Das habe ich in charismatischen Kreisen erlebt

Die folgende Schilderung von Erfahrungen in schwärmerisch-katholischen Gruppen stammt von einer Familienmutter und Leserin aus dem Münsterland, die unserer Redaktion seit langem persönlich bekannt ist:

Meine Erfahrungen, die ich in einigen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ machte, haben mich dazu veranlasst, diese Bewegungen wieder zu verlassen. Das Lesen kritischer Bücher und dieses CHRISTLICHE FORUM hat mich dann in dieser Entscheidung weiter bestärkt.

Was mich sehr stark gestört hat, war vor allem die fehlende Bereitschaft, vernünftig mit Einwänden und skeptischen Fragen umzugehen. Man wird in dieser Szene, wenn man etwas kritisch hinterfragt – z.B. Medjugorje und die „Marienerscheinungen“ dort – oft schon beim ersten Gespräch mit dem Teufel in Verbindung gebracht.

Kritik wird als ein Angriff des Satans ausgelegt, der es darauf abgesehen hat – so heißt es – den Skeptiker zu Fall zu bringen. Manche haben mir, als ich mich allmählich von Medjugorje abwandte, vorgeworfen, ich würde die „Gottesmutter verraten“ . Man wird aufgefordert, dieser Versuchung aus der Hölle auf keinen Fall nachzugeben.

Wenn ich Schriften zur Aufklärung angeboten habe, wurde das rundweg abgelehnt. Selber hinterfragen diese Erscheinungssüchtigen nur wenig. Das ist klar, sie wollen ja nicht dem „Teufel“ auf den Leim gehen.

EIne weitere nervige Erfahrung ist das unentwegte Leistungsbeten mit lautem Lobpreis und endloser Nachtanbetung besonders auf Fahrten und Seminaren von Charismatikern.

Morgens früh geht es bei Pilgerreisen schon los mit lautem Trommel-Lobpreis. Mein Sohn hat das selber auf einer Fahrt nach Medjugorje erlebt und ist bis heute abgeschreckt davon. Er sagte mir: „Wir bekamen keine Ruhezeiten, immer wieder Lobpreis, Rosenkranzbeten, Trommeln bis in die Nacht.“ – Das war in den 90er Jahren bei einer Medju-Fahrt mit „Totus tuus“.

Von Medjugorje bin ich nicht zuletzt durch das Buch „Der Medjugorje-Betrug“ aus dem Verax-Verlag abgekommen. Die vielen Beweise gegen die Echtheit dieser Erscheinungen haben mir die Augen geöffnet.

Bei der charismatischen „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, die ebenfalls für Medjugorje wirbt, erlebte ich außerdem den Versuch, die Gläubigen sozusagen auszuhorchen – natürlich unter einem frommen Vorwand.

Oftmals standen die Mitglieder der Gemeinschaft bei ihren Anbetungsandachten mit bis zu drei Personen um einen herum und wollten fürbittend für die Anliegen beten, die man denen erzählen konnte.

Verpackt wurde dieses „Aushorchen“ als Seelsorge und Fürbitt-Gebet im Kirchenraum. Das war nicht weit entfernt von einer Art „Laienbeichte“ (allerdings ohne Beichtgeheimnis-Verpflichtung).

Zudem hat diese Kummerkasten-Methode manche Besucher von dem Gang zur Beichte abgehalten, denn sie hatten ja schon ihre „Seelsorge“ erfahren.

Unmöglich übergriffig wurde es dann in einer charismarischen Gruppenfahrt bei einem indischen Priester, der mich während der Beichte ständig am Arm streichelte.

Meine Freundin hat sich vor Jahren von dem „Heilungsprediger“ Alan Ames trotz meiner Warnung per Handauflegung segnen lassen. Seitdem ist sie oft erschöpft und längst nicht mehr so leistungsfähig, wie ich sie vorher kannte.

Man kann vor diesen Handauflegungen durch Charismatiker nur warnen. Viele bekommen hinterher echte psychische und physische Beschwerden. Ich bin solchen Betroffenen mehrmals begegnet, auch bei Seminaren und Freizeiten in Klöstern.

Ich bin damals, als ich noch in dieser Szene zugange war, spontan zur „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ nach Warstein gefahren. Ich stand dort abends an der Tür, die von ein paar Mitgliedern der Gemeinschaft geöffnet wurde. Das übliche Programm war diesmal ausgefallen. Ich bat um Aufnahme für eine Nacht und darum, in der Kirche still beten zu können, um die Fahrt zu denen nicht vergeblich gemacht zu haben.

Sie sagten mir, sie müssen erst ihren Diakon Karl fragen und ihm meinen Namen nennen. Er könne durch seine besonderen Gnadengaben erkennen, ob Gott wolle, dass ich dort bleiben könne. 10 Minuten später bekam ich den Eintritt, weil Diakon Karl mitteilen ließ: Ja, diese Dame darf herein.

Ähnliches erlebte ich auf einer Wallfahrt nach Wigratzbad, das damals noch sehr charismatisch geprägt war (später änderte sich das erfreulicherweise durch den neuen Direktor Meier).

