JA zu Ehe, Familie und Schöpfungsordnung

Von Christa Meves

Selbst wenn Olaf Scholz die einst von ihm beschworene staatliche „Lufthoheit über den Kinderbetten“ in der neuen Regierung zu verwirklichen sucht, wird bei gestandenen Männern niemand die Sehnsucht nach heiler, ausfüllender Vaterschaft auslöschen können. Und viele Familienväter hierzulande werden sich in zusammenhaltenden Familien weiterhin viel Mühe geben, diesem Ziel gerecht zu werden.

Aber ein wenig Fachwissen – in den letzten Jahrzehnten auf diesem Feld erfahren – könnte sinnreich sein, um dieses Ziel – trotz der zu erwartenden verstärkten Minderung der väterlichen Autorität im Trend – in heilen Familien dennoch im Auge zu behalten; denn bedauerlicherweise haben sich heute manche frischgebackenen Jungväter sogar auch in der Familie in eine übersteigerte Knechtschaft drängen lassen: etwa der barsch geforderten Beseitigung der Mülle sowie der Bereinigung schmutziger Fußböden und Klos als Tribut von der ständig überforderten, erwerbstätigen Ehefrau.

Doch ein Übermaß davon entspricht nicht dem natürlichen Wesen eines Paterfamilias. Sein Aufgabenbereich wird durch eine vorrangig gelebte kraftvolle Schutzfunktion der ihm zugehörigen schwächeren Familienangehörigen bestimmt. Deshalb hat er mehr Muskeln, deshalb wachsen ihm mit der Pubertät Bart und tiefe Stimme zu und deshalb entfalten sich im Laufe seiner Ausgestaltung diejenigen Hirnfunktionen, die für die Lebensbewältigung der Familie besonders dienlich sind.

Dazu bedarf es keines Bewusstseins darüber, es ist ihm vorgegeben. Er wird, wenn er gesund geboren ist, auf Autorität geradezu geprägt. Wenn ihm – wie in der heutigen Zeit durch den Feminismus – diese Grundwesenheit nicht zugestanden wird, breitet sich im Jungvater ein Gefühl von Unzufriedenheit, ja von Unglücklichsein aus.

Daraus erwachsen über kurz oder lang in der Familie Spannungen gefährlicher Art, zumal die Ursache selten erkannt wird, ehe sich daraus Bedenkliches entwickelt. Dabei verliert der Vater die Kinder meist mehr und mehr aus dem Blick. Sie werden ihm auf diese Weise ohne seine Absicht entfremdet bzw. er bekommt gar nicht erst die Gelegenheit, mit seinen Sprösslingen eine persönliche Beziehung aufzubauen.

Das aber bedeutet im Grunde für beide Geschlechter (für die Töchter aber nicht so elementar wie für die Söhne) ab deren vierten Lebensjahr einen Mangel, denn von dieser Zeit ab bekommt der Vater im Entfaltungsprozess des Sohnes eine direkte Vorbildfunktion.

Der Vater ist im Alltag seines kleinen Sohnes dafür vorgesehen, ihm die Richtung im Mann-Werden vorzugeben. Oft habe ich mir das von manchen sechs- bis achtjährigen Söhnchen erzählen lassen: „Ich werde mal Pilot wie Papa.“ – „Ein Schornsteinfeger werde ich, wenn ich groß bin. Papa nimmt mich schon mal mit.“ – Kürzlich hielt mir ein Achtjähriger seine Kinderbibel hin und erklärte: „Ich werde mal ein Pastor wie Papa.“

Aber leider erlebte ich nun in den vergangenen Jahrzehnten in meiner kinderpsychotherapeutischen Praxis auch immer häufiger das Gegenteil: „Nein, ein Mann will ich nicht werden – lieber so jemand wie Mama.“

Andere Kinder haben mir sogar im  vertraulichen Gespräch erzählt, wen sie als Vorbild statt des Vaters hätten – jemand wie die Leiterin vom  Kindergarten oder eine Grundschullehrerin. Solche Aussagen von Kindern in der Praxis nötigen den Therapeuten dazu, umfängliche Recherchen bei der Mutter über das Verhalten des Vaters im Familienalltag einzuholen.

Dabei ergab sich bei diesen Fällen oft, dass mir ein wachsendes uneinfühlsames Verhalten von diesen Vätern durch die Aussagen ihrer Ehefrauen bekannt wurde. Manchmal kam dann sogar unter Tränen heraus, wie oft der Vater die Familie durch unvorhergesehene Wutausbrüche in Schrecken versetze. Auch von Randalieren und Bedrohen im Status der Betrunkenheit wurde nun nicht selten berichtet. Oder es wurde von Abweisungen oder gar von Gewalt besonders gegen die kleinen Söhne gesprochen.

Aber gleichzeitig schränken diese Mütter immer ihr Elend ein: Diese Väter seien dennoch bemühte Versorger der Familie. Ihnen sei aber auf die Dauer ein liebevolles, empathisches Verhalten der ihnen anvertrauten Familie nicht durchgängig gelungen, obgleich beim Ehemann Bemühen um Mitarbeit vorhanden sei …

Es ergibt sich also: Die verschlechterte Stimmung in der Familie ist eine langfristige Folge davon, dass ein eigentlich in natürlicher Weise bemühter Vater lange Zeit in unangemessener Herabwürdigung zu leben hatte, sodass sich daraus eine innere Unausgeglichenheit entwickelte.

Das hat mich bewogen, eine Reihe von Beratungsstunden zunächst mit der meist sehr einsichtigen Mutter über die Unbekömmlichkeit ihrer Kommandomanier gegenüber dem Ehemann durchzuführen, dann aber langfristig sogar mit diesen Vätern selbst. Ich mache dem jeweils betroffenen Vater klar, dass er, der sich doch eine glückliche Familie wünschte, auch eine gesunde Entfaltung seiner Kinder wolle.

Jeder kleine Sohn brauche deshalb spätestens ab fünf eine nahe Beziehung zum Vater, sodass es für seinen Sohn gefährlich werden würde, wenn der Vater ihm nicht als positives Vorbild begegnet, wie er das doch eigentlich selbst wolle.

Nachdem dem Vater der Grund für des Jungen Unzufriedenheit mit seinem Geschlecht einsichtig geworden war, pflege ich ihm entsprechende Freizeitbeschäftigungen mit diesem ihm entfremdeten Sohn vorzuschlagen. Das ist nicht immer leicht erreichbar, aber da in fast allen Betrieben der Samstag ein Feiertag ist, lässt sich – auch im Hinblick auf die Situation der anderen Familienmitglieder – eine solche längerfristige Beschäftigung des Vaters mit seinem Sohn realisieren.

Da muss mehr als einmal erklärt werden, dass eingewöhnte gegenseitige Bewertungen von nahen Familienmitgliedern sich nicht von einem Tag auf den anderen ändern lassen; denn sie sind ja durch häufige Erfahrungen mit dem Vater entstanden. Sie können infolgedessen auch nur durch vielfältige gegenteilige Maßnahmen gelöscht werden. Es bedarf also eines geduldigen Durchhaltens und auch mancher origineller Veränderungen in den Inhalten der Beschäftigung.

Auf jeden Fall sollte versucht werden, eine gemeinsame Freizeitbeschäftigung zu erreichen, die beiden Akteuren Freude macht und sie zusammenschweißt. Das häufige Zusammensein für ein paar Stunden ist Voraussetzung im veränderten Umgang miteinander. Gegenseitige Wertschätzung sollte den Zielpunkt bilden. Dabei lässt sich dann bei beiden zunehmende Begeisterung über ihren Jour fixe beobachten.

Meistens bewähren sich sehr typische männliche Beschäftigungen, da sich häufig auch ergibt, dass die Jungen ähnliche Begabungen mitbringen, wie die Väter sie haben, die Freude an Technik z. B., die Lust zu konstruieren, das Bedürfnis, die eigenen Fähigkeiten direkt auszuprobieren.

Da gibt es einen breiten Rahmen an männlichen Betätigungsmöglichkeiten, z. B. in der Vorbereitung von Wanderzielen in den Ferien, die Idee einer ein wenig abenteuerlichen Fahrt in einem Boot auf einem Kleinfluss und endlich und immer wieder: Fußball, Fußball, Fußball, was dann schließlich gekrönt wird mit einer gemeinsamen Fahrt zum Anschauen eines Fußballspiels von Bedeutung.

Ich habe in diesem Bereich mit solchen Methoden, die alle therapeutischer Hartnäckigkeit bedürfen, beglückende Veränderungen im Familienklima erlebt. Und sie bestehen keineswegs nur darin, dass das Kind dann nicht nur seine Ausflüchte in ein anderes Geschlecht aufgibt, sondern dass jetzt ein Junge erlebt wird, dessen Augen leuchten und dessen schulische Leistungen sich ständig verbessern.

Quintessenz: Ein Erfolg dieser Art entspricht der Schöpfungsordnung. Und erfreulicherweise lässt sich das nun auch durch die Hormonforschung über die Unterschiedlichkeit der Geschlechter wissenschaftlich beweisen; denn so weiß es zutreffend die Heilige Schrift:

Als Mann und als Frau schuf Gott den Menschen – in fruchtbarer, sich ergänzender Unterschiedlichkeit und in sich gegenseitig achtender Gemeinsamkeit.

Unsere Autorin Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder/Jugendliche und Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

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Wenn der Sinn des Regenbogens verkannt wird

Von Christa Meves

Zwei Regenbogen in vollkommener Form verzeichnet die Heilige Schrift: den ersten im Alten Testament bei Moses 1,9 nach Noahs Überleben der Sintflut – unterstrichen von den Worten Gottes:

ER verheißt, in Zukunft bei seinen Menschengeschöpfen Gnade walten zu lassen und sie nicht noch einmal auslöschen zu wollen, wie er das mit dem Ausbruch der Sintflut zuvor angedroht hatte.

