Regensburger Bischof zur Eröffnung der neuen jüdischen Synagoge am 27. Februar 2019

„Das Abendland steht auf jüdisch-christlichem Boden“

Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten für die neue jüdische Synagoge am heutigen Mittwoch (27.2.) in Regensburg übermittelte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ein Grußwort an die Versammelten.
Der katholische Oberhirte beginnt seine Stellungnahmen mit dem Wort aus Psalm 84,2: „Wie liebenswert ist Deine Wohnung, HERR der Heerscharen“.

In seiner Gratulation zum „neuen Gotteshaus“ erinnert er auch an schmerzliche Ereignisse:

„Am 21. Februar dieses Jahres jährte sich zum 500. Mal die Ausweisung der jüdischen Bevölkerung aus Regensburg durch den Magistrat der Stadt. Der Ausweisung der Menschen folgte die Zerstörung des jüdischen Viertels.“

Sodann kommt der Bischof auf die Vergebungsbitte von Papst Johannes Paul II. gegenüber den Juden aus dem Jahr 2000 zu sprechen und zitiert daraus. Zugleich bat er auch seinerseits um Vergebung für damaliges Unrecht, das ihnen durch Christen – auch durch Vertreter der Kirche –  angetan wurde. 

Er fügt hinzu: „Wie froh bin ich, dass wir heute, einträchtig versammelt, diese neue Synagoge eröffnen dürfen. Die jüngere Vergangenheit ist gerade auch in Regensburg reich an Zeichen der Verbundenheit zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinde.“

Sodann berichtet der Regensburger Oberhirte über gemeinsames Wirken etwa angesichts des Besuches von Papst Benedikt oder anläßlich des Katholikentags in der Bistumsstadt.

Dr. Voderholzer erklärt sodann: „Das europäische Abendland steht auf jüdisch-christlichem Boden, und wer heute die einen gegen die anderen auszuspielen versucht, verkennt unsere gemeinsame Heimat und stärkt nur unsere Solidarität untereinander.“

Zudem schildert der Bischof, was ihn besonders bewegt hat:

„Es hat mich tief beeindruckt, als Sie gleichsam als offizielles Zeichen der Eröffnung der Synagoge die Thora-Rollen in den dafür vorgesehenen Schrein getragen haben. Sie haben die Rollen umarmt wie ein geliebtes Kind. Die Rollen sind gekrönt wie ein König, wie die Königin Ester. Welch ein Zeichen!“

Abschließend betont der katholische Würdenträger:

„Wir leben in einer Zeit der Säkularisierung, die die Wirklichkeit Gottes und seines Wortes meint entbehren zu können. Viele unserer Zeitgenossen unterstellen eine Konkurrenz zwischen der Wirklichkeit des Herrn und der Freiheit des Menschen.

Lassen Sie uns gemeinsam bezeugen, dass das Gegenteil wahr ist. Erst wo der Mensch den Herrn – baruch ha schem – anerkennt, groß sein lässt und aus ganzem Herzen liebt, wird er wirklich frei und selber groß.

Mit dem Propheten Jeremia gesprochen: „Dein Wort war mir Glück und Herzensfreude“ (Jer 15,16). Oder mit einem Psalm-Wort, das sowohl der heilige Augustinus, Martin Buber und Papst Benedikt besonders lieben: „Dir nahe zu sein, das ist mein Glück“ (Ps 73,28).“

Quelle für die Zitate: https://www.bistum-regensburg.de/news/grusswort-bei-der-eroeffnungsfeierlichkeit-der-neuen-juedischen-synagoge-in-regensburg-6604/


Predigt des Regensburger Bischofs an Silvester

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Es gibt mehrere Tage im Jahr, die wir zur Besinnung, zum Rückblick nützen können: Geburtstage, Jubiläen, den Allerseelentag mit dem Gedächtnis der Verstorbenen. Doch während am Geburtstag beispielsweise ja nur jeweils für mich ein neues Lebensjahr beginnt, betrifft die so genannte Jahres-Wende, der Beginn des neuen Jahres in der bürgerlichen Ordnung doch alle gleichermaßen.

So ist sie ein gemeinsamer Anlass, innezuhalten, den Lauf der Dinge zu bedenken und auf den Herrn der Zeiten zu schauen.

Die Schrifttexte des heutigen 7. Tages der Weihnachtsoktav berücksichtigen denn auch diese Situation der Jahreswende und laden ein zum Bedenken von Anfang und Ende, aber auch der Ewigkeitsbedeutung des jeweiligen Augenblicks.

