Frankreich: Führender Charismatiker wegen geistlichem und sexuellem Missbrauch laiisiert

Pater Marie-Michel Hostalier von Rom bestraft

Der 72-jährige Karmelit ist jetzt vom Vatikan wegen schwerer Vergehen gegen Frauen innerhalb der Seelsorge und „geistlichen Begleitung“ aus dem Priesteramt entlassen bzw. laiisiert (in den Laienstand zurückversetzt) worden.

Pater Marie-Michel Hostalier gehörte gemeinsam mit dem Charismatiker Pater Daniel-Ange zu den Gründern der Evangelisierungsbewegung „Jeunesse Lumière“ im Jahre 1984.

Der Priester ist in der französischen Diözese Valence (Drôme) inkardiniert. Dort auf der amtlichen Webseite wurde auch über seine Laiisierung berichtet, die gemeinsam mit der römischen Glaubenskongregation verfügt worden seiund zwar wegen früherem „geistlichem und sexuellem MIssbrauch“.

Der 1949 in Bordeaux geborene Priester gründete später gemeinsam mit anderen charismatischen Leitern weitere Kommunitäten.

Diese sogenannten „neuen geistlichen Gemeinschaften“ werden vom Nachrichtenportal „Kath.net“ seit Jahrzehnten gelobt und gepriesen, auch die hier erwähnte „Evangelisationsschule“ Jeunesse Lumiere, die von Pater Hostalier mitinitiiert wurde.

So veröffentlichte die erscheinungsbewegte Webseite noch am 12. August 2021 einen Artikel des Gründers Pater Daniel Ange und schrieb, aus seiner Bewegung seien „zahlreiche Priesterberufungen hervorgegangen“.

Weiter heißt es: „Bei Veranstaltungen der Charismatischen Erneuerung im deutschen Sprachraum kamen regelmäßig viele tausende Menschen zu seinen Veranstaltungen.“

Na dann ist ja wohl alles bestens!


Kritische Anmerkungen zum Charismatismus

Von Pater Dr. Martin Lugmayr

Im Hinblick auf das diesjährige Pfingstfestival in Salzburg sagte Georg Mayr-Melnhof, der Gründer der Loretto-Gemeinschaft, dass die eingeladenen 470 Leiter zur Vorbereitung das Buch „Wahre Geschichten und Wunder der Azusa Street“ lesen sollten.

Gegen Ende des Interviews betont er, „dass sich viele danach sehnen, dass Gott das, was er bei Azusa tat, jetzt wieder tut“ (DT vom 20. Mai 2021, S.15).

Was geschah damals im Jahre 1906?

Der Prediger William J. Seymour wollte in Los Angeles in kleinen Treffen, die in der Azusa-Street stattfanden, ganz neu sich dem Wirken des Geistes öffnen. Auf diesen Weg brachte ihn sein Lehrer Charles Fox Parham, der in der amerikanischen Heiligungsbewegung tätig war.

Folgende Ereignisse werden aus der Azusa-Street berichtet:

Menschen beteten laut chaotisch und ungeordnet, sprangen im Raum herum, fingen krampfhaft zu weinen oder zu lachen an, riefen unverständliche Laute aus, fielen wie ohnmächtig zu Boden.

Heute würde wohl niemand mehr davon berichten, wenn nicht Seymour am 14. April 1906 ein Zorngericht Gottes angekündigte hätte, das die Erde erbeben lassen würde. Tatsächlich erschütterte vier Tage später ein starkes Erdbeben die in der Nähe gelegene Stadt San Francisco: über 3000 Menschen starben, mehr als die Hälfte der Einwohner (etwa 225.000 von 400.000) wurden obdachlos.

Wegen dieses Zusammentreffens strömten jetzt viele Menschen in die Azusa-Street, ließen sich ganz auf die dortigen Vorgänge ein, die sie als vom Heiligen Geist bewirkt ansahen.

Im selben Jahr wurde eine Zeitschrift namens „Apostolic Faith“ (Apostolischer Glaube) mit einer Erstauflage von 5000 Exemplaren gegründet, ein halbes Jahr später waren es bereits 40.000, die in den USA und weltweit verbreitet wurden.

Die erste Nummer, die im September 1906 erschien, hatte den Titel: „Pentecost Has Come!“ (Pfingsten ist gekommen!). Als die Praktiken von Azusa 1907 auch nach Deutschland importiert wurden, führte dies zu großen Spannungen innerhalb der pietistischen „Gemeinschaftsbewegung“.

Zur Berliner Erklärung von 1909

Zur Spaltung kam es am 15. September 1909 mit der „Berliner Erklärung“, in der sich 56 Leiter von der neuen Bewegung distanzierten:

„Die sogenannte Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten; sie hat viele Erscheinun­gen mit dem Spiritismus gemein. (…) Der Geist in dieser Bewegung bringt geistige und körperliche Machtwirkungen hervor; dennoch ist es ein falscher Geist. Er hat sich als ein solcher entlarvt.