Warum steht in der Heiligen Schrift als Untermauerung dieser Aussage der Regenbogen? Auch das wird von Gott direkt gesagt: „Meinen (Regen-) Bogen setze ich in die Wolken. Er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.“

Es folgt noch eine lange, aufschlussreiche Rede an Noah und seine drei Söhne. Und besonders ist sie wohl an die drei jungen Männer gerichtet, wiederholt Gott hier doch noch einmal die Aussage am Anfang der Genesis: „Seid fruchtbar und mehret euch!“

Damit ist der Regenbogen ein Kennzeichen für Gottes Zuwendung, wenn der Mensch – wie Noah mit seiner Familie – in der Gottesnähe und in der Schöpfungsordnung bleibt.

Zum zweiten Mal kommt sinnvollerweise dieses biblisch singuläre Motiv im Neuen Testament vor, und zwar bei den Visionen des Johannes über die Zukunft der Menschheit. Hier wölbt sich im Kapitel 4,3 der Regenbogen über Gottes Thron.

Damit sind diese beiden Regenbogen voll ausgewiesen als die zentralen Kennzeichen, gewissermaßen als die Insignien unseres Gottes und damit als ein entscheidendes Kennzeichen seines Schöpfungswerkes.
 
Zur Zeit stehen Regenbogenembleme im Fokus unserer Öffentlichkeit – offensichtlich dadurch, dass die Gruppierung LGBTIQ
(lesbisch, schwul, bi-, trans-, intersex, queer) den Regenbogen zu ihrem Banner ernannt hat.

Sogar die Kommissionspräsidentin der EU hat zweimal dazu Stellung genommen. Sie betont apodiktisch, dass jedermann innerhalb der EU seine Partner frei wählen könne. Aber das ist in der öffentlichen Meinung längst unstrittig und wird in unserer Demokratie – gelegen oder ungelegen – bereits wie selbstverständlich toleriert.

Nun wurde daraus ein politisches Intermezzo: In der EU plane man Sanktionen gegen Ungarn. Man müsse in dieser Hinsicht die internationale Verantwortung gegen die aufmüpfige Regierung dort in Anspruch nehmen, indem man ihr Sanktionen androht, wenn sie was tue bzw. nicht tue? Das bleibt unklar.

Allgemein bekannt geworden ist aber, dass das ungarische Parlament für die Schulen ein Verbot aussprechen wollte, dass Vertreter der Gruppe LGBTIQ in den ungarischen Schulen auftreten, um ihre Lebensweise den Jugendlichen vertraut zu machen (das geschieht in manchen deutschen Bundesländern schon seit vielen Jahren).

Fürchtet man in Ungarn, dass dadurch in Zukunft eine Minderung der Geburtenrate entstehen könnte? Das ist denkbar – die Verfassung betont besonders den Wert der Familie.

Gegen allen Trend in der EU betreibt man in Ungarn nämlich eine konträre Familienpolitik. Die Regierung verteilt seit Jahren an Jungmütter Kredite, die es ihnen ermöglichen, in der ersten Lebenszeit ihrer Kinder zu Hause zu bleiben. Diese Zuwendungen brauchen umso weniger zurückgezahlt werden, je mehr Kinder nachgeboren werden.

Der Anstoß für diese internationale Beachtung der aufmüpfigen ungarischen Regierung war aber bereits vor dem Fußballspiel von Deutschland gegen Ungarn hochgebrandet. Kesse Leute regten damals an, in München anlässlich des Fußballspiels das Stadion in Regenbogenfarben auszuleuchten, was aber die UEFA verhinderte, weil sie solche Aktionen als störend einschätzte und verbot. Dennoch schwenkten viele der Zuschauer Regenbogenwimpel beim Betreten des Fußballstadions.

Aber unabhängig von allem medialen Großgetöse bleibt die bange Frage: Sollten diese Regenbogenfahnen nun eigentlich das aussagen, was sie in einer Kultur mit christlicher Grundlage sind und bleiben müssen: ein Kennzeichen der Präsenz dieses unseres Gottes?

Oder was meint diese so medial beachtete Regenbogenpräsenz denn sonst? Wurde das Insignium Regenbogen doch von der LGBTIQ-Gruppierung gewählt, um sich von dem tradierten Gebrauch als Gotteszeichen abzuheben?

Dafür spricht, dass bei dem modischen Regenbogen die Farbe hellblau gestrichen wurde. Dadurch geriet dieses Naturphänomen in den Bereich der Künstlichkeit. Denn bei keinem vollständigen Regenbogen in der Natur fehlt diese Farbe und kündigt an, dass nach Regen das helle Sonnenlicht als ein Zeichen der Hoffnung neu hervortritt.

Wie dem auch sei: Regenbogen tauchen nun in der Öffentlichkeit in Vielzahl auf, allemal beim Christopher Street Day, gelegentlich sogar als Fahnen auf Kirchendächern oder in manchen überregionalen Werbeblättern von wem auch immer.

Im Raum bleibt also weiterhin die Frage: Warum diese Wahl als Banner einer vorpreschenden, Beachtung heischenden Vereinigung? Versteht diese Gruppierung den Regenbogen (durch die Künstlichkeit verstärkt) außer als Forderung nach Unabhängigkeit und schrankenloser Freiheit vor allem als einen Affront gegen den tradierten Sinn dieses Naturphänomens?

Ist hier letztlich prometheischer Trotz gegen einen allmächtigen Schöpfer im Spiel? Soll deshalb mit diesem modischen Regenbogen die moderne Welt in weiträumiger Solidarität mit einer sich großmütig fühlenden Bevölkerung genesen?

Aber damit wiederholt sich in der Geschichte eine immer wieder aufflammende Revolte. Umrahmt von höhnenden Mitläufern ist dann jeweils den verworfenen Gottgetreuen der Weg zu Kreuz oder Schafott vorgezeichnet. Lärmend dominant ist dieses zwar eine Zeitlang, aber regelmäßig vergänglich; denn  das ist lediglich der immer wieder vergebliche Versuch, Gott für tot zu erklären.

Aber nach wie vor sitzt unser allmächtiger Schöpfer weiter im Regimente.

Gemälde: Evita Gründler


Zeitfenster in der Entwicklung des Menschen

Von Christa Meves

Heute möchte ich Sie mit dem entwicklungspsychologischen Begriff „Zeitfenster“ bekanntmachen, weil ich in der letzten Zeit die Erfahrung gemacht habe, dass manche Eltern besorgt sind vor dem nun wartenden Schulanfang ihrer Kleinen wegen eines unüblichen Verhaltens mancher ihrer Sprösslinge.

Die betroffenen Kinder zeigen ein Verhalten, mit dem sie auffallen könnten.

Zum Beispiel: Ein Sechsjähriger macht in kurzen Abständen einen Nasenschnaufer, ein Mädchen lässt nicht davon ab, sich immer wieder Locken auszureißen, ein anderer kaut an den Fingernägeln, eine andere muss häufig auf die Toilette, um sich die Hände zu waschen.

Regelmäßig erklären die besorgten Eltern, dass diese Angewohnheiten schon eine ganze Weile vorhanden sind und dass sie samt Oma und Papa trotz vieler Mahnungen es nicht geschafft haben, das Kind zu bewegen, von diesen Stereotypien abzulassen. „Will ich doch auch nicht“, pflegt das so angesprochene Kind dann zu antworten. Aber statt Fortschritten sei nach ausführlicher Beachtung eher eine Verstärkung der Symptome eingetreten, berichten die Erziehenden.

Zur Erläuterung ist es aber nötig, zunächst ein wenig tiefer die Ursachen solcher Erstsymptome von Verhaltensstörungen in den Blickpunkt zu rücken; denn es fehlt in diesen Bereichen an Kenntnis über die Notwendigkeit, die Zeitfenster im Entwicklungsgang des Menschen zu beachten.

Die Bezeichnung Zeitfenster ist ein ausgesprochen anschaulicher Begriff der Entwicklungspsychologie.

Er betrifft die Gegebenheit, dass sich jeder Entwicklungsschritt beim Menschen immer mit einer bestimmten Dauer in einem bestimmten Alter vollzieht. Entwicklungsaufgaben treten altersentsprechend ein und wollen geübt sein. Wir Menschen haben unser Sein in Phasen, in Stufungen zu vollziehen.

Dafür ist der Begriff Zeitfenster besonders zutreffend, weil ein Fenster nicht nur erhellenden Ausblick, sondern meist auch die Möglichkeit enthält, sich öffnen zu können, und damit natürlich auch die Möglichkeit hat, sich zu schließen.

Eine Zeitlang entsteht ein gewisser Schwerpunkt in den Verhaltensformen, der vergeht, wenn dieser genug geübt ist und unwichtiger wird. So schließt sich z. B. an die Säuglingszeit die Trotzphase an. Das Zeitfenster der Säuglingszeit schließt sich, nachdem das Kind eine Bindung an die Mutter erworben hat. Daran schließt sich ein Zeitfenster mit neuen Aufgaben an, in dem das Kind ein Bedürfnis nach Selbstständigkeit entfaltet, und zwar von dem Augenblick an, in dem es alleine laufen kann.

Schwierigkeiten z. B. der eben beschriebenen Art pflegen bei den Entfaltungsaufgaben der jeweiligen Phasen dann aufzutreten, wenn solche Hauptaufgaben nicht hinreichend eingeübt wurden,  z. B. weil das von den Erziehenden nicht beachtet wurde oder das Schicksal das verhinderte.

Verpasste Bindung an die Mutter mit Zeitfenster in der Säuglingszeit kann man später nicht selbstverständlich nachholen, z. B. durch die Begegnung mit wechselnden Pflegerinnen in der Kita.

Diese Restbestände von Lebensaufgaben, die in der jeweiligen Stufe unerledigt blieben, verweilen dann mit einem unbestimmten Nachholbedürfnis in der Kinderseele. Die Kinder beginnen unruhig zu werden, weil ein elementarer Drang nicht abgesättigt worden ist. Und dieser Mangel wird dann leicht durch eine der eben beschriebenen Angewohnheiten zu kompensieren versucht.

