Null Toleranz bei sexuellem Missbrauch

Von Dr. Markus Büning

Eines vorab: Hier schreibt ein Mensch, der seine Kirche sehr liebt. Ich stimme nicht ein in den Chor derer, die nun meinen, wegen der erneut bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in den USA die Kirche pauschal in die Ecke der Kinderschänder stellen zu müssen. Nein, diese Kirche ist die Kirche Jesu Christi und ihre vornehmliche Sendung ist das Seelenheil aller Menschen. Hierzu hat der HERR sie mit den Gnadenmitteln ausgestattet, die den Menschen helfen, den Weg zum ewigen Heil zu finden.

Allerdings müssen wir hier folgender Tatsache ins Auge sehen: Diese Täter sind in mehrfacher Hinsicht Verbrecher. Eines der Verbrechen ist es, das Ansehen der Kirche Jesu Christi derart zu beschmutzen, dass viele Menschen gänzlich das Vertrauen in diese Institution verlieren.

Das andere Verbrechen begehen und begingen die Oberhirten, die aus einem falschen Ansinnen der Ansehensrettung diese Verbrechen vertuscht haben. Nein, diese Bischöfe gehören gnadenlos aus dem Amt entfernt, denn sie haben die Opfer über Jahrzehnte schutzlos und würdelos dastehen lassen, nur um das Image der Kirche zu retten. Für das Ansehen der Kirche hätten diese Bischöfe allerdings mehr tun können, wenn sie sofort die Dinge tatkräftig aufgeklärt hätten und die Opfer in das Zentrum ihres Bemühens gestellt hätten.

Hier schriebt aber auch einer, der selbst in den frühen achtziger Jahren Opfer eines schlimmen Missbrauchs durch einen Priester geworden ist. Es war alles nur schlimm und widerlich. Jahrelang habe ich die Dinge mit mir herumgetragen und konnte mit keinem darüber spreche.

Erst als meine Mutter Jahrzehnte später erfuhr, dass dieser Priester wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs ins Gefängnis gekommen sei, fragte sie mich besorgt, ob er mir damals auch etwas angetan hätte. Erst da konnte ich offen darüber sprechen.

Die Kirche hat mir Jahrzehnte später eine Entschädigungssumme geleistet und sich offiziell für das Fehlverhalten dieses Priesters entschuldigt. Aber die Wunden werde ich zeitlebens mit mir herumtragen müssen.

Und genau dies ist das schlimmste Verbrechen: Es werden schutzbefohlene Minderjährige in ihrer Scham verletzt, ihr Kinderglaube wird zerstört, das Vertrauen der Eltern hintergangen und in jedem dieser Kinder bleibt eine Verwundung, die man als Lebenskreuz mit sich herumtragen muss. Und dann ist es noch möglich, dass die so Verletzten ihren Glauben ganz verlieren. All dies ist dramatisch und verheerend für die Glaubwürdigkeit unserer Kirche.

Wen wundert´s vor diesem Hintergrund, das durch die neusten Dimensionen, die nun im Untersuchungsbericht aus Pennsylvania bekannt geworden sind, bei mir alte Wunden wieder aufreißen und ein gewisser Zorn über all das neu aufkommt.

Hier hilft meines Erachtens nur eines: Jedwede kirchliche Obrigkeit ist nun gefordert, ohne Schonung dieser Verbrecher die Dinge ordentlich aufarbeiten zu lassen. Diese Aufarbeitung muss von Personen geschehen, die unabhängig vom kirchlichen Apparat sind. Zudem muss die immer wieder zu erkennende Tendenz ausgemerzt werden, durch Verharmlosung diesen Verbrechen zu begegnen.

Auch im Bistum Münster, meinem Heimatbistum, sehe ich hier großen Handlungsbedarf. In jüngster Zeit gab es zwei schlimme Fälle von seelischem Missbrauch Jugendlicher durch zwei Priester, die durch permanentes Cyberstalking per Whatsapp ihre Aufdringlichkeiten an den ihnen anvertrauten Jugendlichen meinten ausleben zu müssen. Hier die Links zu den Berichten über diese schlimmen Vorfälle: https://www.sueddeutsche.de/panorama/katholische-kirche-priester-schickt-jugendlichem-tausende-whatsapp-nachrichten-1.3834774 und https://www.welt.de/vermischtes/article156239384/Pfarrer-schickt-Dauer-Messages-im-Namen-Gottes.html.