Der Johannesprolog, die ersten Worte des Johannesevangeliums, greifen die ersten Worte der Bibel überhaupt auf: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Dass es überhaupt Zeit gibt und Raum, ist keine schicksalhafte Begebenheit, sondern Ausdruck des souveränen Schöpferwillens Gottes.

Exakt müsste man sagen: Nicht, es gibt Raum und Zeit, sondern Er, der Schöpfer, Er gibt Raum und Zeit. Raum und Zeit sind Seine Gabe.

Ob es – physikalisch betrachtet – ein „Urknall“ war, und das Universum sich pulsierend ausbreitet, wie der belgische Astrophysiker und katholische Priester George Lemaitre errechnete und damit schließlich auch Albert Einstein überzeugte, oder ob es naturwissenschaftlich anders zu denken ist, ist dabei ganz zweitrangig.

Dass es überhaupt etwas gibt und nicht vielmehr nichts, ist die erste und fundamental staunenswerte Gegebenheit; dass es mich gibt und dass ich weiß, dass es mich gibt, ist die erste und nicht genug zu bestaunende Ge-Gebenheit aus Gottes freigiebigen und frei-gebenden Händen.

Die Schöpfung war nicht notwendig. Gott hätte sie nicht gebraucht zum „Zeit-Vertreib“ oder zur Auffüllung seiner vermeintlichen „Lange-Weile“. Dem dreifaltigen Gott fehlt nichts im ewigen Hier und Jetzt seiner Lebensfülle.

Wenn er trotzdem die Welt ins zeitliche Dasein ruft, dann allein aus dem Grund, uns, den Menschen, Anteil zu geben an seiner Herrlichkeit.

„Im Anfang war das Wort.“ So greift Johannes nun den ersten Vers der Bibel auf, und er fährt fort: „Und das Wort war bei Gott und es war Gott. Und das Wort ist Fleisch geworden.“

Der ewige Gott ist nicht wie ein handwerklich geschickter Uhrmacher, der sein kunstvolles Werk in die Auslage stellt und weiters keinen Anteil nimmt. In Jesus Christus erkennen wir: Der ewige Gott hat Zeit für uns, nimmt sich Zeit für uns, geht ein in die Geschichte; lebt hin auf seine Stunde.

Seit dem Mönch Dionysius Exiguus im 6. Jahrhundert berechnen wir unsere Jahre nach dem – nachträglich errechneten – Geburtsjahr des Jesus von Nazareth und bekennen uns im Grunde mit jeder Datumsangabe – 31. Dezember 2018 nach Christi Geburt / morgen: 1. Januar 2019 –  zur Menschwerdung Gottes und zu unserem Glauben, dass jedes Jahr ein Jahr des Herrn, ein „Annus Domini“ ist. 

Die Menschwerdung Gottes, seine Entscheidung für uns, ruft auch uns in die Entscheidung. Das Logos-Lied am Beginn des Johannes-Evangeliums, das im Grunde wie eine Ouvertüre alle kommenden Themen bereits aufklingen lässt, deutet es schon an: Am Fleisch gewordenen Wort scheiden sich Licht und Finsternis, entscheiden sich Glaube und Unglaube.

Die Lesung aus dem Ersten Johannes-Brief – alles spricht dafür, dass er von demselben Autor stammt wie das Johannes-Evangelium – spricht von der „letzten Stunde“, „eschátee hóora estin“.

Damit ist nicht so sehr die chronologisch letzte Stunde in der Abfolge der Tage gemeint – etwa im Sinne einer drängenden Naherwartung, sondern eine entscheidende, das Ende bestimmende, das Ende vorwegnehmende Situation.

Für die frühen Christen, Adressaten des Briefes, war eine solche existenzgefährdende, das Sein der Christen herausfordernde Situation das Auftreten von „Anti-Christen“. Dieses Wort ist hier im ganz ursprünglichen Sinn zu nehmen als Bezeichnung für solche, die behaupten, Jesus sei nicht der Christus, Jesus sei nicht der Retter der Welt, sei nicht der Erlöser.

Glaubensverwässerer, Glaubensleugner, Verunsicherer, wie sie immer wieder im Laufe der Kirchengeschichte aus den eigenen Reihen aufgestanden sind und aufstehen, und den Glauben herausfordern.

Dies kann theoretisch geschehen durch gelehrt sich gebende, aber die Offenbarung nicht achtende Theologie, aber auch praktisch durch ein Verhalten, das dem Glauben an Jesus den Christus diametral widerspricht und in die Entscheidung ruft. Angesichts dieser drohenden Gefahr ist in der Kirche immer auch „letzte Stunde“.

