Vatikan weist synodalen Sonderweg von DBK und ZdK energisch in die Schranken

Von Felizitas Küble

Bekanntlich hat die DBK (Deutsche Bischofskonferenz) unter Leitung von Kardinal Reinhard Marx unlängst mehrheitlich beschlossen, gemeinsam mit dem ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken) einen zweijährigen „´Synodalen Prozess“ in Gang zu setzen, an dessen Ende eine Versammlung stehen soll, die verbindliche Beschlüsse zu fassen gedenkt.

Damit wäre diese Synode aber in Wirklichkeit ein Partikular-Konzil, das wiederum päpstlicher Zustimmung bedarf – und zwar nicht erst im nachhinein, sondern schon vorweg für seine Einberufung als solche.

Wohl um dieses „Handikap“ zu verschleiern, wurde der sanftere Ausdruck „Synode“ gewählt, die aber – wegen der angestrebten Verbindlichkeit ihrer Beschlüsse – sehr wohl einem (Partikular-)Konzil gleichkäme.

Das Drängen in Richtung eines deutsch-kirchlichen „Konzils“ ging natürlich vom ZdK aus, das sich nicht mit Absichtserklärungen zufriedenstellen wollte – und daher nur dann bereit war, in den „Prozess“ einbezogen zu werden, wenn verbindliche Entscheidungen für die Kirche in Deutschland getroffen werden.

Ginge es „nur“ um spezielle deutsche Anliegen der Seelsorge oder Kirchenverwaltung, wäre die Vorgangsweise schon erstaunlich genug, denn die Bischöfe sollen bei der kommenden „Synode“ ebenso viele Stimmen erhalten wie die Vertreter des ZdK, also einer selbsternannten und überdies sehr progressiven Laienvertretung (die aber nicht vom Kirchenvolk gewählt wird). Somit stände das ZdK mit den deutschen Bischöfen auf gleicher Augenhöhe.

Man fragt sich, wozu es dann eigentlich noch des bischöflichen Lehramtes bedarf? Oder wird dieses neuerdings auch von ZdK-Funktionären ausgeübt?

Aber noch viel hanebüchener ist die Tatsache, daß sich der „Synodale Weg“  – der nichts anderes als ein Irrweg ist – mit Themen befassen will, welche die ganze katholische Weltkirche betreffen, wozu also ein deutscher Sonderweg (außer mittels einer Spaltung) gar nicht möglich ist.

Dazu gehört z.B. die Sexualmoral, die Ämterfrage für Frauen oder der Zölibat.  (Die vier Aspekte lauten wörtlich: „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“  –  „Sexualmoral“  –  „Priesterliche Lebensform“  – „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“.)

Wie konnte eine starke Mehrheit der deutschen Oberhirten und Weihbischöfe überhaupt solch einen unkirchlichen „Prozess“ einleiten, also einen Weg beschreiten, der von vornherein sowohl theologische wie kirchenrechtlich als Sackgasse erkennbar war?

Immerhin gab es hierbei vier Enthaltungen, darunter der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa (er ist inzwischen im Ruhestand), sodann zwei Weihbischöfe.

Man fragt sich, ob die Versammelten vielleicht mit dem Projekt eines „Synodalen Weges“ überrascht bis überrumpelt worden sind. Vermutlich hätte es sonst mehr Enthaltungen und zudem auch klare Gegenstimmen gegeben.

BILD: Bischof Dr. Rudolf Voderholzer übte bereits deutliche Kritik am „Synodalen Prozess“ (u.a. hier: https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/Bischof-Voderholzer-warnt-vor-Protestantisierung-der-Kirche;art312,200488)

Wie dem auch sei, die bischöflichen Kritiker dieses sowohl inhaltlich wie formal höchst sonderbaren Sonderwegs haben sich offenbar – sei es einzeln oder gemeinsan –  an Rom gewandt und um Klärung und Klarstellung gebeten – und dies mit umso mehr Berechtigung, als Papst Franziskus sich zuvor auch tendenziell kritisch über den „Synodalen Weg“ geäußert hatte.

Inzwischen hat der Vatikan eindeutig reagiert – genauer gesagt: Die Bischofskongregation und der Päpstliche Rat für die Auslegung von (kirchlichen) Gesetzen.

In einem an Kardinal Marx gerichteten Brief vom 4. September 2019 schreibt Kardinal Marc Ouellet, Präsident der Bischofskongregation, dass die synodalen Pläne den Erwartungen entsprechen müssen, die sich aus dem Brief von Papst Franziskus vom Juni 2019 ergeben.

Der Präfekt betont, dass eine Synode/Plenum/Partikularkonzil nicht die allgemein gültige Lehre oder Disziplin der katholischen Weltkirche ändern kann.

Ergebnis: Eine glasklare Ablehnung vor allem der Themen bzw. Zielsetzungen, zumal sie die ganze Weltkirche betreffen  –  aber auch hinsichtlich der Tatsache, daß bei der geplanten“Synode“ eine Stimmen-Gleichheit zwischen Bischöfen und ZdK vorgesehen ist – und weitere kirchenrechtliche Unstimmigkeiten zu beanstanden sind.

