Bischof Voderholzer zur Schwangerenberatung im Bistum Regensburg und zu „Donum vitae“

Offizielle Stellungnahme des Bischofs von Regensburg:

Katholiken sind Lobbyisten für das Leben. Wir stehen Müttern und Vätern in Schwangerschaftskonflikten mit allen erdenklichen Hilfen zur Seite, materiell, ideell und beratend. Abtreibung schließen wir aus. Sie ist keine Lösung, sondern ein Unrecht, das zum Himmel schreit.

Die meisten Frauen, die abtreiben lassen, werden dazu von ihrem Umfeld gedrängt. Sie treffen die Entscheidung gegen das Lebensrecht ihres Kindes im Widerspruch zu ihrem Herzen. Fast immer ist es eine Verzweiflungstat.

Deshalb sind die katholischen Beratungsdienste, darunter im wachsenden Maße die Online-Angebote, für tausende Frauen wie eine Rettungsinsel. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bistum Regensburg, die sich in unseren Beratungsstellen einsetzen, für ihren vielfältigen und hingabevollen Einsatz.

Die Kirche schätzt an Donum Vitae, dass der Verein sich für Frauen in Schwangerschaftskonflikten einsetzt. Die Beraterinnen von Donum Vitae ermutigen Schwangere, sich für ihr Kind zu entscheiden. Auch sie setzen sich für den Lebensschutz ein. Diese Solidarität muss unmissverständlich benannt und anerkannt werden.

Was ich beim Regensburger Katholikentag 2014 äußerte, möchte ich hier gerne wiederholen: „Wir haben zu 90 Prozent Übereinstimmung. Es geht uns gemeinsam um den Lebensschutz, auch wenn die Wege strittig bleiben.“

Im Sinne dieser Feststellung muss die Solidarität der Kirche nach wie vor entscheidend weiter reichen. Sie kann nicht stehen bleiben beim Konflikt der schwangeren Frau.

BILD: Logo und Slogan des Regensburger Katholikentags 2014

Eine wirkliche Konfliktberatung auf der Grundlage des christlichen Menschenverständnisses muss das ungeborene Kind miteinbeziehen. Für die Kirche ist Solidarität mit den Menschen immer ungeteilt.

Denn: Keiner darf ausgeschlossen werden, erst recht nicht die Schwächsten. Die Kirche kann ihre Unterschrift nicht unter einen Schein setzen, der den sich immer weiter verbreitenden Irrglauben begründet, dass Abtreibung irgendeinen Konflikt löste. Die Kirche setzt sich in ungeteilter Solidarität für das Kind, für die Mutter und für den Vater ein.

Hier ist und bleibt eine wesentliche Unterscheidung, die eine grundsätzliche Zusammenarbeit der Kirche mit Donum Vitae unmöglich macht. Donum Vitae ist und bleibt eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche.

Das schließt allerdings in keiner Weise aus, dass die Kirche mit Donum Vitae auf anderen Feldern im Sinne des gemeinsamen Ziels wirken kann. Auch schon auf dem Katholikentag habe ich das Angebot der Kirche unterstützt, gemeinsam zu tun, was wir ehrlicherweise gemeinsam vertreten können. Das wäre ein weichenstellendes Signal.

Die beiden Vorschläge des Katholikentages gelten nach wie vor: Der eine richtete sich auf die wichtige Forderung an den Staat, endlich die vom Gesetzgeber vorgegebene Evaluierung der derzeit gültigen Abtreibungsregelung durchzuführen. Damit würden wir den Staat gemeinsam erinnern an die grundgesetzliche Maßgabe des Artikel 2.2 GG: „Jeder hat das Recht auf Leben….“

Der andere Vorschlag zielte darauf, öffentlich und gemeinsam ein deutliches und öffentliches Zeichen für das uns verbindende Ziel, das Lebensrecht jedes Menschen, zu setzen. Dazu könnten wir zum Beispiel am 22. September 2018 zusammen am „Marsch für das Leben“ in Berlin teilnehmen. Ich würde mich von Herzen freuen, wenn auch Donum Vitae mit dabei wäre.

