Nonnen als Opfer von sexuellem Missbrauch – Charismatischer Bischof Mulakkal vor Gericht

Der katholische Frauen-Blog „Beiboot Petri“ schreibt, es gäbe neben einer klerikalen Päderasten-Lobby eine „weitere Seuche, über der ein Grabtuch des Schweigens hängt“.

Es handle sich um sexuellen Mißbrauchs von Nonnen durch Geistliche, der vor allem in Afrika verbreitet sei, teils aber auch in Asien nicht selten:

„Zur Zeit findet in Indien der sensationellste Skandal dieser Art statt. Bischof Franco Mulakkal ist das frühere Oberhaupt der Diözese von Jullundur in Panjab sowie Berater des Vatikans für den interreligiösen Dialog, der jetzt vor Gericht steht und dessen Opfer eine Nonne aus Kerala ist, die vom Bischof zwischen 2014 und 2016 ein dutzendmal sexuell mißbraucht worden sein soll  – er jedoch sagt, er sei unschuldig.

Seltsamerweise haben außerdem die Bischofskonferenzen in Afrika und Asien acht Jahre, nachdem sie die Aufforderung von der vatikanischen Glaubenskongregation bekommen hatten, immer noch keine Richtlinien zur Handhabung der Fälle Mißbrauchs Minderjähriger entwickelt.

Einer der Gründe für diese Trägheit ist – wie Papst Franziskus selber beobachtet hat – die sehr spärliche Kenntnis der Schwere und Universalität der Frage auf diesen Kontinenten, die als nur dem Westen zugehörig angesehen wird.“

Der angeklagte Bischof Mulakkal gehört zur „Charismatischen Erneuerung“, was kaum erstaunt, denn in Süd-Indien (vor allem in der Region Kerala) ist die pentekostale (pfingstlerische) Bewegung sehr stark verbreitet.

Noch im Jahre 2016 hat das erscheinungsbewegte und schwarmgeistige „Radio Maria“ für Exerzitien mit diesem Bischof geworben: https://www.radiomaria.ch/de/kurz-einkehrtage-mit-bischof-franco-mulakkal

Er ist nicht der einzige höhere Kleriker aus der Charismatik, der in dieser Hinsicht auffällt. Prälat Dale Fushek, ehem. Generalvikar der US-Diözese Phoenix, gründete die charismatische Jugendbewegung „Life Teen“; er wurde 2005 von seinem Diözesanbischof wegen mehrfacher Missbrauchsvorwürfe beurlaubt. 

In Deutschland gehörte Weihbischof Eisenbach (Bistum Mainz) ebenfalls zur „Charismatischen Erneuerung“. Er trat wegen einer intimen Beziehung zu einer verheirateten Frau im Jahr 2002 vorzeitig zurück.

HINWEIS: Gerade in Indien  – aber nicht nur dort – wird auch nicht-katholischen, verheirateten Priestern orthodoxer Konfession ein Mißbrauch der Beichte vorgeworfen:

„In Kerala klagt eine Frau einen Priester der Malankarisch-Syrisch-Orthodoxen Kirche an, sie missbraucht zu haben, nachdem sie ihn 2014 um Hilfe in einer Familienangelegenheit gebeten hatte. Ein anderes Gemeindemitglied beschuldigt außerdem fünf syrisch-orthodoxe Priester, seine Ehefrau mit Informationen zu erpressen, die sie ihnen während der Beichte anvertraut hatte, und sie sexuell zu missbrauchen.“

Quelle: https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2018-08/indien-missbrauch-beichte-frauen.html

 


Warum ich vor der Charismatik warne: eine Bedrohung für die Gläubigen

Von Pfarrer Winfried Pietrek

Ein Schwarmgeist ist ein Christ, für den Gefühlserfahrungen in seinem religiösen Leben an erster Stelle stehen. Es geht ihm – vielleicht unbewusst – zuerst um das Glaubens-Erlebnis, dann erst um die Glaubens-Lehre.

Christus hat zwar gefordert, Gott auch aus unserem ganzen Gemüt zu lieben, doch entscheidend im Glaubensleben sind Verstand und Willen – gemeinsam mit dem Herzen, dem innersten Kern jeder Person.

BILD: Pfr. Pietrek bei einer Predigt in seiner Kapelle

Im Alltag begegnet wohl jedem Priester auch die „Charismatischen Bewegung“: „Das habe ich doch selbst erlebt!“ heißt es dann. Oder: „Das spüre ich in meinem Innern!“

Welche Folgen das Schwärmertum hat, erlebe ich als Seelsorger fast täglich:

Da behaupten Katholiken, zu ihnen hätte ein Engel, Maria, Jesus oder der himmlische Vater ganz klar gesprochen – obwohl die angeblich geoffenbarten Worte der kirchlichen Glaubenslehre widersprechen, verführerisch sind oder der eigenen Eitelkeit schmeicheln.

Solche visionären Erlebnisse hat z.B. der charismatische Wunderheiler Alan Ames, ein Laien-Segner, der die Welt durchreist und seine Bücher verkauft.

Viele, die bei den „Segnungen“ von Ames  –  oder bei der Handauflegung anderer „Wunderheiler“  –  in Trance auf den Rücken gefallen sind („Ruhen im Geist“), bleiben oft lange körperlich oder seelisch belastet und erleben nach anfänglichen Hochgefühlen später Depressionen oder andere psychische Störungen, so dass sie Hilfe beim Psychiater oder Exorzisten suchen.

Manche aber schwören geradezu auf solche Erlebnisse, verteidigen sie hartnäckig, fast wie in einem Rausch, auch fanatisch. Ganz wesentlichen Einfluss auf die Verführten hat es, dass sie bei solchen Veranstaltungen in die Massensuggestion einer begeisterten Gemeinde eintauchen, suggestive Predigten hören und dass ihr ganzer Körper – z.B. durch Hochwerfen der Arme und Wackeln mit den Händen –  in das charismatische Segnungsfestival einbezogen ist.

BILD: Eines der zahlreichen Bücher von Pfr. Pietrek: „Wunder heute – Gott ist da“

Konkret wird in manchen „Heilungs-Gottesdiensten“ bekannt gegeben, wie viele Krebs-Erkrankungen, Migräneanfälle, Schmerzen oder Lähmungen angeblich geheilt wurden – ohne dass diese „Wunder“ den kirchlichen Autoritäten zur Überprüfung gemeldet werden – wie es der Vatikan doch fordert.