Ingesamt wird der „synodale Prozess“ als kirchlich ungültig und abwegig bewertet, vor allem durch das kanonische (kirchenrechtliche) Gutachten des Päpstlichen Rates; dieser hat seine Kritikpunkte auf vier Seiten genau aufgelistet.

HIER folgt zunächst das Schreiben der Bischofskongregation, danach der abschlägige Bescheid des vatikanischen Rates:  https://dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2019/2019-09-04-Schreiben-Rom-mit-Anlage-dt-Uebersetzung.pdf

In seinem Brief an die Bischöfe in Deutschland vom Juni 2019 hatte Papst Franziskus bereits angemahnt, die Einheit mit dem universalen Lehramt der Kirche zu wahren und zu respektieren.

„Sooft eine kirchliche Gemeinschaft versucht hat, alleine aus ihren Problemen herauszukommen, und lediglich auf die eigenen Kräfte, die eigenen Methoden und die eigene Intelligenz vertraute, endete das darin, die Übel, die man überwinden wollte, noch zu vermehren und aufrechtzuerhalten“, erklärte der Pontifex warnend.

Die glaubenstreuen Katholiken in Deutschland – und weit darüber hinaus – hoffen nun, daß alle Oberhirten in Deutschland sich an die Weisungen aus dem Vatikan halten, den Brief des Papstes vom Juni endlich ernstnehmen und sich um die überfällige Evangelisierung kümmern, statt sich dem Druck progressiver Verbände vom ZdK bis „Maria 2.0“ zu unterwerfen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Regensburg: Bischof eröffnete Wolfgangswoche

Das Priesteramt und die Bedeutung der Frauen

Am Sonntag hat Bischof Rudolf Voderholzer in der Regensburger Basilika St. Emmeram die Wolfgangswoche eröffnet. Dazu wurde der Schrein des Bistumsheiligen aus der Wolfgangskrypta erhoben und von Diakonen in das Kirchenschiff getragen (siehe Foto).

Die gesamte Woche über werden Gottesdienste zu Ehren des Heiligen gefeiert, der zu seiner Zeit „vorausschauend, klug und gegen manche Widerstände“ das Bistum in die Zukunft geführt hat, wie es Bischof Voderholzer formulierte.

Die Wolfgangswoche, die von Bischof Rudolf Graber ins Leben gerufen wurde, mündet in die Feier der Priesterweihe.

Am 29. Juni wird Bischof Voderholzer im Dom St. Peter sechs Männer weihen. Ihnen wünschte der Oberhirte, dass sie ihren Dienst immer tiefer verstehen. Das Priesteramt sei keine „Machtposition“, sondern ein „Dienst an der Freude“.

„Christus hat ausschließlich Männer als Apostel berufen“ – das betonte der Regensburger Bischof in seiner Predigt. Sie vergegenwärtigen Christus in besonderer Weise. Dabei habe dies aber von Anfang an „die Bedeutung von Frauen in der Kirche nicht geschmälert“.

Bischof Voderholzer erinnerte beispielsweise an die Gottesmutter, der höchste Verehrung zuteil wird, an die Bedeutung der Frauenorden als Orte der Bildung und Erneuerung oder an Frauen wie die Regensburgerin Maria Theresia Gerhardinger, die gemeinsam mit dem späteren Bischof Wittmann Großes leistete.

Mann und Frau: „wunderbarer Zusammenklang“

All diese Beispiele zeigen, wie sich Frauen seit Beginn der Kirche mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten eingebracht haben. Sie tun dies auch heute, wie der Bischof hervorhob, wenn Frauen in Politik, Wissenschaft, caritativen Aufgaben oder im Bildungsbereich für das Evangelium wirken.

Die Beziehung Christi zu seiner Braut, der Kirche, werde vergegenwärtigt in der Ehe zwischen Mann und Frau.

Die Gegensätzlichkeit und Verwiesenheit der beiden Geschlechter bilde wie die Männer- und Frauenstimmen in der Musik einen „wunderbaren Zusammenklang, eine Symphonie“, so Bischof Voderholzer: „Nur die Frau kann den Mann zum Vater, nur der Mann die Frau zur Mutter machen.“

Lesen Sie hier die PREDIGT des Bischofs in voller Länge:

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zur Eröffnung der Wolfgangswoche am Sonntag, 23. Juni 2019:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Am kommenden Freitagabend wird der scheidende Domkapellmeister Roland Büchner zum letzten Mal in dieser Funktion in der Domstadt die Domspatzen, unseren Domchor, im Rahmen eines Konzertes dirigieren.

Anlässlich der Feier von 50 Jahre Städtepartnerschaft Regensburg Brixen wird im Audimax der Universität Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ gegeben, und die Domspatzen werden zusammen mit dem Domchor Brixen, namhaften Solisten und dem Kammerorchester Regensburg musizieren.

Die Schöpfung von Joseph Haydn gehört zu meinen Lieblingsstücken aus der klassischen Musik und ich freue mich schon sehr auf diesen Abend gegen Ende in einer ereignisreichen Wolfgangs-Woche, am Vorabend der Priesterweihe und dann der Feier von „150 Jahre Vollendung der Domtürme“.

Das Libretto dieses Oratoriums „Die Schöpfung“ orientiert sich ganz am Ersten Schöpfungsbericht aus dem Buch Genesis. Besonders beeindruckend ist, wie die Erschaffung des Lichtes in Töne umgesetzt wird. Unter den vielen bemerkenswerten musikalischen Akzenten ragt dann für mich heraus, wie Haydn die Krone der Schöpfung, den Menschen, geschaffen als Mann und Frau, musikalisch ehrt. Das Duett Adam und Eva und der Lobpreis der Ergänzung, der gegenseitigen Verwiesenheit von Mann und Frau, ihre gegenseitige Attraktivität zur Eröffnung von Geschichte bewegt mich immer wieder tief. Es ist geradezu eine Hymne auf die Schöpfung des Menschen als Mann und Frau.

Schon vom musikalischen her wird deutlich, dass es schön und gottgewollt ist, dass es nicht nur Männerstimmen, sondern auch Frauenstimmen gibt, und dass Bass und Tenor auf der einen und Alt und Sopran auf der anderen Seite einen wunderbaren Zusammenklang, eine Sym-Phonie ergeben.

Mann und Frau sind aufeinander verwiesen. Nur die Frau kann den Mann zum Vater, nur der Mann die Frau zur Mutter machen.

Man hat Haydn hin und wieder angekreidet, dass er die Schöpfung – ganz im Geiste der Aufklärung – zu optimistisch darstellt und den Bruch, der durch die Sünde die gute Schöpfung beeinträchtigt und belastet, auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander überschattet, zu wenig berücksichtigt. In der Tat wird nur ganz am Schluss des Oratoriums die Gefahr angedeutet, dass der Mensch seine Freiheit auch missbrauchen kann.

Aber das stellt den Wert und die Größe dieses Werkes nicht infrage. Denn es ist und bleibt unsere Glaubensüberzeugung, dass die Sünde die Gottebenbildlichkeit des Menschen nicht aufgehoben hat. Seiner Erlösungsbedürftigkeit kommt Gott selbst in der Menschwerdung seines Sohnes entgegen.

Das Oratorium ist eine Auslegung, eine Predigt über die Gutheit von Gottes Schöpfung als Grundlage der Geschichte des Heils. Und in dieser Schöpfung spielt die Polarität von Mann und Frau, ihre Gegensätzlichkeit und Verwiesenheit aufeinander, eine fundamentale Rolle.

In dieses Gegenüber zeichnet sich gerade auch noch einmal der Fortgang der Heilsgeschichte ein. Das Alte Testament durchzieht wie ein roter Faden die Glaubensüberzeugung, dass sich das Miteinander Gottes zu seinem Volk verhält wie die Beziehung von Braut und Bräutigam. „Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich Dein Gott über Dich“ (Jes 62,5), darf der Prophet Jesaja dem Volk Israel ausrichten.

Dieses Gegenüber wird vertieft in der Beziehung Christi zur Kirche. Christus lässt mehrfach im Evangelium erkennen, dass in ihm der Anspruch Gottes des Vaters erfüllt und er der Bräutigam des neuen Bundesvolkes ist.

Diese realsymbolische Vergegenwärtigung der Beziehung von Christus zu seiner Kirche in der Ehe zwischen einem getauften Mann und einer getauften Frau ist bekanntlich auch der Grund, weswegen die Kirche die Ehe als eines der sieben Sakramente betrachtet; also als eines der von Gott geschenkten Zeichen seiner Gegenwart und Nähe. Und weil das kirchliche Dienstamt in der Nachfolge der Apostel zuallererst in der Vergegenwärtigung dieses Voraus Christi seiner Kirche gegenüber besteht, hält sich die katholische Kirche ebensowenig wie die orthodoxe Kirche für berechtigt, von der Praxis Jesu abzuweichen, nur Männer für diese Aufgabe für geeignet zu halten.

Widerspricht dem nun aber nicht die 2. Lesung aus dem Galaterbrief, die wir gerade gehört haben? Ist nicht die darin enthaltene Aussage, es gebe nicht mehr Mann und Frau – „männlich und weiblich“ sagt die neue Übersetzung –, eine klare Weisung hin zur Öffnung der Weiheämter auch für Frauen, wo es doch nicht mehr darauf ankomme, ob jemand Mann oder Frau sei?

Doch hier gilt es, genau hinzuhören. Der Kontext des Galaterbriefes ist die Auseinandersetzung des Apostels mit dem Wunsch der Galater, wieder unter das jüdische Gesetz zurückzukehren. Ihnen gegenüber ruft Paulus das Geschenk, die Gnade der Taufe in Erinnerung. Die Taufe hebt alle soziologischen und nationalen Unterschiede auf.

In der Kirche gibt es keine Fremden und keine Ausländer. Und auch die Herrschaft des Mannes über die Frau ist abgelöst durch eine gegenseitige Unterordnung und eine gemeinsame Unterordnung unter Christus. Zielsatz des Abschnittes ist: Ihr alle seid „einer“, „unus“, nicht „eins“, ihr seid „einer in Christus“. Durch die Taufe werden wir zu einem Leib mit den vielen Gliedern auferbaut, zum Leib Christi, dessen Haupt der Herr selbst ist. Und als Getaufte sind wir zur Freiheit befreit.

