Homöopathie unter der Lupe: Die „Kügelchen-Medizin“ und ihr Placebo-Effekt

Von Bernd Harder

In der aktuellen Ausgabe von Bild der Wissenschaft (6/2013) findet sich eine Rezension des Buches  “Die Homöopathie-Lüge”.

Darin heißt es unter anderem:

„Lebendig und fesselnd beschreibt das Autorenduo, wie die Homöopathie trotzdem einen derartigen Siegeszug antreten konnte.

Den Weg dafür geebnet hat ein mächtiger Verbündeter: der Placebo-Effekt.

Denn die Homöopathie hilft tatsächlich  –  weil sie auf ausführliche Gespräche mit einem mitfühlenden Arzt setzt, auf Rituale beim Zubereiten der Mittelchen, auf den festen Glauben an die Wirkung und auf subjektive Erfahrungsberichte.

Da kann die Schulmedizin noch einiges lernen, betonen die Autoren.”

Um den Placebo-Effekt geht es auch in einem Beitrag, der heute bei dieausrufer erschienen ist.

Der Autor geht der Frage nach, ob der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) sich nicht in Deutscher Zentralverein für Placebo-Medizin umbenennen sollte:  „Die Abkürzung DZPM ginge nicht nur flüssiger über die Lippen als DZVhÄ, sie wäre auch ehrlicher, konsequenter.”

Quelle und Fortsetzung des Artikels hier: http://blog.gwup.net/2013/06/02/bekennen-sich-die-homoopathen-endlich-zum-placebo-effekt/


Zur aktuellen Debatte um Joseph Beuys: Er verstand sich als „Eingeweihter“ von Steiners antroposophischem Weltbild

Von Bernd Harder

Eine neue Joseph-Beuys-Biografie, die vor wenigen Tagen im Aufbau-Verlag erschienen ist, sorgt für Wirbel. Der umstrittene Künstler sei zudem “eine ziemlich gestrige und gefährliche Figur” gewesen, gibt eine Spiegel-Rezensentin die Meinung des Biographen Hans Peter Riegel wieder.

Und zwar nicht nur im Hinblick auf Beuys “reaktionäres Alt-Nazitum”, sondern auch wegen seiner existentiellen Verbindung mit Rudolf Steiner. In jedes einzelne Werk seiner symbolschweren Kunst sei Steiners Weltbild eingesickert. (…)

Die Welt hat beim Beuys-Biographen Hans Peter Riegel selbst nachgefragt. Die Redaktion kommt zu dem Schluss, dass in der Tat …

„… die eigentliche Sprengkraft des Buches in dem Nachweis [liegt], welchen gewaltigen Einfluss die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners auf Beuys’ Werk hatte. Riegels These: Beuys habe zeit seines Lebens unter einem grünen, anarchistischen Deckmäntelchen die Welt mit völkischen und totalitären Ideen in der Nachfolge Steiners missioniert.”

Ein Auszug aus dem Interview:

Hans-Peter Riegel: „In einem Gespräch mit Michael Ende sagte Beuys: “Die Anthroposophie ist der einzige Weg”. Die Anthroposophen eine Sekte zu nennen, wäre jedoch fatal. Man handelt sich schnell eine einstweilige Verfügung ein. Aber betrachtet man Steiners organisches Gesellschaftsmodell, das im ersten Moment wunderbar klingt, einmal genau, dann muss man zu dem Schluss kommen: Es ist totalitär.

Der Mensch steht bei Steiner in der Hierarchie auf der untersten Stufe der Existenz. Dann kommen “Erfinder, Künstler und Forscher”, dann die “geheimwissenschaftlichen Eingeweihten” und schließlich “übermenschliche Wesen”. Der Mensch überantwortet seine Freiheit übergeordneten Instanzen. Nur die Eingeweihten sind erkenntnisfähig. Das nenne ich totalitär. Und solches Denken ist wohl auch Sekten zu eigen.

Joseph Beuys war geradezu besessen davon, derartige Überzeugungen Steiners weiterzutragen. Wie Steiner hat auch er sich offenbar als Eingeweihter empfunden. Beuys’ existenzielle Krise 1956/57 mündete in eine Überhöhung der eigenen Person. Er selbst beschrieb sie als eine Art Erweckungserlebnis. Seitdem fühlte er sich, wie er selbst bekundete, von Rudolf Steiner beauftragt, dessen Weltanschauung und letztendlich ihn selbst zu vertreten.“

QUELLE und vollständiger ARTIKEL hier: http://blog.gwup.net/2013/06/01/beuys-steiner-und-das-ubersinnliche-in-der-kunst/


Beim Barte des „Propheten“: Das „Nostradamus-Buch“ und der Papst

Von Bernd Harder

n-tv History zwirbelt mal wieder den Bart des Propheten: der Nachrichtensender n-tv vergackeierte seine Zuschauer mit einem altbekannten Nostradamus-Hoax, betitelt “Das Nostradamus-Buch”.

Wer sich die “Doku” unbedingt antun möchte, hat bei den Wiederholungen in den nächsten Tagen noch Gelegenheit dazu.

In der Ankündigung blurbt die Redaktion:

1994 stieß eine Journalistin zufällig auf einen sagenhaften Fund – ein bis dato verloren geglaubtes Manuskript von Nostradamus. Briefe, merkwürdige Symbole und bizarre Bilder des Propheten geben Rätsel auf. Wie gelangte das Buch in die Bibliothek? Warum blieb es über 400 Jahre lang unentdeckt?

Stimmt es womöglich, dass die darin enthaltenen Zukunftsvisionen so beängstigend sind, dass Nostradamus sie absichtlich im Verborgenen hielt?”

Nicht wirklich. Denn das Buch stammt weder von Nostradamus, noch enthält es Zukunftsvisionen. Aber gehen wir der Reihe nach:Rein zufällig machten die italienischen Journalisten Enza Massa und Roberto Pinotti 1994 einen sensationellen Fund in der römischen National-Bibliothek: ein uraltes Buch mit dem Titel 

„Vaticinia Michaelis Nostredami de Futuri Christi Vicarii ad Cesarem Filium“,

zu Deutsch etwa: „Prophezeiungen des Michel Nostradamus für seinen Sohn Cesar über die Zukunft des Stellvertreters Christi“.

Der brisante Inhalt: 80 Zeichnungen (angeblich “geheime Botschaften”) des französischen Renaissance-Sehers.

Seitdem forschen Nostradamus-Fans nach Zusammenhängen zwischen den neu aufgetauchten Wasserfarbenbildern und den bekannten Prophezeiungen ihres Meister-Propheten. 2007 nahm sich der internationale Kabelsender History Channel des Themas an.

Die TV-Dokumentation „The Lost Book of Nostradamus“ verkettet die gebundene Sammlung von großformatigen Illustrationen zum Beipsiel mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 – und mit der katholischen Kirche.

Denn auf den Darstellungen sind immer wieder Päpste zu sehen, meist werden sie angegriffen und bedrängt.

„Die Visionen beziehen sich auf den Untergang des Papsttums“,

verlautbarte etwa der amerikanische Nostradamus-Forscher Vincent Bridges gegenüber den Fernsehleuten.

Möglicherweise meint n-tv ja, den Rücktritt von Papst Benedikt XVI mit einer Sendung über die gezeichneten Papst-Prophezeiungen des Nostradamus begleiten zu müssen. Ironischerweise ist das nicht einmal völlig daneben – nur sind die Hintergründe ganz andere, als irgendwelche Pseudo-Nostradamus-”Experten” ihrem Publikum weismachen wollen.

Besuchen wir zum Beispiel die Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek der Universität Augsburg, deren Buchbestand auf die private Sammlung der Fugger zurückgeht.

Neben anderen bibliophilen Kostbarkeiten stoßen wir hier auf den Druck

„Ein wunderliche weissagung/von dem Bapstum/wie es yhm bis an das Ende der Welt gehen sol/ynn figuren odder gemelde begriffen …“.

Gezeichnet um 1527 von dem Theologen Andreas Osiander. In diesem Büchlein finden sich die bis ins Detail identischen Motive wie in der „Vaticinia Michaelis Nostredami …“, welche von 1629 datiert.

Überzeugt von der Theologie Martin Luthers und befreundet mit dem Maler Albrecht Dürer setzte Osiander an seiner Wirkungsstätte Nürnberg die Reformation durch. Seine Zeichnungen sind mühelos in eine bekannte ikonographische Tradition einzuordnen und greifen in ihrer Kritik an Papst und Kirche auf die damals gebräuchliche Form der Prophezeiung zurück.

Die Texte und Abbildungen in der reformatorischen Streitschrift des Nürnberger Predigers gelangten schon bald in die Hände des Buchdruckers Christian Egenolff, der sie mit verschiedenen Prophezeiungen und weiteren Abbildungen zusammenband und vertrieb.

Sie mögen irgendwann auch in Rom angekommen, dort mit der poetischen Handelsmarke „Nostradamus“ versehen und x-mal kopiert und plagiiert worden sein.

QUELLE und FORTSETZUNG des Artikels mit Abbildungen hier: http://blog.gwup.net/2013/02/23/marchenstunde-bei-n-tv-das-nostradamus-buch/