Der Erzbischof von Brindisi begründet seine Maßnahmen gegen Visionär Mario D´Ignazio

Vatikan unterstützt Erzbischof Caliandro

Am 15. März 2015 veröffentlichte Domenico CALIANDRO, der Erzbischof des Bistums Brindisi-Ostuni in Süd-Italien, ein Dokument, das aus zwei Teilen besteht:

Zunächst aus einem DEKRET das die kirchlichen Maßnahmen gegen den „Seher“ Mario D´Ignazio (siehe Foto) und seine Mitarbeiter aufzählt, darunter das Interdikt (Ausschluß vom Sakramentenempfang). Außerdem werden die Gläubigen davor gewarnt, diesen Visionär aus Brindisi moralisch oder finanziell zu unterstützen.

Der katholische Oberhirte beruft sich darauf, daß die Vatikanische Glaubenskongregation (damals geleitet von Kardinal Gerhard Müller) ihn zu diesen Schritten bevollmächtigt hat.

Sowohl das römische Dikasterium wie auch der Erzbischof erklären, daß die „mystischen Erfahrungen“ Marios nicht authentisch (echt) sind und daher zur Verwirrung im Kirchenvolk führen, weshalb Strafen verhängt werden.

Der zweite Teil des Dokumentes ist eine ERLÄUTERUNG; sie begründet ausführlich die bischöflichen Maßnahmen.

Hier geht es zunächst zum Original-DEKRET des Erzbischofs (auf italienisch): http://www.diocesibrindisiostuni.it/dichiarate-non-autentiche-le-esperienze-mistiche-del-sig-mario-dignazio/

Siehe hierzu die Übersetzung in unserem CF: https://charismatismus.wordpress.com/2017/11/09/dekret-des-erzbischofs-von-brindisi-verhaengt-kirchliche-massnahmen-gegen-seher-mario/

Da eine amtliche Übersetzung der Texte ins Deutsche nicht vorliegt, haben wir in unserem Freundeskreis eine qualifizierte Übersetzung der erzbischöflichen Erläuterungen erhalten.

Ergänzend zu dem bereits veröffentlichen Dekret erfolgt hier die Übersetzung der bischöflichen Begründung:

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ERLÄUTERUNG der Maßnahmen gegen Herrn Mario D’Ignazio und  jene seiner Tätigkeiten, die im Bezug zu seinen pseudomystischen Erfahrungen stehen.

VORBEMERKUNG:

Am 15. März 2015 hat der Erzbischof von Brindisi-Ostuni, Monsignore Domenico Caliandro, ein Dekret erlassen, mit dem sich die katholische Kirche im Rahmen ihres Verantwortungsbereiches entschieden hat, alle Initiativen und Tätigkeiten mit Bezug zu den pseudomystischen Erfahrungen zu beenden.

Diese Maßnahme ist die Schlussfolgerung eines langen Weges, der 2010 begann mit der Sammlung von Informationen durch den damaligen Erzbischof Rocco Talucci, die der Glaubenskongregation übermittelt wurden. Das ist das Organ des Heiligen Stuhls, das für diese Angelegenheiten zuständig ist.

Im Laufe der letzten drei Jahre seiner bischöflichen Aufgabe hat Monsignore Rocco Talucci dreimal öffentlich Stellung genommen zu den Ereignissen im Viertel Santa Teresa in Brindisi , und zwar am 3. Mai 2010, 18. März 2011, 17. Januar 2012.

Von diesen Stellungnahmen sind die letzten zwei ausgestellt auf der Grundlage der erteilten Hinweise der römischen Kongregation, haben den juristischen Wert von tatsächlichen Dekreten, insoweit sie klare Hinweise und detaillierte Maßnahmen enthalten, denen alle Beteiligten gewissenhaft folgen mussten.

Seit der Entscheidung Mons. Rocco Taluccis wurden diese systematisch und ständig missachtet. Eine schlaue Propaganda in den Medien machte das Phänomen  des Mario D’Ignazio  immer bekannter.

Der Nachfolger des Bischofs Mons. Talucci, Monsignore Domenico Caliandro, war besorgt über die Zunahme dieser eklatanten Phänomene, die nicht im Einklang mit den Prinzipien einer authentischen christlichen Spiritualität des Evangeliums stehen, wie sie die heiligen Männer und Frauen vorgelebt haben; er war besorgt über das Leben der Gläubigen, die in immer zahlreicheren Gruppen aus anderen italienischen Diözesen und auch aus dem Ausland dahin kamen; er sah sich im Einklang mit den Pflichten seines bischöflichen Mandats veranlasst, eine zusätzliche und genauere kirchenrechtliche Untersuchung durchzuführen. 

Am Ende der diözesanen Ermittlung, durchgeführt nach den gegenwärtigen Verfahrensvorschriften, wurde das Ergebnis der Glaubenskongregation zugestellt.

Bischof Mons. Domenico Caliandro hat vom Heiligen Stuhl die Anweisung bekommen, wie gegen die pseudomystische Erfahrung des Herrn D’Ignazio vorzugehen sei.

Das Dekret des Erzbischofs vom 15. März 2015 hält die entsprechende juristische Form ein und diese Hinweise sind von nun an verbindlich. Von jetzt an stellt sich Herr D’Ignazio, wenn er weitermacht, mit denjenigen, die ihn weiter begleiten, außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft.

