Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee bedeutet das „Ende einer Epoche“

Pressemeldung der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK): 

Der leitende Geistliche der SELK, Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), begrüßte die Erklärung des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron (Köln), aus Anlass der Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul (Türkei) in eine Moschee.

Als der Westen im Jahr 1453 kümmerliche drei venezianische Galeeren zur Unterstützung Konstantinopels schickte, waren dem bereits Jahrhunderte an westlicher Ignoranz gegenüber dem Osten vorausgegangen. Dies dürfe sich heute nicht wiederholen, erklärte Voigt gegenüber SELK-News.

Radu Constantin Miron ist Erzpriester der Orthodoxen Kirche in Deutschland und zudem Vorsitzender der ACK Deutschland.

In seiner Erklärung heißt es:

Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche. Durch einen administrativen Akt des türkischen Staatspräsidenten verliert die Hagia Sophia in Istanbul den Status eines Museums, den sie seit 1935 besaß, und wird zur Moschee gemacht.

Dieser staatliche Akt geschieht – wie so häufig in der Türkei – unter scheinbarer Wahrung der Rechtstaatlichkeit.

Das im 6. Jahrhundert gebaute Gotteshaus, das unter Kaiser Justinian als christliche Kirche erbaut wurde und über neun Jahrhunderte als solche diente, wird, wie 1453 nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen, erneut zur Moschee.

Seit dem 1. Februar 1935 stand sie dann als Museum allen Besucher/innen offen, wie es der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, verfügt hatte.

Im Bewusstsein der orthodoxen Christen blieb und bleibt die Hagia Sophia allerdings die „Große Kirche Christi“.

So ist es kein Zufall, dass Vertreter aller orthodoxen Patriarchate und autokephalen (selbständigen) Kirchen gegen die Entscheidung der türkischen Regierung protestiert haben.

Doch auch viele Vertreter/innen anderer Kirchen, europäischer und weltweiter Institutionen, nicht zuletzt der UNESCO, zu deren Welterbe die Hagia Sophia ja gehört, haben ihre Bestürzung über diesen Vorgang geäußert, der offenkundig nicht religiöse Bedürfnisse, sondern innen- und außenpolitische Ambitionen des türkischen Präsidenten befriedigen soll.

Deshalb richten sich diese Proteste – und auch die vorliegende Erklärung – nicht gegen den Islam oder das islamische Gebet, sondern gegen den Missbrauch der Religion, der hier zutage tritt.

Zudem lässt die bewusste Wahl des 24. Juli als Datum der Umwidmung nichts Gutes erahnen, handelt es sich doch um den Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages von Lausanne (1923), in dem in den Artikeln 37 bis 44 auch die Rechte der nicht-muslimischen Minderheiten bzw. die Verpflichtung der Türkei, diese und ihre religiösen Einrichtungen zu respektieren, festgeschrieben wurden.

In den vergangenen Jahren stellte der türkische Staatspräsident Erdoğan immer wieder diesen Vertrag in Frage. Seine Vorliebe für Symbolpolitik, die wieder durch diese Datumswahl deutlich wird, geht offensichtlich auch zu Lasten der christlichen Minderheit in der Türkei. Ihr Schicksal kann und darf uns als Christen nicht gleichgültig sein.

Zu oft haben wir unsere Stimme nicht laut genug erhoben, wenn es um den Genozid an den Armeniern und anderen Völkern, um die Septemberpogrome des Jahres 1955, um die Ermordungen von christlichen Missionaren und Würdenträgern oder die zahllosen Enteignungen von Gebäuden und Grundstücken aller christlichen Kirchen des Landes ging.

Auch die Umwidmung der Hagia Sophia ist eine Enteignung, nicht im immobilienrechtlichen, sondern im geistlichen Sinn. Und sie bedeutet das endgültige Ende einer säkularen, laizistischen, modernen Türkei, wie sie Atatürk vorschwebte, der die Hagia Sophia zum Museum gemacht hatte.

Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche.

Internetpräsenz: http://www.selk.de

Gemälde: Evita Gründler


Heute fand der dreitägige Kirchentag der SELK seinen feierlichen Abschluß

Mit einem festlichen Gottesdienst endete am heutigen Mittag im Messe-Congress-Center in Erfurt der 9. Lutherische Kirchentag der theologischen konservativen SELK (Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche). Die Konferenz hatte am Freitag begonnen und unter dem Thema „Salz der Erde. Licht der Welt. Lutherische Kirche in unserer Zeit“ gestanden.

