So erlebte ich den „Marsch für das Leben“

Von Lucia Tentrop

In Berlin war wieder der „Marsch für das Leben“. Meine Freundin Maria hat bei den Vorbereitungen mitgearbeitet. Sie hatten auf 1.500 Mitgänger gehofft, aber es waren ca. 3.000. Auf der einen Seite des Brandenburger Tors waren die eigentlichen Demonstranten – auf der anderen die Gegendemonstranten.

Letztere verweigerten jede Meinungsäußerung an den Reporter. Die kommen nur zum Stören und werden fürs Sitzblockaden und Dabeisein bezahlt, können und dürfen aber keine Auskünfte geben.

Die Störungen waren wegen der Trennung durch das Brandenburger-Tor nicht so schlimm wie früher. Da mussten die Gegendemonstranten aus dem Marsch polizeilich herausgeholt werden

Ich habe das mal selbst direkt hinter mir erlebt und hatte ziemliche Angst. Man durfte sich ja nicht wehren, weil immer die Gefahr besteht, dass die Christen in der Presse als Randalierer dastehen. In Münster war das mal ganz schlimm.

Foto Axel Nickolaus

Der Berliner Erzbischof Koch und ein paar andere Oberhirten wie der Regensburger Bischof waren dabei. Natürlich auch jede Menge Polizisten.

Der zwischendurch eingeschaltete Radio Horeb Sender berichtete, dass in den USA bereits eine Gruppe anstrebt, die Tötungserlaubnis über die Geburt hinaus zu verlängern, sofern das Wohlergehen der Eltern durch das Kind gefährdet ist. – Was dazu treibt, ist wohl der Konflikt zwischen der zunehmenden Bevölkerung und Zerstörung unserer Erde durch den Menschen – und seinem Wunsch, für die bereits Situierten den Wohlstand zu erhalten.

Die Fernsehübertragung erfolgte nur über RTDeutsch (Russland)  und EWTN (USA). In den Berlin-Nachrichten von RBB um 19 Uhr wurde die Demo für einige Sekunden erwähnt, in den ARD-Nachrichten um 20 Uhr – wie üblich – totgeschwiegen. Trotzdem wächst die Gruppe von Jahr zu Jahr weiter.

Ich komme mir in Berlin manchmal vor wie in einer Neuauflage des Nazi-Regimes – nur dass die Diktatur von links zu kommen scheint, weil da auch die Feministinnen sind. Die moderne Selbstabwertung des Menschen, die mir heute wieder bewusst wurde, ist mir unheimlich. Vielleicht profitiert von diesem Versinken unserer eigenen Kultur eine ganz andere Macht.

Es war aber auch etwas sehr Positives dabei: Eine sehr natürliche und weibliche Frau um die 40 berichtete öffentlich von ihrem Schicksal, dass ihr 4. Kind, das sie erwartete, mit einem fehlgebildeten Kopf zur Welt kommen und nicht lange leben würde. Da schien eine Abtreibung nahezuliegen.

Aber die Ärztin und ihr Mann standen zu ihr, damit sie das Kind austrug. Sie nahm die Situation an, obwohl sie wusste, dass das Kind bald nach dere Geburt sterben würde – was dann auch geschah.

Das war so beeindruckend, wie diese durch und durch beseelte und blühende Frau ihr Leiden schilderte und verkraftet hat, dass ich das nie vergessen werde. Gut, dass es auch solche Menschen gibt. Was sind dagegen diese ewig unzufriedenen Emanzen!

Unsere Autorin Lucia Tentrop ist katholische Theologin, Pädagogin, Malerin und Musikerin; sie lebt in Berlin  –  hier ihre Homepage: www.lucia-tentrop.de


Vatikan-Dokument zum Exorzismus und charismatischen „Befreiungsgebeten“

Kongregation für die Glaubenslehre

Schreiben an die Ortsbischöfe
bezüglich der Normen zum Exorzismus

29. September 1985

Eure Exzellenz,

seit einigen Jahren nimmt in gewissen kirchlichen Kreisen die Zahl von Gebetsversammlungen zu, die den Zweck verfolgen, die Befreiung vom Einfluss böser Geister zu erlangen, wobei es sich nicht um Exorzismen im eigentlichen Sinne handelt. Diese Versammlungen finden unter der Leitung von Laien statt, auch wenn ein Priester anwesend ist.

