Evangelikales Aufklärungsbuch über Machtmenschen und geistlichen Missbrauch

Besprechung von Felizitas Küble

Seit gut zwei Jahren ist in amtlichen katholischen Kreisen das Wort vom „Geistlichen“ oder „Spirituellen“ Missbrauch in aller Munde. Entsprechende Veröffentlichungen der ehem. Ordensfrau Doris Wagner-Reisinger und des Jesuiten Klaus Mertes sorgten dafür.

Dabei entstand vielfach der Eindruck, als hätten diese beiden Autoren aus dem reformkatholischen Spektrum ein besonderes, vorher verborgenes oder totgeschwiegenes Thema ganz neu „entdeckt“ und endlich zur Sprache und in die Öffentlichkeit gebracht.

Das ist insofern richtig, als katholische Kirchenobere das Problem lange kaum zur Kenntnis nahmen, geschweige wirksam dagegen vorgegangen sind.

Allerdings kümmert sich nicht nur unser CHRISTLICHES FORUM inzwischen seit fast 10 Jahren um diese Problematikund dies z.B. mit dutzenden von Sach-Analysen sowie Erlebnisberichten von Betroffenen oftmals aus der charismatischen Szene.

Auch auf dem evangelikalen Buchmarkt gibt es seit Jahrzehnten ein breites Feld der Aufklärung vor seelsorglichem bzw. pastoralem Missbrauch. (Siehe unsere Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/07/evangelikale-buecher-warnten-schon-vor-lange-vor-dem-geistlichem-missbrauch/ und hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/06/12/warnung-vor-geistlichem-seelsorglichem-missbrauch-durch-scheinheilige/)

Diese theologisch konservativen evangelischen Autoren haben sich dabei häufig vor allem charismatische und neo-pfingstlerische Gruppen vorgeknöpft – und dies deshalb, weil dort die Anfälligkeit für „Machtmenschen“ besonders stark ist, wenngleich nicht hierauf begrenzt. Freilich hat der Protestantismus mit dieser Schwarmgeisterei auch schon viel länger ein Problem – nämlich seit Anfang des 20. Jahunderts, die kath. Kirche erst seit 1968 – von daher auch die schnelleren Abwehr-Reaktionen.

Der pietistische Prediger und in Skandinavien vielgelesene Schriftsteller Edin Lovas aus Norwegen veröffentlichte bereits 1996 – also vor einem Vierteljahrhundert – im pietistischen Brendow-Verlag seine warnende Schrift über „Wölfe in Schafspelzen“.

Dabei ging es ihm nicht etwa um die „böse Welt“, sondern – so der Untertitel – um „Machtmenschen in der Gemeinde“, also innerhalb der Christenheit.

Seine Aufklärungsschrift entstand nach vierzig Jahren Seelsorgsarbeit, wobei er „entsetzt“ darüber sei, „welches Ausmaß von Leiden durch Machtmenschen“ einzelnen Gläubigen, aber auch ganzen Gemeinden und Gemeinschaften zugefügt worden sei, schreibt er im Vorwort und fügt hinzu:

„Ich bin zugleich bestürzt darüber, daß in christlichen Kreisen und selbst unter sachkundigen Fachleuten über diese Dinge nicht offen und ehrlich geredet wird.“

Der Verfasser, der im norwegischen Sandom eine Jesus-Meditations-Bewegung gründete, die den Ignatianischen Exerzitien der katholischen Jesuiten ähnelt, stellt besorgt fest: „Soweit ich Einblick habe, scheinen die Opfer von Machtmenschen selten ernst genommen zu werden.“

Diesen Befund kann ich aus meiner eigenen jahrzehntelangen Erfahrung mit Aussteigern nur bestätigen. Vielfach zeigt sich dies auch hier bei uns in Leserkommentaren von charismatischen Eiferern:

Wenn ein Geschädigter über seine negativen Erfahrungen in schwarmgeistigen Zirkeln berichtet, kommt sofort die Selber-schuld-Keule von dieser Seite: Die Betroffenen seien psychisch angeknackst, wollten sich jetzt nur „rächen“, hätten die „Sünde gegen den Heiligen Geist“ begangen, die Strafe des Himmels folge auf dem Fuße – und dergleichen Unfug mehr. Natürlich werde auch ich ständig mit solchen „Keulen“ konfrontiert so z.B. seit vielen Jahren auf erscheinungsbewegten Seiten von Gloria-TV und früher auch auf „Kathnet“, was mich aber nicht aus dem kritischen Konzept bringt, sondern vielmehr darin bestätigt.

Der deutsche Buch-Herausgeber Andreas Ebert bezeichnet derlei Verirrungen in seinem Vorwort mit Recht als einen „wunden Punkt“, auf den man den Finger legen müsse (S. 11), denn „schlimme Formen des Machtmißbrauchs“ gäbe es eben nicht nur in der Politik, sondern auch in christlichen Kreisen und Gemeinden.

Er erwähnt auf derselben Seite „neopfingstlerische Strömungen“aus den USA sowie die charismatische „Glaubensbewegung“, die sich auch als „Herrlichkeitstheologie“ bezeichnet – gemeint ist das sog. „Wohlstandsevangelium“. Dort werde gelehrt, „daß Kinder Gottes das Anrecht auf irdischen Wohlstand und diesseitiges Wohlergehen“ hätten.

Weiter heißt es, daß auf „diesem Boden“ Gruppen und Gemeinden ohne Kontrolle und Ordnung entstehen: „Sie sammeln sich um starke, angeblich direkt von Gott berufene Führergestalten“.

Und genau dies ist der springende Punkt!

Eine FORTSETZUNG unserer Buchbesprechung folgt demnächst.


Geistlicher Missbrauch: Bischöfliche Visitation von „Totus Tuus“ im Bistum Münster

Bei der Visitation der Gemeinschaft Totus Tuus sind „noch nicht alle Fragen geklärt“: Das hat der Münsteraner Bischof Felix Genn am Rande einer Online-Tagung zum Thema „Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch“ erklärt.

Seit drei Jahren läuft im Bistum Münster eine kirchliche Visitation (Untersuchung) der charismatischen Jugendgruppe „Totus Tuus“, die durch ihre Medjugorje-Begeisterung entstanden ist und 1994 gegründet wurde. 10 Jahre später wurde sie im Bistum Münster kirchlich anerkannt bzw. bischöflich approbiert.

Nachdem ehemalige Mitglieder aber von (un)geistlichem Missbrauch und autoritärem Machtgebaren durch führende Personen berichtet hatten, begann 2017 die erwähnte Visitation. Im Mai dieses Jahres meldeten sich weitere Aussteiger in der Herder-Korrespondenz und beklagten den psychischen Druck, den sie erlebt hätten.

„Die Leitung von ‚Totus Tuus‘ hat es verpasst, ihre Mitglieder zu freien und mündigen Christen zu machen“, berichtete eine weitere Betroffene in einem Beitrag des „Deutschlandfunk“. Darin wurde auch der Führungsstil des Gründers Leon Dolenec kritisiert.

Das Ergebnis der Visitation soll noch Ende dieses Jahres bekannt gegeben werden.

Quelle (auszugsweise): https://de.catholicnewsagency.com/story/geistlicher-missbrauch-noch-nicht-alle-fragen-geklart-bei-untersuchung-von-totus-tuus-7288

Info-HINWEIS: Wir haben uns im CHRISTLICHEN FORUM bereits vor neun Jahren kritisch mit der Gruppe „Totus tuus“ befaßt – und auch danach mehrfach: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/totus-tuus-medju-charismatisch/


Hillsongs charismatischer Starprediger Carl Lentz wegen Ehebruchs entlassen

Von Felizitas Küble

Der 42-jährige Pastor Carl Lentz wurde von seiner charismatischen Hillsong-Megagemeinde wegen ehelicher Untreue gefeuert. Er ist seit 2003 mit seiner Frau Laura verheiratet und hat drei Kinder.

