Ehe und Familie: Warum wir Klarheit von Papst Franziskus brauchen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Schon als das Abschlussdokument der Bischofssynode in Rom fertiggestellt war, haben verschiedene Medien, aber auch selbsternannte Gruppen „der Katholiken“ vRadio Vatikanersucht, das Ergebnis vorwegzunehmen und in ihrem Sinne zu deuten. Sie wollten ihre Meinung und ihre Interpretationshoheit bestätigt sehen. Um jene geht es hier nicht.

Vielmehr geht es um jene Katholiken, deren Treue zur Lehre der Kirche bzgl. Ehe und Familie außer Zweifel steht, die sich aber in der Bewertung des Abschlusspapiers deutlich unterscheiden. Ich greife zwei Stimmen heraus, nämlich die des Münchner Pastoraltheologen Prof. Dr. Andreas Wollbold (siehe Foto) einerseits und die von Frau Gabriele Kuby andererseits.

Im Interview mit der Zeitschrift ACADEMIA (Nr. 6/2015, S. 75) sagt Dr. Wollbold:

„Am Ende stand ein Dokument, das eindrucksvoll unter Beweis stellte, was das Zweite Vatikanische Konzil deutlich unterstrichen hat: Die Kollegialität der Bischöfe… Sie haben niemandem nach dem Mund geredet… Das Wehen des Heiligen Geistes war greifbar…

Darum ist es ein Konsensdokument. Konsens bedeutet, dass die überwiegende Mehrzahl der Bischöfe nach kontroversen Debatten ein gemeinsames Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums abgibt. Anders als viele Kommentatoren dies wiedergegeben haben, ist daran nichts bewusst schwammig formuliert. Wollbold, Prof. Dr. Andreas

Gerade die umstrittensten Äußerungen zu den wiederverheirateten Geschiedenen sind sehr klar und geben exakt die Linie wieder, die Johannes Paul II. vorgegeben hat. In der Substanz hat sich nichts geändert…Es gibt kein Schisma, die Kirche ist nicht von ihrer Ordnung und Lehre abgewichen… 

Langfristig wird die Kirche mit diesem Kurs ihre typische Weisheit und Gelassenheit im Umgang mit den menschlichen Irrungen wiederfinden: Im Grundsätzlichen klar, im Umgang mit den Betroffenen milde und beharrlich zugleich. Die Synodenväter haben die Realität von Familie sehr realistisch angeschaut. Eine Konsequenz ist die Ermutigung zu intensiver Ehevorbereitung und Formen des Ehekatechumenates“.

Und auf die Frage „Wie geht es weiter?“ antwortet Dr. Wollbold:

„Eine Sorge: bei den Aussagen zur Pastoral mit wiederverheirateten Geschiedenen finden sich einige Wendungen, die man als Gummiparagraphen verstehen könnte. Die Aufforderung zur Seelsorge im Forum-Internum und zur Suche nach dem persönlichen Weg könnte völlig missverstanden werden. Ein Paar könnte sagen: Wir sind mit Gott im Reinen, wir sehen da kein Problem. Der Priester könnte ihm bestätigen: Die Kirche ist zwar noch nicht so weit, aber ich habe Verständnis.

Ein fortschrittlicher Bischof könnte eine solche Praxis dulden oder sogar ermutigen. Das hieße, den Willen der Synode ins Gegenteil verkehren. Sie hat klargestellt, dass die Grundsätze zur Wiederheirat und zur Zulassung zur Kommunion die Grundlage für alle Seelsorge bilden. Wer sich davon dispensiert, dispensiert sich von der Kirche!“

Wollbold kommt also insgesamt zu einer positiven Bewertung des Abschlussdokuments der Bischofssynode. Anders Gabriele Kuby (siehe Foto); sie gelangt in ihrem Beitrag „Glanz der Wahrheit“ in Kirche heute (Nr. 12/2015, S. 8-9) zu einer anderen Schlussfolgerung.

Gabriele Kuby legt zunächst die biblische Botschaft von Genesis (1,26-28) dar, wonach der Mensch als Abbild Gottes, als Mann und Frau geschaffen, zur gegenseitigen Ergänzung bestimmt und zur Fruchtbarkeit berufen ist.

Die Autorin moniert, dass auf der Synode „Themen ins Zentrum gerückt wurden, die weniger die Familien betreffen als jene, die in irregulären Beziehungen leben: Die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion (und Beichte), die Haltung der Kirche zu Menschen mit homosexueller Neigung und zu jenen, die in außerehelichen Beziehungen leben. Diese Themen eigneten sich als Hebel zur Veränderung des katholischen Eheverständnisses“.

