Wir trauern um einen Freund und Mitstreiter: Prof. Dr. Walter Hoeres

Von Felizitas Küble

Schon seit Anfang der 80er Jahre  kennen und schätzen wir den katholischen Philosophen Dr. Walter Hoeres aus Frankfurt am Main. Der Professor hielt damals Vorträge zu philosophisch-theologischen Grundsatzfragen für Jugendliche und junge Erwachsene, die von dem Schweizer Bankier und Autor Adolf Povel organisiert wurden. 2

Bereits damals bewunderte ich das Talent dieses charakterlich vornehmen und humorvollen Gelehrten, anspruchsvolle Inhalte auch dem „Laien“, ja sogar einem jugendlichen Publikum verständlich und anschaulich zu vermitteln. Er kannte grundsätzlich keine „dummen“ Fragen, sondern reagierte auf alle Einwände und Rückfragen freundlich und manchmal etwas verschmitzt.

Professor Hoeres, der sich auch im Rundfunk zu philosophischen Themen äußerte, ist am gestrigen Donnerstag, den 14. Januar 2016, im hohen Alter von 87 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.

Als der Gründer unseres KOMM-MIT-Verlages und des Christoferuswerks, Günter Stiff, mit 86 Jahren von Gott in die Ewigkeit heimgerufen wurde, kam von Prof. Hoeres ein besonders positiver und bewegender Kondolenzbrief: er schrieb derart begeistert über unseren Verlagsleiter, daß er sogar die kirchliche Seligsprechung für ihn erhoffte. 

Bekannt und geschätzt war der an der Hochscholastik bzw. an Thomas von Aquin orientierte Philosoph auch durch seine regelmäßigen Beiträge und Glossen in der Zeitschrift „Theologisches“, die sich bisweilen kritisch mit innerkirchlichen Zerfallserscheinungen befaßten. Er gehörte zugleich der Fördergemeinschaft an, welche das „Theologische“ herausbringt.

Schon 1969 hatte der tiefgläubige Familienvater u.a. mit Pfarrer Hans Milch die „Bewegung für Papst und Kirche“ gegründet, die sich vor allem gegen den Progressismus in der Theologie wandte und die zeitlosen Fundamente des kath. Glaubens betonte. Aus dieser Initiative entstand die Monatszeitschrift „Der Fels“, die seit längerem und bis heute von unserem Autor, Prof. Dr. Hubert Gindert, geleitet wird.

In Leserbriefen äußerte sich Prof. Hoeres auch zu aktuellen Problemen, beispielsweise hier zur Flüchtlingsdebatte: https://charismatismus.wordpress.com/2015/10/26/naechstenliebe-kommt-vor-fernstenliebe-zuerst-den-verfolgten-christen-helfen/

Der scharfsinnige und tiefgründige Philosoph war Autor profunder wissenschaftlicher Werke, veröffentlichte aber auch Bücher, die nichtakademische Leser gut verstehen konnten, etwa über liturgische Fragen. Zudem veröffentlichte er seine fundierten Artikel auch in nicht-katholischen Zeitschriften, zB. im Kulturmagazin CICERO: http://www.cicero.de/weltb%C3%BChne/wohin-wollt-ihr-mit-eurem-fortschritt/40239

„Einer der ganz großen Philosphen des 20. Jahrhunderts“

Auf seinen Tod hin erhielt er auch Würdigungen von protestantischer Seite. So schildert uns zB. der evangelische Publizist Ulrich Motte seine Eindrücke:

„Ich traf Prof. Walter Hoeres öfter in meiner Jugend. Ein sehr freundlicher, sehr gebildeter, sehr konservativer Katholik im Streit mit der großen Mehrheit seiner Glaubensgenossen.  Ein kultivierter Herr ohne jeden Snobismus.“  Konrad_Badenheuer

Der evangelische Verlagsleiter und Journalist Konrad Badenheuer (siehe Foto) schreibt über Prof. Hoeres: „Er war einer der ganz Aufrichtigen im Land und dazu ein bedeutender Denker. RIP!“

Ähnlich positiv äußert sich der Berliner Publizist und Theologe Dr. David Berger:

„Hoeres war wirklich einer der ganz großen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er hat meine Jugend und meinen ganzen späteren Werdegang geprägt, keines meiner Fachbücher, das er nicht positiv besprochen hätte. Er war ein hochintelligenter, konsequenter Denker und ist trotzdem immer Mensch geblieben – mit ganz viel Humor und Empathie.

Auch wenn er meinen späteren Weg nicht verstehen konnte, hoffe ich, dass es nicht pietätlos ist, wenn ich ihm mit den Worten jener Sprache, die er so sehr liebte, wünsche: In paradisum deducant te angeli.“ (Mögen die Engel dich ins Paradies geleiten.)

Den Angehörigen des Verstorbenen gilt unsere herzliche Anteilnahme  – und ihm selbst unser Gebet. Möge der Ewige ihm seine immerwährende Freude und Herrlichkeit schenken!

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Hoeres-Foto: http://www.spes-unica.de/