FRAGEN und ANTWORTEN:

Dies vorausgesetzt, möchten wir mit dieser Erklärung eine Antwort auf präzise Fragen geben, die das Dekret betreffen. Für ein besseres Verständnis und seine Annahme zum Wohl der Kirche im allgemeinen und der einzelnen Gläubigen im konkreten.

Zunächst erklärt das Dekret, dass die mystischen Erfahrungen des Herrn Mario  D’Ignazio nicht authentisch sind. Was heißt das?

Einerseits heißt das, dass diese Erfahrungen falsch sind. Andererseits heißt das, dass die kirchliche Autorität sich mit diesem Dekret nicht zu den Gründen äußern will, die Herrn Mario D’Ignazio zu seinen mystischen Erfahrungen gebracht haben, um damit zu vermeiden, dass der Pseudo-Seher und seine Mitarbeiter die moralische Verantwortung vor Gott für das, was in den vergangenen Jahren bis zur Gegenwart passiert ist, tragen.

Heißt das, dass es der Kirche egal ist, was in all diesen Jahren geschehen ist?
Ist es vielleicht gleichgültig, wenn Menschen schuldig oder unschuldig werden durch Taten, die in sich sehr schwerwiegend sind?

Keineswegs. Wenn Erfahrungen wie die, die sich Herr Mario D’Ignazio zuschreibt (Ekstasen, Erscheinungen, Lokutionen, übernatürliche Mitteilungen …) und Phänomene wie die, die in und um ihn im Laufe dieser Jahre stattgefunden haben (Stigmatisierungen, Bluttränen, Schwitzen von Ölen, Erscheinungen von Hostien…), nicht von Gott kommen, dann kann die einzige Ursache der Betrug des Menschen und/oder der Betrug des Teufels sein.

Es ist offensichtlich, dass es der Kirche sehr wichtig ist, zu wissen, was die Ursache der Geschehnisse all dieser Jahre ist. Es kann ihr auch wegen der möglichen moralischen Verantwortung für ihre Kinder nicht gleichgültig sein.

Aber die Kirche ist Mutter und hat im Vergleich zu anderen menschlichen Institutionen auch ein Forum Internum, in dem sie handeln und untersuchen, richten und heilen kann. Und wenn sie nicht durch irgendwelche Umstände gezwungen ist, zieht die Kirche es vor, die „Probleme“ ihrer Kinder in einer Weise zu lösen, in der die Barmherzigkeit und die Wahrheit sich besser treffen und Gerechtigkeit und Frieden sich leichter umarmen können.

Deshalb zieht es die Autorität der Kirche vor, indem sie für die Falschheit der mystischen Erfahrungen des Herrn Mario D’Ignazio bürgt, eine Urteilsbildung über die Beweggründe, die vorhin erwähnt wurden, und die Verantwortung des Pseudo-Sehers sowie seiner Mitarbeiter „zu vernachlässigen“, damit es Mario  D’Ignazio  erleichtert wird, das Forum Internum in Anspruch zu nehmen, das dazu dient, die eigenen Fehler zu bessern und einen Weg des wahren Glaubens und der Liebe zu gehen.

Zusammen mit dem Urteil über die fehlende Echtheit der mystischen Erfahrungen nennt das Dekret fünf Punkte, welche die Autorität der Kirche als notwendig betrachtet, um die Gläubigen zurück zur normalen christlichen Lebenspraxis zu führen. Was ist der allgemeine Sinn all dieser Anordnungen?

Zunächst ist es nicht banal zu sagen, dass es sich um Anordnungen handelt, die für alle katholischen Gläubigen getroffen werden, und alle diejenigen, die im Fall des Herrn Mario D’Ignazio mit seinen pseudomystischen Erfahrungen im Zusammenhang stehen und daran beteiligt sind, seien sie Priester, Ordensleute oder einfache Laien. Wer sind die Gläubigen? Es spielt keine Rolle, ob es Priester, Ordensleute oder Laien sind.

Alle diese Personen haben sich durch Beharrlichkeit in ihrer Taufe, in der Ordensprofess oder im geweihten Stand von sich aus unter die mütterliche Autorität der Kirche gestellt. Der Herr Jesus Christus hat der kirchlichen Autorität die Aufgabe erteilt, ihren Schafen und Lämmern den richtigen Weg zu zeigen, der zu Gott führt, sie auf diesem Weg zu begleiten, aufzupassen, damit sie sich nicht aufhalten oder sich verlaufen, und sie schließlich zu suchen, wenn sie sich verirrt haben.

Denn es ist nicht überflüssig, zu unterstreichen, dass das in dem Dekret genannte Wort „normale Praxis“ des christlichen Lebens nicht im Widerspruch zu der „außerordentlichen Praxis“ steht, als ob es verboten wäre, außerordentliche Gnaden von Gott zu bekommen und sie zu benutzen, um ihm zu dienen und ihn zu lieben; vielmehr ist eine nicht authentische Praxis verboten, wenn sie vom bösen Willen des Menschen oder durch die Schläue des Teufels verfälscht wurde.

Zwischen den verschiedenen Anordnungen, die das Dekret erteilt, ist eine, die offenbar wenig verstanden wird, die man Interdikt nennt. Anscheinend verwechseln viele diese mit einem Verbot. Um was handelt es sich?