Gabriele Kuby fragt: „Was sind die Strategien, die Lehre dennoch an entscheidenden Punkten der Zeit anzupassen, ohne dass es zur Spaltung kommt?“

Sie führt für die von ihr angenommene Strategie zwei Punkte an: Erstens das Gesetz der Gradualität „um das absolute Gebot Jesu von der Unauflöslichkeit der vor Gott geschlossenen sakramentalen Ehe (Mk 10 11-12; Mt 5,31-32) zu relativieren, wurde das ‚Gesetz der Gradualität‘ in Anspruch genommen. Danach sei der Mensch nur schrittweise fähig, dem moralischen Gesetz zu gehorchen, und folglich könne von ihm auch nicht verlangt werden, sich den Geboten Gottes zu fügen, wenn er noch nicht reif genug dafür sei… So wird begründet, dass die Pastoral von der Lehre der Kirche abweichen dürfe“.

Gabriele Kuby zitiert Joh. Paul II. mit Familiaris Consortio von 1981 (Nr. 34), wonach das „Gesetz der Gradualität“ das Gebot Christi nicht aushebeln kann.

Die zweite Strategie, um die kirchliche Lehre den Forderungen der Zeit anzupassen, sieht Frau Kuby in einer Strategie der „Wahrheit und Barmherzigkeit“. Konkret: „Um die absoluten moralischen Gebote zu relativieren, wird die Barmherzigkeit gegen die Wahrheit ausgespielt. Wahrheit und Barmherzigkeit können aber nur gemeinsam existieren“.

In ihrer abschließenden Bewertung sagt Gabriele Kuby: „Es scheint, als hätten bei dieser Synode alle gewonnen. In Wirklichkeit haben alle verloren, am meisten die Kirche. Sie spricht nicht mehr mit klarer, eindeutiger Stimme. Wir hören viel Wahres, aber auch viel Ambivalentes, was oft zurechtgerückt werden muss und unterschiedlich interpretiert werden kann“.

Es kann nicht gut sein, wenn zwei Persönlichkeiten der Kirche, die mit ihrer Stimme viele Katholiken erreichen und ihre Meinung beeinflussen, über das Ergebnis des Abschlussdokumentes der Bischofssynode zu so unterschiedlichen Bewertungen kommen. Katholiken, die auf die Stimme der Kirche hören wollen, brauchen klare, eindeutige Aussagen  –  und diese kann nur Papst Franziskus liefern.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und das Monatsmagazin DER FELS


Konservative Familien-Petition an den Papst: 790.190 Unterschriften abgegeben

Am Dienstag (29. September 2015) wurden 790.150 Unterschriften für die „Ergebene Bitte an Papst“ Franziskus übergeben. Ebenso fand eine Pressekonferenz zur Erläuterung der Aktion statt. Anlass der Unterschriftensammlung war der Angriff linker und modernistischer katholischer Kreise auf die kirchliche Lehre über Ehe, Familie und Sexualethik.

Etliche internationale Medien berichteten bereits am selben Tag vom Erfolg der Aktion: 
National Catholic Register
Voice on The Family
Il Giornale
La Nuova Bussola Quotidiana

Die Petition an den Papst wurde von 204 Kardinälen oder Bischöfen unterstützt (zum Zeitpunkt der Übergabe waren es 201, wie auf dem Foto gezeigt wird). 

Zur Aktion gehörte auch die Veröffentlichung der Broschüre „Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten“

Viele Persönlichkeiten unterschrieben den Appell an den Papst, darunter die Kardinäle Jorge Medina Estévez, Geraldo Majella Agnelo, Gaudencio Rosales und Raymond Leo Burke.

Quelle: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2015/09/ergebene-bitte-790190-unterschriften.html


Bischof Rudolf Voderholzer wünscht vertiefende katholische Ehevorbereitung

„Frauen und Männer, die kirchlich heiraten wollen, brauchen eine neue Form der Ehevorbereitung.“  – Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto) äußeborMedia1840101rte sich vorigen Donnerstag zu den Herausforderungen einer zukunftsgewandten Seelsorge für Eheleute: 

„Ein paar Gespräche mit dem Pfarrer reichen nicht aus, um das Verständnis für den tiefen Sinn des Ehesakramentes zu wecken und zu verankern. Es kommt darauf an, dass die Paare, die ihre Ehe vor Gott schließen wollen, auch wirklich begreifen, wie die christliche Ehe ihre existentielle Sehnsucht nach erfüllender Liebe beantwortet.“ 

Das Akademische Forum Albertus Magnus der Diözese Regensburg hatte zu einer Vortragsveranstaltung zur Ehepastoral mit dem angesehenen Münchener Pastoraltheologen Prof. Dr. Andreas Wollbold (siehe Foto) geladen.

