Fulda: Bischof em. Algermissen spendete einer Gemeindereferentin die Jungfrauenweihe

Ein besonderer Tag für die Kirche von Fulda wurde am Hochfest der ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria gefeiert: In der Michaelskirche in Eckweisbach empfing die Gemeindereferentin Eva-Maria Baumgarten durch den früheren Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen die Jungfrauenweihe.

Durch das Versprechen, dass Eva-Maria Baumgarten dabei abgab, habe sie einen eigenen Stand (Ordo virginum) als „Virgo consecrata“ (Gott geweihte Jungfrau) in der Kirche erlangt, betonte Algermissen in seiner Predigt.

Die Liturgie und der Weiheritus waren eindrucksvolle Zeichen der Jungfrauenweihe. Mit bewegenden Bildern wurde in der vollbesetzten Michaelskirche die Bedeutung nicht nur für die Weihekandidatin, sondern auch für die Gemeinde und die ganze Kirche in den Blick gerückt und ausgedeutet.

„Die Verkündigung über die Berufung zu einem Leben in Jungfräulichkeit und auch die liturgische Ausgestaltung der Jungfrauenweihe erinnern immer wieder an das Bild der bräutlichen Liebe zwischen Christus und seiner Kirche. Durch Ihren Verzicht auf die Ehe suchen Sie einzig das, was das Sakrament der Ehe bedeutet: die Verbindung Christi mit seiner Kirche“, so Bischof Algermissen.

Zu Beginn der Messfeier konnte Pfarrer Carsten Noll neben dem Bischof und der Kandidatin und ihrer Familie auch zahlreiche konzelebrierende Priester begrüßen. Danach wurde die Kandidatin vorgestellt und die Weihekerze entzündet.

Nach der Predigt des Bischofs fand die eigentliche Jungfrauenweihe statt. Sie wurde eingeleitet mit einem Heilig-Geist-Lied und dem Versprechen der Jungfrau, sich und ihr Leben Gott zu weihen. Danach wurde knieend die Allerheiligen-Litanei gebetet, während der die Kandidatin als Zeichen der Ganzhingabe lang ausgetreckt auf dem Boden lag.

Nach der Erneuerung des Vorsatzes der Jungfräulichkeit und dem Weihegebiet überreichte der Bischof der Jungfrau als Insignien den Ring (Zeichen der bräutlichen Bindung) und das Stundenbuch (Zeichen der kirchlichen Bindung). Das Glaubensbekenntnis schloss den Ritus ab.

Eva-Maria Baumgarten habe die zarten Klopfzeichen („Gott klopft nicht pochend“) nicht nur wahrgenommen, sondern sie habe sich auch auf den Ruf Gottes („ein reines Gnadengeschenk seiner Liebe“) eingelassen, sagte der Bischof. „Ihre Entscheidung ist tatsächlich mit funktionalen Erwägungen nicht zu begründen. Hinter Ihrem Entschluss steht viel mehr Ihre ganz persönliche Lebens- und Heilsgeschichte“, so der Bischof.

Dabei sei das Versprechen der Jungfräulichkeit nicht so zu verstehen, als wäre der damit verbundene Verzicht auf Ehe und Familie schon in sich selbst gut und wertvoll, sagte Algermissen. „Er wird erst verständlich und sinnvoll, wenn er Ausdruck einer größeren Liebe ist. Nur die Liebe zu Jesus Christus kann die christliche Jungfräulichkeit sinnvoll begründen und rechtfertigen.“

Zugleich machte der Bischof deutlich, dass das Versprechen von Eva-Maria Baumgarten, dass er als Bischof der Kirche annehmen darf, „mehr ist als ein Akt persönlicher, individueller Frömmigkeit“.

Baumgarten stelle in besonderer Weise und in offizieller Sendung die Kirche dar. Die Jungfrauenweihe sei dabei nicht eigenes, menschliches Tun, sondern Gottes Handeln an Menschen, betonte Algermissen. „Gott weiht und heiligt einen Menschen. Durch sein Leben ist ein Zeichen der Verfügbarkeit für Gott, für die Kirche, für die Menschen in den Gemeinden des Pastoralverbundes und die Menschen Ihrer Umgebung überhaupt“, sagte er.