In meinem Archiv habe ich zahlreiche Berichte über charismatische „Heilungswunder“ gesammelt, die sich als ein durch Massensuggestion hervorgerufener Placebo-Effekt erklären lassen. Wie sorgfältig und vorsichtig die Kirche Heilungen überprüft, wird an Zahlen deutlich: In Lourdes z.B. sind von 7000 ärztlich festgestellten „unerklärbaren Heilungen“ nur 67 als  Wunder im kirchlichen Sinne anerkannt worden.

Es ist das Verdienst der Broschüre Wunderheilungen und ‚Ruhen im Geist’ (94 S., 3 €), die charismatische Heilungswunder und das so genannte „Ruhen im Geist“ (Umfallen nach charismatischen Segnungen) unter die Lupe nimmt, solche Heilungen zuerst als natürlich bewirkt vorzustellen, z.B. als Placebo-Effekte, Hypnose oder Trance. Sie legt darüber hinaus aber auch überzeugend dar, dass diese Phänomene bisweilen als okkult-dämonisch erklärt werden können.
 
Wer sich auf charismatische „Begnadete“ fixiert, überschätzt  –  so erlebe ich es in der Seelsorgepraxis  –  seine eigene Urteilsfähigkeit weit und ist oft argumentativ nicht mehr zu erreichen. Er hat sich festgelegt, ist nicht bereit, sich korrigieren zu lassen, selbst wenn Familienbande zerreißen.

BILD: Pfr. Pietrek als junger Priester im Einsatz gegen eine Abtreibungsklinik in Lindenfels

Jedes Wort prallt an seinem Herzen ab: „Ich habe doch diese pure Heiligkeit selbst erlebt. Sie können gar nicht mitreden. Sie kennen diese(n) Begnadete(n) ja gar nicht persönlich! Gott wirkt, wie und wo er will.“  –  „Sie sind ein Feind des Heiligen Geistes!“ wird mir dann vorgeworfen.

Die geistige Verblendung charismatisch Verführter ist geradezu erschreckend. Leichtgläubige und religiös wenig ausgebildete Personen werden nur zu oft durch Predigten und Bücher charismatischer Wunderheiler, z.B. von P. James Manjackal oder P. Joseph Vadakkel – in denen Irrlehren und Falschaussagen nachweisbar sind – in die Irre geführt. 

Da die „charismatischen“ Segnungen (Charisma = Gnadengabe) seit Mitte der 1960er Jahre über die protestantische Pfingstbewegung in die katholische Kirche eingedrungen sind und Millionen erfasst haben, werden in der Broschüre Wunderheilungen und ‚Ruhen im Geist’ auch freikirchliche „Segner“ mit ihren Praktiken namentlich vorgestellt. Besonders interessant sind die vielen „Fall“-Berichte von persönlich Betroffenen.

Hier einige Beispiele aus meiner Seelsorgspraxis:

Ein Priester, der das Evangelisations- Zentrum in Bad Soden aufsuchte, berichtet mir: „Als ich nun partout nicht umfallen wollte, wurde vom Segnenden mit einem kräftigen Stoß nachgeholfen.“

Eine Frau berichtet von dort: „Nach dem charismatischen Segen durch Handauflegung dachte ich: ‚Ich werde bekloppt im Kopf.’  – Ich konnte die Sünden hören, die mein Mann im Nebenraum dem Priester zuflüsterte.“

Eine andere Frau sagte: „Während ich am Boden lag, hatte ich schöne Gefühle. Diese waren allerdings nicht von Dauer. Einigen anderen ging es wie mir.“

Ein junger Mann schildert: „Beim zweiten Segen fiel ich wieder nach hinten, aber dieses Mal spürte ich keinen Frieden, sondern große Angst. Die negativen Gefühle steigerten sich. Total erschöpft stand ich auf… Als sich noch Depressionen einstellten und ich nahe daran war, mir das Leben zu nehmen, habe ich mich einem Priester anvertraut… Ich erholte mich langsam. Ich kann nur alle dringend warnen.“

Ein Priester schreibt mir: „Nach einem Besuch von Medjugorje bin ich in großer Gewissensnot… Zu meiner Überraschung sah ich (dort) viele von den Gläubigen umfallen… Manche fielen auf den Rücken mit lautem Schreien und wilden Gebärden.“

Ein Briefauszug: „Seitdem ich mir von Schwester Margaritha Valappila die Hände auflegen ließ, fühle ich mich wie tot und meine linke Hand zittert. Vor allem beim Gebet erlebe ich dieses Zittern.“

Aus persönlichen Gesprächen mit Katholiken, die jahrelang an Sr. Valappilas Veranstaltungen teilgenommen haben, weiß ich, dass ganze Familien dadurch Belastungen und Ängste erfahren haben.

Betroffene verteidigen sich mit Bekehrungs-Erlebnissen. Doch es gehört zur Strategie des Bösen, mit „Erfolgen“ zu pokern.

Wer aber erlebt, dass Gläubige, die aus charismatischen Veranstaltungen zurückkehren, enthusiastisch jubeln: „Wir haben jetzt den Heiligen Geist!“, der wundert sich, mit welcher Selbstsicherheit und Heilsgewissheit von solchen Priestern und Laien das Sakrament der Firmung durch die sog. Geisttaufe verdrängt wird. Schon der Ausdruck „Geisttaufe“ zeigt, dass es dabei nicht um die Erneuerung der Firm-Gnade geht.

Bei solchen „Segnungen“ wird zugleich das Zeichen der Handauflegung missbraucht, das biblisch eindeutig der Spendung der Sakramente zugeordnet ist. Selbst der Weltkatechismus stellt fest: Je mehr aber „eine Segnung das kirchliche und sakramentale Leben betrifft, desto mehr ist ihr Vollzug dem geweihten Amt vorbehalten.“

Bücher und Broschüren von Pfr. Pietrek können hier online bestellt werden: http://www.christliche-mitte.de/index.php/publikationen/

 


Philipp Madre und seine charismatische Fixierung auf das „Wort der Erkenntnis“

Von Felizitas Küble

Was man hinsichtlich der Esoterik-Szene und erst recht im Spiritismus schlicht als Hellseherei oder Wahrsagen bezeichnen würde, gilt in der charismatischen Bewegung als „Wort der Erkenntnis“, angeblich eine besondere Geistesgabe von oben, die zum Bereich des „Prophetischen“ gehöre.

