Erscheinungen in Brasilien bieten Esoterik, Charismatik und Falschmystik zugleich

Von Felizitas Küble

Manchmal verbinden sich schwarmgeistige mit erscheinungsbewegten Elemente, etwa in Medjugorje oder bei Exerzitienhäusern wie z.B. „Haus Raphael“ in Bad Soden-Salmünster, das von der deutsch-indischen Nonne Sr. Margarita Valappila geleitet wird. Auch der selbsternannte Prophet Peter Stoßhoff kombiniert Falschmystik mit Charismatik.

Bei einigen Visionären in Brasilien kommt als dritte Geisteshaltung sogar noch die Esoterik dazu  – etwas ungewöhnlich zweifellos, aber das Erscheinungs(un)wesen wird immer „bunter“ bzw. kurioser.

Drei Seher/innen haben dort einen selbsternannten Orden mit dem Namen „Gnade-Barmherzigkeit“ gegründet, wobei auf eine kirchliche Anerkennung gerne verzichtet wird, schließlich erfolgte die Gründung der Kommunität durch einen direkten Ruf bzw. Anruf des Himmels.

Die drei erwählten Personen, nämlich Mutter María Shimani, Bruder Elías und Schwester Lucía de Jesús, betrachten sich als „geweihte Mönche“ mit einem speziellen Auftrag von oben, der ihnen durch Erscheinungen von Jesus, Maria und dem hl. Josef übermittelt wird. Die Webseite der Gemeinschaft nennt sich daher „Stimme und Echo der göttlichen Boten“.

Dabei fällt eine starke esoterische Untermalung der Botschaften auf. So heißt es in einer „Offenbarung“ des hl. Joseph vom 28. September 2018 u.a.:

„Glaube an den Tag, an dem der Himmel zur Erde herabsteigen wird und die Wahrheit sich vor den Augen der Menschen manifestieren wird, die Geheimnisse einer höheren Existenz enthüllend, jene Wesen enthüllend, die immer hier waren, um der Menschheit zu helfen…

Glaube an den Tag, an dem der Himmel zur Erde herabsteigen und enthüllen wird, dass das höhere Leben nicht nur in den Höhen wohnt. Er wird das Geheimnis enthüllen, das in der Tiefe des Planeten bewahrt liegt und sich in der Schönheit und der Kraft der Natur verbirgt…

Glaube an den Tag, an dem der Himmel zur Erde herabsteigen wird und dein Herr und Gott, nachdem Er Gerechtigkeit ausgegossen hat, erneut Barmherzigkeit auf die Herzen ausstrahlen wird, Heilung auf die geistigen Wunden, Wiederherstellung für den Geist der Erde und Gnade, um den tausendjährigen Frieden einzurichten.“

Da fehlt jetzt nur noch das Schlagwort vom „planetarischen Bewußtsein“ aus esoterischem Schrifttum.

Eigenen Angaben zufolge erhielt „Bruder Elias“ seit 15.11.2011 tägliche Botschaften der Madonna, ein Jahr später wöchentlich, dann ab dem 2.11.2013 nur noch monatlich. Sodann heißt es hierzu:

„Ab dem 1. März 2015 begann Maria einen neuen Zyklus von Tagesbotschaften mit universellen Unterweisungen der Liebe und des Friedens. Bei dieser Gelegenheit zeigte die Jungfrau dem Seher Bruder Elías sehr kritische Situationen auf dem Planeten und kündigte in der Folge an, dass der Menschheit vom Höchsten ein Geschenk gewährt worden sei, um diese Situationen auszugleichen: Von jenem Tag an würde ein Aspekt der Göttlichen Mutter, der sich dem Seher an diesem Tag als eine weiße Rose offenbarte – die Rose des Friedens, die Ihr Unbeflecktes Herz ist – , noch eine Zeitlang bei uns sein.“

Abgesehen von der theologisch unzulässigen Vergöttlichung Mariens (sie wird als „Göttliche Mutter“ bezeichnet, obwohl Maria beileibe nicht göttlich ist, sondern ein Geschöpf Gottes, wenngleich das heiligste von allen) wirken die Botschaften wie eine Mischung aus Ökopax, Esoterik, Friedensgesumse, Religionskitsch und verstiegenen Ankündigungen.