Die Worte des Paulus wären missverstanden, wenn man sie so deuten würde, als habe Paulus die Geschlechterpolarität aufgehoben und die Tatsache geleugnet, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

Paulus sagt denn auch nicht: Es gebe nicht mehr Braut noch Bräutigam, oder, es gebe nicht mehr Vater und Mutter. Im Gegenteil. In anderen seiner Briefe zieht er die in die Schöpfung hineingelegte Unterschiedenheit von Mann und Frau und ihre Verwiesenheit aufeinander heran, um das Geheimnis der Liebe zwischen Gott und seiner Schöpfung, zwischen Christus und der Kirche zu verdeutlichen.

Die Zuordnung des geistlichen Dienstamtes mit seiner seinsmäßigen Aufgabe der Christusrepräsentation hat von allem Anfang an die Bedeutung von Frauen in der Kirche nicht geschmälert.

Neben Maria, der Mutter Jesu, der in der Kirche von den Uranfängen her höchste Verehrung zuteilwurde, gab es im Umfeld Jesu etliche Frauen, die ihm folgten, die ihn unterstützten und die vor allem am Karfreitag viel mutiger und treuer zu ihm standen als die Männer. Jesus hat sich über viele gesellschaftliche Schranken hinweggesetzt und einen ganz unbefangenen Umgang mit Frauen gepflegt. Wir wissen, wie ihm das nicht nur einmal zum Vorwurf gemacht wurde. Umso mehr muss es aber doch zu denken geben, dass er – das bezeugen alle Evangelien, und ich verstehe nicht, wie man das bezweifeln kann – dass er ausschließlich Männer als Apostel berufen hat. Sie sollten ihn in besonderer Weise vergegenwärtigen: Wer euch hört, hört mich. Wer auch aufnimmt mich auf und den, der mich gesandt hat.

Dies hat seinen Grund in der sakramentalen Struktur der Kirche. Noch einmal: Beim geistlichen Dienstamt geht es nicht zuerst um eine Funktion, die beliebig ersetzbar wäre, sondern um die Darstellung einer Seinswirklichkeit.

Die Kirche ist nicht eine Gewerkschaft, nicht eine Partei und auch nicht ein (gar noch monarchisches) Staatswesen, das im letzten nur eine irdische Wirklichkeit ist, eigene Zwecke und Ziele verfolgt und von gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten vertreten wird.

Die Kirche ist, wie wir es vom Apostel Paulus gehört haben, „einer“, ein Leib, der „Leib Christi“ zur Vergegenwärtigung seines Wortes und seiner heilbringenden Erlösungstat am Kreuz. In dieser Kirche gibt es verschiedene Dienste und Ämter. Und von Anfang haben Frauen sich in der Kirche mit all ihren Gaben und Fähigkeiten eingebracht. Soziologisch gesehen haben Frauen in der Antike und im Mittelalter vor allem durch die Kirche Entfaltungsmöglichkeiten bekommen.

Der Stand der Witwen etwa bot Schutz vor der im römischen Reich selbstverständlichen Wiederverheiratungspflicht. Die Frauenorden waren über die ganze Geschichte hinweg Orte der Bildung und der Innovation gerade auch in gesellschaftlichen Entwicklungen. Wer hat denn das Krankenpflegewesen, das Kindergartenwesen, die Mädchenschulen usw. erfunden?

Ich erinnere hier nur an die selige Mutter Maria Theresia Gerhárdinger, eine Stadtamhoferin. Zusammen mit dem späteren Bischof Wittmann hat sie wahrhaft Großes geleistet und gezeigt, wie die verschiedenen Dienste und Ämter in der Kirche zusammenwirken, wenn sie sich nicht in eine ungeistliche und unfruchtbare Konkurrenzsituation hineindrängen lassen, sondern im Hören auf Gottes Wort zum Heil der Menschen arbeiten.

Und so gibt es auch heute in der Politik, in der Wissenschaft, im Bildungsbereich, im sozialcaritativen Bereich, usw. usw. eine Fülle von Aufgaben, in denen wir in der Verschiedenheit und im Reichtum der unterschiedlichen Begabungen und Charismen für das Evangelium wirken können und wo gerade auch Frauen ihre Begabungen einbringen können.

Im Blick auf das geistliche Dienstamt, das ja beileibe nicht allen Männern, sondern den von Christus berufenen, zukommt, schärft uns das heutige Evangelium ein:

Es geht zuallererst um das Zeugnis. Petrus als exemplarischer Jünger bekennt Jesus als den Messias Gottes. Das Einstehen für den Glauben und das Bekennen des Glaubens an den gekreuzigt-auferstandenen Herrn ist erste und wichtigste Aufgabe. Dass dies nicht unbedingt der Selbstverwirklichung dient und einem nicht in erster Linie Beifall und gesellschaftlichen Ruhm einbringt, dafür gibt es tagtäglich Beispiele.

Und der Herr sagt es ausdrücklich: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst und nehme er sein Kreuz auf sich.