Liebe Schwestern und Brüder, die katholische Kirche hat auch in jüngerer Vergangenheit das Auftreten solcher den Glauben an Jesus den Christus durch das Tun bekämpfender Leute erlitten. Wer Kindern und Jugendlichen sexuelle Gewalt antut und ihre Selbstbestimmung missachtet, versündigt sich nicht nur an ihrem Leib, sondern auch an ihrer Seele, verstellt ihnen den Blick auf Jesus den Christus und seinen Vater.

Ohne Zweifel wird es die größte Herausforderung des kommenden Jahres und wohl noch darüber hinaus sein, das im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal verlorengegangene Vertrauen wiederzugewinnen; und zwar nicht um des persönlichen Ansehens oder des Ansehens der Kirche willen, sondern um der Botschaft willen, für die wir stehen.

Handlungsbedarf besteht insofern immer, als die menschliche Natur schwach und versuchbar ist. Das Thema wird nie sozusagen „ausgestanden“ sein, sondern Prävention ist und bleibt wichtig. Hier wollen wir noch besser werden. Ich möchte die Präventionsmaßnahmen im Bistum Regensburg regelmäßig von extern evaluieren lassen.

Verlorenes Vertrauen wieder zu erlangen, wird freilich auch nur dann gelingen, wenn wir bei aller gebotener Demut und den notwendigen Selbstbezichtigungen nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass die katholische Kirche die erste und bislang noch immer einzige Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland ist, die sich dieses großen gesellschaftlichen Problems in ihren eigenen Reihen schonungslos stellt und an sich arbeitet.

Kenner der Situation in Deutschland sagen: Nicht zuletzt aufgrund der Maßnahmen seit 2002 und verstärkt seit 2010 gibt es heute keinen sichereren Ort für Kinder in Deutschland als die Einrichtungen der katholischen Kirche. Völlig kontraproduktiv ist das durchsichtige Vorhaben, den Missbrauch nun zu instrumentalisieren, um lange schon verfolgte kirchenpolitische Ziele jetzt durchzudrücken.

Es war doch nicht die katholische Sexualmoral, die zu den zu beklagenden Verbrechen führte, sondern deren notorische Missachtung.

Ich kann auch nicht verstehen, wie man in diesem Zusammenhang behaupten kann, der Missbrauch von Macht sei Bestandteil des Erbguts der Kirche. Tatsache ist, dass Auflehnung gegen Gott, Versuchbarkeit und Neigung zur Selbstverkrümmung zum Erbgut des Menschen in Adam und Eva gehören.

Dies beinhaltet die oft belächelte, von vielen missverstandene, aber doch so wahre Lehre von der Erbsünde. Es scheint, dass sich ihre Wahrheit umso mehr manifestiert, als sie theoretisch geleugnet wird.

Zu den Kennzeichen der Kirche aber gehört die in der Taufe geschenkte Heiligkeit und die in der Gnade mögliche Haltung des selbstlosen Dienens: „Ihr wisst, […] dass die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei Euch soll es nicht so sein!“ (Mk 10,42f.)

Was die Kirche in Deutschland zur Erneuerung und damit zur Wiedergewinnung ihrer Glaubwürdigkeit dringend braucht, ist nicht in erster Linie „professionelle Verwaltung“. Wenn damit gemeint sein sollte, dass mit den irdischen Gütern gesetzeskonform umgegangen und klug gewirtschaftet wird, ist diese Forderung trivial.

Zur Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit braucht es vielmehr stärkeren Glauben, Gehorsam gegenüber Gottes Wort und, allem voran, gelebte Heiligkeit! Die zu jeder Zeit erforderliche Erneuerung der Kirche ist nicht von einer Anpassung an zeitgeist-diktierte Vorstellungen oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten.

Ein Blick in die Geschichte der Kirche zeigt eindeutig, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums, aus einer tieferen Liebe zu Christus, aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung sowie aus einer radikaleren Christus-Nachfolge erwachsen sind.

Ob das im 12. Jahrhundert die zisterziensische Bewegung war, im 13. Jahrhundert die Bettelorden mit Franziskus und Dominikus, oder die Beschlüsse des Konzils von Trient im 16. Jahrhundert mit ihren Auswirkungen für die katholische Reform hinein bis ins 17. und 18. Jahrhundert, nie ging es um Abstriche oder gar ein Verlassen des überlieferten Glaubens, immer war es eine Intensivierung der Predigt, des Gebetes, der Mission und der Caritas, und immer waren es heilige Frauen und Männer, die wirklich etwas zum Besseren verändert haben.