Das geschieht dem Kind in jeder Stufe ohne jedes Bewusstsein von dessen Bedeutung. Es hilft also nicht, wenn eine Mutter jetzt immer und immer wieder dem Kind sagt, es möge aufhören, z. B. an den Fingernägeln zu beißen oder am Daumen zu lutschen.

Die Frage „Warum tust du das?“ ist sinnlos, denn das Kind weiß nicht, warum die Natur in ihm auf einen seelischen Mangel mit einem groben, unbewussten, häufig wiederholten Selbstheilungsversuch reagiert, sondern im Gegenteil: Die häufige Thematisierung der Angewohnheit durch die Erziehenden verstärkt den Zwang zu den unliebsamen Tätigkeiten.

Solche Symptome lassen sich in der Kindheit so schwer abgewöhnen, weil alles, was sich dort im Gehirn abspielt, als Lebensgrundlage so fest eingeprägt wird. In den späteren Stufen werden alle inneren bedeutsamen Aufgaben leichter veränderbar – jedenfalls die neu hinzukommenden -, während die alten Prägungen zäh zu haften pflegen.

So enthält z. B. das Zeitfenster Pubertät, das mit der Geschlechtsreife geöffnet wird, für Mädchen oft das Bedürfnis, durch Schlankheit ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Das lässt sich durch regelmäßig reduzierte Kalorienzufuhr zwar erreichen.

Aber wenn das in der ersten Lebenszeit vorhandene Bedürfnis nach emotionaler und oraler Sättigung nicht befriedigt wurde, kann aus dem Mangel das dringliche Bedürfnis entspringen, das irgendwie nachzuholen; und so vereinnahmt die Jugendliche unbesehen so viele Kalorien, dass sie eher vollbeleibt wird, als dass der Wunsch, schlank und damit modisch erwünscht zu sein, sich erfüllen lässt.

Oder ein weiteres Beispiel aus dieser Altersstufe: Ein Jugendlicher sitzt im Allgemeinen wie ein junger Vogel auf dem Nestrand, plant Ausbildung und Auszug. Das innere Zeitfenster drängt dazu. Bleibt er jetzt dennoch bei Pension Mama hängen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass sein Seelenrucksack aus der Kindheit entweder für ihn zu schwer ist oder dass er aus Bequemlichkeit nun einmal zu sehr Mamas klasse Hotel liebt.

Das Letztere ist mit Eigenwillen zu ändern, das Erstere aber nicht – es sei denn, jemand hilft ihm, den Rucksack tragbar zu machen. Sein Zeitfenster klemmt eben. Er hat es nicht zum angemessenen Zeitpunkt schließen können.

Deshalb brauchen die Erziehenden bei allen Stufen der Kinder und Jugendlichen und später bei sich selbst ein Gespür für die Zeitfenster – und das heißt Wissen um den sich entfaltenden Menschen. Er versucht sich sonst unbewusst selbst zu helfen, ohne zu ahnen wieso. Er strebt doch lediglich nach dem Gesetz, nach dem er von Gott und dessen Natur angetreten ist.

Je mehr also Eltern mit einem gesunden Menschenverstand beim Umgang mit ihrem Kind spüren, was für ihr Kind in den jeweiligen Phasen das Richtige ist – also weniger künstlich, sondern entwicklungsgerecht -, umso mehr wird ihr liebster Schatz den ihm zugemessenen Weg finden und dann auch von lästigen Angewohnheiten lassen können; denn die haben für ihn dann keinen Sinn mehr.

Unsere Autorin Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder/Jugendliche, Publizistin und Bestsellerautorin


Enkopresis: Das Kleinkind im Spannungsfeld von Anpassung und Selbstbehauptung

Von Christa Meves

Aus meiner Praxiserfahrung als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin fällt mir eine Verhaltensstörung von Kleinkindern ein, die wenig respektierlich erscheint, weil sie sich auf die Ausscheidungsvorgänge bezieht. Es gibt z. B. bei ihnen eine Phase, in der die Pflegenden ein besonderes Interesse daran haben, dass Ordnung eingewöhnt wird, indem sie um die „Stubenreinheit“ des Kindes bemüht sind.

Russische Forscher haben allerdings festgestellt, dass das eigentlich nicht nötig sei: denn jedes gesunde Kind käme spätestens im 5. Lebensjahr auf die Idee, dass es allgemein die Stimmung verbessert, wenn man den Eigenabfall an einem dafür vorgesehenen Ort ablegt. Und dennoch kommt es bei diesen Bemühungen durch die verantwortlichen Erwachsenen heute gehäuft bei den Kindern zu Störungen, die umso drängender in Erscheinung treten, je mehr man ihnen eine vorrangige Beachtung zubilligt.

Das Kind kommt unverständlicherweise auf die Idee, den Stuhl – oft über lange Zeit – zurückzuhalten, wodurch es zunächst scheinbar zu Verstopfungen kommt. Aber dann – beim fortgesetzten Zurückhalten über Tage hinweg – bricht sich ein unaufhaltbarer Stuhldrang explosionsartig die Bahn und es kommt zum Einkoten. In der medizinischen Fachwelt bezeichnet man das als Enkopresis.

Begreiflicherweise löst diese Gegebenheit bei den Pflegenden Wut aus; denn Kinder, die sich so verhalten, haben die Gewöhnung an eine geregelte Abfall-Abgabe bereits gelernt gehabt und schon beherrscht. Wie verständlich ist es deshalb, dass die Erwachsenen diesen Vorgang nicht begreifen. Sie fassen ihn dann meistens als einen unverschämten Ungehorsam auf.

Nicht wenige der Pflegenden beantworten dann das stinkende Desaster mit Schimpfen und Schlagen. Andere versuchen, durch Befragen des Kindes die Ursache herauszufinden, wodurch dieses geradezu verzweifelt wird – denn schließlich kennt es in diesem Alter die Ursachen der Störung ebenso wenig wie die Erwachsenen. Das Befragen des Kleinkindes danach bleibt ergebnislos, ja, es ist sogar absolut kontraproduktiv und schreibt das Fehlverhalten dadurch geradezu fest.

Um der Schwierigkeit an den Kragen zu gehen, muss der Erwachsene das Kind besser verstehen als es sich selbst mit seinem noch nicht voll ausgebildeten Verstand. Was also treibt das Kind mit solcher Energie dazu, einen natürlichen Vorgang zu verhindern? Böse Feindschaft gegen Mama, frecher Ungehorsam, Ausdruck des Sündenfalls trotz Taufe? Es ist gefährlich, das zu unterstellen; denn es wird der wachsenden Not des Kindes nicht gerecht.

Entwicklungspsychologische Erwägungen führen hier eher zum Ziel: In diesem Alter steht es an, das eigene Ich zu konstituieren, um sich später in den Stürmen des Lebens besser behaupten zu können.

Das ist ein Wachstumsgebot aus Gottes Schöpfungsordnung! Es gibt nun aber – oft tragischerweise gerade bei intensiv bemühten Pflegenden – die Tendenz, das Verhalten des Kindes auf Schritt und Tritt steuern zu wollen. Dadurch können sich in diesem Alter für einige Kinder die Chancen mindern, den natürlichen Entwicklungsschritt zur Selbstbehauptung und damit die Entfaltung seiner Eigenständigkeit hinreichend einzuüben.

Solche Kinder haben aber meistens bereits im Säuglingsalter eine Bindung an die Hauptbezugsperson entwickelt. Durch allzu vieles überreichliches Fordern und Lenken der Erwachsenen gerät nun das Kind in einen Konflikt; denn es möchte einerseits lieb sein, aber andererseits selbstständig werden, und zwar mit einem innerseelischen Bedürfnis danach. Es ist in diesem Alter also ein Zeitfenster vorhanden, sich in Selbstbehauptung einzuüben.

Wenn aber das individuelle Lebensgesetz des Kindes zur Selbstbehauptung in ihm fortgesetzt behindert wird, sucht es unbewusst eine Lösung des Konflikts und findet sie in der Verweigerung der Stuhlentleerung. Äußerlich scheint es, als wenn das Kind lediglich von einem dummen, egoistischen Trotz beherrscht wird. In früheren Zeiten meinte man dann sogar, den „bösen“ Willen des Kindes mit langem Topfsitzen oder mit Schlägen brechen zu müssen, handelt sich aber eher eine Verschiebung auf andere Störfelder ein.

Um dem Kind helfen zu können, bedarf es also zunächst einmal des Wissens um die in diesem Alter vor sich gehenden Entfaltungsvorgänge der Seele und des kleinen Leibes. Das Kind hat sein Sein zu festigen, es strebt z. B. nach Eigenbesitz und es ist in diesem Alter wichtig, dass es – in Grenzen – seinen eigenen Willen erproben und einüben darf, am besten an langer Leine in harmonischem Umfeld. Je nach Anlage der verschiedensten Eigenschaften bekommt das Kind in diesem Alter den Impuls zu eigenem Handeln. Und das geschieht vorrangig beim Spielen mit vielen oft originellen Einfällen.

Das heißt in dieser Phase für die Erziehenden, sich in das Kind einzufühlen, die vitalen Hintergründe zu erlauschen, um ihm dadurch angemessen gerecht werden zu können. Das ist besser als barsches Anordnen und Befehlen!

Ein Enkopresis-Kind sollte die Vorgänge um den Toilettengang in die eigene Regie nehmen dürfen und es sollte ihm lobend über den Kopf gestrichen werden, wenn es damit von sich aus Erfolg hat. Und man sollte sorgfältig darauf achten, dass es weder in der Anerkennung noch in kleinen Besitztümern hinter seinen Geschwistern zurücksteht. Je mehr ein Erzieher das Aufblühen von Seele und Leib seines Kindes als Erziehungsziel im Auge hat, umso geduldiger wird er sein, um dieses Ziel zu erreichen.