Deutlicher kann das Besondere und Spezifische des Christseins und der Kirche nicht zum Ausdruck gebracht werden. Sich ganz in den Dienst Christi stellen, und ihn mit seiner ganzen Existenz bezeugen, das ist der Anspruch an die, die zum apostolischen Dienst gerufen sind. „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.“

In dieser Woche bereiten sich sechs Diakone auf die Priesterweihe vor.

Nehmen wir sie ins Gebet, dass sie das Amt, das ihnen übertragen wird, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi immer tiefer verstehen lernen und ausüben, nicht als Machtposition, sondern als Dienst an der Freude, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi, des Bräutigams seiner Kirche, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi als Haupt des „einen“ Leibes, der die Kirche ist in ihren vielen Gliedern, die alle berufen sind, Männer und Frauen, den Armen sein Evangelium zu verkünden, Amen.

Quelle: Bistum Regensburg

 


Regensburg: Geschichts-Museum bietet einen Riesen-Spiegel für die Domtürme

Nach vier Jahren Bauzeit wurde am 4. Juni 2019 das Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg eröffnet.

Für alle Passanten und Besucher gibt es ein besonderes Highlight: ein 80 Quadratmeter großes Fenster, das sich in Richtung der Altstadt öffnet. Darin spiegelt sich der Regensburger Dom mit seinen weit in die Höhe ragenden Türmen (siehe Foto).

Ein „Domfenster“ also, das schon Architekt Stefan Traxler gegenüber der Süddeutschen Zeitung derart betitelte, und der größte jemals gebaute Spiegel für gotische Kirchtürme.

Die Kathedrale wird damit zum „wichtigsten Exponat der Ausstellung“, sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

Die architektonische Idee zum Domfenster war bereits in den Konzepten des Museums angelegt: „Ein Highlight ist das Domfenster, eine riesige Öffnung, die sich wie ein Trichter zum Dom hin ausrichtet.“ (Quelle: https://www.hdbg.eu/museum/web/index.html [21.5.2015].)

Besonders passend: In diesem Jahr feiern die Domtürme ein Jubiläum. Sie wurden vor 150 Jahren vollendet und sind seitdem das Wahrzeichen Regensburgs. Die beiden Kreuzblumen, mit denen die Türme gekrönt sind, „segnen“ die Stadt und alle ihre Bewohner vom höchsten Punkt her.

Der Regensburger Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer und der evangelische Regionalbischof Weiss haben das Haus der Bayerischen Geschichte gesegnet. Hier die Ansprache von Bischof Voderholzer:

Lieber Herr Ministerpräsident Söder,
Königliche Hoheit Herzog Franz,
lieber Hausherr Dr. Loibl, liebe Festgäste!

Gerne kommen wir Ihrer Bitte nach, das neue Haus der bayerischen Geschichte nach altem jüdischem und christlichem Brauch bei seiner Eröffnung auch zu segnen. Der Segen ersetzt nicht den Blitzableiter, die Brandmeldeanlage oder die Hausratversicherung.

Der Segen ist Ausdruck des Glaubens, dass sich die wichtigsten Dinge im Leben überhaupt nicht versichern lassen, dass das, worauf es wirklich ankommt, weder gemacht noch erzwungen werden kann, und dass das wahrhaft Wertvolle nicht gekauft werden kann, weil es unbezahlbar ist:

Echter und dauerhafter Friede, ein gutes Arbeitsklima, Schutz vor Naturkatastrophen und manches mehr.

Der Segen ist Ausdruck des Glaubens, dass die wichtigsten Dinge im Leben Gabe sind, Geschenk, gratis gewährt vom Geber alles Guten, dem Schöpfer Himmels und der Erde. Sein Wort gibt Orientierung, weist den Weg zu einem erfüllten Leben, sagt uns Zukunft und Würde zu.

Dieser Glaube hat unsere bayerische Heimat geprägt.

Für diesen Glauben steht das wichtigste Exponat ihrer Ausstellung, die Domtürme des Regensburger Domes, auf die hin – ganz bewusst – sich das Haus der Bayerischen Geschichte öffnet, und die auf diese Weise hereingeholt werden.

Vor exakt 150 Jahren als Gemeinschaftswerk von Bischof, König und Ingenieurskunst vollendet, lenken sie wie zwei steinerne Zeigefinger unsere Blicke und unsere Herzen nach oben.

Von dort her erbitten wir den Segen für dieses Haus, für alle, die darin arbeiten, und für alle, die es besuchen: Gott mit Dir, du Land der Bayern!

Quelle: Bistum Regensburg (Julia Wächter) – 1. Foto: Gabriel Weiten


Regensburger Bischof zum Frauenpriestertum und den Aufgaben des Kirchenvolkes

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer stellt aus aktuellem Anlaß zum Thema Priesterweihe für Frauen fest:

„Es führt uns keinen Millimeter weiter, wenn wir uns die Geschichte der Kirche zurechtbasteln, um uns dann am Ende etwa ein Frauenpriestertum zu genehmigen.

Christus hat sehr bewusst mit Blick auf die innere Logik des priesterlichen Dienstes einen Kreis von Männern ausgewählt und ihnen die apostolischen Vollmachten übertragen.

