Die Foyers de Charité distanzieren sich von Marthe Robins Seelenführer George Finet

Von Felizitas Küble

Mehrfach haben wir in den letzten Jahren kritisch über die französische „Seherin“ Marthe Robin berichtet, die angeblich stigmatisiert war und viele zukünftige Ereignisse vorausgesehen haben will: https://charismatismus.wordpress.com/2019/03/07/die-st-johannes-gemeinschaft-ist-mit-sexaffaeren-ihres-gruendervaters-belastet/

Umso mehr darf man sich wundern, daß die katholische Visionärin in eigener Sache derart blind war, denn sie inspirierte Anfang der 70er Jahre mehrfach zur Gründung charismatischer Gemeinschaften, deren auffälliges gemeinsames Merkmal darin besteht, daß es dort seitens der geistlichen Leitung besonders häufig zu sexuellen Übergriffen kam – und zwar teils auch an Kindern und Jugendlichen.

Diese Problematik betrifft z.B. die schwarmgeistige „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ wie auch die eher mystisch-spirituell geprägte „St.-Johannes-Gemeinschaft“ bzw. die „Brüder vom Hl. Johannes“, beides französische Gründungen mit Zweigstellen auch in deutschsprachigen Ländern und teils weltweiten Niederlassungen.

Nun ist inzwischen sogar der GAU eingetreten bzw. noch Schlimmeres enthüllt worden, denn diesmal geht es nicht nur um Vereinigungen, die von der Seherin inspiriert und gefördert wurden, sondern um die von ihr selber gegründete Gemeinschaft der Foyers de Charité  – also jener „Häuser der Nächstenliebe“, in denen bis heute in weltweit 78 Niederlassungen vor allem Exerzitien und Seminare stattfinden, so daß der breitgefächerte Teilnehmerkreis weit über die eigenen unmittelbaren Anhänger hinausgeht.

BILD: Französische Biographie über Marthe Robin

Bereits im Vorjahr gab es dutzende Vorwürfe gegen den 1990 verstorbenen Pater George Finet, jahrzehntelanger Seelenführer von Marthe Robin und eine Art „Schutzpatron“ und vielverehrtes Idol der internationalen Foyers de Charité.

Daraufhin setzte die von Marthe Robin gegründete Gemeinschaft eine unabhängige Untersuchungskommission ein, die den Sachverhalt inzwischen bestätigte. Anfang Mai 2020 distanzierte sich die Leitung der Foyers von Pater Finet, der jahrzehntelang geistlicher Führer dieser Laienvereinigung war.

In einer Pressemitteilung heißt es, man stehe „unter Schock“, denn es seien 26 sexuelle Übergriffsopfer identifiziert worden und man verurteile ohne Wenn und Aber die Handlungen des Geistlichen, „die ernsthaft gegen das Gesetz und den Respekt vor den Menschen verstoßen“ hätten.

Wenn es nur „das“ wäre:

Die meisten dieser verbalen bzw. oft auch körperlichen sexuellen Belästigungen  – wenngleich keine Vergewaltigungen –  des vielverehrten Paters, zu dessen Beerdigung fünftausend Personen gekommen waren, geschahen der hauseigenen Stellungnahme zufolge ausgerechnet während des Sakraments der Beichte – und zudem meist bei kindlichen Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren, die meist zu den Niederlassungen der Gemeinschaft gehörten.

Damit hatte der Pater sowohl geistlichen wie auch sexuellen Missbrauch begangen, da er zusätzlich seine priesterliche Autorität missbrauchte.

In solchen Fällen stellt sich immer die Frage: Wie konnte es soweit kommen?!

Wie war bis zu Tod des angesehenen Paters dieser jahrzehntelange Missbrauch möglich, ohne daß jemand etwas bemerkt haben wollte?

Die Antwort ist meist relativ einfach und fast immer dieselbe:

1. Solche Gründerfiguren scheinen über eine besondere „Aura“, ein spezielles Charisma zu verfügen, das nicht infrage gestellt wird, ist es doch der Ast, auf dem das neue Werk sitzt.

2. Wenn es sich um eine charismatische und/oder erscheinungsbewegte Gemeinschaft handelt, ist die Gefahr noch größer, denn die Leitungsperson scheint dem Allmächtigen gleichsam auf dem Schoß zu sitzen, erhält Inspirationen direkt „von oben“ und verfügt über besondere Geistesgaben und „Charismen“ etc.-  Es handelt sich quasi um einen „Propheten“, den man selbstverständlich in seinem Ansehen nicht „antasten“ darf….

3. In diesem Falle war der Geistliche auch noch jahrzehntelanger Vertrauter und Seelenführer der „stigmatisierten“ und visionär erfahrenen Marthe Robin, um die sich seit langem ein besonderer Kult etabliert hat – und zwar keineswegs auf Frankreich beschränkt. Vor allem marianische Kreise fühlen sich zu ihr hingezogen, denn Marthe erhielt  – eigenen Angaben zufolge  –  zahlreiche Botschaften der himmlischen Jungfrau Maria und sie propagierte die „Marienweihe“ nach Ludwig von Montfort.

Somit liegt es auf der Hand, wo der Hund bzw. Autoritätsmissbrauch begraben liegt: in dem verstiegenen Anspruch des Leiters samt seiner Gemeinschaft, unter einem ganz besonderen Segen Gottes zu stehen, sozusagen ein direktes Werk des Allmächtigen zu sein. 

Speziell problematisch ist ohnehin vielfach die Konstellation eines „Teamworks“ zwischen einer „Begnadeten“ und ihrem Beichtvater. Es wird zwar gerne gesagt, eine Seherin benötige doch einen dauerhaften Seelenführer, damit ihre Visionen gewissermaßen unter eine kirchliche Kontrolle kämen, was an sich zu wünschen ist, damit die Sache nicht völlig phantasievoll ausufert.