Auch wurde erst eine Art „Seherin“ befragt, die angeblich mit den Schutzengeln in Kontakt steht, ob ich mitfahren darf. Ich musste ein paar Tage warten, bis die Engelsdame ihr o.k gab. Ich war dann richtig glücklich. Inzwischen sehe ich es als psychisches Spielchen an, das die Leute zum Aberglauben (ver)führt.

Dann fragte ich die Engelsdame auf der Pilgerfahrt neugierig nach dem Schutzengel-Namen meines Patenkindes. Sie sagte mir einen Namen. Später fragte ich noch einmal nach, dann nannte sie mir aber einen anderen Namen des Schutzengels.

Als ich stutzig wurde, weil zwei verschiedene Namen im Raum standen, erwiderte die „begnadete“ Frau: „Manche Menschen haben mehrere Schutzengel.“ Somit war ich erst einmal zufrieden gestellt. Jedenfalls meine ich, dass solche Damen nicht leicht zu entlarven sind, wenn sie so geschickt daherreden.

Wenn man richtig „drin“ ist, fällt es schwer, aus der Charismatik wieder herauszukommen, weil man tatsächliche „Wunder“ erlebt, wie es scheint. Ich bin froh, ausgestiegen zu sein. Auch dafür einen herzlichen Dank an dieses CHRISTLICHE FORUM und Frau Küble, die mich durch viele Informationen auf einen guten und nüchteren Glaubensweg geführt hat.

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Vatikan verbietet erscheinungsmarianisch-charismatische „Apostolische Bewegung“

Von Felizitas Küble

Anscheinend setzt sich im Vatikan zunehmend die Einsicht durch, daß man der Kirche und den Gläubigen keinen Gefallen damit erwiesen hat, in den vergangenen Jahrzehnten fast alle (un)möglichen sogenannten „geistlichen Gemeinschaften“ ohne viel Federlesens anzuerkennen.

Oft lief das leichtgläubig nach der Devise: Fromm ist doch immer gut…

Dabei steht schon in der Heiligen Schrift, daß nicht alles, was den „Schein der Frömmigkeit“ vorzeigt, auch die wirkliche „Kraft des Glaubens“ enthält (vgl. 2 Tim 3,5) – samt der sittlichen Lebenshaltung, die mit einer echten Frömmigkeit verknüpft ist.

Die neueren Gruppierungen aus dem spirituellen Bereich sind meist entweder charismatisch oder erscheinungsbewegt – oder vielfach beides.

Mit einer für nachkonziliare Verhältnisse ungewöhnlichen Strenge hat jetzt der Vatikan eine entschlossene Notbremse gezogen und die aus dem italienischen Calabrien stammende Movimento Apostolico (Apostolische Bewegung) aufgelöst bzw. per Dekret vom 10. Juni 2021 kurzerhand verboten.

Vor 40 Jahren hatte die zuständige Erzdiözese Cantanzaro die von Maria Marino gegründete Gruppe aus Priestern und Laien – die sich auf Marienerscheinungen stützte – noch als „private Vereinigung von Gläubigen“ anerkannt.

Die Gemeinschaft war sehr aktiv, gründete zudem ein Säkularinstitut, betrieb Katechesen (Glaubensunterweisungen) in den Gemeinden, führte christliche Musicals, Chöre und liturgische Tänze durch etc.

Das vatikanische Verbots-Dekret wurde – was ungewöhnlich ist – von den Präfekten dreier Kongregationen zugleich unterzeichnet: Von der besonders hochrangigen Glaubenskongregation, der Kongregation für den Klerus und vom Dikasterium für die Laien. Das Dekret wurde zudem vom Papst ausdrücklich genehmigt und ist damit unanfechtbar bzw. endgültig.

In dem Dokument wird bekräftigt, daß es sich bei den angeblichen Marienerscheinungen der Gründerin um Phänomene handelt, die erwiesenermaßen „nicht übernatürlichen Ursprungs“ (constat de non supernaturalitate) seien.

Die Gottesmutter wird in dieser Bewegung aufgrund von Privatoffenbarungen als „Maria, Mutter der Erlösung“ verehrt.

Diese vatikanische Entscheidung ist die Folge einer Visitation der Vereinigung, die am 13. Oktober 2020 begonnen hatte. Alt-Erzbischof Ignazio Sanna von Oristano wurde zum Apostolischen Visitator ernannt.

Neben den vermeintlich himmlischen „Botschaften“ der Seherin Maria Marino prüften die beauftragten Gesandten aus Rom auch die „lehrmäßigen“ Grundlagen sowie „Probleme disziplinarischer Natur“.

Kritisiert wurde ein elitäres bis sektiererisches Bewußtsein in der Gruppe und eine starke Fixierung auf die „mystische“ Person der Gründerin, wie dies in derartigen Gemeinschaften oftmals der Fall ist.

Auch die Frage der Mittelbeschaffung bzw. wie die Bewegung an bestimmte Vermögenswerte gelangt sein soll, wurde anscheinend untersucht. Die angehäuften Gelder der Gruppe wurden nun – in einer Übereinkunft zwischen Vatikan und dem zuständigen Erzbischof – für caritative Zwecke verwendet und gespendet.