Bischof Voderholzer weiter:  „Wenn das Gasthaus bereits bestellt ist, dann ist es wohl schon zu spät für eine wirklich tiefreichende Ehevorbereitung. Die Schönheit und Wahrheit einer Ehe, die Gott in die Beziehung mit hineinnimmt, muss bereits in der Firmvorbereitung, im Religionsunterricht und in der Jugendarbeit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor Augen gestellt werden. Wollbold, Prof. Dr. Andreas

Eigentlich beginnt die Ehevorbereitung im Kindesalter, wenn kleine Menschen erleben, wie sehr sie geborgen und getragen sind in der Treue und Liebe der Eltern zueinander. Eine solche umfassende Lebens- und Ehevorbereitung anzubieten, das ist eine Herausforderung, der sich die Kirche in den kommenden Jahrzehnten stellen muss.“ 

Der Regensburger Oberhirte erwartet von der Anfang Oktober stattfindenden Bischofssynode weichenstellende Impulse für neue Formen der Ehevorbereitung. Dazu zählt er auch eine intensive Auseinandersetzung mit den zersetzenden Gender-Ideologien, die das geschlechtliche Wesen des Menschen zu einer subjektiv verfügbaren Beliebigkeit herabsetzen wollen.

Quelle: Bistum Regensburg


Schweiz: Bischof Büchel von St. Gallen äußert sich irreführend zur Homosexualität

Mathias von Gersdorff

Der katholische Bischof Marcus Büchel von Sankt Gallen (Schweiz) äußerte am 7. August 2015 in einem Brief an alle „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge“ haarsträubende Aussagen zu Homosexualität und generell zur Sexuallehre der Kirche. flyerstralsund2

Sein Kerngedanke: Es sei unerheblich, welche sexuelle Orientierung man praktizieren würde, solange dies „verantwortungsvoll“ geschehe.

Damit widerspricht er frontal die Sexualmoral der katholischen Kirche und möglicherweise auch der christlichen Anthropologie (Lehre vom Menschen, Menschenbild).

Bischof Büchel ist zudem Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz.

Seine Vision von Sexualität drückt der Oberhirte folgendermaßen aus:

„Menschliche Beziehungen haben viele Dimensionen, weil jede Person in sich mehrere Dimensionen trägt. Eine davon ist die Sexualität. Für die Förderung des Wohls der Person ist weniger die hetero- oder homosexuelle Neigung entscheidend als vielmehr der verantwortungsvolle Umgang mit Sexualität und allen Dimensionen in einer Beziehung (wie Achtsamkeit, Sorgfalt, Respekt oder Treue).

Hier dürfen wir gerade als katholische Gläubige auf das Gewissen jedes und jeder Einzelnen vertrauen. Freuen wir uns an jeder Beziehung, in der sich die Partner als gleichwertige, wertvolle, geliebte Kinder Gottes annehmen, die Würde des anderen achten und das Wohl der Personen befördern!“

Zu den ablehnenden biblischen Aussagen über praktizierte Homosexualität schreibt Bischof Büchel:Unser heutiges Wissen über die Homosexualität als Anlage und nicht frei gewählte sexuelle Neigung war zur Zeit der Bibel gar nicht bekannt.“

Er fordert eine neue Sexualmoral, insbesondere was die Homosexualität angeht: „So müssen wir uns als Kirche der historischen Lasten im Umgang mit der Homosexualität bewusst stellen und eine neue menschen- und sachgerechte Sprache finden.“

Diese Aussagen verstärken den Eindruck in der Weltkirche, dass es in der deutschsprachigen Welt „drunter und drüber“ geht.  Die Bischofssynode in Rom im Herbst 2015 sollte sich auch Gedanken darüber machen, wie in unseren Gegenden wieder der Glaube und die wahre Lehre der katholischen Kirche Fuß fassen könnten. 

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und die Webseite „Kultur und Medien online“

 


Der Bischof von Leiria-Fatima unterstützt die liberale Linie von Kardinal Kasper & Co.

Mathias von Gersdorff

Die ramponierte und isolierte deutsche Delegation für die vatikanische Bischofssynode – wohl die liberalste in der ganzen Welt – erhält nun Unterstützung von ebenfalls reformerischen, aber weniger in der Öffentlichkeit beschädigten Bischöfen.

Der Bischof von Leiria–Fátima, António Marto, hat sich bereits als Anhänger der Positionen von Kardinal Kasper bekannt.

Dadurch geriet er Ende Juli 2015 bei einem Treffen der portugiesischen Bischofskonferenz in eine Auseinandersetzung mit dem Patriarchen von Lissabon, Kardinal Manuel Clemente.

Laut Presseberichten konnte sich schließlich Kardinal Clemente durchsetzen. Dennoch wurde mit Erstaunen konstatiert, wie gespalten der portugiesische Episkopat in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen ist.
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Währenddessen bereitet das liberale Lager eine Tagung in Rom für den 10.-12. September 2015 vor, die sich mit den Themen der Familiensynode in diesem Herbst befassen soll (siehe Abbildung).
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Das Symposium wird diesmal aber nicht von Deutschen, Schweizern und Franzosen organisiert. Diese hatten Ende Mai 2015 eine ähnliche Tagung einberufen und gestaltet, die zu erheblichen Irritationen führte.
Man hielt sie für eine „Schatten-Synode“ und ein „Geheimtreffen“ zur Planung der liberalen Agenda der Synode im Herbst 2015 in Rom. In der Tat sprachen dort wohl die schärfsten Gegner der katholischen Lehre über Ehe und Familie.
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Der wichtigste Kirchenmann bei diesem September-Treffen wird Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga von Tegucigalpa, Honduras, sein. Trotz seiner lateinamerikanischen Herkunft vertritt Kardinal Maradiaga eine stark liberale Position.Die Tagung wird von der „International Academy for Marital Spirituality (INTAMS)“ organisiert.
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Die Absicht dieser neuen Initiativen und Stellungnahmen ist es wohl, modernistische Bischöfe in Deutschland aus der Schusslinie zu nehmen. Durch ihre Attacken gegen die katholische Lehre und ihr teils arrogantes Vorpreschen weckten sie weltweiten Widerstand und manövrierten sich dadurch in die Isolation.
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Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und die Webseite „Kultur und Medien online“

