Wolfratshausen: Vortrag von Dr. Rothe zur „Spiritualität des Whiskys“ am 9. November

Der katholische Priester, Theologe und Publizist Dr. Wolfgang Rothe spricht am Donnerstag, dem 9. November, ab 19 Uhr in der Stadtbücherei von Wolfratshausen über die „Spiritualität des Whiskys“.

Der im Sauerland gebürtige Kirchenrechtler und Pfarrvikar in München verknüpft die Liebe zum Glauben mit der Wertschätzung des edlen Whisky. Der Eintrittspreis von 15 Euro beinhaltet u.a. auch die Verkostung von zwei Whiskys.

BILD: Dr. Rothe überreicht Papst Benedikt sein Buch „Liturgische Versöhnung“ (darin würdigt er dessen Motu proprio zugunsten der überlieferten Liturgie bzw. „alten Messe“).

Der Geistliche schrieb zu diesem Thema bereits ein fundiertes Buch mit dem Titel „Wasser des Lebens“ und erläutert darin die Entstehung des Getränks in den schottischen Klöstern des Mittelalters.

Näheres dazu hier: https://www.amazon.de/Wasser-Lebens-Einf%C3%BChrung-Spiritualit%C3%A4t-Whiskys/dp/3830677669

Interview des Kölner Domradios mit Dr. Rothe: https://www.domradio.de/themen/%C3%B6kumene/2017-10-30/whisky-und-reformation

Advertisements

Der Bestseller eines Pfarrers segelt voll im Trend einer Zeitgeist-Kirche

Rezension von Thomas May

Buchdaten: Pfarrer Rainer M. Schießler. Himmel, Herrgott, Sakrament. Auftreten statt austreten. – Kösel-Verlag 2016, 15. Auflage, 256 Seiten, gebunden, ISBN-10: 3466371473 / ISBN-13: 978-3466371471.  – 19.99 €

Der inzwischen in 15. Auflage seit 2016 im Kösel Verlag erscheinende Bestseller „Himmel, Herrgott, Sakrament. Auftreten statt austreten“ des Pfarrers Rainer Maria Schießler hat über Bayern hinaus Aufmerksamkeit und Beachtung gefun­den.

Auf 256 Seiten gibt der Leiter der Münchener Pfarreien Sankt Maximilian und Heilig Geist einen Rückblick auf seinen persönlichen und beruflichen Werdegang vom kleinen Ministranten zum stadt- und landbekannten Geistlichen mit Promi-Status als Kellner auf dem Oktoberfest und ei­gener Talksendung im Bayerischen Fernsehen und breitet dabei, unterfüttert mit anschaulichen Beispielen aus seiner pastoralen Praxis, seine gesammelten, zumeist konträren Ansichten über die katholische Kirche aus, mit der er hart ins Gericht geht.

DOGMA und LEHRE

Um ein verlässliches Urteil über Buch und Autor zu gewinnen, wird man ihn zuerst an den „Vorgaben“ der Kirche messen, in deren Namen er zu sprechen und zu verkündigen vorgibt („meine Kirche“) – wie sie im Depositum fidei (in der „Glaubenshinterlage“) verbindlich festgelegt sind.

Gleich zu Beginn macht Pfr. Schießler gegen den „Anspruch auf ab­solute Wahrheit“ (S. 21) Front, der von der katholischen Kirche als integraler Bestandteil seit jeher vertreten wird und der die Heilsuniversalität Jesu Christi (also die ausnahmslose Gültigkeit der Wahr­heit und des Evangeliums Christi für alle) meint.

Relativierend erklärt der Geistliche den katholischen Weg als einen von vielen – und natürlich habe Christus keinesfalls „an die Grün­dung einer Amtskirche oder die Formulierung eines Katechismus oder an Enzykliken und Synoden gedacht“.

Damit stellt der Autor das Wesensverständnis der Kirche als göttliche Stiftung in Frage. Gegen seine alberne wie geschichtsunkundige Polemik ist einzuwenden, dass es die katho­lische Kirche längst nicht mehr gäbe, wenn sie sich nicht von Anfang an über die Jahrhunderte durch feste Glaubensformeln, Bekenntnisse, Dogmen und deren „Aufbereitung“ in dem Volk ver­ständlichen Katechismen ihres Fundaments und ihrer Gemeinschaft vergewissert hätte.

Entschieden lehnt der Autor die kirchliche Lehre von der „ewigen jungfräulichen Unversehrtheit Mariens“ (S. 195) ab, wegen eines „möglichen“ Übersetzungsfehlers („junge Frau“ statt „Jungfrau“), der den ahnungslosen Gläubigen verschwiegen werde und über den „nur ganz wenige Priester, die das studiert haben“ informiert seien. Selbstverständlich gehört der Autor zur Elite der Einge­weihten.

Überdies versucht er, dem Leser klarzumachen, wie diskriminierend dieses Dogma sei: „In ihrem Beharren auf der Jungfräulichkeit stempelt die Kirche Generationen von Frauen als zweit­klassig ab, die den durchaus göttlichen Prozess einer natürlichen Geburt durchlaufen und Kinder auf die Welt bringen“ (S. 196).

Zugegeben: Auf ein so abwegiges Gedankenkonstrukt muss man erst mal kommen. Grund­sätzlich gilt: Wer an der Jungfräulichkeit Mariens rüttelt, bringt auch die Zwei-Naturen-Lehre Jesu Christi (wahrer Mensch – wahrer Gott) zu Fall und beraubt die christliche Erlösung ihrer verbürgten Grundlage und Glaubwürdigkeit.

Mit der kirchlichen Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe und der katholischen Sexualmoral insgesamt steht Pfr. Schießler ebenfalls auf Kriegsfuß. Das Scheidungsverbot Jesu (z. B. Mt 19,6) ist zwar unmissverständlich, hindert den Autor aber nicht daran, „den geregelten ‚Exit'“ (S. 202) zu befürworten, frei nach seinem Motto „Du hast das Recht, zweimal geboren zu werden“ (S. 186).

Nachdruck verleiht der Autor seiner Forderung mit dem „schönen Satz“: „Eine erste Ehe kann viel­leicht nicht mehr zu retten sein – während die zweite Ehe oft ein Leben rettet“ (S. 202). So liest sich das „Evangelium nach Schießler“.

(HOMO-)SEXUALITÄT

Gleichgeschlechtliche Paare sind dem Münchener Pfarrer, der seit 23 Jahren „in einem der größten Schwulenviertel Deutschlands“ (S. 188) wirkt, besonders ans Herz gewachsen. 

Obwohl von der kirchlichen Lehrtradition und zuletzt von Papst Franziskus in „Amoris laetitia“ betont wurde, dass es „keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexu­ellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen“ (251), scheut sich Pfr. Schießler nicht, die Ringe gleichgeschlechtlicher Paare als Zeichen der „Liebe und Treue“ in seinen „Gottes­diensten“ zu segnen und ihnen damit einen quasi-ehelichen Status zuzubilligen.

So tief beeindruckt ist er von deren „respektvollem Umgang miteinander“, dass sich auch das ein oder andere „heterosexuelle Ehepaar“ ein Beispiel daran nehmen sollte (S. 190), eine Art „Nachhilfe“ von Homos für Heteros also. Für das Schneckentempo seiner Kirche entschuldigt sich der Pfarrer gar bei den „Paaren“: „Habt Geduld mit uns. Habt Geduld mit der Kirche.  Es dauert nur no a bisserl“ (S. 191). Zu dumm auch, dass es so viele Volltrottel im Bischofs- und Papstgewand gab und gibt, die noch immer nicht auf den Dreh gekommen sind!

Bei seiner Gleichschaltung aller Formen sexueller Betätigung kommt Pfr. Schießler das Spezifische des „sexu­ellen Akts“ (S. 189 f.) völlig abhanden: Dieser meint nach katholischem Verständnis die körperliche Vereinigung von Mann und Frau durch Penetration. Daher kann der Begriff naturgemäß nicht als Bezeichnung für Techniken gleich­geschlechtlicher Lusterzeugung in Anspruch genommen werden. Unsaubere Begrifflichkeit findet man in Pfr. Schießlers Buch auch an anderen Stellen.

ZÖLIBAT

Für die Öffnung des Zölibats (S. 228 ff.), den Pfr. Schießler nach seinen Worten persönlich einhält, steuert er über die ermüdend wiederholten Argumente hinaus nichts stichhaltiges Neues bei, im Gegenteil. Es ist mit Blick vor allem auf die Erfahrungen der evangelischen Kir­chen ein offenkundiges Märchen, mit Verheirateten sei der aktuelle Priestermangel nach­haltig zu beseitigen.