Oder schauen wir auf das Wiedererstarken der Kirche im 19. Jahrhundert nach einem unglaublichen Tiefpunkt, markiert durch die Säkularisation: Da waren so große Gestalten wie Johann Michael Sailer, Bischof Wittmann, Maria Theresia Gerhardinger, Paul Josef Nardini, um nur ein paar der großen Beweger und Erneuerer hier in unserer nächsten Umgebung zu nennen.

Und im 20. Jahrhundert hat ein heiliger Papst Johannes Paul II. nicht nur eine weltpolitische Wende hin zur Überwindung des Eisernen Vorhangs eingeleitet, sondern auch mit seiner Theologie des Leibes und einer menschlich-personalen Sicht der Sexualität ein Erbe hinterlassen, mit dem wir wuchern sollten.

Machen wir uns, liebe Schwestern und Brüder, das Schlussgebet der heutigen Messfeier auch ganz persönlich zu Eigen, wenn es nachher heißen wird: „Barmherziger Gott, in jeder Not bist Du unsere Hilfe. Bleibe bei uns mit deinem Schutz. Gib uns, was wir für dieses vergängliche Leben brauchen, und führe uns zur ewigen Vollendung bei Dir.“ – Amen.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/jahresschlussmesse-an-silvester-2018-verlorengegangenes-vertrauen-wiedergewinnen-6494/


Regensburger Bischof würdigt verstorbenen Philosophen Robert Spaemann

Prof. Dr. Robert Spaemann, einer der führenden katholischen Philosophen im deutschsprachigen Raum, ist tot. Er starb am Montag mit 91 Jahren in seinem Haus in Stuttgart.

Dazu erklärt Dr. Rudolf Voderholzer, der Bischof von Regensburg: 

„Der bedeutendste katholische Philosoph unserer Zeit. Sein Wort hatte Gewicht und fand Gehör in der Welt. Seine glasklaren Analysen und sein unbestechliches Urteil waren ein Kompass in stürmischen und unübersichtlichen Debatten.

Der Begründung der Würde des Menschen als Person und deren Schutz vor allen Funktionalismen und Totalitarismen von rechts wie links widmete er sich mit intellektueller Leidenschaft.

Seine frühen Warnungen vor den unabsehbaren Folgen der Nutzung der Kernenergie und seine unwiderlegbare Argumentation für den Lebensschutz in der Abtreibungsfrage sind ebenso wertvoll wie seine Gedanken zur Gottesrede nach Nietzsche. Ein großer Zeuge für die Vereinbarkeit von Glaube und Vernunft!

Gott der HERR, auf den er seine Hoffnung gesetzt hat, vergelte ihm seinen Dienst in der Wahrheitssuche und führe ihn nun vom Glauben zum Schauen.“

Diesen Beitrag von Prof. Dr. Robert Spaemann über ein Sterben in Würde hat er 2015 der Presseabteilung im Bistum Regensburg zur Verfügung gestellt.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/bischof-rudolf-voderholzer-zum-tod-von-robert-spaemann-6462/


Erneute Teilnahme des Bischofs von Regensburg am „Marsch für das Leben“

Pressemitteilung des Bistums Regensburg:

Am heutigen Samstag, dem 22. September 2018, beteiligen sich Gläubige aus dem Bistum Regensburg, darunter Bischof Rudolf Voderholzer, am Marsch für das Leben in Berlin.

Es wird eine ökumenische Demonstration mit Menschen aller Konfessionen und Parteien, die sich für das im Grundgesetz garantierte Recht auf Leben einsetzen – darunter in diesem Jahr auch der evangelisch-lutherische Bischof Hans-Jürgen Abromeit.

In einer Pressemitteilung sorgt sich nun der Oberpfälzer grüne Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt über die aus seiner Sicht „extremistische Unterwanderung“ des Marsches für das Leben und warnt sowohl die Katholiken im Bistum Regensburg als auch Bischof Rudolf Voderholzer davor, am kommenden Samstag in Berlin von ihrem Demonstrationsrecht (Art. 8 GG) Gebrauch zu machen.

Worauf er seine Warnungen bezieht, ist nicht genau bekannt geworden – dennoch kann seine Warnung nicht ganz von der Hand gewiesen werden.

Denn wer sich die Fotos anschaut, die in den vergangenen Jahren beim Marsch für das Leben entstanden sind, sieht in der Tat erschreckende Gewaltbereitschaft, Hass, Hetze und Beleidigungen.

Es handelt sich dabei allerdings nicht um die Teilnehmer/innen am Marsch für das Leben, sondern der sog. Gegendemonstration, zu der u.a. die Grünen (also die Partei von Herrn Schmidt), die Linkspartei sowie andere Gruppierungen aufrufen.