Die Glaubenskongregation ist der pseudomystischen Gemeinschaft freilich schon länger auf den Fersen. Bereits 2014 wollte dieses römische Dikasterium eine nähere Untersuchung ihre „Umtriebe“ vornehmen, wurde aber vom Oberhirten der betreffenden Diözese zurückgehalten: Erzbischof Vincenzo Bertolone von Catanzaro wollte vermutlich auf die „pastorale Unterstützung“ durch diese Bewegung ungern verzichten.


Zwischen Panikmache und Verstiegenheit: Blut-Jesu-„Heilungsgebet“ unter der Lupe

Von Felizitas Küble

Auf den Leser-Foren von Gloria-TV tummelt sich viel Frommes und Oberfrommes, viel Gläubiges und Abergläubiges, gleichsam ein buntes Allerlei kreuz und quer durch die – dort etwas simpel gestrickte – katholische Welt.

Dabei treibt die „Volksfrömmigkeit“ bisweilen seltsame Blüten bis Sumpfblüten im erscheinungsbewegtem Gewande.

Das gilt auch für ein dort empfohlenes sogenanntes „Heilungsgebet durch das Kostbare Blut Jesu“: https://gloria.tv/post/C79d7uGJH1De1GTdiLkF14ajB

Hier seien die wichtigsten Abschnitte nacheinander zitiert:

Unendlich guter Vater, gieße nun in deiner großen Zärtlichkeit das kostbare Blut deines Sohnes Jesus über mich dein Kind X…. aus, um alle Bindungen zu lösen, die Du bei deinem Kind siehst und die es in Ängsten und Krankheit, so wie den Schmerz, in Sünden, in Zweifel, in Qualen, in der Besessenheit, in Unsicherheit und in Schuldgefühl gefangen halten.“

Warum sollte jemand sich in einem Gebet z.B. zur „Besessenheit“ bekennen, obwohl diese gerade bei Gläubigen äußerst selten vorkommt? – Hier wird also unnötige und unangemessen Panik geschürt.

Unklar ist auch, was mit „Bindungen“ genau gemeint ist – der Text erinnert an gewisse charismatische Heilungsgebete mit ihren ständigen Beschwörungsformeln vom „Binden“ und Lösen“, für die es weder in der Bibel noch in der kirchlichen Tradition eine Basis gibt. (Die Stelle bei Mt. 16,18 steht in einem ganz anderen Kontext.)

Diese kritische Deutung wird durch die weiteren Anrufungen bestätigt:

Unendlich guter Vater, löse im kostbaren Blute Deines Sohnes Jesus alle Bindungen, alle diese Verfluchungen, die meinem Glück und meiner völligen Gesundheit entgegenstehen.“

Erneut wird dem Beter unsinnige Angst eingejagt, indem erstens von „Verfluchungen“ die Rede ist, zweitens der irrige Eindruck erweckt wird, als seien diese die eigentliche Ursache von Krankheiten und mangelndem Glückauch dies ist eine bekanne Vorstellung aus dem schwärmerischen Spektrum, das sich gerne in ein Karussell dramatischer Gedanken und Gefühle hineinsteigert.

Dem folgt nun ein Flehruf an Maria, der diese angstbesetzte Pseudo-Frömmigkeit munter weiterführt:

Du aber gütige Mutter Jesu, durchtrenne durch Deinen Gnadendienst alle diese Bindungen, die der Vater im kostbaren Blute seines Sohnes gelöst hat. Heilige Maria, Mutter unseres Retters, treibe das Böse aus den verletzten Bereichen meines Wesens aus und nimm alle Spuren der Mächte des Bösen, die umherschleichen, weg von mir.“

Erstens widersrpicht sich der Text schon im ersten Satz, denn wenn Gott-Vater die vermeintlich fatalen Bindungen bereits „gelöst“ hat, dann gäbe es keine Notwendigkeit zur zusätzlichen „Durchtrennung“ durch die Madonna – einmal abgesehen davon, daß sie nicht von sich aus direkt wirken, sondern lediglich durch ihre Fürsprache bei Christus helfen kann.

Sodann ist die danach folgende Formel („Treibe das Böse aus den verletzten Bereichen…..“) verstiegen und theologisch irreführend, denn wir werden unser Leben lang mit den Wirkungen der Erbsünde zu kämpfen haben – und genau darin besteht unsere Herausforderung (und nicht etwa in einer ständigen Nabelschau – hierbei über unsere „Verletzungen“ meditierend).

Gott hilft uns nicht am Leiden vorbei (das gilt auch für Versuchungen), aber er hilft uns hindurch. Man könnte auch sagen: ER nimmt uns nicht immer die Last hinweg, aber er stärkt unsere Schultern, damit wir sie besser tragen können.

Abschließend wird im typischen Stil charismatischer „Proklamationen“ , welche Gott gleichsam auf eine Gebetserhörung festlegt, Folgendes verkündet:

Vater ich preise Dich für die Wunder, die derzeit durch die Macht des kostbaren Blutes Deines Sohnes Jesus im ganzen Wesen deines Kindes geschehen. Ich bin so sicher, dass Du handelst, dass Du Dein Kind befreist, dass ich Dir jetzt schon für die Wundertaten danke, die durch dieses Gebet geschehen werden.“

Natürlich sollen wir GOTT loben und preisen für alle Hilfen, Gnaden und Wegweisungen, ihm danken für seine Fügungen, für Trost und Beistand. Aber stets sollte dabei der Wunsch aus dem Vaterunser-Gebet im Vordergrund stehen: „Dein Wille geschehe!“

GOTT ist ein persönliches Wesen und keine esoterische „Kraft“ oder Energie, die wir beliebig für unsere Interessen und Zwecke einspannen können, denn seine Gnade und seine Gaben sind unverfübar.