Was der in Anspruch genommene „Heilige Geist“ aussendet, was besonders begnadete Personen empfangen, kann ja wohl  – so heißt es –  nichts Okkultes, auch nichts bloß (Para-)Psychologisches (also mehr oder weniger natürlich Erklärbares) sein, sondern gehört zu dem, was man in der schwarmgeistigen Spektrum als anzustrebende „Salbung“ betrachtet, die gar nicht genug herbeigesehnt werden kann.

Nun muß man kein Psychologe sein, um sich Folgendes vor Augen zu führen:

Wenn ein Gläubiger sich in einen gewissen geistlichen Hochmut versteigt (ohne sich natürlich dieser Problematik bewußt zu sein), wenn er seine Verstiegenheiten vielmehr als besondere „Gnadengabe“ betrachtet, dann fällt der Fall nach unten oft umso härter aus (von der „Wolke“ so hoch da oben in die schlimmsten „Niederungen“ der ungeistigen Art). Wie sagt der Volksmund: Hochmut kommt vor dem Fall.

Kein Wunder also, daß Gemeinschaften, die sich für besonders geisterfüllt halten, überdurchschnittlich häufig von Skandalen um Sex, Geld und Macht heimgesucht werden, wie das die protestantisch-pfingstlerische Starprediger-Szene in den USA seit Jahrzehnten eindringlich belegt.

Allerdings beschränkt sich das Phänomen nicht auf den entsprechend gepolten evangelischen Bereich.

Auch bei betont charismatisch-katholischen Gemeinschaften zeigt sich dieselbe Problematik, die damit zusammenhängt, daß der „Begnadete“ sich erstens selber einbildet, er stände sozusagen als Geisterfüllter gleichsam „über dem Gesetz“, zweitens seine Anhänger sich erst recht nicht getrauen, diesem „Propheten“ zu mißtrauen,  müssen sie doch befürchten, die in diesen Kreisen ständig an die Wand gemalte „Sünde gegen den Heiligen Geist“ zu begehen usw…

Dieser sowohl sexuelle wie auch (un)geistliche Machtmißbrauch zeigte sich auch in der charismatisch-erscheinungsbewegten, sehr an Medjugorje orientierten „Gemeinschaft der Seligpreisungen“:

Deren Gründer (Bruder Ephraim) mißbrauchte schutzbefohlene Ordensschwestern seines Werkes und ein minderjähriges Mädchen. Sein eng mit ihm verbundener Mitgründer, Br. Albert Pierre-Etienne, wurde von einem französischen Gericht wegen sexueller Übergriffen gegen Kinder und Jugendliche verurteilt. 

Ephraims Mitgründer und späterer Generalmoderator, der Diakon, Arzt und Familienvater Dr. Philipp Madre, wurde wegen Mißbrauchstaten vom Vatikan nicht nur amsenthoben oder suspendiert, sondern sogar laiisiert (in den Laienstand zurückversetzt), war also von einer der härtesten Kirchenstrafen für Kleriker betroffen, die es überhaupt gibt.

Eben jener in der Seligpreisungs-Gemeinschaft führende Philipp Madre schrieb viele Bücher über charismatische Erneuerung und besondere Geistesgaben, darunter das Buch „Wort der Erkenntnis“ (siehe Foto).

Darin wird schon nach wenigen Seiten die typische Verstiegenheit und die (Sehn-)Sucht nach außergewöhnlichen „Charismen“ deutlich, die in diesen Kreisen oftmals vorherrscht.

Das „Wort der unmittelbaren Erkenntnis“ (S. 21) vollzieht sich etwa in Versammlungen, wenn der mit dieser Gabe „begnadete“ Leiter erklärt, es befände sich z.B. jemand unter der Menge, der 17 Jahre alt ist, Drogen nimmt und nun geheilt sei – oder drei taube Männer könnten soeben plötzlich wieder gut hören etc. 

Manchmal wird das „Wort der Erkenntnis“ auch in der Weise praktiziert, daß einer Person bei der Segnung bzw. Handauflegung mitgeteilt wird, welchen besonderen Auftrag sie von Gott habe oder von welchen seelischen Verletzungen sie „befreit“ werde etc.

In diesem Sinne schreibt auch Madre, er und seine Frau hätten durch die Handauflegung eines charismatischen Geistlichen diese „zu unserem Dienst notwendige Gabe“ (wozu „notwendig“?) erhalten (S. 10), so daß sie „genauere Aussagen, die in einem Wort der Erkenntnis verborgen waren, erhalten konnten, wie z.B. über das Alter, den Beruf oder die genauen Umstände der Verletzung der Person oder den Vornamen und anderes.“

Was unterscheidet nun dieses Phänomen von dem seit  jeher bekannten Vorgang des esoterischen „Hellsehens“?

Einzig die Behauptung, das „Wort der Erkenntnis“ stamme nun einmal vom Heiligen Geist – und punktum!

Auf S. 11 schreibt der Autor munter drauflos: „Was Gott vor 2000 Jahren durch das öffentliche Wirken seines Sohnes vollbracht hat, führt Er fort, auch auf die Gefahr hin, damit zu erstaunen, zu verwirren oder zu schockieren“.   

Verwirrend bis schockierend ist gewiß  manches in der schwarmgeistigen Szene, allerdings hat Christus in keinem einzigen Fall durch Handauflegung das „Wort der  Erkenntnis“ vermittelt, auch hat er bei seinen Heilungen keine vermeintliche „Seelenschau“ betrieben und irgendwelche Einzelheiten aus dem Leben des vorher Kranken ausgeplaudert.

Wahr ist es freilich, wenngleich gewiß nicht erfreulich, wenn der Verfasser über seine Sondergabe weiter schreibt: „…es beginnt sich diese Art von charismatischen Ausdruck gegenwärtig in den Kreisen der sog. „Erneuerung“ rasch auszubreiten“ (S.13).

