Kardinal Marx und sein unlöblicher Versuch, sich selbst aus der Verantwortung zu stehlen

Peter Bringmann-Henselder vom Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln übt scharfe Kritik am Rücktrittsersuchen von Kardinal Marx. „Eines muss man Kardinal Marx lassen: Er hat den Medien jetzt eine Steilvorlage geliefert, die schon seit geraumer Zeit den Wettbewerb austragen: ‚Wer schafft es, dass Woelki zurücktritt’“, sagt er in einem Interview der katholischen Zeitung „Tagespost“.

Das Rücktrittsangebot von Marx sei „Wasser auf die Mühlen der Medien, die sich an Woelki abarbeiten und nicht müde werden, ihn in ein schlechtes Licht zu rücken“. 

Es werde dabei „geflissentlich übersehen, dass Woelki der erste war, der einen Betroffenenbeirat eingerichtet und 2018 versprochen hat: ‚Ich kläre auf!‘ Und mit dem Gercke-Gutachten hat er bewiesen, dass es ihm damit ernst ist. Kein anderes Bistum hat bisher ein solch umfassendes Gutachten vorgelegt, das für jeden Interessierten ungekürzt und ungeschwärzt einsehbar ist“, so Peter Bringmann-Henselder weiter.

Er kritisiert Kardinal Marx, weil er sich mit dem Rückzug gerade nicht der Aufarbeitung und der Aufklärung „und den richtigen Schritte zur Vermeidung“ von Missbrauchstaten stellen würde: „Er zieht sich zurück und lässt andere die Drecksarbeit machen“.

Er fragt sich, ob der Rücktritt von Kardinal Marx die anstehenden Probleme wohl lösen:

„Eher nicht, er stiehlt sich aus der Verantwortung. Er überlässt seinem Nachfolger diese heikle Aufgabe. Selbst das von ihm angekündigte neue Gutachten, was im Sommer dieses Jahres vorgelegt werden soll, will er nicht selbst präsentieren.

Woran könnte das liegen? Wird er in diesem Gutachten womöglich der Vertuschung überführt? Will er nicht in den Strudel der negativen Presse geraten, wie es Kardinal Woelki erfahren hat und noch immer erfährt? Stößt ihm selbst auf, dass er im Laufe der letzten Monate mit eingestimmt hat in die Kritik an Woelki, der lieber ein neues Gutachten anfertigen ließ, als mit dem ersten Gutachten eine Bauchlandung hinzulegen?“

Zum Interview in: „Die Tagespost“

Quelle: https://www.kathnews.de/er-laesst-andere-die-drecksarbeit-machen


Kritik an Aussetzen des Betroffenenbeirats

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ihren Betroffenenbeirat ausgesetzt, der an der Aufklärung von Missbrauchsfällen mitarbeiten sollte. Laut EKD sei das Konzept gescheitert und es werde nach anderen Möglichkeiten gesucht, Betroffene zu integrieren.

Die Gym­na­si­al­leh­re­rin Katharina Kracht, eine der Betroffenen, sieht das anders. „Wir in­ter­pre­tie­ren es als den Ver­such, uns auf­zu­lö­sen. Und da­mit geht es mir schlecht. Es ist fürch­ter­lich, dass die EKD die Sa­che trotz vie­ler War­nun­gen an die Wand ge­fah­ren hat“, sagte sie im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit.

Zusammen mit Henning Stein, Pa­tho­lo­ge im Uni-Kli­ni­kum Köln und Vater eines Missbrauchsopfers, schilderte die 47-Jährige ihre Sicht der Dinge. Der Vater glaubt auch Aussagen des EKD-Miss­brauchs­be­auf­trag­ten Bi­schof Chris­toph Meyns nicht, wonach das Ausmaß des Missbrauchs nicht mit dem in der katholischen Kirche vergleichbar sei. Der Ul­mer Kin­der­psych­ia­ter Jörg Fe­gert habe in ei­ner Stu­die ge­zeigt, dass die Zahl der Be­trof­fe­nen et­wa gleich sei.

„Die Kir­che kann die Wahr­heit schwer ak­zep­tie­ren, dass sie ein Ort schwers­ter Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen war und ist. Wir als Be­trof­fe­ne ver­kör­pern die­se Wahr­heit. Des­halb ha­ben wir bei Kir­chen­hier­ar­chen ein Ak­zep­tanz­pro­blem“, sagte er.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.pro-medienmagazin.de/sexueller-missbrauch-ist-nichts-unwahrscheinliches/

Gemälde: Evita Gründler


Sexueller Missbrauch: Betroffene kritisieren mangelnde Aufarbeitung in der EKD

Medienberichten zufolge beschweren sich Betroffenen-Initiativen in der evangelischen Kirche zunehmend darüber, daß die öffentliche Debatte und Presseschlagzeilen sich fast ausschließlich mit der Missbrauchsthematik in der katholischen Kirche beschäftigen.

Dadurch würden Opfer, die sexuellen Missbrauch innerhalb des Protestantismus erlebten, nicht ausreichend ernst genommen, denn die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) fahre immer noch „im Windschatten“ der katholischen.

Nicht zuletzt aus diesem Grunde sei man in der katholischen Kirche stärker mit der Aufarbeitung vorangekommen.

Am 1. Mai 2021 hatte eine Angehörige des Betroffenenbeirats der EKD, Katharina Kracht, ihre Kritik an der mangelnden Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in evangelischen Landeskirchen erneuert. Die EKD müsse „aufhören, immer nur mit dem Finger auf die Katholiken zu zeigen“, sagte sie auf einer Online-Pressekonferenz.

Die katholische Kirche stehe zwar zu Recht in der Kritik, aber „die evangelische Kirche steht zu Unrecht nicht in der Kritik.“ – Bei der Aufarbeitung liege sie zudem weit zurück.

Von „schweren Vorwürfen“ des Betroffenenbeirats berichtet auch das offiziöse Portal „Evangelisch.de“:

„Rund ein halbes Jahr nach dem Start haben Mitglieder des Betroffenenbeirats der evangelischen Kirche eine mangelnde Beteiligung von Opfern in die Aufarbeitung von Missbrauch vorgeworfen. Betroffene würden nur unzureichend in Beratungen eingebunden, es fehle an Information und Partizipation, sagte Gremiumsmitglied Katharina Kracht.

Die EKD habe ihr Versprechen einer Aufarbeitung „auf Augenhöhe“ nicht eingehalten, beklagte sie.

Bild: Evita Gründler