Bei einer Gott geweihten Jungfrau könne daher mit Fug und Recht von einem „geistlichen Beruf“ gesprochen werden, der vom Geist Gottes gewirkt, von ihm geprägt und getragen sowie auf ihn hin bezogen sei.

Ausdruck des geistlichen Dienstes der Gott geweihten Jungfrau ist u.a. die Verpflichtung zum kirchlichen Stundengebet. Dieses Lob Gottes und Beten für Menschen sei ein Ausdruck der Treue“, sagte Algermissen.

Das festliche Pontifikalamt wurde musikalisch von Thomas Nüdling an der Orgel sowie von einem von ihm geleiteten Ad-Hoc-Chor gestaltet. Nach dem Gottesdienst fand ein Empfang für die Gemeinde statt, bei dem die Kinder des Kindergartens einen Glückwunsch sangen.

Bericht von Günter Wolf

Ursprung und Sinn der kirchlichen Jungfrauenweihe

Wer an Berufung in die Nachfolge Jesu denkt, denkt meist zuerst an Priester, Mönche oder Nonnen. Berufung zur Nachfolge ist aber vielfältiger und nimmt die verschiedenen Lebenswirklichkeiten der Menschen ernst. So kennt die Kirche unterschiedliche „Stände“, in denen Menschen in ihrer je eigenen Art und Weise Nachfolge leben: Eheleute, Bischöfe, Priester, Ordensleute. Eine eher unbekannte Form des geweihten Lebens in der Kirche ist das Leben als „Virgo consecrata“ – gottgeweihte Jungfrau.

Bereits Paulus erwähnt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth, dass es in der Zeit der Urkirche Frauen gibt, die „um des Himmelreiches willen“ ehelos leben, sich ganz der Sache Jesu verschrieben haben und in der Nachfolge des Herrn leben.

In den ersten Jahrhunderten der Kirche lebten diese Frauen zurückgezogen im Kontext ihrer Familien, widmeten sich besonders der Sorge um die Armen und pflegten ein intensives geistliches Leben. Als dann die ersten Mönchsgemeinschaften entstanden, wuchs auch bei den gottgeweihten Jungfrauen der Wunsch, sich in Klöstern zusammenzuschließe, und nach und nach „verschwand“ der Stand der gottgeweihten Jungfrauen.

Erst durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) rückte diese Lebensform wieder in das Blickfeld der Kirche. Zwar entwickelten sich am Beginn des 20. Jahrhunderts sogenannte Säkularinstitute, in denen Frauen inmitten der Welt leben, aber diese bilden dennoch Gemeinschaften und leben je eigene Formen der Spiritualität. Merkmal der Berufung zur „gottgeweihten Jungfrau“ ist es, dass es sich bei dieser Lebensform um eine Einzelberufung handelt, die nicht an ein Kloster oder eine Gemeinschaft gebunden ist.

Durch die vom Bischof gespendete Weihe wird diese Lebenshingabe an Christus von der Kirche öffentlich angenommen und bestätigt. Der Ritus der Jungfrauenweihe geht auf die Zeit der Urkirche zurück und ist Ausdruck der unzertrennlichen Liebe zwischen Christus und seiner Kirche.

Quelle der Pressemeldung (Text/1. Foto): https://www.bistum-fulda.de/bistum_fulda/presse_medien/liste_pressemeldungen/2018/2018_04/bpd_2018_12/bpd_20181211_01_Jungfrauenweihe_Eckweisbach.php


Bischof Algermissen: Erzbischof Dybas plötzlicher Tod hat viele Menschen erschüttert

Am vergangenen Montag wurde im Hohen Dom zu Fulda das Jahresgedächtnis für den am 23. Juli 2000 plötzlich verstorbenen Erzbischof Johannes Dyba begangen, wobei sein Amtsnachfolger Heinz Josef Algermissen ein Pontifikalamt zelebrierte. Dabei wird stets zugleich für die Mutter Algermissens gebetet, die vor fünf Jahren ebenfalls an einem 23. Juli verstarb.