Es stimmt, dass gerade diese Anordnung am wenigsten verstanden wird. Aber in Wirklichkeit ist sie wichtigste von allen.

Die Rede über sie findet sich in Punkt 1 und Punkt 4 des Dekrets. Wenn Herr Mario D’Ignazio weiter Werbung betreibt mit seinen pseudomystischen Erfahrungen  –  unabhängig davon: mit welchen Mitteln  – wird er mit der Strafe des Interdikts belegt. Dies ist eine besonders schwerwiegende Strafe in der Strafordnung der katholischen Kirche.

Gleichzeitig werden alle Gläubigen, die die Werke von Herrn Mario D’Ignazio unterstützen, mit derselben kanonischen Strafe bedacht, vor allem seine engsten Mitarbeiter.

Zu diesem Punkt müsste eine besondere Aufmerksamkeit auf jene Priester und Ordensleute gelegt werden, die weiterhin Pilgerfahrten organisieren oder sich in C. da Santa Teresa zusammen mit dem Pseudo-Seher fotografieren lassen. Wenn sie sich so benehmen, wären sie die Ersten, gegen die diese Sanktionen verhängt werden, und das aus offensichtlichen Gründen.

Übrigens muss man wissen, dass das Dekret genau sagt, dass das Interdikt latae sententiae wirken wird. Das bedeutet, dass diese Sanktionen sofort  in dem Augenblick eintreten, sobald Herr D’Ignazio und seine Mitarbeiter bewusst und willentlich den Anordnungen des Dekretes, in denen die Strafe des Interdikts genannt wird, zuwider handeln, ohne dass seitens der Kirche eine weitere Strafmaßnahme getroffen werden müsste.

Warum ist die kanonische Strafe des Interdikts eine besonders schwerwiegende Sanktion?

Das Interdikt hat die gleiche Wirkung wie eine Exkommunikation auf der wichtigsten Ebene des christlichen Lebens, d.h. auf der liturgischen Ebene, dem Kultus. Dadurch wird die Teilnahme an der Feier der Sakramente und/oder Sakramentalien sowie der Empfang der Sakramente verboten. Denn die Liturgie ist Quelle und Gipfel des christlichen Lebens und die Sakramente sind die normalen Mittel, durch die wir erreicht und von Jesus „berührt“, von ihm gerettet werden und durch ihn im Leben der Gnade innerhalb seiner Kirche, die sein Leib ist, wachsen.

Ist die kanonische Strafe des Interdikts also eine bloße Strafe der Kirche?

Nein, denn die Kirche erlegt diese Strafe als eine Medizin auf. In der juristischen Ordnung der Kirche ist das Interdikt sowie die Exkommunikation und Suspendierung eine medizinische Strafe. Als kanonische Strafe zielt das Interdikt darauf ab, die schwerwiegende Situation, in welcher sich der Betroffene befindet, für ihn verständlich zu machen und ihm so zu helfen, den Weg der Bekehrung und der Heiligkeit wiederzufinden.

Aber was für einen Sinn hat es, im Fall des Mario D’Ignazio eine so schwerwiegende kanonische Sanktion zu verhängen? Hat man nicht gesagt, dass die Autorität der Kirche mit diesem Dekret über die Ursachen der Erfahrunge von Mario D’Ignazio hinweggehen und so die moralische Verantwortung des Pseudo-Sehers und seiner Mitarbeiter vor Gott mindern wollte?

Ja, das gilt für die vergangenen Jahre bis zur Veröffentlichung des Dekretes, aber nicht für die Gegenwart und Zukunft, weil man die volle Sicherheit hat, dass die mystischen Erfahrungen des Herrn Mario D’Ignazio nicht authentisch, d.h. falsche, pseudo-mystische Erfahrungen sind. Deswegen ist der Schaden, den er sich selbst wie auch dem Glauben und dem christlichen Leben derjenigen, die das annehmen, zufügt, schwerwiegend.

Wieso würden die pseudo-mystischen Erfahrungen dem Glauben und dem Leben von christlichen Personen Schaden zufügen?

Weil sie einen Aberglauben der falschen Verehrung fördern. Für die katholische Moraltheologie beinhaltet der Aberglauben eines falschen Kultus u. a. eine unerlaubte Einführung falscher Reliquien zur Verehrung, das Predigen und Veröffentlichen von  falschen Wundern und ein Vorgeben von falschen Offenbarungen und ähnlichen Dingen.

Diese Art von Aberglauben ist eine tödliche Sünde ex  genere suo (eigener Art), weil Gott, die erste Wahrheit, schwerwiegend beleidigt und verachtet wird und dadurch eine Praxis des religiösen Lebens auf der Falschheit begründet wird.

Abgesehen von dieser allgemeinen Betrachtung kommt hinzu, dass es  unter den verschiedenen Phänomenen, die um Herrn Mario D’Ignazio stattfinden, eines gibt, das besonders beunruhigend ist wegen der ständigen Wiederholung und der großen Publizität, die ihm durch den Pseudo-Seher und seine Entourage gegeben wird, insbesondere durch Fotografien  und Kommentare, die im Internet verbreitet werden.