Überflüssiges Rauschen im Blätterwald wegen jüngster Papst-Äußerungen

Klare Sache: Geschieden-Wiederverheirate sind „nicht exkommuniziert“

In einigen Medien gibt es wieder einmal Wirbel und Sensationsgetuschel um Aussagen von Papst Franziskus im Vorfeld der römischen Bischofssynode über Ehe und Familie. Anscheinend wird jetzt erst recht jede Äußerung von ihm auf die Goldwaage gelegt. flyerstralsund2

Allerdings ist es überflüssig bis lächerlich, wenn im reformerischen Spektrum der Eindruck erweckt wird, als habe der Pontifex etwas Neues geliefert mit seiner Bemerkung, die geschieden-wiederverheirateten Katholiken seien „nicht exkommuniziert“. Umgekehrt ist es genauso unangebracht, wenn sich traditionelle Stimmen über diese Aussage von Franziskus empören.

Was soll an dieser schlichten Tatsache aufregend sein?

Seit Jahrzehnten weisen Päpste (auch Benedikt) bisweilen darauf hin, daß der erwähnte Personenkreis durchaus nicht exkommunziert ist  –  mit anderen Worten: er ist nicht aus der kirchlichen „Communio“ (Gemeinschaft) ausgeschlossen, sondern „nur“ vom Sakramentenempfang. Wenn jemand nicht zum Tisch des HERRN darf, bedeutet dies aber noch lange keine Exkommunikation.

Auch das Getöse, eine solche Äußerung zum jetzigen Zeitpunkt sei gleichsam ein reformerisches „Signal“ an die Familiensynode, ist unsinnig, weil der Papst lediglich auf etwas hinweist, was einen Neuigkeitswert von 0,0% aufweist. Nur Personen (ob von links oder von rechts), die sich theologisch und kirchenrechtlich wenig auskennen, beginnen jetzt mit ihren oberschlauen Spekulationen.

Weiterführende Infos hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/02/17/wegweisender-sammelband-zum-dauerbrenner-ehe-und-kommunion/


München: Kardinal Reinhard Marx strebt weiter nach einer liberalen Zeitgeistkirche

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Auf ihrer Internetseite hat die „Deutsche Bischofskonferenz“ die wichtigsten Auszüge aus der Pfingstpredigt von Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München-Freising, veröffentlicht.

Als programmatische Aussage stellte Kardinal Marx seine Vision von Kirche vor. Er will eine Willkommenskultur für alle: „...die zugezogenen Norddeutschen und die Bayern, die Mittelschicht und die Hartz-IV-Empfänger, die Arbeitslosen und die Direktoren der Banken, die Grünen und die Schwarzen, die Homosexuellen und die Heterosexuellen, die Geschiedenen und die Ehejubilare, die Flüchtlinge und die Gebirgsschützen“.

Marx´ Forderung: Jeder Mensch soll den Anderen die Frohe Botschaft verkünden: „Nicht die Unterschiede zählen, sondern das, was uns verbindet“.

Dass alle Menschen berufen sind, an das Evangelium zu glauben, ist Allgemeinplatz. Wie soll man also Marx´ Worte verstehen? IMG_20140601_122952

Kardinal Marx hat ausdrücklich eine Reihe Reizwörter verwendet: Grüne und Schwarze (also CSU/CDU-Mitglieder), Homosexuelle und Heterosexuelle, Geschiedene.

Er hätte sich auch anders ausdrücken können: Parteimitglieder und Parteilose, Männer und Frauen, Verheiratete und Ledige. Eine solche Wortwahl hätte auch eher der katholischen Gedankenwelt entsprochen. Wenn Marx „Homosexuelle und Heterosexuelle“ nennt, so meint er die jüngst in Mode gekommene Unterscheidung von Menschen nach ihrer „sexuellen Orientierung“.

Diesen umstrittenen Begriff gibt es aber nicht in der christlichen Anthropologie. Es gibt Männer und Frauen und es gibt Männer und Frauen mit homosexuellen Neigungen.

Auch Geschiedene gibt es im strengen Sinne des Wortes nicht, denn nach katholischer Auffassung ist die Ehe unauflöslich. Man bleibt also verheiratet bis zum Tod. Es gibt nur zivilrechtlich Geschiedene, doch die Zivilehe hat für die katholische Kirche keine wirkliche Bedeutung.