Das war keine Rücksicht auf seine Zeit. Im Gegenteil. Er entschied im Gegensatz zu fast allen Kulturen seiner Zeit, die weibliches Priestertum in den unterschiedlichsten Formen kannten.

Die Kirche hat kein Recht, von dieser Vorgabe abzuweichen. Das gilt heute und das galt zu allen Zeiten. Die Diakonissen erfüllten eben keinen apostolischen Dienst. Sie trugen kein Weiheamt. Das ist umfangreich erforscht und belegt und Papst Franziskus bezog sich mehrfach auf diese Forschungsergebnisse. Im Übrigen haben Gemeinde- und Pastoralreferentinnen heute weit mehr Kompetenzen als die altkirchlichen Diakonissen.“

Außerdem erklärt der Oberhirte von Regensburg (siehe Foto) Folgendes zur Berufung der Laien und zum Begriff des Weltchristen:

„Die Weltchristen sind berufen, sich als Christen prägend und gestaltend einzubringen in die Politik, die Wissenschaft, die Wirtschaft, die Medienwelt oder die Kunst. Als getaufte und gefirmte Christen sind sie befähigt, diesen Dienst in eigener Verantwortung auszuüben.

Das sind die Elemente weltchristlicher Berufung und sie zu leben, schenkt den Christen und der Kirche Ausstrahlung und missionarische Kraft.

Es war das Zweite Vatikanische Konzil, das sowohl die Christen im Weiheamt als auch die Laien in ihrer jeweils spezifischen Berufung gestärkt hat. Als Ort der spezifischen Berufung der Laien wurde der ‚Weltdienst‘ formuliert. Deshalb spreche ich auch lieber von Weltchristen als von Laien. Der Begriff des Laien ist in unserem Sprachgebrauch negativ besetzt. Man denkt an Menschen mit geringer Kompetenz. Das führt auf eine völlig falsche Fährte.

Ich warne erneut vor einer Klerikalisierung der Laien und einer Laisierung der Kleriker.“

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.bistum-regensburg.de/news/es-geht-um-heiligkeit-bischof-rudolf-voderholzer-zur-lage-der-kirche-und-zur-berufung-der-weltchristen-6725/


Regensburger Bischof Voderholzer: „Es gibt kein Europa ohne die Zehn Gebote“

Der Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto), hat in einem Festvortrag beim Neujahrsempfangs der Aktionsgruppe Altmühl-Jura in Mindelstetten am 16. Januar 2019 erklärt:

„Die Seele Europas ist das Christentum und deshalb ist es auch historisch exakt und verantwortbar, vom ‚christlichen Abendland‘ zu sprechen. Ich halte es nicht für vernünftig, diesen Begriff und die Deutungshoheit darüber anderen zu überlassen, die nationalistische Interessen damit verbinden, die zutiefst einer katholischen Universalität widersprechen.“

Mit Blick auf die Europawahl im Mai dieses Jahres ging Bischof Voderholzer der Frage nach, was die Seele Europas sei, worin sie bestehe.

Dieser Kontinent sei Europa geworden durch den christlichen Glauben. Er trage das Erbe Israels in sich, er habe das Beste des griechischen und des römischen Geistes in sich aufgenommen und damit alle Wesensbereiche Europas geprägt.

Deshalb konnte Europa zum Ursprungsort der wissenschaftlichen Welterklärung mit den Mitteln der menschlichen Vernunft werden. Deshalb konnte Europa Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit entwickeln. Deshalb konnte Europa eine Kultur der Menschenwürde entwickeln.

Der Regensburger Oberhirte veranschaulichte die Prägekraft des Christentums mit einer Fülle an Beispielen, die auch immer wieder die Gefährdungen der Wesenskraft europäischer Identität aufzeigten.

BILD: Denkmal mit den Zehn Geboten auf einem Kirchplatz im Bistum Regensburg

Zum Beispiel die 10 Gebote, die zum jüdischen Erbe des Christentums gehören. Bischof Voderholzer dazu:

„Es gibt kein Europa ohne die Zehn Gebote: Schutz der Unversehrtheit des Lebens, Schutz der Ehe und Schutz des Familienzusammenhangs, Schutz des Eigentums, Schutz des guten Rufes eines Menschen. Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist die Menschlichkeit in Gefahr.

Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist auch Europa in Gefahr. Wer die Gebote Gottes nicht beachtet,…schadet sich selbst. Um es in einem Bild zu sagen: Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Zum Beispiel der Gottesbezug in den Verfassungen, die sich damit zu den christlichen Fundamenten bekennen, die unser Wertesystem begründen. Der säkulare Staat mache damit deutlich, dass er auf Fundamenten steht, die keine freiheitliche Rechtsgemeinschaft aus sich selbst erschaffen kann, ohne sich selbst zu vergötzen.

Bischof Voderholzer: „Deswegen (…) habe ich auch für den Kreuz-Erlass des bayerischen Ministerpräsidenten vom April letzten Jahres meine Stimme erhoben zusammen mit dem evangelischen Regionalbischof Hans-Martin Weiss.“

Da aktuell der Begriff des „christlichen Abendlandes“ in politischen Debatten auftaucht, ging der Regensburger Bischof auch auf die Stimmen derjenigen ein, die die Gefährdung unseres Kulturraumes hervorheben.

