Engagiertes Plädoyer für die Mundkommunion

Rezension von Thomas May

Buchdaten: Wilhelm Schallinger. Das Lamm in Menschenhand. Geleitwort: Bischof Dr. Athanasius Schnei­der. – Patrimonium Verlag 2016, 2. Auflage 2017, 135 Seiten, kartoniert, ISBN-10: 3864170699 / ISBN-13: 978-3864170690. – 14,80 €

Das jetzt in 2. Auflage erschienene, 135 Seiten „starke“ Buch mit dem doppelsinnigen Titel „Das Lamm in Menschenhand“ des 1941 im ober­bayerischen Traunstein geborenen Priesters Wilhelm Schallinger ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine kostbare Rarität auf dem katholischen Büchermarkt.

Thema ist die historisch be­deutsame Zulassung der Handkommunion in Deutschland durch Papst Paul VI. ab dem Jahr 1969, die nicht nur aus Sicht des Autors erheblich zum Schwund des katholischen Glaubens und zum anhaltenden Niedergang der katholischen Kirche beigetragen hat. Kaplan Schallinger positioniert sich bereits früh, im Herbst 1974, in einem persönlichen Ge­wissensentscheid gegen die Handkommunion, die er – selbst unter massivem Gegen­druck seitens der kirchli­chen Oberen und einzelner Gläubiger – bis auf den heutigen Tag nicht mehr austeilen wird.

Gründe gegen die Handkommunion

Schallinger präsentiert die Gründe für seinen ablehnenden Gewissensentscheid einleuchtend und nach­vollziehbar. Die Handkommunion hat „zu einer verheerenden Ehrfurchts- und Glaubenslosigkeit hin­sichtlich der realen Gegenwart des Herrn in der Eucharistie geführt“ (S. 24); ihre illegale Einführung in Holland zuvor ging „bereits mit der offenen Leugnung der wirklichen Gegenwart Jesu in der Eucharis­tie“ (S. 25) einher.

Demzu­folge kann die Handkommunion beiderlei sein: Folgeerscheinung eines schon vorhandenen Unglaubens wie auch Ursache des nachfolgenden, oft unmerklich schleichenden Verlustes der Ehrfurcht und des Glaubens. Der Autor verweist auf den mit der Handkommunion erst ermöglich­ten, unbestreitbaren massenhaften Hostienfre­vel einschließlich Hostienraub, der im Fall eines ungläubi­gen Kommunikaten, der sich bei einer Papstmesse in Rom die Hostie in die Hand hatte geben lassen und sie später zur Versteigerung im Internet anbot, weltweites Aufsehen erregte (vgl. S. 112).

Auch aus seiner seelsorglichen Praxis als Kaplan weiß Schallinger Beispiele des missbräuchlichen Um­gangs mit dem Leib Christi zu nennen, wobei keineswegs immer böse Absicht im Spiel ist, sondern auch Unbedarft­heit, Gedankenlosigkeit oder Ungeschicklichkeit zugrunde liegen kann: „…Das Böse liegt … in der fortdau­ernden Fahrlässigkeit, daß der am Boden zertreten werden kann, der nach der kla­ren Lehre der Kirche auch im kleinsten Partikel anwesend ist, ‚mit Leib und Blut, mit seiner Seele und seiner Gottheit‘ (Konzil v. Trient)“ (S. 27 f.). 

Die Abwärtslinie setzt sich fort in der verderblichen Um­deutung des realen Leibes Christi zum (heili­gen) Brot, das – wie der Geistliche aus Gesprächen vor al­lem mit Jugendlichen erfährt – „nur [noch als] ein an Jesus erinnerndes Zeichen der Einheit im Gottes­volk“ (S. 25) verstanden wird, oder noch eine Spur „entkern­ter“: „Die Hostie in der Hand als Symbol der Weltverbrüderung“ (S. 109). Hier ist das Zerstörungsprogramm der Freimaurerloge, wie es 1968 in der Pariser Zeitschrift „L’Humanisme“ bzw. 1976 in der französischen Zeitschrift „Vers demain“ fixiert worden war, an sein Ziel gekommen (S. 26f.).

Aufgrund dieses negativen Befundes und seiner persönlichen Erfahrungen kommt Schallinger zu dem Schluss: Die Frage der Handkommunion ist nicht eine Frage der Form, sondern eine Frage des Glau­bens. Fol­gerichtig fordert er die Rückkehr zur ehrfürchtigen knienden Mundkommunion (während heute manche genau umgekehrt die Mundkommunion für nicht mehr zeitgemäß halten).

Bei aller Würdigung der Argumente des Autors erscheint der folgende Einwand angebracht:

Die Fülle des „be­lastenden Materials“ gegen die Praxis der Hand­kommunion ist so überwältigend, dass es schon deshalb nicht er­forderlich gewesen wäre, zum zusätzlichen „Be­weis“ der Verunehrung des Allerheiligst­en „Privatoffenba­rungen“ geltend zu machen, welche von der Kir­che nicht aner­kannt sind (Pierina Gilli, Franziska Sen­ninger, Prof. Albert Drexel, Marguerite in Belgien; vgl. den Abschnitt „Stimmen des Him­mels in der Wüste“, vgl. S. 33–36).

Für Schallinger persönlich mögen Visionen oder Einsprechungen von aus seiner Sicht begnadeten Perso­nen eine wichtige Bestätigung und Bestärkung seines „Son­derweges“ gewe­sen sein; andererseits büßt seine Veröffentlichung da­durch vom Standpunkt der katholischen Glau­benslehre aus an Seriosität und Nüchternheit ein.

Theologisch unzureichend gebildete oder für Schwär­merei anfällige Leser, die sich auf diesen Punkt ka­prizieren, könnten sich bestätigt fühlen und somit durch umstrittene Privatoffenbarungen spirituell leicht in ein irreführendes Fahrwasser geraten. Aller­dings nehmen diese kritikwürdigen Passagen insgesamt kei­nen bestim­menden Platz in Schallingers Ge­samtargumentation ein.

Vorgeschichte der Handkommunion

Ein weiteres Verdienst des Autors ist es, dass er die heute nur noch wenig bekannte Vorgeschichte der Hand­kommunion, die näheren Umstände ihrer zunächst regional begrenzten Einführung, ihre kritische Bewertung durch hohe Repräsentanten der Kirche und schließlich ihren Siegeslauf zur Sprache bringt und mit Dokumen­ten belegt.

­Die Erlaubnis der Handkommunion musste Papst Paul VI. abgerungen werden. Die damaligen Kar­dinäle Juli­us Döpfner (München-Freising) und Lorenz Jäger (Paderborn) konnten trotz dreimaligen Vor­sprechens beim Heiligen Vater in dieser Frage ihn zunächst nicht zur Zustimmung bewegen (vgl. S. 38, FN 4).

Das Ergebnis der Umfrage an die Bischöfe der Weltkirche vom 12. März 1969, in welcher der Papst seine Sorge um „Ver­minderung der dem Heiligsten Sakrament schuldigen Ehrfurcht, ja Entwei­hung und Verfälschung der Glau­benslehre“ (zit. S. 26) zum Ausdruck brachte, war eindeutig: Eine über­wältigende Mehrheit von 1233 Bischö­fen (bei 56 Zustim­mungen und 315 Zustimmungen unter Vorbe­halt) lehnte die Einführung der Handkommuni­on ab.