Die hässlichen Erscheinungen, wie Hinstür­zen, Gesichtszuckungen, Zittern, Schreien, widerliches, lautes Lachen usw. treten auch diesmal in Versammlungen auf. Wir lassen dahingestellt, wie viel davon dämonisch, wieviel hysterisch oder seelisch ist – gottgewirkt sind solche Erscheinungen nicht. (…)

Wir glauben, dass es nur ein Pfingsten gegeben hat, Apostelgeschichte 2. Wir glauben an den Heili­gen Geist, welcher in der Gemeinde Jesu bleiben wird in Ewigkeit, vgl. Joh. 14, 16. Wir sind dar­über klar, dass die Gemeinde Gottes immer wieder erneute Gnadenheimsuchungen des Heiligen Geistes erhalten hat und bedarf. Jedem einzelnen Gläubigen gilt die Mahnung des Apostels: „Wer­det voll Geistes!“ (Epheser 5,18).

Der Weg dazu ist und bleibt völlige Gemeinschaft mit dem gekreu­zigten, auferstandenen und erhöhten Herrn. In Ihm wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig, aus der wir nehmen Gnade um Gnade. Wir erwarten nicht ein neues Pfingsten; wir warten auf den wieder­kommenden Herrn“.

Dieser Text, nur drei Jahre nach den Ereignissen von Los Angeles verfasst, hat nichts an Aktualität verloren.

Übrigens kam es auch in der Azusa-Street selbst bald zu Auseinandersetzungen und Spaltungen. Es entstanden unzählige Gemeinschaften, die weder theologisch noch in der Praxis eins sind.

Zu den Phänomenen von Toronto

In den 1990iger Jahren begannen in Toronto ähnliche Phänomene, die in Form des „Toron­to-Segens“ in die Welt hinausgetragen wurden. Zu den Vorfällen der Azusa-Street kamen noch hinzu das Ausstoßen tieri­scher Laute wie Brüllen, Knurren und Wolfsgeheul, krampfartiges Zucken und Zittern am ganzen Leib, schnelles Hin- und Herbewegen des Kopfes, Umfallen (gedeutet als „Ruhen im Geist“) und ein der Trunkenheit ähnlicher, tranceartiger Bewusstseinszustand.

Auch diese Vorkommnisse wurden unmittelbar mit dem Heiligen Geist in Verbindung gebracht und als Vorboten von großen Wundern gedeutet, in deren Folge viele Men­schen zum Glauben kommen würden.

Noch ein weiteres Zeichen des Pentekostalismus soll erwähnt werden, das ebenfalls direkt dem Wirken des Heiligen Geistes zugeschrieben wird, nämlich Wohlstand innerhalb einer Vision des Sieges bereits im Diesseits.

Solche Gruppierungen heißen z.B. „Victory Bible Church‟, „Jesus Breakthrough Assembly‟ oder „Tri­umphant Christian Centre‟. In den Versammlungen werden Themen behandelt wie „Ein Leben im Über­fluss‟ oder „Der Schritt zur Größe‟.

In Nigeria wurde von David Oyedepo im Jahre 1983 die „Winner’s Chapel“ gegründet. 2013 hatte diese bereits  6.000 Ableger in Nigeria, 700 in anderen afrikanischen Län­dern und 30 in Europa. Die Mutterkirche am Stadtrand von Lagos hat über 54.000 Sitzplätze. David Oyedepo soll ein Vermögen von über 150 Millionen US-Dollar besitzen.

Sein Rezept zum Erfolg: Die Abführung des Zehnten und Ga­ben an Gott (letztendlich an seinen Vertreter Oyedepo). Und so wie er Erfolg hat, werden auch seine Anhänger erfolgreich sein. Seine Aussprüche gelten als „prophetische und göttli­che Aussprü­che“.

Was geschah an Pfingsten wirklich?

Führen sich alle diese Bewegungen zu Recht auf Pfingsten zurück? Was geschah eigentlich zu Pfingsten? Welche Gaben (Charismen) sind in der Heiligen Schrift bezeugt? Wie werden sie beurteilt?

In der Apostelgeschichte lesen wir:

„Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“ (Apg 2,4). Das Zeichen waren eben nicht unverständliche Laute, Geschrei u.ä., sondern echte Sprachen. Daher sagten auch die Menschen: „Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören“ (Apg 2,8) und der Inhalt waren die Großtaten Gottes, sein Heilswirken (Apg 2,11). Kurz: verständliche Sprachen, verständlicher Inhalt.

Nun erwähnt der hl. Paulus im 1.Korintherbrief das davon völlig verschiedene „Zungenreden“. Von einem Menschen, der dieses ausübt, sagt Paulus: „Keiner versteht ihn“ (1 Kor 14,2) – also ganz anders als zu Pfingsten! Paulus vergleicht das „Zungenreden“ mit dem Spielen unklarer Töne, um dann die Korinther direkt anzusprechen: „So ist es auch mit euch, wenn ihr in Zungen redet, aber kein verständliches Wort hervorbringt. Wer soll dann das Gesprochene verstehen? Ihr redet nur in den Wind“ (1 Kor 14,9).

„Wenn also die ganze Gemeinde sich versammelt und alle in Zungen reden und es kommen Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie dann nicht sagen: Ihr seid verrückt?“ (1 Kor 14,23).

