Was not tut: Klarheit und Wahrheit des Glaubens statt Anbiederung an die Welt

Von Benno Lauscher

„Katholiken in Deutschland für Abschaffung der Fastenzeit“  –   So könnte das Ergebnis einer Meinungsumfrage lauten, die von den Deutschen Bischöfen in einigen Jahren vielleicht in Auftrag gegeben wird.

Ein übler Scherz?  –  Immerhin wurden in den letzten Monaten im Auftrag des Heiligen Vaters weltweit Katholiken befragt, wie sie es mit der kirchlichen Ehe- und Sexualmoral halten.  imageCATKHONR

In einer 20-seitigen Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom 3. Februar 2014 wurden die Ergebnisse der auch in Deutschland erfolgten Umfrage publiziert. Darin heißt es:

„Die Lehre der Kirche wird dort, wo sie bekannt ist, meist nur selektiv angenommen … Die kirchlichen Aussagen zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, zur Homosexualität, zu wiederverheirateten Geschiedenen und zur Geburtenregelung finden … kaum Akzeptanz oder werden überwiegend explizit abgelehnt.“

Ob die besagte Umfrage wirklich repräsentativ ist, wird von Fachleuten bezweifelt. Aber auch wenn das katastrophale Ergebnis der Umfrage die Wirklichkeit nur verzerrt widerspiegelt, ist die Diskrepanz zwischen Lehre und Leben, zwischen dem Willen Gottes und dem Verhalten seiner Geschöpfe schlimm genug.

Reaktion der deutschen Bischöfe

Schlimmer ist freilich die offizielle Reaktion der Deutschen Bischofskonferenz auf das Resultat der Umfrage, das sie nicht etwa mit angemessenem Bedauern und Entsetzen publiziert  –  sondern mit kaum unterdrückter Genugtuung!

Haben die deutschen Bischöfe (wie auch die Priester und Laienfunktionäre) in ihrer Mehrzahl die gesunde Lehre aufgegeben (vgl. 2. Timotheusbrief 4,3)?bild-jesus-oben

Deshalb scheint es ihnen deutlich Vergnügen zu bereiten, alle Welt darüber ins Bild zu setzen, wie wenig sich die deutschen Katholiken um die Ehe- und Sexualmoral kümmern. Wobei „alle Welt“ buchstäblich zu nehmen ist. Denn die deutschen Bischöfe sandten das Umfrageergebnis nicht nur diskret nach Rom, sondern veröffentlichen es, entgegen den Absichten des Vatikans, im Internet: in deutscher, englischer und italienscher Sprache!

Wozu?  –  Offensichtlich als Ventil, „um politischen Druck in Richtung Rom zu leiten und Spielräume für pressure groups auszuloten“ (Die Tagespost vom 6.2.2014).

Statt die gesunde Lehre zu verkünden…

Aufgabe der Hirten wäre es doch, darüber nachzusinnen, weshalb die meisten Katholiken sich nicht an der kirchlichen Lehre ausrichten. Ist ihnen diese nicht deshalb unbekannt, „weil niemand sich die Mühe macht, ihnen die Orientierungshilfen der katholischen Kirche und ihrer Lehre angemessen zu vermitteln“? DSC05476 - Kopie (2)

Die Bischöfe müssen einräumen: „Die kirchliche Lehre über Ehe und Familie … spielt in der Jugendarbeit eine nur geringe Rolle. Nur vereinzelt wird in Predigten auf das katholische Familienbild Bezug genommen.“

Angesichts dieses peinlichen Befunds ist der Hinweis heuchlerisch, die Misere liege an der unverständlichen Sprache, in der die kirchlichen Dokumente abgefasst seien. Heuchlerisch, weil diese Dokumente gar nicht für den „Endverbraucher“ bestimmt sind, sondernd für die Bischöfe, Priester und die übrigen Katecheten.

An diesen liegt es  –  läge es  –  die Lehre der Kirche dem jeweiligen Publikum verständlich darzulegen. Dazu kommt es eben in den meisten Fällen gar nicht, weil die Lehrenden selber nicht hinter der Lehre stehen: „Als glaubwürdige Multiplikatoren fallen sie aus.“

…fordert man die Änderung der Lehre

Weil den Hirten die Lehre der Kirche über Ehe und Familie lästig fällt, ist das besagte Umfrageergebnis für sie nicht Anlass zur Selbstkritik und zum Entschluss, in Katechese, Jugendarbeit und Ehepastoral für eine authentische Verkündigung zu sorgen  –  sondern Anlass dazu, die „An-passung“ der Lehre an die Unmoral der Gläubigen zu fordern.

