Regensburg: Taufe in der Osternacht – Bischof Voderholzer: „Mit Zwölfen fing es an!“

In der Feier der Osternacht im Regensburger Dom hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Samstagabend zwölf Personen getauft. Die Gläubigen, die sich in den vergangenen Monaten intensiv auf ihre Aufnahme in die Kirche vorbereitet hatten, kommen aus Pfarreien in der ganzen Diözese Regensburg.

Die Kathedrale war stark gefüllt mit zahlreichen Gläubigen, die Osterspeisen zur Segnung mitgebracht hatten.

Dass gerade zwölf Gläubige getauft werden, erinnert an den Ursprung des Christseins und der Kirche. „Mit Zwölfen fing es an“, erklärte der Bischof und bezog sich dabei auf die zwölf Apostel als die Stammväter des neuen Israel. Ihnen war der auferstandene HERR mehrfach erschienen und sie bezeugten ihn mit ihrer Verkündigung und Hingabe.

Von Beginn der Kirche an waren ganze Hauswesen als Familien zum Glauben gekommen. „Das zeigt, dass der Glaube durch die Familie weitergegeben wird.“

Das zeige aber auch, sagte Bischof Voderholzer weiter, dass die Neugetauften in die eine neue große Familie der Kirche aufgenommen werden. 

Die erwachsenen Neugetauften erhielten außerdem die Sakramente der Firmung sowie die heilige Kommunion aus der Hand von Bischof Voderholzer.

Der Regensburger Bischof erklärte, die Wirkung der Taufe lässt sich nicht an den Äußerlichkeiten des menschlichen Körpers sehen. Vielmehr wird dem Herzen das Siegel Christi eingeprägt.  

Der Bischof dankte den neuaufgenommenen Gliedern der Kirche für ihre Bereitschaft, die Taufe in der Öffentlichkeit von Regensburg zu empfangen.

Im Anschluss an die Feier der Osternacht gab Bischof Dr. Voderholzer im Restaurant Bischofshof einen Empfang für die Neugetauften, ihre Paten und Patinnen sowie für zahlreiche Angehörige. Die Freude stand den Versammelten ins Gesicht geschrieben.

Auch in zahlreichen weiteren Pfarreien der Diözese Regensburg wurden Erwachsene und Kleinkinder durch die Taufe in die Kirche aufgenommen.


Ist der „synodale Weg“ der DBK eine Lösung?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Nach der Frühjahrsversammlung kündigte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) eine „Zäsur“, gewissermaßen eine neue Epoche an:

„Einstimmig haben wir beschlossen, einen verbindlichen synodalen Weg als Kirche in Deutschland zu gehen, der eine strukturierte Debatte ermöglicht… und zwar mit dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) mit dem Ziel, konkrete Beschlüsse zu beraten…

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken und den Kongreß „Freude am Glauben“

Wir dürfen auch die Themen Zölibat und Zugang der Frauen zu kirchlichen Ämtern nicht aussparen…Eine konstruktive Aneignung human-wissenschaftlicher Einsichten (sei) noch nicht gelungen…Die Kirche braucht ein synodales Voranschreiten… Wir fangen nicht am Nullpunkt an“ (Mitteilungen der DBK, 14. März 2019). Das klingt nach Entschlossenheit.

Die Worte „synodales Voranschreiten“, „synodaler Weg“, „synodale Perspektive“ haben in bestimmten Kirchenkreisen und auch in Medien Beifall gefunden, denn „wir haben viel Zeit verloren… schlagartig wird einem bewusst, wieviel Zeit die katholische Kirche verloren hat um die Verkündigung des Evangeliums und das kirchliche Leben auf der Höhe der Zeit aufzustellen“ (Konradsblatt, Nr. 12/2019, S. 2)

Bei so viel Euphorie ist es angebracht, auf das „synodale Voranschreiten“ mit den angekündigten Beschlüssen den nüchternen Blick des Kirchenrechts zu werfen. Auf die Frage, was ein „synodaler Weg“ kirchenrechtlich sei (Tagespost, 21.3.19), antwortete der Kirchenrechtler Winfried Aymans: „Synodaler Weg ist kein kirchenrechtlicher Begriff“.

Wir haben uns „etwas Synodenähnliches vorzustellen…Es geht darum, die Bezeichnung Synode zu umgehen, um nicht die rechtlichen Vorgaben erfüllen zu müssen… und doch ähnliche Ziele zu erreichen“.