Er gehöre zu denen, „die diese Sorgen nicht einfach von der Hand weisen. Ich wiederhole aber auch hier, was Peter Scholl-Latour, einer der besten Kenner des Orients und des Islam schon vor etlichen Jahren gesagt hat: ‚Sorgen muss sich Europa nicht machen wegen der Stärke des Islam, sondern wegen seiner eigenen geistigen Schwäche.‘ Ganz ähnlich hat Papst Franziskus etwa anlässlich der Verleihung des Karls-Preises eine gewisse ‚Müdigkeit‘ und ‚Kraftlosigkeit‘ Europas beklagt.“

Lesen Sie den Vortrag in voller Länge nach.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.bistum-regensburg.de/news/vom-christlichen-abendland-zu-sprechen-ist-richtig-6525/


Der Regensburger Bischof würdigt das „Stille Nacht“-Lied als genialen Wurf

Im Hohen Dom St. Peter hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Heiligen Nacht die Christmesse gefeiert. Er erinnerte daran, dass zentrale christliche Glaubensgeheimnisse in der Nacht gefeiert werden: in der Heiligen Nacht sowie in der Osternachtsfeier.

Auf den Tag 200 Jahre zuvor war erstmals das Weihnachtslied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ erklungen. Das war in St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg geschehen. Bischof Voderholzer nannte das Lied einen „genialen Wurf, der wesentliches der Botschaft von Weihnachten vermittelt“.

Am Ende des Pontifikalgottesdienstes sangen die Regensburger Domspatzen das Lied in drei Strophen auf höchstem musikalischem Niveau. Das weltweit bekannte Lied, das in rund 300 Sprachen übersetzt wurde, hatte erst langsam Einzug in die christlichen Gesangsbücher gefunden.

In seiner Predigt erklärte der Regensburger Bischof, die Autoren Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber hätten der Christenheit mit dem Lied ein großes Geschenk gemacht. Mohr war Hilfspfarrer und hatte den Text verfasst, Gruber war Dorfschullehrer und steuerte die Melodie bei.

Das Lied atmet „eine tiefe Sehnsucht nach Friede und Heil“, sagte Bischof Voderholzer in der Predigt. Kurz zuvor, 1816, hatte die letzte gesamteuropäische Hungersnot stattgefunden. Der Inhalt des Liedes ist wie das Echo der Weihnachtsbotschaft. Es bringt zentrale Aussagen der Weihnachtsbotschaft gültig zu Sprache.

Auch Papst Franziskus hatte kürzlich erklärt, dass er das Lied gerne hat. Es beschreibe die tiefe Göttlichkeit des Jesuskindes in einfacher Sprache. „Danken wir dem HERRN, dass er die Wege Joseph Mohrs und Franz Xaver Grubers sich kreuzen ließ“, erklärte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Das Lied sei eine geistliche Bereicherung.

Bereits zuvor hatten Domspatzen und der Bischof die Kerzen des Christbaums vor dem Hauptaltar im Dom mit dem Feuer des Friedenslichts aus Bethlehem entzündet.

Quelle (Text/Foto): Bistum Regensburg


Bischof Voderholzer (Regensburg) beteiligte sich am „Marsch für das Leben“ in Berlin

Den Schwächsten eine Stimme geben

„Menschenwürde ist unantastbar. Ja zu jedem Kind – Selektion und Abtreibung beenden“ war das Motto beim Marsch für das Leben 2018 in Berlin am vergangenen Samstag.

Zum vierten Mal beteiligte sich auch Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto) an der Kundgebung, am Marsch und am ökumenischen Wortgottesdienst. Er zeigte sich beeindruckt, dass wieder so eine große Anzahl von Menschen nach Berlin gekommen ist, um dem Lebensrecht der Schwächsten eine Stimme zu verleihen.

Nach Polizeiangaben waren es 7000 Teilnehmer, die Organisatoren hatten 5500 Teilnehmer als erste geschätzte Zahl angegeben.

Der Regensburger Oberhirte freute sich auch, dass 120 Teilnehmer mit zwei Reisebussen aus dem Bistum Regensburg angereist waren. „Zeigen wir gemeinsam Flagge“ – dazu hatte das Diözesankomitee der Katholiken im Bistum eingeladen.

Der Marsch selbst führte durch Berlin-Mitte als Schweigemarsch. Die 7000 Mitmarschierenden trugen dabei zahlreiche Transparente, Schilder und Kreuze. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer marschierte in etwa in der Mitte des Zuges und sagte später, dass die Wegstrecke in diesem Jahr etwas länger war, er auch sehr gerne marschiere und sich freut, dass das Anliegen „Einsatz für das Leben“ von so vielen Menschen aus seinem Bistum sichtbar durch die Teilnahme mitgetragen wird.

Laut gesprochen wurde nicht, jeder konnte aber für sich leise beten oder seinen Gedanken nachhängen. „Das Gebet ist die stärkste Waffe, die wir haben“ sagte eine Jugendliche. Viele Teilnehmer bemerkten auch das 10 mal 10 Meter hohe „Lichtkreuz“ am Berliner Fernsehturm, auf den der Marsch für das Leben teilweise zuging.