Allerdings gäbe es hierbei Widerstände von anderen Gläubigen, weiß er zu berichten: „Besonders heutzutage fürchtet man sich jedoch sehr vor dem Wunderbaren aus Angst, es könnte die Schwachen täuschen, die Einfachen verführen und zur Flucht oder zu irgendeinem Mystizismus verleiten.“ (S. 14).

Wie wahr – und wie berechtigt diese Sorge ist, hat seine eigene Gruppierung zur Genüge unter Beweis gestellt.

Die vermeintlich geisterfüllte Verstiegenheit („emporgehoben“) wird auf S. 15 wieder einmal deutlich, wo es heißt, das „Wort der Erkenntnis“ sei eine „Sinneserfahrung mystischer oder charismatischer Art“, wobei sie immer eine „subjektive Beimischung“ beinhalte.

Das wirke zwar bisweilen störend, sei aber zugleich „beruhigend“, denn sie verweise darauf, „daß die gesamte menschliche Natur einschließlich der Sinne „emporgehoben“ werden kann von der Gnade.“

Ja, gewiß – allerdings ist gerade bei der „Emporhebung“ der Sinne Vorsicht geboten, denn wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen (vgl. 2 Kor 5,7), wie der Apostel Paulus schon vor zweitausend Jahren betonte, der die Geister noch zu unterscheiden wußte.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Von links bis rechts: Endzeitschwärmerische Träume von einem goldenen Zeitalter

Von Felizitas Küble

Die Hoffnung stirbt zuletzt – das ist bekannt, verständlich und oftmals auch gut so, vor allem im persönlichen Leben.

Nun gibt es in der Welt des Glaubens und der „Spiritualität“ allerdings Träume, die Schäume sind, weil sie weder der Realität noch der Heiligen Schrift entsprechen. Trotzdem ist die Kraft und Faszination visionärer Zukunftsbilder seit Jahrtausenden ungebrochen.

Dazu gehört auch die uralte und immer wieder neue Vorstellung von einem „goldenen Zeitalter“ am Ende der Geschichte, gleichsam der krönende Abschluß, das positive Finale für die Menschheit.

Wer sehnt das nicht gerne herbei?

Die Sache hat nur einen Haken: Der Wunsch ist hier Vater des Gedankens. Das wird im Neuen Testament deutlich herausgestellt.

In politischer Hinsicht gibt es diese Visionen von der gelungenen „Vollendung“ der Geschichte ebenfalls: Im Marxismus ist es das klassenreine „Arbeiterparadies“, im Nationalsozialismus war es die rassenreine „Volksgemeinschaft“ der Arier….

Doch bleiben wir im „spirituellen“ Bereich:

Die New-Age-Bewegung, die in den 80er Jahren ihren Höhepunkt erlebte, aber auch heute noch ihre geistigen Ausläufer in der Esoterik-Szene aufweist, hat ihren Traum direkt im Namen preisgegeben, denn New Age heißt „Neues Zeitalter“ – gemeint ist ein kommender Äon des „Wassermannes“, womit Friede, Harmonie und Glück verbunden seien. Damit werde das christliche, angeblich so intolerante „Zeitalter des Fisches“ endlich abgelöst.

Um New Age ist es mittlerweile ruhiger geworden, doch umso mehr Lärm, Halleluja-Jubel und Zustimmung gibt es im Kontext charismatischer „Aufbrüche“ und Bewegungen. Auch hier stehen positive Zukunftsbilder im Mittelpunkt, oftmals „geoffenbart“ durch himmlische Eingebungen, einem geistgewirkten „Wort der Erkenntnis“ oder prophetische Einsprechungen:

In der Pfingstbewegung und sonstigen schwarmgeistigen Gruppen – auch im katholischen Bereich – wird eine „weltweite Erweckung“, ein „zweites Pfingsten“ erwartet, eine Bekehrungswelle, die ganze Nationen erfaßt. Das wird in charismatischen Büchern und „Visionen“ seit Jahrzehnten euphorisch angekündigt.

Was wir seitdem in Wirklichkeit erleben ist – insgesamt gesehen – ein weltweiter Schwund des Glaubens, besonders in Europa. Insofern könnte man schon fast von einem „antichristlichen Abendland“ sprechen.

Natürlich gibt es da und dort auch Lichtpunkte, Hoffnungsschimmer – allerdings kommt es uns auf die nüchterne Betrachtung der Gesamtentwicklung an.

Damit nicht genug, gibt es zwei weitere Fraktionen mit ihren speziellen Vorstellung von einem künftigen goldenen Zeitalter:

Nicht wenige Fatima-Anhänger erwarten eine großartige Bekehrung Rußlands und den „Triumph des unbefleckten Herzen Mariens“, wie er drei Seherkindern bei den Erscheinungen von 1917 angekündigt worden sei, freilich unter gewissen Bedingungen (und ob diese nun erfüllt sind oder nicht, darüber gibt es unter Fatima-Fans verschiedene Auffassungen).

Sodann wollen wir monarchisch gesinnte, traditionelle Katholiken nicht vergessen, die zum Teil ebenfalls von besseren Zeiten in der Zukunft träumen. Dabei berufen sie sich bisweilen auf alte „Prophetien“, wonach am Ende der Geschichte ein großer katholischer Herrscher ersteht, der die Kirche nicht nur vor Unbill und Verfolgung beschützt, sondern sie zum glorreichen Triumph führt und eine geeinte Welt des Glaubens errichtet.

Meist bezieht sich diese Träumerei auf einen deutschen Kaiser, der das mittelalterliche Reich gleichsam zu erneuertem Glanze führt. Es gibt aber auch die frankophile Variante, wonach es die französische Dynastie der Bourbonen sei, auf denen das künftige Heil der Völker und Zeiten ruht. Ein typisches Beispiel für diesen Mythos um das edle Blut der Bourbonen und das „heilige Öl“ aus der Königsampulle, mit dem ein Abkömmling von ihnen noch gesalbt werde, ist das Kultbuch „Sire“, das in Frankreich nicht nur in monarchisch-katholischen Kreisen auf großes Interesse stieß, sondern auch hierzulande im traditionellen Spektrum gut angekommen ist. 