Aber wenn der Herr Beichtvater wie so häufig in diesen Fällen unkritisch ist  – sei es, weil er sich geschmeichelt fühlt, Seelenführer einer „Begnadeten“ zu sein, sei es, weil er einer gefährlichen religiösen Neugier hinsichtlich besonderer „Offenbarungen erliegt – dann handelt es sich  nicht um ein kirchliches Grenzensetzen, sondern um das glatte Gegenteil: Der Beichtvater und die Seherin bestätigen sich ständig gegenseitig – und das von ihnen gegründete Werk befindet sich voll in diesem Banne. 

Auf dem erscheinungsbewegten und charismatisch geprägten Portal „Kathpedia“ (einer Nebenabteilungn von „kath.net“) heißt es denn auch wohlwollend:

„Der Grundstein für die Entstehung der Foyers de Charité wurde in Frankreich beim ersten Treffen zwischen Marthe Robin und Père George Fines am 10. Februar 1936 in Châteauneuf de Galaure gelegt. Die Gründung der Foyers de Charité basierte auf einer Intuition, einer göttlichen Inspiration, welche Marthe Robin an Père Finet mitteilte. Sie kündigte Père Finet ein „neues Pfingsten der Liebe” an, bei dem so genannte „Foyers de Lumière, de Charité et d’Amour” einen wichtigen Beitrag leisten sollten.“        (Quelle http://www.kathpedia.com/index.php?title=Foyers_de_Charit%C3%A9)

Natürlich findet sich in diesem Kathpedia-Beitrag bis heute kein kritisches Wort über den seit über einem Monat bekannten Super-GAU in puncto Pater Finet.

Der weltweite Generalsekretär der Foyers, Thierry Coustenoble, erklärte hingegen inzwischen sehr nüchtern:  „Pater Finets Aura und unsere Verehrung haben zweifellos unseren kritischen Geist gegenüber ihm gemindert.“

Dieser Personenkult um charismatische Gründerfiguren hat sich einmal mehr als verhängnisvoll erwiesen, denn selbstverständlich begünstigt eine solche Schwärmerei das Doppelleben von Tätern im geistlichen Gewand.

Die Foyers haben inzwischen eine theologische Kommission eingerichtet, die des Paters Lehren im Lichte dieser „Geschehnisse“ untersuchen soll.

Dies ist besonders nötig, denn es genügt keineswegs, die Vorgänge allein als persönliches Versagen einer leitenden Person zu betrachten – vielmehr gehört auch dessen „Spiritualität“ unter die Lupe, seine theologische Linie und seine besonderen religiösen Vorlieben etc.

 

 


Augsburg: Ernannter Bischof Meier zum „Gebetshaus“ und zur MEHR-Konferenz

Am Samstag, dem 6. Juni 2020, wird der vom Papst zum Oberhirten von Augsburg ernannte Geistliche Bertram Meier zum Bischof geweiht. Der Termin war wegen der Corona-Pandemie verschoben worden. Der 59-Jährige kommt selber aus dem Bistum Augsburg und wird das südbayerische Bistum zukünftig leiten.

Auf der amtlichen Seite „Katholisch.de“ wurde heute in Interview mit ihm veröffentlicht: https://www.katholisch.de/artikel/25653-bertram-meier-vor-bischofsweihe-manchen-muss-ich-wohl-wehtun

Darin wird der ernannte Bischof auch über das charismatische Gebetshaus Augsburg befragt, das der katholische Theologe Dr. Johannes Hartl leitet. Er organisiert teils jährlich, teils zweijährlich die mit ca 10.000 Teilnehmern besuchte MEHR-Konferenz (siehe hierzu unsere kritischen Berichte: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/gebetshaus-augsburg-j-hartl/).

Betram Meier äußert sich folgendermaßen zu MEHR und Co.:

„Einerseits sind die Zahlen der Leute beeindruckend, die Johannes Hartl versammelt. Andererseits frage ich mich, wie nachhaltig ein Event wie die „Mehr“ ist.

Zudem sehe ich bei Hartl eine Schwebe in seinen theologischen Äußerungen. Er verortet sein Wirken mal als überkonfessionell, mal als ökumenisch. Das ist aber nicht dasselbe. „Überkonfessionell“ ist mir zu unverbindlich, erinnert an Freikirche.“

Sodann erklärt der Bischof, er hoffe auf ein „ehrliches und konstruktives Miteinander“ und fügt hinzu:

„Jedenfalls wollen wir uns als Diözese vom Gebetshaus nicht instrumentalisieren lassen. Wir müssen im Gespräch bleiben, um der Menschen willen einander im Blick behalten und darauf achten, dass aus dem Gebetshaus nicht eine neue Art von Kirche entsteht.“


Hesemann wirbt wieder für Heroldsbach

Von Felizitas Küble

Der katholische Schriftsteller und Historiker Dr. h.c. Michael Hesemann schaukelt nach wie vor in schillerender Weise zwischen Glaube und Aberglaube hin und her.
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Hatten es ihm früher etwa die UFO-Phänomene angetan, so waren es danach und bis heute vor allem wundersame religiöse Geschehnisse und inbesondere Marienerscheinungen, wobei es für den schreiblustigen Autor keine ernsthafte Rolle spielt, ob die betreffenden Privatoffenbarungen kirchlich anerkannt sind oder nicht.
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Von Garabandal über Sievernich bis hin zu Heroldsbach wird alles Mögliche und Unmögliche gerne bejubelt  – wobei zu beachten ist, daß gerade die „Marienerscheinungen“ in der fränkischen Ortschaft Heroldsbach besonders strikt abgelehnt wurden – bis hin zur Exkommunikation der Sehermädchen in den 50er Jahren.
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Das kirchliche NEIN   – das vom Bamberger Ortsbischof bis hinauf zu Papst Pius XII. reichte  –  war auch inhaltlich-theologisch berechtigt. Wir haben dies mehrfach ausführlich begründet, u. a. mit einem Beitrag des Priesters Prof. Dr. Albert Mock:  https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/heroldsbach/
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Am heutigen Dienstag (5.5.) nutzte Hesemann auf dem charismatischen Portal „Kath.net“ die Chance, seinen Nachruf auf die gestern verstorbene Philosophin Dr. Alma von Stockhausen mit seinem Plädoyer für Heroldsbach zu verknüpfen: http://www.kath.net/news/71544
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Anlaß für diese Verquickung war die Tatsache, daß die hochbetagte Professorin ihre letzten Lebenswochen in dieser Pfarrgemeinde verbrachte, in welcher ihr Bruder Dietrich v. Stockhausen jahrzehntelang als Leiter des dortigen Gebetszentrums wirkte.

