Irakische Regierung dankt Papst Franziskus

Das irakische Außenministerium dankt Papst Franziskus „und dem Vatikan“ für die „kontinuierliche Unterstützung“ für den Irak und das irakische Volk „in diesem entscheidenden Moment für Frieden und Koexistenz“.

Als eine solche Geste der Unterstüzung wertet der irakische Außeninister auch die Ernennung des irakischen Patriarchen Raphael Louis Sako Mar I. zum Kardinal.

Die Aufnahme des chaldäischen Patriarchen in das Kardinalskollegium wertet die irakischen politische Führung auch als Anerkennung seiner humanitären Initiativen. Mit dem künftigen irakischen Kardinal werde der Irak „eine Stimme im Vatikan und in internationalen Gremien“ haben, um den „Kampf gegen den Terrorismus“ fortzusetzen und „die religiöse Vielfalt des Landes zu erhalten“.

Quelle: Fidesdienst


IRAK: Dringlicher Appell von Louis R. I Sako, chaldäischer Patriarch von Babylon

Die Christen des Irak stehen vor einer Tragödie ungeheuren Ausmaßes

An Seine Heiligkeit Papst Franziskus,OTHER1174553_Articolo
an die ehrwürdigen Patriarchen der Ostkirchen,
an die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen

5. August 2014

Nur mit den Kleidern, die sie am Leibe trugen, sind die Christen von Mossul (Provinz Niniveh, Irak) voller Entsetzen aus der Stadt geflohen. Ihre Kirchen wurden geschändet.

Am 2. August kam es zu einem Massenexodus aus den Dörfern Telkev, Batnaya und Telleskuf, als die Kunde, die Kleinstadt Sinjar sei zusammen mit benachbarten Dörfern gefallen und es seien 70 Personen massakriert worden, eine Panik auslöste.

Am Montag, dem 4. August, begann die ISIL mit der Bombardierung des Dorfes Telkef, wobei ein junger Christ getötet wurde.

Aus der Schilderung dieser Situation wird deutlich, dass zwischen der Zentralregierung und der Regierung der kurdischen Region so gut wie keine Zusammenarbeit mehr besteht – zumal sich die neue Regierung noch in der Bildungsphase befindet

Was die politischen Parteien angeht, so haben diese in jeglicher Hinsicht versagt, und zwar aus Gründen, die jedem Einzelnen wie auch den Parteien selbst nur zu gut bekannt sind.

„Druck auf die internationale Staatengemeinschaft ausüben“

Die Kirche hingegen ist sich vollkommen selbst überlassen, mehr noch als je zuvor. Dennoch ist es dringend erforderlich, dass die Kirchenführer, bevor es zu spät ist, den nötigen Druck auf die internationale Gemeinschaft und auf andere Entscheidungsträger ausüben, wenn es um grundlegende Reaktionen auf die skandalösen Verbrechen und die zerstörerischen Komplotte geht, unter denen in erster Linie unbewaffnete Bürger im Irak, in Syrien und in Palästina/Gaza zu leiden haben. Scannen0001 (22)

Es sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Motivation für all diese Morde die Gier nach Bodenschätzen wie Öl oder Gas ist. Wie sonst ließe sich dieser Krieg erklären, der auf so seltsame Weise radikalisiert worden ist, als folge er einem raffiniert ausgeklügelten Plan, und bei dem nicht im Geringsten auf das Schicksal der Menschen Rücksicht genommen wird.

„Schockiert, daß muslimische Führer keine eindeutige Stellung beziehen“

Nicht weniger schockiert und entrüstet sind wir darüber, dass die Muslime und ihre religiösen Führer keine eindeutige Stellung beziehen, nicht zuletzt da das Vorgehen dieser Splittergruppen auch für die Muslime selbst eine Bedrohung darstellt.

Ansprachen sind nutzlos, ebenso Erklärungen, in denen abermals Verurteilungen ausgesprochen werden und Empörung beteuert wird. Gleiches gilt für Protestmärsche. Weiterhin muss gesagt werden:

Obwohl wir die Großzügigkeit von Menschen, die uns Geld spenden, zu schätzen wissen, sind wir der Ansicht, dass die Lösung unserer aktuellen Probleme nicht in Spendenaktionen und anderen Maßnahmen zur Geldbeschaffung liegt. Wir müssen ein groß angelegtes politisches Vorgehen auf internationaler Ebene fordern.

„Gefragt sind handfeste Aktionen“

Angesichts des grundlegenden menschlichen Prinzips, das hier im Spiel ist, muss eine Gewissensposition bezogen werden: Gefragt sind handfeste Aktionen und konkrete Solidarität, denn wir sehen uns mit einer Krise konfrontiert, die unsere schiere Existenz bedroht. Wir stehen vor der Frage „sein oder nicht sein“.

Dieser Appell kommt aus tiefstem Herzen, denn wir suchen nach einer Lösung, die einzig in den Händen der internationalen Gemeinschaft und insbesondere der Großmächte liegt.

Wir appellieren aufrichtig an deren Gewissen und fordern sie auf, ihre Positionen zu überdenken und die Auswirkungen der aktuellen Situation neu zu bewerten.

Die angesprochenen Mächte tragen eine menschliche und eine moralische Verantwortung. Es ist nicht mehr vertretbar, doppelte Standards anzulegen. Wir fordern diese Mächte auf, von ihren engstirnigen Interessen Abstand zu nehmen und sich mit vereinten Kräften für eine politischen und Frieden schaffende Lösung einzusetzen, die den aktuellen Konflikt beendet.

„Quellen von Hass und Radikalisierung austrocknen“

Die angesprochenen Mächte müssen unnachgiebigen Druck auf diejenigen ausüben, die die beteiligten Splittergruppen finanziell unterstützen und militärisch ausbilden, und dadurch die Quellen von Hass und Radikalisierung austrocknen.

Was die Christen im Irak und unsere Seelsorgepflicht ihnen gegenüber angeht, so appellieren wir ebenfalls an die internationale Gemeinschaft: Unsere Christen benötigen dringend humanitäre Hilfe, denn sie bedürfen eines wirksamen, wahrhaftigen und dauerhaften Schutzes, der ihnen versichert, dass ihre so tief im Irak verwurzelte Existenz nicht an ein Ende gelangt.

Das betrifft auch Christen in anderen Regionen des Nahen Ostens, die im Kreuzfeuer stehen und auseinandergerissen werden.

„Wir durchleiden eine fürchterliche Tragödie“

Wir appellieren auch an unsere Brüder und Schwestern in aller Welt, dass sie in dieser Zeit, da wir diese fürchterliche Tragödie durchleiden, in Solidarität fest an unserer Seite stehen und dass sie dieses solidarische Empfinden mit uns teilen, denn wir gehören alle zu derselben Familie

Was wir brauchen, ist eine Verbundenheit der Herzen, sind die Gebete mit unseren Gläubigen in dieser Zeit der Heimsuchung, so wie wir es beim Besuch einer Delegation der französischen Bischofskonferenz unter der Leitung Seiner Eminenz Kardinal Philippe Barbarin, des Erzbischofs von Lyon, erfahren haben.

Wir glauben weiterhin an Dialog, Gedankenaustausch und friedvolles Zusammenleben.

Möge Gott uns die Gnade erweisen und die Möglichkeit gewähren, diese Belastungsprobe zu bestehen. Möge ER Hass und Gewalt aus allen Herzen tilgen. In gemeinschaftlichem Gebet umfassend verbunden,

Louis Raphael I Sako
Patriarch von Babylon und der Chaldäischen Kirche
 
Übersetzung: Ingo Potthast
 

1. Foto: Radio Vatikan / 2. Bild: Evita Gründler