Es gibt sie also in den verschiedensten Richtungen und Varianten – von der nichtchristlichen, esoterisch-„emanzipatorischen“ New-Age-Bewegung über politische Ideologien von rechts und links – bis hin zu charismatischen, erscheinungsbewegten und erzkonservativen Strömungen.

Verständlich ist es allemal, wenn Menschen – auch gläubige – sich eine rosige Zukunft herbeisehnen.

Freilich nimmt die Heilige Schrift keine Rücksicht auf Wunschträume damals und heute – und das ist auch gut so. Die Bibel ist ein Buch von eindrucksvoller Nüchternheit und Klarheit, keineswegs geprägt von utopischen Idealvorstellungen, die den Ohren schmeicheln.

Endzeitschwärmereien – von Theologen als Chiliasmus oder Millenarismus bezeichnet  –  finden hier keine Basis, im Gegenteil.

Aus den Endzeitreden Jesu geht klar hervor, daß seiner Wiederkunft in Herrlichkeit eben kein irdisches Friedensreich vorausgeht, sondern ein erschreckender Verfall von Glaube und Sitte, zudem geprägt von trügerischen „Zeichen und Wundern“, von falschen Propheten und irreführenden „Christussen“. Daher fragt der HERR die Seinen: „Wenn ich wiederkomme, werde ich dann noch Glauben finden auf Erden?“

Paulus schreibt in 2 Thess 2,1 ff ebenfalls., daß  v o r  der Wiederkunft Christi  e r s t  ein massiver Glaubensabfall eintreten werde, zudem kommt vorher der Antichrist, ein Weltenbeherrscher, der mit dem Satan im Bunde steht. Für ein „universales Friedensreich“ vor dem zweiten Kommen Christi ist hier schlicht kein „Platz“ frei.

Man bezeichnet die erwähnte religiöse Wunschvorstellung in theologischen Fachkreisen als „Post-Millenarismus“, denn nach (post) diesem goldenen Zeitalter (Millenium) erfolge die Wiederkunft Christi.

Die katholische Kirche hat im Sinne biblischer Nüchternheit den post-millenaristischen Standpunkt stets abgelehnt, so etwa bereits im Mittelalter die Endzeitschwärmerei des italienischen Abtes Joachim von Fiore, der ein großartiges Heilig-Reist-Reich vor dem endzeitlichen Kommen Christi ankündigte.

Auch hinsichtlich der späteren „Botschaften“ von La Salette (dem zweiten Teil, dem sog. „Großen Geheimnis“, der im Unterschied zum ersten Teil nicht anerkannt wurde) hat die Kirche die postmillenaristische Richtung kritisiert. (Die „Seherin“ Melanie hatte in ihren Spät-Visionen von einem weltumspannenden Friedensreich fabuliert, von damit verbundenen „Aposteln der letzten Tage“ usw).

Als Papst Benedikt noch Kardinal Joseph Ratzinger hieß, hat er als Chef der Glaubenskongregation im Oktober 1995 eine Notifikation zur orthodoxen Visionärin Vassula Ryden erlassen.

Darin werden ihr eine Reihe theologischer Irrtümer angelastet, darunter ihre endzeitschwärmerischen Vorstellungen; so heißt es wörtlich in der Vatikan-Note über Vassulas „Botschaften“.

„In chiliastischer Weise wird ein entscheidendes und glorreiches Eingreifen Gottes prophezeit, der im Begriff sei, auf Erden noch  v o r  der endgültigen Ankunft Christi ein Zeitalter des Friedens und des allgemeinen Wohlergehens zu errichten.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Medjugorje und die „Seher der zweiten Generation“: Jelena und Marijana Vasilj

Von Felizitas Küble

Am 24. Juni 1981 begannen die „Marienerscheinungen“ in der Pfarrgemeinde Medjugorje in Bosnien-Herzegowina, die teils bis heute andauern. Diese Privatoffenbarungen an sechs Seher/innen sind kirchlich nicht anerkannt und  werden vom dortigen Bischof Peric abgelehnt, der damit die kritische Haltung seines Amtsvorgängers Zanic fortführt. Auch die jugoslawische Bischofskonferenz distanzierte sich von diesen Phänomenen.

Allerdings ist kaum bekannt, daß es auch eine sogenannte „Seher der 2. Generation“ gibt, wobei es sich um zwei Mädchen handelt, die schon im Alter von 10 bzw. 11 Jahren Visionen der Gottesmutter erhalten haben wollen, die Ende 1982 begonnen haben – also eineinhalb Jahre nach den „eigentlichen“ Erscheinungen von Medjugorje. Gedauert haben diese Visionen bis Mai 1998, demnach immerhin 16 Jahre hindurch.

Die damals vorpubertären Kinder wurden von der Madonna – eigenen Angaben zufolge – aufgefordert, eine Gebetsgruppe zu gründen. Diese wird als sog. „Große Gebetsgruppe von Medjugorje“ bezeichnet; nach ihrem Vorbild gibt es ähnliche Gruppen in aller Welt.

Die beiden Mädchen hatten im Unterschied zu den anderen sechs Seher/innen keine „körperlichen“ Erscheinungen erlebt, sondern sahen Maria „im Herzen“ oder hörten ihre Einsprechungen.

Es handelt sich um Jelena Vasilj-Valente und Marjana Vasilj-Juricic, beide sind seit langem verheiratete Familienmütter, die nicht mehr in Medjugorje leben.

In diesem auf englisch erschienenen Buch „Our Lady of Medjugorje“ (siehe Foto) werden Interviews mit den beiden Visionärinnen der zweiten Generation geführt.

Es gibt aber auch Infos in deutscher Sprache auf der offiziellen Medjugorje-Seite: https://www.medjugorje.de/medjugorje/seher/2-generation-erklaerung.html

Die „Botschaften“ der beiden Damen sind den üblichen Verlautbarungen aus Medju zum Verwechseln ähnlich. Es fällt lediglich auf, daß noch mehr Betonung auf dem „Beten und Fasten“ liegt, das anscheinend ein ausreichender Weg zum ewigen Heil ist.

Man fragt sich nur, warum Christus sich ausgerechnet mit den Pharisäern so stark auseinandersetzte, obwohl diese doch so viel gebetet und gefastet hatten.