Nicht der Ewige hat uns und unseren Wünschen zu dienen, sondern wir sollen uns ihm als Diener zur Verfügung stellen – so wie Maria es einst bei der Verkündigung durch den Engel so treffend gesagt hat: „Siehe, ich bin die Magd des HERRN – mir geschehe nach Deinem Wort!“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Fotos: Evita Gründler, Dr. Bernd F. Pelz, Archiv


Pater Mathew Naickomparambil: Wenn Visionen der Selbstverherrlichung dienen

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten gehört der aus Kerala in Südindien stammende Geistliche Mathew Naickomparambil zu den bekannten Heilungspredigern, die vortragsreisend auch durch deutschsprachige Länder ziehen und ihre charismatischen Veranstaltungen durchführen.

Typisch ist dieses Plakat von 2019 (siehe Abbildung), das zu Heilungs-Exerzitien mit Mathew Naickomparambil in Wien aufruft dort ist oben gleich von „Geistausgießung und Heilung“ sowie „Wirken des Herrn duch Zeichen und Wunder“ die Rede. Es handelt sich hierbei um wesentliche Signalworte aus dem schwärmerischen Spektrum.

Pater Mathew berichtet in der Publikation „Wiedergeburt im Hl. Geist“ über seine einstige „Gotteserfahrung“, die bei ihm die besonderen Geistesgaben, insbesondere der „Prophetie“ und „Heilung“ hervorgerufen habe.

Sein Buch erschien passenderweise im stark charismatischen, kirchlich nicht anerkannten „Haus Raphael“ in Bad Soden-Salmünster, dem die „Heilungsnonne“ Sr. Margaritha Valappila vorsteht.

Das visionäre Erlebnis des Paters datiert vom September 1970, wobei er damals mit 23 Jahren „erstmals die göttliche Berührung“ erfahren und vom „Heiligen Geist erfüllt“ worden sei: „Ich durfte etwa 15 Minunten lang die Fülle der göttlichen Liebe erfahren.“ (S. 9)

Hier stellt sich für bodenständige Gläubige doch die Frage, warum Mathew als gläubiger Katholik den Heiligen Geist denn nicht schon bei der Taufe und Firmung empfangen hat – und warum er die „göttliche Liebe“ nicht in den weiteren Sakramenten (Beichte, Kommunion) erfahren hat.

Gemeint sind aber im charismatischen Kontext beim Begriff der „Gotteserfahrung“ keine Sakramente als übernatürliche Begegnung mit Christus, sondern grundsätzlich gefühlsmäßige Erlebnisse oder gar rauschhafte religiöse Ekstasen.

Dabei fällt auf, daß die Einstiegs-Visionen dieser „Heilungsprediger“ nicht selten im Grunde eine Selbstverehrung begünstigen und ausdrücken.

Nehmen wir Pater Mathew beim Wort, der davon berichtet, wie „Jesus ihn berührt“ habe:

„Ich bereitete mich um 6 Uhr früh gerade auf meine morgendliche Meditation vor. Da sah ich ein einzigartiges Bild. Ein von oben kommender Lichtstrahl ergoß sich über meinen Kopf. Ich schloß meine Augen. Mit innerer Sicht schaute ich eine göttliche Vision – einen Feuerball, rund wie ein Vollmond.

Himmlische Freude und göttliche Liebe erfüllten mein ganzes Wesen. Innerhalb weniger Minuten glich ich einer Säule aus Licht. Der liebende Gott schenkte mir die Erfahrung der „Taufe im Heiligen Geist„.

Auf Seite 11 heißt es dazu weiter:

„Ich erinnere mich gut an jene Monate, die ich in meinem Zimmer verbrachte, als ich unfähig war, irgendetwas anderes zu tun als zu beten. Es waren Tage seelischer Qualen. Während dieser Tage sprach Gott durch Visionen und Prophezeiungen.“

Offenbar stand er nach seiner besonderen „Gotteserfahrung“ unter einem dauernden Gebetszwang – und dies gleich monatelang. Kein Wunder, daß er von „seelischen Qualen“ spricht. Aber anscheinend macht er sich nicht klar, daß der wahre Gott niemals zu etwas zwingt, auch nicht zum Beten.

Der authentische (echte) Heilige Geist ist ein Geist der Freiheit und Freiwilligkeit, nicht eines „frommen“ Zwanges. Von wirklicher „Geist-Taufe“ also keine Spur!

Zwischendurch spricht der Autor in dritter Person von sich selber bzw. von seinen himmlischen Eingebungen: „Es sind unbezahlbare Botschaften hier enthalten, Botschaften eines barmherzigen Gottes an einen demütigen Diener.

Auf S. 25 geht es ähnlich weiter – stets bezogen auf seine eigenen spirituellen Sonder-Erfahrungen:

„Gott selber führt diejenigen, die ihm lieb sind und segnet sie mit dem großartigen Geschenk der Vereinigung mit ihm.