Eine feministisch-heidnische Vergötterung Mariens zeigt sich auch im Titel „Weltenmutter“  – und die dort präsentierte Anrufung ist theologisch hanebüchen; wir lesen dort z.B.:

„Wir preisen Dich, o Weltenmutter. Vollkommen ist Deine Gnade, die Einheit ist in Dir. Heilige Weibliche Energie, Du trägst in Dir die Neue Menschheit. O höchste Weltenmutter, tritt ein für uns Wesen der Erdoberfläche, damit wir geweiht werden können als würdige Kinder Gottes…“

Die wahre Madonna ist keine Spenderin, sondern vielmehr Empfängerin der himmlischen Gnaden  –  ist sie „voll der Gnade“ durch Gottes Huld und Erbarmen, nicht aus eigener Kraft. Deshalb bezeichnet die wirkliche Madonna GOTT als ihren „Retter“  – siehe ihr Magnificat aus dem Lukas-Evangelium.

Typisch charismatisch ist das ständige Reden von „innerer Heilung“ und „Befreiung“ (die beiden beliebtesten Zauberworte enthusiastischer Bewegungen).

Dazu paßt das so-genannte „Charismatische Gebet an Unsere Liebe Frau, die Knotenlöserin“, das die visionäre Gruppe propagiert; die Anrufung beginnt folgendermaßen:

„Herrin der Himmlischen Macht, löse von unserem Bewusstsein alle Knoten, die uns bedrücken und unsere Wege verschließen. Herrin und Knotenlöserin, durchtrenne und befreie die Fesseln des Lebens; Dein Licht Göttlicher Weisheit entferne die Abgründe dieser Welt und löse sie auf.“

Auch die in schwärmerischen Kreisen so beliebte „heilende“ Handauflegung darf da nicht fehlen: „Heilige Mutter, die alle Knoten löst, mögen gemeinsam mit Deinen Engeln und Erzengeln unsere Leben entbunden werden durch das Auflegen Deiner heiligen Hände.“

Zu guter Letzt wundert man sich nicht, daß diese Gruppierung, die auch in anderen Ländern  – vor allem Südamerikas  – herumreist und „missioniert“, für die Erscheinungen von Medjugorje wirbt – zumal das Bild der Maria, die diesen drei brasilianischen Ordensleuten erscheint, derjenigen von Medjugorje fast zum Verwechseln ähnlich sieht.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Der stigmatisierte und „lichtreiche“ Bruder Elia(s) Cataldo tagt in Krems und Hallein

Von Felizitas Küble

Das erscheinungsbewegte Nachrichtenportal „kath.net“ veröffentlichte am 30. Mai einen Werbe-Artikel für den italienischen „Seher“ Elia Cataldo, der unter Anhängern liebevoll als „Fra Elia“ bezeichnet wird (Fra ist die italienische Abk. von Fratello = Bruder).

Offenbar befürchtet die Redaktion kritische, „störende“ Leserstimmen – jedenfalls ist die dort übliche Kommentarfunktion unter diesem Beitrag abgeschaltet.

Der Aufhänger für den Elia-Beitrag ist dessen Gebetsabend-Auftritt am heutigen 31. Mai im Rahmen der IBC (International Bethabara Conference) in der niederösterreichischen Stadt Krems.

Zwei Tage später – am kommenden Samstag – ist der 1962 in Apulien geborene Visionär auf einer charismatisch geprägten Veranstaltung in Hallein zu sehen. Kein Geringerer als Erzbischof Dr. Franz Lackner hatte den „Begnadeten“ dorthin eingeladen. 

Am Samstagvormittag soll „Fra Elia“, der seit Jahrzehnten in frommen (Gebets-)Kreisen durch die Lande zieht, dort eine Ansprache halten und danach sein „Glaubenszeugnis“ darbieten, wobei es gewiß um die zahlreichen „Zeichen und Wunder“ geht, die der Klosterbruder  – ein ehemaliger Kapuziner  – erlebt haben will.

Daher ist es mit Worten nicht getan: Am Nachmittag gibt es nicht nur eine Katechese (Glaubensunterweisung), sondern auch ein „Segens- und Heilungsgebet“ mit Fra Elia.

Bei derlei Themen kennt sich „kath.net“ aus. Petra Knapp-Biermeier schreibt begeistert: „Heilungen und Wunder passieren rund um einen Italiener, der die Wundmale Christi trägt.“

Die Autorin zitiert Pater Jean-David Lindner, den Gründer der Gemeinschaft Bethabara, dem zufolge Fra Elia über „einen sehr direkten Draht zu Gott“ verfügt. Durch sein Gebet habe der Allmächtige schon „viele Heilungen und Wunder“ gewirkt.

Es stellt sich freilich die Frage: Gibt es tatsächlich einen direkteren Draht nach oben als den sakramentalen? Begegnen wir Christus durch die hl. Kommunion nicht auf die innigste Weise, die auf Erden denkbar ist? Stehen „außergewöhnliche Charismen“ und angebliche Wunderzeichen etwa höher als die Sakramente, die doch der HERR selber gestiftet hat?

Der Geistliche erzählt weiter, besonders „begnadete“ Personen seien „eine Bestätigung, dass es echt ist, was die Kirche lehrt.“  – Wie schwach muß eigentlich ein Glaube sein, der mirakulöser „Bestätigungen“ bedarf?

Die Kathnet-Verfasserin beschreibt sodann entzückt den Lebensweg des Visionärs, dessen berufliche Laufbahn als Postmann begann. Später wurde er Kapuzinerbruder und empfing  – dem Bericht zufolge  –  die Stigmata (Wundmale Christi), die aber „nicht nach Blut, sondern nach Rosen duften“.

Er habe sich bei seinem Orden wohl gefühlt und sei wie „zuhause angekommen“, doch dann habe er ihn aufgrund innerer Eingebungen verlassen (in Wirklichkeit ist er aus dem Konvent entlassen worden). Zunächst arbeitete Fra Elia in einer Chemiefabrik, bis ihm klar war, daß er einen „einzigartigen“ Weg gehen und eine eigene Kongregation gründen sollte. (Na klar: Jedem „Seher“ seinen eigenen Orden!)

Freilich war auch der Name der neuen Kommunität vom Himmel diktiert, genauer: Von Fra Elias Schutzengel aufgetragen – also nannte er sich und seine Brüder die „apostoli di Dio“, also die „Apostel Gottes“.

An „missionarischen“ Sendungsbewußtsein fehlt es dem 56-Jährigen gewiß nicht, ebensowenig seinen Anhängern, die den Stigmatisierten geradezu anhimmeln, auch in einer Reihe von Büchern, die z.B. im esoterischen Silberschnur-Verlag erschienen sind.

Vor allem die italienische Autorin Viorella Turolli veröffentlichte dort bereits drei Werke über Fra Elia, den „Wegbereiter Gottes“, wobei schon die Titel den Weg weisen: „Fra Elia von den Aposteln Gottes“ – „Fra Elia, der Engel mit den Wundmalen Christi“ – „Die göttliche Vorsehung und der Wegbereiter Gottes.“

Doch die Elia-Schwärmerei beschränkt sich nicht auf „Kath.net“. Der ebenfalls erscheinungsbewegte Journalist Paul Badde veröffentlichte bereits vor 13 Jahren in der Tageszeitung DIE WELT vom 26.3.2005 einen enthusiastischen Beitrag über den „Mönch“ unter dem Titel: „Fra Elias Blutzeichen“.

Unser CHRISTLICHES FORUM hat sich hingegen schon kurz nach dem Start unserer Webseite krititisch mit den Phänomenen um den enthusiastischen Klosterbruder befaßt, z.B. am 21. Juni 2011 unter dem Titel: „Fra Elia im duftenden Rosenblätter-Regen, von Engeln gestreut“. – Es ging hierbei um eine von ihm selber beschriebene Vision: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/21/%e2%80%9efra-elia%e2%80%9c-im-duftenden-rosenblatter-regen-von-engeln-gestreut/

Sodann veröffentlichten wir zwei Jahre später die Besprechung eines Geistlichen, der die esoterische Grundhaltung eines Elia-Jubelbuches kritisiert: https://charismatismus.wordpress.com/2013/04/29/buch-kritik-das-jubelbuch-uber-fra-elia-ist-keineswegs-christlich-sondern-esoterisch/