1. Der Behauptung, das Zölibat würde „viele andere, fähige, potenzielle Pries­terkandidaten“ (S. 228) abschrecken, somit also die Kirche um die Früchte ungenutzter Talente im priesterlichen Dienst gebracht, ist entgegenzuhalten, dass gerade die Bereitschaft für ein eheloses Leben um des Himmelreiches willen zu den Schlüsselqualifikationen des Priesters gehört. Wer im Extremfall sein Leben für seine „Schafe“ hergeben soll, sollte der nicht zumindest eine Neigung bezwingen können?

2. Entgegen den Fakten bestreitet Pfr. Schießler, dass die Ehelosigkeit den Priester von zeitraubenden familiären Aufgaben entlastet und ihn vollständig für den Dienst an der Gemeinde freistellt, mit der er „verheiratet“ ist (S. 187 f.). Die Zeit, die man sich nimmt oder nicht nimmt, ist eben nicht, wie der Stadtpfarrer behauptet, nur eine Frage „der inneren Einstellung“, sondern abhängig davon, welches Zeitbudget grundsätzlich zur Verfügung steht.

FRAUENPRIESTERTUM

Für das Priestertum der Frau zu streiten (S. 230 f.) ist müßig, da die Frage durch das Apostolische Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ (1994) von Johannes Paul II. lehramtlich entschieden wurde. Was bezweckt der Autor also, wenn er den Gläubigen vorgaukelt, hier könne sich (noch) etwas bewegen?

Aus der „Weiheunfähigkeit“ (wie es im Kirchenrecht heißt) der Frau abzuleiten, die Kirche würde damit „die Hälfte der Gläubigen – nämlich Frauen – aus der Verkündigung ausblenden“ (S. 230), ist Unfug, da die Befugnis zu verkündigen jedem getauften und gefirmten „Laien“ zusteht. An anderer Stelle deckt der Autor seinen Selbstwiderspruch auf, wenn er (zu Recht) von der „herausragende[n] Verkündigungs­aufgabe“ der Eltern (S. 219) spricht.

BIOZENTRISMUS

Schließlich ist Pfr. Schießler auch beim Thema „Mensch, Tier und Schöpfung“ auf dem Holz­weg, wenn er schreibt: „Wir müssen hin zu einem biozentrischen Schöpfungsverständnis, in dem sich nicht mehr alles um den Menschen als ‚Krone der Schöpfung‘ dreht – sondern jede [!] Form von Leben in der Schöpfung gleichberechtigt [!] neben der anderen steht“ (S. 237).

Ausgerechnet Papst Franziskus, auf den sich Pfr. Schießler gern beruft, wenn es ihm zupasskommt, widerspricht ihm in seiner Enzyklika „Laudato si“ entschieden:

„Ein fehlgeleiteter Anthropozentrismus darf nicht notwendigerweise ei­nem ‚Biozentrismus‘ den Vortritt lassen, denn dies würde bedeuten, ein neues Missverhältnis einzu­bringen, das nicht nur die Probleme nicht lösen, sondern auch andere hinzufügen würde. Man kann vom Menschen nicht einen respektvollen Einsatz gegenüber der Welt verlangen, wenn man nicht zugleich seine besonderen Fähigkeiten der Erkenntnis, des Willens, der Freiheit und der Verantwort­lichkeit anerkennt und zur Geltung bringt“ (118).

LITURGIE und SAKRAMENTE

Im liturgisch-pastoralen Bereich sind es vor allem die traditionellen Erwartungen der „normalen“ Gläubigen an einen Gemeindepriester, die Pfr. Schießler enttäuscht. Gegen seinen wieder­holt beschworenen Leitsatz „Liturgie darf nicht wehtun“ verstößt er, wenn man die Beispiele aus seinen „Gottesdiensten“ zugrunde legt, selbst in so extremer Weise, dass ihm die „Liturgiefähigkeit“ (im Sinne Romano Guardinis) rundweg abgesprochen werden muss. 

Pfr. Schießler meint in seiner Lesart mit „nicht wehtun“ vor allem, dass ein Priester seine Gläubigen nicht langweilen darf. Das tut er nun beileibe nicht, aber was Ohren und Augen des Besuchers seiner One-Man-Show alles aushalten müssen, gleicht einer Schmerzensorgie.

Nicht nur steigern sich seine Predigten mit suggestiven Verdre­hungen und Entstellungen rasch zur irreführenden Indoktrination, eine Zumutung sind auch seine optischen „Einlagen“, wenn es beispielsweise anlässlich des Christophorusfestes heißt: „Dann fahre ich schon mal im Messgewand auf Inlineskatern durch die Kirche zum Altar oder mit meinem Motorrad in voller Messmontur um die Kirche“ (S. 205).

Messe als Mordsgaudi. Da kriegt man die Kirche schon voll. Nichts von heiliger Handlung, in welcher das Kreuzesopfer Jesu Christi unblutig vergegenwärtigt wird. So tief kann „Liturgie“ stürzen!

Als Höhepunkt seiner liturgischen Entgleisungen schildert Pfr. Schießler eine Christmette, in der „zehn Mülltonen hintereinander hingestellt [wurden] mit der Aufforderung: Müll trennen! Auf den Mülltonnen stand jeweils ein Wort: HETZE, UNGERECHTIGKEIT, MISSTRAUEN, EIFER­SUCHT, NEID – die ganzen Todsünden. Jeder Besucher sollte im Gottesdienst ein Symbol seines Gedankenmülls mitbringen und in ’seiner‘ Tonne entsorgen“ (S. 205).

Was für eine erhebende, feierliche Inszenierung zum Weihnachtsfest, ökologisch korrekt und kreativ sogar noch in der Erfindung neuer Todsünden! Von der holden Appetitlichkeit ganz zu schweigen, wenn „Gott sich mitten in meinen ganzen Müll des Lebens rein[legt](S. 206).

Der Seelsorger ist von seinem „Gottesdienst“ so begeistert, dass er ihn als eine „Lehrstunde im Glauben für die ganze Familie“ (S. 207) rühmen lässt.

Das wahre Urteil über solche „Aktionen“ wird, ohne dass der selbstgefällige Autor und die schwärmenden Eltern es bemerken, wie nebenbei gesprochen, wenn es heißt, „sie wären mit ihren Kindern kaum noch nach vorne zu der eigentlichen [!] Krippe gekommen, weil ihre Kinder in jede der Mülltonnen schauten.“ (S. 206).

Genau hier liegt einer der wunden Punkte, der für die gesamte Schießler-„Pastoral“ symptomatisch ist: Vor lauter „Action“, Klamauk, Gags, Spektakel, Aufmerksamkeit heischender Projektgeilheit bleibt sie allzu häufig an der Oberfläche haften, dringt sie nicht mehr zum Eigentlichen, Wesentlichen, zum Kern vor, führt sie nicht in die Tiefe und zur Fülle des Glaubens.

Auch andere hehre Leitsätze Pfr. Schießlers sind zurechtzurücken. „Du musst die Leute mögen“ (S. 186 u. a.) – klar, aber das müssen auch Politiker, Ärzte, Lehrer, eigentlich jeder, der in seinem Beruf mit Menschen zu tun hat; daran ist nichts Besonderes, Originelles. „Sakramente musst du spüren“ – klar, aber die Leute müssen auch geistig erfassen, worum es in dem Sakrament jeweils geht, indem es ihnen katechetisch fundiert nahegebracht wird und nicht indem man Erstkommu­nionkindern (S. 214 ff.) oder Firmlingen (S. 222 ff.) die Organisation ihrer Vorbereitungskurse in ausschließlicher Ei­genverantwortung überlässt, ohne erkennbare Vergewisserung, ob die zum Verständnis führenden Glaubensinhalte auch angeeignet und verinnerlicht wurden.

FREIWILLIGKEIT und GLAUBENSANNAHME

Geradezu widersinnig ist es, wenn der Autor regelmäßig versucht, Eigenverantwortung und Freiwilligkeit gegen Regeln und Pflichten (oder „Dekrete“) auszuspielen. Es gibt keinen „Glaubenszwang“; dass in der pastoralen Praxis gelegentlich mit „sanftem Druck“ nachgeholfen wurde und wird, ist menschlicher Schwäche geschuldet.

Die Aneig­nung des Glaubens kann immer nur in Freiheit geschehen; gleichzeitig ist es Kernauf­gabe der Kirche und ihres Lehramts, den Inhalt des Glaubens, Glaubenswahrheiten, Glaubenssätze zu formulieren und den Gläubigen in möglichst verständlicher, zeitgemäßer Sprache zu vermitteln.