Ganz offensichtlich berührte der barmherzige Gott seinen demütigen Sohn in der Fülle der Zeit. Gott ergoß seine mächtige Liebe über ihn. Nach langen Jahren des Ausharrens und der Kreuzigung salbte Gott ihn mit Liebe und nahm ihm den Grund seines Kummers aus seinem innersten Herzen fort.“

Es ist hier wohlgemerkt nicht von Christus die Rede, sondern von Pater Mathew selbst – er würdigt seine eigenen Gnadengaben, spricht sogar von „Kreuzigung“, von der „Fülle der Zeit“, erneut von sich als „demütigem Sohn“ usw.

Anscheinend bemerkt er in seiner selbstgefälligen Wolke, auf welcher er sich befindet, nicht einmal, welche theologisch-spirituellen Zumutungen er hier präsentiert.

Wie ganz anders verhielt sich der Apostel Petrus, der einst zu Christus sprach: „Geh hinweg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!“ (Lk 5,8)

Der 2. Teil unserer kritischen Auseinandersetzung mit dem Buch dieses indischen „Heilungspriesters“ f o l g t .


Geistl. Missbrauch: Erzbistum Wien warnt vor charismatischer Bethabara-Gemeinschaft

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten warnt unser Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt, vor dem seelsorglichen Missbrauch in religiösen Gruppen, wobei (un)geistliche Übergriffe auffallend häufig in pfingstlerischen bzw. charismatischen Gemeinschaften auftreten. Dies wurde uns durch Kontakte mit zahlreichen Aussteigern bzw. Geschädigten immer wieder bestätigt.

Wir haben zum (anti)pastoralen Missbrauch bislang 46 Artikel und Erlebnisberichte veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/

Nun hat sich sogar das Erzbistum Wien, dessen Oberhaupt – Christoph Kardinal Schönborn (siehe Foto) – selber zur Charismatik neigt, dazu aufgerafft, öffentlich vor der Bethabara-Gemeinschaft zu warnen und dem schwarmgeistig geprägten Werk jede Tätigkeit im kirchlichen Bereich der Diözese durch ein amtliches Dekret zu verbieten: https://www.stjosef.at/index.php?id=news&newsnr=7035

Hintergrund der jüngsten kirchlichen Warnung ist offenbar der „Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses“ durch den Gründer, Pater Jean-David Lindner, der kirchlich deshalb verurteilt wurde. Dies geht aus einer angefügten Erklärung der Johannesbruderschaft aus Wien hervor.

Bethabara wurde vorher von Bischof Klaus Küng in der Diözese St. Pölten bereits als kirchlicher Verein anerkannt. Wie so oft, waren katholische Hierarchen nicht kritisch genug, wenn es darum geht, hinsichtlich charismatischer Phänomene eine wachsame Unterscheidung der Geister vorzunehmen.

Bischof Küng, der dem Opus Dei angehört, trat am 6.6.2017 sogar selbst bei einer Lobpreis-Konferenz von Bethabara als Redner auf und lies die Veranstaltung auf seiner offiziellen Bistumsseite würdigen: https://presse.dsp.at/einrichtungen/kommunikation/artikel/2017/bethabara-konferenz-mit-bischof-kueng-krems

Die erwähnte Gemeinschaft versteht sich selbst als „charismatisch“ und sogar als „prophetisch“. Wie viele Gruppen ähnlicher Art (z.B. Arche, Gemeinschaft der Seligpreisungen, Johannesgemeinschaft, Emmanuel) hat auch Bethabara seinen Ursprung in Frankreich.

Die Initiative begann dort mit Exerzitien für Jugendliche im Jahre 2005 durch Pater Marie-Angel Carre. Die charismatische Gruppierung schwappte nach Österreich weiter und wurde dort von Pater Jean-David Lindner (ursprünglich ein Angehöriger der „Brüder des hl. Johannes“) geleitet. Dieser Geistliche war seit 2012 sogar Bundesjugendseelsorger der Katholischen Jugend Österreich: https://www.erzdioezese-wien.at/site/nachrichtenmagazin/nachrichten/archiv/archive/30699.html

Pater Lindner fiel seit Jahren auf durch seine Empfehlung fragwürdiger bis irrgeistiger „Seher“ wie z.B. Fra Elia, wodurch er auf der erscheinungsbewegten Webseite „Kath.net“ gerne als Kronzeuge für selbsternannte Begnadete aufgerufen wurde. (Näheres dazu in unserem Bericht: https://charismatismus.wordpress.com/2018/05/31/der-stigmatisierte-und-lichtreiche-bruder-elias-cataldo-tagt-in-krems-und-hallein/) – Schon vorher wurde er gerne auf Kathnet-Videos präsentiert: https://www.youtube.com/watch?v=1w6GxbG9EZE

Aber nicht nur dies – Kathnet veröffentlichte einen euphorischen, wunderbewegten Artikel über ein Bethabara-Seminar zur „Inneren Heilung“. Darin heißt es: „Seelische Wunden, Traumata, Ängste, systematisch betet das Team die verschiedenen Lebensphasen durch, von der Empfängnis bis in die Gegenwart…“ – also auch vorgeburtlich wird nichts ausgelassen in puncto „Innerer Heilung“! (Quelle: https://www.kath.net/news/59649)

Auch ansonsten konzentierte sich die Bethabara-Gemeinschaft gerne auf das Außergewöhnliche und veranstaltete sogar „Prophetenschulungen“, denn – so schwärmte der Gründer – die Seminare waren konzipiert „für Menschen, die ihre prophetische Dimension der Taufgnade ernst nehmen und vollmächtig als Propheten und Fürbitter in dieser Endzeit auftreten möchten. Propheten, die dem Herrn den Weg bereiten“ .