Selbst wenn in diesen Fällen nicht körperliche Gewalt ausgeübt wurde, es bleibt dabei: Hier wurden Jugendliche auf schlimmste seelische Weise durch die Distanzlosigkeit übergriffiger Priester missbraucht! Und hier muss das Bistum mit aller Härte handeln, m. E. notfalls auch mit der Entfernung solcher Priester aus ihrem Dienst, die offenkundig ihre Grenzen nicht kennen.

Eine falsch verstandene Barmherzigkeit muss hier endlich ein Ende haben! Nun geht es um die Gerechtigkeit gegenüber den Opfern und das klare Signal, dass auch in diesem Bistum solche Übergriffe überhaupt gar nicht geduldet werden. Bisher fehlt es m.E. an dieser Klarheit!

Mein dringlichster Appell geht allerdings an den obersten Hirten der Kirche:

Lieber Papst Franziskus, Sie haben sich in dem Interview des Films von Wim Wenders sehr angemessen und zutreffend zu diesem Problem geäußert: Null Toleranz gegenüber Kinderschändern! Danke dafür! Aber nun sind Sie in der Pflicht, das dort Gesagte auch durch Ihr eigenes Regierungshandeln zu bestätigen.

In Sachen „Chile“ sind die Dinge zunächst nicht gut gelaufen. Immerhin haben Sie sich für Ihr anfänglich zögerliches Verhalten entschuldigt. Nun aber muss diese Linie ohne Ansehen der Person, selbst wenn Kardinäle betroffen sind, gelten: Null Toleranz gegenüber solchen Priestern und Bischöfen! Null Toleranz, egal, wer hier gefehlt hat.

Der Bericht aus Pennsylvania nimmt auch Sie in die Pflicht! Welche Bischöfe haben hier vertuscht? Wer trägt die Verantwortung für dieses jahrzehntelange Drama schlimmster Kindesverletzungen an Leib und Seele? Bitte untersuchen Sie jeden hier verantwortlichen Bischof auf das genaueste und treffen Sie notfalls auch Entscheidungen, die hart sind. Wenn Sie hier nicht Wort halten, Heiliger Vater, dann wird das Vertrauen in unsere Kirche noch mehr erschüttert werden.

Abschließend sei aber auch eines klar und deutlich gesagt:

Die Fehler anderer Menschen in der Kirche rechtfertigen auf gar keinen Fall den Kirchenausstritt. Denn die Kirche ist der Leib Jesu Christi. Nur in ihr können wir den HERRN in seinem Wort und in den heiligen Sakramenten wirklich begegnen.

Die Kirche ist zutiefst Heilsanstalt. Zudem: Wir alle beschmutzen durch unser tägliches Fehlverhalten auch das Ansehen der Kirche, Tag für Tag. Darum haben wir auch zunächst mit uns selbst genug zu tun. Und ich gehe nach wie vor davon aus, dass die meisten Priester und Bischöfe unserer Kirche ihren Dienst im Sinne Jesu ausüben.

Wäre dem nicht so, wäre die Kirche schon längst nicht mehr da. Ich glaube – trotz aller eigenen Verletzungen – immer noch daran, dass diese Kirche die Kirche Jesu Christi ist und ermutige jeden, der sich nun überlegt, aufgrund der neusten Skandale diese zu verlassen, ihr trotz alledem treu zu bleiben.

Lasst uns gemeinsam vor allem im Gebet den HERRN darum bitten, dass diese teuflischen Umtriebe in unsere Kirche ein Ende finden. Möge der HERR selbst zum Strick greifen und wieder aufs Neue seinen Tempel reinigen (vgl. Mt 21,12ff.; Mk 11,15ff.; Lk 19,45ff. und Joh 2,13ff.).

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Münster: Katholikentags-Beauftragter wird neuer Generalvikar des Bischofs

Wie die Pressestelle des Bistums Münster heute meldet, wird der Priester Dr. Klaus Winterkamp am 1. Oktober neuer Generalvikar des Bistums Münster. Das hat Bischof Dr. Felix Genn jetzt amtlich bekanntgegeben. Der 52-jährige Geistliche war zuletzt Beauftragter des Bistums für den Katholikentag in Münster.

Er tritt die Nachfolge von Dr. Norbert Köster an, der auf eigenen Wunsch künftig wieder stärker in puncto Kirchengeschichte arbeiten möchte.

Der 51-jährige Köster, der sich für die Aufhebung des Pflichtzölibats (pro Weihe von „viri probati“) aussprach und in der Öffentlichkeit ohne Priesterkleidung auftrat, gilt ebenso wie sein Nachfolger als theologisch progressiv.