Wie steht es nun um ehemalige Donum-vitae-Mitarbeiterinnen, die sich um eine Stelle bei einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle des Bistums Regensburg bewerben? Hier gilt, dass sie der Kirche als ausgewiesene Fachkräfte herzlich willkommen sind.

Die Einstellung im Bistum Regensburg setzt allerdings zwingend voraus, dass sich diese Bewerberinnen von der bisherigen Donum-Vitae-Beratungspraxis, zu der die Ausstellung eines Scheins gehört, der eine straffreie Abtreibung lizensiert, unmissverständlich distanzieren. Sie müssen sich mit dem katholischen Beratungskonzept im Bistum Regensburg ohne Wenn und Aber identifizieren und auch bereit sein, dafür öffentlich einzutreten.

Die Haltung der katholischen Kirche zum ungeteilten Lebensrecht und zum Wirken von Donum Vitae verändert sich dadurch nicht.


Muss die Kirche auf „Donum vitae“ zugehen?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Augsburger Allgemeine Zeitung schreibt am 26. 1.18 unter dem Titel „Abtreibung: Kirche geht auf Donum vitae zu“:

„Nun scheint der Streit beigelegt worden zu sein. Das erklärte…der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Dies gehe aus einem Brief des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an ihn hervor.

Demnach würden die deutschen Bischöfe jetzt anerkennen, dass „Donum Vitae“ den Schutz des ungeborenen Lebens zum Ziel habe. Beschäftigte von „Donum vitae“ könnten außerdem in Zukunft auch in bischöflichen Schwangerenberatungsstellen angestellt werden.“

Die Frage ist, was hat sich bei „Donum vitae“ gegenüber bisher geändert? „Donum vitae“ stellt weiterhin dden Beratungsschein für die „rechtswidrige, aber straffreie Abtreibung“ aus. Erzbischof Dyba hat diesen Schein zu Recht eine „Tötungslizenz“ genannt. Die Kirche verurteilt Abtreibung auf dem 2. Vatikanum als „verabscheuungswürdiges Verbrechen“.

Die AZ bezeichnet die bisherige Haltung der Kirche als „rigid“ und als „umstritten“ , wohl wissend, dass diese Begriffen negativ besetzt sind.

Manches, was die Kirche fordert oder ablehnt, wird von der säkularen Welt so genannt. So erging es auch Jesus Christus. Das wissen seine Anhänger ebenfalls.

Die Ausstellung des Beratungsscheins hat jedenfalls nicht das Ziel, „ungeborenes Leben zu schützen“. Der Schein dient ausschließlich der rechtswidrigen, aber straffreien Abtreibung. Eine Aufweichung der kirchlichen Haltung wird kein „ungeborenes Leben“ retten. Das Gegenteil wird der Fall sein.

Was die Kirche aber tun könnte, wäre die massive Aufstockung der Mittel für kirchliche Schwangerenberatung!

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS


ALfA kritisiert die Annäherung der Dt. Bischofskonferenz an „Donum vitae“

Die Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für alle“ (ALfA), Alexandra Linder (siehe Foto), hat die Annäherung der Deutschen Bischofskonferenz an den Verein „Donum vitae“ kritisiert.

Gegenüber dem Online-Portal der kath. Wochenzeitung „Die Tagespost“ sprach Linder von einer „kehrtwendigen kirchlichen Anbiederung“ und beklagte, dass betreff des Beratungsscheines, der eine straffreie Abtreibung ermögliche, von einer „Verdunkelung“ des Zeugnisses der Kirche nun keine Rede mehr sei.