Eine freundliche Würdigung der zweifellos hochgradig gelehrten Alma v. Stockhausen, die ich selbst seit vierzig Jahren durch ihre Vorträge kannte, ist sicher berechtigt.

Allerdings klingen manche Passagen in Hesemanns Nachruf wie eine vorzeitige Heiligsprechung, zumal er versichert, er sei Zeit seines Lebens  „keiner weiseren, gütigeren, frömmeren, ja heiligmäßigeren Frau begegnet“: „Sie lebte und starb wie eine Heilige“ und sei daher jetzt „zum HERRN heimgekehrt“, wo sie die „Wahrheit Gottes schaut“.

Am Schluß nutzt der Verfasser die Gelegenheit, erneut auf Heroldsbach zu verweisen: „…dort, wo sich zwischen 1949 und 1952 der Himmel weit öffnete und den sieben Sehermädchen die Gottesmutter, Christus und viele Heilige und Engel erschienen“.

Davon kann in Wirklichkeit keine Rede sein.

Derselbe Historiker, der in seinen Büchern und Vorträgen Papst Pius XII. gegen falsche Vorwürfe verteidigt (siehe Buchtitel), sollte auch zur Kenntnis nehmen, daß die Ablehnung der „Botschaften“ von Heroldsbach von Papst Pius XII. selbst approbiert (gebilligt) wurde, indem er ausdrücklich ein entsprechendes Dekret der vatikanischen Glaubenskongregation (damals „Hl. Offizium“ genannt) bestätigte.

HIER ein sachlicher, ausgewogener Nachruf auf die Philosophin: https://www.kathnews.de/ein-nachruf


Beten wir nur um Trost von oben oder auch um unsere Umkehr zu Gottes Geboten?

Von Felizitas Küble

Auf vielen Internetseiten von Pfarrgemeinden – und natürlich erst recht auf dem erscheinungsbewegten Portal „Kath.net“ – finden wir derzeit ein Gebet, das Dr. Johannes Hartl veröffentlicht hat, der katholische Theologe und Leiter des charismatisch-ökumenischen Gebetshauses Augsburg. In Münster entdeckte ich diesen Text auch in einer Kirche – als Flugblatt zahlreich ausgelegt neben Ostereiern und kleinen Kerzen.

In pfingstlerischen und charismatischen Kreisen gibt man sich gerne „prophetisch“, liebäugelt mit außergewöhnlichen „Geistesgaben“ wie etwa dem sogenannten „Wort der Erkentnis“ oder Visionen für die Zukunft.

Dabei wird gerne übersehen, daß die Aufgabe der biblischen Propheten weniger in  auffälligen „Vorhersagen“ bestand, sondern vielmehr in der kräftigen Bußpredigt. Es ging darum, die Gläubigen und erst recht die Ungläubigen zur Umkehr zu rufen, aus ihrer Gleichgültigkeit herauszureißen und immer wieder an Gott und seine Gebote zu erinnern.

Diese herbe Zeit(geist)kritik, dieser unbequeme Dienst, der oft zu Verfolgung oder gar Tod führte, war das eigentliche „prophetische“ Wirken dieser mutigen Persönlichkeiten „von Gottes Gnaden“.

Im Vergleich dazu ist es viel behaglicher, Gott und seine „Zärtlichkeit“ anzurufen, ihn um „Trost“ für uns selber zu bitten und an seine „Sanftheit“ zu appellieren.

Nicht daß dies völlig falsch wäre, nicht daß das Bittgebet an sich ein Problem wäre (ganz im Gegenteil) – aber wir wäre es, wenn auch um die eigene Umkehr gebetet würde?

Auch die Gläubigen bedürfen immer wieder eine stärkeren Neuausrichtung auf Gott und seinen Willen – und erst recht in Notzeiten sollen sie durch „Bußrufe“ zur inneren Einkehr gelangen.

Doch gerade in charismatischen Bewegungen wird zwar viel vom „prophetischen Dienst“ geredet, aber damit nur selten ein wirklicher Bußaufruf verbunden.

Das zeigt sich bei Dr. Hartls Gebet angesichts der Corona-Krise ebenfalls. Schon der erste Satz ist charakteristisch: „Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung.“

Sodann die nächsten zwei Bitten (erneut wird darin um „Trost“ gefleht): „Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Bitte tröste jene, die jetzt trauern.“

Kein Wort davon, daß Gott die Sterbenden zur Umkehr führen möge – oder sind etwa alle Todgeweihten im „Gnadenstand“ und bereit für den Himmel?

Sodann wird für Politiker und Pfleger etc. gebetet, ebenso für Menschen „in Panik“ oder mit „materiellem Schaden“. Auch hierbei ist keinerlei „Bußruf“ damit verbunden.

In diesem Seufzer-Stil geht es dann weiter: „Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen, niemanden umarmen können. Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit.“

Stellt schon der „liebe“ Gott eine gewisse Verniedlichung dar, so erst recht der „sanfte“ Gott….

Immerhin heißt es noch, daß wir „irgendwann sterben werden“ und Gott allein „ewig“ ist – aber erneut keine Bitte um eigene Heiligung und verstärkte Hinwendung zu Gott im Sinne des biblischen Wortes:

„Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit – und alles andere wird euch hinzugegeben werden.“ (Mt 6,33).

Quelle für die Zitate: https://johanneshartl.org/gebet-in-der-coronakrise/


Der ARCHE-Skandal um die Missbrauchstäter Jean Vanier und P. Thomas Philippe

Von Felizitas Küble

Er gilt als „Pionier der Inklusion“, als Vorreiter eines gemeinsamen Lebens von Behinderten und Gesunden „auf gleicher Augenhöhe“: Jean Vanier.