Es ist für den Erziehenden eher besser, abzuwarten und zu beobachten, als zu kommandieren. Das ist erfolgreicher, als zu versuchen, das Kind wie Spalierobst im eigenen Garten aufzuziehen. Gewiss heißt das auch, dass das Kind lernen muss, sich in die Umstände seines Umfeldes einzupassen.

Aber die Enkopresis ist ein Zeichen dafür, dass wir als Erziehende uns nicht selbst als Alleinherrscher im Kinderzimmer verstehen sollten, sondern dass auch wir zu erfragen haben, was das richtige Maß und die richtige Einstellung in unserem Bemühen um das Kind ist. Vor zweitausend Jahren schon hat der HERR uns zugerufen: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht“ (Mt. 19, 14).

Vorschläge zur Stärkung der Eigenständigkeit des Kindes finden Sie in meinem Taschenbuch (siehe Foto): „Problemkinder brauchen Hilfe“, S. 22, 11. Aufl. 2015, Christiana Verlag im Fe-Medienverlag, Kisslegg.


Keine verfrühte Sexualaufklärung der Kinder

Von Christa Meves

Die ideologische Vorstellung, Kinder vom frühen Alter ab in Sex einzuüben, hat in den deutschsprachigen Ländern manche Schulen, ja z. T. sogar manche Kindergärten erfasst.

Schulpläne enthalten dann für den Sexualkundeunterricht ideologisierte Akzente. Die liberalistische Vorstellung, dass der Mensch sobald wie möglich zu sexuellen Tätigkeiten angeregt werden müsste, steht im Hintergrund solcher Bemühungen.

Die Programme dazu waren besonders in Deutschland längst geschrieben, z. B. von dem Protagonisten Helmut Kentler mit seiner Schrift „Sexualerziehung“ 1970. Und die neuen Vorstellungen wurden vor allem von den 68er-Revoluzzern begierig aufgenommen.

Aber erst in den letzten 20 Jahren waren diese Ideen so vielfältig verbreitet worden, dass man sie z. T. sogar für rechtlich zulässig hielt. Aufklärung und Einführung in die Sexualität gehören dabei zum Programm.

Bereits gewecktes Sexverhalten gegenüber Gleichaltrigen wird gelegentlich sogar in Kindergärten dieser Art toleriert. Grundschülern werden durch mehrere Jahrgänge hindurch Modelle zur Verhütung von Schwangerschaften angeboten und mithilfe von Modellen, Plastiken oder Zeichnungen der Zeugungsvorgang simuliert und drastisch demonstriert – und das meist mit einer merkwürdigen Selbstverständlichkeit, bei der das Schamgefühl offenbar geradezu ausgeschaltet zu sein scheint.

Dies alles steigert sich im Jugendalter zu Unterrichts-Besuchen von Personen aus der Gruppe LGBTQ, um den Schülern eine Lebensart dieser Façon schmackhaft zu machen – zum großen Teil mit seltsam irrealen Hintergrundangaben aus der Genderideologie.

Hier soll der Versuch gemacht werden, diese Verfrühungen und Übertreibungen in der Sexualaufklärung mit einer neuen wissenschaftlichen Erkenntnis zu widerlegen; denn unabhängig davon hat sich bereits längst gezeigt, dass damit keine gesunde Einführung ins Erwachsenenleben bewirkt wird, sondern dass stattdessen eher Lebensbehinderungen die Folgen sein können – angefangen von Sexualsüchten bis zu einer so erworbenen Wunschwelt zur Sexualtäterschaft.

Es gibt nämlich seit einigen Jahren einen zugkräftigen wissenschaftlichen Beweis gegen die Theorie, dass Kinder-Sex – welcher Art auch immer – das Tor zu lebenslänglicher Lebensqualität sei. Vor allem ist hierin die hormonelle Forschung in den USA führend gewesen.

Die Neurologin Lise Eliot z. B. bringt in ihrem Buch: „Wie verschieden sind sie? Die Gehirnentwicklung bei Mädchen und Jungen“ (Berlin Verlag 2010) auf S. 141 eine in dieser Hinsicht aufschlussreiche Tabelle:

Hier lässt sich in der deutschen Übersetzung für jeden Laien sehen und im anschließenden Kommentar nachlesen, dass Kinder zwar während der mütterlichen Schwangerschaft hormonell auf den Status männlich oder weiblich durch hohe Dosen von Sexualhormonen physisch vorbereitet werden, dass aber nach der Geburt innerhalb des ersten Lebensjahres der Hormonstatus in Bezug auf das Östrogen bei den Mädchen und das Testosteron bei den Jungen so niedrig ist, dass er bis fast auf die Nullgrenze gesenkt erscheint.

Und dieser Status pflegt bei gesunden Kindern durchgehalten zu werden, bis dann um die Zehn- bis Zwölfjährigkeit herum Vorbereitungen auf den Reifestatus der Pubertät einsetzen.

Aus diesem Forschungsergebnis wird etwas deutlich, was alle unangefochtenen Eltern durch die gesamten ersten 14 Lebensjahre ihrer Kinder auch heute noch in ihrer Pädagogik wie selbstverständlich praktizieren: Sie verschonen ihre Kinder mit einer Einbeziehung in die Erwachsenensexualität. Sie wollen sie damit nicht behelligen, weil sie als Eltern spüren und erfahren, dass ihre Kinder diesem Feld noch fern sind. Und das ist richtig.

Die Kinder befinden sich in der Tat noch im Status der Unberührtheit. Man könnte interpretieren: Es gehört offenbar zur Schöpfungsordnung unseres Gottes, dass die Kinder von diesem mächtigen Bereich in der Erwachsenenwelt noch nicht beeinträchtigt werden sollen; denn die Kindheit ist vorrangig eine Zeit neugierigen Vertrautwerdens mit den Bereichen des Umfelds.

Hier haben die Kleinen ihnen Wichtigstes anzupacken und zu bewältigen. Sie wollen das neue Leben erkunden und begreifen, um sich darin sicher zu fühlen – als Vorbereitung zu erfolgreichem Handeln in und mit dieser Welt! Natürliche, seelisch gesunde Kinder interessiert die Erwachsenensexualität deshalb nicht spontan. Sie haben in umgrenzten Zeitfenstern das für ihre Ausreifung Notwendige zu vollziehen.

Wenn sie also als Kleinkinder ein vordringliches Interesse für Sexuelles an den Tag legen, sind sie meist von Außenstehenden direkt dafür geweckt worden.

Es ist dringend an der Zeit, dass diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in unserer verwirrten Welt greifen und vermittelt werden; denn sie gehören in den Bereich von Gottes Schöpfungsordnung. Ohne deren Beachtung geraten wir Menschen meist rasch in gefährliche Überheblichkeiten.

Wir können unser Leben als Menschen eben nicht unbedenklich nach eigener Maßgabe bestimmen. Wir müssen unsere Festgelegtheiten beachten, wenn wir erzieherischen Erfolg haben und gute Früchte ernten wollen. Wir sind nun einmal Geschöpfe – erstellt von einem SchöpferUND ER SITZT NACH WIE VOR IM REGIMENTE.

Christa Meves ist Bestsellerautorin und Psychotherapeutin für Kinder/Jugendliche; zudem leitet sie den Verein „Verantwortung für die Familie“


Dauer-Lockdowns verschärfen das Problem der Schulabbrecher in Deutschland

Von Christa Meves

Welchen Klinikbericht man auch ergoogelt: Die Quintessenz der Ärzte angesichts von Corona heißt einhellig: Zwar bereiten wir uns auf eine Steigerung der am Virus Erkrankten vor, hoffen zwar mit der Bettenzahl bei

fortschreitender Impfung zurechtzukommen, sehen uns aber einer hochbrandenden Schwierigkeit gegenüber: Es fehlt die hinreichende Zahl der betreuenden Fachkräfte und damit auch die nötige Erholphase für die z. Z. vorhandenen Pflegenden im Dauerstress.

Man kann angesichts dieser Klagen nur hoffen, dass endlich ein Missstand, der sich lange schon eingeschlichen hat, nicht länger als unwesentlich abgetan bleibt: Die Fachkräfte, besonders im mittleren Management, fehlen auf der ganzen Linie. Und das ließ sich – im Grunde bereits seit 50 Jahren – für die heutige Situation voraussagen.

Mit dem Fanal der 68er auf den Lippen ging der Trend in die Richtung, sich von allem und jedem zunehmend zu befreien. Wolle man sich zur fortschrittlichen Moderne zählen, so möge man sich hier positionieren, und das hieß z.B.: sich befreien von unwillkommenen Schwangerschaften mithilfe von Abtreibung, befreien von dem Joch einer Ehe auf Lebenszeit, befreien von persönlicher Betreuung der Kinder, befreien zur Selbstverwirklichung statt zur Verantwortung wenigstens für die Allernächsten.

Aber eine solche Einstellung ist eine Anmaßung großen Stils. Das entspricht grundsätzlich nicht der Begrenztheit unserer menschlichen Existenz und ist infolgedessen eine unrealistische Illusion, die langfristig auf jeden Fall negative Folgen heraufbeschwört.

Daraus resultierte eine allgemeine Schwächung der Familie, was letztlich auch den Fachkräftemangel mitverursacht hat. Das Schulversagen von immer mehr Kindern hatte bereits vor Corona von Jahr zu Jahr bei einem erheblichen Anteil aller Schüler in Deutschland zu einem Schulabbruch geführt. Dieser hatte langfristig bei vielen von ihnen eine Steigerung der Langzeitarbeitslosigkeit mitbewirkt.

Heute hat sich nun – so zeigen die jüngsten Zahlen – der langfristige Corona-Lockdown die Anzahl der Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen, sogar verdoppelt.