Auf die Frage: „Welche Verbindlichkeit kommt den Beschlüssen eines solchen Gremiums zu?“, antwortete Aymans: „Keine“.

Da der Vorsitzende der DBK auch von „Lehrentwicklungen“ spricht, ist jedem gebildeten Katholiken bewusst, dass es solche im Sinne eines vertieften Verständnisses der Lehre schon immer gegeben hat.

Aymans präzisiert: “Der überlieferte Glaube muss stets im Horizont der geschichtlichen Zeit verstanden und ausgedrückt werden. Die Interpretation kann aber nie zur überkommenen Lehre im Widerspruch stehen“ …“Lehraussagen der Bischofskonferenz müssen im Einklang mit der universalen Lehre stehen“:

Es muss sorgfältig vermieden werden „das lehramtliche Wirken der Bischöfe anderer Gebiete zu beeinträchtigen“. Und weil das ZdK mit seinen Gliederungen (BDKJ, Frauenbünde etc.) die bekannten Forderungen für die Beratungen des „synodalen Voranschreitens“ wie Frauenpriestertum, Zölibat, Änderung der kirchlichen Sexualmoral im Visier hat, fragte die Tagespost, ob es „realistisch (sei), mit regionalen Sonderwegen zu rechnen?“

Darauf Aymans: „Diese Fragen sind sämtlich universalkirchlicher Natur und zum Teil auch für unsere Zeit schon verbindlich entschieden“.

Das Kirchenrecht wirkt ernüchternd. Es bringt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Wer aber eine „andere Kirche“ will, berauscht sich dennoch am „partizipativen“ synodalen Weg, obwohl wir das schon alles hatten, in der „Würzburger Synode“, in „Diözesansynoden“, im vierjährigen „Gesprächsprozess“.

Im Zusammenhang mit der Befassung der sexuellen Missbrauchsfälle haben sich die Themen Zölibat, Frauenpriestertum, Homosexualität in den Vordergrund geschoben. Dabei wird die kirchliche Lehre als „überholt“ und „lebensfremd“ denunziert. Aber waren die Forderungen Jesu nicht zu allen Zeiten „lebensfremd“, „widersprüchlich“ zum Zeitgeist und „anachronistisch“?

Auffallend an den Debatten ist, dass die entscheidende Frage nach den Ursachen, die zum sexuellen Missbrauch geführt haben, kein Thema sind. Die Kardinäle Brandmüller und Burke haben den in Rom versammelten Bischöfen die Stichworte zugerufen. Sie wurden nicht aufgegriffen. Das war bei der Frühjahrskonferenz der DBK nicht anders.

Die Bischöfe beschäftigte auch nicht die Frage, was den kläglichen Zustand der Ortskirche herbeigeführt hat – mit der religiösen Unwissenheit nach neun Jahren Religionsunterricht, dem nahezu ausgestorbenen Bußsakrament, dem geringen Gottesdienstbesuch, dem Lebensstil der meisten Katholiken, der an das Wort von Johannes Paul II. erinnert „sie leben als ob es Gott nicht gäbe“, den Predigten und Katechesen, die jene Themen aussparen, die unangenehm berühren könnten. Umdenken und Umkehr waren keine Themen.

Die Gläubigen erfahren von ihren Hirten kaum etwas zu drängenden Zeitfragen: Zur Genderideologie, zur Ehe für Alle, zur Forderung homosexueller Partnerschaften auf „das Recht auf ein Kind“ mittels Ei und Samenspende und Leihmutterschaft, zur Tötung behinderter Kinder im Mutterleib durch die Präimplantationsdiagnostik (PID).

Da drängt sich die Mahnung des heiligen Paulus zu apostolischem Eifer an Bischof Timotheus auf:

„Ich beschwöre dich vor Gott und vor Jesus Christus, der einst richten wird die Lebenden und die Toten… verkünde das Wort, tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen… Es wird eine Zeit kommen, da man die gesunde Lehre nicht ertragen mag und sich seine Lehrer nach eigener Willkür zusammenstellen wird, weil man nach Ohrenkitzel verlangt; und so wird man das Ohr von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeleien zukehren“. (2 Tim, 4, 1-9)

Wir haben schon viel Zeit verloren. Und es besteht die Gefahr, dass die Weichen erneut in die falsche Richtung gestellt werden und so noch mehr Zeit verloren wird. Eine Umkehr ist nicht chancenlos.