Wenn ich als Gläubiger in dem ein oder anderen Punkt oder vielleicht in vielen Punkten konträr dazu ste­he, ist es in erster Linie mein Part, mich um Annäherung an die Glaubenswahrheit zu be­mühen und Übereinstimmung zu erreichen.

Geistlichen Rat hierfür in Anspruch zu nehmen, ist sinnvoll, oft unausweichlich. Im äußersten Fall bleibt mir das Eingeständnis, dass ich mit der Kirche nicht „kann“ (das muss ich dann so hinnehmen und für mich daraus die Konsequenzen ziehen)  –  oder die Demut, mich in Gehorsam dem zu beugen, was die Kirche mit Hilfe des ihr zugesagten Beistands des Heiligen Geistes als wahr erkannt hat.

Keinesfalls kann ich jedoch erwarten, dass die Kirche den feststehenden Glauben inhaltlich verändert, anpasst oder schmälert, weil ich damit nicht klar­komme. Ich kann von der Kirche nicht verlangen, dass sie ihren Glauben um es mir und anderen recht zu machen „verbilligt“, frisiert oder gar verleugnet.

Hier manifestiert sich ein gravierender Irrtum der „Postmoderne“. Nicht „die Kirchenführung“ verabschiedet sich, wie Pfr. Schießler argwöhnt, „von ihren unbotmäßigen Gläubigen“ (S. 185); es sind vor allem „postmoderne“ Menschen, die der Kirche den Rücken kehren, die nicht mehr bereit sind, den von ihr verkündigten Glauben anzunehmen, weil sie  –  vom „aufgeklärten“ Zeitgeist infiziert und nicht selten von Pfarrern „kritisch“ und aufsässig gemacht  –  der völlig vermessenen Ansicht sind, sie hätten darüber mitzubestimmen, was ih­nen als „Glaube“ zugemutet werden darf und was gefälligst über Bord zu werfen ist, weil es angeb­lich nicht (mehr) „zeitgemäß“ oder schlicht anstrengend und unbequem ist. 

Dass viele von ihnen ein „Bedürfnis nach Glauben“ (S. 186), nach „Heimat“ in einer Glaubensgemeinschaft haben, wie Pfr. Schießler bei seinen Gesprächen mit Austrittswilligen und Ausgetretenen erfährt, mag schon sein, nur ist es in der Regel nicht der unverrückbare Glaube der katholischen Kirche, nach dem sie sich sehnen – und Oberhirten wie Priester begeben sich auf den Teufelspfad der Dekadenz, wenn sie hier einknicken, sich anbiedern und um jeden Preis, auch den der Glaubensverwässerung, -verkürzung oder gar -preisgabe, die abwandernden „Schafe“ (vorzugsweise mit allerlei „Service“) korrumpieren und auf ihrer „Weide“ halten wollen.

SÜNDE

Ein höchst verqueres Verhältnis offenbart Pfr. Schießler zur Sünde. Mehrmals wiederholt er den populären Satz: „Die größte Sünde ist das ungelebte Leben“ (S. 186). Natürlich ist das falsch, weil undifferenziert, denn ein mit allen erdenklichen Lastern, Bösartigkeiten und moralischen „Schweinereien“ angefülltes, ausgeschöpftes, „gelebtes“ Leben dürfte keineswegs Gottes Wohlgefallen finden, ist also verwerflich. Ein sol­ches Leben überhaupt nicht gelebt zu haben, wäre ausnahmslos besser. 

Mit unerbittlicher Schärfe fällt der Münchener Pfarrer über die Autoren des Jugendkatechismus „Youcat“ her, weil sie es als „eine große Sünde“ bezeichnen, „am Sonntag nicht in die Kirche zu gehen“ (S. 133 f.). Bissig fragt er: „Woher wissen die das? Hat etwa Gott ihnen das geflüstert?“ (S. 134). Das ist nun wirklich unverfroren. Die angesprochenen „Autoren“ geben hier nichts anderes wieder als die „Sonntagspflicht“, eines der fünf Kirchen­gebote.

Im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (1992) heißt es dazu: „Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde“ (2181). Im „Youcat“ erklären die Autoren anhand des Vergleichs von „Sonn­tagspflicht“ für Gläubige und „Kusspflicht“ für Liebende sogar noch sehr einleuchtend, warum die Beachtung des Sonntagsgebots eine Selbst­verständlichkeit sein sollte.

Die Zehn Gebote als Normenkatalog für Christen kommen in Pfr. Schießlers Buch allerdings erst gar nicht zur Sprache. Nach ihm dient die Rede von der Sünde nur dazu, Menschen (immer noch) Angst vor Hölle und Ver­dammnis einzuflößen. Dem Herrn Pfarrer fehlt völlig das Grundverständnis, dass „Sünde“ die Grenze zieht zwischen gottgefällig und gottfeindlich, zwischen gut und böse. Die Grund-Sünde ist daher, wenn man die Sünde als Sünde nicht mehr (an)erkennen und wahrhaben will, sie nicht bekennt und nicht bereut.

FAZIT und AUSBLICK

Zusammenfassend bleibt festzuhalten:
Die zweifellos mitreißende, teilweise ergreifende sprachliche Darstellung (z. B. Tod der Mutter S. 81 ff. und des Vaters S. 174 ff.) oder gelegentliche Lichtblicke wie fein gezeichnete Milieus (z. B. Münchener Nachtleben S. 109 ff., Bad Kohlgrub in Oberbayern S. 118 ff.) machen die schwerwiegenden inhaltlichen Mängel in theologischen und Glau­bensfragen nicht wett; Pfr. Schießlers Art der „Verkündigung“ erweist sich für katholische Christen nicht nur als ein Ärgernis, sondern auch als eine Gefahr für ihr (Seelen-)Heil, weil sie verwirrt, verfälscht und unkatholische Glau­bens- und Moralvorstellungen propagiert.

Es ist ein Skandal, dass der Münchener Seelsorger mit Duldung seiner kirchlichen Oberen diesen Etiketten­schwindel in den Pfarrgemeinden Sankt Maximilian und Heilig Geist betreiben darf.

Was sind Wiedereintritte, was ist sein volles Gotteshaus wert, wenn Leute aufgrund einer unseriösen, verzerrenden „Light“-Version von katholisch die Bänke füllen? Oder weil sie von einem kernigen Selbstdarsteller, einer original bayeri­schen „Rampensau“ unterhalten werden wollen, die bestimmt wieder „a drum Watschn“ (verbal) für die  unverschämt rückständige Amtskirche auf Lager hat?

Wirklich fest im Sattel sitzt der Stadtpfarrer nicht. Die Amtsenthebung seines Vorgängers wegen Turbulenzen innerhalb der Pfarrgemeinde (S. 166) lässt aufhorchen. Auch Pfr. Schießler scheint sich seiner weiteren Sache keineswegs sicher zu sein.

Zwar hat er mit seinem Diplom als „installierter Pfarrer“ vorgebaut, stolz betrachtet er die Pfarrgemeinde Sankt Maximilian als seinen „Besitz“, sein festes „Lehen“ (S. 174), in dem er „so gut wie unkündbar“ (S. 173) seine bizarre Show abziehen kann.

Doch die Spannungen zwischen den Vorgesetzten und dem „Rebell“ (S. 240) ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Eigentlich überflüssig von ihm zu betonen, dass er sich für eine „Karriere nach unten“ entschieden habe – eine nach oben, womöglich „in vollem Ornat als Bischof“ (S. 185), hätte man ihm höheren Orts wohl kaum zugestanden.

Als publicitytaugliches Zirkuspferd im ramponierten „Stall“ Kirche lässt man ihn an der ungemütlichen „Basis“ gewähren. Zum Glück hat Pfr. Schießler ein zweites Standbein als Taxifahrer, falls man einmal den „Missliebigen aus Sankt Max[imilian] entfernen“ (S. 174) sollte.

Vorsorglich hat er seinen während der Studentenzeit erworbenen Taxischein, seine „‚Überlebensversicherung‘ für ein unabhängiges Leben in der Großstadt“ (S. 116), regelmäßig verlängert, der derzeitige „ist bis 2019 gültig“ (S. 115).

Ja, warum eigentlich nicht wieder Taxi fahren, Herr Pfarrer?

Unser Autor Thomas May aus Sendenhorst bei Münster ist katholischer Religionspädagoge – Seine E-Mail: thw53may@aol.de

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Sept.-Okt. 2017)


Neuerscheinung von Dr. Markus Büning: „Jesu Name sei gepriesen!“

Ein neues Buch von Dr. Markus Büning ist jetzt im Kissleger Fe-Verlag erschienen. Es trägt den eingängigen Titel „Jesu Name sei gepriesen!“

Der Theologe und Jurist greift darin ein zentrales Thema katholischer Frömmigkeit: die Verehrung des heiligsten Namens Jesu.