Weitere enthusiastische Auslassungen, wie man sie sonst nur von extrem-pfingstlerischer Seite kennt, finden sich auf einer Informationsbroschüre dieser „Propheten“: https://www.bethabara.de/download/flyer/Informationsbroschuere_Prophetenschule2018.pdf

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Ergänzennder Info-Hinweis vom 9.3.: In der nachfolgend verlinkten Erklärung der Johannes-Bruderschaft ist betr. Pater Lindner konkret von „unkeuschen Handlungen im Rahmen der geistlichen Begleitung“ die Rede, womit der sonstige Ausdruck „Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses“ ergänzt bzw. präzisiert wird: https://johannesgemeinschaft.at/pdf/2020_08_23%20-%20Pressemitteilung.pdf


Evangelikales Aufklärungsbuch über Machtmenschen und geistlichen Missbrauch

Besprechung von Felizitas Küble

Seit gut zwei Jahren ist in amtlichen katholischen Kreisen das Wort vom „Geistlichen“ oder „Spirituellen“ Missbrauch in aller Munde. Entsprechende Veröffentlichungen der ehem. Ordensfrau Doris Wagner-Reisinger und des Jesuiten Klaus Mertes sorgten dafür.

Dabei entstand vielfach der Eindruck, als hätten diese beiden Autoren aus dem reformkatholischen Spektrum ein besonderes, vorher verborgenes oder totgeschwiegenes Thema ganz neu „entdeckt“ und endlich zur Sprache und in die Öffentlichkeit gebracht.

Das ist insofern richtig, als katholische Kirchenobere das Problem lange kaum zur Kenntnis nahmen, geschweige wirksam dagegen vorgegangen sind.

Allerdings kümmert sich nicht nur unser CHRISTLICHES FORUM inzwischen seit fast 10 Jahren um diese Problematikund dies z.B. mit dutzenden von Sach-Analysen sowie Erlebnisberichten von Betroffenen oftmals aus der charismatischen Szene.

Auch auf dem evangelikalen Buchmarkt gibt es seit Jahrzehnten ein breites Feld der Aufklärung vor seelsorglichem bzw. pastoralem Missbrauch. (Siehe unsere Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/07/evangelikale-buecher-warnten-schon-vor-lange-vor-dem-geistlichem-missbrauch/ und hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/06/12/warnung-vor-geistlichem-seelsorglichem-missbrauch-durch-scheinheilige/)

Diese theologisch konservativen evangelischen Autoren haben sich dabei häufig vor allem charismatische und neo-pfingstlerische Gruppen vorgeknöpft – und dies deshalb, weil dort die Anfälligkeit für „Machtmenschen“ besonders stark ist, wenngleich nicht hierauf begrenzt. Freilich hat der Protestantismus mit dieser Schwarmgeisterei auch schon viel länger ein Problem – nämlich seit Anfang des 20. Jahunderts, die kath. Kirche erst seit 1968 – von daher auch die schnelleren Abwehr-Reaktionen.

Der pietistische Prediger und in Skandinavien vielgelesene Schriftsteller Edin Lovas aus Norwegen veröffentlichte bereits 1996 – also vor einem Vierteljahrhundert – im pietistischen Brendow-Verlag seine warnende Schrift über „Wölfe in Schafspelzen“.

Dabei ging es ihm nicht etwa um die „böse Welt“, sondern – so der Untertitel – um „Machtmenschen in der Gemeinde“, also innerhalb der Christenheit.

Seine Aufklärungsschrift entstand nach vierzig Jahren Seelsorgsarbeit, wobei er „entsetzt“ darüber sei, „welches Ausmaß von Leiden durch Machtmenschen“ einzelnen Gläubigen, aber auch ganzen Gemeinden und Gemeinschaften zugefügt worden sei, schreibt er im Vorwort und fügt hinzu:

„Ich bin zugleich bestürzt darüber, daß in christlichen Kreisen und selbst unter sachkundigen Fachleuten über diese Dinge nicht offen und ehrlich geredet wird.“

Der Verfasser, der im norwegischen Sandom eine Jesus-Meditations-Bewegung gründete, die den Ignatianischen Exerzitien der katholischen Jesuiten ähnelt, stellt besorgt fest: „Soweit ich Einblick habe, scheinen die Opfer von Machtmenschen selten ernst genommen zu werden.“

Diesen Befund kann ich aus meiner eigenen jahrzehntelangen Erfahrung mit Aussteigern nur bestätigen. Vielfach zeigt sich dies auch hier bei uns in Leserkommentaren von charismatischen Eiferern:

Wenn ein Geschädigter über seine negativen Erfahrungen in schwarmgeistigen Zirkeln berichtet, kommt sofort die Selber-schuld-Keule von dieser Seite: Die Betroffenen seien psychisch angeknackst, wollten sich jetzt nur „rächen“, hätten die „Sünde gegen den Heiligen Geist“ begangen, die Strafe des Himmels folge auf dem Fuße – und dergleichen Unfug mehr. Natürlich werde auch ich ständig mit solchen „Keulen“ konfrontiert so z.B. seit vielen Jahren auf erscheinungsbewegten Seiten von Gloria-TV und früher auch auf „Kathnet“, was mich aber nicht aus dem kritischen Konzept bringt, sondern vielmehr darin bestätigt.