Im Vorjahr fiel die Gedenkmesse für den glaubensstarken Oberhirten Dyba auf einen Sonntag, weshalb Bischof Algermissen im vollbesetzten Dom eine längere Predigt hielt.

Hier folgen nun einige Auszüge aus dieser Ansprache des Bischofs vom 23. Juli 2017:

„Was ist der Tod?“, fragen wir und hören die Antwort, diskret und vorsichtig: „Umzug aus dem Zelt in die ewige Wohnung von Gott, aus der Fremde in das Vaterhaus.“

Wenn wir diese Antwort ernst nehmen, werden entscheidende Fragen in uns wach, die unsere gewohnte Lebensweise in Frage stellen und die wir darum gern beiseiteschieben:

Ist das, was uns zurzeit innerlich so sehr beschäftigt, was wir mit Leidenschaft erstreben, wirklich erstrebenswert? Ist das, was uns bedrückt und worum wir uns Sorgen machen, wirklich diese Sorge wert?Vor dem Horizont der Ewigkeit bekommen die Dinge ihre wahre Dimension, wird manches aufdringlich Große klein, anderes Kleine sehr wichtig.

Diese Wahrheit relativiert so vieles, wie ich selbst bei der Begleitung meiner Mutter während der letzten Monate ihres Lebens und bei ihrem Sterben heute vor vier Jahren erlebt habe.

Und als heute vor 17 Jahren Erzbischof Dr. Johannes Dyba plötzlich starb, waren viele Menschen erschüttert; sein Tod war auch eine Infragestellung ihrer selbst.

Erzbischof Johannes war ein leidenschaftlicher Verkündiger der österlichen Botschaft des Lebens. Von daher verteidigte er das menschliche Leben in seiner unantastbaren Würde in allen Lebensphasen.

BILD: Unser Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ über Erzbischof Dyba mit 33 Autoren – und einem Geleitwort von Bischof Algermissen

Seinen Einsatz für den Schutz des menschlichen Lebens, besonders für das unbedingte Lebensrecht des noch nicht geborenen Menschen, seine warnende und mahnende Stimme angesichts von manch zweifelhaften Kompromissen sowie Feigheit und Lüge, die ich in der Gesellschaft zunehmend feststelle, will ich nicht vergessen.

In seinem Kampf gegen die „Kultur des Todes“ erfüllte er die Vorgabe des Hl. Bonifatius, in einem seiner Briefe ausgedrückt: „Wir wollen nicht stumme Hunde sein und schweigend zuschauen…“

Wenn wir in dieser Hl. Messe die Namen von Erzbischof Johannes und meiner Mutter besonders erwähnen und für sie beten, wissen wir im Glauben, dass sie „ewige Wohnung“ gefunden haben und in der himmlischen Liturgie für uns und unser Bistum beten. In der universalen Einheit der Lebenden und Verstorbenen dürfen wir darauf vertrauen, dass sie Teilhabe am ewigen Osterfest des Auferstandenen gefunden haben.“

Foto: Leupolt, Bistum Fulda


„Freude am Glauben“ in Fulda: Weihbischof Schneider feierte die Abschlußmesse

Von Felizitas Küble

Am Sonntag, dem 22. Juli, fand der dreitägige Kongreß „Freude am Glauben“ in Fulda seinen krönenden Abschluß in einem Pontifikalamt im Dom zu Fulda, das von Weihbischof Athanasius Schneider und einigen Priestern am frühen Nachmittag gefeiert wurde (siehe Fotos).

Die Geistlichen zelebrierten den sog. „römischen Kanon“, das erste eucharistische Hochgebet, das dem überlieferten Ritus („alte Messe“) am nächsten steht.

Das Pontifikalamt zur Eröffnung hielt der kürzlich in den Ruhestand getretene Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen.

Weihbischof Schneider sprach am Sonntag-Vormittag in einem Vortrag über die Eucharistie als Sakrament und Kraftquelle.

Athanasius Schneider ist rußlanddeutscher Herkunft und seit langem für seine klare Sprache und seine theologisch konservativen Positionen bekannt. Er amtiert als Weihbischof des Erzbistums Astana in Kasachstan. Im benachbarten Kirgisien wurde er 1961 als Sohn schwarzmeerdeutscher Eltern geboren, die von den Sowjets nach Zentralasien verschleppt worden waren.

1973 gelangte die Familie nach Baden-Württemberg. Nach seiner Priesterweihe promovierte er in Rom über Patristik (er wurde Doktor über die Zeit der Kirchenväter). 2011 ernannte ihn Papst Benedikt zum Weihbischof des Erzbistums Astana.

Der profilierte Würdenträger spricht neben seiner deutschen Muttersprache fließend Englisch, Russisch, Italienisch und Portugiesisch, er beherrscht Latein und Griechisch. Auf deutsch erschienen seine Publikationen u.a. im Dominus-Verlag und im Verlag Media Maria.

Bei seiner Predigt in dem mit zahlreichen Meßbesuchern überfüllten Dom betonte Weihbischof Schneider ein Leitwort aus der frühen Kirche: „Christ, erkenne Deine Würde!“  – Das gelte auch für den Gläubigen als „Soldat Christi“, als Bekenner und Streiter für Gott und sein Reich. Der Name „Christ“ weise bereits darauf hin, daß wir zur Nachfolge Christi berufen sind und seine Botschaft in Wort und Tat bezeugen sollen.

Nicht ohne Grund wird die Kirche auf Erden als „streitende Kirche“ bezeichnet, denn sie steht in Kämpfen und Auseinandersetzungen nicht nur mit irdischen Gegnern, sondern auch mit Anfechtungen aus den eigenen Reihen.

Der Bischof wies darauf hin, daß sich die Katholiken der ersten Jahrhunderte in der Zeit der Verfolgung keineswegs in die Katakomben zurückgezogen hätten. Hier würden teils unzutreffende Vorstellungen existieren. Die frühe Christenheit nutzte die Katakomben als Begräbnisstätten, nicht als Fluchtpunkt vor der feindlichen Welt.

Vielmehr hätten die Gläubigen damals trotz aller Verfolgung mitten in ihrer Herkunftswelt gelebt, ihre Berufe ausgeübt, sie waren auf den öffentlichen Straßen und Plätzen anzutreffen, sie lebten keineswegs abgeschottet, sondern stets präsent und zugänglich für ihre Umwelt.

Durch die Firmung werden die Katholiken, so erläuterte der Weihbischof weiter, besonders zum Bekenntnis des Glaubens und zum Kampf für das Gottesreich berufen und bestellt. Dieses Sakrament bestärkt sie in ihrer Aufgabe, Salz der Erde zu sein. Die Immaculata, die makellos empfangene Jungfrau Maria, habe sich als Siegerin über die Irrlehren und als Hilfe der Christen erwiesen.

 

 


Fulda: Bischof Algermissen gegen die Einführung eines islamischen Feiertags

Der Bischof von Fulda, Heinz-Josef Algermissen, hat sich zur aktuellen Debatte über eine mögliche Einführung eines islamischen Feiertages in Deutschland kritisch geäußert.

Gegenüber der katholischen Zeitung „Die Tagespost“ (DT) fragte der Bischof kritisch: „Wie würden islamische Staaten reagieren, wenn katholische Christen dort versuchten, etwa das Fest Fronleichnam mit einer Prozession zu feiern? Oder Weihnachten und Ostern in islamischer Öffentlichkeit?“ 

BILD: Bischof Algermissen (Mitte) und DT-Redakteurin Regina Einig (links) auf dem Kongreß „Freude am Glauben“

In Deutschland gebe es dank seiner christlichen Prägung einen anderen Tolerenzbegriff als in muslimischen Ländern. Darum könne man hierzulande mehr zulassen als dort. Doch mahnt der Bischof dazu an: „Indes darf das nicht bis zum Verlust unserer Identität und Prägung und bis zur Selbstaufgabe führen.“

Darum sei er gegen die Einführung eines islamischen Festes in Deutschland.

Die Debatte war auslöst worden durch Äußerungen von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) und des ZdK-Präsidenten Dr. Thomas Sternberg; dieser sprach sich für eine Berücksichtigung der muslimischen Festkultur in den Regionen aus, wo es viele Muslime gebe.

