.  Prof. Dr. Beyerhaus hofft, dass der künftige Papst das Amt „in demselben bekenntnisökumenischen Geist“ weiterführen werde.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA: http://www.idea.de