Dem Bischof von Trier, Stephan Ackermann, kommt das zweifelhafte „Verdienst“ zu, als erster in aller Deutlichkeit diese Ungeheuerlichkeit auszusprechen: Die Katholiken halten sich nicht an die Moral, also ist die Moral zu ändern!

Am 6. Februar 2014 veröffentlichte die Allgemeine Zeitung in Mainz die Ansichten des Bischofs: „Wir können die katholische Lehre nicht völlig verändern“  (die Betonung liegt auf „völlig“!), aber es seien Kriterien zu erarbeiten, anhand derer dann im Einzelfall das, was bisher Sünde war, inskünftig in Ordnung sei: zum Beispiel vorehelicher Geschlechtsverkehr und Ehebruch.

Die Quelle der Moral

Die simple Logik des Bischofs lautet also: Weil die Mehrzahl der Katholiken die Lehre der Kirche nicht mehr akzeptiert, muss man diese den Menschen anpassen?

Seit wann ist das Evangelium an die (heidnischen) Lebensgewohnheiten der Menschen anzupassen, die heute so und morgen anders sind? Müssen nicht vielmehr, wie ein Amtskollege dem Bischof von Trier entgegenhielt, die Getauften sich am Evangelium messen? Seit wann macht die Mehrheit die Wahrheit?

„Die Wahrheit hat nichts zu tun mit der Zahl der Leute, die von ihr überzeugt sind“ (Paul Claudel).

Aber vermutlich gibt es nach Ansicht von Bischof Ackermann gar keine allgemeingültige Wahrheit?  – So sieht es der Liberalismus, der sich seit dem 18. Jahrhundert außerhalb und seit dem II. Vaticanum innerhalb der Kirche in den Köpfen festgesetzt hat.

Nach dieser durchaus gottlosen Auffassung ist nicht das ewige Gesetz Gottes (lex aeterna) die Quelle der Moral, sondern der autonome Mensch. Daher gibt es keine objektiv, immer und überall geltenden Normen.

Was gut und böse ist, legt der Mensch in seinem freien Gewissensentscheid fest (Situationsethik). Bischof Ackermann scheint diese Auffassung zu vertreten, die seit dem II. Vaticanum von den meisten „katholischen“ Moraltheologen in der einen oder anderen Spielart verbreitet wird.

Das Ende der Moral

Was folgt aus dem dezidiert liberalistischen Ansatz, den der Trierer Bischof zu vertreten scheint? Das Ende der christlichen Moral!

„Wir müssen das Verantwortungsbewusstsein der Menschen stärken“, führt der Bischof aus (niemand wird das bestreiten), um dann anzufügen: „…ihre Gewissenentscheidung dann aber auch respektieren.“  slider3-640x360

Müssen wir das? Und wenn jemand dazu gelangt, seinem Nachbarn die Frau wegzunehmen oder ein Kind im Mutterschoß zu töten – ohne dass ihm sein Gewissen Vorwürfe macht? Müssen wir diesen Gewissensentscheid dann auch respektieren? Der Liberalismus lässt die Sitten der Menschen, wie man tagtäglich sehen kann, ins Bodenlose absinken.

Vor wenigen Tagen hat das belgische Parlament beschlossen, die aktive Euthanasie an Kindern zu legalisieren  –  zurück in die Barbarei! Vielleicht wird zu Lebzeiten von Bischof Ackermann, so ist zu hoffen, keine Mehrheit der Katholiken eine derartige Abscheulichkeit gutheißen.

Doch was wird er sagen, wenn sich die meisten Katholiken an das „Menschenrecht“ der Abtreibung gewöhnt haben (dank von der deutschen Kirche unterstützten Einrichtungen)? Oder wenn die Katholiken nichts mehr einzuwenden haben gegen das „Recht“ auf aktive Euthanasie von schwerkranken alten Menschen?

Ist dann die kirchliche Lehre wieder an die Mehrheit anzupassen? Mit welcher Begründung will der Liberale sich gegen solche Auffassungen wenden, wenn das autonome Gewissen des Menschen die oberste Instanz in moralischen Fragen ist?

Folgen der bischöflichen Äußerungen

Die Ausführungen Bischof Ackermanns sind aus dem Mund eines katholischen Bischofs  –  salva reverentia  –  eine Ungeheuerlichkeit.

Der eine oder andere Amtsbruder hat ihm widersprochen, am deutlichsten Kardinal Walter Brandmüller: Wer eine Änderung der katholischen Sittenlehre verlange, „begibt sich in Widerspruch zum Wort Gottes“.