Quelle: http://www.kathnews.de/nein-zum-muslimischen-feiertag

HINWEIS: Auch die CSU hat sich vehement gegen einen allgemeinen islamischen Festtag geäußert und das ZdK scharf kritisiert: https://charismatismus.wordpress.com/2017/10/18/csu-entschieden-gegen-muslimische-feiertage-scheuer-aeussert-scharfe-kritik-am-zdk/

Foto: Felizitas Küble


PREDIGT von Bischof Algermissen zur Eröffnung des Glaubenskongresses in Fulda

Wir dokumentieren hier den vollen Wortlaut der Predigt von Bischof Heinz Josef Algermissen, dem Oberhirten von Fulda, beim Pontifikalamt am 7. Juli 2017 im Dom zur Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“. Wir danken dem Bistum Fulda für die freundliche Abdruckserlaubnis:

In seinem Schreiben an die deutschen Bischöfe, am 20. November 2015 im Rahmen des Ad-limina-Besuchs ihnen übergeben, stellt der Hl. Vater „eine Erosion des katholischen Glaubens in Deutschland“ fest und mahnt zu einer pastoralen Neuausrichtung der Kirche.

Foto: Leupolt, Bistum Fulda

Angesichts der festgestellten Erosion, die sich im leisen Auszug von mittlerweile zwei Generationen aus der Kirche darstellt, wollen manche kirchlichen Gruppierungen und Verbände aus der Not eine Tugend machen. Sie behaupten, die Entkirchlichung sei ein Preis der Freiheit.

Die Menschen hätten sich autoritärer Lenkung im Religiösen entzogen, hätten sich aus dem Zwangssystem einer gesellschaftlich verordneten Christlichkeit befreit. Moderner Glaube verdanke sich eben freier Wahl, er sei ein Glaube der Entscheidung: souverän und notwendig plural.

Ich halte diese Interpretation für eine Beschwichtigung, gar einen gefährlichen Irrtum.

Ganz anders und im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass die nächste Generation von Christen eine der Synkretisten sein wird ─ nach dem Motto lebend: „Ich mache mir meine Religion selbst, stelle mir zusammen, was ich glauben möchte und was nicht.“

Liebe zum Kongress versammelte Schwestern und Brüder im Glauben!

Ich sehe ihn nicht, diesen Typ des freien, entschiedenen und profilierten katholischen Christen, der selbstbewusst und in Kenntnis zum katholischen Glauben steht. Als Bischof sehne ich mich nach ihm, entdecke ihn bei Visitationen und in Diskussionsveranstaltungen nur sehr selten in unseren Gemeinden und im Alltag fast gar nicht.

Stattdessen nehme ich häufiger Christinnen und Christen wahr, die alles daransetzen zu relativieren, was sie von anderen unterscheiden könnte. Unbestimmtheit und Indifferenz greifen um sich und die erbärmliche Entschuldigung, dass man katholisch ist. Die verschämten Bekenntnisse, die auf Nachbohren kommen, sind geprägt von Teilidentifikation und Unwissen: Der Papst ist schon in Ordnung, auch zu Jesus mag man noch irgendwie stehen. Aber muss man deshalb an einen persönlichen Gott glauben? Engel? Schon eher, weil daran auch Prominente glauben. Ewiges Leben? Keine Ahnung!

Das Resultat nach Umfragen zum Glaubenswissen in unseren Gemeinden ist deprimierend. Sie offenbaren eine Realität, die wir gerne verdrängen: Die Kirche stirbt schleichend in den Seelen ihrer Mitglieder, wenn nicht entschlossen gegengesteuert wird.

BILD: Bischof Algermissen als aufmerksamer Zuhörer im Gespräch mit Teilnehmern des Kongresses

Mir ist durchaus bewusst, dass dieser Befund präzisiert werden muss. Gott sei Dank gibt es die „kleine Herde“ bekenntnisstarker und beispielhafter Christinnen und Christen.

Es gibt lebendige Gemeinden mit Glaubensfreude im Bistum Fulda und in anderen Bistümern. Es gibt auch Glaubenszellen, kleine geistliche Gemeinschaften, Bibelkreise und soziale Projektgruppen im Sinne der Nachfolge Jesu. Es gibt die spirituellen Zentren der Orden, in denen die Glut des Glaubens gehütet wird.

Und ich nehme auch junge, entschiedene Christen wahr, die sich bei eucharistischer Anbetung und im Bußsakrament Kraft holen, und auf die das Wort des hl. Augustinus zutrifft: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“

In der breiten Fläche indes sieht es ganz anders aus. Monokausale Erklärungen dafür bringen uns nicht weiter. Zugegeben, der Zerfall vieler Familien und gewachsener Strukturen, die Mobilität der Menschen, die sogenannten sozialen Netzwerke mit ihren Enthemmungen spielen eine große Rolle.

Nach nunmehr fast 21 Jahren als Bischof ist mir besonders in letzter Zeit durch persönliche Erfahrungen in meinem Amt immer deutlicher klargeworden, dass der Zerfall christlicher Identität und der Glaubensabbruch in der Kirche Folgen einer Selbstsäkularisierung und Indifferenz sind, die zum Profilverlust führten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Der Glaube der Kirche hat verbindliche Inhalte. Er ist nicht denkbar als bloße Haltung, als ergebnisoffene unbestimmte Gläubigkeit. Wir haben zwei wesentliche Quellen, nämlich die Schrift und die Tradition, aus denen durch die Führung des Hl. Geistes der Kirche als Leib Christi im Laufe der Glaubensgeschichte Wahrheiten zugewachsen sind.

Die großen mittelalterlichen Kirchenlehrer Albert der Große, Thomas von Aquin, Duns Scotus und Bonaventura haben allesamt gelehrt, dass zu einer verantwortbaren Glaubensentscheidung Vernunftgründe gehören. Das ist eine fundamentale Einsicht angesichts der fatalen Meinung, um zu glauben, müsse man vorher den Verstand ausschalten, Glaube sei eine Art vorwissenschaftliche Einstellung.

Die erste Enzyklika von Papst Franziskus „Lumen Fidei“ („Über den Glauben“) vom 29. Juni 2013 nimmt die Lehre der großen Theologen auf und führt sie durch die Aussage weiter: „Da der Glaube ein Licht ist, lädt er uns ein, in ihn einzudringen, den Horizont, den er erleuchtet, immer mehr zu erforschen“ (Nr. 36).

Und später heißt es: „Da der Glaube eine Einheit ist, muss er in seiner ganzen Reinheit und Unversehrtheit bekannt werden. Gerade weil alle Glaubensartikel in Einheit verbunden sind, kommt die Leugnung eines von ihnen… der Beschädigung aller gleich“ (Nr. 48).

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben! Wenn wir feststellen, dass der Grundwasserspiegel des Glaubenswissens erschreckend gesunken ist, und so viele auf Fragen hinsichtlich von Glauben und Kirche keine Antwort mehr zu geben imstande sind, dann gehört dieses an die Substanz gehende Defizit endlich auf die Tagesordnung der deutschen Bistümer und der Bischofskonferenz.

Wenn die Herde kleiner wird (vgl. Lk 12,32), so ist das nach Jesu Zusage kein Grund zur Furcht, denn ihre Stärke liegt nicht in weltlicher Repräsentation, sondern in der Erwählung zur „Herde Gottes“ (Ps 80,2; Jes 40,11). Das „Kleinerwerden“ darf allerdings nicht in verschämtes Schweigen und Indifferenz ausmünden, muss sich vielmehr verbinden mit einer erkennbaren Profilierung durch einen Glauben, der durchdacht ist und auskunftsfähig und im Gebet vertieft wurde.

Diese Gesellschaft braucht wirklich Menschen, die Auskunft darüber geben können, was sie glauben und warum. Und die jedem Rede und Antwort stehen, der nach der Hoffnung fragt, die sie erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15). Kurzum: Menschen, die von der Wahrheit des Glaubens überzeugt und von ihrer Mission beseelt sind.

Liebe Schwestern und Brüder im Forum deutscher Katholiken! Auf dem Hintergrund dieser dringenden Notwendigkeit und angesichts der Defizite in den Gemeinden unserer Bistümer bin ich dankbar für die Sammlungsbewegung des „Forums deutscher Katholiken“, in der sich glaubenstreue Frauen und Männer aus verschiedenen Generationen zusammengeschlossen haben, denen der Glaube an Jesus Christus und die Verbindung zu seiner Kirche Quelle der Hoffnung und Freude ist.

Bitte gehen Sie Ihren Weg als Zeuginnen und Zeugen der Botschaft Jesu Christi weiter – wissend, dass es der beste ist und der einzige, dem Zukunft verheißen wurde. Leben Sie weiter den Mut zur Identität und zum Profil, damit der christliche Glaube in dieser Gesellschaft nicht noch konturenloser wird. Dem Kongress wünsche ich Gottes Segen. Amen.

 


Unser Christoferuswerk traf wieder viele Freunde auf dem Glaubenskongreß in Fulda

Von Felizitas Küble

Bereits seit dem Jahr 2000 findet jährlich der Kongreß „Freude am Glauben“ statt, den das Forum Deutscher Katholiken organisiert. Meist findet die Veranstaltung in Fulda statt, bisweilen auch in Regensburg oder Aschaffenburg. 

Auch diesmal trafen sich am vergangenen Freitag bis Sonntag bekannte konservative Persönlichkeiten und Verbände sowie interessierte Gläubige in der hessischen Domstadt  – größtenteils Katholiken, aber auch eine Reihe Evangelikaler nahmen daran teil.

Unser Christoferuswerk   – das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt  –  war diesmal erneut mit einem großen Infostand vertreten, wobei wir als Stand-Nachbar wieder Mathias von Gersdorff (Aktion „Kinder in Gefahr“) und Benno Hofschulte (SOS Leben) begrüßen konnten. Herr von Gersdorff ist unseren Lesern seit langem als Gastautor bekannt.

Auch sonst konnten wir vielen befreunden Gruppen und Persönlichkeiten begegnen, auch früheren Ferienhelfern und MITarbeitern. Unser Stand ist durch die Plakate über Erzbischof Johannes Dyba besonders aufgefallen und fand reges Interesse. Dyba war die treibende kirchliche Kraft bei der Gründung des „Forums Deutscher Katholiken“, das von Prof. Dr. Hubert Gindert geleitet wird.

Es bildeten sich in unserer Nähe immer wieder kleinere Gesprächsgruppen  – wie das erste Foto zeigt:  Der Bischof von Fulda, Heinz-Josef Algermissen, im Gespräch.  Ich überreichte dem Oberhirten  unsere neue Broschüre über Erzbischof Dyba, seinen Vorgänger im Amt.

Bischof Algermissen schrieb vor zwei Jahren zudem das Vorwort zu unserem Gedenkband „Der Löwe von Fulda“, das an den mutigen Erzbischof Dyba erinnert, der in den Herzen vieler Katholiken – aber auch konservativer evangelischer Christen – unvergessen ist. Das erleben wir auch durch das große Interesse an unserer Unterschriftensammlung für eine Seligsprechung Dybas, die vom „Forum Deutscher Katholiken“ unterstützt wird.

Das zweite Bild zeigt unsere Helferin Cordula Mohr sowie ihre Tochter Laura. Cordula hat im Dyba-Sammelband ebenfalls einen Beitrag verfaßt; die katholische Familienmutter leitet den Regionalverband Münsterland-Nord der Lebensrechtsvereinigung „ALfA“ (Aktion Lebensrecht für alle) und ist aktiv im NRW-Landesvorstand der CDL (Christdemokraten für das Leben), die ebenfalls mit einem Infostand vertreten waren. Cordula hat zusammen mit mir per Notebook am Samstagvormittag einige Artikel im CF veröffentlicht.

Auf dem dritten Foto sehen wir mit Frau Ehrhardt eine weitere CDL-aktive Dame bzw. Lebensrechtlern im anregenden Gespräch mit jungen Teilnehmern vor unserem Stand.

Das vierte Foto zeigt rechts außen Frau Barbara Dyba-Roth (die Schwester Erzbischof Dybas) im Gespräch mit einem Interessenten – links von ihm sehen wir im Hintergrund Herr von Gersdorff in Diskussion mit einer Teilnehmerin.

Da wir ständig an unserem Stand beschäftigt waren, konnten wir von den Vorträgen in der großen Halle so gut wie nichts mitbekommen. Allerdings wurde uns erzählt, daß mehrere Referenten sich sehr positiv über Kardinal Gerhard Müller äußerten und dem ehem. Glaubenspräfekten für sein segensreiches Wirken in der Kirche dankten.

Unser Schlußbild dokumentiert einen Teil unserer Stellwand hinter unserem Infostand: Plakate mit Aussagen von Erzbischof Dyba, eine Infotafel über die weltweite Christenverfolgung sowie unten rechts ein lebensfrohes Poster für Ehe und Familie: JA zur Schöpfungsordnung Gottes!

 

 

 

 

 

 


Fulda: Bischof Algermissen kritisiert Erklärung des BDKJ zu Gender und Sexualkunde

Von Felizitas Küble

Der BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) befindet sich seit fast 50 Jahren auf dem linken Trip – sowohl politisch wie theologisch, vor allem aber in sexualethischer Hinsicht. Dennoch wird er durch Kirchensteuermittel gesponsert, was in konservativen Kreisen seit langem kritisiert wird. Foto Leupolt - Bistum Fulda

Nun gibt es öffentliche Auseinandersetzungen zwischen dem Fuldaer Oberhirten Heinz Josef Algermissen (siehe Foto) und dem Vorstand des BDKJ im Bistum Fulda (einem Dachverband von zehn kath. Jugendorganisationen), denn dieser hatte eine Pressemitteilung verbreitet, die den Titel trug: „BDKJ Fulda setzt sich für Offenheit gegenüber sexueller Vielfalt ein“.

Darin beschwert sich der Jugendverband über ein Grußwort von Bischof Algermissen zugunsten der christlich-konservativen „Demo für alle“ vom 30. Oktober in Wiesbaden. „Es ist an der Zeit anzuerkennen, dass Menschen vielfältige Lebensformen wählen“, schreibt der BDKJ.

Die Elternrechts-Kundgebung wandte sich gegen die Gender-Sexuallehrpläne in Hessen und warf ihnen Frühsexualisierung und Indoktrination der Kinder vor. Der staatliche Sex-Lehrplan fordere nämlich nicht nur Toleranz (Duldung) für Homo-, Bi- und Transsexualität, sondern sogar eine „Akzeptanz“, also inhaltliche Zustimmung.

Das Bistum Fulda erklärte, der Staat sei keineswegs berechtigt, derart massiv in das Erziehungsrecht der Eltern einzugreifen. Toleranz als Lernziel für Sonderformen der Sexualität sei erstrebenswert, eine Akzeptanz könne aber nicht erzwungen werden.

?????????????????????????Bei der schulischen Sexualkunde sei vielmehr „Behutsamkeit und Zurückhaltung“ geboten; außerdem sei die Offenheit und Toleranz gegenüber verschiedenen Wertvorstellungen über diese Themen zu respektieren.

Das Grußwort an die „Demo für alle“ habe Katholiken ermutigen wollen, sich für ihr Elternrecht einzusetzen und auf demokratische Weise gegen den Sexuallehrplan zu protestieren. (Hier der Wortlaut des „umstrittenen“ bischöflichen Grußwortes: https://demofueralle.files.wordpress.com/2016/10/grusswort-bischof-algermissen-zur-dfa-am-30-10-16.pdf)

Bischof Algermissen kritisiert „Stil und Inhalt“ der Stellungnahme des BDKJ, denn ihm werde darin „Intoleranz gegenüber Menschen mit homo-, bi- und transsexueller Orientierung“ unterstellt. Er weise die BDKJ-Erklärung in aller Form als „unberechtigt und ideologisch motiviert“ zurück.

Der Fuldaer Oberhirte stellt zudem fest, der BDKJ hätte besser daran getan, das Gespräch mit ihm zu suchen, „statt eine inhaltlich banale, dem Zeitgeist hinterherlaufenden Mitteilung an die Presse“ loszulassen. Es gehe ihm, so der Bischof weiter, um das Anliegen der katholischen Kirche, die klassische Familie aus Vater, Mutter und Kindern zu schützen.

Foto: Bistum Fulda