Viele Hollywood-Stars gehörten zu seiner Hillsong-Church, darunter der bekannte Sänger Justin Bieber (26 Jahre alt), der sich im August 2017 von ihm taufen ließ und auch privat mit ihm befreundet ist.

Neben Ehebruch werden Starprediger Lentz, der sich gerne in Röhrenjeans präsentiert, von Seiten Hillsongs nun auch „Vertrauensbrüche“ und Probleme in der Gemeindeführung vorgehalten.

Der jetzige Rauswurf ist nicht der erste Skandal in der pfingstlerischen Hillsong-Church: Bei ihrem Gründer Frank Houston wiegen die moralischen Verfehlungen noch schwerer. Er wurde sogar entlassen wegen sexuellen Mißbrauchs von Jungen.

Siehe hierzu und zur Entwicklung von Hillsong mein ausführlicher Artikel vom Vorjahr: https://charismatismus.wordpress.com/2019/03/04/charismatische-hillsong-kirche-zwischen-disco-spektakeln-und-sexskandal/


Frankreich: Kritisches Buch über die „stigmatisierte“ Marthe Robin erschienen

Von Felizitas Küble

Am 8. Oktober 2020 ist in Frankreich ein Buch herausgekommen, das schwerwiegende Enthüllungen über die in diesem Land sehr bekannte „Mystikerin“ Marthe Robin enthält; ihr wird darin systematischer Betrug und Täuschung ihrer Anhänger nachgewiesen.

Der Autor Prof. Dr. Conrad De Meester ist freilich kein „investigativer“ Journalist, der es auf Sensationsberichte abgesehen hat, sondern ein wissenschaftlich gründlich arbeitender Karmelit aus Flandern.

Der Ordenspriester und angesehene Kirchenhistoriker befaßte sich jahrzehntelang mit den großen Mystikerinnen des 20. Jahrhunderts. Wohl nicht zuletzt deshalb erhielt er von bischöflicher Seite den Auftrag, die Schriften, Lebensweise und Botschaften der 1981 im „Rufe der Heiligkeit“ verstorbenen Marthe Robin theologisch und spirituell zu untersuchen, zumal für sie bereits ein Seligsprechungsverfahren in Rom lief.

Leider wurde das Buch über die gelähmte Frau aus der Drôme erst posthum (nach dem Tod) veröffentlicht, denn der Autor starb am 19.12. 2019. Es scheint bislang unklar, weshalb Prof. De Meester oder sein Ordensoberer mit der Veröffentlichung gezögert hat.

Die im 20. Jahrhundert bekannteste Mystikerin Frankreichs gründete mehrere Bewegungen, darunter ihre Foyers de Charité (70 Foyers in 40 Ländern) zu deutsch: Vorhof bzw. Herdfeuer der Nächstenliebe.

BILD: Eines der vielen euphorischen Bücher über Marthe, hier aus dem Stift Heiligenkreuz

Maßgeblich beteiligt war die zudem bei der Entstehung und Ausbreitung charismatischer Gruppen wie der „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, der „Arche“, der Gemeinschaft Emmanuel oder der Johannes-Gemeinschaft.

Über diese Kommunitäten haben wir im CHRISTLICHEN FORUM seit Jahren kritisch berichtet, ebenso mehrfach über Marthe Robin – und dies bereits seit acht Jahren, also längst vor den erwähnten „Enthüllungen“.


Geistlicher Missbrauch durch öffentliche „Beichte“ nicht nur in „Integrierter Gemeinde“

Von Felizitas Küble

Die Katholisch Integrierte Gemeinde (IG), die vor allem in München jahrzehntelang gewirkt hat und großes Ansehen in kirchlichen Kreisen bis hinauf in den Vatikan genoß, ist jetzt ins Gerede gekommen.