Anstatt die Katholiken im Bistum Regensburg davor zu warnen, von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen, sollte sich Herr Schmidt überlegen, sich von der Hassdemonstration, zu der seine eigene Partei maßgeblich aufruft, zu distanzieren.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/wir-demonstrieren-fuer-das-leben-einladung-zum-marsch-fuer-das-leben-am-22092018-in-berlin-6268/


Regensburg: Bischof würdigt Glaube und Kultur der vertriebenen Donauschwaben

„Das Kreuz gehört in den öffentlichen Raum“

Anlässlich der 59. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Basilika St. Anna in Altötting am Sonntagvormittag eine Pontifikalmesse gefeiert. Während der sehr ermutigend wirkenden Predigt bat der Regensburger Bischof die zahlreich Anwesenden, die Sonntagskultur stark zu halten, das Kreuz im öffentlichen Raum wertzuschätzen und die Marienverehrung zu pflegen.

Er erinnerte an die große Bedeutung der Donauschwaben sowie überhaupt der Lebensleistung der vertriebenen Gläubigen innerhalb Europas – bis heute und gerade angesichts der Lage des Kontinents in dieser Zeit.

Der Bischof, der von der Herkunft seiner Mutter aus dem Sudetenland sehr geprägt wurde, sagte: „Es bewegt mich tief, zu erleben, mit welcher Hingabe Sie die geerbten Traditionen pflegen.“

Angesichts des zunehmenden Einflusses des Islam in Europa betonte der Regensburger Bischof die Notwendigkeit, den christlichen Glauben zu leben und zu bekennen. Er forderte dazu auf, die Sonntagskultur zu leben, denn mit dem staatlichen Schutz sei es nicht getan. Zu den Formen einer zeitgemäßen Sonntagskultur gehöre nicht zuletzt die Tracht. Zahlreiche Donauschwaben waren in ihrer traditionellen Tracht zu diesem Gottesdienst erschienen (siehe Foto).

Außerdem erklärte Bischof Dr. Voderholzer, dass zu den Grundlagen des christlichen Europa das Kreuz gehört. „Das Kreuz gehört in den öffentlichen Raum: Ich verstehe es nicht, wenn der Bayerische Ministerpräsident sogar aus kirchlichen Reihen heraus kritisiert wird, weil er das Anbringen von Kreuzen in öffentlichen staatlichen Räumen angeordnet hat.“ 

Das Kreuz stehe für die vor-staatlich religiösen Wurzeln unserer Gesellschaft und für ein Fundament, das sich der Staat nicht geben kann und das er nicht garantieren kann. Allerdings werde auf die Dauer auch ein Erlass nicht helfen, wenn es nicht Menschen gibt, die die Religion des Kreuzes von innen her leben und lieben, erklärte der Bischof.

Schließlich erinnerte der Regensburger Oberhirte auch an die große Bedeutung der Marienverehrung. Wallfahrtswege seien die Pulsadern des christlichen Europa und die Marienwallfahrtsorte seien Knotenpunkte der christlichen Vernetzung.

Bischof Voderholzer würdigte die Tatsache, dass die Wallfahrt die Donauschwaben nach Altötting führt. Abschließend stellte er fest: „Die Vertriebenenverbände und Volksgruppen sind prädestiniert, Förderer eines vereinten Europas auf der Basis des christlichen Glaubens zu sein. Niemand weiß mehr um die Bedeutung und die Notwendigkeit eines vereinten Europas auf der Basis des Christentums als Sie!“

Die Donauschwaben sind eine Gemeinschaft mit einer besonderen gemeinsamen Geschichte: Aus deutschen Ländern kamen sie ab dem Ende des 17. Jahrhunderts aufgrund von gewährten Privilegien in Gegenden an der Donau, die heute in den Staaten Ungarn, Rumänien und Serbien liegen. Die österreichische Kaiserin Maria-Theresia u.a. hatte sie gerufen, um das Land zu kultivieren, das im Zuge der Türkenkriege verwüstet worden war. Bald brachten sie die Gegenden durch handwerkliches wie auch landwirtschaftliches Geschick zur Blüte.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs sowie nach Kriegsende flohen sie zum Teil. In großer Zahl wurden Donauschwaben, die geblieben waren, aber auch interniert, vertrieben oder zu vielen Tausenden in fürchterlichen Massakern ermordet. Schon immer spielte der katholische Glaube bei den Donauschwaben eine große Rolle, auch und gerade bei den Überlebenden, die diesen ihren Glauben bei ihrer Flucht und Vertreibung nach Österreich, Deutschland, weitere Länder Europas sowie überhaupt in die ganze Welt mitnahmen. 

Quelle (Text/Fotos): https://www.bistum-regensburg.de/news/sonntag-kreuz-maria-bei-der-christlichen-praegung-europas-haben-die-donauschwaben-eine-besondere-aufgabe-6151/


Der selige Karl Leisner: Priester, Bekenner und Märtyrer in schwer bedrängter Zeit

Von Felizitas Küble

Tausende von katholischen Geistlichen waren Opfer der nationalsozialistischen Diktatur, weil sie tapfer für die Glaubensgrundsätze der Kirche eintraten, sich für Verfolgte einsetzen oder mutige Predigten hielten. Zu den Märtyrern der NS-Zeit gehört auch der junge Priester Karl Leisner aus dem Bistum Münster. 

Der Internationale Karl-Leisner-Kreis e.V. (IKLK) veranstaltete am 11. Mai 2018 auf dem Katholikentag in Münster eine Podiumsdiskussion unter dem Titel: „Versöhnung im Krieg unter Feinden – Die geheime Priesterweihe von Karl Leisner im KZ Dachau 1944“.

Teilnehmer auf dem Podium waren neben Bischof Dr. Rudolf Voderholzer der emeritierte Erzbischof von Hamburg, Dr. Werner Thissen, der Publizist und Pfarrer i. R. Hans-Karl Seeger, Altpräsident des IKLK, der im niederrheinischen Kleve unweit von Leisners Elternhaus aufwuchs und der Historiker Dr. Christoph Kösters von der Kommission für Zeitgeschichte in Bonn; der Mitherausgeber des Buches „Priester unter Hitlers Terror“. Kösters widmet sich seit langem der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Leisner.

Der Gesprächsrunde gelangt es eindrucksvoll, das Leben und die Spiritualität des Seligen von verschiedenen Blickwinkeln aus zu würdigen.

Monika Kaiser-Haas, eine Nichte Leisners und Vizepräsidentin des IKLK, begrüßte die erwähnten Experten sowie Georg Walser (Redakteur des Michaelsbundes) als Podiums-Moderator; sie führte zugleich informativ ins Tagungsthema ein.

FOTO: Bischof Voderholzer beteiligte sich engagiert an dieser Podiumsdebatte

Zu Beginn der Veranstaltung wurden Ausschnitte aus dem Dokumentations-Film „Christ aus Leidenschaft“ präsentiert. Darin geht es um Leisners Glauben und Wirken, auch um seine frohe Zeit in der katholischen Jugendbewegung, wo er „brennende Herzen für Christus“ kennenlernt.

Früh warnte der klarsichtige junge Mann vor dem durch die NS-Bewegung aufkommenden Neuheidentum. Seine tapfere Haltung führt ihn letztlich ins KZ Dachau  – dem größten Priestergefängnis, das es je gab (insgesamt wurden über dreitausend Priester dort festgehalten).

Dr. Kösters erwähnte zum Thema Neuheidentum, daß gerade Bischof Clemens Graf von Galen (zu dessen Bistum Münster auch Karl Leisner gehörte) vor allem die katholische Jugend davor warnte und dem NS-Chefideologen Rosenberg öffentlich widersprach. Das national-sozialistische Neuheidentum sei letztlich ein säkularer Religionsersatz gewesen, erklärte der Historiker.

Pfarrer Seeger schilderte sodann kenntnisreich die risikoreichen Vorbereitungen und den Ablauf der Priesterweihe sowie der ersten heiligen Messe, die Karl Leisner im KZ Dachau zelebrierte  – natürlich unter größter Geheimhaltung, um den NS-Schergen nicht aufzufallen.

Aus Sicherheitsgründen durfte von der Primizmesse kein Foto hergestellt werden (wobei ein Bild von dem provisorischen Altarraum existiert, jedoch ohne Personen).

Der französische Bischof Piguet habe damals gesagt, für die Spendung einer Priesterweihe riskiere er sein Leben, aber nicht für ein Foto. Er war übrigens der einzige französische Oberhirte, der in einem KZ gefangengehalten wurde, wie Pfr. Seeger anmerkte.

Die Bilder von Karl Leisner – z.B. mit Meßgewand (siehe Foto rechts) wurden zwei Tage vor der Priesterweihe beim Üben der Zeremonien angefertigt.

Damals – im Dezember 1944 – gab es bereits gewisse Auflösungserscheinungen bzw. weniger strikte Kontrollen in Dachau; in der Zeit davor wären diese gewagten Vorgänge einem größeren Risiko ausgesetzt gewesen.