Der Kardinal scheint dem Bischof indirekt den Rücktritt nahezulegen: „Wenn ein mit der Verkündigung im Namen der Kirche Bevollmächtigter zu der Überzeugung kommen sollte, die Lehre der Kirche nicht authentisch vertreten zu können, verlangt es die intellektuelle Redlichkeit, die Konsequenzen zu ziehen.“

Für Modernisten ein „Fressen“  –  für alle ein Skandal

Auch wenn es Widerspruch gibt, sind die Aussagen des Bischofs ein Skandal im biblischen Sinn: Sie verwirren die Geister und verführen zur Sünde. pic_526a50cce0863

Die Liberalen innerhalb und außerhalb der Kirche haben sich freilich mit Wohlgefallen auf die Äußerungen Bischof Ackermanns gestürzt und sie in Windeseile weltweit verbreitet. „Endlich reißt ein Bischof die Dämme ein und wirft die veraltete Lehre der Kirche über Bord!“

Schon wagen sich weitere Kleriker aus der Deckung und geben bekannt, dass sie die Lehre der Kirche für überholt halten, von den Laienfunktionären ganz zu schweigen.

Aber was sollen die Gläubigen denken und all jene, die nach der Wahrheit suchen? Wer sich nach den Geboten Gottes zu richten bemüht, sich insbesondere der standesgemäßen Keuschheit verpflichtet weiß und eine christliche Ehe und Familie führt, steht in einer hedonistisch-relativistischen Zeit ohnehin als Exot da. Satt diese kleine Herde zu ermutigen, fallen ihr gewisse Bischöfe in den Rücken.

Wenn die Hirten schweigen, blöken die Schafe…

Es sind übrigens gerade junge Menschen, die in ergreifender Weise Bischof Ackermann widersprechen. Eine Studentin aus Wien schreibt in einem offenen Brief:

„Ihr Statement «Wir müssen das Verantwortungsbewusstsein der Menschen starken, ihre Gewissensentscheidung dann aber auch respektieren» verwirrt mich zutiefst: Gilt das auch für Pädophile? Ich hingegen glaube, dass man Pädophilen schon sagen muss, dass sie zwar sexuelle Wünsche in sich haben, aber die damit prinzipiell noch nicht gut sind, sondern sie zum Schlechten verleiten. Kreuzkuppel

Die Kirche stellt objektive Normen in eine haltlose Gesellschaft, die nicht jedem schmecken, aber allen gut tun, dem Einzelnen und der Gesellschaft.

Hochverehrter Herr Bischof: Seien Sie uns doch ein guter Hirte, nicht ein Mietling, der die Herde verlässt aus lauter Angst vor den Medien! Ich wünsche mir väterliche Priester, denen etwas an den Schafen liegt, die ganz eins sind mit der Kirche und mutig ihre Lehre ohne Abstriche predigen und erklären. Nur dann ist sie stimmig und wird auch von Kirchenfernen verstanden.

Priester sollen nach meinen Vorstellungen keine schwächlichen Kumpeltypen ohne Ecken und Kanten sein, sondern Väter, die unbeeindruckt vom Zeitgeist die heilsbringende Lehre der Kirche verkünden.“

Aufruf des hl. Paulus an alle Verkünder des Evangeliums

Zum Glück gibt es noch gute Hirten. Auf sie wird hören, wer die Wahrheit liebt. Man erkennt die guten Hirten daran, dass sie die gesunde Lehre verkünden – gelegen oder ungelegen –, wie es der hl. Paulus von ihnen verlangt:

„Ich beschwöre dich vor Gott und Jesus Christus, dem künftigen Richter der Lebenden und Toten, bei Seiner Wiederkunft und bei Seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen. Rüge, mahne, weise zurecht in aller Geduld und Lehrweisheit.

Denn es kommen Zeiten, da man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich zum Ohrenkitzel nach eigenen Gelüsten Lehrer beschafft. Von der Wahrheit aber wird man das Ohr abwenden und sich Fabeleien zuwenden.

Du aber sei wachsam, ertrage alle Mühsal, vollbringe das Werk eines Künders des Evangeliums, tu deinen Dienst voll und ganz, sei nüchtern.
Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Im übrigen harrt meiner die Krone der Gerechtigkeit, die mir der HERR, der gerechte Richter, an jenem Tage geben wird. Aber nicht bloß mir, sondern allen, die Seine Wiederkunft lieben.“
(2 Timotheusbrief 4,1-8)