Das Buch befaßt sich nicht nur mit dem hagiografischen Zugang zum Thema. Zuvor sollen die biblischen Grundlagen dieses Glaubensgeheimnisses dargestellt werden.

Zudem wird die Verehrung des Namens Jesu in der Liturgie der Kirche in den Blick genommen. Ein ökumenischer Seitenblick auf die evangelische Frömmigkeit hinsichtlich des Jesus-Namens eröffnet neue Perspektiven. Wie immer schließen die Überlegungen mit einem Gebetsteil. 

Auszug aus dem Vorwort der Salzburger Weihbischofs Dr. Andreas Laun:

„Im Namen „Jesus“ ist nicht nur die Erinnerung an den fleischgewordenen Sohn Gottes enthalten, sondern natürlich auch diejenige an die Wortbedeutung „Erlöser und Retter”; darum auch die vielen Segens- und Weihehandlungen der kirchlichen Liturgie „im Namen Jesu”.

Es gehört wohl bleibend zur ars moriendi (Kunst des Sterbens) eines Christen, sein „Es ist vollbracht!“ am Ende seines Lebens ausklingen zu lassen in die Anrufung des Namens Jesu; ebenso, wie schon unzählig viele Christen vor uns gestorben sind.“

Bestellungen bitte hier: http://www.fe-medien.de/jesu-name-sei-gepriesen


„Es gab, es gibt“: ISLAM contra Christentum

Von Dr. Udo Hildenbrand

Es gab, es gibt
das Verbot zu freundschaftlichem Kontakt

mit Andersgläubigen, Andersdenkenden:
Im Koran ausdrücklich formuliert,
ohne Bedeutung nach christlicher Lehre.

Es gab, es gibt
die Erhöhung des männlichen

gegenüber dem weiblichen Geschlecht:
Im Islam rechtlich festgelegt,
nach dem Neuen Testament nicht begründbar.

Es gab, es gibt
Angriffskriege zur Ausbreitung des Glaubens:

Vom Koran, auch vom Leben Mohammeds her
erlaubt, gefordert und geboten,
im Widerspruch jedoch zur Norm des Evangeliums.

Es gab, es gibt
Bestrafung, Verfolgung von Apostaten

bis hin zur Todesstrafe:
Im Islam wird dazu aufgerufen,
undenkbar aus neutestamentlicher Sicht.

Es gab, es gibt
Täuschung und Betrug

Verschleierung und Lüge – Taqiyya:
Im Islam auch möglich um des Glaubens willen,
Christen verstoßen schwer gegen das 8. Gottesgebot.

Es gab, es gibt
die Teilung der Welt in „Gläubige“ und „Ungläubige“,

Ursache vielfältiger Ungleichheit unter den Menschen:
Eine anmaßende Geisteshaltung im Islam,
kein Denken und Handeln jedoch in Jesu Geist.

Es gab, es gibt
die Steinigung der Frau wegen Ehebruchs:

Noch immer im Islam ein Scharia-Gesetz.
Christus dagegen sagt: „Wer ohne Sünde ist,
werfe den ersten Stein.“

Es gab, es gibt
lockende Paradiesverheißungen

für Selbstmörder, bereit zum Attentat:
Im Islam folgenschwere Realität,
strikt verboten dagegen im Christentum.

Es gab, es gibt
bis auf den heutigen Tag

Sklaverei und Genitalverstümmelung:
Im Islam legitimiert, vielfach praktiziert,
im Raum der Kirche nachdrücklich bekämpft.

Es gab, es gibt
das religiös-kulturelle Überheblichkeitsdenken

gegenüber anderen Religionen und Kulturen:
Im Koran ausdrücklich proklamiert,
kein Bestandteil jedoch der Botschaft Jesu.

Es gab, es gibt
eine Fülle unüberbrückbarer Gegensätze,

allzu oft nur scheinbare Gemeinsamkeiten
zwischen Islam und der christlicher Religion.
Wird es befreiende Lösungen geben?

Menschenwürdiges Miteinander ist nur tragfähig bei Gewissens-, Meinungs- und Religionsfreiheit in Beachtung der internationalen Menschenrechte überall, auf der ganzen Welt, so auch in Ländern mit islamischer Staatsreligion.

Unser Autor Dr. Udo Hildenbrand aus Bühl in Baden ist katholischer Priester und Spiritual eines Klosters

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch “Wortmeldungen zum Islam” (S. 188 f.); es ist für € 11.80 portofrei über seine Adresse erhältlich: Dr. Udo Hildenbrand, Josef-Bäder-Weg 4 in 77815 Bühl. – Mail: udo.hildenbrand@gmx.de

 


Neuerscheinung über Schicksal, Opfer, Helden und Märtyrer der Donauschwaben

Von Felizitas Küble

Auch die Donauschwaben  –  also deutsche Volksgruppen aus Ungarn, Rumänien und Jugoslawien – waren von Flucht und Massenvertreibung am Ende des 2. Weltkriegs und in den Jahren danach betroffen.

Im Mittelpunkt des Gedenkens stehen freilich meist Landsleute aus Ostpreußen, Schlesien und Pommern, zumal aus diesen einst deutschen Provinzen der größte Teil der Heimatvertriebenen stammt.

Doch auch die Donauschwaben  –  darunter die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben aus Rumänien  –  hatten infolge der damaligen kommunistischen Besetzung Ostdeutschlands und Osteuropas zehntausende Opfer, Verfolgung und Vertreibung zu beklagen.  

Umso erfreulicher, daß in dieser Neuerscheinung „Donauschwäbisches Martyrologium“ des katholischen St.-Gerhards-Werks an jene erinnert, die sich auch in schwerster Zeit heldenhaft für andere eingesetzt haben.

Der redaktionell Verantwortliche Stefan P. Teppert hat damit ein einmaliges Standwerk geschaffen, das zugleich der Ausssöhnung und Verständigung mit unseren östlichen Nachbarvölkern dient. Er weiß um jenes Prinzip, das auch für dem deutsch-jüdischen Verhältnis zugrundliegt: Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung!

Zum Geschichtsbewußtsein und zur Gedächtniskultur gehört auch die umfassende Information und die Solidarität mit den Opfern, vor allem mit den Bekennern und Märtyrern, die für Gott, seine Gebote und die Nächstenliebe gelitten haben oder gar ihr Leben hingaben  –  sei es unter den Nationalsozialisten oder später den Kommunisten.

Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch schreibt in seinem Geleitwort zu diesem 770 Seiten umfassenden Sammelband: „Kaum eine deutsche Volksgruppe hatte unter dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen so sehr zu leiden wie die Donauschwaben.“ 

Dem Band enthält neben bewegenden Biografien von Glaubenshelden und geschichtspolitischen Informationen zahlreiche Illustrationen und Gedichte donauschwäbischer Schriftsteller und Künstler.

Buch-Daten: Donauschwäbisches MartyrologiumHrsg.:  St.-Gerhardswerk, Stuttgart  – Verlag: Patrimonium  – ISBN: 978-3-86417-084-3  –  Einband:  Hardcover  –  Seitenumfang:  770 (mit zahlreichen Abbildungen)  – Format: 16 cm x 23,5 cm  –  Preis: nur 25.- €

Bestellungen per Mail (Stefan.Teppert@gmx.de) oder hier: http://www.banater-schwaben.org/nachrichten/dokumentation/dokumentation-detail/1782-donauschwaebisches-martyrologium/

 


Papst-Franziskus-Buch: Dr. Heinz Althaus schreibt an den Autor Andreas Englisch

Sehr geehrter Herr Englisch!

Neulich wurde mir Ihr Buch „Der Kämpfer im Vatikan. Papst Franziskus und sein mutiger Weg“ geschenkt. Nach der Lektüre von Marco Politis Taschenbuch „Franziskus unter Wölfen“ war ich auf Ihr Buch gespannt. Und so las ich gleich auch Ihr Werk, das sich als wichtige Ergänzung des Taschenbuches von Marco Politi herausstellte.

Doch nun zu Ihrem Buch. Sie können schreiben. Das, was Sie zu erzählen haben, leiten Sie spannend ein. Wortwahl, Stil, Satzbau, Darstellungsart – all das ist kultiviert und angenehm zu lesen. Hinter Ihren nüchternen Berichten schimmert die Leidenschaft des Autors für seinen Gegenstand durch. Sie sind „Vaticanista“ geworden und berichten seit 1987 aus dem Vatikan.