Die meisten von diesen waren mit dem Schulpensum nicht mehr zurechtgekommen. Im Gegensatz dazu haben andere Mitschüler das digitale Arbeiten für die Schule zuhause als eine Möglichkeit entdeckt, Spitzenleistungen zu erwirken. Auf diese Weise entstehen wachsende Leistungsunterschiede in den einzelnen Klassen.

Dennoch aber lässt sich Corona nicht als Ursache, sondern lediglich als Offenbarwerden des tiefer gründenden Missstandes verstehen. Nicht erst der Lockdown sollte uns längst dazu genötigt haben, diesen sich fortgesetzt steigernden Zahlen der Schulabbrecher und ihren Ursachen nachzugehen.

Nach meiner praktischen Erfahrung als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin ist ein Mangel an Schulerfolg der häufigste Grund, der Eltern veranlasst, nach fachlicher Hilfe für die betroffenen Kinder zu suchen. Bei deren Behandlung ergab sich eine erhebliche Differenzierung für die Ursachen des Schulabbruchs.

Deshalb möchte ich heute eine kurze Zusammenfassung dieser Erfahrungen versuchen.

Zunächst eine Definition: Als Schulabbruch wird registriert, wenn ein Kind – in welchem Alter auch immer – ohne ein Abschlusszeugnis zumindest der Hauptschule ins Leben geht.

Die Ursachen liegen selten in angeborenen Lernbehinderungen. Diese Fälle werden meist spätestens bei den Schuluntersuchungen erkannt und dem Bereich der zielgerecht behandelnden, gut organisierten Behinderungshilfen zugewiesen.

Die Mehrzahl der Betroffenen mit Schulabbruch fußt hingegen umweltbedingt auf psychischen Ursachen. Nicht selten wird der Zensurenabfall durch eine für diese Kinder unerträgliche Schulsituation ausgelöst. Sie empfinden sich bei unserem Zensurensystem bald schon als Loser und sind dadurch dem abweisenden Urteil der Mitschüler ausgesetzt. Dieses wird meistens von einem primitiven Konkurrenzverhalten bestimmt.

In solchen Fällen findet dann auch nicht selten Mobbing statt, zumal wenn das Kind darüber hinaus schüchtern und im äußeren Outfit wenig angepasst erscheint. Verständnis für die wachsende Not dieser Lernschwachen fehlt in solchen Fällen oft im Umfeld.

In jüngster Zeit ergab die Therapie, dass die Ursache des sich einschleifenden Schulversagens gelegentlich auf einem Trauma aufbaut, mit dem das Kind nicht fertiggeworden ist. Solche seelischen Verletzungen haben ihre Ursache zwar meistens im häuslichen Bereich, können gelegentlich aber auch schulischer Art sein.

Mir wurde neuerdings einige Male berichtet, dass sexualisierte Mitschüler auf der Toilette andere Kinder zu sexuellen Handlungen zu verführen suchten. Von den Tätern zu Geheimhaltung aufgefordert, werden diese Opfer dann nicht mit ihren Schuldgefühlen fertig.

In anderen Fällen ist im häuslichen Bereich durch die drohende Scheidung von Eltern, die sich unablässig streiten, bei dem Kind Dauerangst entstanden. Das schränkt seine Konzentrationsfähigkeit ein, weil diese Kinder – meistens sind das Mädchen – fürchten, dass die Eltern sich scheiden lassen. Diese Kinder fallen dann meist in die Rubrik „Schulphobie“, was die längst besorgten Eltern dann natürlich noch mehr alarmiert und die ganze Not in die Krankheits-Schiene entgleiten lässt.

Bei Kindern mit einer erheblichen Vitalität entsteht aber nicht nur eine gesteigerte Mutlosigkeit, sondern es wächst auch der eigentlich gesunde Impuls, einer solchen unerträglichen Situation zu entfliehen, meist zunächst durch eine protestierende Verweigerung des Schulbesuchs, aber im traurigsten Fall dann auch durch direkte Flucht, zumindest wenn der Schulabbruch im Jugendalter geschieht.

In der letzten Zeit gab es auch nach Facebook-Kontakten mit Mädchenfängern ein Lolita-Schicksal mit Totalabbruch zur Ursprungsfamilie …

Das sind natürlich keineswegs die z. Z. gesteigerten Fälle insgesamt. Bei einem Großteil der Schulversager wird von den Eltern versucht, einem drohenden Schulabbruch entgegenzuwirken: Das auf dem Gymnasium versagende Kind wird auf die Realschule umgeschult und nach weiteren Jahren der Vergeblichkeit auf die Hauptschule, ehe die Eltern entweder therapeutische Hilfe suchen oder einfach resignieren.

Das erste Gebot der Hilfe muss durch eine möglichst frühe Beachtung des schulisch scheiternden Kindes erfolgen. Das ist die Funktion der Schulpsychologen und bedarf dringend der Beratung aller Erziehenden, die mit diesem Kind beschäftigt sind. Die Probleme lassen sich z. B. leicht lösen, wenn das Kind zu früh eingeschult worden ist, weil es ein Spätentwickler ist. Dann müssen konstruktive Vorschläge zu Anregung und Aufschub gemacht werden.

Der Hauptteil des Schulversagens beruht aber laut Erfahrung doch eher auf der Lebenssituation im privaten Bereich: ADHS, die immer häufigere Tatsache, dass einzelne Kinder nicht die Fähigkeit haben, ihre Unruhe zu bezwingen. Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom hat das ein aufmerksamer Psychiater in den USA treffend definiert.

Gewiss kann diese Schwierigkeit durch all die eben genannten Ursachen entstanden sein. Aber die Hauptursache bei den Schulversagern besteht darin, dass die Kinder ein Defizit in der Ausgestaltung ihrer natürlichen seelischen Entwicklung haben erleiden müssen, die sie jetzt per unbewussten Selbstheilungsversuchen in ein wirres Suchen nach Zufriedenheit treibt, was dann als Verhaltensstörung sichtbar wird.

Natürliche, kindgemäße seelische Entfaltung ist für die Kinder heute grundsätzlich immer schwieriger geworden, je weniger die natürlichen Bedürfnisse der Kinder vom prägenden Säuglingsalter ab als notwendige Bausteine in Rechnung gestellt werden. Ja, häufig werden sie überhaupt gar nicht mehr als solche erkannt.

Das Kind als primäre Generalaufgabe der Mutter ist im Zeitgeist mehr oder weniger verschwunden. Top ist die Frau heute, die sich selbst verwirklicht. Mutterschaft wird durch einen verhängnisvollen Zeitgeist in eine traurige Falle der Wertlosigkeit ins Abseits verschoben.

Diese Frauenverführung zur Fehleinstellung macht die häufigsten Fälle der Kinder unter den Schulversagern aus, die deswegen keineswegs etwa die intellektuell weniger Begabten trifft, sondern vor allem die seelisch Sensitiven, weil diese am ehesten zu beeinträchtigen sind.

Sie alle enden nun natürlich nicht allein in direkter Flucht und mit in einem Verschwinden aus dem bisherigen Umfeld, im Untertauchen in zweifelhaften Gruppierungen bis zur Verwahrlosung und Kriminalität. Bei manchen reicht die Vitalität, sich als Selfmademan auf mehr oder weniger krummen Wegen eine eigene Existenz zu erbasteln. Ein erhebliches Potenzial taucht in der permanenten Arbeitslosigkeit unter, mit einem Status, mit dem man sich recht und schlecht von Job zu Job durchbringt oder im Krankgeschriebenwerden versackt.

Jeder, der mir bis zu dieser Bilanz gefolgt ist, wird erkennen, dass wir in dieser Hinsicht für unsere gesellschaftliche Zukunft dringend einer Veränderung der allgemeinen Lebenseinstellung bedürfen. Kindern als Garanten gesunder Zukunft aller einen gewichtigen Platz einzuräumen, ist unumgänglich. Sie sind nun einmal kostbare Geschenke auf Zeit, die eines erheblichen Langzeiteinsatzes bedürfen, wenn im Erwachsenenalter der gesunde Status von Liebes- und Arbeitsfähigkeit erreicht werden soll.

Bewusstsein darüber sollte jedem jungen Paar per Belehrung vermittelt werden, bevor es Familie gründet. Denn Glück mit süß schmeckenden Früchten oder Unglück mit früh verkümmerten Trauben ist die grundsätzliche Entscheidung für jede Familie samt Großeltern.

Wir haben hier leichtfertig an den Grundpfeilern gesellschaftlicher Existenz gesägt. Wir müssen versuchen, ein tiefes Verantwortungsgefühl für die Notwendigkeit liebevoller, konstanter, persönlicher Betreuung zu aktivieren, wenn wir Hoffnung auf Zukunft sowohl in der einzelnen Familie als auch ein konkurrenzfähiges Niveau der Gesellschaften erreichen wollen – statt fortschreitendem Niedergang ausgesetzt zu sein.

Der Fachkräftemangel ist also Symptom einer allgemein gefährlich unguten Ausrichtung! Auf Erfolg darf grundsätzlich nur hoffen, wer Gottes Schöpfungsordnung beachtet.

Unsere Autorin Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; die Bestseller-Autorin hat über 120 Bücher geschrieben und leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“


Zu den Ursachen wachsender seelischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Von Christa Meves

Die Barmer Ersatzkasse schreit auf: Die Zahlen von Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf ihre Psychotherapiebedürftigkeit schnellen hoch (1).

Eilfertig wird allerdings auf diese Nachricht in den Medien geschlußfolgert, dass die Ursache dafür in der Virus-Isolation zu suchen ist. Aber die Daten dieser Kasse lassen dieses Faktum lediglich als Anlass verstehen.

Schon vor Corona haben auch die Kinderärzte auf eine fortgesetzte Zunahme der Verhaltensstörungen, vor allem der motorischen Unruhe, hingewiesen. Wir sollten uns also nicht täuschen lassen und stattdessen dem Tatbestand tapfer ins Auge sehen, dass hier dringend darüber nachgedacht werden muss, worin die eigentlichen Ursachen dieser bedenklichen Zunahme beruhen, um jungen Eltern dadurch die Möglichkeit zu vermitteln, im Erziehungsgeschehen die Dinge zu vermeiden, die zu Verhaltensstörungen führen.