Wie Kath.net berichtet (21.3.19), haben die Bischöfe den synodalen Weg nicht einstimmig beschlossen: „Es gab einige Stimmenthaltungen“.

Es gibt auch bischöfliche Stimmen, die in die Zukunft weisen, so etwa folgende Stellungnahme des Regensburger Bischofs Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto):

„Erneuerung der Kirche ist nicht von einer Anpassung an Zeitgeist diktierte Vorstellung oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten. Die Geschichte zeigt, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums… aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind“.

Oder die folgende Äußerung von Bischof Gregor Maria Hanke (Bistum Eichstätt):

„Mehr Zeugenschaft und Nachfolge Jesu, weniger Institution und Verfasstheit“ sind nötig. „Die notwendige geistliche Erneuerung der Kirche ist nicht zu erreichen, wenn wir an Kirche und Glaube herumschrauben, als ginge es um ein Parteiprogramm, das es mehrheitsfähig zu machen gilt. Die Kirchengeschichte zeige, dass durch die Homöopathisierung des Anspruchs des Evangeliums kein geistliches Wachstum entsteht“.


Regensburg: Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Institut Papst Benedikt XVI.

Am Sonntagabend hat im Priesterseminar Regensburg unter sehr großer Anteilnahme die Feier des zehnjährigen Bestehens des Institut Papst Benedikt XVI. stattgefunden.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Gründungsdirektor des Instituts, stand der Pontifikalvesper in St. Jakob vor. Beinahe 150 Personen waren gekommen, um das freudige Ereignis zu begehen. Unter den Gästen befand sich auch Apostolischer Protonotar Georg Ratzinger, der Bruder des emeritierten Papstes.

Im Institut werden die Gesammelten Schriften Josef Ratzinger als die für die Zukunft maßgebliche Edition und Referenzpunkt für die Wissenschaft herausgegeben.

BILD: Prof. Christoph Ohly, Bischof Voderholzer und Kardinal Müller

Von hier aus werden alle maßgeblichen internationalen Aktivitäten koordiniert und begleitet, die sich dem Studium des Werkes des Heiligen Vaters widmen.

Bischof Dr. Voderholzer kündigte bei dieser Gelegenheit das Erscheinen von Band 14 der Gesammelten Schriften an, das die Predigten Joseph Ratzingers enthalten wird. Der Regensburger Bischof informierte darüber, dass ein bedeutender Theologe jüngst bereits von der „Regensburger Ausgabe“ der Werke Joseph Ratzingers gesprochen und diese im selben Atemzug mit der „Kölner Ausgabe“ der Schriften des heiligen Albertus Magnus genannt habe.

Was die Edition der Werke betrifft, so sind bereits zwei Drittel der Arbeit vollzogen worden.

Aufgabe des Instituts ist es auch, die Rezeption des Werkes Joseph Ratzingers anzustoßen. Dr. Voderholzer erinnerte daran, dass es in dieser Hinsicht für die Theologie noch viel zu tun gebe.

Nicht zuletzt die Erforschung des Beitrags Joseph Ratzingers bzw. der Rezeption seiner Arbeiten und seiner Theologie mit Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962 – 1965) sind noch nicht umfassend angegangen worden.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Symposien zu bedeutenden Aspekten der Theologie Ratzingers stattgefunden, was eine Aufgabe des Instituts ist. Der Regensburger Bischof nannte das Wirken zugunsten der Theologie Joseph Ratzingers eine „erfrischende Tätigkeit“. Die Arbeit werde nicht so schnell ausgehen. Es gelte, den Weg zu einer sprudelnden Quelle weiter zu bahnen.

Kardinal Gerhard Müller, in dessen Zeit als Bischof von Regensburg das Institut eingerichtet worden war, nannte Benedikt XVI. einen „Theologen vom Rang der Kirchenväter“. Er erinnerte daran, dass Vernunft und Glaube im Leben Joseph Ratzingers bis heute nicht zu trennen sind. Das hohe Interesse, das Werk in zahlreiche Fremdsprachen zu übersetzen, zeige seine internationale Bedeutung.

BILD: Eines der neueren Bücher von Papst em. Benedikt  – hier über das Priestertum

Dr. Christian Schaller, Stellv. Direktor der Einrichtung, hatte die Festgäste aus nah und fern begrüßt und in die Feierstunde eingeführt. Im Rahmen des Instituts sind 47 Publikationen in zehn Jahren entstanden. Er stellte zahlreiche Aktivitäten zur internationalen Vernetzung des Instituts vor.