Dieses Phänomen ist das Sich-Materialisieren der Eucharistie. Wegen der Art, mit der man aussagt, dass das stattfindet, widerspricht dies fundamental der Logik des katholischen Glaubens; das fügt den Gläubigen, die daran glauben, großen Schaden zu, sei es, weil dies zur Anbetung von etwas führt, das keine Eucharistie ist (Sünde der Idolatrie), sei es, weil hierdurch der Glaube an die bestehende wesentliche Beziehung zwischen dem amtlichen Priestertum und der realen Gegenwart Christi im heiligsten Sakrament erschüttert wird.

SCHLUSSFOLGERUNG

Nach der Beantwortung mancher legitimer Fragen können wir schließen, dass die Kirche alles, was in ihrer Macht stand und steht, getan hat, sei es unter dem Gesichtspunkt der Bewertung dieses Falles, sei es in der Wahl der Maßnahmen.

Herr Mario D’Ignazio ist verwarnt worden und mit ihm alle, die ihm geglaubt haben, darunter sicher viele Gutgläubige. Wer Ohren hat zu hören, kann jetzt verstehen.

In diesen Zusammenhängen könnte es allen nützlich sein, wieder den Brief des großen Bischofs und Märtyrers, des hl. Ignatius, Nachfolger des hl. Petrus in Antiochien, zur Hand zu nehmen:

Es lohnt sich, voranzuschreiten entsprechend der Meinung des Bischofs, so wie es bereits geschieht(Brief an die Epheser). Es ist notwendig, nichts ohne  den Bischof zu tun – wie ihr es ja schon einhaltet – und euch auch dem Priester (Presbyter) zu unterwerfen, wie bereits die Apostel sich Christus, unserer Hoffnung, unterworfen haben, und in ihm lebend, werden wir uns wieder treffen“. (Brief an die Christen in Tralle); „Bleibt mit dem Bischof, damit auch Gott mit euch sei“ (Brief an Polykarp).

Zur Beruhigung derjenigen, die mit Einfachheit und ehrlichen Absichten gehandelt haben, rufen wir in Erinnerung, dass an der Bewertung und Entscheidung über den Fall des Mario D’Ignazio nicht nur der Erzbischof von Brindisi-Ostuni  –  zunächst in der Person des Bischofs Rocco Talucci und danach in der Person des Domenico Caliandro  – beteiligt waren, sondern (und jetzt wollen wir das mitteilen) der Papst selbst durch das Organ, das ihn vertritt, das heißt die Glaubenskongregation.

Ein wahrer, treuer Katholik, der in seinem Gewissen nicht mit dem Handeln seines Bischofs einverstanden wäre und sich von diesem als schwer geschädigt betrachten würde, sollte zwar den Respekt gegenüber dem Bischof wahren, es wäre jedoch selbstverständlich, dass er sich an den Papst wenden könnte.

Im Falle des Herrn Mario D’Ignazio, der nie den Eindruck erweckte, dass er sich an den Papst wenden wolle, hat stattdessen der Bischof von Brindisi-Ostuni den Heiligen Stuhl angerufen, der ihm geantwortet hat. Wer sich gegen das Dekret des Bischofs vom 15. März 2015 stellt, muss sich daher bewusst sein, dass er sich gegen Papst Franziskus stellt, mit dem der Bischof von Brindisi -Ostuni in voller Einheit steht.

Aus dem Brief des Hl. Ignatius von Antiochien an die Christen von Philadelphia:  

„Als Kinder des Lichtes der Wahrheit fliehet die Spaltung und die schlimmen Lehren; wo immer der Hirte ist, dorthin folget wie die Schafe … Hütet euch vor den schlimmen Pflanzen, die Jesus Christus nicht anbaut, weil sie keine Pflanzung des Vaters sind …  Denn alle, die Gott und Jesus Christus angehören, stehen auf Seiten des Bischofs; und alle, die Buße tun und zur Einheit der Kirche kommen, auch diese werden Gott angehören, damit sie das Leben haben gemäß Jesus Christus.

Lasset euch nicht irreführen, meine Brüder; wer einem Abtrünnigen folgt, wird das Reich Gottes nicht erben; wer in einer falschen Lehre dahinwandelt, der hat keinen Anteil am Leiden Christi.  Bemüht euch, nur eine Eucharistie zu feiern; denn es ist nur ein Fleisch unseres Herrn Jesu Christi, und nur ein Kelch zur Einigung mit seinem Blute, nur ein Altar, wie nur ein Bischof ist in Verbindung mit dem Presbyterium und Diakonen, meinen Mitknechten, auf daß, was immer ihr tut,  geschehe gemäß dem Willen Gottes … Ich rief in ihrer Mitte, ich sprach mit lauter Stimme, mit Gottes Stimme: Haltet euch an den Bischof, das Presbyterium und die Diakone!“

Brindisi, den 15.3.2015

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Zuckerbrot und Peitsche: Visionär Mario aus Brindisi bietet „heiliges Öl“ gegen Dämonen

Von Felizitas Küble

Die Falschmystik (bestehend aus außersinnlichen und irrgeistigen Vorgängen) gibt sich immer wieder durch bestimmte Merkmale zu erkennen, entlarvt sich gleichsam selber. (Näheres hierzu in unseren über hundert Artikeln über Kennzeichen der Falschprophetie: https://charismatismus.wordpress.com/category/kennzeichen-der-falschmystik/).