Der deutsche Buch-Herausgeber Andreas Ebert bezeichnet derlei Verirrungen in seinem Vorwort mit Recht als einen „wunden Punkt“, auf den man den Finger legen müsse (S. 11), denn „schlimme Formen des Machtmißbrauchs“ gäbe es eben nicht nur in der Politik, sondern auch in christlichen Kreisen und Gemeinden.

Er erwähnt auf derselben Seite „neopfingstlerische Strömungen“aus den USA sowie die charismatische „Glaubensbewegung“, die sich auch als „Herrlichkeitstheologie“ bezeichnet – gemeint ist das sog. „Wohlstandsevangelium“. Dort werde gelehrt, „daß Kinder Gottes das Anrecht auf irdischen Wohlstand und diesseitiges Wohlergehen“ hätten.

Weiter heißt es, daß auf „diesem Boden“ Gruppen und Gemeinden ohne Kontrolle und Ordnung entstehen: „Sie sammeln sich um starke, angeblich direkt von Gott berufene Führergestalten“.

Und genau dies ist der springende Punkt!

Eine FORTSETZUNG unserer Buchbesprechung folgt demnächst.


Geistlicher Missbrauch: Bischöfliche Visitation von „Totus Tuus“ im Bistum Münster

Bei der Visitation der Gemeinschaft Totus Tuus sind „noch nicht alle Fragen geklärt“: Das hat der Münsteraner Bischof Felix Genn am Rande einer Online-Tagung zum Thema „Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch“ erklärt.

Seit drei Jahren läuft im Bistum Münster eine kirchliche Visitation (Untersuchung) der charismatischen Jugendgruppe „Totus Tuus“, die durch ihre Medjugorje-Begeisterung entstanden ist und 1994 gegründet wurde. 10 Jahre später wurde sie im Bistum Münster kirchlich anerkannt bzw. bischöflich approbiert.

Nachdem ehemalige Mitglieder aber von (un)geistlichem Missbrauch und autoritärem Machtgebaren durch führende Personen berichtet hatten, begann 2017 die erwähnte Visitation. Im Mai dieses Jahres meldeten sich weitere Aussteiger in der Herder-Korrespondenz und beklagten den psychischen Druck, den sie erlebt hätten.

„Die Leitung von ‚Totus Tuus‘ hat es verpasst, ihre Mitglieder zu freien und mündigen Christen zu machen“, berichtete eine weitere Betroffene in einem Beitrag des „Deutschlandfunk“. Darin wurde auch der Führungsstil des Gründers Leon Dolenec kritisiert.

Das Ergebnis der Visitation soll noch Ende dieses Jahres bekannt gegeben werden.

Quelle (auszugsweise): https://de.catholicnewsagency.com/story/geistlicher-missbrauch-noch-nicht-alle-fragen-geklart-bei-untersuchung-von-totus-tuus-7288

Info-HINWEIS: Wir haben uns im CHRISTLICHEN FORUM bereits vor neun Jahren kritisch mit der Gruppe „Totus tuus“ befaßt – und auch danach mehrfach: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/totus-tuus-medju-charismatisch/


Hillsongs charismatischer Starprediger Carl Lentz wegen Ehebruchs entlassen

Von Felizitas Küble

Der 42-jährige Pastor Carl Lentz wurde von seiner charismatischen Hillsong-Megagemeinde wegen ehelicher Untreue gefeuert. Er ist seit 2003 mit seiner Frau Laura verheiratet und hat drei Kinder.

Viele Hollywood-Stars gehörten zu seiner Hillsong-Church, darunter der bekannte Sänger Justin Bieber (26 Jahre alt), der sich im August 2017 von ihm taufen ließ und auch privat mit ihm befreundet ist.

Neben Ehebruch werden Starprediger Lentz, der sich gerne in Röhrenjeans präsentiert, von Seiten Hillsongs nun auch „Vertrauensbrüche“ und Probleme in der Gemeindeführung vorgehalten.

Der jetzige Rauswurf ist nicht der erste Skandal in der pfingstlerischen Hillsong-Church: Bei ihrem Gründer Frank Houston wiegen die moralischen Verfehlungen noch schwerer. Er wurde sogar entlassen wegen sexuellen Mißbrauchs von Jungen.