Aus diesem Grund erlaubt Paulus bei Zusammenkünften nur das Zungenreden mit Übersetzung – und es dürfen nur zwei Personen sein, höchstens drei (vgl. 1 Kor 14,27). Paulus greift also mit Autorität ein, ebenso bei den prophetisch Begabten (vgl. 1 Kor 14,29).

Er erwartet, dass diese Menschen sich an seine Anweisungen halten, also nicht sich vor anderen hervortun und sagen: „Ich bin prophetisch begabt, also lasst mich reden“. Das weist Paulus ausdrücklich mit der Begründung zurück: „Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens“ (1 Kor 14,33).

Ganz eindeutig darf in den Versammlungen der Christen nicht etwas Unverständliches wie das „Zungenreden“ sich verselbständigen, das übrigens von Paulus in 1 Kor 12 wie auch in Röm 12 als letzte der Gaben genannt wird (zusammen mit dem Übersetzen). In allen anderen Briefen wird es überhaupt nicht erwähnt.

Jedenfalls ist in der Heiligen Schrift „im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist nirgends die Rede von massenweisem Umfallen, tierischen Lauten, Schreien, Gelächter und Verlust der Selbstkontrolle“ (Andrea Strübind).

Vom Geist der Besonnenheit

Der letzte Punkt ist sehr wichtig. Die Heilige Schrift bezeugt in 2 Tim 1,7, dass der von Gott geschenkte Geist ein „Geist der Besonnenheit und Selbstbeherrschung“ ist. Von daher fällt auf, dass Paulus mehrere Gaben erwähnt, die mit dem Verstand in Beziehung stehen, nämlich die Gaben „Weisheit mitzuteilen“, „Erkenntnis zu vermitteln“, „die Geister zu unterscheiden“ (1 Kor 12).

Und es gilt von diesen wie anderen Gaben (wie der Krankenheilung, der Glaubenskraft): Jedem wir sie „geschenkt, damit sie anderen nützt“ (1 Kor 12,7). Alles soll dem Aufbau der Kirche dienen, die der Leib Christi ist (vgl. Röm 12,4-8).

Und Paulus will den Gläubigen noch einen Weg über alle Gaben hinaus zeigen:

„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib opferte, um mich zu rühmen, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts“ (1 Kor 13,1-3).

Für jeden ist letztlich entscheidend, ob er die Liebe hat. Von dieser gilt:

„Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand“ (1 Kor 13, 4-7).

Die Liebe ist das Entscheidende, weil der Heilige Geist selbst die Liebe in Person ist, die in der Trinität den Vater und den Sohn verbindet.

In der Kirche, dem Leib Christi, schenkt der Heilige Geist grundlegende Gaben, damit jeder sich mit der Heilswirken Christi verbinden und je mehr eine Antwort der Liebe geben kann:

Das Leben der Gnade, welches vom hl.Thomas von Aquin als „Gegenwart des Heiligen Geistes“ bezeichnet wird; Glaube, Hoffnung, Liebe; vertrauensvolles Gebet; Christusbegegnung in den Sakramenten; die Ämter der Kirche, welche die Einheit im Glauben, in den Sakramenten und in der kirchlichen Gemeinschaft sicherstellen.

Der Heilige Geist führt nie zu einer Geist-Kirche, sondern er führt zu Christus und seiner Kirche, die auf dem Fundament der Apostel, besonders auf dem Fundament des Petrus ruht (vgl. Mt 16,18; 18,18). Und diese Kirche wurde zu Pfingsten den Menschen offenbar.


Augsburg: Eindrücke, Beobachtungen und Erlebnisse auf der MEHR-Konferenz

Von Hanna Jüngling

Ein führerzentriertes charismatisches Event vom 3. bis 6.1.2014

Um das Fest der Epiphanie herum bin ich in die MEHR-Konferenz in Augsburg hineingeraten. Es war mein erstes ausführliches Erlebnis mit dem Charismatismus.

Das Event fand wegen der ca. 4000 Teilnehmer in der Schwabenhalle auf dem Augsburger Messegelände statt und dauerte drei Tage lang.

Initiator ist die Führerfigur Johannes Hartl, ein katholischer Laientheologe. Ein junger Mann, 1979 geboren, also 35 Jahre alt. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Er war ständig auf der Bühne und redete, wenn nicht gerade endloser „Lobpreis“ in meist ohrenbetäubender Lautstärke und aggressiver Rhythmik stattfand.

BILD: Poster der Konferenz (Foto: PR / Gebetshaus Augsburg)

Nur zweimal gab er einem anderen Referenten Raum. Das war einmal der charismatisch-protestantische Arzt und Heiler Arne Elsen, der langatmig und entertainig seinen mittlerfreien Draht zu Gott und seine großen Taten im Namen Gottes pries, kleine Zungerede-Einlagen zum Besten gab, die ihn interessant machten, unverständlich waren und vom Thema abführten. Aber er konnte sehr witzig erzählen, das muss man ihm lassen. Es war eine coole Frömmigkeits-Erfolgs-Show.

Das andere Mal war es Gabriele Kuby, die mit ihrer Nüchternheit und Komprimiertheit so gar nicht in den Stil dieses Events passen wollte und einen fundierten Vortrag über die globale sexuelle Revolution hielt, der Teile ihres letzten gleichnamigen Buches referierte.(…)  Das war denn auch die einzige Stunde in drei Tagen, in der für kurze Zeit ein klarer Geist einkehrte. Gabriele Kuby war übrigens auch die einzige Person, die während der Konferenz auf der Bühne den Namen „Maria“ aussprach.

Die Führergestalt J. Hartl

Von seinen Anhängern wird er gefeiert wie ein Prophet. Vor den Ohren einer ganzen Messehalle hat er sich im übrigen auch selbst so bezeichnet. Ein kleiner Mann, in hautenge Hosen und ein viel zu knappes Jackett gezwängt, wirkt er eher wie einer dieser ganz besonders coolen und aufreizend gekleideten „Youngsters“ und keineswegs wie einer, der für Keuschheit vor der Ehe und andere konservative Haltungen plädiert. 027_24..

Es wundert nicht, dass es hauptsächlich unerfahrene und junge Menschen sind, die sich hier versammeln. Vielfach entwurzelt, verwildert und orientierungslos werden sie ihn einfach nur als einen der Ihren empfinden, der ihre umfassende Verwilderung mit ihnen gemeinsam und dabei dennoch den Anschein der Orientierung hat und die Illusion einer rechtgläubigen Lichtgestalt erweckt. Und dazu gibt es mittelmäßige, reißerische Musik – was will man mehr…

Ein Gebetshaus für Lobpreis

Hartl hat 2006 mit seiner Frau das „Gebetshaus“ Augsburg gegründet. Die Idee, die dem zugrunde liegt, klingt für einen glaubenstreuen Katholiken zunächst vertraut: Das Haus soll ein Ort sein, an dem ewige Anbetung stattfindet. „24-7“ nennt Hartl das. Jeden Tag total. Das ist nichts Neues.

Nichts anderes haben traditionell die Orden gemacht. Trotz der Kirchenkrise findet auch heute noch in vielen Kirchen regelmäßig eucharistische Anbetung statt. Beten auch heute noch Ordensleute in großer Treue „immerwährend“.

Dennoch schieben sich sofort Fragen ein: Was machen die da eigentlich genau? Wieso ein extra Gebetshaus, das von einem geistlich nicht weiter gebundenen Laien geführt wird, der aber aus der charismatischen Bewegung stammt, wenn es doch immer noch wie seit 2000 Jahren die gute alte katholische  Kirche gibt, die wir im Credo bekennen?

Wieso eine extra Anbetung in „neuen Formen“, wenn ewige Anbetung und das geordnete und tiefe Stundengebet, das sich am Psalmgebet Israels orientiert, als „Lebensaufgabe“ doch traditionell das Charisma der Ordensfrauen und -männer ist?

Quelle und FORTSETZUNG des Artikels hier: http://zeitschnur.blogspot.de/2014/01/die-mehr-konferenz-in-augsburg-und-die.html

Ergänzender Bericht hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/elsen-arne-gebetsheiler/

Zeitschnur Verlag & Werkstatt
Hanna Jüngling
Musikerin & Schriftstellerin
www.zeitschnur.de

 


Pater James Manjackal und seine pfingstlerischen „Erleuchtungen“

Schwarmgeistige Botschaften eines charismatischen „Gurus“

Der „katholische“ Charismatiker-Pater James Manjackal publizierte zu Pfingsten 2012 wieder eine besondere „Botschaft“, die er von Christus selbst erhalten haben will.

Die höheren Erleuchtungen des bekannten indischen Paters beginnen mit den Worten:

”So sagt Jesus, der Herr: “Liebe Freunde, so wie ich es versprochen habe, sende ich euch heute meinen Geist, so dass ihr als meine Brüder und Schwestern neben mir stehen könnt und meinen Vater “unseren Vater” nennen könnt.”

Biblische Tatsache ist, daß Christus, als er auf Erden wirkte, mehrfach ausdrücklich von „meinem“ Vater und von „eurem“ Vater sprach, also diesen Unterschied ausnahmslos betonte, auch in Gesprächen mit seinen Aposteln und Jüngern.

Dieser wesentliche Unterschied, ja „Abgrund“ zwischen Gott und Mensch, zwischen Christus und den Gläubigen wird hier zusätzlich dadurch plattgeredet, daß es heißt, wir könnten „neben“ Christus stehen.

Unsere angemessene Haltung gegenüber Christus ist aber vielmehr die anbetende  –  bildlich gesagt: jene auf den Knien!

Außerdem erhielt die Jerusalemer Urgemeinde zu Pfingsten den Heiligen Geist, wie der HERR es ihr versprochen hatte. Seitdem werden Katholiken durch das Sakrament der Firmung mit den Sieben Gaben des Heiligen Geistes gestärkt.

Was sollen also diese angeblichen Christusworte: „Liebe Freunde, so wie ich es versprochen habe, sende ich euch heute meinen Geist.“  – Was heißt hier „heute“?

Sodann setzt sich die „Botschaft“ von Pater Manjackal folgendermaßen fort:

„Nach meiner Himmelfahrt wurde ich zu einem lebensspendenden Geist, um für alle Zeit bei euch sein zu können. Mit diesem gleichen Geist habe ich das Evangelium verkündet, die Kranken geheilt und die Dämonen ausgetrieben. Heute schenke ich euch meinen Geist, damit ihr meine Werke auf dieser Erde weiterführt, wo viele untergehen aufgrund von Unkenntnis des Evangeliums, verschiedener Krankheiten und Bindungen Satans.“

Auch hier wird theologischer Kreuz-und-Rüben-Salat geboten. Christus ist nach seiner Himmelfahrt keineswegs zu einem „Geist“ geworden, sondern er lebt weiter als der gekreuzigte und auferstandene, der verklärte und verherrlichte Gottmensch: Gott und Mensch zugleich für immer, also keineswegs zu einem „Geist“ mutiert.

Typisch für die Schwärmerbewegung ist auch die aufschlußreiche Aussage, wonach „viele untergehen aufgrund von Unkenntnis des Evangeliums, verschiedener Krankheiten und Bindungen Satans“.

Warum sollten Krankheiten zum „Untergang“, also zur Verdammnis führen?

Eher umgekehrt: Gott kann auch auf diesen Zeilen unseres Lebens gerade schreiben, so daß schon mancher Kranke ins Nachdenken geriet und wieder zum Glauben fand.

Zudem ist heute weniger die „Unkenntnis“ des Evangeliums ein Problem, als vielmehr der bewußte Widerstand gegen Gottes Botschaft und das unbußfertige Verharren in der Sünde.

Doch von Sünde ist hier nicht die Rede, stattdessen von den „Bindungen Satans“, als ob wir unsere persönliche Schuld und Verantwortung auf den Teufel abschieben könnten.

Der blühende theologische Unfug wird sodann munter fortgesetzt:

„Weil die menschlichen Wesen, die nach meinem Abbild und mir ähnlich geschaffen sind, ihre Heiligkeit verloren haben, haben auch die Erde und alle Geschöpfe auf ihr ihre Heiligkeit verloren.“

Die Erde und die nichtmenschlichen Wesen haben durch den Sündenfall des Menschen keineswegs ihre „Heiligkeit“ verloren, die sie nämlich nie besaßen,  sondern vielmehr ihre natürliche Vollkommenheit, so daß die Schöpfung tatsächlich indirekt in den „Fall“ Adams hineingezogen wurde.

Doch der Ausdruck „Heiligkeit“ kann auf geschöpflicher Ebene allein auf den Menschen angewandt werden, der mit Gottes Gnade und seinem freien Willen zur Heiligkeit berufen ist. Tiere oder Pflanzen waren weder vor noch nach dem Sündenfall dazu berufen, zumal sie keinen freien Willen und keine unsterbliche Seele besitzen.

Auch die folgenden „Botschaften“, die Christus in den Mund gelegt werden, sind völlig unsinnig, aber typisch schwarmgeistig:

„Heiligt euch heute und morgen werdet ihr Brot zu essen haben; heiligt euch heute und morgen werdet ihr Zeichen und Wunder sehen. Wenn ihr zu mir umkehrt durch Glauben und in Reue, und Gemeinschaft findet mit mir durch meinen Geist, dann werden Durst und Hunger eurer Seelen gestillt werden. Wenn ihr ein neues Leben führt durch meinen Geist, dann werdet ihr nicht mehr die Schande von Hungersnot und Armut erleiden, sondern im Gegenteil – die Zahl der Früchte an euren Bäumen und die Menge an Getreide auf euren Feldern wird steigen; eure Vorratskammern werden mit Körnern gefüllt werden.“

Kommentar überflüssig.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Quelle für die Manjackal-Zitate: http://de.gloria.tv/?media=298265


Im Namen der Gospa? – Medjugorje und der charismatische Toronto-Segen

Von Felizitas Küble

Die Charismatische Bewegung  –  ob sie sich nun „katholisch“ oder protestantisch gebärdet – rühmt sich bekanntlich besonderer „Geistesgaben“, wozu das Zungenreden, die sog. „Gabe der Prophetie“, das Hellsehen („Wort der Erkenntnis“), die „Gabe der Befreiung“ (Exorzismus), Krankenheilungen und vor allem die „Taufe im Geist“ gehören.

Diese „Taufe im Geist“, wie eingefleischte Pfingstler sie nennen, wird von gemäßigten Charismatikern, zumal aus dem „katholischen“ Bereich, etwas zurückhaltender als „zweiter Segen“ (der erste Segen ist demnach die Taufe) oder als „Geisterfüllung“ bezeichnet.

Diese vermeintliche „Erfahrung des Hl. Geistes“, die meist durch Handauflegung eines Charismatikers oder gar eines „Sehers“ erfolgt, bewirkt oft die „Sprachengabe“ (charismatisches Zungenreden) oder das sogenannte „Ruhen im Geist“. media-372515-2

Dieses von Charismatikern verherrlichte „Ruhen im Geist“ ist bereits eine verharmlosende Übersetzung aus dem Englischen, denn „Slain in the Spirit“ heißt nicht Ruhen, sondern „Erschlagenwerden im Geist„. Die Betreffenden, die stehend den „Segen“ bzw. die Handauflegung eines Charismatikers empfangen, fallen bei der sogenannten „Geisttaufe“ tatsächlich ohnmächtig auf den Rücken (bisweilen auch nach vorne) und bleiben dort zuweilen wie im Schlaf länger liegen.

Manche beginnen jedoch wie in Ekstase zu lachen oder zu weinen bzw. zeigen sonstige Verrenkungen oder Gefühlsäußerungen (Zuckungen, Trance, Schreien) oder geraten ins Zungenreden.

Nun ist dieses Phänomen nicht neu, es trat z.B. ab 1994 in der charismatischen Hochburg Toronto massenhaft auf, wird daher zuweilen auch als „Toronto-Segen“ bezeichnet, vor allem im evangelischen Bereich. Toronto gehört zu den Vineyard-Gemeinden, die vom bekannten charismatischen Prediger John Wimber gegründet wurden.

Da sich dieser sogenannte „Toronto-Segen“ leider nicht auf diese Stadt beschränkt und zudem viel älter ist, kann man auch passend vom „Hammersegen“ sprechen, denn die angeblich „Geisterfüllten“ kippen plötzlich nach hinten um, als ob man ihnen mit einem Gummihammer eins auf die Mütze gegeben hätte. Dass dieser Vorgang nicht vom Heiligen Geist herrühren kann, dürfte jedem klar sein, der theologisch bis drei oder gar bis fünf zählen kann.

Schließlich gehört der Verstand zu den Sieben Gaben des Heiligen Geistes, die bei der Firmung verliehen werden. Warum sollte der Hl. Geist, die dritte göttliche Person der Dreieinigkeit, den Verstand und das Bewusstsein des Menschen lahm legen und denselben rücklings auf den Boden werfen? Der wahre Geist Gottes bringt Menschen zur Besinnung, statt sie ihnen zu rauben! media-390606-2 - Kopie

Derartiges kann nicht von oben, sondern nur von innen oder von unten kommen, also von einer bedenklichen Empfänglichkeit für suggestive Fremdeinflüsse (eine Art pseudoreligiöser Hypnose durch den „segenspendenden“ Charismatiker) bzw. durch direkte dämonische Einflüsse, wobei sich beide Bereiche auch vermischen können.

Eine nähere Untersuchung dieses immer mehr um sich greifenden Phänomens in religionshistorischer oder psychopathologischer Hinsicht ist gewiss sinnvoll, sprengt jedoch den Rahmen dieses Beitrags.

Medjugorje und die Charismatiker

Seit ca. 20 Jahren wird der „Hammersegen“ in Medjugorje im größeren Ausmaß verteilt, auch im Altarraum der Kirche, teils durch Pfingstler aus aller Welt oder durch die „Seher“, meist aber durch charismatisch geprägte Franziskanerpatres, nicht zuletzt durch Pater Jozo Zovko, der im Medjugorje-Fanclub überaus beliebt ist und fast wie ein Heiliger verehrt bzw. wie ein Guru angehimmelt wird.

Vicka, eine der Medjugorje-Seherinen beim Austeilen des Toronto-Segens

Vicka, eine der Medjugorje-Seherinnen, als „Segensspenderin“

Immerhin handelt es sich hier um einen Vorgang, den die Katholische Kirche seit Jahrtausenden nicht kennt, der hingegen aus dem Bereich der Sekten oder heidnischer Religionen wohlbekannt ist. Den „Hammersegen“ gab es z.B. in schwärmerischen Sekten des Mittelalters (Bogomilen, Katharer, Flagellanten), in protestantischen Randgruppen (Quäker, Täufer, Spiritualisten) und seit Anfang des 20. Jahrhunderts in der evangelischen Pfingstbewegung.

Der Hammersegen existiert unter dem Namen „Shakti Pat“ auch im Hinduismus (er geschieht meist bei der Handauflegung eines Yogis), zudem ist das Phänomen aus dem schwarzmagischen Voodokult bekannt, wahrlich weit entfernt vom „Heiligen Geist“.

Auf den ersten Blick erscheint es vielleicht etwas merkwürdig, dass sich in Medjugorje eine wundersüchtige Erscheinungsgläubigkeit, wie man sie sicherlich im Zusammenhang mit kirchlich abgelehnten „Privatoffenbarungen“ öfter antrifft (z.B. Heroldsbach, Montichiari, San Damiano, Garabandal), vermischt mit einem irrgeistigen Vorgang wie dem Hammersegen, der zuvor in erscheinungsmarianischen Kreisen kaum bekannt war.

Erst in Medjugorje haben sich beide Phänomene (Falschmystik und Charismatik) gewissermaßen öffentlich die Hand gereicht und durchdringen sich nun seit Jahrzehnten gegenseitig.

Einige Medjugorje-Anhänger, die seriös erscheinen und daher ungern zur Charismatikerszene gehören wollen, sind angesichts der eindeutigen Sachlage mit einem echten Problem konfrontiert: Wie wollen sie die „himmlische“ Herkunft der „Erscheinungen“ dieser „Friedenskönigin (in Medjugorie auch „Gospa“ genannt) weiterhin rechtfertigen, nachdem sich der schwarmgeistige Dunstkreis in und um Medjugorje nicht leugnen lässt? media-377708-2

Was hat denn die echte Gottesmutter mit solch falschgeistigen Geschehnissen wie dem Hammersegen zu tun? – Ist die himmlische Maria etwa eine verkappte Pfingstlerin, quasi die „erste Charismatikerin“? Kann man sich die Madonna vorstellen, wie sie bewusstlos nach hinten kippte, angeblich „erschlagen vom Geist“? Als der Engel Gabriel bei Maria eintrat, beugte sie vermutlich ehrfürchtig ihr Haupt oder fiel angesichts des himmlischen Boten vielleicht andächtig auf die Knie, aber jedenfalls nicht ohnmächtig auf den Rücken!

Doch für jene Medjugorje-Anhänger, die mit der Charismatikerszene nichts am Hut haben, ist guter Rat nicht ferne: sie sagen entweder, dass diese Marienerscheinungen trotzdem alle echt seien und das „schwarmgeistige Drumherum“ damit nichts zu tun hat – oder sie gehen davon aus, dass zumindest die Gospa-Erscheinungen der ersten Jahre vom Himmel kommen und sich später vielleicht der Widersacher eingeschlichen hat.

Die erste Ausrede ist leicht zu widerlegen, denn das „Drumherum“ (das Verteilen des Hammersegens) geschieht nicht irgendwo in den Bergen oder Wäldern der Umgebung von Medjugorje, sondern dort in der Pfarrkirche sowie in umliegenden Franziskanerklöstern, wobei dieses Erschlagenwerden im Ungeist (!) von Medjugorje-Gurus wie P. Jozo Zovko seit Jahrzehnten per Handauflegung vermittelt wird.

Der zweite Einwand, wonach die Erscheinungen in den ersten Jahren von oben kamen und sich erst später der Diabolus (Durcheinanderbringer) eingeschlichen habe, ist auf den ersten Blick durchaus diskussionswürdig. Es muss geklärt werden, ob Medjugorje von vornherein charismatisch geprägt war oder erst in späteren Zeiten.

Man kann auch „nach unten“ fasten

Zunächst fällt auf, dass in Medjugorje von Anfang an eine merkwürdige Überbetonung des Fastens proklamiert wird, wie man dies auch aus dem sektiererischen und charismatischen Lager seit langem kennt.

So gibt der prominente protestantische Pfingstler David Wilkerson in seinem Bestseller Das Kreuz und die Messerhelden nicht nur eine Reihe von Zukunftsprophetien zum Besten (die sich übrigens fast alle nicht erfüllt haben), sondern behauptet dort auch, dass strenges Fasten „freimacht“ für das besondere Wirken des Heiligen Geistes. Aber angesichts seiner zahlreichen Falschprognosen scheint sich bei ihm diese Geistwirkung doch in recht engen Grenzen zu halten.

Fasten im vernünftigen Rahmen ist sicherlich gut, es darf aber nicht in eine charismatische Erwartungshaltung ausarten, als ob man Gott durch Fasten quasi „zwingen“ könne, seine Geistesgaben auszuströmen. Dann würde das Fasten zur Magie verkommen bzw. neurotische Formen annehmen.

Zudem muss man sich vor (un-)geistlichem Hochmut schützen und darf nicht meinen, durch bestimmte Fastenpraktiken ein „besserer“ Christ zu sein. So gesehen kann man bei einer falschen Grundhaltung durchaus „nach unten“ fasten – man denke hier auch an die fastenstrengen Pharisäer, immerhin die schärfsten Gegner Christi. Wichtiger als ausgeprägte Fastenübungen sind jedenfalls die guten Werke, Taten der Barmherzigkeit und Nächstenliebe, wie der Prophet Jesaja im Alten Testament betont: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts lösen, die Stricke des Jochs entfernen, die Versklavten freilassen, jedes Joch zerbrechen.“ (Jes. 58,6)

Während die Katholische Kirche mit ihrer typisch bodenständigen Vernunft in einem ihrer fünf Kirchengebote dazu auffordert, am Freitag auf Fleisch zu verzichten bzw. ein selbstgewähltes Opfer zu bringen, ist das für die „superfrommen“ Ansprüche von Medjugorje offenbar nicht gut genug, verlangt doch die „Gospa“ am Mittwoch und Freitag „strenges Fasten“ bei Wasser und Brot (vgl. „Botschaft“ vom 14. August 1984).

Selbst eingefleischte Medj-Fans bringt diese Forderung vielleicht nicht unbedingt um den Verstand, aber um ihre Arbeitsfähigkeit und gute Laune. So weiß Pfr. Dirk Grothues zu berichten: „Ich selber habe vor einigen Jahren versucht, mittwochs und freitags bei Brot und Wasser zu fasten. Es ist mir erbärmlich bekommen. Mir wurde schlecht und ich konnte meine Arbeit nicht mehr tun.“ (Aus dem Buch Der Himmel fängt schon an, Oros-Verlag, S. 104)

Ist der Ursprung von Medjugorje bereits charismatisch?

Das erste Buch, das schon 1982 in Deutschland über die Ereignisse von Medjugorje erschienen ist, trug den Titel: Erscheinungen der Gottesmutter in Medjugorje (Miriam-Verlag). Das bekannte gelbfarbene Buch des Priesters Marijan Lubic berichtet auf S. 98 über die typisch charismatische Art der Krankensegnung durch die „Seher“ von Medjugorje in der dortigen Pfarrkirche bereits im ersten Erscheinungsjahr:

„Dann kommen die Seher zu jedem der Kranken einzeln, legen einem jeden beide Hände auf den Kopf und beten längere Zeit über jeden. Dies geht offensichtlich auf P. Zovko zurück, von dem ich gehört habe, dass er bei der charismatischen Bewegung ist. Die Charismatiker haben die Gewohnheit, besonders über die Kranken so zu beten.“

Typisch charismatisch ist auch die Erwartung einer allgemeinen „Erweckung“, einer goldenen Zeit des Gottesreiches, die jetzt im Anbruch sei: „Noch nie in der Geschichte der Menschheit, nachdem der Sohn Gottes in Menschengestalt durch dieses Tränental geschritten ist, auch nicht durch die ganze Geschichte der unzähligen und großen Mystiker, kam der Himmel so nah, so menschlich nah zu den Menschen, nicht nur zu den Sehern, sondern auch zu einem jeden von uns und dem ganzen Volk, der ganzen Menschheit, wie jetzt in unserer Zeit, wo immer wir auch sind.“ (S.112)

Religiöse Menschheitsbeglückung durch Medjugorje, verbunden mit einer ebenfalls typischen charismatischen Endzeitschwärmerei: „Die Gospa hat in Medjugorje wohl zu ihrem entscheidenden Endkampf angesetzt“, denn von diesem Orte aus würden „Ströme des allgemeinen Wiedererwachens fließen“, die „ganz Europa und letztlich die ganze Welt sehr bald, wie ich glaube, in ein üppiges und blühendes Reich Gottes umwandeln wird.“ (S. 113)

In Wirklichkeit leben wir in einer Zeit des zunehmenden Glaubensabfalls, von „blühenden Landschaften“ ist ebenso wenig zu sehen wie von einem „blühenden Reich Gottes“ auf Erden.

Die „Gospa“ empfiehlt ein kirchlich verbotenes Werk

Durchaus passend für den charismatischen Unfug in und um Medjugorje ist die Tatsache, dass die angebliche Marienerscheinung eine Buchreihe empfohlen haben soll, die im September 1959 auf den vatikanischen Index der verbotenen Bücher kam, nämlich das Werk „Der Gottmensch“ von Maria Valtorta.

Diese italienische Pseudomystikerin gibt vor, in ihrer Buchreihe (die mindestens 30mal umfangreicher als das Neue Testament ist) das wahre Leben Christi darzustellen, das ihr vom Himmel diktiert worden sei. Nebst langatmigen Landschaftsschilderungen gibt sie einen sentimentalen „Jesus“ sowie eine teilweise hysterisch agierende „Maria“ zum Besten bzw. zum Schlechten, was offensichtlich mit der Heiligen Schrift nicht übereinstimmt. Das falschmystische Werk kam mit Recht auf den Index, der zwar in formaler Hinsicht durch das II. Vatikanum abgeschafft wurde, gleichwohl seine moralische Gültigkeit behält.

In einem Schreiben an Kardinal Siri vom 31.1.1985 erklärte Kardinal Joseph Ratzinger, dass die „moralische Autorität“ des Index auch weiter in Kraft sei. Zu Valtortas Visionen schrieb der Präfekt der Glaubenskongregation, „dass das Werk wissenschaftlich geprüft“ worden sei und sich als „eine Anhäufung von Kindlichkeit, Fantasie sowie historischen und exegetischen Fehlern erwiesen“ habe.

Marija Pavlovic, eine der „Seherinnen“ von Medjugorje, sieht das offenbar anders, angeregt durch eine angebliche Botschaft der „Gospa“. In einer Fernseh-Lifesendung erklärte sie Anfang der 90er Jahre, dass ihr die Gottesmutter mitgeteilt habe, Valtortas Werk sei eine „gute Lektüre“. Schon vorher wurde innerhalb der Medjugorje-Bewegung heftig Reklame für dieses Machwerk betrieben. (Näheres hierzu in dem Buch „Der Medjugorje-Betrug“, Verax-Verlag, S. 306-312)

Angesichts dieses aufschlussreichen Vorganges, aber auch aufgrund der charismatischen Phänomene in Medjugorje, die von Anfang an erkennbar waren, kann die „Erscheinung“ dort keineswegs vom Himmel gesandt sein und die „Botschaften“ der „Gospa“ kommen nicht von oben.

Felizitas Küble aus Münster leitet das Christoferuswerk und den katholischen KOMM-MIT-Verlag in Münster