Eines dieser typischen Zeichen fehlgeleiteter oder betrügerischer Seher/innen ist das Lehr- und Anwendungs-Prinzip von „Zuckerbrot und Peitsche“:

Einerseits wird viel Sentimentalität, unechte Gefühligkeit und Kitsch sowie scheinbare Glaubensinnigkeit in Wort und Bild verbreitet, werden liebliche Töne geschwungen und fromme bis verstiegene Anmutungen geboten.

Neben diesen Anwandlungen der Marke „rosa Wolke“ zeigt sich zugleich die entgegengesetzte, düstere Seite der Pseudo-Mystik:

Hinter jeder Ecke wird ein Dämon vermutet, die kirchliche Lehre von der Existenz unreiner Geister wird bis zur Panikmache überbetont. Der Glaube verliert seinen frohen, mutmachenden, erhellenden Charakter; er kippt ins Fanatische, gerät in eine bedenkliche Schieflage, was bei sensiblen Gemütern außerdem zu Psycho-Schäden führen kann, von seelsorglichen Problemen ganz zu schweigen.

Diese „Achterbahn der Gefühle“ wird durch eine (un)geistliche Sensationsgier bzw. gefährliche religiöse Neugier weiter gesteigert, so daß der Glaube zum Aberglauben entartet. Was dabei herauskommt, könnte zum Lachen animieren, allerdings ist dafür wiederum das Thema zu ernst und die Auswirkungen sind allzu verhängnisvoll.

Das Kennzeichen „Zuckerbrot und Peitsche“ beherrscht auch der selbsternannte „Seher“ Mario D´ Ignazio aus Brindisi in Süditalien sehr gekonnt  – vielleicht gar zynisch? Jedenfalls kennt er die Ansichten, Gefühlszustände und Enttäuschungen von konservativen Gläubigen über Mißstände in der Kirche bis zum letzten Komma. 

Entsprechend verkündet er seine „Himmelsbotschaften“ und Höllendrohungen, er hält seine Vorträge genau nach dem Muster dessen, was die frommen Gäste von ihm erwarten: Immer feste druff auf die böse Welt, die „Falsche Kirche“ (davon sprach Mario gleich mehrfach), die Freimaurer (mit oder ohne Schurz,  mit oder ohne Mitra….), Satanisten, Modernisten etc.

Um nicht mistverstanden zu werden: Solche Gegner des Evangeliums (und noch etliche weitere) existieren tatsächlich   – und natürlich gibt es faule Früchte und Früchtchen auch innerhalb der Kirche. Nur: Die getroffene Auswahl des „Sehers“ entspricht allzu genau gewissen Klischees seiner Zuhörerschaft  – kalkuliert er dies ganz kühl mit ein?

Zugleich bietet der „begnadete“, gar stigmatisierte (angeblich mit den „Wundmalen Christi“ gezeichnete) junge Wundermann eine direkt von „oben“ stammende und angeblich besonders wirksame Abhilfe und Lösung, er preist gleichsam ein „Amulett“ gegen das Böse  – und den Bösen an:

Nämlich sein „heiliges Öl“, bei dem es sich um nicht weniger als die „Öltränen“ der Madonna handelt, wie er seiner Fangemeinde versichert. Angeblich gewinnt er dieses Kampfmittel gegen die Hölle aus einer Fatima-Marienstatue, die in seinem „gesegneten Garten“ zu Brindisi aufgestellt ist.

Diese Story erzählte der junge Seher in Turnschuhen, Fünf-Tage-Bart und legerer Kleidung am vergangenen Samstag vor ca. zweihundert Gläubigen in Münster.

Wer meint, der Saal sei darob in schallendes Gelächter oder zumindest in schmunzelnde Ironie ausgebrochen, sieht sich enttäuscht:

Von drei oder vier Ausnahmen abgesehen gingen alle Anwesenden (es waren vorwiegend Frauen) nach vorne und ließen sich von einem Geistlichen in Soutane (schwarzes Priesterkleid) dieses „heilige Öl“ auf die Stirne zeichnen  – offenbar mit einem Kreuzzeichen verbunden   siehe hierzu das erste und zweite Bild. 

Diese „Salbung“ mit den Öltränen der „Himmelsmutter“ wurde von Visionär Mario von seinem Vortragstisch aus (siehe 2. Foto) wortreich unterstützt.

Vor allem bei dämonischen Anfechtungen und Störungen ab Mitternacht wirke dieses Wunder-Öl wie eine geistliche (oder doch wohl eher magische?) Siegeswaffe, ließ er die (aber)gläubige Schar wissen.

Auch sonst wurden dem Wunder(wahn)witz keine Grenzen gesetzt: immerhin bot Mario eine Live-Erscheinung gleich zu Beginn der Versammlung. (Näheres hierzu in unserer ersten Reportage: https://charismatismus.wordpress.com/2017/10/28/muenster-seher-mario-dignazio-aus-brindisi-praesentierte-eine-live-erscheinung/)

Der Info-Tisch quoll über von mirakulösen Bildern und „Wunder-Fotos“ am Himmel und auf Erden.

Unser drittes Foto zeigt, wie ein Mario-Fan dem Seher eines dieser Bilder überreicht  – und er es danach stolz der staunenden Gemeinde präsentiert.

Wer nun glaubt, dieser kaum noch zu übertreffende Unfug würde von der katholischen Kirche toleriert oder gar unterstützt, kann beruhigt werden:

Der für Mario D´ Ignazio zuständige Erzbischof von Brindisi-Ostuni weist die „Erscheinungen“ und „Botschaften“ dieses Sehers nicht nur zurück, sondern hat vor über zwei Jahren sogar strenge Kirchenstrafen über ihn und sein Team verhängt, vor allem das Interdikt: der „salbungsvolle“ Mann darf also keine Sakramente empfangen, auch nicht zum Tisch des HERRN gehen.

Dabei wird der katholische Oberhirte in seiner Haltung von der vatikanischen Glaubenskongretation ausdrücklich unterstützt. (Wir berichten darüber noch in einem eigenen Artikel.)

Alles kein Problem für Mario, den Begnadeten: Er erwähnte in seinen Ansprachen natürlich nichts von dieser kirchlichen Ablehnung, erzählte aber der anhänglichen Schar, die Gottesmutter selber (!) spende ihm die heilige Kommunion und lege ihm die Hostie in den Mund, denn sie wünsche die Mundkommunion.

Das mag sein (immerhin bin ich selber ebenfalls kein „Handkommunikant“), erklärt aber noch lange nicht, warum die Madonna bei Mario aus Brindisi höchstselbst den Leib des HERRN spendet. Doch daran schien die konservative Zuhörerschaft keinen Anstoß zu nehmen, obwohl doch gerade sie ansonsten (durchaus zu Recht) erklärt, daß geweihte PRIESTER für die Austeilung dieses Sakramentes zuständig sind.

Es gab also theologisch-spirituelle Widersprüche noch und nöcher, worauf es aber anscheinend gar nicht ankommt. Einmal mehr zeigt sich hier, daß die Wundersucht des Aberglaubens liebstes Kind ist.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Der Priester Hirblinger, das Zölibat und die Verfügbarkeit der Geistlichen „für andere“

Felizitas Küble

Unter der Überschrift „Priester Stefan Hirblinger: Familie statt Kirche“ berichtet die bayerische Online-Regionalzeitung O-Netz am gestrigen 25. Oktober über einen katholischen Geistlichen, der geheiratet und eine Familie gegründet hat, weshalb er seines Amtes enthoben wurde. Für das Bistum Regensburg sei er „ein Gefallener“, heißt es im Obertitel.

Der Vorgang an sich ist nicht sonderlich aufregend, immerhin kommt dergleichen öfter vor.

Verwunderlich ist allerdings der Vorwurf des suspendierten Priesters an seine Kirche: „Ich denke, es ist unredlich, so eine Entscheidung, die so sehr in das Persönliche eingreift, von einem jungen Menschen zu verlangen.“

Die Seminaristen sind bei ihrer Priesterweihe immerhin bereits erwachsene Männer von 23 Jahren an aufwärts. Außerdem heiraten manche Menschen schon deutlich früher, was nichts daran ändert, daß sie an ihr Eheversprechen gebunden bleiben.

Erstaunlich erscheint mir auch folgende Bemerkung des Geistlichen, der sich vom Zölibat (Ehelosigkeit der kath. Priester) gelöst hat:

„Negativ beeinflusst hätten ihn auch Aussagen des ehemaligen Bischofs Gerhard Ludwig Müller: „Priester brauchen keinen freien Tag. Sie sind rund um die Uhr für die anderen da. Da kriegt man einen dicken Hals, wenn man das gelegentlich hört.“

Abgesehen davon, daß Müller zwar ein Bischof „außer Dienst“ ist, aber kein „ehemaliger“ Bischof (die Bischofsweihe kann man bekanntlich nicht „abkratzen“, ebensowenig wie die Priesterweihe), so geht es bei dieser Aussage nicht speziell um den Zölibat, sondern um die allgemeine Verfügbarkeit der Priester bzw. um die Frage, ob sie sich am Montag einen „freien Tag“ genehmigen sollen, wie es vielfach praktiziert wird.

Natürlich ist ein solcher Wunsch menschlich verständlich, aber von einem katholischen Priester kann und darf der Gläubige wohl mehr erwarten als von „Hinz und Kunz“, denn wem viel gegeben wird, von dem wird auch viel verlangt, wie die Hl. Schrift sagt.

Wer wirklich ein Jünger Christi sein will, der ist tatsächlich „rund um die Uhr für die anderen da“.

Quelle für die Zitate: https://www.onetz.de/amberg-in-der-oberpfalz/vermischtes/priester-stefan-hirblinger-familie-statt-kirche-fuer-das-bistum-ein-gefallener-d1789957.html

 


Domspatzen-Causa: Kardinal Müller fordert eine Entschuldigung von J.-W. Rörig

Die „Passauer Neue Presse“ (PNP) veröffentlichte am 19. Juli 2017 in ihrer Online-Ausgabe ein Interview mit Kardinal Gerhard Müller, dem früheren Bischof von Regensburg und   –  bis vor kurzem – Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation.

Seine Amtszeit war von Papst Franziskus ohne Angaben von Gründen und in einem nur einminütigen Gespräch nicht verlängert worden. Müllers Berufung zum Glaubenspräfekten war vor fünf Jahren unter Papst Benedikt XVI. erfolgt.

Zur Aufarbeitung der Domspatzen-Causa weist der Kardinal (siehe Foto) gegenüber der PNP darauf hin, daß er seinerzeit als Regensburger Oberhirte nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen gegen Leitungspersonen des berühmten Knabenchors zuerst „diese Aufklärungsarbeit an die Institutionen des Bistums übertragen“ habe, so dass „mit der Untersuchung begonnen“ werden konnte. 

Durch ihn als ehem. Bischof von Regensburg und seinen Generalvikar Michael Fuchs sei die Aufarbeitung 40 Jahre nach den Taten erstmals eingeleitet worden: „Das geschah nach den Möglichkeiten und dem Kenntnisstand, den wir damals hatten.“

Damit widerspricht er Behauptungen des Mißbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, der erklärt hatte, Müller solle sich „wenigstens jetzt für die verschleppte Aufarbeitung“ der Mißbrauchsfälle bei den Domspatzen „entschuldigen“.

Der Kardinal fordert nun Rörig zur Entschuldigung auf für „Falschaussagen und falsche Informationen, die verbreitet werden“ auf und sagte der Zeitung, J.-W. Rörig solle sich „erst einmal die neunseitige Chronologie der Aufarbeitung durch die Diözese anschauen“ und die dort dokumentierte „Faktenklage akzeptieren“.

Die meisten Betroffenen in der Domspatzen-Causa erfuhren im Zeitraum von 1945 bis heute keine sexuellen Übergriffe, sondern körperliche Mißhandlungen, Schläge etc.    – dies wird in den Medien häufig mit dem 67 Mißbrauchsfällen in einen Topf geworfen. (Siehe hierzu den Bericht von Dr. Josef Bordat: https://jobo72.wordpress.com/2017/07/18/misshandlung-und-missbrauch-bei-den-regensburger-domspatzen-abschlussbericht/)

Auf die Frage der „Pasauer Neuen Presse“ an Kardinal Müller, ob er zu einem Gespräch mit den Opfern bereit sei, bejaht er dies und berichtet aus seiner eigenen Schulzeit:

„Ich habe es schon gesagt, ich bin zu jedem persönlichen Gespräch über diese schlimmen Erfahrungen von Menschen aus der damaligen Zeit bereit, da habe ich nicht die geringsten Schwierigkeiten. Ich darf aber feststellen, dass ich im gleichen Alter bin wie viele der Opfer.

Auch ich habe so Manches erlebt in meiner Schulzeit. Ohrfeigen und Stockschläge haben wir genug bekommen – es war übrigens keine kirchliche Schule. Freilich muss ich zugeben: Sexueller Missbrauch ist noch eine ganz andere Kategorie als pädagogische Übergriffe.“

Gegenüber der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ sagte Müller, er habe angesichts der Fälle von Mißbrauch und Mißhandlungen „Scham für das, was in der Kirche passiert ist“ empfunden: „Als Kirchenmann ist das Leid der Opfer, ihrer Familien und Gemeinden auch mein Leid.“

Infos des BISTUMs REGENSBURG:
Links zur Causa Domspatzen, Dokumente, Abschlußbericht etc: http://www.bistum-regensburg.de/dienst-hilfe/praevention-missbrauch/zahlen-fakten/
Öffentliche Termine mit Kardinal Müller: http://www.bistum-regensburg.de/news/kardinal-mueller-im-bistum-regensburg-5548/

Domspatzen-Stellungnahmen zu Georg Ratzinger: http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/ehemalige-domspatzen-nehmen-georg-ratzinger-in-schutz-21705-art533743.html?p=1
Historiker Dr. Hesemann dazu: http://www.kath.net/news/60345
Domkapellmeister relativiert seine Vorwürfe gegen Georg Ratzinger: http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/domspatzen-regensburg-kritik-raztinger-100.html

Bericht auf dem Portal der Dt. Bischofskonferenz: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/muller-kritisiert-missbrauchsbeauftragten-rorig

Fotos: Bistum Regensburg


Bistum Regensburg dankt Kardinal Müller durch Veranstaltungen für sein Wirken

Kardinal Gerhard Müller feiert am 30. Juli ein Pontifikalamt zum feierlichen Abschluss des Annabergfestes. Die Eucharistiefeier beginnt um 9:30 Uhr.

Das Annabergfest in Sulzbach-Rosenberg zählt zu den wichtigsten Bergfesten im Bistum Regensburg. Zur Eröffnung feiert Weihbischof Josef Graf ein Pontifikalamt am

 

23. Juli, ebenfalls um 9:30 Uhr. 

Am 29. Oktober feiert der ehem. Glaubenspräfekt Müller ein Hochamt in Donaustauf. Die Generalsanierung der Salvatorkapelle ist abgeschlossen. Um 9:30 Uhr beginnt die festliche Eucharistiefeier, mit der die Kapelle wiedereröffnet wird.

Das Bistum Regensburg freut sich, dass der langjährige Leiter der Kongregation für die Glaubenslehre zugestimmt hat, diese beiden für die Region wichtigen Feste mit den Menschen zu feiern. Alle Gläubigen sind herzlich eingeladen,  dem ehemaligen Bischof von Regensburg zu begegnen.

Am Christkönigssonntag, dem 26. November um 15 Uhr, feiert das Bistum Regensburg mit Kardinal Müller im Regensburger Dom eine Dankesvesper anlässlich des 15. Jahrestags seiner  Bischofsweihe.

Dabei werden wir auf ein segensreiches Jahrzehnt zurückblicken, in dem Kardinal Müller als Bischof der Diözese Regensburg diente.

Gleichzeitig gilt der dankbare Rückblick seinem Dienst an der Weltkirche, den er mit weitreichenden Impulsen und bleibenden Orientierungen als Präfekt der Glaubenskongregation erfüllte.

Quelle (Text/Foto): Bistum Regensburg


Vatican-History-Newsblog übt Kritik an der Entlassung Kardinal Müllers

Der deutschsprachige Vatican-History-Newsblog befaßt sich in einem analytischen Artikel sachlich und zugleich kritisch mit der Entlassung von Kardinal Gerhard Müller mittels einer 1-Minute-Audienz beim Papst, also im Schnellverfahren.

Am Freitagmittag voriger Woche erfuhr der Glaubenspräfekt, daß er am Montag nicht mehr zur Arbeit in seiner Kongregation anzutreten brauche, seine Amtszeit werde nicht verlängert. Punkt – und keinerlei Begründung.

Daß Franziskus rein kirchenrechtlich betrachtet derart gewöhnungsbedürftig vorgehen kann, ist unumstritten, denn er besitzt den sog. Universalprimat des Papstes als höchste Autorität der katholischen Weltkirche.

Offen bleibt gleichwohl die Frage, ob eine solche Vorgehensweise angemessen, fair und „brüderlich“, geschweige „barmherzig“ ist. Gerade weil Franziskus die Latte der von ihm propagierten Ideale so hoch hält, sind auch die Erwartungen entsprechend geprägt.

Die erwähnte Internetseite, die vor allem kirchengeschichtlich orientiert ist, schreibt, die päpstlichen Personalentscheidungen „geben dem Beobachter unlösbare Rätsel zu knacken, oder stehen in eklatantem Widerspruch zu bestehenden Dekreten und Richtlinien“  –  an eben jene ist das Kirchenoberhaupt zwar wiederum nicht strikt gebunden, doch halten sich die Päpste in der Regel daran.

Blog-Autor Martin Marker erklärt weiter, der päpstliche Umgang mit Kardinal Müller sei „einzigartig in der Kirchengeschichte“, denn er stelle „in mehrfacher Hinsicht einen Affront dar“.

Um dies anschaulich darzustellen, schreibt der Verfasser: „Man stelle sich bitte einmal vor, man selbst sei in einer hohen beruflichen Position und erfährt am Freitag von seinem Chef, dass man am Montag seinen Posten nicht mehr anzutreten braucht. Allein diese Tatsache beweist, welche Führungsqualitäten Franziskus in Personalentscheidungen praktiziert.“

Außerdem wundert sich der Vatican-History-Newsblog darüber, daß es unter den deutschen Bischöfen „keine einzige Stellungnahme“ zur Entlassung Müllers gegeben habe. Immerhin war der ehem. Glaubenspräfekt vorher zehn Jahre lang Bischof von Regensburg: „Nicht mal der Leiter der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, hatte auch nur ein Wort zu sagen. Soviel zur Kollegialität des Deutschen Episkopats.“

Foto: Bistum Regensburg

 


Paukenschlag: Papst entläßt Kardinal Müller

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Online-Ausgabe am gestrigen 30. Juni unter Berufung auf KNA kurz vor Mitternacht meldet, hat Papst Franziskus den Präfekten der Glaubenskongregation entlassen bzw. eine Verlängerung der Amtszeit von Kurienkardinal Gerhard Müller abgelehnt.

Entsprechende Gerüchte kursierten bereits am vergangenen Nachmittag in diversen katholischen Blogs und Webseiten.

Die FAZ schreibt einleitend: „Franziskus hat sich überraschend von einem seiner ranghöchsten Mitarbeiter getrennt. Ein Grund dafür sollen Meinungsverschiedenheiten gewesen sein.“

Der 69-jährige Glaubenspräfekt, der seit Amt im Vatikan fünf Jahre lang verwaltet hat, war zuvor Oberhirte von Regensburg. Sein Nachfolger in diesem bayerischen Bistum ist der  – ebenfalls theologisch konservative  – Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.

Papst Benedikt XVI., der selber jahrzehntelang einflußreicher Präfekt der Glaubenskongregation war, hatte Bischof Müller im Jahre 2012 nach Rom geholt. Nach zwei Jahren wurde Präfekt Müller von Papst Franziskus zum Kardinal erhoben.

In den letzten zwei Jahren verstärkten sich die inhaltlichen Differenzen zwischen dem Pontifex und dem Kurienkardinal vor allem anläßlich der beiden Bischofssynoden in Rom zum Thema „wiederverheiratete Geschiedene“. Dort hatte Kardinal Müller gemeinsam mit anderen Würdenträgern die traditionelle Ehe-Lehre der katholischen Kirche verteidigt.

Mitte Mai dieses Jahres wurden auf Betreiben von Papst Franziskus drei Mitarbeiter der Glaubenskongregation ohne Begründung entlassen, was von Kardinal Müller in einem TV-Interview kritisch erwähnt worden ist.

Der Bayerische Rundfunk schreibt aktuell über den nunmehr gefeuerten Würdenträger:

„Der streitbare Kirchenmann gehört zu den meistgelesenen Theologen unserer Zeit. Seine Katholische Dogmatik gilt als Pflichtlektüre für angehende Pfarrer.“

Foto: Bistum Regensburg