Der Gottesdienst griff inhaltlich aus dem Motto des Kirchentages das Bild vom „Licht der Welt“ auf. SELK-Bischof Hans-Jörg Voigt erläuterte in der Predigt diesen Zuspruch Christi an die Gläubigen.

Das Bild von der Wirksamkeit des Lichtes zeige, dass der christliche Glaube „extrovertiert“ sei, also darauf ausgerichtet, sich zu zeigen und hilfreich einzubringen. Allerdings sei nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, was tatsächlich ein „gutes Werk“ sei: „Wir leben in einer verunsichernden, verstörenden Welt“, so der leitende Geistliche.

Wie können wir angesichts der Herausforderungen dieser Zeit und Welt zur Klarheit kommen? Grundsätzlich gelte, dem eigenen Gewissen zu folgen. Doch dürfe man nicht vergessen, dass auch das Gewissen der Sünde unterliege und darum irren könne. 

Es sei darum unabdingbar, das Gewissen an Gottes Wort auszurichten: „Lasst uns wieder verstärkt zur Heiligen Schrift zurückkehren, die Bibel lesen, die das Gewissen schärft“, so der Bischof: „Lasst uns in Demut und Achtsamkeit nach Gott fragen, dann folgen die guten Werke.“ 

Allerdings entstehe mit diesem Hinweis „keine neue Last.“ Der Mensch bleibe auf seinen Wegen, Licht zu sein, gute Werke zu tun, nicht auf sich allein gestellt. Es sei wie bei der Wohnzimmerlampe, die nur leuchten könne, wenn der Stecker in der Steckdose stecke: So könnten auch Gläubige nur als „Licht der Welt“ wirken, wenn sie angeschlossen seien an die Energie, die ihnen von Jesus Christus selbst zukomme.

Diese Verbindung sei grundlegend in der Taufe gelegt und lebe in der Beziehung zu Christus: Sein Wort schärfe die Gewissen, seine Kraft ermögliche es, als Licht der Welt Gutes zu wirken.

Quelle: SELK-Pressemeldung – Webseite: http://www.selk.de/


SELK kritisiert: Christlichen Flüchtlingen droht zunehmend die Abschiebung

Als einen Skandal wertet es der Bischof der theologisch konservativen Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt, dass vom Islam zum Christentum übergetretenen Flüchtlingen in Deutschland zunehmend Asyl verweigert wird und sie abgeschoben werden sollen. 

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge arbeite „auf Hochtouren daran, tausende Ablehnungs- und Abschiebebescheide für konvertierte christliche Flüchtlinge auszustellen“, so Voigt in seiner Stellungnahme.

Den Betroffenen drohe in ihrer Heimat Verfolgung und Tod. Sie fürchteten deshalb um Leib und Leben und müssten „verzweifelt feststellen, dass ihnen in diesem Land der Schutz versagt wird“. Dem Bischof zufolge vergeht kein Werktag, an dem das Bundesamt nicht Verfassungsbruch begehe. Es bewerte den Glauben bei konvertierten Flüchtlingen, die ihren Glauben als Asylgrund angeben, „völlig willkürlich“.

Es gebe Tausende von konvertierten christlichen Flüchtlingen in Deutschland, die nach Aussagen ihrer Seelsorger aus verschiedenen Kirchen „tiefgläubige Christen“ seien. Ihnen drohe aber dennoch die Abschiebung, weil das Bundesamt oder auch Verwaltungsrichter ihnen die Ernsthaftigkeit des Glaubens absprächen.

Nach seinen Angaben ist die Anerkennungsquote für christliche Flüchtlinge in der Berliner Dreieinigkeits-Gemeinde der SELK in den letzten zwei Jahren von 100 Prozent auf jetzt unter zehn Prozent gesunken.

Die Stellungnahme von Bischof Voigt im Wortlaut lesen Sie hier.

Quelle und vollständige IDEA-Meldung hier: http://www.idea.de/nachrichten/detail/selk-bischof-abschiebepraxis-gegen-christliche-fluechtlinge-ein-skandal-104091.html