Wie bereits bei der Kundgebung startete auch beim Schweigemarsch eine vergleichbar kleine Gruppe von Gegendemonstranten, oftmals jugendliche Störer, lautstarke Übergriffe. Parolen wie „Ihr seid hier nicht willkommen!“ waren noch harmlos und schmerzhaft laute Trillerpfeifen ertönten. Rauchbomben mit farbigem Rauch flogen in die Menschenmenge und nahmen Sicht und Luft, aber auch da und dort zeugten Eierschalen von den Wurfgeschossen.

Diese Gegendemonstranten, darunter radikale Feministen sowie Vertreter der Homo-Lobby, beschimpften die Demoteilnehmer und begleiteten ihren Marsch durch die Stadt protestierend. Der Versuch einer Sitzblockade scheiterte, da sie zu klein ausfiel und die Polizei kurzerhand den Marsch über den Bürgersteig umlenkte.

Die immer wiederkehrenden Parolen, die Beschimpfungen und Proteste dieser radikalen Gegendemonstranten stimmten viele der Marschteilnehmer sehr nachdenklich. So berichtete ein 68-jähriger Mann aus dem Bistum Regensburg, dass er mit seinem weißen Kreuz auf den Schultern ruhig marschierte, als sich eine Gruppe der Gegner vor ihn in den Zug reindrückte. Er schätzte die junge Frau auf Anfang 20, die sich zu ihm umdrehte, ihn fixierte und an seiner Hand mit dem Ehering hängenblieb. Die Frage „Sind Sie verheiratet?“ bejahte er und ein wehmütiger Blick und kurzes Schweigen folgten. Bald darauf wurde wieder gegröhlt und der Schweigemarsch gestört.

„Was beschäftigt diese jungen Leute? Welche Not haben sie?“ waren die Fragen, die sich der 68jährige und viele andere Teilnehmer stellten. Die „Obszönität des Protestes“ der aggressiven Gegendemonstranten kann man als Beweis dafür sehen, dass die Lebensrechtler etwas Wichtiges zu sagen und etwas Heiliges zu schützen hätten.

Acht Hundertschaften von Polizeibeamten hatten alle Hände voll zu tun, um die Gegendemonstranten in Schach zu halten, die wie „Hase und Igel“ immer wieder die Straßen und Plätze entlang des Zuges wechselten. Die Marschteilnehmer wirkten durch ihr ruhiges und leises Dasein anscheinend wie eine Provokation auf die Gegendemonstranten, eine stille und friedliche Provokation.

Am Straßenrand tauchten immer wieder teils bunt kostümierte, teils ganz in schwarz gekleidete Protestler auf, die Sternen- und Antifa-Flaggen schwenkend lärmten, teils der Demo den Mittelfinger zeigten. Mit dabei: die RAF Berlin. Mit einem Banner „RAF Berlin. Der Kampf geht weiter“ suchten sie, die das Banner hielten, den Konflikt mit Teilnehmern des Marsches, wie auch die Regensburger erzählten. „Komm her und halte mir Deine Wange hin. Du bist Christ, Du bist Idiot!“, sagte einer der Männer zu einer der Regensburger Teilnehmerinnen. Sie blieb ungerührt und „strafte“ ihn mit einem freundlichen Lächeln – und stillem Gebet.

Ein wichtiges Thema der Kundgebung war die Schwangerschaftskonfliktberatung. Hierzu sprachen eine Mutter aus Uganda, ein Vater aus Israel und eine erfahrene Beraterin, die deutlich machte, dass Frauen in diesem Konflikt Empathie, Zeit, Zuwendung und hilfreiche Lösungsansätze brauchen, keinesfalls aber eine Werbung für Abtreibung.

Gäste aus dem Ausland und die Jugend für das Leben machten deutlich, wie jung und vielfältig die Lebensrechtsbewegung ist. Das war auch bei den Teilnehmern sichtbar – vom Baby im Kinderwagen bis zum über 90-Jährigen waren alle Generationen, vor allem viele junge Menschen und junge Familien, vertreten.

Der evangelische Bischof Hans-Jürgen Abromeit aus Greifswald rief in seiner Predigt zur Hilfe für schwangere Frauen in Notsituationen auf. „Eine ungewollte Schwangerschaft ist eine Nagelprobe auf die Solidarität der Gesellschaft“, so der lutherische Bischof. 

„Wir brauchen aber noch ganz andere Unterstützungssysteme“, forderte Abromeit. Väter, Eltern, Nachbarn und Arbeitgeber müssten ihre Verantwortung noch viel intensiver annehmen, „damit die Frauen am Ende nicht alleine dastehen“.

Der katholische Weihbischof Matthias Heinrich aus Berlin sagte, der Marsch trete auch für die hungernden, kranken und flüchtenden Menschen ein, denen das Lebensrecht abgesprochen werde.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.bistum-regensburg.de/news/marsch-fuer-das-leben-zeugnis-fuer-die-wuerde-und-unantastbarkeit-des-menschen-6276/