Dennoch gab der unter Druck gesetzte Papst schließlich nach und erlaubte im Juni 1969 die Handkom­munion in Deutschland (später in weiteren Ländern), die schon „vorwegnehmend“ praktiziert worden war, un­ter der Auf­lage, dass „jede Gefahr der Ehrfurchtslosigkeit gegenüber der Eucharistie vermie­den we­rde[..­.]“ (z­it. S.­ 25). ­

Dass d­iese Anforder­ung n­icht e­rfüllt­ wurde­, wie ­nicht ­nur Ka­plan S­challi­nger i­n sein­er seelsorgli­chen ­Praxis­ bald erfahr­en mus­ste, i­st der­ entsc­heiden­de Aus­löser ­für se­ine Ge­wissen­sentsc­hei­du­ng, di­e Hand­kommunion ni­cht me­hr aus­zuteil­en.­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­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Die Handkommunion nach ihrer Einführung

Hochinteressant sind in diesem Zusammenhang die vom Autor angeführten späteren Bewertungen hoher Wür­denträger, vor allem derer, welche die Einführung der Handkommunion ursprünglich befürwortet hatten. Kar­dinal Carmel Heenan von Westminster ordnet 1972 die Beendigung der Handkommunion für England an, nachdem er sich noch kurz zuvor für sie eingesetzt hatte (vgl. S. 28).

Vom Mainzer Bischof Hermann Volk, dem Vorgänger Kardinal Lehmanns auf dem Bischofsstuhl, ist der Satz überliefert: „Ich leide sehr darunter, dass ich zur Handkommunion meine Zustimmung gegeben habe“ (zit. S. 57).

Gera­dezu einen Offenbarungseid leistet der Münchner Kardinal Döpfner: „Der mit ihm befreundete Univer­sitätsprofessor Richard Egenter [ka­tholischer Moraltheologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München 1945–1968; T. M.] bezeugt seine Äußerung: ‚Zwei Jahre habe ich um die Handkommunion gekämpft. Ich würde es nicht mehr tun, weil ich die Folgen sehe. Aber nun weiß ich keinen Weg, das wieder rückgängig zu machen!’“ (zit. S. 38).

Ein fei­nes De­tail, das die grundsätzliche Frage nach der Ratlosigkeit und Verantwortung von Bischöfen aufwirft, die Irrwe­ge in ihrer Diözese oder in der Kirche durchaus erkannt haben mögen, aber keinen Weg zurück mehr wissen und sie weiter in den Abgrund treiben lassen.

Gegenläufige Entwicklung: Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

Im Weiteren macht Schallinger auf die gegensätzliche persönliche Entwicklung aufmerksam, welche die bei­den Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. in der Frage der Handkommunion genommen ha­ben.

Der Pole ist nach seiner Wahl zum Pontifex zunächst Hoffnungsträger derjenigen Priester und Gläubigen, die sich eine Rücknahme der Handkommunion wünschen.

Bei seinen Apostolischen Reisen ignoriert er die Praxis der Handkommunion in Ländern, wo sie üblich geworden ist; der Frau des fran­zösischen Staatspräsidenten reicht er bei einer Messe in Notre-Dame im Mai 1980 trotz deren ausge­streckter Hände die Mundkommunion (vgl. S. 61); bei seinem Deutschlandbesuch im November 1980 wird in Köln und Osnabrück auf seine persönliche Ablehnung der Handkommunion zunächst Rücksicht genommen, doch in Mainz legt man ihn schlicht herein, indem er durch provokative Jugendliche gegen seine Überzeugung zur Spendung der Handkommunion genö­tigt wird (vgl. S. 62, 109) – der „Bann“ ist gebrochen.

In der Folge rückt Papst Johannes Paul II., der noch in sei­nem Gründonnerstagsbrief 1980 „Über das Geheimnis und die Verehrung der heiligsten Eucharistie“ ent­schieden gegen die Praxis der Handkommunion Stellung bezogen hatte (vgl. S. 48f.), auch verbal in relativie­renden Äußerungen da­von ab; damit entzieht er „Widerständlern aus Gewissensgründen“ wie Kaplan Schal­linger „jeglichen kirchenrechtlichen und moralischen Schutz“ (S. 110).

Gegenläufig ist die Entwicklung bei Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI.:

Während der Erzbischof von München und Freising den widerborstigen Jungpriester anfangs noch streng ins Gebet nimmt, sei­nen „Starr­sinn“, seine „Rechthaberei“ in Sachen Handkommunion tadelt (S. 43ff.) und den Einsatz sei­ner ungeteilten Arbeitskraft als Priester anmahnt, beginnt er langsam „zurückzurudern“, als der Unbeug­same mit Verweis auf den erwähnten Gründonnerstagsbrief des neuen Papstes frische Argumente für die erneute Bekräftigung seines ablehnenden Gewissensentscheids geltend machen kann.

Als Präfekt der Glaubenskongregation hat Joseph Ratzinger dann seine ursprüngliche Befürwortung der Handkommuni­on revidiert. Sein kniender Mundkom­munionempfang in dieser Zeit ist durch P. Fidelis Stöckl O.R.C. bezeugt (vgl. S. 115).

Mit seinem Motupro­prio „Summorum Pontificum“ vom 7. Juli 2007 rehabilitiert Benedikt XVI. die Tridentinische Messe und da­mit die kniende Mundkommunion. Ab dem Fronleich­namsfest und dem Weltjugendtag in Sydney 2008 spen­det das Oberhaupt der katholischen Kirche das Allerheiligste nur noch in dieser Form. Welch glänzende Bestä­tigung und nachträgliche Rechtfertigung (vielleicht auch Genugtuung) für den Priester Wilhelm Schallinger, der schon als „kleiner“ Kaplan auf der gottgefälligen Spur war und sie gehalten hat!

GOTT mehr gehorchen als den Menschen

Schallingers 1974 getroffene, unwiderrufliche Gewissensentscheidung, den Gläubigen keine Kommuni­on mehr in die Hand zu spenden, ist nicht nur der roten Faden, der das Buch durchzieht. Sie bestimmt auch seine „gesamte priesterliche Existenz und Zukunft“ (S. 23).

In dieser schwierigen Zeit, die er als „vierzigjährige Wüstenwanderung“ erlebt, muss er seinen wechselnden Oberhirten Rede und Antwort stehen: Kardi­nal Döpfner, Kardinal Ratzinger und Kardinal Wetter. Zu deren Ehre sei gesagt, dass sie schließlich alle drei die strikte Weigerung ihres Mitbruders respektieren und nach Möglichkeit mit ihrer Autorität schützen, wobei der liberale ehemalige Moderator des Zweiten Vatikanischen Konzils menschlich gesehen am besten abschnei­det.

Die umfangreichen Schriftwechsel zwischen Vorgesetzten und Untergebenem, die im Wortlaut wiederge­geben sind, erweisen sich als unschätzbare Zeitdo­kumente, welche die Heftigkeit, den Ernst, die Leidenschaft des damaligen Ringens um die angemessene Form des Kommunionempfangs widerspiegeln – eine wissen­schaftlich noch auszuwertende Fundgrube.