Wie ist die Aussage von Kardinal Marx also zu werten?  Radio Vatikan

Entscheidend ist seine Forderung: „Nicht die Unterschiede zählen, sondern das, was uns verbindet“. Was bedeutet das konkret im heutigen gesellschaftlichen Kontext?

Grüne: Diese Partei ist zwar nicht die einzige, aber doch jene, welche sich am intensivsten für die Durchsetzung der Gender-ideologie in den Schulen und in der Gesellschaft generell einsetzt. Die Gender-Ideologie, dies haben Päpste und diverse Bischofskonferenzen in Hirtenbriefe ausführlich erläutert, ist ein Angriff auf das Herz des christlichen Menschenbildes.

Homosexuelle: Wie die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ausführlich erklärt haben, wird unter dem Schlagwort „Rechte für Homosexuelle“ die sogenannte „Homo-Ehe“ oder die „gleichgeschlechtliche Partnerschaft“ gefordert und so die katholische Lehre über Ehe und Familie frontal angegriffen. Die sog. „Homosexuellen-Agenda“ dient also der Relativierung wichtiger und verbindlicher katholischer Lehraussagen.

Geschiedene (eigentlich geschiedene Wiederverheiratete): Die Lage der geschieden Wiederverheirateten dient zurzeit als Vorwand, die katholische Lehre über die Familie, vor allem die Unauflöslichkeit der Ehe, zu schleifen. Mit der Abschaffung der Unauflöslichkeit würde die katholische Lehre über die Ehe und auch die Sexualmoral in sich zusammenfallen. Deshalb werden oft die Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zur Kommunion, die Erlaubnis von künstlichen Verhütungsmitteln und die Akzeptanz außerehelichen Geschlechtsverkehrs zusammen gefordert. Dieser ist einer der schärfsten Angriffe zurzeit aus dem innerkirchlichen Bereich.

Fazit: Kardinal Marx fordert im Grunde eine Kirche, die sich gegen die schärfsten Angriffe auf sie gegenwärtig nicht verteidigt. Seine Aussagen sind geeignet, antikirchlichen Strömungen Tür und Tor zu öffnen.

Das wäre in etwa, als wenn Bischöfe in den 1970er Jahren in Vietnam, Kambodscha oder Angola gesagt hätten, man solle nicht das Trennende bezüglich der Kommunisten beachten, sondern das, was verbindet.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht aktuelle Kommentare hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/
Fotos: M.v.G., Cordula Mohr, Radio Vatikan

Kardinal Raymond Burke spricht über die Ehe: „Bis der Tod euch scheidet“

Im Nachgang zur außerordentlichen Bischofssynode in Rom vertritt Raymond Kardinal Burke mit klaren Worten die katholische Ehelehre bei einem Vortrag, den er am 20. März 2015 auf der von Pfarrer Dr. Guido Rodheudt geleiteten 17. Liturgischen Tagung in Herzogenrath gehalten hat. Burke_rede

Der US-amerikanische Kurien-Kardinal (siehe Foto) gehört zu den besonders glaubensstarken und tapferen Persönlichkeiten der  Kirche. Papst Benedikt hat ihn zum Kardinal ernannt und mehrfach öffentlich gewürdigt.

Vor allem die Lebensrechtsbewegung ist dem grundsatzfesten Kirchenmann seit langem dankbar für sein unbeugsames Eintreten zugunsten der ungeborenen Kinder, ebenso die familienbewegten Initiativen, die sein eindeutiges Ja zur Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe schätzen.

Den bemerkenswerten Vortrag können wir hier in voller Länge bei Bonifatius-TV sehen. Zunächst spricht Pfarrer Dr. Rodheudt als Versammlungsleiter, danach Kardinal Burke: http://www.bonifatius.tv/home/raymond-kardinal-burke-bis-der-tod-euch-scheidet_5118.aspx


Predigt von Papst Benedikt am 28. Oktober 2012 zum Abschluß der Weltbischofssynode

Vollständiger Wortlaut der bibelexegetischen Predigt im Petersdom über die Heilung des Bartimäus

Verehrte Mitbrüder,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Brüder und Schwestern!

Das Wunder der Heilung des blinden Bartimäus hat im Aufbau des Markusevangeliums einen besonderen Platz. Es steht nämlich am Ende des Abschnittes, der als der „Weg nach Jerusalem“ bezeichnet wird, das heißt die letzte Pilgerreise Jesu in die Heilige Stadt zum Paschafest beschreibt, wo ihn, wie er weiß, Leiden, Tod und Auferstehung erwarten. 

Um vom Jordantal aus nach Jerusalem hinaufzugehen, kommt Jesus durch Jericho  –  und die Begegnung mit Bartimäus ereignet sich am Ausgang der Stadt, „als er“, wie der Evangelist anmerkt, „mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ“ (10,46). Es ist jene Menschenmenge, die bald darauf Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem als Messias bejubelte.