Der Trierer Kirchenrechtler Prof. Dr. Christoph Ohly hielt anschließend auf sehr ansprechende Weise einen Festvortrag. Dabei stellte er die Theologie Joseph Ratzingers als eine faszinierende symphonische Theologie vor.

In der Homilie während der Pontifikalvesper bereits hatte Bischof Dr. Voderholzer gezeigt, wie sich in einer Probepredigt des wenige Wochen zuvor zum Diakon geweihten Joseph Ratzinger bereits seine Meisterschaft abzeichnete. Es war die Predigt vom 3. Dezember 1950, die Diakon Ratzinger im Rahmen seiner Predigtausbildung gehalten hatte.

Quelle: Bistum Regensburg


Bischof Rudolf Voderholzer bekräftigt den Sinn des priesterlichen Zölibats

Regensburger Oberhirte gegen „Missbrauch des Missbrauchs“

Im Rahmen des Pontifikalamtes zum Hochfest des hl. Wolfgang nahm der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer Bezug auf die öffentliche Debatte um die MHG-Studie über den sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen von Klerikern in der Kirche, vor allem aber auf die Konsequenzen, die nach Meinung bestimmter Kommentatoren daraus gezogen werden sollten.

Die Stimmen mehren sich, die Teilen der MHG-Studie erhebliche Schwächen nachweisen. Insbesondere wird die Schlussfolgerung kritisch gesehen, dass angeblich die zölibatäre Lebensform der Priester und die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität mitursächlich für den sexuellen Missbrauch seien.

Man gewinnt den Eindruck, nicht wenigen Interessierten komme diese Schlussfolgerung gerade recht, um lange ersehnte kirchenpolitische Ziele zu verfolgen.

Es ist auch kaum mehr von den Opfern und einer Verbesserung der Prävention die Rede, sondern von grundstürzenden Veränderungen in der Kirche und der Gestalt des geistlichen Dienstamtes, erklärt der Bischof von Regensburg und fügt hinzu:

„Ich halte das für einen Missbrauch des Missbrauchs, insbesondere für einen Missbrauch der Opfer des Missbrauchs. Wenn der Zölibat ursächlich wäre für diese Verbrechen, wie erklärt es sich dann, dass 99,9 Prozent dieser Fälle von nicht zölibatär lebenden Männern getan werden?

Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist die Lebensform Jesu und der Apostel, sie stand in der Kirche von Anfang an wegen ihres Zeugnischarakters in hohem Ansehen und wurde vom Mönchtum, aber auch von Bischöfen und Priestern gelebt, lange bevor sie dann für den Bereich der Westkirche im Mittelalter verbindlich vorgeschrieben wurde. Zu behaupten, der Zölibat sei im Mittelalter ausschließlich aus ökonomischen Gründen eingeführt worden, entbehrt jeder historischen Vernunft.“

Jeder Priesteramtskandidat weiß, so der Bischof weiter, dass die Kirche die freiwillige Annahme des Zölibats als Berufung zur Christusnachfolge zum Kriterium der Berufung in den geistlichen Dienst gemacht hat. Jeder Weihekandidat bekundet ausdrücklich diese Freiwilligkeit.

Dass diese Lebensform in einer übersexualisierten Gesellschaft ein Skandalon darstellt, angefochten, verlacht und bespuckt wird, sei noch lange kein Grund, von dieser biblisch begründeten Tradition abzugehen: „Vielleicht war sie noch nie so wichtig wie heute!“, gibt Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zu bedenken.

Notwendig sei freilich eine gute Vorbereitung der Priesteramtskandidaten und eine gute Begleitung der Priester, damit diese Lebensform gut gelebt werden und ihren Zeugnischarakter auch bewahren kann, betont Bischof Voderholzer:

„Unsere Priesterausbildung berücksichtigt sehr wohl die psychologischen und menschlichen Gesichtspunkte, die notwendig sind für eine reife Persönlichkeit. Ich lege dafür meine Hand ins Feuer. Und ich möchte auch an dieser Stelle der überwältigenden Mehrheit der Priester mein Vertrauen aussprechen, die ihren Dienst eifrig und gewissenhaft tun, die unbescholten waren und sind.“

In Deutschland gibt es mit Recht ein sehr strenges Datenschutzgesetz. Gleichzeitig wird von bestimmter Seite die Forderung erhoben, die Personalakten, also einen Datenbestand von höchster Sensibilität, die Personalakten aller Priester gewissermaßen der Öffentlichkeit preiszugeben:

„Dieses Ansinnen ist ungeheuerlich! Die Priester genießen denselben Datenschutz wie alle anderen Menschen auch. Niemand käme doch auf die Idee, den Staat aufzufordern, alle  Personalakten der Lehrer offen zu legen, weil es auch in Schulen zu Fällen sexuellen Missbrauchs kommt. Wenn ein begründeter Anfangsverdacht besteht, dann hat die Staatsanwaltschaft das Recht auf Akteneinsicht und die Pflicht zur Aufklärung“, so der Regensburger Oberhirte.

Und weiter: „Aber diesen Generalverdacht, der sich hier breit macht, weise ich auf das Entschiedenste zurück! Das haben die Priester nicht verdient. Und das hat die katholische Kirche nicht verdient. Die katholische Kirche ist die erste und einzige Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland, die sich in so umfassender Weise diesem Problem stellt.

Ich kann nicht dazu schweigen, dass nun der Eindruck im Raum stehen bleibt, wir seien die einzige Institution, die dieses Problem hat. Ja, wir haben gelernt, dass die Opferperspektive absoluten Vorrang hat vor jeder Rücksichtnahme auf die Institution oder die Täter. Aber sind denn die vielen Opfer in den anderen Bereichen der Gesellschaft weniger wert oder bedeutsam?“, so Bischof Voderholzer abschließend.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/debatte-um-mhg-studie-bischof-rudolf-voderholzer-stellt-klar-zoelibat-ist-lebensform-nach-vorbild-von-jesus-christus-und-den-aposteln-6369/


Mutiger evangelischer Bischof Abromeit predigt beim „Marsch für das Leben“

Wie die Internetpräsenz der Evangelischen Kirche von Mecklenburg-Vorpommern berichtet, nimmt erstmals seit Jahren ein landeskirchlicher evangelischer Bischof am „Marsch für das Leben“ in Berlin teil (der heute stattfindet), nämlich Hans-Jürgen Abromeit: http://www.kirche-mv.de/Marsch-fuer-das-Leben-mit-Bischof-Abromeit.10125.0.html

Dies ist umso erstaunlicher, als sich amtliche Vertreter der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) bislang fast immer distanziert bis ablehnend gegenüber diesem Lebensrechtler-Schweigemarsch geäußert haben, diesmal z.B. erneut Bischof Markus Dröge von Berlin-Brandenburg, der dieser Aktion eine „Polarisierung“ vorwarf.

Zweifellos scheiden sich die Geister, wenn es um das Lebensrecht der ungeborenen Kinder geht – allerdings bleibt unklar, warum Dröge das zu einem Vorwurf an die Abtreibungsgegner ummünzt.

Anders reagiert der Greifswalder evangelische Bischof Abromeit, der nicht nur „mitmarschiert“, sondern sogar die Predigt beim ökumenischen Abschlußgottesdienst auf dem Washington-Platz in Berlin halten wird.

Gegenüber dem epd-Pressedienst erklärte Abromeit: „Neues Leben beginnt nach medizinischer Expertise und gemeinsamer christlicher Überzeugung mit der Zeugung. Das so entstandene Kind hat ein Recht auf Leben – das soll geschützt werden.“ – Er sagte weiter, Gott sei „ein Freund des Lebens, das Leben ist absolut und heilig“. Deshalb sei es in seiner Theologie „konsequent, für das Leben einzutreten“.

Zudem nehmen diesmal erneut  – wie bereits in den Vorjahren  –  katholische Würdenträger an der Kundgebung für das Leben teil, darunter der Oberhirte von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer, sowie der Berliner Weihbischof Mathias Heinrich.


Ehem. evangelischer Pfarrer Hartmut Constien ist katholischer Priester geworden

Der protestantische Pfarrer Hartmut Constien ist mit seiner Frau (einer Theologin) und den drei Kindern am 1. September 2014 in die katholische Kirche eingetreten.

Der Konvertit (siehe 1. Foto) wirkte zuvor als Pastor der theologisch konservativen, lutherischen Freikirche SELK (Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche) in Mittelhessen. Er war Jugendpfarrer für den SELK-Kirchenbezirk Hessen-Süd und Pfarrer der SELK-Paulusgemeinde in Allendorf bei Wetzlar.

Nach seinem Übertritt 2014 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Papst Benedikt XVI. in Regensburg. Zugleich studierte er katholische Theologie im österreichischen Stift Heiligenkreuz, einer päpstlichen Hochschule.

Am 30. Juni 2018 wurde der inzwischen 41-jährige Familienvater in Regensburg von Bischof Rudolf Voderholzer (siehe 2. Foto) zum Priester geweiht.

Wenn evangelische Pastoren, die zur katholische Kirche übertreten, zum Priester geweiht werden, sind sie nicht an den Zölibat (Ehelosigkeit, Enthaltsamkeit) gebunden. Diese Sonderregelung gilt seit langem, nicht etwa erst seit dem 2. Vatikanischen Konzil.

Die WochenzeitungDie Tagespost“ berichtet zudem am 27. Juni 2018:

„Wie Constien in einem Interview mit „katholisch.de“ erzählt, merkte er in seiner Zeit als evangelischer Pastor immer stärker, wie seine Art zu glauben und den Glauben zu leben, katholisch ist.

Wie Constien betont, wurde er nicht mit dem Ziel katholisch, unbedingt auch Priester werden zu müssen. „Ich wollte vor allem katholisch sein“.

Besonders fasziniert Constien am katholischen Glauben die weltumspannende  und die Geschichte überdauernde lebendige Gemeinschaft. „Dieses Bewusstsein der sichtbaren Einheit der Kirche gibt es in den evangelischen Kirchen so nicht.“

Für den ehem. evangelischen Pastor ist  – so die DT  – der gemeinsame Kommunionempfang „nur der Endpunkt der Ökumene“: 

„Er selbst habe vor seiner Konversion bewusst auf den Empfang der Eucharistie verzichtet, obwohl er in dieser Zeit „wirklich einen eucharistischen Hunger“ verspürte. So „wurde bei meiner Konversion der erste Empfang der Kommunion zum sichtbaren Ausdruck: Jetzt bin ich Teil der katholischen Kirche!“

1. Foto: https://www.bistum-regensburg.de/news/am-30-juni-2018-ist-priesterweihe-die-weihekandidaten-stellen-sich-vor-6103/


Gedenkmesse würdigt den 1938 von den Nazis verbannten Bekennerbischof Sproll

Vor 80 Jahren wurde Bischof Dr. Johannes Baptista Sproll von den Nationalsozialisten aus seiner Heimatdiözese Rottenburg vertrieben.

Zuflucht fand er zunächst bei den Mallersdorfer Schwestern in Bad Wörishofen im Bistum Augsburg.

Dort in der Pfarrkirche St. Justina feierte Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) mit seinem Amtsbruder Dr. Rudolf Voderholzer (Regensburg) am 4. August 2018 ein Pontifikalhochamt zum Gedenken an Bischof Sproll, an das sich ein Festakt im Kneipp-Kurhaus St. Josef anschloss.

„Auch in Zeiten tiefster Dunkelheit hat er nicht vom Vertrauen auf Gott gelassen“, lautet die Inschrift auf dem Bronze-Relief am Haupteingang des Bad Wörishofer Kneipp-Kurhauses, das von den Mallersdorfer Schwestern geführt wird.

Es wurde 2013 zur Erinnerung an J. B. Sproll angebracht, den Oberhirten aus der Nachbardiözese Rottenburg, der aufgrund seines mutigen Eintretens gegen die Nationalsozialisten im Volk den Ehrentitel „Bekennerbischof“ erlangte.

Schon lange vor 1933 war er von der Schädlichkeit des Nationalsozialismus überzeugt: er studierte das Parteiprogramm und las „Mein Kampf“. Durch seine unmissverständlichen Worte auf Großveranstaltungen und Bischofstagen in der ganzen Diözese zog er den Zorn der Nationalsozialisten auf sich.

Am 10. April 1938 blieb er demonstrativ der Abstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und der damit gekoppelten Wahl zum „Großdeutschen Reichstag“ fern. Dies brachte das Fass zum Überlaufen.

Die NSDAP inszenierte wiederholt Kundgebungen vor dem Bischofshaus, wobei die meisten Demonstranten eigens mit Lastwagen gebracht worden sind. Die aufgehetzte Menge stürmte das Ordinariat und verwüstete das Gebäude.

Am 24. August 1938 wies die Gestapo Bischof Sproll aus dem Gebiet Rottenburg aus. Stationen seiner Flucht waren u. a. Freiburg, Bad Dürrheim, Donaueschingen, Konstanz, Lindau, München, Bad Wörishofen, St. Ottilien (2 Jahre) und Krumbad (4 ½ Jahre).