Zum festen Programm dieser Ur-Gebetsgruppe, welche angeblich von der Gottesmutter selber initiiert wurde, gehören drei Stunden Gebet pro Tag und das Fasten bei Wasser und Brot am Mittwoch und Freitag.

Nun ist eine Gebetsgruppe aus Eltern, Jugendlichen oder alleinstehenden Erwachsenen aber kein Kartäuserkloster. Wie sollen die Menschen ihre normale Berufsarbeit bzw. ihre Familienpflichten vernünftig erledigen können, wenn sie ständig mit Beten und Fasten zugange sein müssen? Dazu kommt, daß es sich um ein  – noch dazu ungesundes  – Fasten bei „Wasser und Brot“ handelt, also weitaus strenger als das kirchlich gebotene Fasten am Aschermittwoch und Karfreitag (gerade mal zwei Tage im Jahr).

Keine Frage: Beten und Fasten gehört zum Christenglauben wie selbstverständlich dazu, aber es reicht alleine nicht aus. Notwendig sind auch gute Werke, Nächstenliebe und die Einhaltung der Gebote Gottes.

In den meisten Botschaften der ersten Jahre wiederholt sich der ständige (einseitige!) Aufruf zum Beten und Fasten, z.B. heißt es allein im Nov. 1983:

„Wenn ihr betet und fastet, werdet ihr bekommen, was immer ihr erbittet.“
„Ich möchte euch sagen, dass ihr morgen für die Erleuchtung durch den Heiligen Geist fastet und betet.“

„Betet und fastet! Alles, was ihr für mich tun wollt, ist zu beten und zu fasten.“

Zudem verkündet die „Madonna“ folgendes: „Betet nur! Ihr seht selbst, dass ihr nur durch das Gebet gerettet werden könnt.“
Das ist theologisch falsch. Christus selber warnte uns: „Nicht jeder, der HERR HERR sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen  meines himmlischen Vaters erfüllt.“

Im Januar 1984 wird Gebet und Fasten erneut zum Allheilmittel erklärt:
„Betet und fastet. Ich möchte, dass eure Herzen vollkommen rein von Sünde seien, und eure Herzen könnt ihr nur durch Gebet und Fasten reinigen.“
„Betet und fastet, weil ihr ohne Gebet und Fasten nichts tun könnt.“

Einen Monat später wird der Gruppe von „oben“ eingeredet: „Betet und fastet. Ich möchte Demut von euch. Und demütig könnt ihr nur durch das Gebet und Fasten werden.“

Zudem wurden Jelena Gebete direkt vom Himmel diktiert, die allerdings  – neben allerlei Kitsch und Banalitäten – zum Teil theologisch recht fragwürdig sind.

So heißt es z.B. ein einem „Weihegebet“ an Maria: „Auch bitte ich Dich um die Gnade, Dir gegenüber gnädig sein zu können.“

Wie bei so vielen Erscheinungen gibt es auch hier wieder einen Extra-Rosenkranz, der allerdings kein einziges Ave Maria beinhaltet, stattdessen nach dem Credo 33 Vater-unser und 7 Ehre-sei, außerdem selbstgebastelte Betrachtungen zum Leben Jesu.

Diese Gebetsgruppe der 2. Generation wurde in den ersten Jahren von Pater Tomislav Vlasic geleitet. Der Franziskaner war von August 1981 bis 1984 Ortspfarrer von Medjugorje sowie geistlicher Leiter der dortigen „Seher“ und auch der erwähnten Gebetsgruppe.

Vlasic gehört zur Charismatischen Bewegung; er leitete schon vor Beginn der „Erscheinungen“ entsprechende „Gebetsgruppen“ und Treffen.

Am 28.2.1982 bestätigte die „Madonna“ genau diesen Geistlichen, indem sie zu den „Sehern“ sagte: „Ihr habt Tomislav viel zu verdanken, weil er euch so gut führt.“

Damals war der Pater aber bereits Vater eines fünfjährigen Sohnes, den er mit einer Nonne gezeugt hatte. Er wollte sich aber nicht um Mutter und Kind kümmern, sondern blieb weiter im Orden.

1985 setzt ihn der zuständige Bischof Zanic als Pfarrer der Gemeinde Medjugorje ab und verbietet ihm das Predigen und das Zelebrieren der hl. Messe.

Seit 1985 behauptet P. Vlasic, besondere Botschaften von Christus und der Madonna zu erhalten, wobei es um die Gründung einer männlich-weiblich gemischten Ordensgemeinschaft gehe.

1988 beginnt er in Italien mit einer Kommunität aus Männern und Frauen, die sich „Königin des Friedens“ nennt. Mit der deutschen Medju-Anhängerin Agnes Heupel lebt er in „mystischer Ehe“, die sich jedoch nicht auf platonische Freundschaft beschränkt.

Anfang 2008 reißt dem Vatikan der Geduldsfaden:

Der Generalminister der Franziskaner, Pater J.R. Cargallo, und der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal W. Levada, unterzeichnen ein Dokument, das den Franziskaner verpflichtet, jede Verbindung zur Gemeinschaft „Königin des Friedens“ aufzugeben. Das Predigten und die Ausübung der Beichtvollmacht werden ihm untersagt.

Pater Vlasic verweigert den Gehorsam und hält sich nicht an die kirchlichen Auflagen.

Im Juli 2009 wird öffentlich bekannt, daß Pater Vlasic „in den Laienstand zurückversetzt“ und aus dem Franziskanerorden entlassen wurde.

Papst Benedikt XVI. untersagt P.  Vlasic unter Androhung der Exkommunikation jede Ausübung einer seelsorglichen oder apostolatischen Tätigkeit, verfügt zudem ein striktes Verbot, Erklärungen zu religiösen Sachverhalten  – insbesondere zu den Vorgängen in Medjugorje  – abzugeben. 

Angesichts derartiger Vorgänge stellt sich schon die Frage, welchen (un)geistigen „Einflüssen“ auch die Seher der 2. Generation ausgesetzt waren?!