Die vielfach bewunderte „Lichtgestalt“ war Gründer der weltweit ausgebreiteten ARCHE-Kommunitäten, der im Vorjahr verstarb – und der jetzt wegen sexueller Übergriffe allseits kritisiert wird, auch von der eigenen Bewegung: https://www.arche-deutschland.de/uebergreifende-inhalte-und-funktionen/newsletter/news-detail/wir-sind-tief-erschuettert/

Die ARCHE gehört zu jenen „geistlichen Gemeinschaften“, wie sie in den 70er Jahren vor allem in Frankreich in zahlreichen Varianten aus dem Boden schossen, teils motiviert durch eher mystisch-spirituelle, teils durch charismatische Anführer und Ereignisse (bisweilen wirkten auch beide – ohnehin geistesverwandten – Faktoren gemeinsam).

Zugleich gründete Vanier in Frankreich gemeinsam mit der Gleichgesinnten Marie-Hélène Mathieu die internationale ökumenische Bewegung „Glaube und Licht“.

Es fällt auf, daß gerade diese „neueren Gemeinschaften“ stark vom Problem des geistlichen und des sexuellen Missbrauchs betroffen sind.

Erinnert sei an die gerichtfeste Verurteilung von Gründern/Leitern der charismatischen „Gemeinschaft der Seligpreisungen“. Ähnlich erging es der etwas intellektueller geprägten „Gemeinschaft vom Hl. Johannes“, die von dem Dominikanerpater und Missbrauchstäter Marie-Dominique Philippe geführt wurde. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/03/07/die-st-johannes-gemeinschaft-ist-mit-sexaffaeren-ihres-gruendervaters-belastet/)

Sowohl dieser Geistliche wie auch sein leiblicher Bruder, P. Thomas Philippe (ebenfalls Ordenspriester), haben sich sexueller Nötigungen an erwachsenen Frauen schuldig gemacht.

Jener Pater Thomas Philippe war zugleich geistlicher Begleiter der ARCHE und Mentor bzw. jahrzehntelanger Seelenführer des Arche-Gründers Jean Vanier, wobei Vanier selbst kein Priester, sondern „Laie“ war, allerdings Dozent und Doktor der Theologie.

Vanier „deckte“ die Taten bzw. Untaten seines Mentors Philippe und beging auch selbst Übergriffigkeiten an Frauen bzw. Nonnen seiner geistlichen Gemeinschaft.

Wir wollen uns aber nicht in biograpische oder sonstige Details verzetteln, die man auch woanders nachlesen kann. Es geht hier eher um ein paar grundsätzliche Überlegungen:

Seit über dreißig Jahren schreibe ich kritisch über schwärmerische und pseudomystische Vorstellungen und Geschehnisse im religiösen „Lager“, auch und gerade im katholischen.

Infolgedessen melden sich bei mir seit langem immer mehr Geschädigte von spirituellen Missbrauch bzw. seelsorglichen Übergriffen (so z.B. allein gestern zwei Aussteiger aus dem Fankreis der charismatischen „Gemeinschaft der Seligpreisungen“).

Angesichts jahrzehntelanger Kontakte mit Betroffenen beider christlicher Konfessionen  – meist Frauen mittleren Alters –  entsteht ein immer klareres Bild von jenen „religiösen“ Gesichtspunkten, die den geistlichen Missbrauch begünstigen und die jedwede Kontrolle und Aufklärung erschweren.

Zu den Negativ-Faktoren gehört häufig eine „inspirierende“ Gründergestalt, die von den Anhängern wie ein Heiliger (oder eine Heilige) verehrt wird, vielfach verbunden mit Visionen, „übernatürlichen“ Einsprechungen, besonderen „Geistesgaben“ usw.

Damit verfügt diese „Lichtgestalt“ –  so scheint es  –  über einen direkten Draht nach oben, wird als „gottgesandt“ und „geist-erleuchtet“ gewürdigt und schon zu Lebzeiten angehimmelt.

Je stärker der Gründer/Leiter charismatisch „begnadet“ ist, um unantastbarer festigt sich sein Ruf. Gerne wird in diesen Kreisen ein Wort aus dem Alten Testament vereinnahmt und missbraucht, das da lautet: „Tastet mir meine Gesalbten nicht an und tut meinen Propheten kein Leid an!“ (1 Chro 16,22).

Vor allem in schwärmerischen Gruppen eignet sich diese Bibelstelle bestens, um jede Kritik an den selbsternannten „Propheten“ im Keime zu ersticken.

Ich weiß von mehreren Betroffenen – vor allem aus der protestantischen Pfingstler-Szene  – wie sie in ihrer Gruppe mit diesem Wort als Übeltäter angeprangert wurden, sobald sie eine kritische Haltung einnehmen wollten.

In katholischen Kreisen werden Skeptiker in den eigenen Reihen hingegen gerne mit dem Vorwurf einer „Sünde gegen den Heiligen Geist“ eingeschüchtert, die sie angeblich auf sich laden, wenn sie „begnadete“ Personen und himmlisch „erwählte“ Seher/innen nicht als glaubwürdig betrachten.

Wichtig ist daher, daß sich Christen grundsätzlich von der irrigen Vorstellung lösen, unser Glaube beruhe auf außergewöhnlichen Phänomenen, Visionen, Erscheinungen, „Sühneseelen“ und vermeintlichen „Botschaften“ von oben.

Vielmehr gründet der katholische Glaube auf der Heiligen Schrift und der apostolischen Überlieferung, die nicht von „Seher/innen“ und Sonder-Begnadeten ausgelegt wird, sondern seit jeher vom Lehramt der Kirche.

Wer dies grundsätzlich erkennt, anerkennt und ernst nimmt, ist weitaus besser gewappnet gegenüber (un)geistlichen  – und auch sexuellen  –  Übergriffen. Zwischen dem spirituellen und dem sexuellen Missbrauch gibt es ohnehin fließende Übergänge.