Linder weiter: „Die Situation ist doch dieselbe: ,Donum Vitae’, das ,Geschenk des Lebens“, muss täglich Papiere ausstellen, die Kindern das Geschenk des Lebens nehmen.“

Gerade an die nicht eingeweihte Gesellschaft sende die jüngste Annäherung ein fatales Signal, da man nun denken könne: „Die Kirche macht doch mit, dann ist das völlig in Ordnung.“

Die Entwicklungen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass man Schwangere in Not auch ohne Schein erreichen könne, „sogar besser und schneller, über Internet, Chats und Notrufnummern“.

Staatliche Beratungsstellen mit festen Öffnungszeiten seien fast schon altbacken, erklärte die ALfA-Vorsitzende weiter.

Quelle: ALfA-Newsletter – Webseite: https://www.alfa-ev.de/


Der Katholikentag in Leipzig Ende Mai 2016 surft voll auf der Zeitgeistwelle

Mathias von Gersdorff

Die Deutsche Bischofskonferenz ruft zur Katholikentagskollekte am 21./22. Mai 2016 auf. Darf ein gläubiger Katholik diese Veranstaltung überhaupt unterstützen? 0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Bei seiner Entscheidungsfindung sollte er jedenfalls beachten, dass als Veranstalter des Katholikentags das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)“ fungiert. Dieses Gremium ist vor allem durch Positionen bekannt, die der katholischen Lehre widersprechen.

Beispielsweise hat das ZdK im Hinblick auf die Familiensynode im Herbst 2015 ein Positionspapier verabschiedet, in welchem praktisch die gesamte katholische Sexualmoral und die Lehre über Ehe und Familie abgelehnt wurde.

In der Stellungnahme „Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen – Familie und Kirche in der Welt von heute“ wurden u. a. folgende Forderungen gestellt:

1. Eine positive moraltheologische Neubewertung von außerehelichen Partnerschaften.
2. Eine positive moraltheologische Neubewertung von künstlichen Verhütungsmitteln.
3. Für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften wurde die Einführung von liturgischen Segensfeiern gefordert.

Das Papier erzeugte weltweites Entsetzen im kirchentreuen Spektrum. Etliche deutsche Bischöfe distanzierten sich davon.

Beim Katholikentag selbst werden Veranstaltungen akzeptiert, in denen offen gegen die katholische Lehre polemisiert wird:

In der Podiumsdiskussion „Ehe für Alle? Zur Frage der Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Paaren“ sprechen  der bekennende Homosexuelle Stefan Kaufmann MdB (CDU) und Manuela Sabozin vom „Netzwerk katholischer Lesben“ in Essen. 012_9

In der Werkstatt „Auch Lesben und Schwule werden älter. Was ist wichtig, was ist mir wichtig?“ treten Vertreter des Vereins „Homosexuelle und Kirche (HUK)“ auf. Ferner gibt es die Gesprächsrunde „Coming-Out als Kreuz-ung. Erfahrungsaustausch zwischen lesbischen Frauen“ mit Frauen des „Netzwerkes katholischer Lesben“.

BILD: Der Katholikentag 2015 in Regensburg (mitgeprägt von Bischof Rudolf Voderholzer)  war noch relativ gediegen –  und unser Christoferuswerk bzw. CHRISTLICHES FORUM mit einem großen Infozelt vertreten. Das Programm des diesjährigen Katholikentags in Leipzig hingegen bietet ein Sammelsurium rotgrüner und modernistischer Ansichten.

Welche Lesben im Kirchenapparat wird man wohl finden in „Beruflich im Dienst der Kirche – auch als lesbische Frau! Austausch unter lesbischen Frauen“.

Als durchgehendes Angebot wird es ein „Zentrum Regenbogen“ geben, betreut von den Vereinen „Initiative Kirche von unten“ „Netzwerk katholischer Lesben“ „Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche“. Diese Gruppen werden sogar einen Gottesdienst organisieren.

Auf der Veranstaltung „Wut auf ProfX“ will der „Lesben und Schwulenverband Deutschland“ Geschlechterstereotype hinterfragen. Der Arbeitskreis „Homosexuelle und Kirche“ wird wohl in „Wer sich treu bleibt, wandelt sich. Spirituelle Menschen lassen sich nicht verbiegen“ werben.

Dr. Michael Brinkschröder vom Europäischen Forum der christlichen LGBT-Gruppen wird „Einen anderen Blick auf die Bibel“ präsentieren. Einen „Erfahrungsaustausch für homosexuelle Männer“ gibt es in der Veranstaltung „Glaubensstark. Katholisch. Homosexuell“.

Besonders progressiv wird es sicherlich in „Lesbischwule Gottesdienstgemeinschaften als Basismodell“ vor sich gehen. Natürlich darf das Thema „Transsexualität im Spannungsfeld von Glaube und Bibel“ auf dem Katholikentag nicht fehlen.

Immer wieder  –  und nun auch vom neuen Präsidenten, Thomas Sternberg  –  wurde die kirchliche Anerkennung von „Donum Vitae“, der Beratungsstelle für Schwangere, gefordert, obwohl diese den sog. „Beratungsschein“ erteilen, der straffreie Abtreibungen ermöglicht.

Papst Johannes Paul II. hatte ausdrücklich angeordnet, keinen solchen Schein auszustellen, weshalb die deutschen Bischöfe aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung ausgestiegen sind. Daraufhin haben Mitglieder des ZdKs trotzig den Verein „Donum Vitae“ gegründet.

Diese Punkte bilden lediglich eine Auswahl der inakzeptablen Positionen des ZdKs aus der jüngsten Zeit. Geht man weiter in die Vergangenheit zurück, findet man noch viel mehr.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und schreibt seine aktuelle Beiträge u. a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

Der Fuldaer Bischof Johannes Dyba war ein Stück vom Felsen Petri

Von Martin Hohmann

Gegner hatte Erzbischof Dyba nicht wenige innerhalb und außerhalb der kath. Kirche. Freunde, Anhänger, ja glühende Verehrer hatte er auch, und sie dürften sogar in der Überzahl gewesen sein. jdfiiieh - Kopie - Kopie (2)

Woran lag es, dass er die Menschen nicht gleichgültig ließ, sondern in zwei Lager schied? –  Er selbst war kein Lauer, er war ein Streiter. Er suchte die Öffentlichkeit. Talkshows, die großen Tageszeitungen bis hin zur Bildzeitung waren für ihn Bühne und Sprachrohr.

FOTO: Erzbischof Johannes Dyba und unser Autor Martin Hohmann bei einer Soldatenwallfahrt in Lourdes am 20. Mai 2000

Mit bübischem Schalk und nicht ohne Stolz bezeichnet er sich als „Spiegel-Autor“, hat doch ausgerechnet er, der konservativste aller deutschen Bischöfe, im links-liberalen Hamburger Wochenblatt mehrfach über ganze Seiten seine Weltsicht darstellen können. In sein Temperament mischte sich heiliger Zorn, wenn er zentrale christliche Werte in Gefahr sah.

„Axt Gottes“, diesen Titel verlieh man ihm in der Publizistik in Anspielung auf den hl. Bonifatius, der zu seiner Zeit die Donar-Eiche gefällt hatte und dessen Grab der Fuldaer Dom beherbergt. Als „Primas von Deutschland“ empfanden ihn nicht wenige Christen, weil er unbeugsam und unbequem die Glaubenswahrheiten unverkürzt in die moderne Welt hinausrief.

Sein Hauptangriffspunkt war das Monstrum der deutschen Abtreibungsregelung. Sie widerspricht diametral einer „Kultur des Lebens“. Sie widerspricht dem göttlichen Gebot: „Du sollst nicht morden“. Sie verkehrt die Schöpfungsordnung, nach der Gott allein Herr über Leben und Tod und jedes Leben gottgewollt ist.

War schon deswegen sein erbitterter Widerstand angesagt, so erzürnte ihn zusätzlich die Einbindung der Kirche in den staatlichen Abtreibungsmechanismus. Die katholische Kirche durfte aus seiner Sicht keinesfalls als moralisches Feigenblatt dienen und „Tötungslizenzen“ mit der Vergabe des Beratungsscheines ausstellen.

Als er sich im deutschen Episkopat mit Hilfe des Papstes endlich durchgesetzt hatte, war ihm dies kein Anlass für Triumph, sondern lediglich selbstverständliche Pflichterfüllung. Zumal eine neu gegründete Laiengruppierung mit dem Namen „Donum vitae“ (Geschenk des Lebens) die päpstliche Ausstiegsorder nur auf kirchliche Amtsträger, nicht aber auf Laien bezog und weiter Beratungsscheine ausstellen will. „Donum mortis“ (Geschenk des Todes) wäre der richtige Name, so donnerte es aus Fulda.

Dybas Einsatz für das Leben und für Mütter in Not

Er scheute sich auch nicht, Köder und Schmiermittel der reibungslosen kirchlichen Einbindung offen zu legen. Pro Beratungsschein überwies der Staat damals 150 DM. Solche zur Abtreibung berechtigenden Beratungen gibt es im Bistum Fulda seit 1995 nicht mehr. 1577

Entgegen hartnäckig verbreiteten Gerüchten ist aber die allgemeine Schwangerschaftsberatung in Dybas Diözese keineswegs zusammen gebrochen. Im Gegenteil: Die Zahl der Beratungsfälle nahm ständig zu und ein spezieller bischöflicher Hilfsfonds hat an Mütter in Not mehrere Millionen DM verausgabt, berichtete Dyba stolz.

Unsere POSTKARTE mit dem Dyba-Spruch: „Alles kommt und geht, die KIRCHE aber ist geblieben“

Zudem sei beim Verbleib im staatlichen Abtreibungssystem die Eindeutigkeit des kirchlichen Bekenntnisses und die Stellung der Kirche als moralische Instanz gefährdet. Im vertrauten Gespräch zieht Dyba den Vergleich zur Hexenverfolgung. Es nütze der Kirche heute nichts, dass damals die eine oder andere „Hexe“ freigesprochen und damit gerettet wurde. Ebenso wenig ziehe heute der Hinweis auf mögliche Rettung einzelner Kinderleben bei kirchlicher Beratung mit Scheinvergabe. Moralisch unzweideutig sei damals wie heute nur der totale Ausstieg.

Bemerkenswert war es für Dyba, dass gerade diejenigen, die der Kirche ein Versagen durch Anpassung in der Vergangenheit vorwerfen, heute lauthals ihre Anpassung an den modernen Zeitgeist verlangen.

Mit der weltweit einmaligen Einbindung der Kirche in eine staatliche Abtreibungsregelung stand für Dyba auch der Aspekt der Einheit der kath. Kirche als Papstkirche und als Weltkirche auf dem Spiel. Für Dyba eine Horrorvorstellung, die kath. Kirche könne, nachdem sich 300 evangelische Kirchen gebildet haben, als 301. dazu kommen.

Der Erzbischof im Dienst der Weltkirche

Außerdem kennt keiner seiner deutschen Amtsbrüder die Weltkirche so wie Dyba. 21 Jahre war er im diplomatischen Dienst des Vatikans tätig. Dabei lernte er die apostolischen Nuntiaturen in Argentinien, Buenos Aires, Den Haag, Kinshasa und Kairo kennen. Später vertrat er den hl. Stuhl in Westafrika. Liberia, Gambia, Guinea und Sierra Leone waren die Stationen. _SITE_MUNDO_4d95e5470607b

Berichtete er über seine Zeit in Den Haag, zogen Sorgenfalten auf seine Stirn: Erst verfiel die holländische Kirche dem anpasserischen Modernismus, jetzt werden dort mit staatlicher Duldung alte Menschen  –  auch gegen ihren Willen  –  umgebracht. Erzählte er hingegen über seine Zeit in Afrika, spiegelten seine Augen die Begeisterung der dortigen Christen wider.

Was im Pulverdampf der öffentlichen Gefechte mit und um Dyba auf der Strecke bleibt, ist sein Hauptanliegen. Ihm geht es um die Glaubenssubstanz: „Wir sind Erlöste. Wir haben nach einem Leben nach Gottes Gebot die unveräußerliche Hoffnung auf die ewige Seligkeit. Deswegen ist der Glaube für uns Quelle der Freude.“

Freude und Begeisterung, das sind Zentralbegriffe seiner Predigten. Man muss ihn als Prediger erlebt haben. Ruhig, eindringlich, die Stimme geschickt modulierend, Witz und Humor nicht auslassend, in der Sache, im Kern immer glasklar und für alle verständlich. Vierzehnjährige Firmlinge in der Dorfkirche lauschten ihrem Bischof ebenso gebannt wie die Gläubigen aller Altersgruppen im vollbesetzten Fuldaer Dom. Kein Räuspern, kein ungeduldiges Herumrutschen bei den Zuhörern.

Dyba weiß den Spannungsbogen bis zum letzten Wort der regelmäßig eher kurzen Predigten zu halten. „Der lebendige Gott ist da. Er hört jeden, der ihn ruft und ihm vertraut. Jeder Mensch ist von Gott akzeptiert und unendlich geliebt.“  – Das waren seine Kernsätze. Dem entsprach sein Leitwort: „filii dei sumus – Kinder Gottes sind wir.“  – Vielen hat er mit seinen Worten Mut gemacht.

Großer Zuspruch von evangelischen Christen

Der Mutmacher Dyba kennt keine konfessionellen Grenzen. Viele Dankesbriefe und Ermunterungen erhielt er von evangelischen Christen. Sie bewunderten seine unzweideutige Haltung zur Abtreibung und zur modischen Neubewertung der Homosexualität. Die atemberaubende Karriere der praktiziereten Homosexualität vom Straftatbestand zum Gegenstand staatlicher Fürsorge mit faktischer Gleichstellung zur Ehe in nur 30 Jahren verschlägt manchem die Sprache und den Mut zum Widerspruch.

Wenn Dyba sie als sittlich verwerflich, als Sünde und gegen das Gesetz der Natur brandmarkt, bleibt er schlicht der kirchlichen Lehre treu. Zugleich bewegte ihn die Sorge, ob unsere Gesellschaft nicht durch Minderheitenkult, zunehmenden Individualismus, Ansteigen der „unfruchtbaren Lebensverhältnisse“ zu einer Ansammlung „alternder Egoisten“ verkomme. Die abgesicherte demographische Schätzung von noch 30 Millionen Deutschen im Jahre 2100 gibt ihm in brutaler Weise recht. Nur hat die deutsche Politik hiervon noch keine offizielle Kenntnis genommen.

Er war ein liebenswürdiger Gesprächspartner

Wie ist dieser Streiter, Kämpfer und liebste Watschenmann der Modernisierer und Liberalisierer nun im persönlich menschlichen Bereich?  100_1901

Gerade Frauen, die ihn wegen seiner unzweideutigen Ablehnung des Frauenpriestertums ihm mit gemischten Gefühlen entgegentreten, sind verblüfft. Sie schildern ihn übereinstimmend als charmanten, witzigen Unterhalter und zuvorkommenden Gastgeber. Auch ideologische Gegner bezeichnen ihn als liebenswürdigen Gesprächspartner.

BILD: Plakatwand mit Dyba-Bildern und -Zitaten an unserem Infostand beim Kongreß „Freude am Glauben“ in Fulda (Juli 2015)

Als Militärbischof mischt er sich ohne Berührungsängste mit dem gefüllten Bierglas unter die Soldaten und ist für jedermann ansprechbar. Das Angebot eines kurzen Gastdirigats bei der Militärkapelle schlägt er nicht aus. Hier mischen sich wohl das Wissen um volkstümliche Wirkung und sein durchaus vorhandener Drang zum Lenken und Leiten.

Seine Hobbys: das Sammeln. Zum einen hat er sich eine in Ansätzen vom Vater übernommene Sammlung alter Briefumschläge mit Frankatur und Stempelung aufgebaut. Ab dem Mai 1840 kann jeder Monat mit einem frankierten, gestempelten Umschlag aus aller Herren Länder belegt werden. Abgerundet wird diese Sammlung durch litografierte Postkarten aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Zur Entspannung zwischendurch spielt er auch gern mit seinem Sekretär eine Runde Billard.

Angst vor dem Tod? Die hat er nicht gekannt. Das Bewusstsein, im Alter von 70 Jahren demnächst seinem Schöpfer gegenüber zu treten, hat ihn nicht geschreckt, sondern eher zu noch mehr Unzweideutigkeit im Bekenntnis angestachelt.

Wie sein Namenspatron Johannes sah er sich als moderner „Rufer in der Wüste“. Dass sein Bistum glaubensmäßig eher einer Oase glich, zeigen auch die 15.000 Besucher seines Pontifikalamtes beim Bonifatiusfest im Jahr 2000 kurz vor seinem Tod. Die Schlussworte seiner Predigt klingen aus heutiger Sicht wie ein Vermächtnis: „Credo, Credo, Credo“.

Unser Autor Martin Hohmann war direkt gewählter CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Fulda von 1998 bis 2005.

Fotos: Martin Hohmann, Fe-Verlag, Archiv

 


CDL fordert von EKD klares JA zum Lebensrecht und Ende des „Beratungscheins“

Im neuen „Familienpapier“ des Rates der EKD (Evangelischen Kirche in Deutschland ) vermißt die stellv. Vorsitzende der FDK2009_1Christdemokraten für das Leben (CDL), Odila Carbanje (siehe Foto), eine eindeutige Positionierung der EKD gegen Abtreibung:

Im neuen “Familienpapier” des Rates der EKD (Evangelischen Kirche in Deutschland ) vermißt die stellv. Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), Odila Carbanje (siehe Foto), eine eindeutige Positionierung der EKD gegen Abtreibung:

“Die EKD  möchte mit ihrem jüngst veröffentlichten Papier zur Familie “Zwischen Autonomie und Angewiesenheit” eine Orientierungshilfe geben. In diesem Papier lehnt sie ausdrücklich Gewalt als Mittel der Konfliktlösung ab. So heißt es darin:

“(103) Durch ihre zerstörerische Kraft widerspricht Gewalt in jeglicher Form aller Lebensdienlichkeit. Gerade dort, wo es die innigsten und liebevollsten Beziehungen geben kann, liegt die Schwelle zur Gewalt besonders niedrig. Hier zeigt sich die zerstörerische Seite einer misslungenen Balance von Angewiesenheit und Autonomie.”

Diesen Worten müssen glaubwürdige Taten folgen!

Wer Gewalt als Mittel familiärer Konfliktlösung ablehnt, müsste auch die Tötung ungeborener Kinder als Mittel der Konfliktlösung verwerfen. Eine “innigste und liebevolle Beziehung” besteht gerade bei Müttern und Vätern zu ihren Kindern. Grundgelegt ist diese Beziehung schon in der intensiven Verbundenheit von Mutter und Kind in der Schwangerschaft.

Konsequent wäre es insofern, wenn die  EKD in ihrem Familienpapier der Abtreibung als Form äußerster Gewalt gegen das Leben Unschuldiger eine klare Absage erteilen würde. Dazu gehört in der Praxis, daß jedwede Mitwirkung  an den Voraussetzungen für eine Abtreibung sofort abgestellt wird. Seit Jahren fordern verschiedene Kreise, auch innerhalb der evangelischen Kirche, die Einstellung der Vergabe sog. Beratungsscheine.

Echte Hilfe für Mütter und ihre ungeborenen Kinder kann nicht in der Ermöglichung einer Abtreibung liegen.