Das ist deswegen doppelt nötig, weil die Fachleute längst erkannt haben, dass das frühe Auftreten solcher Störungen ein sehr harter Brocken bei den therapeutischen Bemühungen ist. Und zuzugeben ist, dass bei den Lebensschwierigkeiten von erwachsenen Menschen die Therapeuten oft konstatieren, dass bei entsprechenden Patienten nicht selten bereits im Kindesalter Erstsymptome als Verhaltensstörungen sichtbar waren.

Ich habe mich in meiner praktischen Arbeit als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin seit mehr als 50 Jahren mit diesem Problem vorrangig beschäftigt, sah hier bald die seelische Schwächung der jungen Generation sich einbahnen, erstellte darüber Prognosen mit der Aussage, dass man spätestens am Beginn des neuen Jahrhunderts mit einer traurigen Verwirklichung in der Bevölkerung zu rechnen hätte, wenn der Mainstream der Erziehung sich nicht ändern würde.

Heute ist es längst so weit. Denn diese verhängnisvolle Marschrichtung des Zeitgeistes änderte sich in der Tat nicht nur nicht, sondern sie läuft seit dem Beginn des neuen Jahrhunderts in Richtung einer allgemeinen, gefährlichen Ideologisierung, wodurch die wachsenden wissenschaftlichen Bestätigungen durch seriöse Fachleute nicht nur ostentativ überhört werden, sondern höhnisch der Zeitgeist allein als einzig richtiger Maßstab lauthals verkündet wird.

Dagegen spricht nun mit ihren Zahlen – in den Stürmen allgemeiner globaler Verwirrungen nur schwach zirpend – eine Krankenkasse, die sich mit ihren Ausgaben für seelisch beeinträchtigte Kinder überlastet fühlt.

Was dazu als Ursache zu sagen ist, habe ich seit 1966 mit Fachbüchern, in Printmedien und mit Radio- und Fernsehsendungen tausendfältig in die deutschsprachigen Länder hineingestreut und tue das heute weiter, weil ich die bedrängende Erfahrung habe machen können, dass es eine ganze Phalanx von bemühten, jungen Eltern gibt, denen es dadurch möglich geworden ist, meine Erziehungsvorschläge für notwendig und erfolgreich zu halten.

Praktische Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnis haben verdeutlicht, dass die Einhaltung der Naturordnung mit einer durchgängig direkten Nähe der Mutter zum Kind in dessen ersten Lebensjahren zwingend notwendig ist, weil sich in diesem Zeitfenster die positiven Erfahrungen des Kindes in sein sich entfaltendes Gehirn als künftige Liebes- und Leistungsfähigkeit geradezu einstanzen – ebenso aber auch besonders in dieser Zeit durch eine unnatürliche, unzureichende Versorgung des Kindes sich ein unruhig suchendes Verhalten, ja Widersetzlichkeit als seelische Störung in sein Gehirn langfristigst einprägt.

Als Quintessenz heißt das: Das Menschenkind ist auf Liebe geradezu programmiert.

Der Mensch ist eine Krone der Schöpfung Gottes. Dieser hat ihn eingefügt in prinzipielle Wachstumsphasen der Ausgestaltung mit einer umfänglichen Hilflosigkeit am Lebensanfang. Viel direktes Beschützen und Einhalten der Wachstumsgesetze ist nötig, damit die gesunde Ausgestaltung zum Erwachsenen – durch liebevolle Bemühung um die eigenen Kinder – geschehen kann.

Das gelingt am ehesten durch eine intensive, mindestens dreijährige Verbindung zu der Frau, aus der das Kind geschlüpft ist, und mit einem Vater, der diese Notwendigkeit durch treue Mühewaltung, durch seine Arbeit und sein einfühlsames Verhalten absichert.

Eine Regierung, die sich einer gesunden Zukunft ihrer Bevölkerung zu befleißigen hat, ist deshalb verpflichtet, sich dieser Zukunftsförderung vorrangig zu verschreiben. Das tut sie aber seit Jahrzehnten nicht mehr, weil diese natürliche Grundformel der Erziehung durch anmaßendes Geschrei in den Medien der Bevölkerung aus dem Kopf geraten ist.

Bis dahin ist es deshalb nötig, dass jede hellsichtige Familie selbst versucht, bei ihren Nachkommen dieses Ziel allein zu erreichen. Belohnt für ihre Mühe wird sie durch hervorragende Konzentrationsfähigkeit bereits im Grundschulalter, vor allem aber auch durch viel erfreulichen Umgang mit ihren Nachkommen selbst.

Sogar die Geschichtsforschung hat uns gelehrt: Fest zusammenhaltende Familien überstehen auch Notzeiten weitaus am besten.

(1) https://www.barmer.de/presse/bundeslaender-aktuell/nordrhein-westfalen/aktuelles/barmer-analyse–immer-mehr-psychotherapie-fuer-kinder-und-jugendliche-288260


Ideologische Wurzeln der Pädokriminalität

Von Christa Meves

Wenn die Aufdeckung der Kinderschänderringe in NRW auch Erschreckendes zutage fördert, so muss die daraus entstandene Aufregung doch als Silberstreifen am Horizont unserer Sexszene gewertet werden.

Allerdings bleiben die Schlussfolgerungen in den zahlreichen TV-Sendungen meist oberflächlich: Berechtigterweise wird vielstimmig eine schärfere Strafverfolgung bei sexuellem Kindesmissbrauch gefordert und die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Entdeckung motiviert.

Doch nach dem Motto „Haltet den Dieb!“ wird in den Medien vor allem die Sensationslust des Menschen bedient. Hingegen treten die eigentlichen Ursachen der barbarischen Auswüchse selbst bei den öffentlichen Diskussionen meist überhaupt nicht ins Blickfeld. Sie werden weiterhin möglichst ausgespart.

Und so werden die Vorschläge zur Behebung der makabren Verbrechen – z. B. die Aufstockung von Erziehungsberatungsstellen – nur Tropfen auf kochend heiße Steine bleiben, solange man nicht sehr generell den Mut zur Einsicht und damit zur Umkehr in der Einstellung zur Sexualität entwickelt.

Die leider viel zu späte Erkenntnis müsste nämlich heißen: Die Vorstellung, dass der Mensch friedlich und glücklich werde, wenn er von der Wiege bis zur Bahre nur fleißig Sexualität, welcher Art auch immer, praktiziere – dieses seit 45 Jahren hierzulande durchgepaukte Programm hat sich als überheblich, ja, als gefährlich falsch erwiesen.

Die Sexualität – Fachleute konnten das aufgrund der Ergebnisse ihrer Wissenschaft längst bereits wissen – macht keine Ausnahme von der allgemeinen Regel, dass die Verabsolutierung, die Übertreibung eines einzelnen für die Spezies existenziell notwendigen Naturbereiches den Menschen auf primitive Stadien seiner Entwicklung zurückwirft und darin festbannt.

Der lebenslänglich zu maßloser Gewohnheit missbrauchte Geschlechtstrieb – in welcher Form auch immer – macht dann nämlich allmählich davon abhängig, und das heißt: süchtig.

Kaum ein anderer Grundbereich ist deshalb durch den schließlich nicht mehr steuerbaren Drang – in einer so die Lebenserfüllung beeinträchtigenden Weise – von seinem eigentlichen Ziel, hier der Fortpflanzung, so weitgehend und so vielfältig ablösbar und damit verstörbar wie die Sexualität:

Wenn man sie z. B. aus ihrem natürlichen Zusammenhang reißt und bereits bei den Kindern vom Kleinkindalter ab zu einer gewiss weckbaren Sache an sich macht, kann in dem Kind ein Drang nach Sex-Erregung entstehen, wie sie bei normaler Hormonlage in den Entwicklungsphasen des Kindes bis zur Vorpubertät nicht gegeben ist (1).

Diese heute zur Wissenschaft erhobene allgemeine Einsicht hatte in der alten Zeit sowohl in der Rechtsprechung wie in den Verlautbarungen der Kirchen ihren Niederschlag gefunden. Eingrenzende Sitten gehörten deshalb zur Gepflogenheit. Deshalb gibt es eben auch in kultivierten Staaten kaum eine Religion, die in ihrer Wegweisung zur Weisheit das Maßhalten nicht als unumgängliche Voraussetzung empfiehlt – ein Rat auf dem Boden gefilterter Erfahrung durch Generationen hindurch.

Aber mit dem großen Enttabuierungsfeldzug der Sexualität – sie wurde hierzulande von der Mitte der 60er Jahre ab ebenso zu einem Programmpunkt der Gesellschaftsveränderer erhoben, wie die Medien die Sexwelle als Möglichkeit zu reicher Pfründe entdeckten – wurde der Blick der jungen Generation auf die alten Leuchttürme vernebelt.

BILD: „Mütter heute“ – eine der zahlreichen Publikationen von Christa Meves

Deshalb schrieb ich bereits 1972 in meinem Buch „Wunschtraum und Wirklichkeit“: „Jedenfalls sind die modernen Empfehlungen unserer Emanzipierer, die Kindlein fleißig in Sexualität einzuüben, damit sie später genug ‚Spaß‘ daran hätten, so bar allen Gefühls für die Führung des Menschen zu einem glücklichen, sinnerfüllten Leben, dass man vor dieser Methode gar nicht genug warnen kann …“ (2).

So wird man zum Beispiel pädophil – und das heißt: Wenn sexuelles Erleben dann mit Sexerlebnissen in der Kindheit assoziiert wird, muss schließlich im Erwachsenenleben suchtartig Ähnliches dieser Art gesucht werden, weil man selbst durch viel zu frühe zielferne Aktivitäten der Verführung in Bezug auf die Sexualität im kindlichen Status verhaftet geblieben ist.

