Das MAI-Lied von Goethe

Mailied

Wie herrlich leuchtet 
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch

Und Freud‘ und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd‘, o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb‘, o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.

Johann Wolfgang von Goethe

Fortsetzung des Gedichts hier: https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/mailied.html


„Frühlingsankunft“ von Theodor Storm

Frühlingsankunft

„Was rauscht und brauset vor der Tür?
Was singt so süße Melodien?
Herein, wer draußen ist! Herein!“
„Ich bin’s! Der Frühling ist dafür!
Ich warte nur auf Sonnenschein,
da komm‘ ich gleich zu dir herein.

Und sieh, die Sonne taucht empor;
und wie sie freundlich scheint und lacht,
da schmilzt das letzte Eis der Nacht.
Und hastig auf mit Tür und Tor!
„Herein in meine Arme schnell,
willkomm‘, du blühender Gesell!“

Da muß die Lerch‘ im hellen Schein
den ersten Gruß entbieten,
da stürmt der Frühling hinterdrein
mit hunderttausend Blüten.

Theodor Storm


Der MAI im Gedicht: die liebliche Zeit

 
Im Maien, im Maien, da ist es so schön,
Da blüht es im Tal und da grünt‘s auf den Höh‘n;             Neresheim-DSC_0129
Es singen die Vögel in jubelnder Lust,
Was lebet, das ist sich des Lebens bewußt.
 
Im Maien, im Maien, o liebliche Zeit!
Der Frühling hat alles mit Blüten beschneit,
Er bringet die Hoffnung in jegliches Herz,
Er mehret die Freuden und lindert den Schmerz.
 
Im Maien, im Maien, o freu‘ dich, mein Herz!
Und steig‘ wie die Lerchen auch himmelwärts,
Dank‘ Gott so wie sie auch mit Jubelgetön:
Im Maien, im Maien, da ist es so schön!
 
Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
 

Foto: Dr. Bernd F. Pelz