BILD: Blick auf den Paulus-Dom von Münster

In der Bistums-Meldung heißt es sodann:

„Bischof Genn sprach bei der Bekanntgabe vor Journalisten davon, dass er es sehr bedauere, Norbert Köster als Generalvikar zu verlieren….Generalvikar Köster sei in den letzten Wochen zur Überzeugung gekommen, dass Klaus Winterkamp auch ein sehr guter Generalvikar sein könnte. Hierzu sagte Bischof Genn: „Dass ein Generalvikar, der seine Aufgabe nach Wahrnehmung aller herausragend erfüllt, der ein hohes Ansehen genießt und in einem Bistum zudem durchaus einen großen Einfluss hat, sich so gut mit einem möglichen Nachfolger identifizieren kann, zeigt seine innere Haltung und ist alles andere als selbstverständlich. Das verdient meine Hochachtung und meinen größten Respekt.“


Dr. Markus Büning übt deutliche Kritik am Kurs der Kirchenzeitung des Bistums Münster

Zu unserem gestrigen Artikel, in dem die Kirchenzeitung von Münster wegen eines werbenden Berichts für den homosexuellen CSD kritisiert wurde, veröffentlichen wir die Stellungnahme von Dr. Markus Büning (siehe Foto), einem katholischen Juristen, Theologen und Buchautor aus dem Bistum Münster:  

Wer hat für diesen glaubensfeindlichen Angriff auf die gute Ordnung Gottes die Letztverantwortung? Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn. Dieser ist laut Impressum dieser Internetseite des „Bistums“-Blattes der Herausgeber.

Seit Jahren dürfen seine Schreiberlinge dieses Organs tun und lassen, was sie wollen. Und noch schlimmer: Der Herr Bischof hat noch eine Rechtfertigung für sein Handeln parat, die schlichtweg peinlich und eines Bischofs unwürdig ist.

So berichtete selbiges Organ vor einiger Zeit über einen Bischofsbesuch bei der Redaktion von ‚Kirche und Leben‘ so:

„Prominenter Besuch bei ‚Kirche+Leben‘: Bischof Felix Genn, Herausgeber der Wochenzeitung im Bistum Münster und des gleichnamigen Online-Magazins, hat mit der Redaktion über aktuelle Fragen der katholischen Kirche und ihrer Medien gesprochen. ‚Die Kirchenzeitung ist keine Prawda‘, unterstrich der Bischof in dem Gespräch. Genn sieht ‚Kirche+Leben‘ nicht als sein Verlautbarungsorgan an, sondern begrüßt die Vielfalt von Meinungen.

Anders lasse sich auch die Kirche nicht verstehen, zumal es auch in der Theologie immer wieder unterschiedliche Ansichten gebe. Nach Genns Worten muss eine Kirchenzeitung nicht allein die offizielle Meinung des Bischofs darstellen. Dazu sei die Pressestelle des Bistums Münster da.“ (Quelle: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/genn-die-bistumszeitung-ist-keine-prawda/).

Dreister geht´s nimmer! Da werden permanent Häresien auf dieser Seite verzapft (so erst jüngst von Prof. Dr. Sattler: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/theologin-sattler-diskussion-um-frauen-priestertum-wird-schaerfer/) und der Bischof kaschiert dies als legitme „unterschiedliche Ansichten“.

Er weiß offenkundig genau, dass die Inhalte mitunter völlig dem Glaubensgut der Kirche widersprechen und läßt dies mit einer fadenscheinigen Begründung von Toleranz und Meinungsvielfalt durchgehen.

Nein, Herr Bischof, der Herr hat Ihnen ein Hirten- und Wächteramt anvertraut. Sie sollen ein Aufseher, Episkopos, und kein Wegseher sein!

Auch in anderen Fragen kann in dieser Diözese offenkundig jeder machen, was er will. Der liturgische Missbrauch ist flächendeckend in diesem Bistum ein Problem (vgl. hierzu https://www.vatican-magazin.de/epaper/wenn-die-messe-aus-der-kladde-kommt-4-2018.html).

Ich habe es aufgegeben, mich an den Bischof zu wenden. Das hat keinen Zweck! Eine Ironie bleibt bei der ganzen Sache dennoch stehen. Der „gute“ Bischof hat trotz alledem über sein Presseorgan die Wahrheit gesagt, ohne es zu merken: Ja, Herr Bischof, Ihre „Kirchen“-Zeitung ist in der Tat keine Prawda, denn Prawda ist russisch (Правда) und bedeutet übersetzt „Wahrheit“  – und damit haben Ihre Redakteure offenkundig nur wenig am Hut.