Da nun bei der Kongregation für die Glaubenslehre angefragt wurde, was von dieser Tatsache zu halten sei, erachtet es dieses Dikasterium für notwendig, den Bischöfen Folgendes mitzuteilen:

1. In Kanon 1172 des Codex des Kanonischen Rechtes wird erklärt, dass niemand rechtmäßig Exorzismen über Besessene aussprechen kann, wenn er nicht vom Ortsordinarius eine besondere und ausdrückliche Erlaubnis erhalten hat (§ 1), und dass der Ortsordinarius diese Erlaubnis nur einem Priester geben darf, der sich durch Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und untadeligen Lebenswandel auszeichnet (§ 2). Die Bischöfe sind daher dringend aufgefordert, sich streng an diese Vorschriften zu halten.

2. Aus besagten Vorschriften ergibt sich, dass es den Gläubigen nicht erlaubt ist, die Exorzismus-Formel gegen den Satan und die abtrünnigen Engel aus dem Exorzismus zu verwenden, der auf Anordnung von Papst Leo XIII. veröffentlicht wurde; und noch weniger dürfen sie den vollständigen Wortlaut dieses Exorzismus verwenden. Den Bischöfen obliegt es, die Gläubigen im Bedarfsfall darauf hinzuweisen.

3. Aus denselben Gründen werden die Bischöfe schließlich gebeten, auch in Fällen, in denen eine echte teuflische Besessenheit auszuschließen ist, darüber zu wachen, dass niemand ohne die entsprechende Vollmacht Versammlungen leitet, bei denen Befreiungsgebete gesprochen werden, in deren Verlauf die Dämonen direkt befragt werden, um ihre Namen zu erfahren.

Der Verweis auf diese Normen darf die Gläubigen jedoch keineswegs davon abhalten, darum zu beten, von dem Bösen erlöst zu werden, wie es uns Jesus gelehrt hat (vgl. Mt 6,13). Darüber hinaus können die Bischöfe diese Gelegenheit nutzen, um an das zu erinnern, was uns die Tradition der Kirche bezüglich der besonderen Rolle lehrt, die die Sakramente und die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der Engel und der Heiligen im geistigen Kampf der Christen gegen die bösen Geister spielen.

Hochachtungsvoll,

in Christus Ihr

Joseph Card. Ratzinger, Präfekt

+ Alberto Bovone, Sekretär

Quelle: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19850924_exorcism_ge.html


Stäbchen, Zange oder Pinzette: Zur Spendung der hl. Kommunion in Coronazeiten

Von Felizitas Küble

Auf einer britischen Presseseite namens Inquierer wurde am 17. August 2020 über einen anglikanischen Gottesdienst in England berichtet, bei dem die aus Singapur stammende Pfarrerin Harrop bei der Abendmahlsausteilung ein 46 cm langes Lo-Hei-Stäbchen benutzte, um den coronabedingten Abstand zu gewährleisten: https://newsinfo.inquirer.net/1322984/priest-serves-communion-with-chopsticks-to-keep-distance-in-mass

Es heißt in dem Artikel weiter, in anderen Kirchen des Landes werde dabei eine Zange verwendet.

Wir haben bereits vor über vier Monaten   – als erster entsprechender Artikel im gesamten Internet  – unsere Idee vorgeschlagen, bei der Spendung der heiligen Kommunion in der katholischen Kirche eine Pinzette oder Zange (ähnlich einer Zuckerwürfel-Zange) zu verwenden:

https://charismatismus.wordpress.com/2020/04/12/einfuehrung-der-hl-kommunion-mit-einer-pinzette-koennte-viele-problemeloesen/

Dies wäre auch und gerade für die Mundkommunion eine ideale Lösung im Sinne von Hygiene und Abstandhalten:

  1.  Weder der Spender noch der Empfänger berührt die hl. Hostie.
  2.  Die Mundkommunion wird in der Regel auf den Knien empfangen, in der „alten Messe“ geschieht dies auf einer Kommunionbank fast immer. Dadurch stehen sich Priester und Kommunikant gerade nicht „auf Augenhöhe“ gegenüber, sondern das Gesicht des Geistlichen befindet sich deutlich höher (siehe Foto) – und eben dies ist positiv sowohl allgemein für Grippephasen wie erst recht in Corona-Zeiten.

Ende April –  über zwei Wochen nach Veröffentlichung unseres Artikels  – verkündete die Deutsche Bischofskonferenz ihre neuen Corona-Richtlinien. Schon zuvor war bischöflicherseits vielfach von der Mundkommunion abgeraten worden.

Dies wurde nun bekräftigt mit dem Satz, eine MUND-Kommunion finde „weiterhin nicht statt“, was gleichsam ein Verbot darstellt. Zugleich wird in dem Dokument aber die Spendung der HAND-Kommunion mit einer Zange empfohlen.

Eine solche Vorgehensweise ist allerdins in sich unlogisch, weil die Mundkommunion mit einer Zange (oder Pinzette – dasselbe in grün) hygienisch  n o c h   sicherer ist als die Handkommunion. Wenn man die hl. Hostie per Zange auf die Hand legt, führt der Empfänger sie trotzdem mit seinen Fingern zum Mund. Es sind also beide Hände beteiligt. Zudem wird die Handkommunion fast immer stehend empfangen, was gerade in puncto Corona-Schutz ungünstig ist.

Genau genommen kann die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) kein Verbot verfügen, weil jedes Bistum für liturgische Bestimmungen selbst verantwortlich ist. Aber die Bischöfe übernehmen in der Regel die Leitlinien bzw. Verfügungen der DBK.

Wie mir aus dem bischöflichen Ordinariat des Erzbistum Köln auf meine Anfrage schriftlich mitgeteilt wurde, ist die Mundkommunion  – zumindest dort – zwar in öffentlichen Messen nicht erlaubt, aber durchaus etwa im Falle einer Krankenkommunion oder ähnlichen Situationen (also außerhalb der Meßfeier).

Ich weiß aus mehreren Bistümern, daß einige Priester dort jene Katholiken, die eine Mundkommuinon erhalten möchten, darum bitten, nach dem Gottesdienst in die Sakristei zu kommen, um dort in der von ihnen gewünschten Weise den Leib Christi zu empfangen.

Grundsätzlich bleibt es dabei, daß die DBK weder logisch noch theologisch angemessen reagiert hat, als sie einerseits die Verwendung einer Zange empfahl, andererseits aber die Mundkommunion nicht erlaubte, obwohl diese mit Zange/Pinzette und auf Knien die sicherste bzw. die am meisten hygienische Form der Kommunionausteilung darstellt.

Jenen  Gläubigen, die sich für Mundkommunion entscheiden, wird häufig entgegengehalten, der Mund sei doch auch nicht „würdiger“ als die Hand, oft werde damit noch mehr gesündigt (durch böse Worte häufiger als durch schlechte Werke etc).

Das mag sein, ist aber nicht der springende Punkt.

Ich habe noch nie einen Mundkommunikanten getroffen, der mir diese Begründung („Mund ist würdiger“) genannt hätte. Vielmehr geht es den meisten von ihnen darum, daß bei einer Handkommunion kleine Teilchen (Partikel) der hl. Hostie auf der Handfläche verbleiben oder bei Unachtsamkeit direkt auf den Boden herunterfallen können.

Das zweite Motiv lautet sodann, die Gefahr einer freventlichen Verunehrung (Hostienraub) sei durch die Einführung der Handkommunion gestiegen, was durchaus nicht bestritten werden kann.

Es ist daher längst an der Zeit, daß die DBK und die deutschen Bischöfe die Mundkommuion wieder gestatten – in den USA und Österreich wurde sie übrigens nie verboten. Die orthodoxe Kirche hat an der ihr eigenen Form der Mundkommunion ohnehin trotz Corona festgehalten.

Abschließend noch ein Hinweis:

Genau genommen handelt es sich bei der heute praktizierten Form der Handkommunion um eine FINGER-Kommunion, weil man die hl. Hostie mit dem Daumen und dem Zeigefinger der rechten Hand zum Mund führt.

Die eigentliche HAND-Kommunion wurde in der frühen Kirche praktiziert: Der Gläubige empfing den Leib Christi, indem er sich mit dem Kopf bis zu seiner Hand hinunterneigte und die hl. Hostie direkt mit dem Mund aufnahm. Diese urchristliche Praxis ist im Vergleich zur heutigen Finger-Kommunion zweifellos besser, zumal diese alte Form die Gefahr eines Sakrilegs (Hostienraub, Zweckentfremdung etc.) verringern würde.

Neben der Mundkommunion-Erlaubnis sollten daher unsere Oberhirten für jene Gläubigen, welche bislang die übliche FINGER-Kommunion praktiziert haben, ein Umsteigen auf die echte HAND-Kommunion empfehlen und dies auch solide begründen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Argentinien: Kath. Bischöfe und Lebensrechtler gegen neue Abtreibungsregelung

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In Argentinien soll ein Protokoll verabschiedet werden, das weitere Abtreibungserleichterungen vorsieht. Das ruft die argentinischen Bischöfe und Lebensrechts-Gruppen auf den Plan.

In ihrer kurzen Erklärung vom vergangenen Montag schließen sich die Bischöfe einer früheren Erklärung des Erzbischofs von Buenos Aires, Kardinal Mario Aurelio Poli, an und bringen „ihre Sorge über die unbegrenzte Ausdehnung der Erlaubnis von Abtreibungen und das Fehlen des institutionellen Rechts auf Gewissensverweigerung“ zum Ausdruck.

Erst vor einem Jahr waren Zehntausende gegen eine geplante Abtreibungsliberalisierung auf die Straße gegangen.

Am 16. Juli billigte die Stadtlegislative von Buenos Aires ein Protokoll des nationalen Gesundheitsministeriums. Darin werden die Regeln erläutert, die für Abtreibungen unter bestimmten Umständen  gelten, die ein früheres Gerichtsurteil für zulässig erklärt hatte.

Präsident Alberto Fernandez versprach Anfang März, ein Gesetz zur Entkriminalisierung der Abtreibung einzubringen, musste diesen Plan jedoch wegen der Corona-Pandemie verschieben.

Pro-Life-Gruppen sehen auch die vorgesehenen Beschränkungen im Falle einer Gewissensverweigerung kritisch.

So gab Rechtsanwalt Mariano De Vedia zu bedenken, dass das Protokoll zwar eine Verweigerung des Eingriffs aus Gewissensgründen erlaube, „allerdings nur unter der Bedingung, dass die Behandlung der Patientin nicht verzögert wird und diese an einen Fachmann überwiesen wird, der bereit ist, die Abtreibung vorzunehmen“.

Kardinal Poli sieht zudem auch den Zeitpunkt unglücklich gewählt. Wie er am 16. Juli verlauten ließ, sei es „besonders schmerzlich, dass inmitten einer tödlichen Pandemie, bei der so viele Arbeiter im Gesundheitsdienst ihr Leben riskieren, um andere zu retten, die Gesetzgeber die Gelegenheit ergreifen, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das alles andere tut, als menschliches Leben zu respektieren.“

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2020-07/kirche-argentinien-abtreibung-lebensschutz.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


Gläubige fühlen sich im Stich gelassen

Von Cordula Mohr

DIe in den Medien erwähnten Kirchenaustrittzahlen, die erneut gestiegen sind, beziehen sich zwar auf das Jahr 2019, aber sie zeigen bereits eine wachsende Abwendung von den christlichen Kirchen, die durch das defensive Verhalten von Bischöfen und Priestern in der Coronakrise voraussichtlich noch verstärkt wird.
Gerade in der Diözese Münster gab es einen „Kirchenaustritts-Rekord“, wie sogar das kath. Bistumsblatt KuL vom 5. Juli auf der Titelseite berichtete.
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Was sich im März 2020 und besonders zum Osterfest z.B. in meiner münsterländischen Stadt Rheine abspielte, lässt eine weitere Austrittswelle befürchten. Auch bei mir entstand von Woche zu Woche verstärkt der Eindruck, die Kirche habe sich selbst in die Bedeutungslosigkeit manövriert und ihre Gläubigen im Stich gelassen.
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Dies umso mehr, als der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet ausdrücklich erklärte, keine Gottesdienste verboten zu haben. Vielmehr sei diese Entscheidung von den Bischöfen selber ausgegangen.
Das gilt auch hinsichtlich der fehlenden Osterfeierlichkeiten.
Die Geistlichkeit hatte doch einen wochenlangen Vorlauf, um geeignete Lösungen in der Coronakrise zu überlegen. Die Parks und Kirchenwiesen hätten eine Möglichkeit geboten, um bei gutem Wetter eine Ostermesse zu feiern.
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Teilweise waren die Kirchen im März und April in Rheine nicht einmal zum persönlichen Gebet geöffnet. Ich stand mehrmals tagsüber vor verschlossener Kirchentür.
Dazu kam der späte Start mit den Gottesdiensten, obwohl die Coronazahlen hier in Rheine und auch deutschlandweit schon längst gesunken waren.
Das alles hat mich immer mehr zermürbt und enttäuscht.
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Gerade in Krisenzeiten braucht es doch die Hirten, die sich fürsorglich und einsatzfreudig um ihre Herde kümmern.
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Unsere Autorin Cordula Mohr aus Rheine ist dreifache Familienmutter und leitet den Regionalverband Nordmünsterland der ALfA (Aktion Lebensrecht für alle)

Papst Franziskus stärkt Priestern den Rücken gegenüber bischöflichen „Reformen“

Von Felizitas Küble

Seit etwa zwei Jahrzehnten werden in Deutschland immer mehr Pfarreien zusammengelegt und Kirchen geschlossen – nicht selten ohne notwendigen Grund oder unter dem Vorwand des Sparens (obwohl die Kirchensteuern in den letzten Jahren sprudelten).

Gleichzeitig wurde in manchen Bistümern im Zuge dieser Fusionen die Stellung der Pfarrer zurückgestutzt:

Pfarrer und sogar Dekane bzw. Dechanten wurden plötzlich in einem Rutsch zu Hilfspriestern degradiert, die zwar gegenüber den Gläubigen noch den Titel „Pfarrer“ oder „Pastor“ tragen durften, die aber schwuppdiwupps keine Pfarrer im kirchenrechtlichen (!) Sinne mehr waren – und daher sowohl gegenüber dem Bischof wie gegenüber ihren Laiengremien an Autorität und Machtbefugnissen deutlich einbüßten.

Manche Priester wurden sogar aus diesem „Anlaß“ in den vorzeitigen Ruhestand gedrängt.

Im Zuge dieser unseligen Entwicklung wurden viele Pfarrer von der Leitung ihrer Gemeinden „freigestellt“. Stattdessen wurde die Pfarrei nicht selten von einem „Leitungsteam“ geführt, das auch aus Laien bestand – teils sogar mehrheitlich aus denselben.

So kam es verstärkt zu einer Klerikalisierung der Laien und zugleich einer Laiisierung des Klerus – ganz im Sinne progressiver „Reformvorstellungen“ oder sogenannter „pastoraler Prozesse“, wie dieses Abbruchunternehmen gerne schöngeredet wurde.

Diesem priesterfeindlichen Treiben, das von etlichen bischöflichen Ordinariaten ausging und von linkskirchlichen Gruppen und Gremien unterstützt wurde, hat der Vatikan nun endlich einen Riegel vorgeschoben:

In einer vom Papst ausdrücklich gebilligten Instruktion der römischen Kleruskongregation wurde jetzt ein Machtwort gesprochen. Das wegweisende Dokument trägt den Titel: „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“.

Ihm zufolge ist eine Auflösung oder Zusammenlegung von Kirchengemeinden nicht mehr wie selbstverständlich möglich, sondern erfordert eine „begründete“ Einzelfalls-Entscheidung des Bischofs.

Auch das Überhandnehmen von Laien-Funktionen wird eingeschränkt, denn die Leitung der Pfarrei wird ihnen nicht erlaubt.

Hinsichtlich einer Schließung von Kirchen (im Bistum Essen oder Münster war dies zu dutzendfach der Fall) wird ebenfalls ein überfälliger Riegel vorgeschoben. Der Hinweis auf knappe Kassen oder weniger Gläubigen reicht in Zukunft nicht mehr aus, um ein Gotteshaus zu profanieren oder einer Zweckentfremdung zuzuführen (z.B. Turnhalle, Verlagsgebäude, Altenwohnungen etc – wie in Münster geschehen).

Sodann wird die Stellung des Pfarrers auch dadurch von Rom gestärkt, daß erklärt wird, er habe gegenüber seiner Gemeinde keine Rechenschaftspflicht.

Besonders wichtig ist, daß die vatikanische Instruktion klarstellt, die Zukunftsperspektiven des Pfarrers dürften „nicht mit der Berufung auf unumgängliche Reformnotwendigkeiten oder gar mit dem Verweis auf den priesterlichen Gehorsam abgetan werden“ – was aber bislang häufig der Fall war, wenn Priester amtlich herabgestuft wurden (vom Pfarrer zum Hilfsgeistlichen usw.) – oder gar vorzeitig zur Amtsniederlegung angehalten wurden.

Die Kleruskongregation bezeichnet ihr Einschreiten ausdrücklich als Antwort auf die in Deutschland von vielen Bistumsleitungen betriebenen „Strukturreformen“, die zu Lasten von Pfarrern und Pfarreien gingen, also sowohl den Hirten wie die Herde beschädigten.

Quelle für die Zitate: https://www.domradio.de/themen/vatikan/2020-07-20/rom-spricht-ein-deutliches-machtwort-vatikan-setzt-pfarreireformen-grenzen


Mexiko: Kath. Bischöfe beklagen „tödliche Seuche“ von Gewalt, Abtreibung u. Euthanasie

Die katholischen Bischöfe von Mexiko haben kürzlich in einer gemeinsamen Stellungnahme erklärt:

“Wir sind uns bewusst, dass das Jahr 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie, die in unzähligen Familien Schmerzen verursacht und die wirtschaftliche Situation ernsthaft beeinträchtigt hat, Spuren in der Geschichte der Welt und in der Geschichte Mexikos hinterlassen wird.

Dieses Jahr hat auch eine weitere tödliche Seuche nach Mexiko gebracht: Die Gewalt und Unsicherheit, die ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht haben, dürfen uns aufgrund ihrer Maßlosigkeit und Grausamkeit nicht gleichgültig sein.“

Sodann beklagen die Oberhirten eine „Kultur des Todes, die das mexikanische Volk hart und immer wieder im Herzen trifft“.  – Neben zunehmenden Gewalttaten erwähnen die Bischöfe die Tötung ungeborener Kinder, die „Sterbehilfe“ und die Legalisierung von Drogen, außerdem eine „falsche und verzerrte Sicht der Sexualität“ sowie weitverbreitete Korruption und sexuelle oder berufliche Ausbeutung.


Islamischer Terror im Norden von Mosamik

In Mocímboa da Praia im Norden von Mosambik (Afrika) kam es erneut zu einem Anschlag einer islamischen Terrorbande. Die Milizionäre steckten die örtliche Kirche, die Sekundarschule, das Bezirkskrankenhaus, dutzende Häuser, Autos und Geschäfte in Brand.

Der Angriff auf die Stadt in der Provinz Cabo Delgado fand bereits am 27. und 28. Juni statt. Laut Aussagen von Missionaren vor Ort drangen die Dschihadisten mit Gewalt in die Stadt ein und brannten Gebäude nieder, befreiten die Häftlinge aus dem örtlichen Gefängnis und hissten schließlich die schwarzen Flaggen des Islamischen Staates.

In Mocímboa da Praia bot sich ein schreckliches Bild. “Auf den Straßen wurde mit schweren Waffen geschossen. Die Ausschreitungen dauerte mehrere Stunden. Am Ende waren die Straßen voller Leichen“, erklärten Zeugen.

Das Dorf war bereits am 23. März angegriffen worden, als Dschihadisten dort zum ersten Mal moderne Waffen und Guerilla-Techniken einsetzten. Nach Aussage von Bischof Luiz Lisboa von Pemba kündigten die Terroristen an, bald zurückzukehren  –  und so war es auch.

Die Bevölkerung in der Provinz Cabo Delgado ist verängstigt, denn sie fürchtet, dass es erneut zu plötzlichen und gewalttätigen Angriffen kommt.

Die Missionare dort berichten von Männern, Frauen und Kindern, die flüchten, ohne etwas mitzunehmen, um im Wald Zuflucht zu suchen. In Mocímboa da Praia flohen viele Familien an Bord von Fischerbooten aufs Meer und warteten dort das Ende der Zusammenstöße ab.

Bereits im vergangenen Mai haben die Bischöfe der kirchlichen Provinz Nampula Alarm geschlagen: „Wir sind zutiefst besorgt”, schrieben sie in einer gemeisamen Erklärung, „über die Verschlechterung der Lage in der Region Cabo Delgado, die zum Schauplatz undurchsichtigen Krieges geworden ist „.

Quelle: Fidesdienst


Kenia: Katholische Bischöfe protestieren gegen umstrittenes Abtreibungsgesetz

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Das Ungeborene ist menschliches Leben und seine Beendigung ist Mord.
Das hebt die Bischofskonferenz von Kenia in einer Erklärung hervor und fordert den Gesetzgeber auf, über die moralischen Folgen des neuen Gesetzes nachzudenken.

Der Wortlaut des Gesetzes sei „absichtlich zweideutig“. Das Gesetz spreche von „sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten“, doch in Wirklichkeit seien diese Begriffe von UNO-Organisationen neu definiert worden, „um umstrittene Sexual- und Abtreibungsrechte  –  auch für Kleinkinder –  einzubeziehen“, sagten die Bischöfe in einem Brief, der an katholische Parlamentsmitglieder gerichtet ist.

In dem von Erzbischof Philip Anyolo, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz unterzeichneten Schreiben heißt es, dass die Oberhirten zu Fragen, die das Leben betreffen, nicht schweigen würden.

Man solle die Probleme beseitigen, nicht die ungeborenen Kinder:

„Wir können Wege finden, unsere Jugend über die grundlegenden Entscheidungen zum Familienleben aufzuklären. Wir können jene Strukturen unterstützen, die bereits jetzt gefährdeten Minderjährigen und Frauen Schutz und Geborgenheit bieten“, schreiben die Bischöfe.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2020-06/kenia-kirche-ruft-zum-nachdenken-ueber-folgen-abtreibung-gesetz.html


Eine „Entweltlichung“ unserer Kirche begünstigt die Erneuerung des Glaubens

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der seit Jahrzehnten andauernde, beklagenswerte Zustand der deutschen Ortskirche hat nicht seine Ursache in zu wenig Geld, sondern dass sie zu viel davon hatte.

Die „Entweltlichung“, die Benedikt XVI. in Freiburg mit dem Wort angemahnt hatte: Eine „von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden“ fand nicht statt.

Jetzt geschieht, was Benedikt in Freiburg auch gesagt hat, dass „die Geschichte der Kirche durch Epochen der Säkularisierung zu Hilfe kam, die zu ihrer Läuterung und inneren Reform wesentlich beigetragen haben“.

Ein bekannter Kirchenhistoriker hat einmal geäußert: Die Säkularisierung musste kommen, weil die Bischöfe in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehr Reichsfürsten als loyale Mitarbeiter des Papstes waren.

Wie immer bei „Entweltlichung“ mussten in der Säkularisation auch gute Bischöfe und vitale katholische Klöster die Folgen mittragen, weil ungetreue Verwalter von sich aus nicht bereit waren, die Verhältnisse in Ordnung zu bringen.

Ein jüngeres Beispiel für vertane Entweltlichung ist der Weltbild-Verlag, der einmal im Eigentum und in der Verantwortung deutscher Bistümer stand. Der Weltbildverlag hat einen Teil seines Umsatzes mit Pornographie und Satanismus erwirtschaftet. Die verantwortlichen Bischöfe wurden durch umfangreiche Dokumentationen auf den Übelstand hingewiesen. Geändert wurde nichts, bis der finanzielle Crash das Problem löste.

Der massive Kirchensteuereinbruch wird überfällige Reformen erzwingen. Was soll mit dem weniger Geld geschehen?

Guido Horst (Vatikanmagazin, 6-7/2020, S.3) zitiert den Pastoraltheologen Dr. Andreas Wollbold. Dieser sprach sich dafür aus, „lebendige Zentren der Kirche zu stärken“. Einzelne glaubensstarke Gemeinschaften sollten in „schöpferischer Destruktion“ mit der verbleibenden Kirchensteuer gefördert werden.

Horst meint, „die Bischöfe sollten sich ein Herz fassen und in die Hot-Spots des Glaubens investieren. Der „Synodale Weg“, der nur in einer großen Frustration enden kann, ist das mit Sicherheit nicht. Nur: die große Mehrheit der Bischöfe steht hinter diesem „Synodalen Weg“. Der Versuch von Woelki und Voderholzer, ihn zu einem Hot-Spot umzuwandeln, wurde auf der Versammlung der Bischöfe am 15. September 2019 abgeschmettert. Voderholzer gab damals zu Protokoll „dass es zumindest eine Minderheit von Bischöfen gibt, die von der Sorge erfüllt ist, dass die wahren Probleme nicht angegangen werden“.

Horst meint, „die überwiegende Mehrzahl der Priester wäre bereit, mit missionarischem Geist einen Aufbruch in die Neuevangelisierung mitzutragen“. Auch viele Laien stünden bereit, die Geistlichen dabei zu unterstützen. Beides ist nicht so sicher. Aber die Reformer in der Kirche waren nie eine große Zahl. Es waren meist Einzelpersonen, die die ersten Schritte vielfach allein, aber mit dem Heiligen Geist gegangen sind. Der Startschuss muss kein lauter Knall sein.

Der Anfang einer Neuevangelisierung könnte nach Bischof Voderholzer (siehe Foto) auch so aussehen, dass reformwillige Gläubige die Möglichkeiten eines kirchlich gelebten Glaubens kennenlernen. Der Regensburger Oberhirte meint, die Katholiken sollten die Auskunftsfähigkeit über den Glauben stärken, sprachfähig und sprachwillig werden nach dem Wort „Seid bereit, jedem Rede und Antwort zu geben über den Grund eurer Hoffnung“ (vgl. 1 Petrus 3 15).

Ein weiterer Schritt wäre die Selbstvergewisserung im Glauben:

  • Wo zeigt sich der Glaube in meinem Leben?
  • Was würde mir ohne Gott und Kirche fehlen?
  • Warum ist mir die heilige Messe am Sonntag wichtig?
  • Wer hat mich eigentlich zum Glauben geführt?
  • Wer hat mir Christus nahe gebracht?
  • Welches Glaubenszeugnis hat mich so beeindruckt, dass ich ohne es nicht sein möchte?

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS