Sexualisierte Gewalt in einer Mainzer Kita – und die Verantwortung des Bistums?

PRESSEMELDUNG der Betroffenen-Initiative „netzwerkB“:

Das Bistum Mainz, mit Kardinal Karl Lehmann an der Spitze, „feuert“ lieber sieben Angestellte, anstatt selbst die Verantwortung für den Skandal in der Mainzer Kita ‘Maria Königin‘ zu übernehmen. https://i1.wp.com/netzwerkb.org/wp-content/uploads/2015/06/kardinal-lehmann-kita-mainz.jpg

55 Kinder sollen monatelang mehrfach täglich massiv bedroht und erpresst worden sein und sexualisierte Gewalt erfahren haben. Laut Berichten soll es geradezu ein Bandenwesen von Kindern gegen andere Kinder gegeben haben.

Die Frage ist zu stellen, was für eine Kultur in dieser Kita vorherrschte, dass ein solch massives Ausagieren von Gewalt möglich war.

Die Entlassung von allen Mitarbeitern mag für manche befreiend wirken; der Anschein wird erweckt, die Wurzel des Übels sei bereits identifiziert, nötige Konsequenzen gezogen und somit alles wieder in Ordnung.

Mitarbeiter-Entlassung nur Symptombehandlung

Letztendlich ist diese Maßnahme nur eine sehr oberflächliche Symptombehandlung.

Und noch bevor der Widerhall in den Medien über diesen Skandal ganz verklungen ist, geht die katholische Kirche zum nächsten Tagesgeschäft über: die anstehende Neueröffnung ihrer Kita.

Durch die Kündigung der Erzieher wird die Annahme bestärkt, dass der Dienstgeber – also der Träger oder Geschäftsführer – davon überzeugt ist, dass die Angestellten ihre Dienstpflichten verletzt haben. Bisher werden in den Medien lediglich die Anklagepunkte durch die Staatsanwaltschaft gegen die Angestellten mitgeteilt.

Die Seite der Erzieherinnen wird ausgeklammert, wie sie die beschriebenen Vorgänge erlebt haben mögen, wie das Ganze arbeitsrechtlich zu behandeln sei, etc.

Dabei könnte es sich lohnen, näher hinzuschauen und z.B. arbeitsorganisatorische Fragen zu stellen:

Wie viele KollegInnen arbeiteten pro Schicht? Wie lange dauerte eine Schicht? Für welches Entgelt wurde gearbeitet? Wie waren die Arbeitsbedingungen? Wie lief die Kommunikation der KollegInnen untereinander? Wie war die übliche Stimmung bzw. Arbeitsatmosphäre und warum?

Und brisanter noch: Wie waren die Kommunikationsstrukturen zwischen Team und Leitung, zwischen Leitung und Geschäftsführung bzw. Träger? Interessierte die Geschäftsführung bzw. den Träger denn nicht, wie der Arbeitsalltag in dieser Kita aussah?

Informierte sie sich also oder tat sie dies nicht? Wenn sie sich informiert hatte – warum handelte sie dann erst, als eine Tageszeitung sich einschaltete? Merkwürdigerweise scheint die Aufmerksamkeit sowohl der Staatsanwaltschaft als auch der Öffentlichkeit nur auf die Ex-Angestellten gerichtet zu sein und nicht auf die Verantwortung der Bistumsleitung.

Wer versucht hier, seine Hände in Unschuld zu waschen bzw. die Verantwortung auf die weiter unten in der Arbeitshierarchie abzuwälzen?  


Web-Portal der Bischofskonferenz verstieß massiv gegen den Fairneß-Aufruf des Mainzer Bistums in der Causa Pfr. Jolie

Es geht um Gerechtigkeit für alle  – auch für Pfarrer Jolie!

Das Web-Portal „Katholisch.de“ ist die offizielle Internetpräsenz der Deutschen Bischofskonferenz.

Eben deshalb sollte man annehmen dürfen, daß dort grundlegende Regeln der Fairneß und Korrektheit beachtet werden, zumal gegenüber den eigenen Priestern, für die seitens der Bischöfe  –  neben den allgemeinen Anstandsregeln  – eine spezielle Fürsorgepflicht besteht.

Das gilt auch dann, wenn ein Geistlicher fehlerhaft gehandelt hat, wie dies bei Pfarrer Hendrick Jolie hinsichtlich seines leichtfertigen Umgangs mit dem unseriösen Schmuddelportal „kreuz.net“ zweifellos der Fall war. 

Dieser Priester aus dem Mainzer Bistum hat sich mittlerweile bei seinem zuständigen Bischof, Kardinal Karl Lehmann, entschuldigt –  und dieser hat die Entschuldigung angenommen und zudem die kritische Selbstbesinnung von Pfr. Jolie ausdrücklich gewürdigt.

Dies kann in der Erklärung des Mainzer bischöflichen Ordinariats  – sie ist hier im CHRISTLICHEN FORUM dokumentiert –  nachgelesen werden.

Der Pfarrer wird darin einerseits wegen Fehlverhaltens gerüffelt, andererseits wird die Öffentlichkeit zugleich ermahnt, weitere Verunglimpfungen dieses Priesters zu unterlassen:

“Das Bistum Mainz bittet die Öffentlichkeit, die Klärungen nach diesem Gespräch zu respektieren und Herrn Pfarrer Jolie nicht mit anderen, verunglimpfenden, strafwürdigen und menschenverachtenden Äußerungen von kreuz.net in Verbindung zu bringen. Dafür besteht nach dem heutigen Wissensstand kein Anlass.”

Doch was „Katholisch.de“  –  das amtliche Portal der Bischofskonferenz also!  –  daraufhin in der Causa Pfarrer Jolie online losgelassen hat, war alles andere als fair:
http://www.katholisch.de/de/katholisch/themen/kirche_2/121127_kreuz_net_jolie.php

Daraufhin übermittelte ich der Internet-Redaktion gestern per Kontaktformular folgenden Beschwerdebrief:

„Guten Tag,
mich befremdet Ihre unfaire Berichterstattung über Pfarrer Jolie. 
Um dies vorweg klarzustellen: ich habe mich schon vor der Dt. Bischofskonferenz öffentlich gegen „kreuz.net“ gewandt und hier gewiß keinen Nachholbedarf. Ich habe zudem Pfarrer Jolies Umgang mit „kreuz.net“ öffentlich kritisiert und diese Kritik ausführlich begründet.
Ich stehe aber auf dem Standpunkt: Sachkritik JA, Verunglimpfung NEIN.  –  Die öffentliche Kampagne gegen den Priester ist größtenteils infam und polemisch.
Was ich an Ihrem aktuellen Bericht über Pfr. Jolie unmöglich finde: Daß Sie die Mainzer Erklärung einseitig wiedergeben, nämlich mit keinem Wort erwähnen, daß das Bistum die Öffentlichkeit zur Sachlichkeit ermahnt und aufgefordert hat, den Priester nicht weiter zu attackieren.
Freundlichen Gruß!  Felizitas Küble

Das Portal „Katholisch.de“ hat den beanstandeten Artikel zwar bislang nicht gelöscht oder ergänzt, jedoch in einem neueren Beitrag, der sachlicher aufgezogen ist, jenen Fairneß-Passus der Mainzer Stellungnahme erwähnt  – also immerhin etwas dazugelernt:
http://www.katholisch.de/de/katholisch/themen/kirche_2/121128_kreuz_net_facebook.php

Allerdings sollte man von einer amtlich bestellten Redaktion erwarten dürfen, daß es dort für das ABC der Fairneß nicht erst eines Rippenstoßes bedarf.

Es geht um Gerechtigkeit für alle  – auch für Pfarrer Jolie!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerk in Münster


Erklärung des Bistums Mainz zur Causa Pfarrer Hendrick Jolie und „kreuz.net“

Wir dokumentieren den vollen Wortlaut der heute veröffentlichten Stellungnahme des Bischöflichen Ordinariats Mainz:

Zum Gespräch mit Pfarrer Hendrick Jolie über seine Verbindung mit kreuz.net

Wie bereits in der Erklärung vom 16. November 2012 angekündigt, hat am 23. November das Gespräch von Vertretern des Bistums Mainz mit Herrn Pfarrer Hendrick Jolie wegen seines Verhältnisses zu kreuz.net stattgefunden.

Von Bistumsseite haben daran teilgenommen: Herr Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann, Herr Justiziar Prof. Dr. Michael Ling und Herr Personaldezernent Ehrendomkapitular Klaus Forster.

In dem Gespräch kam zum Vorschein, dass Herr Pfarrer Jolie Kontakte zu der für ihn stets anonym gebliebenen Redaktion von kreuz.net hatte und entgegen früheren Darstellungen auch Texte lieferte. Diese betrafen nach dem heutigen Kenntnisstand kirchenpolitische Sachverhalte und Urteile, freilich auch über kirchliche Personen.

Insofern hat sich im Gespräch die Einschätzung des Bistums Mainz in der Erklärung vom 16. November über die Art der Mitwirkung von Herrn Pfarrer Jolie bestätigt.

Die Vertreter des Bistums Mainz haben keinen Zweifel daran gelassen, dass diese Kontakte, die inakzeptable Verletzungen einer Reihe von Menschen mit sich gebracht haben, auch ohne förmliche Mitwirkung bei anderen Verlautbarungen von kreuz.net, eines Priesters unwürdig sind und außer den betroffenen Personen auch die Kirche beschädigt haben.

Pfarrer Jolie hat sich im Anschluss an das stattgefundene Gespräch mit den Vertretern des Bistums in einem Brief vom 23. November an den Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, gewandt und darin sein „unkluges und unüberlegtes Handeln zu großem Schaden für die Diözese und auch für mich persönlich“ bedauert.

Er habe in der irrigen Meinung, dem Glauben der Kirche zu dienen, Mittel und Wege der Meinungsäußerung gesucht, die in Widerspruch zum christlichen Glauben stehen. Er bittet um Entschuldigung und um Vergebung. Er will die Bereiche seiner öffentlichen Wirksamkeit überdenken und daraus Konsequenzen ziehen.

Der Bischof von Mainz hat diese Bitte angenommen.

Er dankt den Teilnehmern des Gesprächs für ihren Beitrag zu einer Klärung, aber auch Herrn Pfarrer Jolie für seine Bereitschaft zur selbstkritischen Umkehr.

Er ermahnt ihn, auch künftig mit öffentlichen Verlautbarungen jeder Art sensibel umzugehen. Das Bistum Mainz bietet Herrn Pfarrer Jolie dafür jede Hilfe an.

Das Bistum Mainz bittet die Öffentlichkeit, die Klärungen nach diesem Gespräch zu respektieren und Herrn Pfarrer Jolie nicht mit anderen, verunglimpfenden, strafwürdigen und menschenverachtenden Äußerungen von kreuz.net in Verbindung zu bringen.

Dafür besteht nach dem heutigen Wissensstand kein Anlass.

Mainz, 27. November 2012
Bistum Mainz

Quelle: http://www.bistummainz.de/bistum/bistum/ordinariat/dezernate/dezernat_Z/pressestelle/index.html?f_action=show&f_newsitem_id=33052