Medjugorje und „katholische“ Charismatik am Beispiel von Sr. Margaritha Valappila

Von Felizitas Küble

In den 70er Jahren bis Anfang der 80er Jahre gingen die erscheinungsbewegte Szene und das charismatische Lager fast durchgängig getrennte Wege – und tatsächlich paßten sie sowohl theologisch wie vom „Lebensgefühl“ her kaum zusammen:

Während die Anhänger von Visionen und Marienerscheinungen meist aus dem (erz)konservativen bis traditionalisten Spektrum kamen und sich um neueste „Botschaften“ (oft waren es Panikbotschaften) und angesagte Weltuntergänge kümmerten, stammten die katholischen Charismatiker vielfach aus bildungsbürgerlichen Schichten mit liberal-konservativen Ansichten. Geleitet wurde die „Charismatische Erneuerung“ damals von Prof. H. Mühlen aus Paderborn – wobei der katholische Theologe immerhin dafür sorgte, daß allzu große Entgleisungen in seiner Bewegung sich in Grenzen hielten.

Diese Situation änderte sich ganz wesentlich Mitte der 8oer Jahre:

Medjugorje war dabei der Brückenkopf, gleichsam eine Art Schmelztiegel, der die bislang getrennten Strömungen zusammenführte: Zunehmend pilgerten nicht nur Erscheinungsbewegte dorthin, um sich die neuesten „Marienbotschaften“ anzuhören, sondern auch Leute aus dem charismatischen Lager zog es in diese von kroatischen Katholiken geprägte Pfarrei in Bosnien-Herzegowina, obgleich die Erscheinungsstätte kirchlich nicht anerkannt war und ist.

Hintergrund dieser  – auf den ersten Blick – überraschenden Annäherung, ja weitgehenden Verschmelzung zweier verschiedener Strömungen ist die Tatsache, daß die dortigen Franziskanerpatres, welche Pfarrei und „Seherkinder“ leiteten, fast alle zur charismatischen Szene gehör(t)en. 

Vicka, eine der Medjugorje-Seherinen beim Austeilen des Toronto-SegensSo fand zusammen, was im Grunde teilweise auch zusammengehört, denn es gibt neben etlichen Unterschieden durchaus geistig-spirituelle Überschneidungen in beiden Richtungen, vor allem hinsichtlich der Wundersucht und Sensationsgier. (Näheres dazu in unserer Broschüre „Botschaften des Himmels?“).

Das kleine Foto hier zeigt die „Seherin“ Vicka bei einer charismatischen Handauflegung.

Ein typisches Beispiel für diesen Zusammenklang beider Bewegungen bietet uns die charismatische und zugleich erscheinungsbewegte Nonne Sr. Margarita Valappila, die das Exerzitienhaus St. Raphael im hessischen Bad Soden-Salmünster leitet. (Das Bistum Fulda hat sich seit langem ausdrücklich von ihrer Tätigkeit distanziert; sie darf ihre Tagungsstätte daher nicht als „katholisch“ bezeichnen.)

Wo führt diese schwarmgeistig geprägte Ordensfrau im April dieses Jahres ihre Exerzitien durch? – Genau: In Medjugorje – und zwar gemeinsam mit ihrem Hausgeistlichen Manfred Huber. (Quelle: https://www.haus-raphael.de/news-einzelansicht/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=14&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=b0792985969322cbc10e401ba45a0e90)    

In ihrem enthusiastischen und wundersüchtigen Buch „Jesus lebt heute“ berichtet sie auf S. 28 von ihren Exerzitien in Medjugorje aus dem Jahre 1999 (natürlich schildert sie dabei gleich wieder ein wundersames Ereignis, das von ihr ausging). Eingeladen hatte sie damals der in Medjugorje tätige Franziskanerpater Slavko Barbaric.

Ein Dauerbrenner bei Charismatikern ist die sog. „Innere Heilung“, welche die angeblich Geistbegabten bei belasteten Menschen bewirken. Auch hiervon schildert Valappila entsprechende Episoden in ihrem weiteren Buch „Unterwegs mit Jesus“ (siehe Foto) – zugetragen  haben sich die Vorgänge in Medjugorje (S. 115).

Zudem hielt sie dort „Exerzitien für Franzosen“ (S. 108), wobei es natürlich gleich zu einer Heilung von Nervenschmerzen kam – und die betreffende Frau   – typisch charismatisch den Hammersegen erhielt bzw.  „im Heiligen Geiste ruhte“ (in Trance nach rückwärts kippte).

Umgekehrt hielten auch Geistliche aus Medjugorje ihre Seminare im Haus Raphael ab, so daß es sich um einen beiderseitigen Austausch handelt: Auf S. 197 berichtet Valappila, daß der bekannte Pater Slavko in ihrem Haus St. Raphael seine Exerzitien durchführte.

Zugleich werben Medju-Blätter für die Tagungen von Sr. Valappila in Bad Soden – Salmünster – zB. bei den Terminen hier: https://www.medjugorje.de/files/downloads/Zeitschriften/Echo/Nr.%20313%20-%20Juli.pdf

Die Connection „Haus Raphael“ und Medju ist natürlich nicht die einzige, in der sich beide Strömungen vereinigen. Es gibt charismatische Gruppen, die sich sehr stark für Medjugorje öffneten (z.B. die Gemeinschaft der Seligpreisungen) – und zugleich erscheinungsbewegte, von Medjugorje geprägte Initiativen (z.B. Fatima-Aktion) und Verlage (Mediatrix-Verlag, Miriam-Verlag, Fe-Verlag), die zugleich charismatische Bücher verbreiten.

Dergleichen kam noch bis Anfang der 80er Jahre allenfalls bei Einzelpersonen vor, nicht jedoch bei ganzen Gruppen und Verlagen. Erst durch Medjugorje erfolgte ein allmähliches Zusammenströmen dieser Bewegungen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Zuletzt erschien bei uns dieser Erfahrungsbericht eines Seminarteilnehmers im Haus Raphael: https://charismatismus.wordpress.com/2018/01/13/merkwuerdige-erfahrungen-bei-exerzitien-von-sr-margaritha-valappila/


Ekstatisches Pfingstlertum pur: Heidi Baker auf der charismatischen MEHR-Konferenz

Von Felizitas Küble

Die 56-jährige Dr. Heidi Baker, geboren in Südkalifornien, lebt seit einigen Jahren mit ihrem Mann Rolland in Mosambik, wo sie Evangelisation und Sozialarbeit betreiben. Das Ehepaar gehört zu den weltweit bekanntesten Gestalten der protestantisch-pfingstlerischen Bewegung. Fotolia_23885701_Konzert_470x_

Die ökumenisch-charismatische MEHR-Konferenz wird seit vielen Jahren von dem 37-jährigen katholischen Theologen Dr. Johannes Hartl geleitet  und von seinem „Gebetshaus Augsburg“ organisiert; auf diesem Kongreß war Heidi Baker Anfang Januar 2016 der „heimliche Stargast“, wie das christliche Medienmagazin PRO unter dem Titel „Deutschland braucht meeeeeeeeehr von Jesus“ schreibt.