Sogar Benedikt XVI. hat sich nunmehr öffentlich von der IG distanziert und seine frühere Unterstützung bedauert, die sich über dreißig Jahre erstreckte. (Vgl. hier: https://www.amazon.de/Wegbegleitung-Ratzinger-Benedikt-Katholische-Integrierte/dp/3932857402)

Die Vorwürfe gegen die intellektuell und theologisch durchaus anspruchsvolle Gemeinschaft beziehen sich auf überzogene Kontrolle der Mitglieder, Manipulation des Privatlebens, seelsorgliche Mißstände – kurzum: es geht um geistlichen Missbrauch.

Dr. Benjamin Leven hat sich ausführlich mit dieser Causa befaßt und auf CNA über seine Recherchen über die IG informiert, die von Frau Traudl Wallbrecher in München gegründet wurde: https://de.catholicnewsagency.com/story/die-katholische-integrierte-gemeinde-und-papst-benedikt-ein-interview-7170

Ein besonders schwerwiegender Kritikpunkt ist aus meiner Sicht jener, wonach in der IG „die ordentliche Beichte in der Gemeinde durch öffentliche Bußgespräche im Rahmen von Versammlungen ersetzt“ worden sein soll. Dies wäre tatsächlich – das sagt Dr. Leven zu Recht – ein „schwerwiegender Missbrauch des Sakraments“.

Allerdings sollte in der jetzigen Debatte um die IG nicht übersehen werden, daß es genau diese Problematik auch in anderen „neuen geistlichen Bewegungen“ gibt – und zwar schon lange, vor allem im „Neokatechumenat“ und etwas abgemildert in einigen charismatischen Gruppen wie z.B. der „Gemeinschaft der Seligpreisungen“.

In unserem CHRISTLICHEN FORUM berichten wir seit langem über solche strukturellen Fehlentwicklungen, die den geistlichen Missbrauch geradezu begünstigen, so daß man sich über seelsorgliche Übergriffe und gruppendynamische Manipulationen nicht zu wundern braucht.

Siehe hierzu als Beispiel unsere folgenden drei Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/30/oeffentliche-beichten-eine-sumpfbluete-die-pastoralen-missbrauch-beguenstigt/

https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/29/religioeser-missbrauch-durch-die-laienbeichte/

https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/10/meine-erfahrungen-bei-der-gemeinschaft-der-seligspreisungen-in-warstein/

HIER v i e r z i g Beiträge über geistlichen Missbrauch (darunter sowohl Grundsatzartikel wie Erlebnisberichte von Aussteigern): https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/


Junge Frau in Goch aus dem „Orden der Transformanten“ befreit

In Goch am Niederrhein gab es heute einen Großeinsatz der Polizei. Eine 25-jährige Frau soll dort, so heißt es in Medienberichten, gegen ihren Willen von einer holländischen Sekte auf einem ehem. Klostergelände festgehalten worden sein.

Bei dem „Orden der Transformanten“, der unter dem Verdacht der Freiheitsberaubung steht, handelt es sich um eine kleinere Gemeinschaft mit ca 100 Mitgliedern, die als gemeinnütziger Verein organisiert ist. Die Bewegung beruft sich auf „Gottes Wort“, schreibt auf ihrer Homepage aber keine Silbe von Christus, obwohl sie sowohl Katholiken wie Protestanten ins Leben gerufen wurde.

Mehrmals betont die von Robert Baart gegründete Vereinigung auf ihrer sonst inhaltlich dünnen Webseite, sie stehe allen Menschen „unabhängig von Rasse, sexueller Orientierung, Geschlecht, individuellem Hintergrund oder Alter“ offen. Der Verein wird heute von der Theologin Kirsten Smeets geleitet.

Die Sondergruppe erweckt in ihrer Selbstdarstellung einen teils esoterisch-neugnostischen, teils mystischen bzw. charismatischen Eindruck, scheint sich aber auch als elitäre Gemeinschaft zu betrachten; sie bezeichnet sich selbst als „neue religiöse Bewegung“.