Siehe hierzu und zur Entwicklung von Hillsong mein ausführlicher Artikel vom Vorjahr: https://charismatismus.wordpress.com/2019/03/04/charismatische-hillsong-kirche-zwischen-disco-spektakeln-und-sexskandal/


Frankreich: Kritisches Buch über die „stigmatisierte“ Marthe Robin erschienen

Von Felizitas Küble

Am 8. Oktober 2020 ist in Frankreich ein Buch herausgekommen, das schwerwiegende Enthüllungen über die in diesem Land sehr bekannte „Mystikerin“ Marthe Robin enthält; ihr wird darin systematischer Betrug und Täuschung ihrer Anhänger nachgewiesen.

Der Autor Prof. Dr. Conrad De Meester ist freilich kein „investigativer“ Journalist, der es auf Sensationsberichte abgesehen hat, sondern ein wissenschaftlich gründlich arbeitender Karmelit aus Flandern.

Der Ordenspriester und angesehene Kirchenhistoriker befaßte sich jahrzehntelang mit den großen Mystikerinnen des 20. Jahrhunderts. Wohl nicht zuletzt deshalb erhielt er von bischöflicher Seite den Auftrag, die Schriften, Lebensweise und Botschaften der 1981 im „Rufe der Heiligkeit“ verstorbenen Marthe Robin theologisch und spirituell zu untersuchen, zumal für sie bereits ein Seligsprechungsverfahren in Rom lief.

Leider wurde das Buch über die gelähmte Frau aus der Drôme erst posthum (nach dem Tod) veröffentlicht, denn der Autor starb am 19.12. 2019. Es scheint bislang unklar, weshalb Prof. De Meester oder sein Ordensoberer mit der Veröffentlichung gezögert hat.

Die im 20. Jahrhundert bekannteste Mystikerin Frankreichs gründete mehrere Bewegungen, darunter ihre Foyers de Charité (70 Foyers in 40 Ländern) zu deutsch: Vorhof bzw. Herdfeuer der Nächstenliebe.

BILD: Eines der vielen euphorischen Bücher über Marthe, hier aus dem Stift Heiligenkreuz

Maßgeblich beteiligt war die zudem bei der Entstehung und Ausbreitung charismatischer Gruppen wie der „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, der „Arche“, der Gemeinschaft Emmanuel oder der Johannes-Gemeinschaft.

Über diese Kommunitäten haben wir im CHRISTLICHEN FORUM seit Jahren kritisch berichtet, ebenso mehrfach über Marthe Robin – und dies bereits seit acht Jahren, also längst vor den erwähnten „Enthüllungen“.


Geistlicher Missbrauch durch öffentliche „Beichte“ nicht nur in „Integrierter Gemeinde“

Von Felizitas Küble

Die Katholisch Integrierte Gemeinde (IG), die vor allem in München jahrzehntelang gewirkt hat und großes Ansehen in kirchlichen Kreisen bis hinauf in den Vatikan genoß, ist jetzt ins Gerede gekommen.

Sogar Benedikt XVI. hat sich nunmehr öffentlich von der IG distanziert und seine frühere Unterstützung bedauert, die sich über dreißig Jahre erstreckte. (Vgl. hier: https://www.amazon.de/Wegbegleitung-Ratzinger-Benedikt-Katholische-Integrierte/dp/3932857402)

Die Vorwürfe gegen die intellektuell und theologisch durchaus anspruchsvolle Gemeinschaft beziehen sich auf überzogene Kontrolle der Mitglieder, Manipulation des Privatlebens, seelsorgliche Mißstände – kurzum: es geht um geistlichen Missbrauch.

Dr. Benjamin Leven hat sich ausführlich mit dieser Causa befaßt und auf CNA über seine Recherchen über die IG informiert, die von Frau Traudl Wallbrecher in München gegründet wurde: https://de.catholicnewsagency.com/story/die-katholische-integrierte-gemeinde-und-papst-benedikt-ein-interview-7170

Ein besonders schwerwiegender Kritikpunkt ist aus meiner Sicht jener, wonach in der IG „die ordentliche Beichte in der Gemeinde durch öffentliche Bußgespräche im Rahmen von Versammlungen ersetzt“ worden sein soll. Dies wäre tatsächlich – das sagt Dr. Leven zu Recht – ein „schwerwiegender Missbrauch des Sakraments“.

Allerdings sollte in der jetzigen Debatte um die IG nicht übersehen werden, daß es genau diese Problematik auch in anderen „neuen geistlichen Bewegungen“ gibt – und zwar schon lange, vor allem im „Neokatechumenat“ und etwas abgemildert in einigen charismatischen Gruppen wie z.B. der „Gemeinschaft der Seligpreisungen“.

In unserem CHRISTLICHEN FORUM berichten wir seit langem über solche strukturellen Fehlentwicklungen, die den geistlichen Missbrauch geradezu begünstigen, so daß man sich über seelsorgliche Übergriffe und gruppendynamische Manipulationen nicht zu wundern braucht.

Siehe hierzu als Beispiel unsere folgenden drei Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/30/oeffentliche-beichten-eine-sumpfbluete-die-pastoralen-missbrauch-beguenstigt/

https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/29/religioeser-missbrauch-durch-die-laienbeichte/

https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/10/meine-erfahrungen-bei-der-gemeinschaft-der-seligspreisungen-in-warstein/

HIER v i e r z i g Beiträge über geistlichen Missbrauch (darunter sowohl Grundsatzartikel wie Erlebnisberichte von Aussteigern): https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/