Und dann noch eine Anmerkung zum Artikel über den CSD: Die „Kirchen“-Zeitung ist sogar so frech, einen solchen Text am Gedenktag des Hl. Karl Lwanga und seiner Gefährten, dem 3. Juni einzustellen. Denn dieser Tag erinnert uns gerade an die Märtyrer, die ihr Leben lassen mussten, weil sie die gleichgeschlechtlichen Avancen ihres Königs aus Glaubensgründen abwehrten.

All dies ist unerträglich und für einen guten Katholiken eine schlimme Beleidigung. Ich schäme mich für jeden Cent, den ich mit meiner Kirchensteuer in diesen Apparat stecken muss.

Aber einen Gefallen tue ich diesen Kirchenfunktionären nicht: Austreten! Denn dann hätten sie wieder ein weiteres Ziel der Zerstörung der Kirche erreicht. Wir müssen alle dabei bleiben und hoffen, dass sich der Wind wieder drehen wird.

Fotos: Dr. M. Büning, Cordula Mohr


Kirchenskandal in Münster: Bischöfliche Unklarheiten um Segnung einer „Homo-Ehe“

In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1-2/2018) erschien ein Artikel von Felizitas Küble (siehe Foto), der besonders aktuell ist angesichts der kürzlichen Vorschläge von Bischof Bode (Osnabrück) und Erzbischof Marx (München), in der katholischen Kirche eine Segnung von homosexuellen Paaren generell oder in Einzelfällen einzuführen.

Wir veröffentlichen den Text aus dem „Theologischen“, der sich mit ähnlichen Vorgängen im Bistum Münster befaßt, hier in voller Länge:

Seit dem 1. Oktober 2017 ist in der Bundesrepublik Deutschland die sogenannte „Ehe für alle“ staatlich eingeführt. Damit können bislang schon gesetzlich eingetragene „gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften“ der Ehe zwischen Mann und Frau komplett gleichgestellt werden  –  samt einem uneingeschränkten Adoptionsrecht inklusive.

Das klassische Alleinstellungsmerkmal der herkömmlichen Ehe wird auf diese Weise erstmalig  in der Geschichte der Menschheit von staatlicher Seite her zerstört und damit zugleich die tragenden Fundamente der traditionellen Familie untergraben. Es handelt sich hierbei um einen geradezu irrwitzigen Aufstand gegen die Gesetze der Natur und gegen die Schöpfungsordnung Gottes, welche die menschliche Sexualität mit dem Sinngehalt gegenseitiger Ergänzung und mit der Fortpflanzung verbindet.

Infolge dieser rasanten Entwicklung wächst der Druck auf die Christenheit nach einer Segnung oder gar kirchlichen „Trauung“ homosexueller Beziehungen. In den meisten evangelischen Landeskirchen in Deutschland (nämlich in 16 von 20) wird eine öffentliche Segensfeier erlaubt, in einigen Landeskirchen der EKD ist sogar eine „Eheschließung“ möglich.

Die evangelikalen, also theologisch konservativen Strömungen im Protestantismus lehnen derartige Zeremonien durchweg ab, darunter auch die weltweite Evangelische Allianz. Neben der katholischen Kirche sprechen sich auch die orthodoxen und altorientalischen Konfessionen gegen eine Segnung oder gar Trauung gleichgeschlechtlicher Beziehungen aus.

Als im Jahre 2008 eine kirchliche Segensfeier für eine eingetragene homosexuelle Partnerschaft im Wetzlarer Dom stattfand, wurde der betreffende Priester durch den damaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von seinem Amt als Bezirksdekan abberufen.

Während sich entsprechend der vatikanischen Linie sowohl die Deutsche wie die Schweizer Bischofskonferenz gegen eine Segnung lesbischer oder schwuler Lebensgemeinschaften wendet, fordert das Laiengremium „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ im Mai 2015 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare  – und dies sogar in einem einstimmigen Beschluss.

Eine derartige Entschließung wirkt von katholischer Seite her noch absonderlicher als von protestantischer, weil die Ehe unter Getauften in der Kirche Christi seit jeher als heiliges Sakrament gewürdigt wird, so dass die Ehe nicht „nur“ zur Schöpfungsordnung Gottes gehört, sondern sogar Bestandteil der Heils- und Erlösungsordnung ist.

Daher sind kirchliche Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare katholischerseits grundsätzlich nicht gestattet.

Umso mehr reibt man sich die Augen, was die Internet-Ausgabe der „Rheinischen Post“ (RP-online) zu berichten weiß. Schon der Titel des Artikels vom 16. September 2017 klingt äußerst gewöhnungsbedürftig: „Emmericher Bürgermeister heiratet  – Männer-Paar feiert Vermählung in Kirche.“ – Und zwar wohlgemerkt in einem katholischen Gotteshaus – genauer: in der Kirche St. Johannes im kleinen Deichdörfchen Bislich, die zur Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Wesel gehört.

Selbst die „Rheinische Post“ wundert sich – und das will etwas heißen: „Schon in der Stadt wäre solch ein Gottesdienst ungewöhnlich – auf dem Dorf ist er es erst recht.“

Der Bericht von Sebastian Peters bemerkt einleitend:

„Der Emmericher Bürgermeister Peter Hinze (SPD) heiratet seinen Lebensgefährten Hubertus Pooth aus Wesel-Bislich. Auch in der katholischen Kirche Bislich wird gefeiert. Pfarrer Sühling will „um den Segen Gottes für Menschen bitten, die in Beziehungen leben“.“

Auch wenn jene geplante Segensfeier im Rahmen eines Wortgottesdienstes laut Aussagen von Pfarrer Stefan Sühling selbstverständlich keine gültige bzw. sakramentale „Vermählung“ darstelle, so ist auch eine amtliche Segenshandlung für gleichgeschlechtliche Partner – mögen sie nun zivil „verheiratet“ sein oder nicht –  ein schwerwiegender Verstoß gegen das biblische und moraltheologische Nein zu  gleichgeschlechtlichen Handlungen bzw. entsprechenden sexuellen Beziehungen.

Darüber hinaus ist ein solches Vorgehen auch pastoral unverantwortlich, denn es sorgt für Ärgernis unter Gläubigen, stiftet Verwirrung und begünstigt die verirrte Ansicht, wonach die sog. „Ehe für alle“ eigentlich eine gute oder zumindest akzeptable Angelegenheit sei, die einen kirchlichen Segen wohl verdiene.

Diese ohnehin schon skandalöse Causa erhält dadurch noch eine besondere „Spitze“, dass es sich bei dem betreffenden Geistlichen Stefan Sühling um einen Domkapitular des Bistums Münster handelt:

Dieser Priester war zunächst ab 2004 Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat von Bischof Dr. Felix Genn (siehe Foto).

Ab 2010 kam er als Pfarrer nach Wesel. Im selben Jahr wurde er vom Münsteraner Oberhirten zum nichtresidierenden Domkapitular am Hohen Dom zu Münster ernannt und damit besonders gewürdigt.

Mit anderen Worten: Pfarrer Sühling war und ist ein hochrangiger Würdenträger und gehört als Domkapitular zur obersten kirchlichen Elite des Bistums.

Nachdem der erwähnte Zeitungsbericht sowie WDR-Sendungen und mehrfache „grelle“ Artikel in der BILD-Zeitung in katholischen Kreisen für Unruhe sorgten und z.B. auf diversen Internetseiten zu Protesten führte, zog die Bistumsleitung in Münster gleichsam die Notbremse.

Bischof Dr. Felix Genn untersagte die geplante Segensfeier, wobei Bistumssprecher Stephan Kronenburg gegenüber dem evangelischen epd-Pressedienst zeitgeistbeflissen erklärte: „Es geht dem Bistum nicht darum, eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft herabzuwürdigen.“

Es sei aber in der Öffentlichkeit der Eindruck aufgekommen, als werde eine „homosexuelle Hochzeit“ gefeiert. Im bischöflichen Ordinariat habe es kritische Anfragen dazu gegeben. Das Bistum wolle verdeutlichen, dass es „einen Unterschied“ zwischen dem Ehe-Sakrament und einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gebe.

Der Bischof von Münster ist mit dieser Maßnahme immerhin seiner Hirtenpflicht nachgekommen. Die Begründung seines Sprechers wirkt allerdings gewunden und an den Haaren herbeigezogen, zumal von vornherein klar war, dass jene geplante Segnung keine sakramentale Eheschließung sein sollte. Dass dies auf homosexueller Ebene kirchlich ohnehin nicht möglich ist, versteht sich am Rande.

Nicht in erster Linie wegen einer angeblich möglichen „Verwechslungsgefahr“ ist eine Segensfeier für gleichgeschlechtliche Paare unerlaubt, sondern weil praktizierte Homosexualität nicht der göttlichen Schöpfungsordnung entspricht und den Geboten Gottes widerspricht. Dies durch einen kirchlichen Segen zu würdigen, wäre widersinnig.

Nachdem sich der bischöfliche Pressesprecher von Anfang an in diesem Falle nicht eindeutig ausgedrückt hatte, sorgte er einige Tage später für einen weiteren „Knall“:

Laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ bzw. RP-online vom 28. September erklärte Kronenberg, der von Pfarrer Sühling geplante Segen für jene homosexuelle Partnerschaft sei an sich völlig korrekt gewesen: „Kronenburg betonte noch einmal, dass Sühling richtig gehandelt habe und die geplante Form für das gleichgeschlechtliche Paar eigentlich angemessen gewesen sei.“

Zudem teilte der Bistumssprecher der Zeitung mit, dass sich „Bischof Felix Genn nach der Berichterstattung dazu gezwungen gesehen habe, den Wortgottesdienst abzusagen“.

Man beachte: Der Oberhirte von Münster sah sich offenbar nicht etwa aufgrund inhaltlicher Gesichtspunkte veranlasst, eine solche Segnung zu unterbinden, sondern lediglich „nach der Berichterstattung“ hierüber. –  Mit anderen Worten: Ohne öffentlichen Druck wäre offenbar kein Verbot erfolgt, glaubt man den Worten des Bischofssprechers. Ein Skandal sondergleichen!

Dies umso mehr, als Bürgermeister Hinze durchaus zu verstehen gab, dass es ihm mit seinem Segenswunsch um ein „politisches“ Signal ging, nicht so sehr um ein religiöses Anliegen. Wollte der SPD-Kommunalpolitiker die Kirche quasi „vorführen“? Falls ja, ist ihm dies leider allzu gut gelungen.

Die „Rheinische Post“ vom 28. September berichtet, er habe den geplanten Wortgottesdienst als „politische Botschaft“ verstanden; sie zitiert ihn zudem wie folgt: „Wenn es nicht möglich ist, Kirche von oben zu ändern, dann ist es ist aber dennoch wichtig, an der Basis ein Zeichen zu setzen, dass wir in anderen Zeiten leben als vor 20 Jahren.“

Dass das bischöfliche Verbot der Segensfeier allein dem wachsenden Druck zu verdanken ist, hat Domkapitular Sühling selber bestätigt. Der vorhin erwähnten Tageszeitung sagte er unumwunden: „Die Öffentlichkeit, die in dieser Sache entstanden ist, hat es mir nicht möglich gemacht, diesen Wortgottesdienst zu begehen. Das bedauere ich.“

Derweil geht die kontroverse Debatte über Emmerich hinaus weiter. Die „Ruhr-Nachrichten“ haben bei einigen Pfarrern in Selm (ebenfalls im Bistum Münster gelegen) nachgefragt und die Ergebnisse am 2. Oktober 2017 in einem Bericht veröffentlicht:

Der katholische Dechant Claus Themann gab sich recht zeitgeistlich: „Würden Paare anfragen, so ist es angemessen mit ihnen über ihren Glauben zu sprechen, ihre Wünsche. Und ich bin mir sicher, dann findet sich auch ein gemeinsamer Weg.“   –  Ähnlich reagierte der evangelische Pfarrer Lothar Sonntag, was wenig erstaunt, zumal protestantische Kirchenleitungen seit langem eine Segnung von Homo-Paaren befürworten.

Pater Gregor Pahl, katholischer Pfarrer in der altehrwürdigen, romanischen Klosterkirche in Cappenberg, zeigt hingegen eine klare, heutzutage schon als mutig einzustufende Haltung: „Ich würde und könnte einer solchen Bitte auch nicht entsprechen.“

Er erinnerte die Zeitung daran, dass die Katholische Bischofskonferenz eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partner ablehnt.

Selbst wenn klar sei, dass es sich hierbei nicht um eine eigentliche Eheschließung handle, könne eine Segensfeier zu Verwirrung und Streit unter Gläubigen führen.

Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation am 3. Juni 2003 eine Stellungnahme zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften abgab. Unter dem Titel „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“ wird eine kirchliche Akzeptanz eheähnlicher, gleichgeschlechtlicher Partnerschaften abgelehnt.

Die Gläubigen, besonders katholische Politiker, werden zum Widerstand gegen deren Legalisierung aufgerufen. Die vatikanische Klarstellung führte erwartungsgemäß zu Protesten bei Grünen, SPD und FDP.

Der damalige stellv. CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach wies hingegen darauf hin, dass die katholische Kirche lediglich ihre bisherige Lehre bekräftigt habe; er gehe davon aus, dass „jeder katholische Abgeordnete“ die vatikanischen Worte „bei seiner Entscheidungsfindung berücksichtigen“ werde.

In der Erklärung der Glaubenskongregation wird erläutert, dass die christlich geforderte „Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften“ führen dürfe. Es geht hierbei um eine grundsätzliche Unterscheidung von Person und Sache gemäß dem Leitwort des hl. Augustinus: „Hasse den Irrtum, aber liebe den Irrenden.“

Felizitas Küble aus Münster, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks, Mail: felizitas.kueble@web.de

 


Weihbischof Zekorn kritisiert „Ehe für alle“

Dr. Stefan Zekorn (siehe Foto) ist Weihbischof im Bistum Münster. Er gehört zu jenen katholischen Amtsträgern, die sich ohne Wenn und Aber gegen die homosexuelle „Ehe“ aussprechen. 

Auf seinem Account im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb Zekorn: „Bin entsetzt, wie leichtfertig Bundeskanzlerin und Bundestag mit dem hohen Gut der Ehe umgehen. Umdefinierung gibt 2000jährige Kultur auf!“  (Quelle: https://twitter.com/StefanZekorn)

Auf Facebook (dort wird die Zeilenzahl nicht so knapp gehalten) erwähnte der Weihbischof außerdem:

Auch wer das katholische Menschen- und Ehebild auf der Basis der biblischen,  jüdisch-christlichen Überzeugung nicht teile, müsse wahrnehmen, dass „mit der vorgesehenen Umdefinierung von Ehe eine weit mehr als 2000-jährige Tradition der europäischen Kultur aufgegeben“ werde. Kritisch betrachtet er auch mögliche Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare.

Die Facebook-Redaktion des Bistums Münster hatte übrigens die kurze Stellungnahme ihres eigenen Weihbischofs recht schnell gelöscht . – Näheres dazu hier: http://www.kath.net/news/60105

Zur Person: Im Februar 2011 wurde der Priester und Theologe Dr. Stefan Zekorn zum Bischof geweiht und als Weihbischof für die Region Münster-Warendorf eingesetzt.  Vorher war der 1959 in Datteln geborene Geistliche als Wallfahrtspfarrer in Kevelaer  –  nahe der holländischen Grenze –  tätig. Seine Mutter stammt aus Schlesien.


Streit um Homo-Segnung im Bistum Münster geht weiter: Bischofssprecher irritiert Gläubige

Von Felizitas Küble

Wir haben im CHRISTLICHEN FORUM mehrfach auf die öffentlichen Auseinandersetzungen hingewiesen, die sich im Bistum Münster an der geplanten Segnung einer „Homo-Ehe“ entzündet haben. (Z.B. hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/18/emmericher-buergermeister-erhaelt-kirchlich-katholischen-segen-fuer-seine-homo-ehe/)

Kein Geringerer als Domkapitular Stefan Sühling (er gehört dem obersten Bischofs-Gremium an) wollte dem Emmericher SPD-Bürgermeister Peter Hinze und dessen Partner in einem Wortgottesdienst den Segen für deren Beziehung erteilen.

BILD: Der St.-Paulus-Dom von Münster – Pfarrer Sühling gehört dort zum Domkapitel

Nachdem das Vorhaben in der Presse seinen Niederschlag fand und sich der Pfarrer bereits im Vorfeld öffentlich zu seinem Segens-Projekt bekannt hatte, gab es offenbar erhebliche Kritik aus dem gläubigen Kirchenvolk, wobei der Münsteraner Oberhirte Dr. Felix Genn mit Beschwerden eingedeckt wurde.

Sein Pressesprecher Stephan Kronenburg erklärte daher gegenüber dem evangelischen epd-Nachrichtendienst, der Bischof habe Pfarrer Sühling die Segenshandlung untersagt. Der Bischofssprecher beeilte sich aber zu betonen, damit solle keineswegs diese „gleichgeschlechtliche Beziehung herabgewürdigt“ werden –  oho, das also auf gar keinen Fall….

Über diese gewundene, krampfhaft und taktisch wirkende Erklärung des Bistumssprechers hatten wir uns bereits kritisch geäußert: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/27/muenster-bischof-genn-verbietet-segnung-einer-homosexuellen-partnerschaft/

Bischofssprecher Kronenburg: Domkapitular Sühling hat „richtig gehandelt“

Nun kommt die dazu passende Steigerung des Vorgangs:

Kronenburg erklärte laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ bzw. RP-online vom 28. September, der von Pfr. Sühling geplante Segen für jene homosexuelle Partnerschaft sei an sich völlig korrekt gewesen: „Kronenburg betonte noch einmal, dass Sühling richtig gehandelt habe und die geplante Form für das gleichgeschlechtliche Paar eigentlich angemessen gewesen sei.“ 

Zudem teilte der Bistumssprecher der Zeitung mit, daß sichBischof Felix Genn nach der Berichterstattung dazu gezwungen gesehen habe, den Wortgottesdienst abzusagen“.

Man beachte: Der Oberhirte von Münster sah sich nicht etwa aufgrund  i n h a l t l i c h e r  bzw. theologischer Gesichtspunkte veranlaßt, eine solche Segnung zu unterbinden, sondern lediglich „nach der Berichterstattung“ hierüber. –  Mit anderen Worten: Ohne öffentlichen Druck wäre offenbar kein Verbot erfolgt – glaubt man den Worten des Bischofssprechers.

Ein Skandal sondergleichen!

Derweil geht die kontroverse Debatte über Emmerich hinaus weiter. Die Ruhr-Nachrichten haben bei einigen Pfarrern in Selm (ebenfalls im Bistum Münster gelegen) nachgefragt und die Ergebnisse am 2. Oktober in ihrem Bericht veröffentlicht:

Der katholische Dechant Claus Themann gab sich recht zeitgeistlich: „Würden Paare anfragen, so ist es angemessen mit ihnen über ihren Glauben zu sprechen, ihre Wünsche. Und ich bin mir sicher, dann findet sich auch ein gemeinsamer Weg.“  – Ähnlich reagierte der evangelische Pfarrer Lothar Sonntag, was wenig erstaunt, zumal protestantische Kirchenleitungen seit langem eine Segnung von Homo-Paaren befürworten.

Pater Gregor Pahl (siehe Foto), katholischer Pfarrer in der altehrwürdigen, romanischen Klosterkirche in Cappenberg, zeigt hingegen eine klare, heutzutage schon als mutig einzustufende Haltung: „Ich würde und könnte einer solchen Bitte auch nicht entsprechen.“ 

Er erinnerte die Zeitung daran, daß die Katholische Bischofskonferenz eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partner ablehnt.

Selbst wenn klar sei, daß es sich hierbei nicht um eine eigentliche Eheschließung handle, könne eine Segensfeier zu Verwirrung und Streit unter Gläubigen führen.

 


Münster: Bischof Genn verbietet Segnung einer homosexuellen Partnerschaft

Von Felizitas Küble

Wie wir bereits in unserem CHRISTLICHEN FORUM berichtet haben, wollten der Emmericher Bürgermeister Hinze (SPD) und sein Freund am kommenden Samstag nach ihrer standesamtlichen Verpartnerung mit ihrer „Hochzeitsgesellschaft“ in die Bislicher Kirche gehen und dort von Pfarrer Stefan Sühling innerhalb eines Wortgottesdienstes einen Segen in der katholischen Kirche erhalten, wobei der Geistliche dem Vorhaben zustimmte.

Pfr. Sühling ist ehem. Leiter des bischöflichen Seelsorgsamtes in Münster; er hat als Domkapitular nach wie vor eine hohe Stellung in der Diözesanführung inne.

Laut Medienberichten hat Bischof Dr. Felix Genn (siehe Foto) die geplante Segensfeier jetzt untersagt. Bistumssprecher Kronenburg erklärte hierzu: „Es geht dem Bistum nicht darum, eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft herabzuwürdigen.“ 

Es sei aber in der Öffentlichkeit der Eindruck aufgekommen, als werde eine „homosexuelle Hochzeit“ gefeiert. Im bischöflichen Ordinariat habe es kritische Anfragen dazu gegeben. Das Bistum wolle verdeutlichen, daß es „einen Unterschied“ zwischen dem Ehe-Sakrament und einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gee.

Die katholische Kirche lehnt Segnungen für homosexuelle Beziehungen ab – im Unterschied zum Laiengremium des ZdK (Zentralkomitee der dt. Katholiken), das diese befürwortet.

Der Bischof von Münster ist mit dieser Maßnahme seiner Hirtenpflicht nachgekommen. Die Begründung seines Sprechers wirkt allerdings eher oberflächlich, zumal von vornherein klar war, daß jene geplante Segnung keine sakramentale kirchliche Eheschließung sein sollte. Daß dies auf homosexueller Ebene nicht möglich ist, versteht sich am Rande.

Also nicht in erster Linie wegen einer angeblich möglichen „Verwechslungsgefahr“ ist eine Segensfeier für gleichgeschlechtliche Paare unerlaubt, sondern deshalb, weil praktizierte Homosexualität nicht der göttlichen Schöpfungsordnung entspricht und den Geboten Gottes widerspricht. Dies durch einen kirchlichen Segen zu würdigen, wäre widersinnig.