Dies wird beispielhaft bei diesem Erlebnisbericht von Cordula Mohr deutlich, die nach erschütternden Erfahrungen aus der katholisch-charismatischen Szene ausgestiegen ist: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/31/missbrauch-der-beichte-was-ich-einst-im-zimmer-eines-indischen-paters-erlebte/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Bistum Augsburg: Kritische Prüfung von Pfr. Anthony Pullokaran und „Team“

Von Felizitas Küble

Der Kirchort St. Martin in Illerberg gehört zur Gesamtpfarrei Vöhringen im bayerischen Bistum Augsburg. Nun wird mancher denken: Wer kennt schon Illerberg? 

Weit gefehlt, denn in katholisch-charismatischen Kreisen ist diese Gemeinde überaus bekannt, schließlich wirkt dort seit Jahrzehnten ein „Heilungspriester“, wie man solche Geistliche gerne verheißungsvoll nennt.

Immerhin sind „Heilung“ und „Befreiung“ seit jeher zwei typische Zauberworte im schwärmerischen Spektrum.

Am „schönsten“ ist es doch, wenn zum Charismatischen das erscheinungsbewegte Element dazukommt – so auch bei Pfarrer Anthony Pullokaran aus Illerberg, denn er ist ein eifriger Anhänger von Medjugorje, weshalb seine Seminare gerne in Medjugorje-Zeitschriften beworben werden.

Aber auch das selbsternannte (kirchlich nicht anerkannte!) Exerzitienzentrum „Haus Raphael“ in Bad Soden-Salmünster arbeitet seit Jahrzehnten gut und gerne mit Pfr. Pullokaran zusammen.

Wen wunderts? Die Leiterin dieses charismatischen Hauses, eine Nonne namens Margaritha Valappila, stammt ebenso aus Kerala in Süd-Indien wie Pfr. Pullokaran, der bereits seit 1993 in Illerberg als Pfarrer tätig ist.

BILD: Buch „Jesus lebt heute“ von Sr. Valappila mit Kitsch-Titelbild

Die indische Region Kerala ist bereits seit den 70er Jahren stark von Pfingstbewegten aus den USA „heimgesucht“ worden; meist waren es zwar protestantische Freikirchler, die aber mit ihrer Charismatik vermehrt und verkehrt in katholische Gemeinden und Ordensgemeinschaften eindringen konnten.

Seit über 20 Jahren erhalte ich in zunehmendem Ausmaß Besuche und Anrufe von Geschädigten aus der charismatischen und esoterischen Szene. Auch heute sprach ich mit zwei Aussteigerinnen (einer katholischen und einer evangelischen Frau).

Durch diese Insider-Kontakte erhalte ich öfter konkrete Auskunft aus dem Innenleben der „Charismatischen Erneuerung“, darunter Hinweise über psychischen Druck und geistlichen Missbrauch in sog. „Heilungsseminaren“.

Kürzlich wies mich eine Betroffene darauf hin, daß es seitens des Bistums Augsburg eine kritische Überprüfung der Pullokaran-Exerzitien gäbe. Ich bin der Sache nachgegangen, wobei die Information  bestätigt wurde – siehe hier: https://www.pg-voehringen.de/pfarreien/st-martin-illerberg/exerzitien

Auf dieser Homepage der Pfarrgemeinde Vöhringen-Illerberg wird sogar von Pfarrer Pullokaran selbst erklärt, die „Verantwortlichen des Bistums Augsburg“ hätten seit Mitte November 2019 „Kontakt“ mit ihm und „seinem Team“ aufgenommen.

Man wolle „einige offene Fragen klären“, heißt es weiter. Wer die kirchlich-diplomatische Sprachwelt versteht (zumal hier „in eigener Sache“), der weiß, was dieser Satz zu bedeuten hat. Vermutlich handelt es sich um eine Art Visitation oder einen ähnlichen Überprüfungsvorgang.

Er und sein ehrenamtlicher Mitarbeiteranhang – von ihm“Team“ genannt – werden von Seiten des bischöflichen Ordinariats auf eine „Fortbildung“ geschickt, wobei während dieser Zeit  – außer für Ende Januar 2020 –  keine Exerzitien in Illerberg stattfinden dürfen.

Weiter unten heißt es, bei den von Pfr. Pullokaran und seinem Laienkreis angebotenen Exerzitien gehe es „insbesondere um lebensgeschichtliche Verletzungen“, die in das „Licht der Liebe Gottes gestellt“ würden. Ach wie schön!

Leider wird nicht verraten, ob dazu auch die sogenannte, in charismatischen Kreisen so beliebte „Heilung der Vorfahrensschuld“ gehört. Nachdem kirchliche Amtsträger auf das Wort „Vorfahrensschuld“ mit Recht allergisch reagieren, haben sich Schwärmerbewegte einen anderen Ausdruck einfallen lassen , so daß man mittlerweile meist vertuschend von der „Heilung des Stammbaums“ oder einer „Familienheilung“ spricht….

Immer wieder aufschlußreich ist die Tatsache, daß zwar ständig von „Heilung“ und „Befreiung“ die Rede ist, doch mit den wirklich psychisch Kranken will man durchaus nichts zu tun haben. Sollen also die Gesunden „geheilt“ werden?

Ähnlich wie bei „Haus Raphael“ heißt es auch in Illerberg (siehe obigen Link):
„Bitte beachten sie, dass Exerzitien nicht besucht werden können von Menschen mit Psychosen, Suchterkrankungen, schweren Depressionen, Suizidabsichten.“ 
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Von einem Valappila-Geschädigten (Haus Raphael in Hessen) weiß ich, daß er von dieser Ordensfrau schwer kritisiert wurde, weil er an ihrem Einkehrtag teilnahm, obwohl er depressiv war. Er hatte doch tatsächlich das wohlklingende Wort von der „Heilung“ für voll genommen….
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Zurück zu Pfarrer Anthony Pullokaran, den manche aus der Enthusiastenbewegung auch einfach (aber nicht ganz korrekt) „Pater Anthony“ nennen. Er reist mit seiner Laienschar aus 12 bis 15 Personen oft weite Strecken zu Seminaren, wobei sein weder theologisch noch psychologisch qualifizierten „Team“ Referate hält und „Seelsorgsgespräche“ anbietet.
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Auch im fernen Tirol hat die „Charismatische Erneuerung“ – kurz CE genannt  – für Pullokaran-Einkehrtage geworben: https://www.cetirol.org/veranstaltungen/archiv/

Passenderweise hielt er dort in Weissenbach mit seinem Team „Exerzitien für innere Heilung„.