NRW: Keine einzige Infektion in kath. Messe

In den letzten Monaten kam es in mehreren freikirchlich-evangelischen und pfingstlerisch-charismatischen Gemeinden bzw. Bibelschulen zu Corona-Ausbrüchen – nicht jedoch in katholischen Pfarrgemeinden Nordrhein-Westfalens, wie das Robert-Koch-Institut bestätigte.

Der Leiter des Katholischen Büros in NRW, Antonius Hamers, erklärte in einem Interview mit dem Kölner Domradio:

„Wir haben bislang, insbesondere was unsere Gottesdienste angeht, keinen einzigen Fall, wo es zum Infektionsgeschehen im Zusammenhang mit einem katholischen Gottesdienst gekommen ist.“

Der Geistliche fügt hinzu:Darauf legen wir großen Wert, weil wir natürlich auch die Regeln einhalten, weil wir in Absprache mit der Staatskanzlei eigene Regeln erlassen haben.“

Quelle und vollständiges Interview hier: https://www.domradio.de/themen/corona/2020-10-15/keine-einzige-infektion-durch-katholische-gottesdienste-nrw-katholisches-buero-nrw-bewertet-neue


Auch „Kathpedia“ hängt am Tropf der charismatischen „Mystikerin“ Marthe Robin

Von Felizitas Küble

Das Portal „Kathpedia“ ist ein Ableger der erscheinungsbewegten katholischen Nachrichtenseite „Kathnet“, die seit jeher von Medjugorje schwärmt und auch sonst kaum eine Erscheinung ausläßt, die vorschnell propagiert wird. Auch charismatische Phänomene werden gerne ungeprüft hochgejubelt.

BILD: Eine der zahlreichen Jubel-Biografien über Robin – hier vom Stift Heiligenkreuz herausgegeben

Ein typisches Beispiel für diese un-nüchterne, wundersüchtige Haltung ist das euphorische Kathpedia-Lebensbild der französischen Pseudo-Mystikerin und Betrügerin Marthe Robin: http://www.kathpedia.com/index.php/Marthe_Robin

Offenbar hat es sich noch nicht bis zur dortigen Redaktion in Linz herumgesprochen, daß die Neuoffenbarungen dieser 1981 verstorbenen Visionärin nicht von „oben“ stammen, sondern größtenteils per geistigem Diebstahl zusammengestückelt wurden (meist der mystischen Literatur des 19. Jahrhunderts entnommen).
Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/10/06/historiker-kritisiert-geistigen-diebstahl-durch-die-visionarin-marthe-robin/

Treudoof-naiv heißt es auf Kathpedia, Robin habe die „Wundmale Jesu“ empfangen und sich 50 Jahre lang „nur von der hl. Eucharistie ernährt“ – zweifellos wäre allein das schon ein Phänomen sondergleichen für sensationsgierige (Aber-)Gläubige.

Zudem habe sie – was freilich stimmt – mittelbar in vielfältiger Weise eine „Erneuerung der Kirche angeregt“ (gemeint ist die Entstehung schwärmerischer Bewegungen), die als ein „neues Pfingsten“ (!) mehr und mehr spürbar werde. – Anscheinend ist das Portal noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen?!

Robins Sendung sei es, so heißt es weiter, die „Mission der „kleinen Thérèse“ im 20. Jahrhundert fortzuführen, zumal sie schon früh Marienerscheinungen erlebt habe und 50 Jahre ihres Lebens krank im Bett verbracht habe, wobei sie ihren „Leidensweg“ Jesus aufgeopfert habe (also die übliche spirituelle „Karriere“ einer sog. „Sühneseele“).

Sodann schwärmt Kathpedia von ihrem Hingabegebet an Gott, in welchem es u.a. heißt: „Nimm meinen Willen ganz und gar, ich lösche ihn für immer in Deinem Willen aus.“

Niemand hat die „Vollmacht“, den eigenen Willen mittels einer Anrufung gleichsam „auszulöschen“ in den Willen Gottes hinein.

Weiter wird mehrfach ihr jahrzehntelanger Seelenführer Père Georges Finet positiv erwähnt, der sich aber unlängst als Missbrauchstäter herausstellte (was Kathpedia freilich unerwähnt läßt): https://charismatismus.wordpress.com/2020/06/25/die-foyers-de-charite-distanzieren-sich-von-marthe-robins-seelenfuehrer-george-finet/

Natürlich wurde der Visionärin die „Gnade der Schauung“ zuteil – bis hin zur sog. „Herzensschau“ (in Wirklichkeit ein Hellseher-Phänomen), die in der Heiligen Schrift als Gabe des Hl. Geistes überhaupt nicht vorkommt.

Als die „Begnadete“ am 6.2.1981 stirbt, strömen zu ihrer Beerdigung – und das ist in solchen „wundersamen“ Fällen typisch – sechs Bischöfe, hunderte Priester und etwa 7000 Menschen aus aller Welt….

Ja – und wie zutreffend „Kathpedia“ weiter feststellt:

„Marthe Robin trug wesentlich zum Entstehen neuer, geistlicher (Ordens-) Gemeinschaften bei. Sie ist vor allem in Frankreich sehr bekannt und gilt als Schlüsselfigur des 20. Jahrhunderts in der Glaubenserneuerung Frankreichs und Europas.“

Hinsichtlich der von ihr inspirierten Bewegungen werden sodann aufgezählt:

Bei der charismatischen „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ und der Johannes-Gemeinschaft sind sexuelle Affären bzw. Missbrauchstaten der Gründerpersönlichkeiten inzwischen erwiesen.


Historiker kritisiert geistigen Diebstahl durch die „Visionärin“ Marthe Robin

Von Felizitas Küble

Wie das Kölner DOMRADIO am 5. Oktober berichtet, wirft der belgische Historiker und Ordensbruder Prof. Dr. Conrad De Meester der bekannten französischen „Mystikerin“ Marthe Robin Betrug bzw. geistigen Diebstahl vor: https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2020-10-05/hat-die-franzoesische-resl-von-konnersreuth-nur-andere-kopiert-betrugsanschuldigungen-gegen-die

Für die 1981 verstorbene „Stigmatisierte“ läuft in Rom erfolgreich ein Seligsprechungsprozeß, wobei ihr von Papst Franziskus am 8.11.2014 bereits der „heroische Tugendgrad“ zugesprochen wurde, was eine entscheidende Etappe in diesem Verfahren darstellt. (Quelle: http://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2014/11/08/0833/01766.html)

Laut Dr. De Meester „sind die betrügerischen Handlungen so häufig und so brillant inszeniert, dass es unmöglich ist, dass Marthe nichts davon wusste“. Die Botschaften der „Seherin“ seien das Kopier-Ergebnis eines „klugen, aber betrügerischen Flickwerks von Dutzenden mystischer Autoren“.

Das Romradio schreibt weiter: „Der Theologe und Spezialist für christliche Mystik war 1988 gebeten worden, Robins Texte mit Blick auf ihren Seligsprechungsprozess zu studieren. Als er im Dezember 2019 starb, entdeckte sein Klostervorsteher das Manuskript des 400 Seiten umfassenden Buches, an dessen Ende De Meester zu einem kompromisslosen Schluss kommt: Robin habe die Welt getäuscht.“

Marthe Robin ist die geistig-geistliche Ziehmutter mehrerer charismatischer und/oder erscheinungsbewegter Gruppierungen, die in den 70er Jahren in Frankreich entstanden sind. Dazu gehören vor allem die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ sowie „Emmanuel“ und die Kommunität „Die Arche“.

Der Postulator des Seligsprechungsverfahrens ist Pater Bernard Peyrous, der aus der Emmanuel-Gemeinschaft kommt und vor 12 Jahren eine sehr wohlwollende Biographie über Marthe schrieb. – Auch das charismatisch orientierte Stift Heiligenkreuz veröffentlichte vor acht Jahren ein positives Buch über die „besondere Sendung der Marthe Robin(mit einem Vorwort von Kardinal Cordes).

Der Religionsphilosophische Salon berichtet unter dem Titel „Mystik als Betrug?“, es handle sich bei den Plagiaten der vermeintlichen Seherin um „Abschriften von spirituellen Texten aus dem 19. Jahrhundert“:

„In mühevoller jahrelanger Arbeit hat das Prof. Conrad de Meester aus Belgien herausgearbeitet, er ist im Dezember 2019 gestorben. Er war ein angesehener Fachmann für Fragen der Mystik und Mitglied in dem auf Mystik sozusagen spezialisierten Orden der Unbeschuhten Karmeliten.“
(Quelle: https://religionsphilosophischer-salon.de/13021_mystik-als-betrug-die-populaere-katholische-seherin-marthe-robin-frankreich-wird-vom-glorreichen-sockel-gestuerzt_religionskritik)

Hier im CHRISTLICHEN FORUM wurde die „Mystikerin“ samt ihren irrigen Botschaften bereits vor acht Jahren kritisch beleuchtet – danach folgten weitere betont skeptische Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/robin-marthe-mystikerin/


Korruption in Brasilien: Pastor Elveraldo Perreira und seine Pfingstbewegung

Von Felizitas Küble

Am 28. August 2020 wurde der brasilianische Politiker, Geschäftsmann und charismatische Prediger Everaldo Perreira durch die Bundespolizei des Landes festgenommen. Es geht dabei um Unterschlagung öffentlicher Gelder im Corona-Kontext bzw. um einen Korruptionsskandal, in dessen Zusammenhang auch Wilson Witzel, der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, verhaftet wurde. 
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„Pastor Everaldo“, wie er in seinen Kreisen genannt wird, ist der Sohn des pfingst-protestantischen Predigers Heraldo Perreira.
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Er gehört zu den führenden Gestalten in der extrem-charismatischen Bewegung Brasiliens mit ihrer Kirche Assemblies of God, einem Ableger des gleichnamigen internationalen Dachverbands (World Assemblies of God), der bereits im Jahre 1914 gegründet wurde, also in der frühen Zeit der pentekostalen (pfingstlerischen) Bewegung, die in Los Angeles ihren Anfang nahm und sich schon nach kurzer Zeit in Europa und weltweit ausbreitete.
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Im Laufe der Jahre gab es einige Abspaltungen wegen Lehrstreitigkeiten. Der erwähnte Dachverband ist dennoch weltweit der größte pfingstlerische Zusammenschluß, allein in den USA gehören ihm über 12.000 Gemeinden und Organisationen an, sodann über 200.000 Kirchen in 190 weiteren Staaten. 
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Die nationalen Netzwerke und Ableger mischen häufig in der Politik mit, vor allem in Lateinamerika und Afrika; zudem haben diese Pfingstkirchen vielfach große Reichtümer angehäuft, zumal sie von ihren Gläubigen den „Zehnten“ fordern (zehnter Teil des Einkommens) bzw. durch aufdringliche Spendensammelei auffallen oder beides zugleich.
Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro gehört ebenfalls einer protestanischen Pfingstbewegung an, die sich als „Universalkirche vom Königreich Gottes“ bezeichnet.
Im Jordan getauft wurde das Staatsoberhaupt einst von Pastor Perreira, womit sich der spirituelle Kreis wieder schließt.
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Während konservativ-charismatische Medien wie „Kath.net“ vor zwei Jahren über die Wahl Bolsonaros jubelten, schrieben wir damals bereits einen kritischen Artikel über ihn:
https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/26/warum-bolsonaro-kein-hoffnungstraeger-ist/