Am Straßenrand saß also der Bettler Bartimäus, der „Sohn des Timäus“  –  so erklärt der Evangelist den Namen. Das gesamte Markusevangelium ist ein Weg des Glaubens, der sich schrittweise unter der Anleitung Jesu entfaltet. Die Jünger sind die ersten Protagonisten dieser Entdeckungsreise, doch es gibt auch andere Personen, die dabei eine wichtige Rolle spielen  –  und einer von ihnen ist Bartimäus.

Seine Heilung ist die letzte Wunderheilung, die Jesus vor seinem Leiden vollzieht, und nicht zufällig ist es die eines Blinden, eines Menschen also, dessen Augen das Licht verloren haben. Auch aus anderen Texten wissen wir, dass der Zustand der Blindheit in den Evangelien reich an Bedeutung ist. Er steht für den Menschen, der das Licht Gottes, das Licht des Glaubens braucht, um die Realität wirklich zu erkennen und auf dem Weg des Lebens zu gehen.

Wenn Menschen sich die eigene Blindheit nicht eingestehen, bleiben sie für immer blind

Es ist wesentlich, sich die eigene Blindheit, den Bedarf an diesem Licht einzugestehen, sonst bleibt man für immer blind (vgl. Joh 9,39-41).

Bartimäus wird also an diesem strategischen Punkt der Erzählung als Modell vorgestellt. Er ist nicht von Geburt an blind, sondern hat das Sehvermögen verloren: Er ist der Mensch, der das Licht verloren hat und sich dessen bewusst ist, der aber nicht die Hoffnung verloren hat, sondern die Gelegenheit einer Begegnung mit Jesus zu ergreifen weiß und sich ihm anvertraut, um geheilt zu werden.

Als er nämlich hört, dass der Meister auf seinem Weg vorbeikommt, ruft er: „Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!“ (Mk 10,47) und wiederholt dies mit Nachdruck (v. 48). Und als Jesus ihn ruft und ihn fragt, was er von ihm erbitte, antwortet er: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können!“ (v. 51).

Bartimäus steht für den Menschen, der das eigene Übel erkennt und im Vertrauen, geheilt zu werden, den Herrn anruft. Seine einfache und ehrliche Bitte ist beispielhaft und in der Tat  –  wie jene des Zöllners im Tempel: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Lk 18,13)  – in die Tradition des christlichen Betens eingegangen.

In der gläubigen Begegnung mit Christus gewinnt Bartimäus das verlorene Licht zurück und mit ihm seine volle Würde: Er erhebt sich und nimmt seinen Weg wieder auf; von jenem Moment an hat er einen, der ihn führt, Jesus, und einen klaren Kurs, denselben, den Jesus beschreitet.

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Der Evangelist sagt uns dann nichts mehr über Bartimäus, doch in ihm stellt er uns vor Augen, wer der wahre Jünger ist: derjenige, der mit dem Licht des Glaubens Jesus „auf seinem Weg“ folgt (v. 52).

Der heilige Augustinus macht in einer seiner Schriften eine ganz eigene Beobachtung zur Gestalt des Bartimäus, eine Beobachtung, die auch für uns heute interessant und bedeutungsvoll sein kann.

Der heilige Bischof von Hippo denkt über die Tatsache nach, dass Markus in diesem Fall nicht nur den Namen des Geheilten nennt, sondern auch den seines Vaters, und kommt zu dem Schluß, daß „Bartimäus, der Sohn des Timäus, eine Persönlichkeit war, die aus sehr großem Wohlstand herausgefallen war. Seine Notlage musste allgemein bekannt sein, da er nicht nur blind war, sondern am Straßenrand saß und bettelte.

Darum wollte Markus [im Unterschied zu Matthäus] nur ihn erwähnen: Daß er es war, der das Augenlicht wiedererlangt hatte, verlieh dem Wunder eine Resonanz, die ebenso groß war wie das Gerede über das Unglück, das dem Blinden zugestoßen war“ (De consensu evangelistarum, 2, 65, 125: PL 34, 1138). Soweit Augustinus.

Diese Interpretation, daß Bartimäus ein Mensch sei, der aus einer Situation „großen Wohlstands“ herausgefallen ist, gibt uns zu denken; sie will uns bewusst machen, dass es kostbare Schätze für unser Leben gibt, die wir verlieren können und die nicht materieller Art sind.

Wenn das Licht des Glaubens schwach wird, verlieren Menschen einen großen Schatz

Aus dieser Sicht könnte Bartimäus für diejenigen stehen, welche in Gebieten alter christlicher Tradition leben, wo das Licht des Glaubens schwach geworden ist, und die sich von Gott entfernt haben, ihn nicht mehr als für das Leben wichtig ansehen:

Menschen, die daher einen großen Schatz verloren haben, aus einer hohen Würde  –  nicht der wirtschaftlichen Situation oder der irdischen Macht, sondern des Christentums  –  „herausgefallen“ sind; Menschen, welche die sichere und feste Lebensorientierung verloren haben und – oft unbewusst – zu Bettlern um den Sinn des Lebens geworden sind.