Hierbei ist dem „kleinen“ Kaplan nicht selten eine argumentative Überlegenheit zu bescheinigen. Letzt­lich ist die ihn bindende Gewissensentscheidung durch keine Macht der Welt umzustoßen, wenn er mit Blick auf die bei der Handkommunion auf den Boden fallenden und zertretenen Partikel schreibt:

„Für mich gilt darum ana­log zum Zweiten Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren – Du sollst den Leib des Herrn nicht ver­unehren! Im Bereich eines göttlichen Gebotes aber hat eine gegenteilige Forderung keinerlei Verbindlich­keit. ‚Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!‘ (Apg 5,29)“ (Brief an Ratzinger vom 1. Mai 1980, S. 48).

Damit beherzigt er einen Leitsatz des 1943 von den Nazis hingerichteten und 2007 von Papst Benedikt XVI. seliggesprochenen österreichischen Widerstands­kämpfers Franz Jägerstätter, dem der Autor das Schluss­kapitel widmet (S. 124–132).

Lebhaft schildert Schallinger Pflichttermine mit den Vorgesetzten: seine Befind­lichkeiten, Versuchungen, seine Ratlosig­keit, das Hadern mit seiner Verwegenheit bis hin zur Taktlosigkeit (vgl. S. 48), seine Stoßgebete, seinen inneren Kampf um Gehorsam gegenüber dem Erzbischof oder einer „göttlichen Macht“ (S. 38).

Der Preis des Gewissens

Der Preis, den der Geistliche Schallinger für das unbeirrbare Festhalten an seinem Gewissensentscheid zahlen muss, ist sehr hoch: Es kostet ihn praktisch jede Möglichkeit einer innerkirchlichen „Karriere“; er sieht sich an den Rand gedrängt, verfemt, ins Zwielicht gesetzt, lächerlich gemacht, von einem Mon­signore sogar als irren­hausreif abgefertigt (vgl. S. 114).

Dankbar ist er, dass er 14 Jahre als Lang­zeit-Hilfspriester in der Wallfahrts­pfarrei St. Maria-Thalkirchen am Münchner Tierpark wirken kann. Der Diözesanleitung und den „Herren Prä­laten des Erzbischöflichen Ordinariats“ (S. 57) ein Dorn im Auge, darf er schließlich ab 1993 im Dekanat Ra­mersdorf/Perlach bei München zelebrieren und wird als Aus­hilfe, besonders bei Begräbnisfeiern, eingesetzt.

Heute feiert er die tägliche heilige Messe nur noch in seiner kleinen Hauskapelle. Geblieben ist ihm die „Ge­betsgemeinschaft Mariensäule“, mit der er seit über 45 Jahren jeden Samstag an der Münchner Mariensäule den Rosenkranz betet.

Von Anfang an ist es ihm verwehrt, Pfarrer zu werden, weil „er sich für den Fall der Übernahme einer Pfarrei bereit erklären muß, Gläubigen, die die Handkommunion wünschen, diese nicht zu verweigern…“ (Brief Rat­zingers an den Oberregierungsrat Schlebusch vom 28. Juli 1979, zit. S. 55), erst recht, als er sich auch gegen die „Spendung der Handkommunion durch eine andere beauftragte Person in seinen Gottesdiensten“ sperrt (Antwortschreiben des Stellvertretenden Generalvikars Haringer an einen Gebetsteilnehmer vom 20. Septem­ber 1993, zit. S. 86), womit wohl Laienkommunionhelfer ge­meint sind.

In diesem Zusammenhang wird ihm vom Ordinariatsvertreter entgegengehalten, auch die Gläubigen träfen eine „Gewissensentscheidung“ zwi­schen Hand- und Mundkommunion, die es zu re­spektieren gelte (vgl. S. 79). Diese Behauptung ist allerdings theologisch unhaltbar.

Kein Geringerer als der damalige Glaubenspräfekt Kardinal Šeper, bei dem Kaplan Schallinger im Rah­men seiner von 243 deutschen Priestern unterschriebenen Petition zur Abschaffung der Handkommuni­on im deut­schen Sprachraum vorstellig wird (die nach einem erfolgversprechenden Auftakt vom Glau­benspräfekten noch im selben Jahr aus unbekannt gebliebenen Gründen zurückgewiesen wurde), erklärt am 2. April 1979 im Ge­spräch mit ihm:

„Ich glaube, daß hier für die Priester eine echte Gewissensfrage besteht. Nicht begreife ich je­doch, wenn die Gläubigen eine daraus machen. Niemand kann wohl sein Gewissen anführen, das ihm gebietet [!], Handkommunion zu verlangen“ (zit. S. 79 u. S. 97).

Dieser punktgenaue Satz beleuchtet wie nebenbei den Missstand, wie oberflächlich und leichtfertig heutzutage innerhalb der Kirche das „Gewissen“ oft in Anspruch genommen wird, wo es im Grunde doch eher um Unwilligkeit, Bequemlichkeit oder Mitläufertum geht.

Hand- oder Mundkommunion: eine Abwägung

Seit der Einführung der Handkommunion in Deutschland durch Papst Paul VI. ist fast ein halbes Jahr­hundert vergangen. Die heftigen Auseinandersetzungen um diese folgenschwere „Reform“ vor allem in den 70er und 80er Jahren können heute die meisten Katholiken nicht mehr nachvollziehen.

Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass vielfach Gespür und Wertschätzung für das Heilige, das Allerheiligste gelitten haben oder verloren­gegangen sind, von der auch „normalen“ Gläubigen fremd gewordenen Anbetung Gottes ganz zu schweigen. Damit verknüpft ist die weitverbreitete Leugnung der Realpräsenz Jesu Christi unter der Gestalt des Brotes durch Laien wie durch Kleriker oder die indifferente Ansicht, „dass das nicht so wichtig ist“.

Wer in der Hos­tie nur noch ein Stück profanes Brot sieht, tut sich leichter, es einfach so in die Hand zu nehmen. Warum sollte man ehrfürchtig sein?

Jenseits manch merkwürdigen, unangemessen anmutenden Gebarens (vom schlendernden Gang bis zu hinter dem Rücken verschränkten Händen beim Anstehen) vor dem Kommunionempfang ist  festzuhal­ten und anzuerkennen, dass zahlreiche Gläubige die Handkommunion ehrfürchtig und würdig empfan­gen.

Das daraus abgeleitete Argu­ment, die Form des Empfangs sei nicht entscheidend, auf die innere Haltung komme es an, greift jedoch zu kurz. Der schwerwiegende und letztlich durchschlagende Ein­wand, dass trotz Umsicht bei der Spendung in die Hand Partikel herunterfallen und verlorengehen kön­nen, in denen der Heiland gegenwärtig ist, kann nicht ent­kräftet werden.

Dagegen ist man bei der Mund­kommunion mit Patene auf der „sicheren Seite“, die zudem dem Ausdruck und der Haltung des Empfan­gens näherkommt; wer das nicht mehr „zeitgemäß“ findet, sollte vielleicht in sich gehen und sein per­sönliches Verhältnis zu Gott/Christus überprüfen oder grundsätzlich das der Kreatur zu ihrem Schöpfer reflektieren (Partner? Auf Augenhöhe?).

Außerdem darf der Zusammenhang zwischen äußerer Form und innerer Haltung nicht unbeachtet bleiben: Der Empfang der Hostie in die Hand verleitet viel eher zu mangelnder Ehrfurcht als die Mundkommunion, weil bei Ersterem nicht unterschieden wird von der Art, „wie man gewöhnlich Nahrung berührt und sie sich dem Munde selbst zuführt“ (so Weihbi­schof Atha­nasius Schneider im Geleitwort S. 12), also eine heilsame Differenzierung entfällt.

Zurückzuweisen ist das Argument, wer sowieso entschlossen sei, die Hostie zu missbrauchen, benötige dazu nicht die äußere Form der Handkommunion, also könne man diese auch zulassen. Nach derselben Logik könn­te man einem Hauseigentümer anraten, künftig auf jedwede Sicherungsmaßnahmen zu ver­zichten, da ein zum Einbruch bereiter Täter ohnehin einen Weg finden werde, ins Haus zu gelangen.

Auch die gern herangezoge­ne, dem Cyrill von Jerusalem (313 – 386 n. Chr.) zugeschriebene mystagogische Ka­techese, die Anweisungen zum richtigen Empfang der Handkommunion enthält, erweist sich bei näherer Betrachtung als wenig brauchbar, weil die Si­tuation der frühen Kirche nicht einfach auf die heutige übertragbar ist; schon Cyrill, der die „Hal­tung der An­betung und Ehrfurcht“ sichergestellt wissen will, warnt, wie Papst Paul VI. Jahrhunderte später, vor der glei­chen Gefahr des Partikelverlustes: „Denn was du zugrunde gehen läßt, sollst du so betrachten, als ginge eines deiner Glieder verloren“ (zit. S. 28).

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Unter Anlegung des Maßstabes, dass das Aller-Heiligs­te das Aller-Höchste ist, lässt sich kein zwingendes Argument zugunsten der Handkommunion vorbrin­gen. Weihbi­schof Schneider führt aus:

„Alle Menschen verteidigen gewissenhaft und mit größter Vor­sicht die eigenen Wertgegenstände und kostbaren Schätze. Unser Herr Jesus Christus unter der Gestalt der kleinen konsekrierten Hostie ist mehr wert als alle Schätze auf dieser Erde. Wir müssen folglich die Heilige Kommunion aufs Höchste schützen und verteidigen. … Jeder, der an unseren Eucharistischen Herrn wahrhaft glaubt und Ihn brennend liebt, darf sich nicht an den Zustand der Handkommunion gewöhnen und muss alles, was in seiner Kraft steht, unternehmen, um diesem elenden Zustand abzuhelfen“ (S. 12f.).

In diesem Zusammenhang ist es allerdings unerlässlich, eine wichtige Unterscheidung anzumahnen. Es ist das eine, die Einführung der Handkommunion mit ihren schädlichen Folgen für eine Katastrophe zu halten und, wie Weihbischof Schneider, Abhilfe des „elenden Zustand[es]“ zu verlangen; ein anderes ist es, noch weitergehend die Praxis der Handkommunion grundsätzlich als „gottwidrig“ zu brandmarken, wie Schallinger es tut (S. 22 u. Rückseitentext).

Hier ist Widerspruch anzumelden. Mit dieser Zuspit­zung schießt der Geistliche im Eifer für die Mundkommunion übers Ziel hinaus und erweist seinem An­liegen auch keinen guten Dienst. Wie schwerwiegend und erschütternd die beschriebenen Folgen auch sein mögen – die Handkommunion an sich ist mitnichten gegen Gott gerichtet, andernfalls wäre die Möglichkeit ihres würdigen, gottesfürchtigen Empfangs von vornherein ausgeschlossen. Dem ist aber keineswegs so.

An diesem Punkt scheint der Autor den Pfad seiner eigenen Argumentation zu verlassen: Er selbst rekurriert wiederholt auf die inakzeptablen negativen Begleitumstände der Handkommunion, welche die sittliche Verwerflichkeit erst hervorrufen, wenn er beispielsweise die „fortdauernde […] Fahr­lässigkeit“ (S. 27) im Umgang mit der geweihten Hostie anprangert, womit ja keine Zwangsläufigkeit festgeschrieben, sondern eine korrigierbare „innere Einstellung des Täters gegenüber dem von ihm verwirklichten Tatbestand“ (Wikipedia, Stichwort „Fahrlässigkeit“) impliziert ist.

Angemerkt sei auch noch, dass Ausübung von „moralischem“ Druck auf die Kommunikanten in dieser Frage kon­traproduktiv wirkt.

Auf dem Weg zur Mundkommunion

Wie Weihbischof Schneider kann freilich nur einer aus der Tiefe seines Glaubens sprechen und Korrek­turen anmahnen. Statt peripherer und meist wenig zielführender „Strukturdebatten“ in der Kirche ist die Frage des angemessenen, Gott geschul­deten Kommunionempfangs tatsächlich ein Feld, auf dem sich konkret Ursachen und Folgen des Niedergangs der nachkonziliaren katholischen Kirche in Deutschland nachweisen – und beheben! – lassen.

Es wäre an der Zeit, dass kirchliche Würdenträger, insbesondere Bischöfe, die Konsequenzen aus den schon frühzeitig nach Einführung der Handkommunion erkannten schlimmen Folgen der Sakrilege, des Verlustes von Partikeln, der Verminderung der Ehrfurcht und der Verfälschung des Glaubens ziehen, zur Mundkommunion zurücklenken und das gläubige Volk auf die­sem Weg „mitnehmen“.

Ein erster Schritt wäre die Wiedereinführung von Kom­munionbänken oder zu­mindest (beweglichen) Kniebänken, um dem bei passender Gelegenheit gern für mün­dig erklärten Laien tatsächlich die kniende Mundkommunion stressfrei zu ermöglichen, statt ihn zu bevormun­den und zur stehenden Handkommunion zu nötigen. In Kirchen, wo Reste von Kniegelegenheiten erhalten ge­blieben sind, zeigt sich schon heute durchaus nicht selten, dass diese zum Kommunionempfang auch genutzt werden. Flankierend könnten Priester einen wesentlichen Beitrag leisten, indem sie den Gläubigen emp­fehlen, die kniende Mundkommunion zu praktizieren.

Auch die außerordentliche Spendung der Kommunion durch Laien wäre zu überden­ken, gemäß den Worten Papst Johannes Pauls II.: „Die heili­gen Gestalten zu berühren und mit eigenen Händen auszuteilen, ist ein Vorrecht der Geweihten…“ (Gründonnerstagsbrief 1980, zit. S. 49). Eine exklusive Han­d-Habung schärft grundsätzlich den ehr­fürchtigen Sinn des Volkes Gottes für das Allerheiligste.

Es ist das große Verdienst des Münchner Kurats Wilhelm Schallinger, dass er mit seinem Buch in leicht ver­ständlicher Sprache und dokumentarisch vielfältig belegt eine entscheidende, auf breiter Basis dis­kussionswürdige Ursache für die Erosion der deutschen Kirche nach dem Zweiten Vatikanum ins Be­wusstsein hebt, die viele nicht (mehr) auf dem „Schirm“ haben.

Sein mutiges Glaubenszeugnis des Wi­derstands gegen den inner­kirchlichen Zeitgeist und dessen mächtige Repräsentanten, sein geduldiges, auf Gott vertrauendes Verharren in der Wahrheit, seine persönlichen Opfer, insbesondere der Verzicht auf eine „Karriere“ als Preis für den unbe­irrbar durchgehaltenen Gewissensentscheid, fordern zu Hoch­achtung, Dank und Unterstützung seiner „Sache“ heraus: nach je eigenem Vermögen und Platz in der Kirche die Praxis der Handkommunion einzudämmen, um schließlich die vollständige Rückkehr zur Mundkommunion zu erwirken.

Unser Autor Thomas May ist katholischer Religionspädagoge und lebt in Sendenhorst (Münsterland).  –  Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1 – 2/2018)


Ein kompetenter Arzt schildert die Entwicklung des Kindes im Mutterleib

Rezension von Cordula Mohr

Buchdaten: Neun Monate bis zur Geburt: Fakten und Bilder – Autor: Michael Kiworr. Bernardus-Verlag. 194 Seiten. Broschur. 14,80 €. ISBN: 978-3-8107-0251-7

Das handliche und schön gestaltete Buch „Neun Monate bis zur Geburt“ von Dr. med. Michael Kiworr ist außerordentlich gut, interessant und anschaulich geschrieben. Der Autor und Familienvater ist als Oberarzt einer Klinik in Baden-Württemberg tätig. 

Zu den Seiten 1 – 50:

Das Buch beginnt mit einem verständlichen Vorwort des Gynäkologen, das dem Leser verdeutlicht, warum er einen lebensbejahenden Wortschatz gewählt hat und für welche Zielgruppen  – besonders Mediziner, werdende Eltern, Schwangerschafts-Berater  –   er dieses Buch schrieb.

Es beginnt mit der Zeit der Befruchtung und all dem, was in den ersten Tagen danach geschieht. Faszinierend, dass sich der Stoffwechsel schon verändert und bereits Hormone in den ersten Tagen nach der Empfängnis ausgestoßen werden. Somit wird dem Leser klar, ab wann eine Schwangerschaft besteht.

Zudem erklärt der Autor deutlich, warum im Jahre 1965 von Gynäkologenverbänden zunächst in den USA, dann auch hierzulande gefordert wurde, das menschliche Leben nicht mehr ab der Empfängnis, sondern erst ab dem Zeitpunkt der Nidation  – der Einnistung des bereits befruchteten Eies in die Gebärmutter –  beginnen zu lassen.

Damals begann die Verbreitung der „Pille“ bzw. einer lukrativen Verhütungsindustrie, die sich etwas einfallen lassen musste, um moralisch nicht in Misskredit gebracht zu werden, denn vor allem die gestagenbetonten Anti-Baby-Pillen verhindern als Zweitwirkung die Nidation, wirken also potentiell frühabtreibend. Bei der „Spirale“ handelt es sich dabei sogar  –  noch schlimmer  –  um den einzigen Wirkmechanismus. (Näheres dazu im Kiworr-Buch ab S. 48.)

In den grau gerahmten Seiten schildert der Verfasser, welche Gefahren in den jeweiligen Lebensphasen auf das ungeborene Kind einwirken können – sowohl natürliche Gefahren wie auch gewisse Bedrohungen, welche die Medizin z.B. durch Eingriffe und Manipulationen verursacht. 

Aufschlussreich ist auch der Hinweis von Dr. Kiworr, dass die PID (Pränatale Diagnostik) Analysefehler aufweisen kann  –  und somit die entsprechenden Embryonen nicht in den Mutterleib transferiert werden. Untersuchungen aus den Niederlanden zeigen neurologische (gehirnorganische) Schäden von Kindern, bei denen eine PID durchgeführt wurde.

Zu den Seiten 50 – 107:

In den grün gerahmten Seiten kann der Leser erfahren, was bei der Ernährung in der Schwangerschaft wichtig ist, besonders interessant für die werdende Mutter. Erwähnt wird auch, welche Tests sie durchführen lassen kann, um eine Infektion auszuschließen.

Interessant zu lesen ist auch der 14. bis 21. Lebenstag: 3. Woche.

Das Herz schlägt und der embryonale Körper beginnt mit einer offensichtlichen Formbildung. Es gibt den Nachweis der einzigartigen Krümmung aufgrund des Neuralrohres, was nur bei einem menschlichen Embryo besteht.

Hierbei räumt der Mediziner mit den veralteten Ansichten auf, Tier und Mensch würden sich im Mutterleib eine Zeit lang in gleicher bzw. ähnlicher Weise entwickeln oder der menschliche Embryo habe zunächst Kiemen. Diese und andere Irrtümer aus vergangenen Zeiten (die vor allem der Evolutionist Haeckel vertreten hatte) werden ausgeräumt.

Hinsichtlich der folgenden Schwangerschaftswochen beschreibt der Autor die rasante Ausbildung aller Körperfunktionen. Hier beeindrucken vor allen die einmaligen Bilder des Buches: Hände, Füsse Ohr, Blutgefäße, die Geschlechtsmerkmale entwickeln sich.

Auf Seite 91 kommen erneut die „grauen“ Seiten, also die Gefahren, ein natürliches Risiko ist z.B. die Fehlgeburt. Mangelnder Impfschutz, Medikamenteneinnahme der Mutter und vieles mehr kann hierbei ursächlich sein. Es folgen wieder einzigartig schöne Fotos aus dem Mutterleib, die zur Betrachtung einladen.

Der Zeitraum bis zur 12. Woche gehört zu den gefährlichsten im Leben des Ungeborenen, berichtet der Autor, weil sich das Kind quasi in einem rechtlich schutzlosen Raum befindet. Abtreibungen werden meist in dieser Phase durchgeführt.

Deutlich zeigt uns der Paragraphendschungel der SChKG, welche Widersprüche der Gesetzgeber in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen hat. Besonders das Beratungssystem ist eine „Farce“ des Abtreibungs-Paragraphen. Man gewinnt den Eindruck, der Staat wollte es allen Seiten gleichzeitig recht machen, den Lebensrechtlern ebenso wie den Abtreibungsbefürwortern; jedem ist etwas zuteil geworden  –  was aber auf Kosten der Klarheit geht.

Michael Kiworr erwähnt die Zahlen und Fristen, der eine Frau im Konfliktfall ausgesetzt ist. Er schreibt deutlich, wie wichtig eine angemessene Beratung ist. Zudem will er Mut machen zur Adoption bei schweren Konfliktsituationen. Sein Motto: Bei der Adoption darf das Kind leben!

Er geht auch auf das körperliche und emotionale Leid der ungeborenen Kinder im Tötungsfall ein. Eine Abtreibung geschieht ohne Schmerzlinderung für das betroffene Baby.

Die folgenden Lebenswochen des ungeborenen Kindes schildert Dr. Kiworr als besonders schön für Mutter und Kind. Wunderbare Bilder aus dem Mutterleib unterstreichen diese Zeit. Ich finde, auf diesen Seiten sind besonders faszinierende Fotos zu sehen.

Der Embryo wächst schnell und der Autor beschreibt detailgenau, wie sich alles weiterentwickelt. Das Kind hört bereits und schlägt gleichsam Purzelbäume im Zustand einer Art von Schwerelosigkeit.

Auf den Seiten 121 werden die Gefahren der Pränataldiagnostik erörtert. Michael Kiworr schildert einfühlsam die Sorgen und Nöte der Eltern, wenn diese ein krankes oder behindertes Kind erwarten. So manche Eltern sagen: „Hätte ich es doch vorher nicht gewusst.“

Somit gibt es  – und Dr. Kiworr bestätigt es  –  ein Recht auf Nichtwissen. Eine 100% Sicherheit besteht auch bei der Diagnostik nicht. Zudem kann nicht alles therapiert werden.

Er beschreibt genau die verschiedenen Untersuchungsmethoden der Pränataldiagnostik und gibt in seinem Buch Entscheidungshilfen, sich für das Lebensrecht zu entscheiden, indem er das behinderte Kind als eine Art Lebensbereicherung darstellt.

Dr. Kiworr setzt immer wieder auf ein gutes Beratungsteam; einige Pro-Life-Beratungsstellen werden im Anhang des Buches mit Internet-Adressen angegeben; zudem bietet das Buch eine gute Literaturauswahl.

Auf den letzten Seiten schildert der Autor den Endspurt bis zur Geburt: Über-lebensfähig!  – Es ist bewegend zu erfahren, wie sich nun alles beim Kind für ein Leben außerhalb des Mutterleibes vorbereitet. Mit erstaunlichen Zahlen wird der Leser mitgenommen in das schnelle Wachstum. Durch die Senkwehen bekommt das Kind sozusagen den kleinen Stresstest im Mutterleib, um ein paar Wochen später das Licht der Welt zu erblicken.

Leider kann es noch zu Spätabtreibungen kommen, wenn die sogenannte „medizinische Indikation“ vorliegt (gesundheitliche bzw. seelische Schäden für Mutter und/oder Kind.) Einerseits besteht das Risiko einer Frühgeburt, andererseits die Gefahr einer furchterregenden Spätabtreibung.

Fazit: Es ist ein erfreulich informatives Buch, das die Leser auf den neusten Stand der Untersuchungsmethoden bringt; zudem zeigt es sehr eindrucksvolle Bilder und bietet lebensbejahende Aussagen von Dr. Kiworr.

Eine kleine Kritik sei angemerkt: Obwohl der Autor anfangs deutlich über seine Wortwahl zugunsten des Lebens schreibt, musste ich feststellen, dass sich dies nicht immer konsequent im Buch fortsetzt; so heißt es z. B. auf Seite 126: „Oder aber die Eltern entscheiden sich gegen das Kind mit dieser Erkrankung, gegen die Fortführung der Schwangerschaft und brechen diese ab.“

Meiner Meinung nach sollte der Ausdruck „Abbruch“ einer Schwangerschaft grundsätzlich vermieden werden, denn dieser Begriff suggeriert dem Leser, man könne die Schwangerschaft später wieder aufnehmen; sie wird aber nicht nur „abgebrochen“, sondern endgültig beendet und das Kind getötet.

Ich wünsche dem Autor eine weite Verbreitung dieses fundierten Buches. Wir werden es gern an unseren Lebensrechts-Infoständen in Rheine bereitlegen.

Erstveröffentlichung dieser Besprechung in der Zeitschrift „Theologisches“ (Dez. 2017)


Neuerscheinung würdigt Leben und Wirken von Erzbischof Johannes Dyba

Rezension des Buches „Der Löwe von Fulda“

Dank und Anerkennung dem KOMM-MIT-Verlag in Münster für diese treffliche Anthologie. Es gelang der Herausgeberin Felizitas Küble, bedeutende Persönlichkeiten aus dem Wirk- und Lebenskreis des vor 15 Jahren verstorbenen Erzbischofs als Autoren zu gewinnen.  Fürs CF verwenden

Schon das exzellente Grußwort der Gräfin Johanna von Westphalen  – seit 17 Jahren Bundes- bzw. Ehrenvorsitzende der CDL (Christdemokraten für das Leben) – erweist sich als meisterliche Würdigung dieses Kirchenmannes.

Es kann hier nicht der Ort sein, die kenntnisreichen Aspekte der zahlreichen Verfasser einzeln zu schildern. Die Wiedergabe der Erlebnisse und Eindrücke einiger Zeitgefährten, die den Tenor des Ganzen treffen, mag bereits erhellend sein. Aus der Lektüre und Rekapitulation aller Beiträge formt sich ein geistiger Kristall, dessen durch das Leben geschliffene Facetten in den zahlreichen Beiträgen immer neu aufleuchten:

Pastor Dr. Joachim Cochlovius aus der bayerischen evangelischen Landeskirche stimmt mit dem „Löwen von Fulda“ überein beim kompromißlosen Einsatz für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder.

Reinhard Dörner, Dipl.-Theologe und Germanist, betrachtet Erzbischof Dyba und Kardinal von Galen als „aus gleichem Holz geschnitzt“. Er zitiert einen aus der deutschen Bischofskonferenz kommenden Tadel an Dyba: „Johannes, seitdem Du hier bist, gibt es Streit.“

Besonders wertvoll ist der Beitrag seiner Schwester Barbara Dyba-Roth; sie kennt ja ihren Bruder Johannes von klein auf und setzt ihn gegenwärtig in seinem fröhlichen Naturell, seinem unbeugsamen Glauben, seinem steten Blick auf das Wesentliche. Von Schmerz getroffen, muss sie erfahren, dass seine Prophezeiungen sich bewahrheitet haben (z.B. zunehmende Abtreibungen und ihre Bagatellisierung, wachsende Tendenzen zur Euthanasie).

Gabriele Kuby, bedeutende Soziologin und Konvertitin, schreibt: „Erzbischof Dyba wollte das Antlitz der Kirche wieder zum Leuchten bringen…, sie vom Schmutz reinigen. Er wußte, dass er dafür eine  „kritische Masse“ von vielen kleinen Heiligen braucht, die den Weg der Umkehr tatsächlich gehen.“

Die Lektüre dieses Buches kann gerade auch in unseren Tagen einen Anstoß zur Umkehr bewirken.

Buch-Daten: Der Löwe von Fulda: Ökumenische Würdigung eines guten Hirten.  –  Herausgeber: Felizitas Küble, KOMM-MIT-Verlag in Münster, 208  Seiten, Umschlag: Hardcover, vierfarbig, zahlreiche Fotos, ISBN: 978-3-921090-98-5

Bestellungen bitte an KOMM-MIT-Verlag (48041 Münster, Postfach 7680), per Tel. 0251 – 616768, Fax 0251-614020 oder E-Mail: felizitas.kueble@web.de
Einzelpreis je 14,80 €  –   Mengenrabatte: ab 4 Expl. je 13,80 €  –   ab 10 Expl. je 11,80 €

Weitere INFOS über diesen Gedenkband hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/12/08/loewe-von-fulda-dyba-gedenkband-erinnert-an-einen-grossartigen-hirten/

Der Autor dieser Besprechung ist Gymnasiallehrer im Ruhestand und unserer Redaktion persönlich bekannt.


„Endlich zuhause“ – ein bewegender und theologisch informativer Konversionsbericht

Buchbesprechung von Ingo Potthast

Die Schilderungen in dem Buch „Endlich zuhause“ sind zum Teil sehr interessant, vor allem weil sie Einblicke in die Gepflogenheiten von Glaubensgemeinschaften gewähren, die vielen Katholiken unbekannt sein dürften. Erfrischend auch die klaren lehramtstreuen Aussagen von Herrn Jordan, der diese nach seiner Reise durch das „Dickicht der Konfessionen“ in ihrer Klarheit umso mehr zu schätzen weiß. Volker Jordan, Endlich zuhause

Geradezu betroffen macht am Ende sicherlich das Schicksal von Volker Joseph Jordan (1972 – 2013), der nach einer schweren Krebserkrankung schon so früh verstarb. Man fragt sich unwillkürlich: Warum musste dieser junge Mann, der so viele Erfahrungen mit kirchlichen Gemeinschaften/Konfessionen gesammelt hatte und sicher ein treuer Fürsprecher für die katholische Kirche (und hier vor allem für den lehramtstreuen Flügel) hätte werden können, so früh von uns gehen?

Umso erfreulicher ist es, dass uns mit diesem Buch gewissermaßen ein „literarisches Erbe“ von Herrn Jordan geblieben ist. Das Buch könnte durchaus einen wichtigen Einfluss auf die Apologetik im Allgemeinen und auf (angehende) Konvertiten im Speziellen haben. Somit ist „Endlich zuhause“ in jedem Fall ein Gewinn.

Bisweilen ist es jedoch nicht ganz einfach, den Ausführungen von Herrn Jordan zu folgen, weil seine Aussagen oft in komplizierten Satzkonstruktionen verpackt sind – lange Aussagen mit verschachtelten Nebensätzen und Einschüben in Klammern oder Parenthesen… Da muss der eine oder andere Satz erst zweimal gelesen werden, bevor man ihn versteht. In einer möglichen weiteren Auflage wäre es wünschenswert, die langen Mammutsätze in mehrere kürzere Sätze zu unterteilen und einige Passagen etwas „leserfreundlicher“ zu gestalten.

Der Werdegang von Herrn Jordan ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch nicht ganz leicht nachzuvollziehen. Von daher wäre es wünschenswert, dass in der Abfolge der Fragen und Antworten noch viel strikter eine chronologische Abfolge eingehalten worden wäre. Es ist im Laufe des Buches nicht immer ganz klar, in welchem Stadium seiner Entwicklung (was kam vorher, was kam nachher?) und in welchem Zeitraum (Jahreszahlen) man sich gerade befindet; Zwischenüberschriften würden da vielleicht auch helfen.

Volker JordanBeispielsweise wird zum Einstieg erst über sehr viele Seiten hinweg über verschiedenste Aspekte gesprochen und erst viel später, irgendwann in der Mitte des Buches, geht es um seine religiöse Prägung von zu Hause und seine Odyssee durch die verschiedenen Konfessionen und Gemeinschaften. Darauf müsste schon viel früher im Buch eingegangen werden.

Ein wenig enttäuschend ist der Schluss des Buches in seiner jetzigen Form, d. h. den Hauptteil mit dem Interview. Es gibt auf den letzten Seiten einige sehr interessante Passagen über Tod und Leiden, die nicht zuletzt auch durch die persönliche Situation von Herrn Jordan (siehe Foto) und seiner schweren Erkrankung durchaus zu Herzen gehen. Mit den Gedanken zu diesem Thema hätte der Interviewteil des Buches auch schließen sollen.

Stattdessen werden noch zwei Fragen nachgeschoben, die den Eindruck erwecken, als hätten sie nirgendwo anders dazwischen gepasst und seien deshalb ans Ende bugsiert worden. Der Hauptteil des Buches endet dann ganz unspektakulär mit einer ziemlich langen Aufzählung von Autorennamen – und da ist dann Schluss. Das ist etwas unbefriedigend, vor allem, wenn einem diese ganzen Namen überhaupt nichts sagen. In Anbetracht der beiden zuletzt genannten Kritikpunkte würde das Buch also von einer veränderten Anordnung der Fragen und Antworten mit Sicherheit profitieren.

HIER finden Sie über 20 weitere Beiträge und Besprechungen über dieses Buch: https://charismatismus.wordpress.com/category/konvertit-volker-jordan/


Ein Jugendroman über Literatur und Liebe

Von Susanne Habel

Jaromir Konecny begann seine Autoren-Karriere in den neunziger Jahren in München. Der gebürtige Prager wuchs als lesebegeistertes Kind in Ostrava (Mährisch Ostrau) auf und war als Metallarbeiter, Schiffsmeister und Chemiker tätig.

Seine Erfahrungen als revoltierender und systemkritischer Teenager in der damals kommunistischen Tschechoslowakei fließen immer wieder in seine Bücher ein, ebenso wie seine Erlebnisse als freiwilliger Emigrant im Westen, wo er sich über Lektüre die deutsche Sprache „erlas“.

BILD: Der Autor Jaromir Konecny bei einer Lesung in München (Foto: Susanne Habel)

Seine Liebe zur Literatur und Faszination von Vortragskunst fühlt man lebendig in „Herz Slam“ schlagen, das er letzte Woche auf der Frankfurter Buchmesse 2015 vorstellte.

Konecnys fünfzehntes Buch ist ein Jugendroman über Sprache und Liebe, Freundschaft und Schüchternheit. Und die Protagonisten des Buches sind auch fantastische Identifikationsfiguren für jugendlichen Leser und Schreiber:

Die 16jährige, eher schüchterne Ich-Erzählerin Lea möchte Dichterin werden. Sie fährt mit ihrer selbstsicheren Freundin Sofie zu einer Projektwoche für Poetry Slams auf ein fränkisches Schloss. Poetry Slams sind eine Art Dichterwettstreit, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum künstlerisch vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den oder die Sieger.

Bei dem Kurs, diese Kunst besser zu erlernen, treffen die beiden Gymnasiastinnen Lea und Sofie auf gleichgesinnte Textschreiber, die allerdings teilweise aus Hauptschulen kommen: Ein Kampf der beiden Kulturen beginnt. Moderierend eingreifen muss gelegentlich der tschechische Kursleiter Ivo – ein Alter Ego des Autors – oder das eher hilflose Lehrpersonal.

Lea verliebt sich schnell, Sofie auch; man intrigiert, arrangiert, malträtiert und verliert sich in der kleinen Schreiberschar. Es wird viel gesimst, gemailt, gelikt und gelitten, bis zum Schluss. Beim Finale in Würzburg gibt es drei Sieger und auch sonst unter den Teilnehmern nur Gewinner, die Vorurteile ablegen und an Wortgewandtheit zulegen konnten.

Für jeden Teenager ist das Buch ein Lesevergnügen. Für die ältere Generation bietet es sicher eine hilfreiche Erinnerung an die eigenen Gefühle als Backfisch, aber auch eine gute Einführung in die digitale Jugendwelt.

Buch-Daten: Jaromir Konecny: „Herz Slam“. Ravensburger-Buchverlag, Ravensburg 2015; 384 Seiten, 12,99 Euro, E-Book für Kindle 10,99 Euro. (ISBN 978-3473401314)

Unsere Autorin Susanne Habel ist Redakteurin und Journalistin; sie wohnt in München.


„Die Jungen von Nain“ sind begeistert von Christus, dem Messias

Eine Besprechung von Cordula MohrIMG_2265

Ich habe diese christliche Erzählung von Günter Mayer in meiner Urlaubszeit gelesen. „Die Jungen von Nain“ ist ganz bewusst ein Kinder- und Jugend-Buch, das auf ansprechende Art geistige Entspannung vermittelt und auch eine gesunde Ablenkung vom Alltag mit den schrecklichen Meldungen aus aller Welt bietet. Von daher eignet sich dieses Buch auch für Erwachsene.
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Man wird durch diese biblisch geprägte Geschichte regelrecht in die Zeit Jesu hineinversetzt. Der Autor erklärt in seinem Buch zugleich die damaligen Sitten und Gebräuche. Auch die Reisen der Apostel und ihrer Gefährten werden aufgezeigt. Einige Landschaftskarten von damals dienen zur Anschauung.
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Besonders beeindruckt hat mich die Begeisterung der beiden Jungen von Nain: Kleopas, der durch ein Wunder Jesu wieder zum Leben erweckt wurde  – und sein Freund Eutychus. Die Frage der damaligen Juden und auch dieser Jungen lautete: „Ist das der Messias, der kommen soll?“ index
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In dem Buch wird das gläubige Streben nach der Wahrheit und das hoffnungsvolle Warten auf den Messias sehr deutlich.
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Aus meiner Sicht ist es ein hervoragendes Buch für Jungen und Mädchen im Alter von 9 – 13 Jahren. Die biblischen Geschichten werden kindgerecht nachvollzogen und spannend in das damalige Leben vor über 2000 Jahren eingewebt.
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Auch die Konflikte mit den Synagogenvorstehern  werden angesprochen  – und der Leser spürt regelrecht, wie Jesus nach dem Wunsch vieler Machthaber unbedingt aus dem Leben vieler Juden verschwinden sollte. Auf der anderen Seite steht die Begeisterung der Jungen von Nain, ihr unbeirrbarer Glaube an dem Messias, zumal sie das Glück erlebten, ganz nah bei IHM sein zu dürfen.
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Das Buch ist überkonfessionell einsetzbar, auch wenn der Verfasser katholisch ist, denn es geht hier darum, daß den Kindern die Evangelien und die Apostelgeschichte altersgemäß nahegebracht wird; es ist eine lehrreiche Erzählung zur Vertiefung unseres christlichen Glaubens. Viel Freude beim Lesen!
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DIE JUNGEN VON NAIN kann portofrei für 9,95 € bei uns bestellt werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)
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Unsere Autorin Cordula Mohr ist katholische Familienmutter (drei Kinder) und Vorsitzende der „Aktion Lebensrecht für alle“ (ALfA) im Regionalverband Rheine
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Hier eine Übersicht zu weiteren Büchern von Günter Mayer: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/27/fundierte-sachbuecher-und-spannende-jugendliteratur-von-guenter-mayer/

Kritik an der Banken- und Finanzwelt: „Markt ohne Moral“ von Susanne Schmidt

Rezension von Dr. Bernd F. Pelz

Das Buch“Markt ohne Moral“ von Susanne Schmidt reiht sich ein in die Bücher der Sorger und Sachverhaltsbeschreiber. Es ist, wie die Autorin sagt, ein persönliches Buch und reflektiert den Sachverstand und Durchblick einer ehemaligen Bankangestellten. index

Für nicht im Bankenbereich Tätige sind die Beschreibungen trotzdem durchaus illustrativ für Vorgänge und Verhaltensweisen innerhalb der Banken- und Finanzwelt, und als solche auch lesenwert: ein subjektiver Einblick in eine fremde Welt.

Was die Vorschläge zur Änderung der Verhaltensweisen im Finanzbereich und in der Politik angeht, so bleiben sie im Allgemeinen stecken, wie „Wir müssen von allen Beteiligten Augenmaß und Courage einfordern.“

Auch wenn der angesprochene Veränderungsbedarf in den Bereichen: Begrenzung des Moral Hazard, Nachhaltigkeit, Schattenbankensystem, Vergütungssysteme, Rolle der Ratingagenturen, systemische Regulatorien, und die Frage nach einer sinnvollen Größe des Finanzmarktes durchaus nachvollziehbar ist, so bleiben die Antworten der Autorin mangels tiefer gehender Einsicht in die Steuerungsmechanismen der Finanzindustrie allgemeine Aufforderungen, und an der Oberfläche.

Ergänzend hier noch ein Auszug aus dem Nachtrag der Autorin von 2011:

„Wir befinden uns im Jahr drei nach der Lehman-Pleite. Sie war der Tropfen, der das Fass mit dem Giftmüll zum Überlaufen brachte. Auch wenn viele Banken, nicht wenige Politiker und ein großer Teil der Bevölkerung inzwischen zum »business as usual« übergegangen sind, werden uns die Folgen der Finanzkrise noch lange begleiten. euros

Die Euro-Krise legt schon jetzt davon Zeugnis ab. Doch auch andere hochverschuldete Staaten könnten plötzlich in einen Krisensog geraten, die hässliche Situation einer Stagflation ist nicht auszuschließen und das globale Finanzsystem weist immer noch viele gefährliche Schlaglöcher und unbeleuchtete Baustellen auf.

Wir als Bürger und Steuerzahler sind trotz der Zeit, die seither vergangen ist, kaum besser vor einer neuen Finanzkrise geschützt, als wir das vorher waren. Sicherlich, es gibt neue Regeln, und sie weisen auch in die richtige Richtung, aber sie sind zu zahm, zu lax, letztlich Kleckerkram.

Mir scheint, die Bankenlobby hat sich behauptet. Und sie wird sich auch in Zukunft durchsetzen – es sei denn, wir würden noch einmal in eine so entsetzliche globale Krisensituation geraten. Dann könnte es sein, dass sich die globale Politik endlich zu einem gemeinsamen Vorgehen entschließt.

Das Bankwesen in seiner jetzigen Form würde eine neuerliche Krise möglicherweise nicht überleben. Weitere Verstaatlichungen, mehr Bürokratie, erhebliche Politisierung, weniger Effizienz wären die Folgen – und all das wäre durchaus nicht wünschenswert.

Deshalb müssen sich die Politiker und Aufsichtsbehörden weiterhin intensiv mit der Neuregulierung des Finanzwesens und der Finanzmärkte beschäftigen und ihre nationalen Egoismen hintanstellen. Sonst scheint die nächste Krise multinationalen, möglicherweise globalen Ausmaßes unabwendbar. So weit dürfen wir es nicht kommen lassen. Es steht zu viel auf dem Spiel.

Wir als Bürger müssen weiter Druck auf unsere Politiker ausüben. Die Finanzmärkte und das Problem der Neuregulierung des Finanzwesens sind und bleiben, aller beruhigenden Worte zum Trotz, von vitaler Bedeutung für jeden Einzelnen und für uns alle gemeinsam.“