Bischof Voderholzer berichtete, dass er seit langem von diesem glaubensstarken Geistlichen tief beeindruckt ist. Dieses besondere Schicksal  –  Leisners Priesterweihe im KZ –  sei zudem weltweit einzigartig und zugleich ein Zeugnis christlicher Völkerverständigung inmitten kriegerischer Auseinandersetzungen; denn der ebenfalls in Dachau inhaftierte französische Bischof Gabriel Piguet hat die Weihe am 17.12.1944 vorgenommen.

Das Wasser sei gleichsam stärker als das Blut, so der Bischof: Die Taufe könne Menschen tiefer miteinander verbinden als die nationale Zugehörigkeit. Darin liege Leisners Bedeutung für ein christliches Europa.

Dabei betonte er, die eigentlichen Pulsadern Europas seien nicht zuletzt die Wallfahrtsorte. So habe es sogar im 1. Weltkrieg weiterhin viele Pilgerfahren von Deutschen nach Lourdes gegeben, ebenso Partnerschaften zwischen bischöflichen Städten über Grenzen hinweg.

Die einzige hl. Messe Leisners bis zu seinem Tod am 12.8.1945 war seine Primizfeier im Priesterblock des KZs. Bischof Voderholzer erwähnte, jeder Priester möge die hl. Messe so würdig feiern, als wäre es – wie bei Leisner – seine erste und seine letzte.

Zudem erinnerte der Regensburger Oberhirte an die besondere Bedeutung der jungen „Botin“ Josefa Mack, ohne die Leisners Priesterweihe nicht möglich gewesen wäre; die hat die nötigen liturgischen Gegenstände (auch das geweihte Katechumenen-Öl für die Salbung der Hände), die sie von Kardinal Faulhaber (München) erhielt, unter Todesgefahr in den Priesterblock von Dachau eingeschmuggelt.

Die spätere Nonne (ab ihrem Ordenseintritt hieß sie „Maria Imma“) sei ebenso mutig wie bescheiden gewesen, sagte der Bischof; sie habe erst im höheren Alter von ihren heroischen Taten – darunter das Einschmuggeln von Lebensmitteln ins KZ – berichtet und ihre Lebenserinnerungen „Warum ich Azaleen liebe“ veröffentlicht.

Sodann erläuterte der Bischof, dass Selig- und Heiligsprechungen letztlich durch das gläubige Volk angeregt werden, denn der zuständige Bischof müsse sich vergewissern, dass im Kirchenvolk eine „hinreichende Verehrung“ für eine vorbildliche Persönlichkeit vorhanden ist, bevor er den diözesanen Seligsprechungs-prozeß eröffnen könne.

FOTO: Dr. Kösters (links) und Pfarrer Seeger informieren über Leisners Glauben und Leben

Somit erfülle die Kirche, wenn sie einen Gläubigen zur „Ehre der Altäre“ erhebe, quasi den Wunsch des Kirchenvolkes und bestätigte dessen bereits vorhandene Verehrung.

Erzbischof Thissen wies darauf hin, daß der selige Karl Leisner den  – ebenfalls seliggesprochenen   –  Münsteraner Oberhirten von Galen als Identifikationsfigur annahm und wahrnahm. Er habe den unbeugsamen Bischof 1934 erstmals bei einer Begrüßung der neuen Theologen im Borromäum in Münster erlebt, aber auch bei späteren Gelegenheiten, etwa als Meßdiener im Paulus-Dom von Münster.

Dr. Thissen würdigte auch den Mut von Bischof Piguet, der Leisner im KZ zum Priester geweiht hatte, was für den französischen Würdenträger lebensgefährlich war. Sodann sagte der frühere Hamburger Oberhirte, daß Leisner sowohl von der Lebensfreude der Menschen vom Niederrhein geprägt war wie auch von der Bodenständigkeit und Treue, die man den Westfalen gerne nachsagt.

Zudem erwähnte der emeritierte Bischof, wie es zu der 1996 erfolgten Seligsprechung Leisners gekommen ist. Pfarrer Seeger nannte sodann weitere Details, auch über das diözesane Seligsprechungsverfahren, das Bischof Heinrich Tenhumberg von Münster im Jahr 1973 eröffnete.

Bei Karl Leisner wurde bei der Vorbereitung der Seligsprechung das anfängliche Bekenner-Verfahren zu einem Märtyerer-Verfahren umgewandelt; somit brauchte kein Wunder auf seine Fürsprache hin geschehen.