Es sind die vielen, die einer neuen Evangelisierung bedürfen, d. h. einer neuen Begegnung mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes (vgl. Mk 1,1), der ihnen wieder die Augen öffnen und den Weg weisen kann.

Es ist bedeutsam, daß die Liturgie uns zum Abschluss der Synodenversammlung das Evangelium von Bartimäus vorlegt. Dieses Wort Gottes hat besonders uns etwas zu sagen, die wir uns in diesen Tagen mit der Dringlichkeit auseinandergesetzt haben, Christus dort neu zu verkünden, wo das Licht des Glaubens schwach geworden ist, wo das Feuer Gottes einer Glut gleicht, die angefacht werden muss, damit sie zu einer lebendigen Flamme wird, die dem ganzen Haus Licht und Wärme spendet.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Die neue Evangelisierung betrifft das gesamte Leben der Kirche. Sie geht in erster Linie die gewöhnliche Seelsorge an, die mehr vom Feuer des Heiligen Geistes belebt sein muss, um die Herzen der Gläubigen zu entzünden, die sich regelmäßig in der Gemeinde zusammenfinden und sich am Tag des Herrn versammeln, um sich vom Wort Gottes und vom Brot ewigen Lebens zu ernähren.

Die Sakramente des HERRN rufen uns zur Heiligkeit

Ich möchte hier drei pastorale Linien hervorheben, die sich aus der Synode ergeben haben. Die erste betrifft die Sakramente der christlichen Initiation. Es wurde erneut auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Vorbereitung auf die Taufe, die Firmung und die Eucharistie mit einer geeigneten Katechese zu begleiten.

Ebenso wurde die Bedeutung der Beichte, des Sakraments der Barmherzigkeit Gottes, bekräftigt. Über diesen sakramentalen Weg ergeht der an alle Christen gerichtete Ruf des Herrn zur Heiligkeit. Tatsächlich ist mehrmals betont worden, daß die wahren Protagonisten der neuen Evangelisierung die Heiligen sind: Sie sprechen mit dem Beispiel ihres Lebens und den Werken der Nächstenliebe eine Sprache, die allen verständlich ist.

An zweiter Stelle ist die neue Evangelisierung im Wesentlichen verknüpft mit der missio ad gentes. Die Kirche hat die Aufgabe zu evangelisieren, die Heilsbotschaft den Menschen zu verkünden, die Jesus Christus noch nicht kennen.

Auch im Laufe der Überlegungen der Synode wurde unterstrichen, daß es in Afrika, Asien und Ozeanien viele Gegenden gibt, deren Bewohner die Erstverkündigung des Evangeliums sehnlich erwarten, manchmal ohne sich dessen voll bewußt zu sein. Darum muß man zum Heiligen Geist beten, daß er in der Kirche einen neuen Missionseifer entfache, dessen Protagonisten in besonderer Weise die Seelsorgehelfer und die gläubigen Laien sein sollen.

Alle Christen haben die Pflicht, das Evangelium zu verkünden

Die Globalisierung hat eine beachtliche Bevölkerungsverschiebung verursacht; so wird die Erstverkündigung auch in den Ländern alter christlicher Tradition notwendig. Alle Menschen haben das Recht, Jesus Christus und sein Evangelium kennenzulernen; dem entsprechend haben die Christen, alle Christen  –  Priester, Ordensleute und Laien  –  die Pflicht, die Frohe Botschaft zu verkünden.

Ein dritter Aspekt betrifft die Getauften, die jedoch in ihrer Lebensweise den Ansprüchen der Taufe nicht gerecht werden. Im Laufe der Synodenarbeit wurde deutlich, dass es solche Menschen in allen Kontinenten gibt, besonders in den am stärksten säkularisierten Ländern. Die Kirche widmet ihnen besondere Aufmerksamkeit, damit sie Jesus Christus erneut begegnen, die Freude des Glaubens wiederentdecken und zur Ausübung der Religion in der Gemeinschaft der Gläubigen zurückkehren. 

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Außer den nach wie vor wertvollen traditionellen pastoralen Methoden versucht die Kirche ebenso neue Methoden anzuwenden, indem sie sich auch neuer Ausdrucksweisen bedient, die den verschiedenen Kulturen der Welt angepasst sind, und die Wahrheit Christi im Dialog und in einer Atmosphäre der Freundschaft anbietet, die in Gott, der die Liebe ist, ihr Fundament hat. In verschiedenen Teilen der Welt hat die Kirche diesen Weg der kreativen Pastoral bereits eingeschlagen, um die Menschen zu erreichen, die sich entfernt haben oder auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach Glück und letztlich nach Gott sind.

Wir erinnern an einige wichtige Stadtmissionen, an den „Vorhof der Völker“, an die Kontinentalmission usw. Es besteht kein Zweifel, dass der Herr, der Gute Hirt, diese Bemühungen, die aus dem Eifer für seine Person und sein Evangelium hervorgehen, reichlich segnen wird.

