IGFM beklagt massive Zunahme von „Blasphemie“-Prozessen in Ägypten

In Ägypten ist die Zahl der Anklagen und Prozesse wegen angeblicher „Gotteslästerung“ (sprich: Kritik am Islam) sprunghaft gestiegen. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, gab es unter dem ehem. Präsidenten Mubarak pro Jahr im Schnitt ein bis zwei Blasphemie-Prozesse.

Mit der Machtübernahme der „Muslimbrüder“ seien Blasphemie-Vorwürfe von einem Randphänomen jedoch zu einem systematischen Machtmittel geworden, so die IGFM.

IGFM_Logo_blau_R32 G90 B165Erschreckend sei zudem die wachsende Zahl von Urteilen und deren Härte, so die IGFM weiter. Mindestens sieben Todesurteile wegen Blasphemie seien bekannt geworden. „Mursis Weg in einen islamischen Gottesstaat und die Gefährlichkeit der Muslimbrüder sind jetzt unübersehbar“, unterstrich IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Prozeß gegen koptische Lehrerin

Anlaß für die Kritik ist der Blasphemie-Prozess gegen die koptische Grundschullehrerin Demiana Ebeid Abdelnour am vorigen Dienstag. Die 24-Jährige wurde von drei Schülern einer Grundschule in Luxor beschuldigt, in ihrem Unterricht über die Geschichte der Weltreligionen den Islam und den Propheten Mohammed beleidigt zu haben.

Die Grundschullehrerin wurde nach Angaben der IGFM vom Unterricht suspendiert und mußte sich zunächst vor drei Untersuchungsausschüssen verantworten. Die Eltern der drei Schüler warfen ihr vor, den ehem. koptischen Papst Shenouda mit dem Propheten Mohammed verglichen zu haben und jedes Mal, wenn sie den Namen Mohammed erwähnte, ihre Hand auf ihren Magen oder ihren Hals zu legen. Sie wies alle Vorwürfe zurück und wurde von allen Untersuchungsausschüssen freigesprochen.

Dennoch läuft das Verfahren gegen die koptische Lehrerin weiter. Der Prozeß wurde auf den 11. Juni vertagt. Die IGFM vermutet als Hintergrund die heftigen internationalen Proteste gegen die langjährigen Gefängnisstrafen gegen Mitarbeiter von 17 internationalen Nichtregierungsorganisationen in Kairo.

Medhat Klada, Vorsitzender der European Union of Coptic Organizations for Human Rights (EUCOHR), berichtete der IGFM über eindeutige Diskriminierungen bei der Verhandlung: „Es wurden nur jene Schüler als Zeugen gehört, die gegen Demiana aussagten. Muslimische Schüler, deren Aussage Demiana entlastet hätte, wurden nicht angehört“, so Klada.

Weitere Infos zur Menschenrechtslage in Ägypten unter:
http://www.igfm.de/laender/aegypten/