Es heißt in diesem Artikel, der insgesamt durchaus positiv über diese MEHR-Konferenz berichtet, weiter:

„Am zweiten Tag der Konferenz ist die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt mit Menschen, die neugierig sind auf die amerikanische Missionarin, die in Mosambik Waisenkinder beherbergt. Wer auf YouTube nach ihren Predigten sucht, findet Auftritte, bei denen sie weinend, singend und in Sprachen betend auf dem Boden liegt oder kniet.

Bei einem Auftritt – Predigt kann man es schwerlich nennen – in der kalifornischen Bethel-Kirche liegen Jugendliche um sie herum. Heidi Baker kriecht durch die Reihen, legt ihnen die Hände auf den Kopf und ruft Worte wie „Feuer“. Die Betenden reagieren mit Schreien, Weinen und Zucken.“

Die Zeitschrift erwähnt danach den „extrem-charismatischen Dunstkreis“ um die Theologin und Afrika-Missionarin Baker.

Sollen wir Gott beschwörend herbeizitieren?

Auf der MEHR-Konferenz rief sie vor tausenden von Zuschauern in geradezu beschwörender Weise den dreieinigen Gott herbei, als würde es sich hierbei fast um ein erregtes Schamanen-Ritual handeln:Buch

„In Augsburg beginnt die dynamische 56-Jährige mit einer Art Meditation. „Komm, Jesus, komm“, ruft sie in einem Singsang, den das Publikum erwidert. Etwa eine Viertelstunde werden auf diese Weise die drei Personen der Dreieinigkeit herbeigerufen. „Gib mir Feuer, Herr, dass die Welt mich brennen sieht“, ruft Baker.“

Was hier auffällt, das ist zum einen die dränglerische und aufdringliche Art, Gott gleichsam „herbeizurufen“ (statt ihn im Gebet darum zu  b i t t e n ), zum anderen eine egozentrische „Frömmigkeit“, die sich darin zeigt, daß Frau Baker wünscht, die „Welt“ (!) möge sie (!) „brennen“ sehen.

BILD: Einer der Buchtitel von Heidi Baker

Die Star-Charismatikerin wirkt aber offenbar durchaus eindrucksvoll und dynamisch auf die religiös-begeisterte Menge, was natürlich Massensuggestionen erleichtert.

(Hier geht es zu ihrem Auftritt auf der MEHR-Konferenz: https://www.youtube.com/watch?v=_nvowdTI8zI)

Wie so oft: Mit dem „Hammersegen“ fing es an…

In der evangelischen Pfingstler-Zeitschrift „Charisma“ (Nr. 117/2001) heißt es unter dem Titel „Unser Auftrag ist Liebe“ über Heidi Baker, daß sie mit einer schweren Lungenentzündung 1996 in die extrem-charismatische Airport-Gemeinde nach Toronto kam, wo sie dann den „Hammersegen“ erlebte, also trance-artig nach rückwärts zu Boden fiel (man spricht hierbei auch vom „Toronto-Segen“, weil er damals in jener Gegend stark verbreitet war).

Angeblich handelt es sich  –  aus schwarmgeistiger Sicht  –  bei diesem „Ruhen im Geist“ um ein vom Hl. Geist bewirktes Phänomen, das in diesen Kreisen häufig vorkommt und oftmals die „Bekehrung“ zum Charismatikertum einleitet. Das Charisma-Magazin berichtet hierzu also:charismatiker_allg_606_pr13_02_ab36d7785e

„Dort erlebte sie zum ersten Mal, dass die Kraft des Heiligen Geistes sie so stark berührte, dass sie zu Boden fiel.“  – Zwei Jahre später reiste sie mit ihrem Mann Rolland erneut nach Toronto:Wieder fiel die Kraft Gottes auf Heidi“, heißt es in dem Bericht.

Aber nicht nur das, denn die vermeintliche „Kraft Gottes“ hatte Frau Baker eine ganze Woche lang buchstäblich lahm gelegt:

„Jeden Tag verbrachte Heidi während dieser Konferenz auf dem Boden, außerstande, sich zu bewegen. Sie spürte, wie ihr ganzer Körper von der Kraft Gottes durchströmt wurde und sie unfähig war, aus eigener Kraft etwas zu tun. Das ging sieben Tage lang so.“

Später wirkte der Heilige Geist in Toronto erneut „wieder mächtig an Heidi“, wobei sie von ihm folgende Eingebung erhalten haben will: “Du wirst sehen, dass Tote auferstehen, Blinde sehen und Wunder und Heilungen geschehen.”

Zeichen, Wunder und Heilungen sind der Schwärmer liebstes Kind  –  und sowieso die begehrtesten Zauberworte in der Charismatikerszene.

In dem Artikel heißt es vollmundig weiter, Heidi habe in drei Jahren eine halbe Million Menschen zum Glauben geführt. Angenommen, die Zahl würde zutreffen  –  welcher „Glaube“ mag das wohl sein?

Hier drei weitere Artikel zur MEHR-Konferenz und ihren Referenten:
ALLGEMEIN:
https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/13/augsburg-eindrucke-beobachtungen-und-erlebnisse-auf-der-mehr-konferenz/
ARNE ELSEN:
https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/04/augsburg-gebetsheiler-dr-arne-elsen-bei-der-charismatischen-mehr-konferenz/
BOB FRASER: https://charismatismus.wordpress.com/2013/12/07/usa-charismatischer-starprediger-bob-fraser-kommt-nach-augsburg/