Die Tiroler CE empfiehlt außerdem auf ihrer Webseite die so beliebten Seminare für die „Heilung des Stammbaums„, womit die charismatische Welt wieder einmal rund ist!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Costi Hinn: Neffe eines charismatischen Star-Predigers findet zum nüchternen Glauben

Von Felizitas Küble

Über das Wirken des pfingstlerischen „Evangelisten“ Benny Hinn haben wir bereits im Jahre 2011 in unserem CHRISTLICHEN FORUM kritisch berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2011/07/08/benny-hinn-der-charismatische-starprediger/ 

Hinn gehört zu den zahlreichen Vertretern eines „Wohlstandsevangeliums“, einer einflußreichen Richtung innerhalb der protestantisch-charismatischen Bewegung. Viele selbsternannte Propheten dieses Spektrums leben auch privat in Saus und Braus – ganz ihrer „Botschaft“ gemäß also.

Benny Hinn gehört neben John Wimber (+) und dem kürzlich verstorbenen Reinhard Bonnke zu den prominentesten Stars in der amerikanischen Schwärmerbewegung, die sich vor allem auf Zeichen und Wunder, „Heilung und Befreiung“ spezialisiert.

Doch manchmal geschehen dort „Zeichen und Wunder“ der anderen Art, der nüchternen nämlich.

So erging es Costi Hinn, der sich von den Irrlehren und schwarmgeistigen Praktiken seines Onkels Benny öffentlich abgewandt hat.

Er schreibt über sein Leben in der Hinn-Sippe:

„Wir lebten einen verschwenderischen Lebensstil, waren zu Loyalität gezwungen und unsere Version des Evangeliums war das grosse Geschäft. Jesus Christus war zwar immer noch Teil unseres Evangeliums, aber er war eher ein Geist in einer Lampe anstatt der König der Könige: Wenn man die Lampe nur richtig rubbelte – durch Spenden und Glauben –, würde das geistliche Erbe freigesetzt. Wir lebten die Wohlstandstheologie: eine 1000-m²-Mansion, zwei Mercedes Benz in der Garage, dazu ein Zwei-Millionen-Dollar-Strandhaus in Kalifornien – wir waren gesegnet!“

Costi Hinn berichtet weiter, die kritischen Stimme von außen seien in der Familie nicht toleriert, sondern als Verfolgung durch Finsterniskräfte gedeutet worden.

Auch die vermeintliche „Heilungsgabe“ stand im Dienste des Mammon: „Wir heilten nur in den Veranstaltungen, wo passende Musik eine Stimmung erzeugte, Geld den Besitzer wechselte und die Menschen «genug Glauben» hatten.“

Allmählich wuchsen in dem jungen Mann die Zweifel, auch weil „viele unserer Prophezeiungen im Widerspruch zur Bibel“ standen.

BILD: Typischer Titel für ein Charismatiker-Buch: „Er berührte mich!“ (Benny Hinn)

Doch er dachte, gerade der Reichtum müsse doch ein Zeichen dafür sein, daß Gott auf der Seite seiner Sippe stehe – so wurde es ihm ständig beigebracht.

Als sich dann aber herausstellte, daß seine Frau Christine nicht „in Zungen beten“ konnte, obwohl dies in seinem Umfeld für äußerst wichtig gehalten wurde, stiegen erneut skeptische Fragen in ihm hoch.

Er las gründlich in der Heiligen Schrift und erkannte zunehmend, wie einseitig und irreführend viele Bibelstellen von charismatischer Seite ausgelegt und in den Dienst der eigenen Interessen gestellt werden.

Infolgedessen trennte Costi sich von der Charismatischen Bewegung und nahm in Kauf, von seiner Herkunftsfamilie diffamiert zu werden. Er wurde danach Pastor einer bibelorientierten Gemeinde in Arizona.

Quelle für die Zitate: https://www.livenet.ch/themen/people/erlebt/317028-warum_costi_hinn_seinem_onkel_und_dessen_theologie_den_ruecken_kehrte.html


BR bezeichnet MEHR-2020 als „Pop-Event“

Von Felizitas Küble

Der Bayerische Rundfunk (BR) veröffentlichte an Dreikönig (6.1.) online einen Bericht über die charismatische MEHR-Konferenz in Augsburg.

Es mag durchaus aufschlußreich sein, wie dieses ökumenische Lobpreis-Spektakel sozusagen aus „weltlicher“ Sicht wahrgenommen wird: https://www.br.de/nachrichten/bayern/mehr-konferenz-kirche-als-pop-event,RmirM0g

Unter dem bezeichnenden Titel „Kirche als Pop-Event“ heißt es eingangs:

„Riesige LED-Leinwände und Lichtreflektionsflächen, Kunstnebel und dröhnender Bass – mehr als 12.000 Teilnehmer lobpreisen auf der „Mehr“-Konferenz mit modernsten Mitteln der Technik.“ 

Über den MEHR-Gründer und katholischen Theologen Dr. Johannes Hartl schreibt der BR: „In seinen Predigten greift Hartl aktuelle Themen auf und verkürzt sie zu emotionalen und einfachen Botschaften, flankiert mit Bibelzitaten. Von den Anhängern wird er bewundert, Theologen werfen ihm eine zu simple Einteilung der Welt in Gut und Böse vor.“

Sodann heißt es weiter:

„Lichtermeer, fetzige Gitarrenakkorde und eindringliche Melodien: Katholische Wissenschaftler wie der Augsburger Dogmatiker Thomas Marschler zweifeln, ob Massenevents wie die „Mehr“-Konferenz den christlichen Glauben authentisch vermitteln können: „Die Frage ist schon, ob die Teilnehmer am Ende vorwiegend den Eindruck mitnehmen, ein schönes Pop-Konzert gehört zu haben, oder ob die Botschaften, die durch die Texte vermittelt werden, auch tatsächlich ankommen.“ 

Die Kritik des Geistlichen Dr. Thomas Marschler trifft genau den Kern des Problems: Haben sich die Teilnehmer in erster Linie ein „schönes Pop-Konzert“ (natürlich in frommer Verkleidung) hereingezogen – oder geht es wirklich vorwiegend um den theologischen Inhalt?

Außerdem fällt doch folgendes Phänomen auf:

Das katholisch-konservative Lager hat sich früher oft mächtig aufgeregt, wenn in irgendeiner Dorfkirche eine „Beatmesse“ ablief oder sonstwie laute Rockmusik zu hören war. Dazu gab es – mit Recht – kritische Einwände zuhauf. 

Aber seltsam, bei der MEHR ist alles   g a n z  anders, obwohl dort dasselbe sogar vor 12.000 Teilnehmern abläuft: Konservative Portale wie „Kath.net“ sind vor lauter Begeisterung ganz aus dem Häuschen. Offenbar muß die „Krachmusik“ nur im frommen Gewande einhergehen – und schon ist alles in bester Ordnung!

HIER unser Bericht über die Äußerungen einer Psychologin zu den Nachwirkungen der MEHR-Konferenz auf hochsensible Menschen: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/21/psycho-beraterin-ueber-die-mehr-konferenz-hochsensible-menschen-total-erschlagen/

 

 


MEHR-Konferenz: Weniger wäre MEHR…

Von Felizitas Küble

Das erscheinungsbewegte Infoportal „Kath.net“ befand sich während der charismatischen MEHR-Konferenz wohl unentwegt im 7. Himmel mit täglich mehreren Jubel-Artikeln. Da kam zusammen, was zusammengehört.
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Gestern berichtete Kathnet-Autor Peter Winnemöller unter dem Titel „MEHR geht immer“ live von der MEHR-2020 – natürlich voll des Lobes, wenngleich er sich als bodenständiger Westfale outet, dem es z.B. bei der charismatischen Lobpreismusik schwerfalle, die Hände noch oben zu strecken.
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Doch grundsätzlich nimmt er die MEHR-Konferenz stark in Schutz vor den  – wie er wörtlich und vielsagend schreibt  – „üblichen Verdächtigen“.
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Nächster Satz: „Es sind gerade alle jene, denen alles Fromme, alles Beten suspekt ist. Jene, denen Mission als Kampfbegriff erscheint.“
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Der Verfasser verrät uns aber nicht, welche schlimmen Kampf-Atheisten die MEHR angeblich bekämpfen. Charismatische Großveranstaltung
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Immerhin fällt ihm dann ein, daß es z.B. neben der „akademischen Theologie“ noch weitere Kritiker gibt:
„Auch Vertretern des konservativen Spektrums ist die MEHR mehr oder weniger ein Dorn im Auge. Hurra-Katholizismus nannte es der Cathwalk schon vor vier Jahren und wiederholte diese Kritik aktuell auf Facebook….Der Begriff „Hurra- Katholizismus“ ist sicher ein Kampfbegriff, den man einfach als solchen ansehen sollte. „
Hallo, Herr Winnemöller, unser CHRISTLICHES FORUM geht seit vielen Jahren deutlich weiter in seiner Skepsis, was Ihnen vielleicht entgangen sein mag.
Aus unserer Sicht ist die MEHR und das Gebetshaus Augsburg nicht nur geprägt durch ein gefühlsbetontes Halleluja-Christentum (was noch relativ harmlos wäre), sondern deutlich MEHR, nämlich geradezu schwarmgeistig.
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Noch etwas: Indem man Kritikerworte rundweg als „Kampfbegriff“ herabwürdigt, hat man noch kein einziges Gegenargument vorgebracht, sondern lediglich eine sprachliche Abwertung vollzogen.
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Die enormen Kosten der MEHR rechtfertigen aus Winnemöllers Sicht die hohen Eintrittspreise und Spendenaufrufe:
„Schönheit spielt eine enorme Rolle. Wenn gilt, dass das Auge auch beim Gebet mit isst, wird man hier für Wochen oder Monate genährt. Dann wird auch einsichtig, dass Schönheit einen Preis hat. Die MEHR kostet und nicht zu knapp. Trotz der hohen Preise decken die Eintrittskarten die Kosten nicht….Man kann fragen, ob man alles so teuer und so hochwertig machen muss. Die Antwort auf die Frage geben die Teilnehmer. Sie kommen und zahlen ohne zu murren den Preis den kostet. Also ist es ihnen das wert und damit hat man die Antwort.“ (Die Tipp- und Kommafehler entstammen dem O-Ton.) 
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Spielt „Schönheit“ in der Verkündigung Christi auch eine „enorme Rolle“? Oder geht es bei IHM statt um Schoweffekte und Ästhetik in erster Linie um den Inhalt, um Gottes Wort und Wegweisung?
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Würde weniger „Schönheit“ nicht mehr Inhalt in den Mittelpunkt rücken? Aber wäre dann die Konferenz noch charismatisch? Gilt doch in diesen Kreisen das begeisterte Gefühl  – man kann auch sagen: ein Erfahrungsglaube – mehr als das „Brot“ einer vermeintlich „trockenen“ Lehre!
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WENIGER Show, Krachmusik und Glitzerkam wäre tatsächlich MEHR – aber das setzt ein MEHR an wirklichem Glauben voraus, der es nicht nötig hat, ständig auf Wolke 7 zu schweben.
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Weitere 20 kritische Artikel zu MEHR und dem Gebetshaus Augsburg siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/gebetshaus-augsburg-j-hartl/

Ich empfehle das kritische Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfr. Rudo Franken

Von Cordula Mohr

Ich habe seit geraumer Zei feststellen müssen, dass Medjugorje-Freunde sich in Gemeinden und Ordenshäusern immer mehr Gehör verschaffen und Räume bekommen für ihre charismatischen Gebetsabende. 

Traurig auch, dass selbst bodenständige Gläubige  – vielleicht teils aus Neugier oder Effekthascherrei  – diesen angeblichen Erscheinungsort in Bosnien-Herzegowina besuchen.

Somit dachte ich mir, dass es wieder an der Zeit sei, selber noch einmal zu lesen und zu bedenken, was mich vor über zehn Jahren so eindeutig von meiner Hinneigung zu Medjugorje abgebracht hat und wodurch mein nüchterner Glaube eingeläutet wurde.

Viele vermeintlichen Besonderheiten von Medjugorje finden wir ähnlich auch an anderen „Erscheinungsstätten“, die kirchlich nicht anerkannt sind.

Ich las also erneut in dem interessant geschriebenen Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfarrer Rudo Franken, einem holländischen Priester, das in mehreren Auflagen und Verlagen erschien, die erweiterte Auflage im gediegenen Augsburger Dominus-Verlag, den der katholische Theologe Dr. Peter Düren leitet.

Auffällig an den angeblichen Erscheinungen ist, dass anfangs zwei Seher/innen wieder abgesprungen sind und stattdessen andere Visionäre dazukamen, was ich recht seltsam finde. Zusätzlich gibt es dann noch die sog. Seher der „zweiten Generation“, die später folgten.

Und anscheinend hat diese „Madonna“ keinen bestimmten Ort, an dem sie erscheint, wie das etwa in Lourdes der Fall war, sondern sie folgt den Jungen und Mädchen „hinterher“, je nachdem, wo diese sich gerade befinden; so ist sie z.B. der Vicka auf einer Zugreise erschienen. Passenderweise spricht Vicka gern von einem „Plaudern“ mit der (angeblichen) Gottesmutter.

Aus der Beweisführung dieses Buches geht klar hervor: Von Anfang an wurde nicht die volle Wahrheit gesagt. Die visionären Mädchen und Jungen, die vom Kaplan der Pfarrei bei den ersten Befragungen unter Eid gesetzt wurden, haben sich mehrfach durchgeschwindelt.

So gingen sie vor der ersten Erscheinung eben nicht zu den Schafen, um diese zu suchen, sondern sie wollen Zigaretten rauchen – und dies gegen das ausdrückliche Wort der Eltern. Das stellte sich später nach Aussage einer Seherin heraus; auch beim amtlichen Gespräch mit Bischof Zanic konnten die Gruppe das nicht mehr leugnen.

In dem Buch sind viele Tonbandaufnahmen nachzulesen und man merkt deutlich, wie gründlich sich Pfarrer Franken (siehe Foto) mit Medjugorje und den Ereignissen befasst hat. Dabei werden einige „Botschaften“ auch theologisch in Frage gestellt. Mittlerweile wird es nach bald 40 Jahren immer absurder mit diesen „Offenbarungen“.

Für mich aufschlussreich ist auch der Test, der bei einer „Erscheinung“ vorgenommen wurde. Vicka und die anderen Seher/innen behaupteten nämlich, immer in einen Trancezustand zu geraten, wenn sie „Maria“ sehen.

Bei einer dieser Erscheinungen wurde ein Fingertest durchgeführt: Vicka zuckte erkennbar zurück, als ihr die beiden Finger vors Auge kamen. Nachher sah man sie mit Pater Vego gestikulierend im Gespräch, wohl um sich „abzusprechen“, wie man die peinliche Situation erklären soll. Danach gab sie bekannt, dass der Madonna das Jesuskind aus den Armen gefallen sei; sie habe es auffangen wollen. Bei dieser faulen Ausrede vergaß sie aber, daß sie sich bei einem solchen (ohnehin unsinnigen) Auffangen nach vorne und nicht nach hinten bewegt hätte.

Ein weiterer Punkt unter zahlreichen Ungereimtheiten: 

Etliche Seher/innen hatten vor dem Bischof mehrmals in Briefen sowie persönlich ausgesagt, die ungehorsamen Franziskaner Vego und Prusina nicht zu kennen.
Dabei waren ihnen diese Patres sehr wohl bekannt. Angeblich hat sich die Erscheinungsdame für die zwei Priester ausgesprochen, obwohl sie kirchliche Strafen erhielten, teils wegen unsittlichem Lebenswandel. Der für Medjugorje damals zuständige Bischof Zanic hatte nicht zuletzt durch diese Lügen sein anfängliches Vertrauen in die Medjugorje-Seher gänzlich verloren.

Es lässt tief blicken, wenn eine der Visionärinnen berichtet, einmal sei ihr nicht die angekündigte Madonna erschienen, sondern eine als „Maria“ verkleidete Gestalt, die sich plötzlich zum Teufel veränderte, worüber sie natürlich sehr erschrak.

Auffällig ist, wie sich die katholisch-charismatische Bewegung von Anfang an positiv über Medjugorje äußerte und sich vielfach dort sogar niederließ, teils bis heute (z.B. die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“).

Diese Beispiele aus dem fundierten Buch, die sich beliebig vermehren ließen, haben mir erneut deutlich gemacht, dass man bestimmt nicht nach Medjugorje zu reisen braucht, um seinen Glauben zu stärken und zu beleben. Wir haben in Deutschland genügend bewährte und kirchlich anerkannte Wallfahrtsorte von Kevelaer am Niederrhein bis Altötting in Südbayern.

BUCH-Daten: Rudo Franken. Eine Reise nach Medjugorje. Bedenken hinsichtlich der Erscheinungen. Mit Beiträgen von Mark Waterinckx und Manfred Hauke. – 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2011. 320 Seiten. Paperback. ISBN 978-3-940879-15-8. Preis 19,80 €.

Bestellungen bei uns oder direkt hier beim Dominus-Verlag: https://shop.strato.de/epages/61306125.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61306125/Products/%22061%20Eine%20Reise%20nach%20Medjugorje%22