Klarstellungen zum Hexenwahn in Europa

Von Felizitas Küble

Beim Dauerbrenner Hexenverfolgung gibt es gerade in Deutschland viele Vorurteile jenseits der Fakten.

So denken die meisten Leute dabei an das „finstere“ Mittelalter, in Wirklichkeit handelt es sich weitgehend um ein Phänomen der Neuzeit  – in Europa bis tief ins 18. Jahrhundert hinein. Zwar gab es im späten Mittelalter bereits Hexenverbrennungen, aber nicht als derart massenhaftes Geschehen wie später.

Es gab mit dem frühmittelalterlichen „Canon Episcopi“ aus dem 10. Jahrhundert sogar ein kirchenrechtliches Gesetz, das nicht nur die Hexenverfolgung, sondern sogar den Hexenwahn an sich verurteilte und mit Bußstrafen belegte. Dieses Rechtsordnung behielt 1000 Jahre lang ihre amtliche Gültigkeit bis zum neuen CIC-Kirchenrecht von 1918. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/04/13/aufgeklaertes-mittelalter-der-kanon-episcopi-warnte-eindringlich-vor-dem-hexenwahn/)

Ebenso falsch ist die Vorstellung, es handle sich dabei um eine typisch katholische Problematik. Im Gegenteil waren die protestantischen Herrschaftsgebiete (evangelische Fürsten) insgesamt weitaus stärker vom Hexenwahn betroffen. Alle Reformatoren, vor allem Calvin, befürworteten die Hexenverfolgung, Calvin hat sie in Genf sogar persönlich und systematisch vorangetrieben.

Unrichtig ist auch die weitverbreitete Meinung, es seien fast nur Frauen betroffen gewesen. In Wirklichkeit wurden auch angebliche Zauberer bzw. Hexenmeister verbrannt. Der mehrheitliche Anteil von Frauen beschränkt sich weitgehend auf Deutschland. In Estland und Island wurden mehr Männer als Frauen Opfer des Hexenwahns.

Weitere fundierte Infos gibt es dazu von Dr. Josef Bordat: https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/29/dauerbrenner-hexenverfolgung-fakten-statt-legenden/

Zudem hat sich Prof. Dr. Andreas Resch mit dem Thema befaßt und schreibt u.a.:

„Die Opfer der Hexenverfolgung beliefen sich nicht auf 8 bis 9 Millionen Personen, wie die NS-Propaganda vermutete, sondern auf ca. 50.000 auf dem Gebiet des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation in den 350 Jahren europäischer Hexenverfolgung (1430 – 1780).

Dabei waren die Opfer zwischen protestantischen und katholischen Gebieten ungleich verteilt  –  mit etwa 10.000 Opfern auf katholischer Seite.

Die Inquisition war lediglich an einigen hundert der über drei Millionen Hexenprozesse (Schuldspruchquote: 1,5 Prozent) beteiligt. Diese fanden zudem vor weltlichen Gerichten statt. Die Inquisition interessierte sich hauptsächlich für Ketzer, nicht für Hexen.

Im katholischen Spanien gab es wegen der Inquisition keine Hexenverfolgung und in Italien sorgte die Inquisition dafür, dass so gut wie keine Hexe verbrannt wurde…

Die Inquisitoren hatten den Auftrag, verdächtige Personen ernsthaft zu prüfen, zurechtzuweisen, zu inhaftieren und zu bestrafen, nicht aber, sie zu verbrennen. In der Praxis hat dies den Hexenwahn eher gemindert als befördert.“ (Quelle: https://www.imagomundi.biz/hexenverfolgung-2/)


SELK spricht sich gegen Interkommunion aus

Die theologisch konservative „Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK)“ orientiert sich strikt an Luthers Abendmahlsverständnis, das von der Realpräsenz Christi ausgeht und sich von daher deutlich vom reformierten Standpunkt Calvins und Zwingli sowie vom liberalen Protestantismus der EKD unterscheidet. Daher widerspricht die SELK den immer lauter werdenden Forderungen nach einer „Abendmahlsgemeinschaft“ bzw. Interkommunion zwischen den Konfessionen.

In diesem Sinne übermittelte die SELK per Newsletter heute die folgende Pressemitteilung:

„Lutherisch ist anders“ lautet ein Beitrag von Superintendent Wolfgang Schillhahn (Oberursel) von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), der am 25. Juni in dem Internetmagazin http://www.kath.net (Linz/Österreich) veröffentlicht wurde (http://www.kath.net/news/64230).

Anlass für diesen Beitrag des Verfassers war eine Veröffentlichung von Claudia Sperlich auf den Seiten von www.kath.net vom 12. Juni (http://kath.net/news/64081), in dem sie sich mit dem Abendmahlsverständnis der evangelischen und römisch-katholischen Kirche auseinandersetzt.

Sperlich spricht dabei sehr undifferenziert von „Protestanten und Katholiken“ und beschreibt dann doch die Lutheraner als Christen, bei denen es „vom persönlichen Glauben“ abhänge, „ob Brot und Wein gewandelt wird.“ Sehr klar spricht sie von der Realpräsenz des Leibes und Blutes Christi in der Eucharistie und folgert: „Katholiken und Protestanten haben ein so unterschiedliches Verständnis von Eucharistie bzw. Abendmahl und von Sakramenten, daß eine gemeinsame Kommunion nur durch geistige Verbiegung möglich ist.“

Schillhahns Anliegen ist es, in seinen Anmerkungen zu diesem Beitrag darauf hinzuweisen, dass die möglichst vorurteilslose Information über Lehre und Leben der jeweils anderen Konfession unerlässliche Voraussetzung für jedes ökumenische Gespräch ist. Da gebe es auf allen Seiten immer noch viel zu tun.

Besonders im sensiblen Abendmahlsgespräch müssten die verschiedenen Bekenntnisse innerhalb des protestantischen Kirchenbundes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beachtet werden.

Damit römisch-katholische Christen eine kleine Vorstellung davon bekommen, was unter dem Dach „Protestanten“ möglich ist, stellt Schillhahn das lutherische Abendmahlsbekenntnis des lutherischen Augsburger Bekenntnisses dem reformierten Heidelberger Katechismus gegenüber.

Er stimmt mit Claudia Sperlich darin überein, dass hier unüberbrückbare Positionen deutlich werden und weist zugleich darauf hin, dass die lutherische Kirche, wie sie etwa die SELK darstellt, zwischen der römisch-katholischen Kirche und den evangelischen Landeskirchen eine eigene Position einnimmt.

Schillhahn warnt davor, das eine voreilige Abendmahlsgemeinschaft unter konfessionsverschiedenen Kirchen das weitere abendmahlstheologische Gespräch verhindere „und uns am Ende mit einer frommen, kernlosen Zeremonie“ zurücklasse, „die uns vorenthält, was uns der Herr Christus in der Nacht des Verrats bereitet hat: das Sakrament seines wahren Leibes und Blutes, das uns Vergebung, Leben und Seligkeit schenkt.“

Der SELK-Superintendent schreibt weiter:

„Ich kann mit allen Christen Gottesdienst feiern. Abendmahlsgemeinschaft aber setzt Kirchengemeinschaft voraus und duldet keine theologischen Vorbehalte gegen die Kirche, die mir das Hlg. Mahl reicht. Wir haben noch viele theologische Fragen aneinander.“