Die negative Entwicklung durch die allgemeine Entfesselung und Vergötzung der Sexualität nahm im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts infolgedessen immer mehr zu.

Meine Prognosen in Bezug auf die Sexualdelikte trafen von den 80er Jahren ab zunehmend ein. Und dennoch erwiesen sich vor allem die verantwortlichen Institutionen als taub für fachkompetente Warnung.

Die einschlägigen Paragraphen wurden ab der 4. Strafrechtsreform von 1975 immer mehr geschleift und praktisch unwirksam. Das hatte zur Folge, dass jede Menge verderbliche Ware für Kinderaugen und -ohren den Medienmarkt überschwemmte.

Mit dem Auftauchen von AIDS wurde darüber hinaus mithilfe einer neuen liberalisierenden Aufklärungsflut die Jugend geradezu angehalten, dadurch – um Himmels willen! – nicht wieder von den sexuellen Praktiken zu lassen, in denen man sie von Kindesbeinen an weiterhin eingeübt sehen wollte und will.

Trotz der immer häufiger ungeahndet in Erscheinung tretenden Pädophilie wurden nicht etwa entschiedene Gegenmaßnahmen gegen die Gepflogenheiten der Kindesverführung anberaumt, sondern sie eskalierten in den einschlägigen Medien.

Als sexuelle Kindermorde sich zu häufen begannen, veranlasste allerdings Bundeskanzler Helmut Kohl eine Verschärfung bei der Bestrafung der Sexualdelikte, um die Auswüchse einzudämmen; aber das blieb durch seine kurz darauf erfolgende Abwahl im neuen Jahrhundert immer seltener wirksam.

Unsere Öffentlichkeit fordert heute den Kopf der Pornohändler mit ihren verbrecherischen Filmen sexuell gequälter Kinder; aber damit allein ist es nicht getan.

BILD: „Das Recht schützt die Jugend“

Die neuen Recherchen der Polizei in NRW beweisen außerdem, wie groß die Zahl der Menschen ist, an die ihre Fotos verkaufbar sind, und das heißt: wie groß die Zahl der Männer ist, die alle selbst in süchtiger Weise pädophil angefochten sind! Hier erweist sich nun in Osnabrück und Münster, dass es nicht einmal wenige Täter sind, die die Möglichkeit entdeckt haben, mit Kinderpornographie lukrative Geschäfte zu machen.

Und das lässt einen schier unfassbaren Schluss zu: dass es hierzulande unter betuchten Bürgern unbescholten ein grausig hohes Potenzial an pädophilen, sexualsüchtigen Porno-Konsumenten gibt.

Müsste eine Durchseuchung dieser Art nicht endlich zu Einsicht und Umkehr zwingen?

Aber deshalb müssten nicht allein den Großverbrechern und ihren kriminellen Aktivitäten der Prozess gemacht werden, sondern ebenso müsste die endlose Schar der Schreibtischtäter zur Verantwortung gezogen werden, die oft nur um eines höheren materiellen Gewinns wegen dieser kriminellen Entwicklung Vorschub leisteten und täglich weiter leisten.

Und es darf nicht vergessen werden zu erwähnen, dass von Anfang an angesichts dieser unverantwortlichen Aktivitäten keinerlei Einspruch von der evangelischen Kirche erfolgte, sondern dass sie sich – trotz der Proteste Einzelner – einbinden ließ in unangemessene Aufklärungsmethoden für Kinder.

Als ein einsamer Fels in der Brandung erwies sich Papst Johannes Paul II. mit seinen unerschütterlichen Verlautbarungen und Enzykliken; aber gerade deshalb wurde und wird er zunehmend mehr in den Medien geschmäht.

Doch schließlich ist das Krebsgeschwür z. B. durch das Kirchenvolksbegehren, durch die Sexspiele und durch Sex-Broschüren wie ein Selbstzerstörer sogar in die lange standhaltenden Bastionen der katholischen Kirche eingedrungen.

Es ist in später Stunde wirklich an der Zeit, dass das „Schweigen der Lämmer“ – aber diesmal der aufgebrachten, familientreuen Gemeindemitglieder und Staatsbürger – ein Ende hat, damit die Enthemmung und Vergötzung der Sexualität und so der Boom der Sexualsüchte und Perversitäten endlich durchbrochen wird.

Aber die Aktivitäten können nur von den mündigen Bürgern ausgehen. Von hier aus muss Einfluss auf die Einschaltquoten genommen werden; denn vorher werden wir es von der Regierung nicht erwarten können, dass sie sich mit einspannen lässt in den im Grundgesetz garantierten Schutz der Kinder und sie sich mit dafür einsetzt, dass diese Garantie endlich wieder zur Realität wird.

Die Sexualität des Menschen lässt sich zwar zur Liebe erhöhen und vergeistigen, aber nur wenn man zuvor den Geschlechtstrieb in allgemein eingrenzende Verhaltensformen eingebunden und ihn so im Rahmen der Schöpfungsordnung kultiviert hat.

(1) Eliot, L.: Wie verschieden sind sie? Die Gehirnentwicklung von Mädchen und Jungen, S. 141. Berlin 2009, für die deutsche Ausgabe B.V., Berlin Verlag GmbH, Berlin 2010.
(2) Meves, Ch.: Der kalte Krieg der alten Schlange, in: Wunschtraum und Wirklichkeit, S.148. Herder, Freiburg 1972.

Die Verfasserin Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder/Jugendliche und Bestseller-Autorin seit Jahrzehnten

Dieser Beitrag wurde auszugsweise auch in IDEA veröffentlicht: https://www.idea.de/spektrum/christa-meves-worin-die-ursachen-der-kinderpornografie-liegen


Corona-Impfen: Irritationen im hohen Alter

Von Christa Meves

Unversehens sind die über 80-Jährigen ins Visier der Öffentlichkeit geraten, zu denen ich mich – nun im 96. Lebensjahr – zu zählen habe.

Zunächst wurden wir am Jahresanfang auserkoren, als erste mit dem noch zu knappen Impfmaterial gegen Corona bedient zu werden. Da waren plötzlich die Flure der Altenheime, die monatelang leer gefegt schienen, mit tätigen Befugten, mit Helfern, Journalisten, Kameras und Interviewern und dazwischen auch einmal mit gelassen scheinenden Alten im gefilmten Impfvorgang bevölkert.

Aber es sind nicht alle Uralten in Heimen! Eine erhebliche Zahl wird in ihren Familien gepflegt und einige sind auch immer noch selbstständig.

Bald darauf wurde mir per Presse verheißen, dass ich mit anderen Uralten in unserer Stadt vom hiesigen Bürgermeister eine Einladung bekommen würde mit der Versicherung, dass mir aufgrund meines Altersstatus eine ab Februar beginnende Impfmöglichkeit zur Verfügung stünde.

Das ist dann in einem ausführlichen Schreiben der niedersächsischen Sozialministerin Dr. Carola Reimann vom 18. Januar in einem doppelseitigen Brief per Post geschehen. Meine Adresse entnahm man offenbar dem Einwohnermelderegister.

Aber nun zeigte sich, dass dieses Register nicht dem jüngsten Stand entsprach. Überholte Adressen und nicht gestrichene Tote erhielten diese Informationen. Große Irritation ringsum – nicht nur bei Angehörigen.

Nun kenne ich als eine in Niedersachsen ansässige Alte die Zeit und den Weg zur Impfstation – sogar mit der Verheißung einer komplizierten Regelung der Fahrtkostenerstattung. Manche der allein Lebenden gaben beim Lesen mit Lupe, wie die Impfstation zu erreichen sei, bereits auf. “Das schaffe ich nicht“, werden manche gedacht haben.

Doch sie sollten den so bemühten Brief der Frau Ministerin bis zum Ende entziffern: Sie empfiehlt diesen zur Häuslichkeit Genötigten nämlich zu warten; denn wenn im Laufe des Jahres alle Impfwilligen bedient seien, würde man sogar in die Einsiedelei der allein lebenden Alten kommen und sie daheim impfen …

Doch bereits drei Tage nach dieser Nachricht veröffentlichten die Regionalzeitungen – ebenfalls von dort – die Aufhebung und Änderung der Impfvorgänge für alle, inklusive der Alten, auf unbestimmte Zeit, und zwar aufgrund von Verzögerungen bei der Lieferung des Impfstoffes.

Wurde von nun an vermehrt Geduld von uns Alten erwartet? Doch das erwies sich als eine Täuschung. Eine neue umfängliche Information vom Ministerium zum Verhalten der Alten im Hinblick auf ihren Impftermin stand an: Den nicht in Heimen, sondern gewissermaßen „privat“ lebenden Alten ab 80 wurde nun ein kompliziertes Prozedere vorgeschlagen, um bald wenigstens einen Impftermin zu erhalten.

Da kann man erstens einen Telefonkontakt anstreben, bei dem man allerdings damit rechnen muss, dass er nur selten frei ist. Aber dem, der das nun versuchte, hallte eine Zeitlang die Ansage entgegen: „Diese Nummer ist nicht vergeben.“

Ich hielt das natürlich für meinen Fehler, da ich mich beim Telefonieren häufig mal verwähle. Doch dann machte das Ministerium seinen Fehler wieder rückgängig, der bereits Irritationen und Unmut bei vielen verantwortungsbewussten Menschen im Umfeld Vorschub geleistet hatte.

Wenn also mit dem Telefon die Anmeldung zum Impftermin ohnehin nicht klappen will, könnten sich die Alten – oh Glück – auch digital den Termin sichern. Einige mögen dazu in der Lage sein, wenn sie rechtzeitig das Prozedere dazu gelernt haben. Das mag auch noch bei denen, die bei einem technisch versierten Schwiegersohn Unterschlupf gefunden haben, eventuell möglich sein. Aber wie ist es mit meinen ganz allein lebenden Altersgefährten? Da ist wohl in den meisten Fällen bei den Alten von vornherein Resignation angesagt.

Auch diese digitale Bemühung, wenigstens einen Impftermin zu bekommen, erweist sich häufig als vergeblich. Man möge sich für unbestimmte Zeit auf eine Warteliste setzen lassen, heißt es nun.

In den jüngsten fachlichen Verlautbarungen sind die Alten weiter ins Abseits gerutscht: Die jüngste Impfe müsse nun doch wohl erst mal an die unter 65-Jährigen verabreicht werden – meint man in Regierungskreisen. Sollten alle ungeimpften Älteren nicht so verständig sein (und verständig zu sein, hat die Trümmerfrauengeneration ohnehin gut drauf), nun „auf unbestimmte Zeit“ in den Wartestand versetzt zu werden?

Und wird sich bei langen Wartezeiten dann nicht in manchen Fällen alles ganz leise und unprätentiös von selbst regeln?

Solche Entwicklungen haben in mir ein Gefühl von Befreitsein eher wachsen lassen; denn ich hatte mich – laufunfähig, wie ich bin – gleich für die Warteliste mit Homebedienung entschieden. Jedenfalls brauche ich nun nicht einmal mehr gespannt zu sein, ob sich die Regierung genötigt fühlt, weitere Hü oder Hotts für die Alten in Hinsicht auf Corona anzuordnen.

Denn mit viel Fantasie könnte sich sonst bei mir der Verdacht einschleichen, ob nicht hinter der anfänglichen Bevorzugung der Uralten bei der Vergabe der zu knappen Impfrationen bereits der Versuch Pate gestanden habe, die nur noch schmale Lebenserwartung der Uralten dazu zu nutzen, herauszufinden, ob sich die Impfungen wirklich als lebensverlängernd oder sich die Nebenwirkungen stattdessen als lebensverkürzend erweisen würden?

Waren wir Alten womöglich zunächst unversehens doch als heimliche Versuchskaninchen gedacht, zumal es besonders die Altenheimbewohner schwer hatten, sich evtl. auch gegen eine Impfung zu entscheiden?

Ist es nicht vielleicht vielmehr so, dass eins – immer mehr anschwellend – sichtbar wird: dass nun einmal grundsätzlich mit unserer Macht nicht alles getan ist – eine Erkenntnis, die vermutlich so oder so in Kürze hart von uns abgefordert werden wird?

Muss das mutlos machen? Ich kann das nur von mir persönlich beantworten: Nein, es macht im Gegenteil eben eher frei. Es schenkt die Möglichkeit, noch zu genießen, was sich genießen lässt, z. B. einen besonnten Himmel in einer schön beschneiten Landschaft oder die Freude über vorübergegangene Wehwehchen und – vor allem dankbar – ein weiches Bett in einem beheizten Zimmer.

Ja, es wird sogar ab 90 eher möglich, bewusst zu einer baldigen Zukunft hinzudenken, die dieses Jammertal, das durch den aufgeregten Fernseher hindurchdringt, mit Gewissheit hinter sich lassen wird – in der Hoffnung, einem noch sehr viel besseren, ja, einem Zustand unfasslichen Erfülltseins entgegenzugehen.

Christa Meves aus Uelzen ist Bestseller-Autorin und Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; sie gründete den Verein „Verantwortung für die Familie“, der zahlreiche Infos und Artikel bietet: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Haben wir genug Geduld im Seelengepäck?

Von Christa Meves

Was ist für uns Gläubige im Neuen Jahr 2021 aktuell? Was verbindet uns miteinander? Corona hat es uns vorgegeben: Wir haben zu warten!

Aber so eindeutig dieses Verb einen Zustand beschreibt, so vielfältig sind derzeit die Ziele. Dabei treffen wir in der Bevölkerung auf einen Unterschied im Lernstatus.

Zunächst einmal: Lebte man einst in der DDR, so war man es gewohnt, nicht nur auf das Eintreffen z. B. von Schrauben und Dosenöffnern in einem einzelnen Geschäft in der Schlange zu stehen – und nicht selten in ähnlicher Weise für das tägliche Brot warten zu müssen.

Auch wir Uralten haben einen Vorteil der Erfahrungsbilanz; denn ich wartete als Kind sogar vor einem Schlachterladen, bei dem die „Delikatesse“ Pferdefleisch eingetroffen war. Die jüngere Generation des Westens aber ist die schnelle Erledigung ihrer Wünsche gewohnt. Sie hat daher die Ungeduld im Seelengepäck.

Aber davon kann erstaunlicherweise bei der Mehrzahl z. Z. keine Rede sein. Diese verhält sich zunächst einmal enorm artig. Geduldiges Verharren in Warteschlangen bei Maskenausgaben, Testungen und Anmeldungen zum Impfen sind die Regel. Daneben gibt es – sehr neu und oft originell – konstruktive Bewältigungsversuche zur Lähmungsabwehr.

Interessanterweise zeigt sich so eine Reaktion auf unvorhergesehene Situationen, die ubiquitär üblicherweise das Ertragen von Wartezeiten leichter ermöglicht – und zwar, wenn ALLE betroffen sind. Das ist ein enormer Förderer der Geduld.

Da bilden sich lange Schlangen auch vor Apotheken und anderen Geschäften, die noch geöffnet sein dürfen, da wartet man beflissen auf das Einsetzen einer möglichst breiten Impfsituation, da werden die Kinder geduldig mal in die Schulen, mal in den Lockdown geschickt. Ja, geduldig wird im Supermarkt mit einem einzigen Paket Toilettenpapier vorlieb genommen und dem Nachschub einer hinreichenden Quantität für die ganze Familie Verständnis entgegengebracht.

Eins ist allemal mit diesem globalen Warten heute angesichts von Corona verbunden: auf jeden Fall ein Unterbrochensein in den Notwendigkeiten und den tätigen Gewohnheiten, stattdessen nun ein Zaun, ein Innehaltenmüssen, ein anderes Sein also.

Verhält sich unsere Bevölkerung nun aber wie eine von Gefahr bedrohte Wildtierherde, die im Totstellreflex der Katastrophe gelähmt entgegenwartet? Nein, so hat sich z. B. im alten Jahr ergeben, dass viele Menschen aus dieser Situation des Wartenmüssens mit einer Menge origineller Einfälle geantwortet und Konstruktives neu entwickelt haben.

Einer schafft eine interessante Form neuer Zusammenkünfte, andere bauen ein altes Hobby aus, eine Fachfrau bietet Fortbildungskurse online an, einer entwickelt eine neue Form der Motorik für Behinderte oder was auch immer.

Was lassen sich Künstler, Theaterleute und Opernsänger nicht alles einfallen, um doch noch auftreten zu können, wie tapfer kämpfen Sportvereine durch Umgestaltungen, um doch noch die Übungsziele zu verwirklichen. Das erweist sich als ein vorzügliches Mittel, um nicht in ein gelähmtes Warten – etwa mit einer Depression – zu versinken.

Dennoch ergibt sich am Jahresanfang: Eindeutige Hintergründe für die Pandemie lassen sich für uns Laienbürger offenbar noch nicht durchschauen und festschreiben. Wir bleiben im Wartestand.

Aber eines immerhin sollten doch die Nachfahren einer leiderfahrenen Bevölkerung (damals durch einen dämonisierten Verführer) aus den neuen Erfahrungen ableiten: Zwar sind Menschen leicht lenkbar, solange man davon ausgehen kann, dass die verordneten Maßnahmen und Einschränkungen im Dienst des Wohls der Bevölkerung stehen. Dann erweist sich die allgemeine Toleranzbreite als erheblich.

Christus allerdings weist uns einen anderen Weg. Er warnt uns vor bösen Verführern (Matth 24), die Rettung verheißen, jedoch lediglich böse Manipulation zwecks eigener Machtanmaßung im Schilde führen. Dann entbindet er aber von der Todesangst durch sein eigenes Opfer und den Hinweis auf seine Auferstehung und das ewige Leben für den Gläubigen.
 
Das erweist sich auch mit neuer Kraft trotz des so stark behinderten religiösen Lebens, bei dem die üblichen Gemeinsamkeiten zunichtegemacht sind. Es ergibt sich ein erstaunliches, konstruktives Tätigwerden der Priesterschaft. Auch ihr fällt außer einer berechtigten Beharrlichkeit bei der Weiterführung der Gottesdienste Neues ein – besonders mithilfe von christlich betonten neuen Sendeanstalten wie in EWTN, Bibel TV, K-TV, Hope Channel und hervorragend im kath. Radio Horeb.

Not lehrt offenbar nicht nur Beten, sondern ein neues Suchen nach konstruktiven Auswegen. Das mag uns helfen, nicht lediglich immer neu die Klagesirene aufzustellen; das mag uns anregen, darüber nachzudenken, warum denn unser barmherziger Gott in seiner Allmacht nicht einfach jegliche Not bei seinen geliebten Kindern wie lästige Fliegen zertritt, warum er doch immer wieder sogar bei ganz unbescholtenen Menschen Not zulässt – teuflische Not sogar, wie uns das bei Hiob eindrucksvoll verdeutlicht wird.

Vielleicht tut es unseren Jugendlichen sogar gut, im Teil-Lockdown durch kluge Lehrer von den Eckpfeilern unserer Kultur zu hören, bei denen es die Verführung zum Bösen durch einen Widersacher ebenso gab und gibt – wie in der Bibel bezeugt – auch in unserer Kirche und vielleicht auch in Bezug auf unsere heutige Situation.
 
Vielleicht mögen wir Goethe hinzunehmen, denn in seinem „Prolog im Himmel“ ruft Gott dem Teufel auf seine Verführungsabsicht des Menschen zu:

„Nun gut, es sei dir überlassen!
Zieh diesen Geist von seinem Urquell ab,
Und führ ihn, kannst du ihn erfassen,
Auf deinem Wege mit herab,
Und steh beschämt, wenn du bekennen musst:
Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange
Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.“

Christa Meves ist Bestseller-Autorin und Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm