Oberschwaben: Bergatreuter Festmesse bei traditioneller Wallfahrt zu „Maria vom Blut“

Von Alexander Hepp

Das Wallfahrtsfest zu Maria Heimsuchung konnte bei bester Witterung am Dienstag, dem 2. Juli, in der oberschwäbischen Pfarrgemeinde Bergatreute mit 333-jähriger Tradition begangen werden:

An diesem besonderen Tag können sich öffentliche Einrichtungen sowie Schule und Kindergarten einer festtäglichen Verschnaufpause erfreuen. Schon früh um sechs Uhr erklingt das Tagwachspiel der örtlichen Musikkapelle. Spätestens dann wissen die Bewohner, dass im Ort der höchste Feiertag neben den kirchlichen Hochfesten des Jahreskreises anbricht.

Hunderte Besucher und Pilger drängen sich in die barocke Kirche und verfolgen die Festmesse, die auch auf den Kirchplatz übertragenen wird.

Das in der Wallfahrtskirche verehrte Gnadenbild „Maria vom Blut“ kam 1686 aus der böhmischen Stadt Klattau nach Bergatreute und findet seither große Verehrung bis weit über die Grenzen des Landkreises hinaus.

Dekan Peter Müller aus Bad Saulgau, dessen elterliche Wurzeln im Bergatreuter Ortsteil Engenreute liegen, hat sich als Festprediger auf die altehrwürdige und mit rotem Samt geschmückte Schmuzer-Kanzel gewagt:

Im Pluralis Majestatis erinnerte er an die jüngst an die Diözesen und Dekanate verteilten Worte von Papst Franziskus, der zur Neuevangelisierung in den Gemeinden auffordert.

Der Geistliche nahm die zwölf Sterne Marias als Eckpunkte der Neuevangelisierung und wandte sich besonders an die jüngere Generation: Man möge sich nicht vom großen Strom leiten lassen, sondern sich zu seinem Glauben uneingeschränkt bekennen; der Christ solle sich trotz Kirchenkrise und Meinungsmache der Liebe Gottes anvertrauen und darin seine Heimat finden.

Ein gut gelebter Glaube zeichne sich durch Ecken und Kanten und auch durch eine recht verstandene Offenheit aus; eine Offenheit, die aber nicht in alle Richtungen gehen solle.

Den Älteren legte der Prediger die heilbringende Botschaft ans Herz, lieber einmal am Tag die Bibel zur Hand zu nehmen und darin zu lesen, als nur in der morgendlichen Presse die Todesanzeigen zu studieren:

Das helfe, eine andere Sicht auf das Leben zu gewinnen, den eigenen Gottesglauben zu reflektieren und vor allem den Schlüssel zur Himmelstür, zum ewigen Leben zu finden.

In seiner fast halbstündigen spritzigen Predigt wurde es nicht langatmig; vielmehr wurden die Gläubigen von seiner Verkündigung gefesselt und im festen Vertrauen auf die Gottesmutter gestärkt.

Die Festmesse wurde vom Kirchenchor Bergatreute mitgestaltet, so daß sich die Wallfahrer an der von Joseph Haydn komponierten Johannismesse erfreuen konnten.

Seit Mitte der 1970er Jahre wird die Prozession mit dem Bergatreuter Gnadenbild gefeiert. Das vom Hochaltar genommene Bild wird auf einer Sänfte unter einem Baldachin getragen.

Eine lange Schlange von Pilgern zieht zu Gesängen der Lauretanischen Litanei zusammen mit Priestern, Diakonen und Ordensschwestern sowie den Erstkommunionkindern und Vereinen durch den Ort hinaus in die Flur.

Ein festlich geschmückter Altar und liebevoll gestalteter Blumenteppich bilden die Kulisse für eine kurze Andacht. Der sakramentale Segen wurde von Dekan Peter Müller abschließend allen Gläubigen in der Wallfahrtskirche gespendet.

Das Gotteshaus ist geschmückt mit schönsten Blumen  –  gleich dem vom Prediger erwähnten Sternenkranz Marias. Schließlich verleiht die liturgische Schönheit dem Fest den Glanz und das Gepräge der Heimsuchung Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth.

Fotos: Franz-Anton Blank


Bergatreute in Oberschwaben: 333 Jahre Wallfahrtsort „Maria vom Blut“ am 2. Juli 2019

Von Alexander Hepp

Seit 1686 und somit in diesem Jahr zum 333. Mal begeht die Pfarrgemeinde Bergatreute die Wallfahrt am Fest der Heimsuchung Marias als besonderen Feiertag am kommenden Dienstag, dem 2. Juli 2019.

Ehrengast an diesem Tag ist der Festprediger Dekan Peter Müller aus Bad Saulgau.

Das in der barocken Wallfahrtskirche verehrte Gnadenbild (siehe Foto) kam 1686 aus der böhmischen Stadt Klattau in den oberschwäbischen Ort und findet seither große Verehrung bis weit über die Grenzen des Landkreises hinaus.

Das Bild wurde im 15. Jahrhundert im oberitalienischen Re populär, als es durch einen Frevler geschändet und tags darauf mehrfach Blut geschwitzt hat. Ein gleiches Wunder hat sich an dem Abbild in der böhmischen Stadt 1685 wiederholt.

Durch verwandtschaftliche Beziehung des Bergatreuter Pfarrers Mietinger nach Klattau gelangte schon ein Jahr später eine Bildkopie ins Schwäbische. Seither kommen viele Pilger, besonders am 2. Juli nach Bergatreute.

Den Charakter eines eigenen Feiertages erhielt das Fest schon im frühen 18. Jahrhundert: So sind in Bergatreute an diesem besonderen Tag, ähnlich wie am Blutfreitag in Weingarten, sämtliche öffentliche Einrichtungen und Geschäfte geschlossen.

Die Häuser und Straßen werden besonders geschmückt und herausgeputzt, weil als besonderer Höhepunkt das im Hochaltar der Kirche verehrte Gnadenbild abgenommen und in einer Prozession durch den Ort und die Fluren getragen wird.

Ablauf des Festes am 2. Juli:

Um 9 Uhr beginnt das feierliche Hochamt in der Wallfahrtskirche Bergatreute (siehe 2. Foto). Der Kirchenchor Bergatreute wird die Missa Brevis von Joseph Haydn (Johannismesse) vortragen. Solistin Christine Geray wird das Panis angelicus zusammen mit Streichern und Orgel aufführen.

Festprediger Dekan Peter Müller wird traditionell von der Schmuzer Kanzel (die bis 1761 in der Basilika Weingarten war) predigen. Die hl. Messe wird über Lautsprecher auch auf den Kirchvorplatz übertragen, wo ebenso Sitzgelegenheit geboten ist.

Anschließend findet gegen 11 Uhr die feierliche Prozession statt, bei welcher das Gnadenbild auf einer Sänfte mitgetragen wird.

Am Stationsaltar beim Pfaffenberg ist eine kurze Andacht, ehe die Prozession zur Kirche zurückkehrt.

Nach dem feierlichen Te Deum („Großer Gott, wir loben Dich“) findet im Anschluss im und um das Pfarrgemeindehaus Bergatreute ein Gemeindefest statt, bei dem sich die Pilger mit Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen stärken können.

Nachmittags wird ab 12.30 Uhr das Wallfahrtsmuseum im Chörle der Pfarrkirche geöffnet sein. Es ist wohl das kleinste Museum im Landkreis und birgt dennoch zahlreiche Kunstwerke, die an die reiche Vergangenheit und Blüte der Wallfahrt in Bergatreute erinnern.

Der Festtag endet um 17.25 Uhr in der Wallfahrtskirche mit dem gemeinsamen Rosenkranzgebet und anschließender feierlicher Vesper. Nach dem sakramentalen Schlusssegen wird das Salve Regina („Sei gegrüßt, o Königin“) den Feiertag beschließen.

Unser Autor Alexander Hepp aus Wolfegg hat ein wissenschaftlich fundiertes Werk über die traditionsreiche Wallfahrt zur „Maria vom Blut“ verfaßt. – Näheres dazu in unserer Besprechung:  https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/21/die-europaweite-wallfahrt-zum-gnadenbild-maria-vom-blut/

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz, Archiv

 


Trauer um meine Schwester Annemarie: R.I.P.

Von Felizitas KübleScannen0003

Vor zwei Tagen, am Freitag, den 12. Februar 2016, ist meine jüngere Schwester Annemarie Kesenheimer (siehe Fotos) im Alter von nur 51 Jahren in der Mittagszeit verstorben; ihr Ehemann Rolf war bei ihr – und auch meine Schwester Agnes Reichle war zu Besuch bei „Anni“, wie wir sie gerne nannten.

Annemarie hat ihre letzten Lebensmonate in einem freundlichen Hospiz mit dem passenden Namen „am Engelberg“ in Wangen (Allgäu) verbracht, wo sie sehr aufmerksam und fürsorglich behandelt wurde, sowohl von Ärzten (besonders von Frau Dr. Kneer) wie auch von Krankenschwestern und ehrenamtlichen Helfern.

Zudem sind Angehörige, Verwandte und Freunde oftmals zu Anni in die Klinik gekommen. Auch ich fuhr mehrmals von Münster nach Oberschwaben in heimatliche Gefilde, um meine geliebte Schwester zu besuchen, zuletzt am Samstag vor ihrem Tod, worüber sie sich sehr gefreut hat  –  auch wenn ich sie z.B. mit Weihwasser und dem Kreuzzeichen zum Abschied segnete.Scannen0005 - Kopie

FOTO: Anni mit ihrer um 1 Jahr älteren Schwester Agnes (rechts) auf der Obstwiese unserer Familie

Annemarie war seit über einem Jahr an Krebs erkrankt – und sie hat zahlreiche Operationen, zudem sehr schmerzhafte Behandlungen, Bestrahlungen sowie eine Chemotherapie über sich ergehen lassen in der Hoffnung auf Heilung, die sich aber leider nicht erfüllte.

Annemarie hinterläßt ihren liebevollen Ehemann Rolf und zwei Töchter (Sandra und Julia) sowie ihre kleine Enkelin Amilia.

Meine Schwester war sehr heimat- und naturverbunden und seit jeher eine große Wanderfreundin; ähnlich wie ihr Vater, ihre Brüder Klaus und Rudi  – und vor allem ihr Ehemann Rolf; sie war jahrzehntelang im Schwäbischen Albverein aktiv, einem starken Verband mit über 100.000 Mitgliedern, wobei Rolf Kesenheimer zum Gesamtvorstand und Hauptausschuß in Stuttgart gehört. Scannen0008 - Kopie

Zugleich ist Rolf der Nachfolger von Annis Vater Anton Küble in seinem Amt als Vertrauensmann (Vorsitzender) des Schwäbischen Albvereins Bergatreute.

BILD: Familienwanderung im heimatlichen Altdorfer Wald

In den Familien Küble und Kesenheimer wurde und wird gerne und regelmäßig gewandert, wie dieses Foto illustriert: es zeigt Annemaries Vater (Mitte) im Gespräch mit Rolf (links), ihrem Bruder Klaus (rechts), seiner Frau Claudia und Kindern.

Neben dem Wandern tanzte meine Schwester sehr gerne: in jungen Jahren war sie in einer flotten Mädchen-Tanzgruppe namens „Casambres“ aktiv, später in einer schwäbischen Volkstanzgruppe, geleitet von ihrem Bruder Klaus Küble.Scannen0004

Auch in der katholischen Pfarrgemeinde hat sie sich jahrzehntelang mit Herzblut eingesetzt, teils in Schülergruppen, teils in der Firmvorbereitung der Jugendlichen.

BILD: Annemarie bei einer Tanzvorführung in den 80er Jahren: vorne links das erste Mädchen

Annemarie schätzte und bewunderte besonders den im Jahre 2000 verstorbenen Erzbischof Johannes Dyba, weshalb sie unseren Aufruf für seine Seligsprechung unterschrieb.

1979 war Anni  – damals erst 15 Jahre alt  – mit mir auf dem Katholikentag in Freiburg, was in jeder Hinsicht ein Glück für mich war, da sie über einen außergewöhnlich guten Orientierungssinn verfügte; andernfalls hätte ich mich in der Großstadt ständig in den Straßen verirrt – und so konnte ich bequem hinter meiner jüngeren Schwester hertraben.

Ich war damals 18  –  und schon kurz danach begann mein journalistischer Einstieg beim KOMM-MIT-Verlag in Münster.

Anfang der 80er Jahre war auch meine Schwester bei uns im KOMM-MIT-Verlag und Christoferuswerk  – das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt  –  als Praktikantin beschäftigt, wobei sie sehr eifrig, zuverlässig und einsatzfreudig mitarbeitete; später hat sie uns auch gemeinsam mit ihrem Mann in Münster besucht.  Scannen0006

Zugleich fuhr unser Verlagsgründer Günter Stiff (verstorben im September 2002) mehrfach mit mir von Münster nach Süden, wobei er auch meine Eltern auf ihrem Bauernhof besuchte.

FOTO: Anne neben Vater und Mutter vor unserem Elternhaus: auf dem Schoß meiner Mutter sitzt Annemaries Tochter Sandra  –  und Anni selbst hat sich unseren Günter (den sie von ihrem Praktikum her noch gut kannte) als Sitzplatz ausgesucht.

Anni war gleichsam eine echte „Tochter Oberschwabens“; sie hatte Spaß am fröhlichen Treiben, an Geselligkeit, Feste feiern und kreativer Betätigung. Zugleich war sie tiefsinnig, nachdenklich, sehr fürsorglich und bodenständig-gläubig und interessiert an Grundsatzfragen und aktuellen Themen.

Als ich sie eine Woche vor ihrem Tod im Krankenhaus besuchte, meinte sie gleich eingangs etwas traurig: „Ooh, jetzt kann ich nichtmal bei der Fasnet dabeisein.“ (So nennt man den Karneval bzw. Fasching im schwäbischen „Oberland“.)

Meine Schwester war sehr froh, ermutigt und getröstet, als sie von mir erfuhr, daß hier in Münster, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz so viele Fr eunde unseres Christoferuswerks regelmäßig für sie beten  –  und zudem zahlreiche Geistliche für sie in der heiligen Messe ein Memento (Gedenken, Fürbitte) einlegten und ihr den priesterlichen Segen übermittelten.Scannen0005

Dieses FOTO zeigt meine Schwester auf ihrem heimatlichen Bauernhof in Witschwende bei Bergatreute, wo sie häufig unsere Eltern Anton und Theresia bzw. Resi besuchte (der Vater verstarb bereits im Jahre 2001).

Annemaries Heimat Bergatreute ist ein jahrhundertealter Marienwallfahrtsort in malerischer Landschaft mit prächtiger Zwiebelturm-Kirche. Die landwirtschaftlich und handwerklich geprägte Dorfgemeinde im Landkreis Ravensburg gehört zur oberschwäbischen Barockstraße sowie zum bekannten Jakobsweg. 

Alois Küble, der Großvater der Verstorbenen, war nach dem 2. Weltkrieg jahrzehntelang Bürgermeister von Bergatreute. Er wurde von der französischen Besatzungsmacht ins Amt gesetzt, weil er sich öffentlich eindeutig gegen die Nazi-Diktatur gestellt hatte. Später wurde er mehrfach durch Wahlen in seinem Bürgermeisteramt bestätigt.

Anton Küble, Annemaries Vater, kam bereits mit 16 Jahren ins Gefängnis nach Ulm, weil er sich geweigert hatte, „freiwillig“ in die Waffen-SS zu gehen. Annemaries Großonkel, Pater Dr. Philipp Küble SJ, war ein begnadeter Pädagoge und Schriftsteller, der das bekannte Jesuitenkolleg in Feldkirch (Österreich) leitete; wegen seiner kernkatholischen und bekenntnistapferen Haltung erhielt er zeitweise Predigtverbot durch die Nazis und durfte im Marienwallfahrtsort Bergatreute nicht mehr zelebrieren. Scannen0009 - Kopie

Dieses BILD illustriert den besinnlichen, die Stille suchenden Charakter meiner Schwester; es entstand bei der gemütlichen Rast während einer Bergwanderung mit dem Schwäbischen Albverein Bergatreute. Die schöne Tour in die Alpen erlebte ich gemeinsam mit Anne (links) und meiner Freundin Susanne Brändle (rechts).

Meine Schwester war immer sehr familienverbunden und kinderlieb. Oft hatte sie Kinder aus den Nachbarsfamilien mit am Eßtisch oder spielend im Garten  – gemeinsam mit ihren eigenen beiden Töchtern.

Das letzte FOTO zeigt ihre Tochter Julia und Enkeltochter Amilia, an der Anni ihre große Freude hatte.   Scannen0010

Auch als Christen sind wir von tiefer Trauer erfüllt, wenn Angehörige oder enge Freunde uns irdisch verlassen – doch wir leben in der Zuversicht, daß der liebende Gott unsere Tränen einst trocknen wird: Wir wissen, daß unser Todestag zugleich der Geburtstag für die Ewigkeit ist.

So bleiben wir unseren Verstorbenen in Liebe und Gebet verbunden, denn sie leben für immer und ewig: R.I.P.  (Requiescat in pace – Ruhe in Frieden).

HERR, schenke ihr die ewige Freude
und das ewige Licht leuchte ihr.
HERR, laß sie ruhen in Frieden. Amen.


Wir trauern um einen Freund: Pfarrer Veremund Schwarz beim Baden ertrunken

Von Felizitas Küble

Wie Radio und Zeitungen in der oberschwäbischen Region berichtet haben und wie wir von Angehörigen aus dem Süden erfuhren, ist unser guter Freund, der pensionierte Geistliche Veremund Schwarz (siehe Foto), am vergangenen Samstagmorgen beim Baden im Hoßkircher See ertrunken.  484877_1_article660x420_484877_1_org_B82786927Z_1_20120109181355_000_GCEN0J5U_2_0_JPG

Der auch im Alter von 82 Jahren noch recht sportliche Pfarrer kam von einer Schwimmrunde nicht mehr zurück.

Mehrere Rettungsdienste, Feuerwehr, THW, DLRG und Polizei suchten den See zunächst ergebnislos nach der Leiche des Priesters ab, bis sie diese am heutigen Montag, den 21. Juli, entdeckten. Der Leichnam trieb auf der Oberfläche des Gewässers und wurde um ca 8 Uhr frühmorgens geborgen.

Vor seinem Ruhestand wirkte der 1931 in Ebingen geborene Geistliche als Pfarrer im Marienwallfahrtsort Bergatreute (Landkreis Ravensburg); danach zog es ihn zuerst nach Unterwaldhausen, danach ins ebenfalls oberschwäbische Altshausen. Dort wohnte Pfarrer Schwarz im Haus der freundlichen Maria Roth, seiner jahrzehntelangen patenten Haushälterin.

Im nächsten Jahr hätte er sein 60-jähriges Priesterjubiläum feiern können:

Am 16. Juli 1955 wurde er in Rot an der Rot zum Priester geweiht. Er war zehn Jahre lang Vikar und Kaplan in Eßlingen und Stuttgart, danach Pfarrer in Gerabronn, Ludwigsburg, Königseggwald, Riedlingen und Bergatreute. afc127c26a

Unser Christoferuswerk verliert mit diesem Priester einen guten Freund und Unterstützer, der uns auch durch seine Briefe immer wieder ermutigte.

Auch sein steter Humor und seine frohe Gelassenheit haben uns und viele Menschen in seinem Umfeld beeindruckt.

So freute er sich zB. in einem seiner Briefe an uns, daß er „immer noch gesund und fit“ sei, „wenn auch mit kleinen Macken“.

Ein andermal schrieb der Ruhestandspfarrer, der seelsorglich nach wie vor aktiv war: „Arbeit habe ich hinreichend. Aber so fühlt man sich nicht als altes Eisen, das zur Entsorgung vor die Tür gestellt ist.“ 

In einem  Weihnachtsbrief teilte er mit: „Es geht mir weiterhin sehr gut. Aufstehen um 6 Uhr, außer dreimal die Woche um 5,10 Uhr, wenn ich in Zußdorf schon um 6,30 Uhr Gottesdienst habe.“ (Zußdorf war eine frühere Wirkungsstätte von Pfr. Schwarz.) – Er fügte hinzu: „Außer einer täglichen Hl. Messe sind es über den Sonntag stets drei Gottesdienste an verschiedenen Orten. Das erhält jung und frisch.“

Auch sportlich war der Priester sehr munter und berichtete uns, daß er im Sommer regelmäßig im See badet und im Winter im Thermalbad 1000 m schwimmt. Zudem wanderte er gerne und ging in die Berge, mitunter begleitet von jüngeren Pfarrern.

Zuletzt erhielt ich von Pfr. Schwarz am 29. April dieses Jahres ein Schreiben, das sich auf unser  –  im Dominus-Verlag erschienenes  –  Konvertiten-Buch „Endlich zuhause –  Mein Weg zur Kirche“ (siehe Foto) bezieht. Jordan_10-100

Darin beschreibt der junge Kirchenhistoriker Jordan seinen bewegten Lebens- und Glaubensweg, der ihn über viele Wege und Umwege hin zur katholischen Kirche führte; zugleich befaßt sich der Schriftsteller skeptisch mit erscheinungsfixierten und mit schwarmgeistigen Phänomenen.

Er betont, daß der katholische Glaube nicht auf Privatoffenbarungen beruht, sondern auf der Heiligen Schrift und dem Lehramt der Kirche.

Hierzu schreibt uns Pfarrer Schwarz: 

„Ich lese derzeit Ihr Interview mit Volker Jordan. Ich staune über Ihr kirchliches und theologisches Wissen. Vor allem hat mir Ihre Einstellung zu Medjugorje und zur charismatischen Bewegung in der katholischen Kirche gefallen, ebenso Ihre kritischen Äußerungen über Kardinal Schönborn. Interessant ist auch das breite Wissen von Volker Jordan. Dieses Buch kann man mit Interesse lesen, ohne dabei zu ermüden.“

Wir beten für den freundlichen Geistlichen, daß der himmlische Vater ihn in sein herrliches Reich aufnehme: „HERR, gib ihm die ewige Freude  –   und das ewige Licht leuchte ihm!“

Die Totenandacht für Pfr. Schwarz ist am Freitag, den 25. Juli, um 19 Uhr, das Requiem (Totenmesse) am Samstag, den 26. Juli um 9,30 Uhr, beides in der Pfarr- und Schloßkirche St. Michael in Altshausen.

Die Beisetzung des Verstorbenen erfolgt um 11 Uhr auf dem Friedhof von Fleischwangen. Alle Trauergäste sind danach zu einem „Ostermahl“ in die Festhalle in Fleischwangen eingeladen.

Weitere Infos über das erwähnte Jordan-Buch: https://charismatismus.wordpress.com/category/konvertit-volker-jordan/

 


Buchklassiker über die europaweite Wallfahrt zum Gnadenbild „Maria vom Blut“

Gediegene Volksfrömmigkeit und Brauchtum jenseits aller Schwärmerei

Buchdaten:                                                                                                                         
Alexander Hepp  –  MARIA VOM BLUT.  –  Ursprung, Geschichte und Wunder der Wallfahrt im oberschwäbischen Bergatreute.  –  Fe-Medienverlag, Kisslegg 2009. (Die 2., überarbeitete und erw. Auflage erschien 2011)  –  448 Seiten. 29,80 €.  – ISBN-10: 3863570103 00384-n_m

Seit einigen Jahrzehnten werden auch katholische Kreise von schwarmgeistigen Bewegungen und ihren enthusiastischen Begleiterscheinungen heimgesucht, die früher weitgehend in der vielfältigen protestantischen Charismatikerszene beheimatet waren.

Doch die Sehnsucht nach dem Wunder(baren), nach „übernatürlichen“ Gaben, nach außergewöhnlichen Glaubenserfahrungen, nach  Heilungen und besonderen religiösen Erlebnissen wächst geradezu enorm in einer Zeit, die theologisch stark von einem „seelenlosen“, kalten Rationalismus geprägt ist, oftmals auch innerhalb der Kirche.

Umso mehr suchen verunsicherte Menschen nach den Quellen wahrer Frömmigkeit, nach dem „Herz“ des Glaubens, weil jene überzogene Verkopfung zu innerer Ausdürrung geführt hatte.

Freilich besteht nun die naheliegende Gefahr, daß das Pendel in die andere Richtung ausschlägt: hin zum Irrationalismus, zu einem irrgeistigen Mystizismus, zur Suche nach Erscheinungen, angeblichen Himmelsoffenbarungen, ja zur Sucht nach „Zeichen und Wundern“. Mag die Sehnsucht auch verständlich sein, so darf sie doch nicht zur Sucht entarten.

In einer vernünftigen und soliden Mitte zwischen diesen Extremen, die beide dem gesunden Glauben und Denken abträglich sind, steht jene bewährte katholische Volksfrömmigkeit, die das Herz am rechten Fleck hat, aber gleichwohl nicht „kopflos“ wird, sondern bei aller Gemütsinnigkeit des Glaubens doch zugleich nüchtern und bodenständig bleibt. DSCF8427 - Kopie

Zu dieser gediegenen Volksfrömmigkeit mit ihrem vielfältigen, lebensnahen Brauchtum gehören auch die katholischen Wallfahrtsorte: große und kleine, bedeutende und unbekannte. Solche Pilgerstätten beinhalten durchaus mehr als nur „Folklore“:  sie verwurzeln die Menschen stärker im Glauben und zeigen ihnen im Rahmen bewährter Traditionen immer wieder neu das Licht der Liebe Christi und den Abglanz seiner Heiligen, vor allem eine feste Geborgenheit unter dem „Schutzmantel“ der Madonna.

Zugleich sind solche altehrwürdigen und liebreichen Stätten der Frömmigkeit ein lebendiges Zeugnis der Kirche Christi, ihrer hohen Kunst und ihrer tiefen Volksverbundenheit durch die Jahrhunderte hindurch.

Ein imposantes Werk deutscher Gründlichkeit

Zu den „kleinen“, eher unscheinbaren Pilgerstätten dieses soliden „Volksglaubens“ gehört auch der oberschwäbische Wallfahrtsort Bergatreute im Kreis Ravensburg, nicht weit vom Allgäu entfernt.

Der noch recht junge, 1974 geborene Autor Alexander Hepp erforschte zehn Jahre lang mit Präzision, unermüdlicher Freude am Detail und solider Sorgfalt die interessanten Ursprünge, die vielseitige Geschichte und erstaunliche europaweite Verbreitung des Madonnenbildes von Re (Norditalien, Diözese Novara), von dem auch in Bergatreute ein eindrucksvolles Abbild von herber Schönheit verehrt wird.

Der geborene Bergatreuter, der heute mit seiner Familie im nahegelegenen Fürstentum Wolfegg lebt, verfaßte ein fast 450 Seiten umfassendes, im besten Sinne „erschöpfendes“ und zudem über 1,3 kg. schweres Standardwerk, das selbst einem Fachhistoriker oder professionellen Chronisten zur Ehre gereichen würde.

Der junge Verfasser des faktenstarken Marienbuches ist kernkatholischer Christ und  profunder Geschichtsschreiber aus innerer Leidenschaft, der bereits seit 1989  –  er war damals 15-jähriger Ministrant  –  in Bergatreute ehrenamtlich das Pfarrarchiv hütet.

Sein ansprechend und gediegen gestaltetes Werk ist intensiv vom Geist der vielgerühmten „deutschen Gründlichkeit“ durchdrungen  –  bis hinein in die zahlreichen akribischen Fußnoten, das ausführliche Sach- und Personen-Register im Anhang oder die präzisen Bildbeschreibungen von 172 Fotos, grafischen Dokumenten und Abbildungen.

Das imposante Werk mit zwei roten Lesebändchen, einer Leinenprägung mit Marienbild und vierfarbigem Schutzumschlag wird abgerundet durch wichtige Urkunden, alte Gebete und Lieder zur Wallfahrtsmadonna, die unter dem Titel „Maria vom Blut“ seit Jahrhunderten vom gläubigen Kirchenvolk verehrt wird.

Die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ würdigte in ihrer Ausgabe vom 14. Oktober 2011 das fundierte Werk des gläubigen Familienvaters, illustriert durch ein Foto, das Papst Benedikt zeigt, wie er im Anschluß an eine Generalaudienz das Buch des schwäbischen Autors entgegennimmt, der als „ehrenamtlicher Pfarrarchivar“ vorgestellt wird.

Neben ihm steht sein engagierter Gemeindepfarrer Dr. Claus Blessing, der dem Wallfahrtsbuch Hepps ein ausführliches, theologisch erhellendes Geleitwort beisteuerte, das bestens in die Gesamtthematik einführt. Außerdem wurde der Druck des Buches durch die Bergatreuter Pfarrei unterstützt.

In einem Interview mit dem PUR-Sonderheft „Sitz der Weisheit“ (Fe-Medienverlag) berichtet Alexander Hepp im Herbst 2011, dass er „immer schon die Wurzeln meiner Heimatwallfahrt in Bergatreute kennenlernen wollte“. Er fügt hinzu: „Natürlich hat mich auch als Ministrant die absolute Nähe zu dem Gnadenbild fasziniert.“  –  Das Gnadenbild gehöre „zum christlichen Lebensmittelpunkt unserer Familie“, erläutert er.   60505_05102011

Das Motiv des Pilgerns sei „die Suche nach der christlichen Wahrheit“.

Man begebe sich auf die Spuren Jesu, „der auch vor unserer Haustür, beispielsweise an Wegekreuzen und Bildstöcken, seine Botschaft offenbart“.

FOTO: Papst Benedikt mit Alexander Hepp und seinem Gemeindepfarrer

Mit seinem Buch wolle er „die wahren Quellen des Muttergottesbildes objektiv erfassen“, erklärte der Autor, „um so eine wissenschaftlich einwandfreie Dokumentation der Gnadenorte von Re, Klattau, Bergatreute und all den anderen Orten seiner Verehrung zu erhalten“.

Das Gnadenbild im italienischen Re (1494)

Der Ausgangspunkt all dieser glaubensinnigen Pilgerstätten ist das malerische Gebirgsdorf Re im oberitalienischen Bistum Novara:

Dort geschah am Dienstag, dem 29. April 1494, um 23 Uhr folgendes Ereignis: Das Madonnenfresko an der Außenwand der Mauritiuskirche beginnt zu bluten  – verursacht durch den Steinwurf eines betrunkenen Frevlers namens Giovanni Zucone, der beim Würfelspiel verloren hatte und aus Wut darüber einen Stein gegen das Marienbild schleuderte, wobei er die dargestellte Madonna an der Stirne traf. Schon bald danach soll sich der Zornentbrannte reumütig bekehrt haben.

Am nächsten Tag wurde der Blutguß erkannt, der sich bis Mitte Mai mehrmals erneuert haben soll. Der Bürgermeister des Gebirgsdorfs zweifelte zunächst, ließ aber alles kritisch untersuchen und bestätigte sodann, daß „dieses Blut auf wunderbare Weise und nicht durch menschliche Kunst herabgeflossen ist“.

Das Blut wurde in Kelchen und Tüchern gesammelt, wobei sich Reliquien davon noch heute auf der Rückseite des barocken Hochaltars der Sankt-Mauritius-Kirche befinden, die mehrfach umgebaut und sodann im Jahr 1958 zu einer monumentalen Basilika im neo-byzantinischen Stil erweitert wurde. Am Originalfresko in Re sind nach wie vor Spuren des Steinwurfs und des Blutes erkennbar.

Aus dem kleinen Dorf wurde eine beliebte Wallfahrtsstätte, wobei die thronende Gottesmutter als „Madonna del Sangue“ (Maria vom Blut) verehrt wird, die bis heute tausende Pilger anzieht. Fast fünfhundert gemalte Votivtafeln aus vielen Jahrhunderten bezeugen wunderbare Gebetserhörungen, Bekehrungen und Heilungen.

Ursprung der Wallfahrt von Bergatreute

Durch Kaminkehrer und andere Handwerker wurden Abbilder des wundersamen Gnadenbildes, das von unbekannter Hand stammt, weit über die Grenzen des Landes verbreitet. In Europa entstanden dort, wo sich fromm gesinnte Handswerksleute niederließen, kleinere und größere Wallfahrtsorte, in denen eine Kopie des ikonenartigen Madonnenbildes verehrt wurde, vor allem in Deutschland und Tirol, aber auch in Slowenien, Ungarn und Tschechien.

In der böhmischen Stadt Klattau ereignete sich 1685 an einem Abbild de Re-Freskos ein neues Blutwunder: Der Schneider Andreas Hirschberger, dessen Frau das Gemälde als Erbstück mit in die Ehe brachte, nahm nach einer schweren Erkrankung seiner Gattin Zuflucht zum Gnadenbild, worauf dieses an der Stirn zu bluten begann. Der Prager Erzbischof Johann F. Waldstein anerkannte zwei Monate später in einem Dekret das wunderbare Ereignis, worauf das Bild zur allgemeinen Verehrung in die dortige Pfarrkirche gebracht wurde.

Ein weiteres Gemälde der blutenden Maria mit dem ernsten Blick und dem hoheitsvollen Christuskind auf ihrem Schoß gelangte ein Jahr später in die oberschwäbische Pfarrei Bergatreute, was in dieser geradezu idyllischen Region eine dauerhafte Wallfahrtsbewegung auslöste, die bis heute anhält.   238217763_8ea6fe4722

Der damalige Pfarrer Michael Mietinger war ein Schwager des Ratsherrn Johann Jakob Teplitz in Klattau, der ihm ein hochwertiges Abbild der „Maria vom Blut“ schenkte (siehe Foto).

Der Geistliche bewahrte das Mariengemälde, das eine etwas hoheitsvolle Schönheit und Würde ausstrahlt, zunächst zur privaten Andacht jahrelang in seinem Pfarrhaus auf.

Doch auf Drängen der Gläubigen ließ er das herrliche Bild in seiner Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus aufstellen, was schon bald eine breite Pilgerwelle auslöste, die im 18. Jahrhundert ihre größte Blütezeit erreichte. So waren z.B. 1794 achtzehn Pfarrer zum jährlichen Wallfahrtsfest nach Bergatreute gekommen.

Aber auch in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts konnte die Verehrung des Bergatreuter Gnadenbildes bereits Wurzeln fassen. Nach den Schrecken des 30-jährigen Krieges suchten die Menschen wieder nach Heimat und Geborgenheit im Glauben, so daß eine wahre Aufbruchstimmung in der Frömmigkeit entstand.

Pfarrer Mietinger blieb angesichts des anhaltenden Pilgerstroms nichts übrig, als eine neue Kirche errichten zu lassen, die 1697 eingeweiht wurde. 20% der gesamten Baukosten bezahlte der seeleneifrige Hirte aus seiner eigenen Tasche. Er war neben seiner Marienfrömmigkeit besonders auch dem hl. Josef zugetan und gründete eine Bruderschaft zu seinen Ehren.

Pfarrer Mietinger wurde 1688  –  also bereits zwei Jahre nach der Ankunft des Klattauer Gnadenbilds  –  von seinem Bischof beauftragt, alle Berichte über angebliche Heilungen und wunderbare Gebetserhörungen notariell vernehmen zu lassen und die Gläubigen auf die Folgen eines falschen Eides hinzuweisen. Auch im 17. Jahrhundert war die Kirche hierbei sehr nüchtern, präzise und vorsichtig, um keine bedenkliche Wundersucht im Volke aufkommen zu lassen.

Die Taufe „unfröhlicher“ Kinder

Zu den „Wunderzeichen vor dem Gnadenbild“ gehörte neben zahlreichen Heilungen nicht selten auch die Befreiung von Besessenheit. Eine besondere pastorale Schwierigkeit stellte freilich das vielfache Verlangen nach einer Taufe totgeborener Kinder dar:

Verzweifelte Mütter aus nah und fern brachten akut verstorbene Neugeborene nach Bergatreute zur Madonna und erflehten vom Dorfpfarrer die Taufe ihres Kindes. Der Priester war hin und hergerissen zwischen Mitleid und berechtigten kirchlichen Vorschriften, wonach keine Sakramentenspendung bei Toten erlaubt ist.

So befanden sich  Bergatreuter Pfarrer  –  auch Mietingers Amtsnachfolger  – bei der sehnlichst erflehten, sogenannten „Taufe unfröhlicher Kinder“ ständig im Dilemma  – es sei denn, das Neugeborene gab wenigstens noch minimale Lebenszeichen von sich.

Die „Taufe von Verstorbenen“ ist kein neuzeitliches Phänomen; es gab diesen Brauch bereits bei gnostisch-esoterischen Gruppen der ersten christlichen Jahrhunderte; später außerdem bei den „Neuapostolischen“ und vor allem bis heute systematisch bei den Mormonen, wobei diese Sekte sich  –  neben den „Offenbarungen“ ihres „Gründerpropheten“ Joseph Smith  – auf Christi Predigt im jenseitigen „Gefängnis“ (1 Petr 3,18 f. und 4,6) beruft.

So heißt es zum Beispiel in 1 Petrus 4,6: „Denn dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt, dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben im Geist.“

Diese beiden Bibelstellen können als Hinweis gesehen werden auf den Abstieg Jesu in die Unterwelt (mit der Erlösung der Gerechten des Alten Bundes), aber sie taugen nicht als Begründung für eine Totentaufe, die dort auch gar nicht erwähnt ist.

In diesem Punkt hat also der sonst sicherlich vorbildlich wirkende Wallfahrtspfarrer Mietinger, der hunderte „unfröhlicher“ Kinder taufte, sicherlich geirrt bzw. allzu zu sehr seinen „pastoralen“ Mitleidsgefühlen nachgegeben.

Eine bewegte und bewegende Geschichte

Es gab später allerdings für Bergatreute zudem noch schwerwiegende Probleme von staatlicher Seite, denn die Wallfahrt wurde in den Wirren von „Aufklärung“ und Säkularisation über ein halbes Jahrhundert lang durch die weltliche Obrigkeit untersagt.

Im „Namen des Königs“ wurde 1811 verfügt, daß das Dorf „nach den neuen Religionsgrundsätzen nicht mehr als Wallfahrt behandelt“ werde. Das als liberal bekannte Konstanzer Generalvikariat unter Wessenberg fand diese königliche Anordnung freilich „ganz entsprechend“ und genehmige sie offenbar gerne.

Erst ab 1866 konnte das glaubensfrohe Pilgerleben in Bergatreute wieder zu neuem Leben erwachen, wobei die stattliche Pfarrkirche das passende Ambiente bot. Das festlich wirkende Bauwerk mit Zwiebelturm gilt heute geradezu als Juwel der oberschwäbischen Barockstraße.

Von Bergatreute aus verbreitete sich die Andacht zu „Maria vom Blut“ mit jeweils ähnlichen Gemälde-Kopien in Schwaben und Vorarlberg, so etwa in Dillingen und Sonderhofen.

Koptisches MARIENBILD aus Äthiopien

Koptisches MARIENBILD aus Äthiopien

1889 wurde die Bergatreuter Kirche restauriert, wobei die Entfernung der wunderschönen Barock-Altäre vor allem durch den entschiedenen Widerstand von Bürgermeister Feuerstein (nomen est omen) verhindert wurde.

Während der NS-Diktatur kam es erneut zu staatlichen Repressalien: 1940 wurde die Prozession am Wallfahrtsfest durch die NSDAP verboten. Passend dazu sprach ein als Prediger angereister Stadtpfarrer über das Thema „Des Glaubens Licht, des Glaubens

Nacht.“

In der ländlichen Pfarrgemeinde wird bis heute jährlich am 2. Juli, dem Hochfest der Heimsuchung Mariens, der traditionelle Wallfahrtstag „Maria vom Blut“ begangen. Pilger aus nah und fern strömen zur Festmesse und zur glaubensfrohen Prozession.

Die Madonna als „Sitz der Weisheit“

Die Gottesmutter wird hier vor allem mit dem altkirchlichen, bewährten Ehrentitel als „Sitz der Weisheit“ (sedes sapientiae) verehrt. Ein geistliches Schauspiel aus dem 18. Jahrhundert, das dem Bergatreuter Gnadenbild gewidmet ist, trägt ebenfalls diesen Titel.  

Kein Geringerer als Kardinal Giovanni Lajolo verfaßte am 23.8.2008 ein eigenes Gebet zum Gnadenbild „Maria vom Blut“, das mit den Worten beginnt: „Maria, Mutter der Weisheit!“  –  Diese Anrufung erinnert an das Heilszeichen ihres göttlichen Sohnes: „Sein Kreuz sei unsere Weisheit und unser Stärke.“

Der italienische Kardinal hat dem Buch eine ausführliche, theologisch vertiefende Betrachtung zum Thema „Maria als sedes sapientiae“ beigesteuert, ebenso der em. Erzbischof Dr. Karl Braun aus Bamberg.

Der Artikel des Kardinals ist betitelt mit jenen tiefsinnigen Worten, die auch auf dem Gnadenbild zu Bergatreute in einer dargestellten antiken Schriftrolle enthalten sind: „In gremio matris sedet sapientia patris“  – Im Schoß der Mutter sitzt die Weisheit des Vaters.

Zu den Co-Autoren des Buches zählt zudem Alt-Abt Dr. Emmeram Kränkl OSB aus Schäftlarn, der dort unter dem Leitwort „Glaube und Wunder“ über das „blutende Marienbild von Klattau“ schreibt. Dabei unterscheidet er sorgfältig zwischen einer ungesunden Wundersucht und jenem gläubigen Vertrauen auf unseren allmächtigen Gott, „der Wunder tut“.

Früher wurden Gebetserhörungen und Heilungen in einem „Mirakelbuch“ der Pfarrei aufgezeichnet. Heute gibt es Anliegenbücher, die in der Wallfahrtskirche ausgelegt sind, worin Gläubige ihre Sorgen, Bitten und ihren Dank niederschreiben können.

Auch das offizielle Wallfahrtslied von Pfarrer Wilhelm Scholter aus Bergatreute ist ganz von einem bodenständigen, starken und zuversichtlichen katholischem Glauben durchdrungen. Das dreistrophige Lied mit festlicher Melodie wendet sich an „Maria, du vom Blute, du Mutter treu und mild“ und fleht vertrauensvoll:

„Erbitt von Gott uns Frieden,
erfleh uns Glaubensmut,
deck uns mit deinem Mantel,
Maria du vom Blut.
Und hilf uns in den Stürmen,
wenn sich die Wogen türmen,
Maria, Maria, Maria du vom Blut.“

In echt katholischer Haltung wird auch die Sterbestunde nicht verdrängt, wird der Tod mitten ins Leben und in den Glauben hineingeholt und der Fürsprache der Gottesmutter anvertraut:

„Maria voll der Gnaden,
oh Mutter, du vom Blut:
des Vaters Weisheit selber
in deinem Schoße ruht.
Zu ihm wollst uns geleiten,
wenn wir vom Leben scheiden:
Maria, Maria, Maria du vom Blut.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Jugend-Verlags in Münster

ERSTVERÖFFENTLICHUNG dieser Rezension in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1-2/2013)

Eine BESTELLUNG des Buches ist direkt hier möglich.

 

 


Stimmungsvolle Waldweihnacht einer Volkstanzgruppe in Oberschwaben

stdIn der idyllischen Ortschaft Bergatreute im Voralpenland (siehe Foto oben), die zur oberschwäbischen Barockstraße gehört, wird das bewährte Brauchtum im Kirchenjahr noch gerne lebendig erhalten, wofür sich zahlreiche Vereine, aber auch  einzelne bodenständige Bürger mit großem Interesse einsetzen.  1951

Seit Jahrzehnten ist in dieser Gemeinde eine Volkstanzgruppe im Rahmen des Schwäbischen Albvereins aktiv, die weit über die oberschwäbische Region hinaus auftritt und viele Menschen wieder neu für den wunderschönen und soliden Volkstanz begeistert.  21 phoca_thumb_l_111218062_b_kblestadel-ach

Die von Klaus Küble  – einem  Handwerksmeister und vierfachen Familienvater  –  geleitete Gruppe, zu der außerdem eine eigene Kindertanzgruppe zählt,  präsentiert  ihre eindrucksvollen und traditionsreichen Tanzauftritte häufig in großen Hallen oder auf den Freiplätzen schmucker Städte (siehe Fotos).

Zudem veranstaltet der Bergatreuter Volkstanz stets vor dem Christfest eine romantisch anmutende  Waldweihnacht, auch am heutigen späten Nachmittag, am vierten Adventsonntag5, wozu dann jährlich alle interessierten Bürger eingeladen sind. phoca_thumb_m_111218065_b_weihnachtsbaum

Diese Waldweihnacht beginnt um 17 Uhr, wobei jung und alt sich gemeinsam mit Laternen ins „Achtal“ begeben, einer etwas tiefer gelegenen Waldlandschaft mit Hügeln, Wiesen, Bächlein und einem frommen „Bildstöckl“, das den hl. Erzengel Raphael darstellt; er gilt seit jeher (bereits im Alten Testament) als Schutzpatron der Reisenden.

Im Achtal angekommen, versammelt sich die weihnachtlich gestimmte „Frohschar“ um einen großen, hell erleuchteten Christbaum, wobei die Volkstänzer der Zusammenkunft einen würdigen Rahmen und Ablauf verleiht (siehe Fotos).phoca_thumb_l_111218078_b_beim%20feuer phoca_thumb_l_111218068_b_weihnachtslieder

 

 

 

 

 

 

Die Teilnehmer singen Advents- und Weihnachtslieder, lauschen feierlichen Gedichten, zudem spielen einige Musikanten (siehe Foto)   –  und manchmal gibts auch eine Tanzaufführung, diesmal sogar einen stimmungsvollen Fackeltanz.

Die winterliche Waldweihnacht endet mit dem „gemütlichen Beisammensein“ bei Gebäck und Glühwein bzw. Punsch für die Kinder in einer Holzhütte neben dem Christbaum.  phoca_thumb_l_111218064_b_kblestadel-ach

Also insgesamt eine sagenhaft gute Idee und Ausführung, die noch möglichst viele Nachahmer in Gruppen und Vereinen, aber auch in Pfarrgemeinden finden sollte!

Weitere Fotos und Infos: http://www.albverein-bergatreute.de/index.php?option=com_phocagallery&view=category&id=23:ww&Itemid=26