Bekannt sind Ihre Bücher über die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus, dem Sie nun schon das zweite Buch widmen. Wenn man das bedenkt, ist man doch sehr erstaunt, daß der Autor in einer frühen Periode seines Lebens den Glauben verloren hatte. Wie Sie selbst mitteilen, haben Sie erst durch Johannes Paul II. zum Glauben gefunden, der unter den geradezu herausragenden Papstgestalten des 20. Jahrhunderts gemeinhin als der größte gilt.

Wie sehr Sie ihn bewundern und verehren, spiegelt sich auch in Ihrem neuesten Werk wider. Wenn dem aber so ist, versteht man nicht, wie Ihre frühere Phase des Unglaubens immer wieder durchschlägt in Formulierungen wie ‚wenn es Gott gibt‘. Dann sprechen Sie auffallend oft von ‚Jesus von Nazareth‘. Das ist die Sprache der Historiker, nicht die des Glaubens und der Theologie, denn Glaube und Theologie sagen „Jesus Christus“.

Da wir nun gerade bei Ihrer „ungläubigen“ Jugend sind, so finde ich es verwunderlich, daß Sie in einem Buch über Franziskus so ausführlich über Ihr Elternhaus schreiben. Es mag sein, daß Sie damit Ihre Nähe zu Franziskus‘ Pauperismus betonen wollen, aber dafür bräuchte es diese Ausführlichkeit nicht.

Im übrigen haben Millionen junger Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kindheit und Jugend in Armut erlebt – auch ich selbst (geb. 1938). Das war früher nichts Besonderes. Nur heute wird ein großes Bohé über Kinder- und Jugendarmut gemacht, wobei es den „armen“ Kindern und Jugendlichen um ein Vielfaches besser geht als uns früher, denn der Begriff der Armut ist an den gesellschaftlichen Wohlstand geknüpft: 60 % des Durchschnittseinkommens in Deutschland.

Auf S. 83 machen Sie zu Recht darauf aufmerksam, daß die beiden nicht italienischen Päpste vor Franziskus aus sehr einfachen Verhältnissen kamen, im Gegensatz zu ihren italienischen Vorgängern, daß sie aber die Armut nicht zum Thema ihres Pontifikats machten.

Franziskus zieht nicht in die päpstlichen Gemächer des Apostolischen Palastes ein, sondern bewohnt eine kleinere Wohnung in Santa Marta, er ißt mit den Vatikanangestellten in der Kantine, er trägt nicht die roten Papstschuhe, sondern schäbige Alltagstreter, er läßt sich in einem Kleinwagen chauffieren usw.

Man fragt sich unwillkürlich, was das bedeuten soll. Fast alle Päpste im 20. Jahrhundert waren Heilige oder wenigstens Selige, denen jeglicher Luxus fremd war, die persönlich ziemlich bedürfnislos lebten. Johannes Paul II. ist inzwischen heilig gesprochen, aber auch von Ratzinger weiß man, daß ihm ein aufwendiger Lebensstil völlig fremd war. Und wenn er der Sitte in Italien entsprechend Wein zum Essen kredenzen ließ, so nahm er selbst nur ein halbes Glas.

Selbst P. Eberhard von Gemmingen, der sicher nicht zu den Bewunderern Benedikts gehört, betonte am Dienstag, dem 11. April, in der großen Sondersendung des bayerischen Fernsehens, daß Benedikt die roten Schuhe nicht aus Eitelkeit getragen habe, sondern weil man ihm gesagt habe, das seien die üblichen Schuhe des Papstes, und als gehorsamer Sohn der heiligen römischen Kirche, der er zeitlebens war, habe er die Tradition eingehalten.

In diesem Zusammenhang stieß mir Ihre Äußerung „Während Joseph Ratzinger schon als Kind das schicke Auto eines Kardinals bewunderte, dem er zufällig begegnete, verabscheut Mario Bergoglio Priester in teuren Autos …“ unangenehm auf. Der gegensätzliche Vergleich ist nicht nur fehl am Platz, sondern auch unlogisch. Wie kann man das spontane Gefühl eines Knaben mit dem moralischen Habitus eines Erwachsenen vergleichen! Oder wollen Sie gar Benedikt als Liebhaber des Luxus denunzieren? Das wäre infam!

Franziskus macht nun – fast – alles anders. Aber von größerer Bedeutung sind freilich seine doktrinären Äußerungen über die Wirtschaft. Wenn man so ein Wort hört wie „Wirtschaft tötet“, ist man zunächst einmal fassungslos und fragt sich, wie Franziskus so offensichtlich seine Ignoranz in ökonomischen Fragen zu Markte tragen kann.

Daß das „reiche Deutschland“ 1945 völlig am Boden lag, daß das deutsche Volk hungerte, nichts zum Anziehen hatte und im Winter fror, so daß der Kölner Kardinal Frings den Leuten erlaubte, die Güterzüge, die deutsche Kohle für die Sieger abtransportierten, zu überfallen  –  all das scheint Franziskus nicht zu wissen. Insbesondere weiß er nicht, daß sich die Deutschen selbst hochgerappelt haben  –  dank der freien Marktwirtschaft, für die kein anderer so eintrat wie Ludwig Erhard.

Der Marshall-Plan, der wiedergutmachte, was die Alliierten mit der Demontage vorher kaputt gemacht hatten, konnte nur in Deutschland so wunderbar funktionieren, weil die Menschen mit ungeheurem Fleiß und eiserner Disziplin Fabriken und Häuser wiederaufbauten.

Als ich während meines Studiums in den Jahren 1958 bis 1964 Werkarbeit leistete, erzählten mir Fabrikarbeiter in Emsdetten und Rheine von Frühinvaliden, die in den fünfziger Jahren 70 und mehr Stunden in der Woche gearbeitet und damit ihre Gesundheit ruiniert hatten.

Und wie ist es in den Entwicklungsländern heute? Als ich 2010 eine Gruppen-Rundreise durch Äthiopien machte, erzählte uns der einheimische Reiseleiter, daß ein Äthiopier keine 8 Stunden am Tag arbeiten könne! Mehr als 4 Stunden schaffe er nicht.

Und wie sieht es in Lateinamerika, wo ja Franziskus herkommt, aus? Nehmen wir einmal Cuba. Die Mittagspause beträgt mindestens 4 Stunden. Vor 17 Uhr bewegt sich gar nichts. In Vietnam ist es ganz anders. Dort wird auch in der Mittagshitze auf dem Bau gearbeitet. Die Ostasiaten gelten nicht nur als besonders intelligent, sondern sie sind auch ungeheuer fleißig und zäh.

Japan galt schon Anfang der 60er Jahre als Industrieland, China konnte erst nach Maos Tod die Aufholjagd beginnen und ist heute an der Weltspitze. Auch Südkorea ist mit seinem großen Wirtschaftswachstum nicht zu übersehen, ferner Singapur. Doch genug davon.

Franziskus ist einfach von seinen Erfahrungen in Argentinien geprägt. Was heißt das? Das Land der Gauchos war  bis 1945 wohlhabender als Deutschland, aber Korruption und Nepotismus in Verbindung mit verkrusteten Strukturen sorgten für den unaufhaltsamen Niedergang. Inzwischen gab es zwei Staatspleiten. Man denke nur einmal an Peron und die Kirchners.

Daß sich Erzbischof Bergoglio so sehr um die Armen in Buenos Aires gekümmert hat, ist ungeheuer anrührend, taugt aber nicht zur Lösung der tiefen Wirtschaftskrise des Landes. Der von Franziskus hochgeschätzte Kardinal Walter Kasper, der Korreferent meiner theologischen Dissertation, sagte einmal: Christliche Nächstenliebe zeigt sich heute nicht mehr einfach im Almosengeben, sondern in groß angelegten Förderprogrammen wie Misereor, Adveniat und Missio.

Warum schaut Franziskus nicht auf Deutschland, wo diese großen Förderprogramme erfunden und umgesetzt worden sind? Er war doch eine gewisse Zeit zum Studium in St. Georgen. Ludwig Erhards Grundgedanke war nicht, wie die Sozialisten sagten, den „Reichen“ etwas wegzunehmen und dann an die Ärmeren zu verteilen, sondern die Wirtschaft wachsen zu lassen und den Zugewinn gerecht auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu verteilen. Und dieses Rezept war ungeheuer erfolgreich. Es hat, wie Ludwig Erhard versprach, Wohlstand für alle gebracht.

Was Ihre historischen Kenntnisse anbelangt, so sieht es ziemlich trübe aus.

  1. Der Sklavenhandel.

Ab S. 55 berichten Sie ziemlich unkritisch von einem Gespräch mit einem lateinamerikanischen Priester, der keine genauen geschichtlichen Kenntnisse hat. Da lassen Sie auf S. 57 den ungenannten Priester sagen, daß die Muslime in sechshundert Jahren nur 1,7 Millionen Christen versklavten, während Christen über 11 Millionen Menschen aus Afrika nach Amerika verschleppten.