Die Freude an Gott ist unsere Stärke

Liebe Brüder und Schwestern, nachdem Bartimäus von Jesus das Augenlicht zurückerhalten hatte, schloss er sich der Jüngerschar an, unter denen es sicher noch andere gab, die wie er vom Meister geheilt worden waren.

Ebenso sind die neuen Glaubensboten: Es sind Menschen, die die Erfahrung gemacht haben, durch Jesus Christus von Gott geheilt worden zu sein. Und ihr charakteristisches Merkmal ist eine Herzensfreude, die mit dem Psalmisten sagt: „Großes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich“ (Ps 126,3).

Auch wir wenden uns heute in froher Dankbarkeit an Jesus, den HERRN, der Redemptor hominis (Erlöser der Menschen) und Lumen gentium  (Licht der Völker) ist  –  und wir machen uns ein Gebet des heiligen Klemens von Alexandrien zu eigen:

„Bis jetzt bin ich umhergeirrt in der Hoffnung, Gott zu finden, doch da Du mich erleuchtest, o Herr, finde ich Gott durch dich und empfange den Vater von dir, werde dein Miterbe, denn du hast dich nicht geschämt, mich zum Bruder zu haben.

Vertreiben wir also die Vergessenheit der Wahrheit, die Unwissenheit: Indem wir die Finsternis, die wie Nebel vor den Augen die Sicht behindert, beiseiteschieben, betrachten wir den wahren Gott (…), denn ein Licht vom Himmel erstrahlte über uns, die wir in der Finsternis begraben und im Schatten des Todes gefangen waren, ein Licht, reiner als die Sonne und süßer als das Leben hier auf Erden“ (Protreptikòs113,2 – 114,1).

Quelle: Libreria Editrice Vaticana / kath. Nachrichtenagentur Zenit


Weihbischof E. de Jong: Die Kirche soll mutig das Evangelium des Lebens verkünden

„Unser Problem sind die unsichtbaren Mächte des Bösen“

Auszüge aus der Rede von Everardus  de Jong, Weihbischof und Generalvikar von Roermond (Niederlande), während der römischen Bischofssynode am 16. Oktober 2012: 

Unser Problem ist nicht so sehr ein sichtbarer Gegner, sondern es sind die unsichtbaren Mächte des Bösen (Eph 6,12). Die erste Evangelisierung begann an Pfingsten, und wir brauchen ein neues Pfingsten. Wir sollten daher vor allem inbrünstig und unablässig zum Heiligen Geist beten…

Wir sollten die Kunst der Unterscheidung der Geister fördern. In dieser Zeit des Relativismus, in der die objektive Wahrheit nicht leicht akzeptiert wird, können wir den Menschen dabei helfen, ihre eigenen subjektiven Erfahrungen miteinander auszutauschen, um sie zur objektiven Wahrheit zu führen…

Es ist nicht nur unsere Pflicht, das Evangelium und den Katechismus zu verkünden, sondern wir müssen auch Exerzitien anbieten, in deren Verlauf wir die Menschen mit dem Jesus der Evangelien und mit der Kirche bekannt machen und ihnen dabei helfen, den Einfluss Seines Geistes auf ihr Leben mit den Ergebnissen einer eher hedonistischen Lebensführung zu vergleichen (vgl. Gal 5,19-23).

Auf diese Weise werden sie in ihrem Gewissen zur Kenntnis und Erkenntnis der objektiven Wahrheit ihrer Menschennatur, ihrer tiefsten Sehnsüchte und Gottes geführt…

Das bedeutete, dass wir den Priestern und Ordensleuten eine bessere geistliche Ausbildung zuteil werden lassen sollten, damit sie geistliche Leiter und wirkliche geistliche Väter und Mütter sein können.

Wir sollten in der Neuevangelisierung das Gebet zu den Engeln und Erzengeln anregen. Zahlreiche Päpste und Heilige haben diese Frömmigkeitsübung praktiziert und angeregt.

Foto: Mechthild Löhr, CDL

Die Rolle der Familie ist grundlegend für die Weitergabe des Evangeliums. In diesem Kontext kennt unsere Gesellschaft keine Sünde mehr. Gleichwohl wirkt sich die Sünde auf die Offenheit für die Botschaft des Evangeliums aus. Pornographie, Geschlechtsverkehr von Mann und Frau außerhalb der Ehe,

Künstliche Empfängnisverhütung und Abtreibung führen zu einer Verschließung der Herzen. Wer kann tatsächlich Ja sagen zu Gott, dem Spender des Lebens in Fülle, wenn er oder sie, ob bewusst oder unbewusst, Nein sagt zum menschlichen Leben?

Das bedeutet, dass die Kirche mutig das Evangelium des Lebens verkündigen sollte, einschließlich einer Theologie des Leibes, der natürlichen Familienplanung  –  und zu gleicher Zeit sollte sie den überaus barmherzigen Gott verkündigen.“