Der neue Selige Vladimir Ghikas: Prinz – Priester – Judenretter – Märtyrer

Vladimir Ghikas (siehe Foto) war ein orthodoxer Fürst, der katholisch wurde und sich großherzig für Kranke, Armen und Inhaftierte einsetzte. Papst Pius XI. bezeichnete ihn bereits als „großen apostolischen Vagabunden“. Selbst der japanische Kaiser bat ihn um einen Segen.

Das kommunistische Regime empfand ihm gegenüber eine so große Furcht, dass er im hohen Alter von fast 80 Jahren gefangengenommen wurde. Halbnackt ließ man ihn auf der Krankenstation des Gefängnisses zurück, wo er am 16. Mai 1954 verstarb. Am Samstag, den 31. August 2013, wurde in Bukarest seine Seligsprechung gefeiert.

Die Rede ist von Vladimir Ghika; der Konvertit war Priester, Beichtvater, geistlicher Berater, Wissenschaftler und Diplomat.

Sein Großvater Gregorio Ghika X. war der letzte regierende Fürst in Moldawien. Sein Vater wirkte zunächst als Verteidigungsminister und Außenminister Rumäniens und später als bevollmächtigter Minister beim Sultan in Konstantinopel, in Wien, Rom und Sankt Petersburg, Russland.

Seine Mutter Alessandrina Moret de Blaremberg war eine vornehme französische Adelige.

Vladimir erblickte am Heiligen Abend 1873 in Konstantinopel das Licht der Welt. Dort wurde er sofort in der orthodoxen Kirche getauft und gefirmt. Nach Frankreich und Rom führten ihn Reisen und Studienaufenthalte. Trotz des Drucks seitens der Familie trat er am 15. April 1902 mit 28 Jahren zur katholischen Kirche über.

Nach seinen bereits abgeschlossenen Studien der Philosophie und der Rechtswissenschaften absolvierte er noch ein Theologiestudium, um katholischer Priester werden zu können.

Kostenloses Krankenhaus gegründet

Nach seiner Rückkehr nach Rumänien widmete er sich den Werken der Barmherzigkeit. So eröffnete er das erste kostenlose Krankenhaus Bukarests, rief das Sanatorium „San Vincenzo de Paoli“ ins Leben und gründete eine Erstehilfe-Station. Während der Balkankriege des Jahres 1913 kümmerte er sich um die Kriegsverletzten und leistete den Cholerakranken Beistand.

Am 7. Oktober 1923 empfing Ghika durch Kardinal Guillaume Dubois, dem Erzbischof von Paris, das Sakrament der Priesterweihe. Kurze Zeit später erhielt er vom Papst die Genehmigung zur Messfeier nach dem byzantinischen Ritus. So erhielt er als erster Priester das Privileg, nach beiden Riten zu zelebrieren.

Ghika wurde in Paris zum Rektor der „Ausländerkirche“ ernannt und zog nach Villejuif, an den gefährlichsten Teil der Peripherie der französischen Hauptstadt. Seine Ankunft wurde von Protesten und Beschimpfungen begleitet. Er wurde geschlagen und mit Steinen beworfen, doch er ertrug alles mit Geduld und Ausdauer. 

Während des Zweiten Weltkrieges blieb er in Rumänien, um den Armen und Kranken weiterhin nahe sein zu können. Ghika besuchte die Inhaftierten des Gefängnisses an der Peripherie Bukarests. Er setzte seinen Einfluss bei den Behörden für die Rettung zahlreicher Juden vor der Deportation durch die Nazis ein. Über den Apostolischen Nuntius ersuchte er die USA während der Hungersnot von 1946 um Hilfe durch Zusendung von Lebensmitteln. Auf seine Veranlassung wurden die Hilfsgüter auch an die orthodoxen Klöster von Moldawien verteilt.

Kommunisten führten Nazi-KZs weiter

Auch nach der Einsetzung der kommunistischen Herrschaft blieb der Selige in Rumänien. Die sechs griechisch-katholischen Bischöfe wurden gefangen genommen: fünf starben im Gefängnis, nur einer überlebte die 22-jährige Inhaftierung. Dasselbe Schicksal ereilte die etwa 600 katholischen Priester. Eineinhalb Millionen Rumänen wurden verhaftet. Die von den Nationalsozialisten eingerichteten Konzentrationslager wurden unter den Kommunisten neu eröffnet.

Am 18. November 1952 wurde Msgr. Ghika im Alter von 79 Jahren verhaftet. Er wurde seiner Kleider beraubt und beinahe ein Jahr lang, lediglich seine Unterbekleidung tragend, der Kälte ausgesetzt.

Er wurde fast 80 nächtlichen Befragungen unterzogen, verlor infolge von Schlägen das Augenlicht und Gehör und erlitt Folterungen mit elektrischem Strom. Ziel war sein Verzicht auf die Einheit mit Rom. Trotz seines Alters und seiner körperlichen Schwäche blieb er stets standhaft.

In der 30 Quadratmeter großen Zelle befanden sich weitere 44 Häftlinge. Er fungierte als Zuhörer, Beichtvater und Helfer beim Gebet. Mit jedem, der dies wünschte, betete er den Rosenkranz; mit anderen ging er den Kreuzweg durch. An die Schwächsten verteilte er die Hälfte seiner kärglichen Lebensmittelration. Hunger und Kälte ausgesetzt,  zudem ohne medizinischen Beistand wurde er am 16. Mai 1954 auf die Krankenstation gebracht, wo er allein und halbnackt entschlief.

Ein Zeuge sagte über ihn: „Für ihn existierten die Gefängnismauern nicht. Er war innerlich frei, da er den Willen Gottes verwirklichte.“

Quelle: Antonio Gaspari in ZENIT.org