Richtig ist folgendes: Die Araber waren von Beginn an Sklavenhändler und fingen Schwarze aus Afrika, um sie nach Arabien und später ins Osmanische Reich zu verschleppen. Daß es keine Schwarzen in der arabischen Welt gibt, liegt einfach daran, daß die Araber die Männer gleich töteten und nur die Frauen und Kinder am Leben ließen. Genaue Zahlen zum arabischen Sklavenhandel liegen nicht vor. Aber es wäre naiv anzunehmen, es habe sich nicht um viele Millionen gehandelt.

Im Mittelalter haben die Mauren viele Christen in Spanien, Frankreich und Italien verschleppt, um sie zu Sklaven zu machen. Nicht umsonst hat Rossini im 19. Jahrhundert die Oper „Die Italienerin in Algier“ geschrieben. Zur Befreiung der Christen aus der Gefangenschaft bei den Sarazenen wurden sogar im Mittelalter zwei Orden gegründet, und zwar die Trinitarier, deren Ordensregel 1198 vom Papst approbiert wurde, und die Mercedarier, deren Ordenssatzung der Papst 1235 approbierte.

Die Trinitarier haben 900.000 Christen aus der arabischen Sklaverei freigekauft. Von 1500 bis 1750 wurden 1,5 Millionen Christen aus ganz Europa von den Sarazenen versklavt, sogar aus England. Überall, wo die Sarazenen oder später die Osmanen auftauchten, verbreiteten sie Angst und Schrecken, und zwar in einem viel schlimmeren Maße, als dies christliche Heere je taten.

Ich war zweimal auf Malta, wo 1565 die große Seeschlacht der weit überlegenen osmanischen Flotte gegen die Johanniter standfand. Aber diese hielten unter ihrem Großmeister la Valette stand, bis eine christliche Flotte aus Richtung Sizilien für den Entsatz sorgte. Von den 40.000 Matrosen der Osmanen waren inzwischen 3/4 gefallen. Was die Osmanen im Falle eines Sieges gemacht hätten, wurde den Maltesern am Schicksal der Nachbarinsel Gozo deutlich. Dort machten die Osmanen alle kurzerhand nieder, Männer und Frauen, Kinder und Greise. Daß Malta das katholischste Land Europas ist, liegt nicht zuletzt daran, daß die Erinnerung an die existenzielle Bedrohung durch die muslimischen Osmanen bis zum heutigen Tage wachgehalten wird.

Auch in anderer Beziehung hat der von Ihnen zitierte Priester keine Ahnung. Es ist ein geradezu unverzeihlicher Irrtum zu meinen, erst Leo XIII. habe 1888 – hundert Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – die Sklaverei verboten. Schon Eugen IV. hat im 15. Jahrhundert gegen die Sklaverei Stellung bezogen, und Paul III. hat 1537 ausdrücklich die Versklavung eroberter Völker verboten, auch wenn sie keine Christen waren. Gregor XVI. zählte in seiner Konstitution von 1839 im einzelnen die Erlasse seiner Vorgänger zur Sklavenfrage auf.

Was die USA anbelangt, so sollte auch Ihr Gewährsmann wissen, daß gerade wegen der Sklavenfrage der schlimme amerikanische Bürgerkrieg stattgefunden hat. Erst der Sieg des Nordens in Gettysburg 1865 hat den Weg für die Durchsetzung des Verbotes der Sklaverei freigemacht. Hinsichtlich der hehren Ideale der amerikanischen Gründungsväter zeigt sich wieder einmal: Papier ist geduldig. Erst der Sieg auf dem Schlachtfeld führte zur Befreiung der Sklaven.

Also trotz der Unabhängigkeitserklärung von 1776 wurden in den Vereinigten Staaten noch ca. 90 Jahre lang mit größter Selbstverständlichkeit Sklaven gehalten, vor allem in den Südstaaten, wo die Schwarzen besonders in den Baumwollplantagen eingesetzt wurden.

Von dem hohen Roß unserer modernen Moral läßt sich leicht ein Verdammungsurteil über die Geschichte fällen. Aber nur dadurch, daß das junge Christentum eben nicht als sozialrevolutionäre Bewegung mit der Forderung nach Abschaffung der allgegenwärtigen Sklaverei auftrat, konnte es in der antiken Sklavenhaltergesellschaft des Römischen Reiches überleben.

Unter den Schriften des Neuen Testaments findet sich auch der kleine Brief des Apostels Paulus an Philemon, dessen Sklave Onesimos entlaufen war. Paulus schickt ihn seinem Herrn zurück und empfiehlt, den Sklaven wie einen Bruder in Christus aufzunehmen. An anderer Stelle schreibt Paulus, in Christus gelte nicht mehr Mann und Frau, Herr und Sklave, sondern alle seien eins in Christus.

Ich glaube, das haben die lateinamerikanischen Befreiungstheologen bis heute nicht begriffen, für die der Glaube ein Instrument zur Durchsetzung sozialer oder gar sozialrevolutionärer Reformen ist.

Im Islam ist die Sklaverei etwas ganz Normales. Der Koran erlaubt sie ausdrücklich, während das Neue Testament die Sklaverei nur als gegeben hinnimmt, wie oben dargestellt. Und Mohammed selbst hat unterworfene Stämme versklavt. Erst die Herrschaft der europäischen Kolonialmächte hat zur Abschaffung der Sklaverei geführt. 1950 wurden in Saudiarabien noch 500.000 Sklaven gezählt. Erst 1963 hat das Land die Sklaverei offiziell abgeschafft.

  1. Kirche und Nationalsozialismus

Daß Sie das deutsche Volk so mir nichts, dir nichts als „Tätervolk“ bezeichnen, ist geradezu empörend. Daß „Tätervolk“ kein offizieller Begriff ist, daß die deutschen Bischöfe stets eine Kollektivschuld des deutschen Volkes strikt abgelehnt haben, ist Ihnen offensichtlich unbekannt. Man schätzt, daß 300.000 Deutsche wie auch Vertreter anderer europäischer Völker (z.B.  Litauer und Letten) am Holocaust beteiligt waren.

Die Programme zur Judenvernichtung wurden unter strengster Geheimhaltung durchgeführt. Wer darüber sprach, wurde kurzerhand hingerichtet. Ich selbst bin 1938 als Nachkömmling geboren. Weder meine Eltern noch meine fünf Geschwister, die sogar schon zur Wehrmacht eingezogen worden waren, wußten von dem Massenmord in Auschwitz u.a. Was man wußte, war, daß Juden abtransportiert wurden, aber nicht, wohin.

Wenn der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1985 im Bundestag behauptete, „alle“ hätten von dem Massenmord gewußt, so stieß er auf den erbitterten Widerstand der ganzen CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seine falsche Behauptung wurde natürlich von den Linken mit lebhafter Zustimmung aufgenommen und von den linksorientierten Medien in Presse und Fernsehen verbreitet.

Empörend ist auch, wie Sie die Kirche beschuldigen, während des Zweiten Weltkrieges katastrophal versagt zu haben. Die Kirche hat nicht versagt. Die kirchenhistorische Aufarbeitung der Rolle der kath. Kirche zur Zeit des Dritten Reiches ist weitgehend abgeschlossen, wie ein Blick in die neueren „Kirchengeschichten“ zeigt. Was noch fehlt, ist die Veröffentlichung aller Akten aus dem vatikanischen Geheimarchiv.

Allerdings haben die Kirchenhistoriker, die die Rolle Pius XII. für den Seligsprechungsprozeß untersuchen sollten, Einblick in die Quellen erhalten und haben ein abschließendes Urteil gefällt, das diesen Papst in jeder Hinsicht entlastet. Wenn Benedikt XVI. trotzdem den Seligsprechungsprozeß nicht zum Abschluß gebracht hat, so hat das ausschließlich politische Gründe, denn die jüdische Seite hält an ihrem (unbegründeten) Vorurteil fest, daß die namentliche Verurteilung Hitlers und seiner Barberei durch Pius XII. Millionen von Juden vor der Shoah gerettet haben würde. 

Dabei ist das auf jüdischer Seite eine Kehrtwendung um 180 Grad, denn die unmittelbaren Zeugen der Shoah wie Ben Gurion und Golda Meir haben immer Pius XII in Schutz genommen und ihm für die Errettung hunderttausender Juden, die aus Ungarn nach Auschwitz deportiert werden sollten, gedankt. Auch wurde dankbar hervorgehoben, daß der Papst Tausende von Juden in der Stadt Rom in Kirchen und Klöstern vor der SS versteckt hat.

Die Wende leitete Rolf Hochhuth mit seinem Drama „Der Stellvertreter“ ein, in dem er behauptete, eine öffentliche Verurteilung durch Pius XII. hätte Millionen von Juden vor der Vernichtung bewahren können. Das Stück wurde damals viel aufgeführt und brachte die Diskussion in Schwung.

Tatsache aber ist, daß die niederländischen Bischöfe mit ihrer öffentlichen Verurteilung der Judentransporte nach Auschwitz 1942 die NS-Schergen dermaßen in Wut versetzten,  daß sie nun auch die getauften Juden – unter ihnen die Karmelitin Edith Stein – abtransportierten. Daher haben die deutschen Bischöfe den Papst beschworen, von einer namentlichen Verurteilung Hitlers und seiner Judenvernichtung Abstand zu nehmen.

In allgemeiner Form hatte der Papst schon die Judenvernichtung verurteilt. Wie allergisch die Nationalsozialisten auf jegliche Kritik reagierten, zeigt das Beispiel des Berliner Propstes Bernhard Lichtenberg, der in jedem Gottesdienst für die Juden betete. Das kostete ihn das Leben.

9 von 10 christlichen Geistlichen in den Konzentrationslagern waren katholische Priester. Die katholische Kirche war die einzige Großorganisation, die sich im Dritten Reich nicht gleichschalten ließ. Auf Seiten der Protestanten entwickelten sich bald die Deutschen Christen mit ihrem „Reichsbischof“ Müller, gegen die die Bekennende Kirche mit der Barmer Erklärung von 1934 zu Felde zog. Das war eine regelrechte Spaltung der Protestanten. Auf katholischer Seite gab es so etwas nicht.

Daher brauchte die katholische Kirche 1945 auch kein Schuldeingeständnis abzugeben, wie es die Protestanten 1945 taten. Aber sie taten es nicht freiwlllig, sondern gezwungen, denn die amerikanischen Protestanten hatten das Schuldeingeständnis zur Bedingung ihrer Hilfe gemacht.

Da deutsche Kirchenhistoriker die Materie in den vergangenen Jahrzehnten hinreichend erforscht haben, ist es völlig unerfindlich, wie Sie Ratzinger in diesem Zusammenhang noch einen Vorwurf machen können. Sie sind sich wohl bewußt, daß Ratzinger nie Historiker, sondern immer Dogmatiker war, aber Sie vermissen ein Wort von ihm „als Deutscher“. Das ist für einen Menschen, der auch nur halbwegs etwas von Wissenschaft versteht, schlichtweg Unsinn – oder vielleicht Bosheit.

Bei dieser Frage lohnt sich auch ein Blick auf die Praxis in den deutschen Diözesen. Vor mir liegt die Dokumentation „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich. Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken“ von Pater Ludger Born SJ, bearbeitet und ergänzt durch Pater Lothar Groppe SJ, Neuauflage 2016.

Es ist bewundernswert, welche Hilfe die kath. Hilfsstelle für Juden unter äußerst schweren Umständen geleistet hat. Und es ist erschütternd zu lesen, daß fast alle Hilfskräfte verhaftet und ermordet worden sind. Was hier für Wien bezeugt ist, gilt sicher auch für andere deutsche Bistümer.

  1. Indianermission

Daß in der Indianermission auch Gewalt eine Rolle spielte, ist unbestritten, aber die Indianermission als ganze als Akt der Gewalt darzustellen, geht überhaupt nicht. Das hat auch Papst Johannes Paul II. mit seinem Schuldbekenntnis im Jahre 2000 nicht gesagt. Im wesentlichen ist die Mission vielmehr das Werk von – unbewaffneten, friedlichen  – Missionaren, die unter unglaublichen persönlichen Entbehrungen und Anstrengungen den Heiden das Licht des Glaubens gebracht haben.

Auf meinen großen Reisen durch Lateinamerika habe ich viel über die Geschichte dieser Länder und ihre endogene Kultur erfahren. Wenn heute von bestimmter Seite aus geleugnet wird, das Christentum habe einen Fortschritt in der Zivilisation gebracht, so kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Die Religionen der Inka und Azteken waren grausam, von Milde und Humanität keine Spur.

Eine große Rolle in der Bekehrung der Azteken etwa spielte die Erscheinung der allerseligsten Jungfrau in Guadalupe vor einem Indio. Dieses Ereignis beeindruckte die Eingeborenen so sehr, daß sich viele, viele taufen ließen. Seitdem ist Guadalupe der größte Wallfahrtsort in Mexiko, ja in ganz Lateinamerika. Dort sieht man auch die große Statue von Johannes Paul II in Bronze. Denn dieser große Marienverehrer hat das Marienheiligtum wenigstens einmal besucht, woran die Mexikaner in Dankbarkeit erinnern.

  1. Diversa

Seit 1987 sind Sie in Rom und nehmen an allem, was Papst und Kurie betrifft, innigen Anteil. Aus einem katholischen Elternhaus stammend, haben Sie in Ihrer Jugend den Glauben verloren und erst im Erwachsenenalter wiedergefunden. Eine große Rolle spielen in dieser Hinsicht die Päpste. Von Johannes Paul II. und Franziskus nehmen Sie an, daß man durch ihre Nähe Gott spüren könne. Im Falle von Benedikt aber müßten Sie passen. 

Wenn das Ihre ganz persönliche Erfahrung ist, so muß man das eben so akzeptieren. Allerdings wundert es einen schon, daß Sie so überhaupt keinen Zugang zu dem deutschen Papst fanden. Indes konnte man aus verschiedenen Bemerkungen zu Benedikt merken, daß Ihnen dieser Papst „nicht liegt.“

Dabei ist der Eindruck, den Benedikt auch auf ungläubige Menschen gemacht hat, ganz erstaunlich. So erinnere ich mich noch genau, wie der bekennende Atheist Paul Biedermann, der ehemalige Weltrekordler im Schwimmen, von der Begegnung mit Papst Benedikt tief beeindruckt war. Biedermann spürte hier zum ersten Male in seinem Leben so etwas wie Transzendenz, den Einbruch des Göttlichen in diese materielle Welt.

Für mich ist Joseph Ratzinger eine große Lichtgestalt. 1963 kam er als junger Professor für Dogmatik nach Münster, wo er bis 1966 blieb, um dann nach Tübingen zu gehen. Wir Studenten strömten mit Begeisterung in seine Vorlesung. Er sollte der Korreferent meiner theologischen Dissertation über den griechischen Kirchenvater Gregor von Nazianz werden.

Unvergeßlich ist mir das Vorgespräch mit ihm, in dem sich seine große Kenntnis der Kirchenväter zeigte. Er begegnete mir nicht mit der hochmütigen Herablassung des anerkannten Professors, sondern mit Zuvorkommen und Eleganz. Er war ein echter Gentleman.

Als er zum Papst gewählt worden war, schilderte seine frühere Wirtin hier am Aasee, wie er mit ihr und ihrer Familie Karten gespielt und mit seinen Assistenten und studentischen Hilfskräften im Garten Fußball gespielt hatte. Zur Vorlesung fuhr er immer mit dem Fahrrad. Und als er sich später in Tübingen mit Hans Küng zur Redaktionssitzung der von ihm und Küng gegründeten Zeitschrift Concilium traf, erschien Küng im eleganten Sportwagen, während Ratzinger mit dem Fahrrad kam.

Als er Papst wurde, sagte der Altmeister der kath. Theologie, Prof. Dr. Eugen Biser (+), Benedikt sei seit Leo dem Großen, also seit fast 1600 Jahren, der größte Theologe auf dem Stuhle Petri. Als Papst glänzte er nicht nur durch seine überragende Theologie, sondern auch durch seine Eloquenz und die Beherrschung von ca. acht Fremdsprachen. Und wenn zu seinen Ehren Konzerte in der Aula Pauls VI. stattfanden, dann staunten die Zuhörer über die musikalische Kompetenz des Papstes, der sogar die wissenschaftliche Einleitung zu den aufgeführten Werken selbst vortrug.

Das große Thema seines Pontifikates war Glaube und Vernunft, in denen er keine Gegensätze, sondern polare Ergänzungen sah. Die Welt von Wissenschaft und Kultur nahm staunend wahr, daß hier ein Mann an der Spitze der früher von den Protestanten belächelten und als rückständig eingestuften katholischen Kirche stand, der auch einem philosophischen Disput mit dem führenden Philosophen unserer Zeit, Jürgen Habermas, gewachsen war. Es ist ganz offensichtlich, daß man nicht nur in der Kurie, sondern in Wissenschaft und Kultur ganz allgemein einer solchen Geistesgröße nachtrauert.

All das, was hier ohne Übertreibung von Benedikt gesagt werden kann, fehlt bei Franziskus. Ja, Kardinal Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, sagte einmal über Franziskus: „Er ist kein Theologe, deshalb muß man ihm helfen.“

Von seinen Gegnern werden Benedikt drei Skandale zugeschrieben: die Aufhebung der Exkommunikation des schismatischen Bischofs Richard Williamson, die Regensburger Rede 2006 und der 2010 aufgedeckte Mißbrauchsskandal. Was das Erstere anbelangt, so ist Benedikt einfach nicht informiert worden über Williamsons Leugnung des Holocausts. Er sagte später selbst, wenn er davon gewußt hätte, hätte er die Exkommunikation nicht aufgehoben. Es gab damals noch keinen PC in der Kurie. Erst Benedikt hat im Zuge der Affäre Richardson die Anschaffung von Computern angeordnet. Wie Kardinal Kasper sagte, ist in keinem anderen Land die Sache so hochgespielt worden wie in Deutschland.

Bei der Regensburger Rede wurde ein Zitat des byzantinischen Kaisers aus dem Zusammenhang gerissen und damit verschärft. Während der Rede selbst, nahm keiner der Anwesenden an dem Zitat Anstoß, wie erst noch neulich im Fernsehen gezeigt wurde. Das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat führte in der islamischen Welt zu wilden Protesten. Sie besitzen die Unverschämtheit, dem Papst den Tod zweier Ordensschwestern, die der muslimische Mob ermordete, anzulasten. Lasten Sie auch dem Karikaturisten von Jyllands-Posten, Kurt Westergaard,  all die Morde und Brandstiftungen an, die seine Mohammed-Karikaturen in islamischen Ländern auslösten?

Benedikt für die zum Teil Jahrzehnte zurückliegenden Mißbrauchsfälle verantwortlich zu machen, ist in jeder Hinsicht horrend. Schon als Präfekt der Glaubenskongregation hatte sich gerade Joseph Ratzinger für eine härtere Bestrafung der Täter eingesetzt. 2010 aber kam es gewissermaßen zu einer Explosion, die den Pontifikat dieses absolut integren Papstes verdunkelte. 

Für die Gegner und Feinde war es die Gelegenheit, die katholische Kirche, den Fels in der Brandung der modernen Zeit, anzugreifen und ihre moralische Autorität in den Dreck zu ziehen. Daß es auf der evangelischen Seite genau so schlimm war, wurde einfach ignoriert, denn die evangelische Kirche war ja zeitgeistkonform, vor allem im Hinblick auf die Sexualmoral.

Nicht unerwähnt bleiben soll, was alles in staatlichen Heimen passierte. Und schließlich mußten auch die Grünen zugeben, was alles unter dem Deckmantel einer repressionsfreien Erziehung an Unsittlichem und Verbrecherischem geschehen war. Daniel Cohn-Bendit mußte in Frankreich seine Kandidatur für das Europa-Parlament zurückziehen, als bekannt wurde, daß er in einem Kinderladen in Frankfurt Kinder mit seinem Penis spielen ließ.

Zum Schluß noch zwei kleinere Korrekturen. Fabius Maximus cunctator hat Hannibal nicht besiegt. Das blieb Scipio Africanus in der Schlacht bei Zama 202 v.C. vorbehalten. Fabius hat als dictator nach der verheerenden Niederlage bei Cannae 216 die militärische Lage für Rom stabilisiert, indem er konsequent Hannibal ausgewichen ist (S. 266). Ein Priester gelobt keine Armut, das bleibt dem Ordensmann vorbehalten (S. 351).

Zwei Päpste haben mir eine große Wohltat erwiesen: Johannes Paul II. hat  mich zum Ritter des päpstlichen Silvesterordens ernannt, und Franziskus hat mir und meiner Ehefrau zur Goldenen Hochzeit den Apostolischen Segen erteilt. Die Urkunde hängt, golden eingerahmt, in unserem Wohnzimmer.

Umso mehr bedaure ich, daß Franziskus mit unbedachten Äußerungen Anstoß erregt. Vor wenigen Jahren sprach er davon, Eltern könnten ihre Kinder körperlich züchtigen, und die Beleidigung der Mutter könne sogar mit einem Fausthieb geahndet werden. Ich habe das damals noch in einem ausführlichen Schreiben an die Vorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands, Frau Marie-Theres Kastner, als Ausdruck der argentinischen Kultur verteidigt.

Aber Flüchtlingslager in der EU als Konzentrationslager zu schmähen, das ist nicht mehr zu verteidigen. Offensichtlich weiß er nicht, welche Erinnerungen der Begriff Konzentrationslager in Europa hervorruft. Zum Glück ist das mediale Echo auf diese Entgleisung relativ gering, weil sich Franziskus großer Sympathien in der Öffentlichkeit erfreut. Es tut der Kirche gut, daß sich die Sympathien für den Papst nicht auf die katholische Welt beschränken, sondern sich auch auf die Protestanten, ja auf die ganze Welt erstrecken.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Heinz Althaus

 


Realsatire: Roman über die Inszenierung einer Marienerscheinung in Grauenfels

Rezension von Cordula Mohr

Dieses Buch „Das Wunder von Grauenfels“ von Viktoria Benjamin ist bereits verfilmt worden. Der Roman aus dem Lübbe-Verlag liefert auch den komödialen Lesestoff für diesen Spielfilm.

Die Autorin bietet jedoch mehr als nur eine Ansammlung sketschreifer Gags, sondern auch aufschlussreiche Beobachtungen über Menschen und besonders Pilger an einer Erscheinungsstätte.
.
Doch zunächst muss die bislang recht öde Ortschaft namens Tatenbeck/Grauenfels zu einem solch vielbesuchten Wallfahrtsort „gemacht“ werden. Dafür sorgt die PR-Agentur „Bin Gin“ mit dem Einfall und der Umsetzung, dort eine Marienerscheinung zu inszenieren. Die beiden Public-relation-Damen suchen sich aus dem Ort die nötigen Personen und talentierten Seherinnen heraus.
 .
Es ergibt sich dadurch ein Komplott zwischen angesehenen, eingeweihten Leuten und den Seherfamilien. Den Visionärinnen Sophie und Claudia wird eine Schauspiel- und eine Tanzkarriere im Ausland garantiert, wenn sie eine Zeitlang ihre „Marienerscheinungen“ vortäuschen. Alles läuft zunächst nach Plan, abgesehen von einem kleinen Jungen, der sich eigenwillig in die Ereignisse einbringt.
 .
Zudem mischt sich der Journalist Ruben von der Zeitschrift „Die Lupe“ zunächst unter den Pilgerstrom, der schon nach den ersten Erscheinungen losbricht.
 .
Das Buch beschreibt sehr eindrucksvoll und augenzwinkernd, warum sich Menschen zu solch sensationsträchtigen Orten aufmachen. Viele erwarten dort eine Heilung oder sonst ein Wunder. Diese geschehen dann auch, nachdem eine Quelle freigelegt wird und dieses Wasser von der Erscheinungs-Madonna sofort als Heilungswasser bestimmt wird. Die Botschaften der „Mother Mary“ werden absichtlich banal und theologisch nicht haltbar formuliert.
 .
Die katholische Kirche mischt sich daraufhin ein und schickt Geistliche zu den  Seherkindern, um diese zu verhören. Einer dieser Priester will mit einem Sehermädchen anbändeln. Insofern gibt die Autorin dem Klerus einen gewissen Seitenhieb, wenngleich nur in einer kurzen Episode.
Immer wieder beschreibt die Verfasserin einige Paralellen zu bekannten Wallfahrtsorten. Die PR-Damen übernehmen gewisse Eigentümlichkeiten aus Fatima, Lourdes und Medjugorie sowie einigen weiteren Erscheinungsstätten.
 .
Der einst trostlose Ort Tatenbeck/Grauenfels blüht auf  –  und alles scheint bestens zu laufen, wenn sich nicht der Reporter von der „Lupe“ sehr kritisch mit dem Geschehen auseinandersetzen würde. Er fängt an, intensiv nachzuforschen und stößt auf Neider der ehemaligen Theatergruppe einer Seherin. Damit beginnt in dem Buch die Spannung, ob sich die Erscheinungsgeschichte halten kann.
 .
Es ist ein schwungvoll und mit Humor, teils auch mit Klamauk geschriebener Roman, was Erscheinungskritiker über leichtgläubige Zeitgenossen schmunzeln lässt. Auch die Kraftanstrengungen der Bin-Gin-Agentur sind bisweilen chaotisch und dadurch filmreif.
 .
Unsere Autorin Cordula Mohr ist mehrfache Familienmutter aus Rheine und sie leitet die ALfA-Lebensrechtsvereinigung im Nordmünsterland