Dr. Kösters betonte, daß die Blutzeugen der „Stachel im Fleisch“ der Kirche seien; denn sie fordern uns alle heraus und folgten Christus nach bis zum Letzten.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den Jugend-Verlag KOMM-MIT und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Fotos: Felizitas Küble


Resonanzfähigkeit: Wie der christliche Glaube Herz und Geist des Menschen öffnet

Von Felizitas Küble

Die Deutsche Bischofskonferenz führte erstmals eine eigene Veranstaltung auf dem Katholikentag durch: Am 11. Mai 2018 gab es im Franz-Hitze-Haus ein Hearing unter dem Leitwort „Im Heute glauben – Der Beitrag der kath. Kirche für den Zusammenhalt der Gesellschaft“

Die Tagung gehört zum „Dialogprozess“, der im September 2019 mit einer weiteren Veranstaltung fortgesetzt wird.

Zu den teilnehmenden Diözesanbischöfen gehörten Franz-Josef Overbeck (Essen), Georg Bätzing (Limburg), Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttg.) und Bischof Rudolf Voderholzer aus Regensburg.

BILD: Aufmerksame Zuhörer beim Katholikentags-Hearing (vorne rechts: Bischof Voderholzer)

Nach einer Begrüßung durch Bischof Overbeck und einer Ansprache des ZdK-Präsidenten Dr. Thomas Sternberg führte Prof. Dr. Hartmut Rosa aus Jena (siehe Foto) mit einem Impulsreferat in das Tagungsthema ein.

Dabei kreiste er um das Thema Resonanzfähigkeit und die Frage, ob diese „religiöse Tugend“ als Voraussetzung für eine rechtsstaatliche Demokratie anzusehen sei.

Der Soziologe betonte, Politik müsse mehr beinhalten als Interessenvertretung und Konfliktlösung. Das Gemeinwohl sei sowohl eine regulative Idee wie auch ein zu gestaltendes Projekt, das auf Resonanz beruhe – und somit auf einem aufmerksamen Hören und einer qualifizierten Antwort, wozu gerade die Religion hilfreich sein könne.

Der christliche Glaube mache erfahrbar, dass Gott mich hört und ich ihm antworten kann. Sünde sei Verlust der Resonanz mit ihm, eine Entfremdung gegenüber dem Schöpfer und der Schöpfung.

Gott ruft uns bei unserem Namen, seine Gnade ist unverfügbar und seine Zuwendung kann Menschen verändern und heilen. Die Kirche könne daher dem Menschen im entscheidenden Bereich des Lebens-Sinnes eine „Resonanz“ ermöglichen.

Der Gläubige öffnet sich im Gebet sowohl nach innen wie nach außen. Das eröffnet gleichsam eine „vertikale Achse“ (von der Erde zum Himmel).

Im Abendmahl bzw. der Eucharistie gibt es sogar eine dreifache Achse: zu Gott – zu den Mitchristen – zur Schöpfung: (Brot und Wein) als Gaben für die Feier. So könne der Glaube die „Taubheit“ gegenüber Gott, Mensch und Natur durchbrechen.

Sowohl in geistlicher wie in menschlicher Hinsicht seien „Echo-Räume“ zu vermeiden, in die man sich ein-igelt, in denen man sich letztlich nur selber bestätigt.

Kirche der Zukunft: Hörerin des Wortes Gottes  

Im Anschluss an diese Rede wurden ein halbes Dutzend Gesprächsgruppen mit fünfzig bis hundert Teilnehmern gebildet.

Bischof Rudolf Voderholzer beteiligte sich ebenso wie Karin Schlecht (Vorsitzende des Regensburger Diözesankomitees) an der Diskussionsrunde in Gruppe 4.

BILD: Bischof Voderholzer mit anderen Teilnehmern in einer Gesprächsrunde

Dr. Voderholzer wies darauf hin, dass unser Glaube vom Hören kommt, wie Paulus schreibt. Zugleich sei er unsere Antwort auf Gottes Wort. Eine missionarische Kirche setze die „Selbstevangelisation“ der Katholiken voraus.

Wir seien, so der Bischof weiter, keine willenlosen Resonanzkörper, sondern personale Wesen, die Gott beim Namen ruft. Eine Kirche der Zukunft sei daher eine „Hörerin des Wortes“; daraus folge die Antwort des Glaubens und das Handeln in der Nachfolge Christi. Wir sind zur Freiheit befreit durch den, der uns beim Namen ruft.

Andere Teilnehmer, darunter Bischof Bätzing, knüpften daran an und betonten, wir sollten als Christen unsere Stärken aus dem Glauben erkennen. Religion sei aber mehr als nur ein sozialer „Kitt“ der Gesellschaft. Vertrauen in Gott erleichtere das Vertrauen ins Leben und zu den Menschen.

Ein Priester beklagte, daß manche Katholiken die Kirche gleichsam als ihr „Gegenüber“ ansehen  – und weniger sich selber als lebendies Glied dieser Kirche.

Fotos: Felizitas Küble