Neues Buch von Gabriele Kuby über die „verlassene Generation“ von heute

Rezension von Christa Meves

Ich möchte Ihnen heute ein Buch vorstellen, das vom Fe-Medienverlag Anfang September auf den Markt gebracht wurde. Es heißt „Die verlassene Generation“ von Gabriele Kuby.

Sie hat sich daran gemacht, eine Dringlichkeit zu verwirklichen. Es ist in seiner Art eine Neuheit: die ungeschminkte Darstellung der gesellschaftlichen Folgen einer Trendwende, die seit 50 Jahren in den westlichen Ländern zum Mainstream geworden ist.

Der einstige wilde Aufbruch in die Befreiung von allem und jedem zu neuen Lebensformen – vom Aufsprengen familiärer Bindungen bis zur Entfesselung der Sexualität – versprach zwar ab 1970 neues Glück. Aber hat das diese Veränderung auch wirklich erbracht?

Viele Bürger hat jetzt eher die bedrückende Ahnung gepackt: Nicht nur keineswegs – das Leben ist stattdessen schwerer, ja, oft sogar extrem unglücklich geworden – vom Schwierigwerden der Kinder, dem Zerbrechen viel zu vieler Beziehungen bis zur Vermehrung anhaltender seelischer Erkrankungen, die den Lebenserfolg einschränken.

Das darf nicht länger schöngeredet werden, das darf nicht länger willentlich ausgespart bleiben, sagt Gabriele Kuby – das muss auf den Tisch, das muss in seinen Ursachen zurückverfolgt, da müssen neue Forschungsergebnisse in ihrer Wichtigkeit erkannt werden und zur Bereitschaft zu konstruktiven Veränderungen führen.

Da müssen aus der Erfahrung gewonnene Einsichten in neuer Klarheit erkennbar gemacht und hervorgehoben werden. Jedenfalls: So kann, so darf es nicht weitergehen!

Das unzureichende Bekanntmachen der Fakten ist nicht nun immer weniger aushaltbar – das wird zu einer Schwäche der Gesellschaft, ja schließlich – bei den entsprechenden Mehrheiten – ist sogar eine menschenwürdige Existenz aller gefährdet!

Mit berserkerhafter Geradheit geht Kuby (siehe Foto) an die Aufgabe heran, hier verhängnisvolle Fakten der entstehenden Schäden beim Namen zu nennen und, besonders als Soziologin, die Zusammenhänge aufzudecken – in 13 Kapiteln, die es in sich haben.

Jede einzelne Zielrichtung wird kapitelweise behandelt: Unverblümt und in allen Einzelheiten geht es unter offenlegenden Benennungen zu, so z. B. in Kapitel 2: „Sex ja, Baby nein“. Da bleibt keine Methode der Verhütungsindustrie samt aller Neuheiten unerwähnt, und dann erscheint das ganze Gefüge keineswegs mehr nur lustvoll und harmlos…

Bei den Ergebnisfakten wird hier nichts ausgelassen. Das ist die Methode der Autorin: sichtbar zu machen, dass in den letzten Jahrzehnten bei wichtigen Lebensproblemen das natürliche, gesunde Empfinden der Bevölkerung zwecks Übernahme einer mainstreamstarken Meinung geradezu weggeschaltet, also zwecks Anpassung allgemein verdrängt wird.

Vollständige, tiefgreifende Aufklärung über das Abtreibungsgeschehen und über neue Möglichkeiten unnatürlicher Befruchtung z. B. wird auf diese Weise in den Hintergrund gedrängt.

Oder: Dass das tägliche Weggeben eines Säuglings im Empfinden jeder jungen, normalen Mutter wehtut und dass sie das eigentlich nicht will, ist erznatürlich. Aber das inflationierte Geld ist knapp geworden. Und so glaubt man selbst in den einzelnen betroffenen Familien immer häufiger den Ideologen, dass die Kinder im Kollektiv besser gedeihen, besser „gebildet“ werden als zu Hause. Das mag in Einzelfällen stimmen, aber nicht bei instinktsicheren, gesunden Müttern.

Was die Krippe an Negativem für die Babys im Gehirn – oft lebenslänglich – bewirkt, wird von Kuby ausführlichst dargelegt.

Sehr informativ sind auch die beiden Kapitel über das Eindringen der Sexvergötzung in die entsprechenden Institutionen, in Kindergarten, Grundschulunterricht und weitere Schulbereiche. Hier berichtet die Autorin von skandalösen Aktivitäten, die nicht altersentsprechend sind.

Hier ist für Laieneltern noch viel zu lernen, um rechtzeitig dem Ansturm ideologischer Eiferer in den Ministerien gewachsen zu sein, wenn unangemessener Sexualunterricht in der Grundschule und Sexualkundeunterricht im Jugendalter im Lehrplan stehen.

Wie deutlich wird es in den ersten 10 Kapiteln, dass – um Himmels willen – vordringlich vor allem bei solchen Unangemessenheiten die politische Richtung den Takt vorgibt, was natürlich inadäquat und damit schlimm falsch ist.

Drei Superschädigungsquellen am Schluss sind noch in weiteren Kapiteln zu benennen: die Scheidungserleichterung als Nestverlust für die Kinder, ihre einseitige Digitalisierung bei den Lernprozessen und eine leichtfertige, uneingeschränkte Zugangsmöglichkeit von Pornographie (besonders durch das Smartphone) auf dem Hintergrund internationaler Netzwerke mit verbrecherischem Kindsmissbrauch.

Spätestens beim Lesen des 12. Kapitels taucht die Frage auf: Warum haben wir das alles denn so, so lange schluren lassen?

Durch Kubys so eindringliche Schilderungen der negativen Folgen des Zeitgeistes wird uns mehr als an einem Beispiel deutlich, dass den großen Gefahren für die Zukunft aller die – nicht als Falle erkannten – oberflächlichen Lebenseinstellungen zugrunde liegen.

Gabriele Kuby streift zwar auf Seite 183 (1) meine damals bereits pointierte Öffentlichkeitsarbeit (ich war dem Protagonisten Kentler 1968 im Rahmen der EKD zum ersten Mal begegnet und hatte unverzüglich ein Gegenbuch geschrieben, um der drohenden Schändung von Kindern „als höchstes Glück der Erdenkinder“ warnend zu begegnen).

Aber jetzt erst scheint die Zeit zum einhelligen Widerstand von Menschen mit gesundem Verstand und einer verantwortungsbewussten Gesinnung eingetreten zu sein.

Jetzt erst – nach längst eingetretenem Unglück – kann von Gabriele Kuby mit trauriger Ernsthaftigkeit und fleißigster Recherche mit dem notwendigen Entsetzen – hoffentlich erfolgreich – darauf reagiert werden.

Jetzt erst scheint die Zeit zu vielzähligem Widerstand der Menschen mit gesundem Menschenverstand da! Erst wenn der Zahnschmerz übermächtig wird, kann die Wahrheit ans Licht: Dieser Zahn muss raus! – Nach Kubys Buch kann es kein Ausweichen mehr geben.

Aber von einem rasanten Sanierungswillen allein sind die fast 400 Seiten dieses Buches keineswegs beherrscht.

Es trägt außerdem die Merkmale eines „hörenden Herzens“, es ist von einem Hinauffragen nach konstruktiven Wegen, die mit der Schöpfungsordnung übereinstimmen, durchzogen. Angehängt ist außerdem der Bericht einer in Kanada aufgewachsenen, gebildeten Rumänin als konkretes Beispiel eines gesunden Familienlebens in diesem Sinne.

Die Quintessenz aller ihrer Einsichten finden wir auf den letzten Seiten des Werkes: „Jeder hat (jetzt, d. Verf.) die Wahl, weiter auf irdischen Sicherheiten zu bauen oder den großen Sprung in den Glauben zu wagen und sein Leben auf Gottes Zusagen, Verheißungen und Gebote zu bauen“ (2).

Danach gilt es also, sich auszurichten. Das ist der Geist, aus dem in später Stunde – wahrheitsgemäß und absolut unerschrocken – dieses Buch geschaffen worden ist.

(1) Kuby, Gabriele:  Die verlassene Generation, Fe-Medienverlag, Kissleg 2020, S. 183.
(2) Dieselbe: S. 351.


Nein zu Drohungen gewaltsamer Eltern-Kind-Trennungen in Coronazeiten

Von Christa Meves 

Berichte über die Situation der Kinder in unserer Republik sind derzeit hinsichtlich des Corona-Virus vielfältig, weil im föderalistisch geordneten Schulbereich die Länderhoheit das Sagen hat.

Unterschiedliche Festlegungen erschweren jeglichen Überblick aufgrund der verschiedenartigen Entschlüsse der jeweiligen Kultusministerien in den einzelnen Bundesländern. Mecklenburg-Vorpommern z. B. hat aufgrund eines Coronafalls in der Schule den Schulunterricht dort für zwei Wochen eingestellt und dann wieder aufgehoben.

Bei Eltern und Lehrern lösen solche Maßnahmen in Ländern, die mehr befallen sind, neue Unsicherheiten aus.

Mit einer geregelten Unterrichtslage, mit der Möglichkeit, die jeweiligen Klassenziele zu erreichen, kann das bald nichts mehr zu tun haben – nur in Sachsen ist alles anders. Das dortige Ministerium lehnt es hartnäckig ab, sich nach anderen Ländern auszurichten, weil man sich in Sachsen in keiner gefährlichen Lage befände.

Doch in den meisten anderen Ländern scheint das aufgrund der veröffentlichten Zahlen weniger günstig. Jeder Kultusminister beschließt zwar seufzend, was er für verantwortbar hält, doch Unterrichts- und Lerndefizite sind unter diesen Umständen leider nicht zu vermeiden.

Als Beispiel solcher Unsicherheiten auch in anderen Bereichen ist nun seit Anfang August eine Anweisung von einigen Gesundheitsämtern zum Verhalten von Eltern im Hinblick auf erkrankte Kinder im Alter von drei bis elf Jahren durch die Medien gelaufen und hat bis heute breite Empörung nicht nur in der Elternschaft, sondern bei vielen Bürgern ausgelöst:

Es wurde angeordnet, dass Eltern, wenn eines ihrer drei- bis elfjährigen Kinder an Corona erkrankt, dieses zu isolieren hätten, indem sie es allein in einem anderen Raum, getrennt von der Familie, unterzubringen hätten. Sollte diese Isolierung nicht erfolgen – so hätten die Gesundheitsämter angedroht – könnte das eine Heimunterbringung des Kindes zur Folge haben.

Aber hierzulande ist es doch üblich, dass Eltern beim Umgang mit ansteckend kranken Kindern sie zwar zu gesunden Geschwistern auf Abstand halten, um diese nicht anzustecken. Aber im Übrigen ist es für alle eine Selbstverständlichkeit, kranke Kinder ausdrücklich in der Nähe zu pflegen.

Wenn die  Berichte dieser Drohungen wirklich wahr sind, müssten wir als Fachleute in der Tat bekunden: Solche Maßnahmen gewaltsamer Trennungen, zumal bei fiebrig kranken Kindern, können – in besonderem Ausmaß für Kleinkinder – im höchsten Maße traumatisierend wirken, was sich dann oft lebenslänglich in die kleine Seele einprägen kann.
Gesundheitsminister Spahn ist dieses Ansinnen unterbreitet worden. Er reagierte aber ausweichend, ohne dass er abwehrend eingegriffen habe, so wird berichtet.

Der Beauftragte vom Gesundheitsamt Baden-Württemberg hat diese Anweisung nun aber in einem langen Rechtfertigungsbericht relativiert und geäußert, dass er und die Ämter missverstanden worden seien. Ein Schwenk, der zeigt, wie sehr es Sinn macht, im Interesse unserer Kinder gegen solche Anweisungen unverzüglich öffentlich zu widerstehen und danach gründlich mit seriöser Wissenschaft zu antworten.

Was also ist zu tun in unserer aller Verantwortung für unsere Kinder bei all den widersprechenden und verwirrenden Verlautbarungen?

Natürlich können wir es nicht hinnehmen, dass durch vorschnelle und die seelische Entwicklung von Kindern möglicherweise lebenslänglich beeinträchtigende, evtl. sogar erzwungene Anordnungen unseren Kindern Schäden zugefügt werden! 

Dagegen gilt es wachsam zu sein und zu protestieren, was in Baden-Württemberg auch bereits Erfolg gezeigt hat.

Aber auf lange Sicht muss das Basieren auf dem Ergebnis wissenschaftlich seriöser Forschungsergebnisse hinzukommen. In diesem Fall bestätigen sie es immer wieder neu: Kleinkinder brauchen zum Gedeihen die unmittelbare, direkte Nähe einer Person – vornehmlich der leiblichen Mutter!

Am wahrscheinlichsten wird der Mensch ein leistungs- und liebesfähiger Erwachsener, wenn er in einer Familie mit zusammenhaltenden Eltern und am besten auch mit Geschwistern aufwächst! Diese auf Erfahrung beruhenden Forschungsergebnisse dürfen wir uns nicht durch politischen Unverstand streitig machen lassen!

Doch der Weisheit letzter Schluss bleibt für uns derzeit bei aller Undurchdringlichkeit der Corona-Situation insgesamt ein flehentliches Fragen und Bitten zum Turm des Propheten Jesaja (21/11) hinauf:

„Wächter, wie lang ist noch die Nacht?“

Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder/Jugendliche und Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Warum natürliche Hierarchien in Familie, Schule und Kirche sinnvoll sind

Von Christa Meves

Dass Älteste und Einzelkinder zu Altklugheit neigen, bedarf keiner statistischen Absicherung. Nur allzu oft hat sich das an der konkreten Beobachtung bewahrheitet.

Und mit etwas gesunder Nachdenklichkeit ist auch herauszufinden, warum diese Eigenschaft bei den Zweiten in der Geschwisterreihe kaum noch, bei den Mittleren einer Orgelpfeifenfamilie überhaupt nicht mehr in Erscheinung tritt.

Das hat bestimmte Ursachen: Die Ältesten haben vorrangig Erwachsene als Vormacher, die Jüngeren hingegen nehmen sich, kaum dass sie krabbeln können, dasjenige Geschwister zum Vorbild, das ihnen – anders als die Erwachsenen oder sehr viel ältere Geschwister – nur um ein paar Jährchen voraus ist. Das geht meist mit außerordentlicher Rasanz vor sich. Das „Ich auch“ des kleinen Nachläufers ist oft von einer Durchschlagskraft, die die Eltern zweier Kinder geradezu verblüfft.

Diese kleinen, aber den Charakter stark prägenden Vorgänge sind Teil eines allgemeinen psychischen Gesetzes. Unser Nachahmungstrieb zieht die kleinen Schritte den großen Schritten von Lern- und Entwicklungsprozessen vor, und das nach Möglichkeit den kontinuierlichen Stufungen einer Treppe ähnlich.

Die Steilwand ist für den Lebensanfänger unorganisch und führt unter Umständen zum Versagen und Verzagen, weil das allzu hohe Vorbild zu fern, zu unerreichbar ist. Allein die unterschiedliche Körperlänge der familiären Vormacher ist deshalb bereits hinsichtlich der hierarchischen Grundanordnung in der Struktur unserer seelisch-geistigen Wachstumsprozesse sinnreich.

Hierarchische Anordnungen sind in jeder Institution, in der gelernt werden soll –  ganz egal, ob in Familie, Schule oder Kirche – das den Menschen natürliche, zugeordnete Prinzip.

Es entmutigt nicht, es macht von Stufe zu Stufe Teilerfolge möglich. Es fördert, stützt und orientiert, statt am Überanspruch zu überfordern und zu Scheinreife = Altklugheit zu führen.

Die Verleugnung der natürlichen Hierarchie zwischen Lehrern und Schülern – durch Lehreranbiederung – hat deshalb im Schulalltag des antiautoritären Zeitalters immer zum pädagogischen Misserfolg geführt. Die ihres eigentlich höherstehenden Vorbilds beraubten Schüler begannen, ihre Lehrer zu verachten und mit Unruhe und Opposition zu antworten.

Auch die hierarchische Struktur der katholischen Kirche entspricht deshalb mehr den psychischen Bedürfnissen und Möglichkeiten des Homo sapiens als der Versuch des Luthertums, jeden beliebigen Gläubigen zum Laienpriester zu befähigen. Es werden auf diese Weise die Unterschiedlichkeit der Entwicklungsstadien und auch die verschiedenen Möglichkeiten von Begabungen und Begnadungen außer Acht gelassen.

Es täte dem superklugen Selbstbestimmer unserer Moderne gut, sich an diese Grundgegebenheiten unseres Lebens zu erinnern, um nicht an der Urversuchung zur Überheblichkeit zu scheitern.

Die Eltern aber bekommen durch Grundwahrheiten dieser Art direkt von unserem Schöpfer eine fundamentale Berechtigung zur  Familie mit mehreren Kindern.

   


Warum die Abschaffung einer gesunden Familienstruktur in die Irre führt

Von Christa Meves

Man muss nur alt genug werden, um sich zu erinnern, wie die Umgangsformen zwischen Eltern und Kindern mit dem gesellschaftlichen Trend im Zeitgeist wechseln.

Als ich Kind war  –  zwischen 1925 und 1932  –  gab es in den bürgerlichen Elternhäusern ein zwar schon weitgehend gelockertes, aber immer noch klar vorhandenes Gefälle in der familiären Hierarchie.

So war es ganz selbstverständlich, dass dem Vater von allen Familienmitgliedern eine besondere Achtung zuteil wurde. Sein Heimkommen wurde täglich vorbereitet und alle waren darauf eingestellt, dass er einen guten Empfang hatte.

Mutter bereitete Essen vor, das ihm schmeckte, es gab eine feststehende Tischordnung mit einem Sitzplatz für den Vater am Kopf des Esstisches, und wenn Mutter mit einem Gong zu Tisch rief, stand jedes der Kinder sofort auf, wo und wie es sich beschäftigte, und nahm pünktlich den ihm zugehörigen Platz ein, gefaltete Hände dann selbstverständlich; denn nun folgte – unter Vaters Regie – zunächst einmal ein kurzes Tischgebet.

Diese Szenerie gab es in den Familien nach dem Ersten Weltkrieg – nun eher neu – nicht mehr wie im Jahrhundert davor mit erzwungener Befehlsgewalt, sondern in  gelockerter Form.

Im Hintergrund stand offenbar das Wollen, einen emanzipatorischen Aufbruch im Zeitgeist zu realisieren, der im Paulinischen Sinne ein ausgeglichenes Familienklima ermöglichte.

Zwar lebte man in den bürgerlichen Familien in der Generation zwischen den beiden Weltkriegen als Eltern die alten, kultivierten Umgangsformen weiter vor, ließ aber gleichzeitig den Kindern mehr Spielraum. Das förderte eine Art freiwilligen Gehorsam, den die Eltern mit Liebe und Vernunft vorlebten.

Da war es ganz selbstverständlich, dass die Mutter als eine Person behandelt wurde, die ein anständiges Verhalten der Kinder erwarten konnte, weil der Vater ihnen das im Umgang mit seiner Frau vorlebte!

Hinterher wurde mir klar, dass diese so allgemein gehaltene bürgerliche Familienwelt einer gegenseitige Achtung der Eheleute füreinander zu verdanken war.

Allerdings gehörte gewiss auch ihr erziehendes Kopfschütteln dazu, wenn eines der Kinder aus diesem Rahmen heraussprang und durch flegelhaftes Benehmen Anstoß erregte. Das wurde als „unmöglich“ unterbunden.

Aber nun: Nach all den Jahren mit Not und Tod zwischen 1939 und 1949 erhielt die Familie im Wirtschaftswunderland zunächst einen Neuaufbau. Aber bald erlebte die dort meist weiter praktizierte natürliche Hierarchie in Familie und Gesellschaft einen mächtigen Stoß:

Junge Revolutionäre liefen lärmend durch die Gassen und wussten zu behaupten, dass die Familie grundsätzlich nichts tauge und abzuschaffen sei und dass man, solange das noch nicht erreicht sei, den Kindern die bisher vorenthaltene Selbstbestimmung zu gewähren habe, indem sie täglich zumindest daheim den Aufstand gegen die Eltern zu proben hätten.

Von da ab wurden merkwürdigerweise breitflächig ruppige Umgangsweisen in der Familie und auch als neuer Lebensstil in Schule und Gesellschaft möglich. Die nichtswürdigen Eltern hatten sich still zu verhalten, damit die Kinder „antiautoritär“ die ihnen zustehenden Freiheiten in allen Phasen ihrer Unmündigkeit in überheblicher Anmaßung einzufordern hätten. Ich erinnere mich, dass in einer Familie eine schnippische Tochter ihre Mutter ungerügt mit dem Ausdruck „blöde Sau“ benennen konnte.

Als Folge kam es nun aber zu einem Boom von seelischen Verwahrlosungen der Kinder aus dem bürgerlichen Mittelstand. Immer mehr Eltern gerieten in verdüsterte Ratlosigkeit über die unsäglichen Frechheiten, Rücksichtslosigkeiten und der schnöden Undankbarkeit ihrer Sprösslinge.

Diese traurige Phase hatte erst in jüngster Zeit noch ihren Höhepunkt und fand sogar eine Symbolfigur in der 15-jährigen Greta aus Schweden, die in einem voll besetzten Saal mit Regierenden und  hochrangigen Eltern diese schlimm beschimpfte.

Ist die natürliche Hierarchie nun vollständig out? Jedenfalls hat das Kind in manchen Familien Vaters Kopfplatz eingenommen – und das nicht erst heute.

Seit den 70er Jahren wurde es für den Vater in manchen Familien bereits  problematisch, sich am Feierabend ein wenig gehen zu lassen, sich z. B. unnachdenklich auf dem Kopf zu kratzen oder zu rülpsen. Immer häufiger erhob dann eines seiner sieben- bis zwölfjährigen Kinder seinen Finger, um zu tönen: „Lass das, Heinz“ (und damit war dann der Vater gemeint).

Diese Phase scheinberechtigter Anmaßung währt hierzulande nun immerhin schon seit 50 Jahren. Kultivierte Umgangsformen miteinander schienen immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Selbst eigene Rechte einzufordern – das bestimmte vorrangig den Verhaltensstil.

In jüngster Zeit wurden noch wieder im Parlament – zwecks Auflösung der Elternrechte – Forderungen einer Grundgesetzveränderung im Sinne einer Gesetzlichkeit eigenständiger Kinderrechte erhoben – aber nun das Erstaunliche:

Jetzt in der Coronazeit gibt es plötzlich vernünftige Stimmen von Vätern und Großvätern aus den Familien, die – der Unverschämtheiten ihrer Sprösslinge müde – ihre häufige Anwesenheit in ihren Familien nutzen. Sie fordern von ihren Kindern anständige Umgangsform miteinander ein, besonders mit ihnen als Eltern!

Wie kommt dieses Aufkeimen einer natürlichen Vernunft bei manchen Vätern zustande?

Hier gibt es einen interessanten Zusammenhang: In der Bevölkerung wird es allmählich bekannt, dass die allgemeine Abschaffung einer gesunden Familienstruktur wenig erfolgreich gewesen ist; denn als Folge hat sich herausgestellt, dass sich hierzulande das Schülerpotenzial im internationalen Vergleich jetzt auf Abrutsch in eine untere Klasse der Mittelmäßigkeit befindet.

Denn die lässige Übertreibung von Respektlosigkeiten auch gegen supertolerante Lehrer hat diesen allgemeinen Leistungsverfall der Schüler mitbewirkt. Aber in der modernen Familie herrscht mehr oder weniger bewusst eine Zielvorgabe: Abitur ist anzustreben als Plattform zu mehr Lebenserfolg!

Und das unterstützt das Bemühen der Eltern, aus der Falle einer pervertierten Kinderherrschaft in der Familie, aus der Missachtung und den Herabsetzungen von Eltern durch die Kinder herauszufinden.

Denn es dämmert die Erkenntnis, dass jegliches erfolgreiche Leistungsniveau voraussetzt, dass den Kleinen die Chance vermittelt wird, von vertrauenswürdigen, erfahrenen, liebevollen Großen – diese nachahmend – lernen zu wollen. Das nämlich ist vorrangig das entscheidende Postulat jeder erfolgreichen Pädagogik.

Durch diese Hintertür scheint deshalb sogar ein gesunder Trend zur Beachtung von kultivierten Umgangsweisen, ja, so etwas wie eine Sehnsucht nach einem neuen Knigge aufzukommen – nach einer Renaissance von Worten, die volle 50 Jahre lang fast ausgestorben waren, Worte wie Höflichkeit, Respekt, Hochachtung, Opfer, vor allem aber auch Worte wie Rücksicht und Würde.

Bei manchen Kindern findet man solche Worte neu in ihrem Vokabular, weil sie diese  –  hört! – von ihren Eltern abgelauscht haben! Und sie befreunden sich mit Mitschülern, bei denen es diese Worte nicht nur gibt, sondern bei denen der Stil ihres Elternhauses davon durchwirkt ist. Selbst Corona scheint hier einige Breschen geschlagen zu haben.

Der alte Wilhelm Busch wird neu zitierbar: „Denn wer nicht höflich ist nach allen Seiten, hat doch nur lauter Verdrießlichkeiten.“

Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; außerdem Bestseller-Autorin seit Jahrzehnten; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Ursachen von Verhaltensstörungen bei Kindern und ihre Heilung

Von Christa Meves

Wir Kinderpsychotherapeuten haben in unserem Verzeichnis eine sehr gewichtige Kategorie. Das sind die sogenannten Primordialsymptome. Diese Bezeichnung ist vor ca. 80 Jahren im damals existierenden tiefenpsychologischen Institut in Berlin so benannt worden.

Die sehr nachdenklichen Fachleute damals hatten damit umschrieben, dass die Verhaltensstörungen, die in dieser Weise bei kleinen Kindern auftreten, Kennzeichen von Misslichkeiten sind, die Abgewöhnungsversuchen – oft hartnäckig sogar lebenslänglich – trotzen.

Einige schwinden zwar mit dem Beginn der Pubertät. Aber bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass sie sich lediglich in ein anderes Erscheinungsbild umgewandelt haben.

Als Erstsymptome im Kindesalter treten sie in Gestalt von kleinen Selbstverletzungen auf –  wie z. B. Nägelknabbern und Nagelhautreißen,  Schorfaufkratzen, Kopfkratzen, meist mit Essen der Schuppen, Haarereißen, oft auch Augenbrauen und Wimpern, Daumenlutschen bis ins Schulalter hinein – oder auch in Gestalt von psychosomatischen Symptomen wie Bettnässen bis zur Präpubertät, Tics, Einkoten und Stuhlverhalten, Körper- und Kopfschaukeln, nächtlichem Aufschreien und Essstörungen.

Heute wissen wir, dass die kinderärztliche Auskunft „Das brauchen Sie nicht zu beachten, das wächst sich aus“ eine nur selten richtige, auf jeden Fall aber oberflächliche Auskunft ist.

In der Pubertät baut sich dann nach Verschwinden des Nägelkauens das Ritzen in die Arme auf oder statt Bettnässen eine unbezwingbare Nasch- oder Rauchsucht oder der ehemalige Haarereißer entwickelt einen Ordnungszwang. Das geschieht natürlich nicht bei allen. Oft wird lediglich im Schulalter eine allgemeine unkonzentrierte Unruhe sichtbar.

Warum können sich die Kinder solchem allemal anstößigen Verhalten nicht entziehen?

Heute hat lange Erfahrung in der Kinderpsychotherapie zu der Erkenntnis geführt, dass dem Ausreifungsprozess des Kindes Einschränkungen entgegenstehen, die das seelische Wachstumsgeschehen offenbar nicht ohne inneren Protest hinnimmt. Allerdings fehlt dem davon befallenen Kind über solche Zusammenhänge das Bewusstsein. Das ist ohnehin noch nicht ausgereift. Deshalb ist es absolut kontraproduktiv, dem Symptom mit Verbot und quälenden Strafmaßnahmen zu begegnen.

Manchmal ermöglichen glückliche Umstände  während des Aufwachsens aber auch eine Heilung. Worauf beruht sie?

Ihr geht voraus, dass das Kind ein sicheres Selbstbewusstsein entwickelt hat, dass es sich angenommen und geliebt fühlt, dass es sich selbst als junger Mensch für wert hält.

Die Voraussetzung dazu ist jeweils ein geheimnisvolles Wunder: Meist hat sich eine Freundschaft zu einer anderen einfühlsamen Person ergeben oder der junge Mensch hat eine Tätigkeit entdeckt, die konstruktiv ist und ihn absolut ausfüllt.

Das heißt: Der der Pubertät entwachsene Mensch hat zu der Bestimmung gefunden, für die er im Grunde schon als ungeborenes Kind als besonders begabt angelegt war. Diese kann bereits z. T. in den Genen vorhanden gewesen sein, sie kann aber auch plötzlich mit Anregungen aus dem Umfeld zur Verwirklichung gekommen sein. Bei den Biografien von Künstlern oder auch bei großen Priestern und Propheten lässt sich dergleichen erahnen.

Jedenfalls lohnt es sich, den genannten Erstsymptomen Beachtung zu schenken, statt dass man Kinder fortgesetzt mit der Frage nervt, warum sie dieses merkwürdige Verhalten trotz all des Bittens der Eltern nicht aufgeben. Aber das können sie eben nicht.

Und die Ursachen dafür sind im allgemeinen den Betroffenen, den Eltern und meist auch anderen Laien im Umfeld unbekannt. Es wäre hingegen für die Erziehenden nötig, das Kind nachdenklich in seiner Gesamtheit zu beobachten. Kinder geben meist unbewusst heraus, was sie bedrückt. Sie zeigen das mit der Art der Wutanfälle, sie bekunden das mit unbewussten Symbolen in ihren Zeichnungen, Träumen und Fantasien.

Man braucht dann nur einen Kindertherapeuten, der in der Lage ist, diese  Äußerungen richtig zu deuten, um herauszufinden, was dem Kind fehlt, um sich seelisch störungsfrei zu entfalten.

Diese Erkenntnisse können uns nicht nur als Erzieher klüger machen. Sie können uns belehren, dass wir  allesamt so frei, wie wir uns törichterweise wähnen, gar nicht sind.

Wir befinden uns vielmehr an der Longe des Künstlers, der jedes einzelne Genom mit einer geplanten Bestimmung individuell versehen  hat. Und das ist unser wundermächtiger Kreator, Gott Vater, der mit jedem von uns ein Ziel hat – das Ziel, dass sich der Mensch bis zu seinem Lebensende seiner geheimen Anbindung an IHN, den allmächtigen Himmelsfürsten, bewusst wird oder sich im Bestfall sogar in eine bewusste Beziehung zu ihm und seiner Dreifaltigkeit setzt – zumal wir seit 2000 Jahren nun einen barmherzigen Hirten haben, der uns die Durchschlagskraft seiner Wunder an einzelnen Kranken darlegte.

Sich einer solchen Sichtweise zuzuwenden, lässt die Erziehenden im Hinblick auf die Erstsymptome einer seelischen Unausgewogenheit ihres kleinen Kindes aufmerksam, nachdenklich und hellhörig werden.

Ein kleines Beispiel soll diese Zusammenhänge erläutern:

Ein nägelknabbernder achtjähriger Junge z. B. stellt in seinen Zeichnungen von Menschen die Arme als Stümpfe, offen und ohne Hände dar. Genaue Beobachtung zeigt, dass in das Verhalten des Kindes bei seiner Eigenentfaltung zu viel, zu oft in einer ihm  unbekömmlichen Weise eingegriffen worden ist.

Wenn dem einzelnen Haupterziehenden nun in behutsamer Weise von einem Therapeuten deutlich gemacht wird, dass seine Erziehungsform das Kind hindert, sich seinen Anlagen entsprechend gradlinig zu entfalten, so kann eine solche positiv aufgenommene Einsicht manchmal spontan sogar ein Wunder zur Folge haben: Ohne dass ein Wort darüber gesprochen worden ist, ändert das Kind unversehens sein Verhalten.

Dass das dann möglich wird, liegt daran, dass der unbewusste Widerstand aufgegeben werden kann, weil die Notwendigkeit dazu nicht mehr vorhanden ist. Im fortgeschrittenen Grundschulalter  (aber nicht früher!) darf in einigen Fällen auch der Widerstand als berechtigt sogar von der vertrauten erziehenden Person im Gespräch mit dem Kind angesprochen und damit bewusst gemacht werden.

Dann kann in harmonischer Gemeinsamkeit vom Kind verstanden werden, was da in ihm versteckt meutert. Und so kann vom Kind im nun wirksamen Entschluss die kleine ärgerliche Störung wirklich hinter sich gelassen werden. Denn die Eltern haben aufgehört, ihr Kind deswegen zu tadeln, weil sie verstanden haben, dass das Fehlverhalten ein unbewusster Selbstheilungsversuch des Kindes ist.

Speziell ausgebildete und erfahrene Kinderpsychotherapeuten sind darin heute auch befähigt. Aber – wie gesagt – manchmal ist dergleichen gar nicht nötig. Mit der Veränderung der Einstellung zu dem Kind und mit einer unbefangenen Gläubigkeit im Umfeld löst sich des Kindes Notprogramm auf und weicht einer ausgeglichenen Fröhlichkeit.

Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche sowie Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Warum zuhause lernen gut für unsere Kleinen ist: JA zur Homeschooling-Pädagogik

Von Christa Meves

Die Anstrengungen der Medien um Gestaltungsformen der in Quarantäne geschickten Bevölkerung sind groß und z. T. sogar originell. Aber trendgemäß scheint die Zumutung beklagenswert und schwer zu bewältigen, dass die Kinder allein von den Eltern betreut werden.

Deshalb sei die Rückführung in die Beschulung einschließlich von Kitas und Kigas ein dringliches Gebot in den vorsichtigen Lockerungsbemühungen. Eindrucksvoll wird demonstriert, dass es nicht länger zugemutet werden kann, dass die unruhigen Kinder die Mütter, die in Vollzeitbeschäftigung  stehen, während ihrer Homeoffice-Tätigkeit umlärmen.

Mit anklagenden Mienen werden junge Frauen vorgeführt, die lauthals bekunden, dass sie die ständige Nähe ihrer Kinder bald zur Verzweiflung treibe. Einzelne Länderregierungen hierzulande haben diesem Geklage nun bereits – nicht durch Vernunft, sondern auf dem Boden linker Politik – nachgegeben und trotz deklarierter Gefahr die Kinder in den Abschlussklassen beschult. Andere beharren im Isolationsstatus.

Die Intention solcher lockernden Maßnahmen ist unverkennbar.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es aber keineswegs die Mehrheit der Mütter, die in dieser Weise betroffen ist. Vielen von ihnen bereitet es hingegen Freude, mehr Zeit zu haben, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen.

Es soll sich in der Öffentlichkeit weiter die Vorstellung festigen, dass es zwingend ausgebildeter Pädagogen bedarf, um das moderne Kind wirklich zu bilden. Das entspricht wissenschaftlich zwar nicht der Wahrheit, aber wird derartig propagiert, dass es nun auch immer mehr wohlmeinende Eltern glauben.

Die Wahrheit wusste im Grunde schon der weise Goethe, indem er den Satz formulierte: „Man lernt nur von dem, den man liebt.“ – Natürlicherweise sind das aber die Eltern, und zwar in den ersten Lebensjahren ganz besonders die leiblichen Mütter. Dort – bereits in der Schwangerschaft und während der Stillzeit – prägt sich Bindung an die Mutter ein.

Aber der künstlich verderbte Trend in der westlichen Gesellschaft versucht nun stattdessen, die Mütter als den hochrangigsten und gleichzeitig den natürlichsten Bildungsfaktor der so bedeutenden, so prägenden frühen Jahre auszuschalten und zu entwerten.

Diese Masche gehört zu der bewussten Bemühung, Kollektivierung von Anfang an und weiterhin durch digitale Vollbeschulung zum zwingend notwendigen Bildungsfaktor zu ernennen. Ich kann deshalb in dieser Situation den jungen Eltern nur noch einmal wieder zurufen: Bitte lasst Euch diesen Bären nicht aufbinden! Nutzt stattdessen die Corona-Situation zur Förderung Eurer Kinder, solange sie ganztägig bei Euch sein dürfen, zumal es ein Bildungsmittel gibt, das – außer Eurer den Kindern wohltuenden Nähe – erfolgreich ist.

Es lässt sich auch ohne mühselige Anstrengungen vollziehen und – von der Kleinkinderzeit an bis weit ins Grundschulalter hinein praktiziert – die Intelligenz nur so sprießen, und zwar – wie die Hirnforscher uns bestätigen – mehr als jedes andere Mittel ähnlicher Art: Das ist das VORLESEN.

Holt also die Märchen-, die Sagenbücher, die Kinderbibeln aus den Winkeln Eurer Schränke und setzt Euch mit den Drei- bis Zehnjährigen beieinander aufs Sofa (Euch allein ist das ja sogar in der Corona-Krise erlaubt!).

Wenn ihr Euch vorher um Eure Kinder bemüht habt, nehmen sie – wenn der angebotene Stoff ihrem Reifegrad entspricht – solche Angebote mit Spannung, Interesse und Konzentration an. Schon die einzelnen Seiten in den Leporello-Büchern erfreuen bereits die Babys. Allein schon das Umblättern erweckt ihr Interesse, und wie erst recht beginnen dann in allen Entwicklungsphasen die Bebilderungen in den Büchernm, sie zu faszinieren!

Mit Freude wird dann auch die Wiederholung der Bilder am nächsten Tag als eigener Lernerfolg begrüßt. Und das steigert sich bald – spätestens von der Dreijährigkeit ab, wenn man zu kindgerechten Geschichten übergeht, die es als reichen Schatz in unseren Bibliotheken – aber auch bei vielen  Familien zu Hause –  noch gibt!

Sagen Sie nicht, dergleichen sei in der Corona-Situation nicht erreichbar. Wir machen jetzt die Erfahrung, wie einfallsreich sich auch Fachleute für die unbeschulten Kinder einsetzen. Wie wäre es mit Einsätzen von Bibliothekarinnen aus unseren Leihbüchereien?

Und ich bin mir sicher, es brauchten nur einige Menschen mehr vom  Wert dieser Bildungsmöglichkeiten überzeugt zu sein, dann würden binnen kurzem auch zusammengesammelte Kinderbücher präsent sein, die vor die Haustüren von Wohnungen mit Kindern abgelegt würden. Und ähnlich originelle Einfälle könnten greifen.

Das Kulturgut ist noch vorhanden, und an Ideen zur Übermittlung würde es schon bald in unserer Situation heutzutage glücklicherweise nicht fehlen. Sogar einzelne Väter lassen sich einspannen. Sie werden mit der schulischen Lernfreude ihrer Kinder belohnt werden und das so heiß ersehnte Ziel, ein gut benotetes Abitur, kann dann gewiss für viele mehr in eine anpeilbare Nähe rücken.

Selbst Corona könnte uns an der Erfahrung, wie sie hier von der Wissenschaft auf diesem Feld bereits hieb- und stichfest erforscht ist, klüger werden lassen: Einer der ratlosen Endlos-Diskutierer in unseren Medien brachte es kürzlich auf den Punkt: Wendet Euch doch nun in der Isolation der Corona-Krise der Homeschooling-Pädagogik zu, die es lange schon ausgefeilt – und erfolgreich zum Abitur führend – gibt und subventioniert dann bitte auch Mütter für all ihre direkten Bemühungen um die Kinder!

Zollt so der Mutterschaft endlich gesellschaftliche Anerkennung! Gebt den standfesten Müttern als Regierungsmaßnahmen wenigstens klug ein Stück ihrer Ehre zurück, damit sie sich ohne finanzielle Not in gelassener Freude um ihre Kinder kümmern können! Ja, das wäre für viele ein Ansatz zu der Möglichkeit, der Realität und ihren Notwendigkeiten, statt einer verhängnisvollen, schädigenden Ideologie Raum zu geben.

Mögen unsere Regierungen diese späte Chance zur Einsicht und zur Umkehr nutzen! Nur so lässt sich auf Zukunft für unsere Kinder hoffen!

Christa Meves ist Psychotherapeutin und Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“,  online weitere Infos und Artikel: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

 


Fatale Folgen einer Frühsexualisierung von Kindern im Gefolge der 68er Revolte

Von Christa Meves

Nein, aufhören mit dem Aufklären, mit Warnen und Raten kann ich nicht, obgleich ich demnächst in das 96. Lebensjahr einsteigen werde; denn was sich nun mit den Kindern in den Familien abspielt, ist sogar noch gravierender als das, was ich nach meinem ersten Schockerlebnis vor 50 Jahren unablässig in die Öffentlichkeit hineinzurufen begann.

Diese Erfahrung machte ich 1969 bei einer Einladung zum Vortrag in einer Berliner evangelisch-lutherischen Akademie, nachdem mein Vorredner, Helmut Kentler, ein mir unbekannter Lehrer aus Ostberlin (jedenfalls benannte er sich damals so), seinen Vortrag sinngemäß mit folgender Quintessenz beendet hatte:

Ab jetzt werden wir den Menschen machen. Wir allein, in eigener Regie, frei für jede Form von Sex, auch für die Kinder.

Hingegen hieß das Ergebnis meiner Ausführungen: Wir müssen bei unseren Entscheidungen hinauffragen: Was erwartet unser Gott mit seiner Schöpfungsordnung von uns, damit wir zu einer gesunden Zukunft hinfinden können?

Dieser Mann, der jetzt erst nach seinem Tod als ein –  durch die Jahrzehnte hindurch  –  vielfacher Missbrauchstäter (mit institutioneller Hilfe in Berlin) entlarvt worden ist, war damals bereits ein Protagonist der sogenannten Studentenrevolte.

Nachdem Kentler in der Universität Hannover zum Professor ernannt worden war – mit einer völlig unzureichenden Dissertation (kann jeder noch heute nachlesen) –  hat er Studenten jahrzehntelang mit einer abwegigen Pädagogik bedient.

Er hatte bereits 1970 in einem Taschenbuch mit dem Titel „Sexualerziehung“ seine Parolen zur Sexualisierung der Kinder vollmundig zu Papier gebracht. Aus der Sicht meiner kinderpsychotherapeutischen Praxis hatte ich damals bereits lesen müssen, was hier geplant war.

So blieb mir nichts anderes übrig, als mit einem kleinen Herder-Taschenbuch unter dem Titel „Manipulierte Maßlosigkeit“ meinen fachspezifischen Protest dagegenzusetzen; denn die Sexualität der Erwachsenen, so betonte ich, gehört nicht in die Kinderjahre. Dort ist sie den Kindern nicht gemäß.

Wer die Sexualität entfesselt und sie zu einer allgemeinen Lebensnotwendigkeit „von der Wiege bis zur Bahre“ erklärt, handelt sich eine Vielzahl von Sexualstörungen im Erwachsenenalter ein, Sexualsüchte vor allem, aber auch Abweichungen und sogar viel mehr Krankheiten physischer und psychischer Art. 

In Vorträgen über Vorträgen, in Büchern über Büchern variierte ich in den nächsten 50 Jahren – neben Warnungen vor dem Aufweichen bewährter Strukturen wie Familie, Autorität und Hierarchie – dieses Thema; denn zunehmend mehr entwickelte sich das Terrain der Bundesrepublik unversehens in ein Minenfeld mit Fallen zu unglücklich machenden, leidvollen Fehlentwicklungen.

Aufklärung darüber macht es aber möglich zu retten, was sich retten lassen will; denn es gibt bis heute immerhin auch noch weniger seelisch und geistig verseuchte Regionen, besonders in den deutschsprachigen Nachbarländern…

Außerdem kam mir auf meinem Feld unverhofft eine wissenschaftliche Forschung, die mächtig anschwoll, zu Hilfe. Dadurch gewann ich die beglückende Erfahrung, dass sich meine Vorstellungen, die ich in meinem Universitätsstudium der Nachkriegszeit und in der Praxis gewonnen hatte, immer mehr durch seriöse Forschungsergebnisse bestätigten:

So wurde jetzt z. B. die durchschlagende Einsicht der Hormonforscher publiziert, dass bereits im Mutterleib die Ausformung der unterschiedlichen Geschlechtsorgane von männlichen und weiblichen Kindern durch hohe Dosierungen entweder des männlichen Geschlechtshormons Testosteron für die Knaben oder des weiblichen Hormons Östrogen für die Mädchen massiv vorangetrieben wird.

Aber dann – wenige Wochen nach der Geburt – sinkt schon während der Säuglingszeit die Hormonlage der Babys bei beiden Geschlechtern fast auf Null zurück  (1).

Erst ab der Vorpubertät, etwa um das 10. Lebensjahr herum, beginnt der Hormonspiegel sich wieder bei beiden Geschlechtern kontinuierlich bis ins Erwachsenenalter hinein zu steigern.

Es ist einleuchtend, warum das so ist:

Bei den gewichtigen Reifungsphasen zwischen dem ersten und zehnten Lebensjahr ist der Naturtrieb Sexualität nicht gefragt. Ihr natürlicher Aufgabenbereich beginnt eigentlich erst mit der Fortpflanzungsfähigkeit. Bei der Einhaltung dieser natürlichen Grundregel ist in diesem Bereich am ehesten seelische und körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter zu gewinnen.

Umso verhängnisvoller ist aber ein Zeitgeist, der das Gegenteil auf sein Banner schreibt. Die ungeschriebene Vorschrift der Revolutionäre „Sex von der Wiege bis zur Bahre“ ist keineswegs vom Tisch. Sie ist sogar bis in die Schulpläne für Grundschüler eingesickert.

Und nun produziert zum Entsetzen verantwortungsbewusster Eltern auch noch das Smartphone ein Leck auf diesem Gebiet:

Heute ist es kaum noch zu verhindern, dass fast jedes Kind es vom Grundschulalter ab zuwege bringt, eines Smartphones habhaft zu werden, um mit diesem dann herunterzuholen, was ihm beliebt. Und das ist in diesem Alter dann meist etwas, das ihm Freunde angeraten haben.

Seit dieser Neuheit landen bei mir nun zunehmend häufiger ratlos seiende Mütter, die zumeist bei ihren Kindern zwischen sechs und zwölf – Mädchen wie Jungen – mit neuen, bisher nie gekannten Verhaltensstörungen konfrontiert sind:

Z. B. eine Siebenjährige in der 2. Klasse verhielt sich, als wäre sie gänzlich von der Rolle. Sie könne nun nichts mehr, sagt sie, obgleich die Mutter erklärt, dass sie vorher im Geschwisterkreis ein supergesundes, fröhliches Mädchen mit guten ersten Erfolgen in der Schule gewesen sei. Alles Befragen hülfe nichts. „Das geht nicht“, heißt dann unter Tränen die Antwort des Kindes.

Eine andere Mutter berichtet mit berechtigter Sorge, ihr Sohn, 10 Jahre alt, verweigere ebenfalls konstant den Schulbesuch. „Da wäre etwas dazwischen“, erkläre er dann. Er fürchte sich, dann wieder nach Hause zurückzugehen, er müsse dann irgendwie loslaufen und sich bald irgendwann umbringen.  

Aber das sind nur zwei Beispiele von sehr ähnlichen weiteren, ohne dass eine der üblichen Diagnosen von Therapeuten feststellbar erscheint. Nicht selten gelingt es aber doch durch Berichte von Unbeteiligten, der Ursachen der massiven Störung habhaft zu werden: Bei manchen Kindern im Grundschulalter zeigt sich dann, dass irgendein Mitschüler die Kleinen zum heimlichen Benutzen von Mutters Smartphone verführt und sie auf bestimmte Sendungen unter einem bestimmten Code aufmerksam gemacht hatte.

Die Ursache besteht darin, dass die Kinder meist, ohne dass sie wissen, was ihnen geschieht, auf Sendungen mit Pornografie gestoßen sind.

Was sich besonders bei den Sensibleren, eher auch bei hervorragend Intelligenten, hier abspielt, ist ein Bildeindruck, der weder verstanden noch verkraftet werden kann. Es entsteht so ein massives Trauma, das nun allerdings dringend zunächst der Aufklärung und dann einer fachkompetenten Therapie bedarf. Was für eine neue schwere Verantwortung aller Pädagogen ist so neu entstanden!

Hier muss erst einmal darüber informiert werden, dass die Kindheit eine sexfreie Zone zu sein hat. Eigentlich müssten sämtliche Pädagogen jetzt erst einmal dazu angehalten werden, diesen Status der Kindheit zu respektieren, statt ihn unentwegt anzuheizen, wie es heute nicht selten im Sexualkundeunterricht geschieht.

Wie nötig wäre hier eine Vorbildhaltung auch der Eltern, statt (wie gelegentlich weiterhin) es für modern zu halten, ihre sexuellen Auslöser den Kindern so viel wie möglich hinzuhalten.

Diese Seuche ist der Sündenfall eines Zeitgeistes, der von Gottes Allgegenwart abgefallen ist. Hier muss angesetzt werden, um elenden Fallen solcher Art Paroli zu bieten.

1) Eliot, Lise: Wie verschieden sind wir? Die Gehirnentwicklung bei Mädchen und Jungen. Berlin 2009, für die deutsche Ausgabe © B.V., Berlin Verlag GmbH, Berlin 2010, S. 141

Die Bestseller-Autorin Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem Sie online weitere Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Großelternschaft kommt wieder in Schwung: Hoffnung für die Kultur Europas

Von Christa Meves

Eine schon fast eingegangene, einst so fruchtbare Pflanze im Garten Eden ist nach reichlicher Wässerung zu neuem Leben erwacht und wächst nun im neuen Jahr neuem Leben entgegen. In symbolischer Darstellung ist damit von mir eine erstaunliche Neuheit gemeint: die Wiederbelebung der Wertschätzung einer schon fast verdursteten Randgruppe in den westlichen Gesellschaften: der Großelternschaft.

In der aufsprießenden Nachkriegsbevölkerung hierzulande war zunächst vor allem lange Zeit die Großmutter meist noch ein zwingend notwendiger Ersatz für die in großer Zahl gefallenen Väter gewesen.

Aber nachdem im zerstörten Deutschland die schlimmsten Notstände erst einmal überwunden waren, inszenierten die vaterlos aufgewachsenen jungen Söhne und Töchter eine wilde Revolte gegen das Bürgertum. Sie proklamierten, dass nun die bürgerliche Familie und überhaupt alles Tradierte zu verschwinden hätte, auch so etwas wie Großelternschaft  –  und das Ziel anzupeilen, in der Gesellschaft eine von ihnen allein diktierte Veränderung zu vollziehen.

Ich erinnere mich z. B., dass mir 1972 ein verzweifeltes Großelternpaar einen Brief ihres Sohnes vorlegte. Dieser teilte ihnen mit, dass sie zwar in einigen Tagen Großeltern werden würden. Sie möchten nun aber zur Kenntnis nehmen, dass er ein aktiver Akteur der Veränderung sei: So hieß es wörtlich: „Wir machen nun total Schluss mit jeglicher Tradition. Wir wollen deshalb nicht, dass unser Kind zu Euch als Großeltern in eine Beziehung tritt. Wir möchten Euch ersuchen, das zu akzeptieren.“

Abgeschaffte Großeltern – stattdessen also Selbstverwirklichung, statt familiärem Zusammenhalt antiautoritäre Szenerie. Wenn auch selten so drastisch, trat dieser Ungeist für die nächsten 40 Jahre voll auf die Mainstream-Bühne der Gesellschaft.

Aber nun, mächtig hervorgekehrt bereits 2019 durch ein Papstwort, trat die Großelternschaft wieder auf den Plan – wie durch ein Wunder. Die bisher geltende Ideologie lässt sich als Richtung in den Verhaltensweisen der Bevölkerung offenbar nicht mehr halten.

Das bekunden nun sogar mehrere Meinungsumfragen: In hohen Prozentsätzen gehört bei jungen Menschen, besonders bei denen zwischen 20 und 30, eine Familie – und damit gemeint ist ein zusammenhaltender Clan – hauptsächlich zu ihrer Lebensplanung!

Und das erweist sich keineswegs als eine Falschmeldung. Trotz oder gerade wegen all des Auseinanderdriftens in den vergangenen Jahrzehnten steht die Pflege familiärer Gemeinschaft neu in den dominanten Bemühungen der jungen Paare.

So berichtete mir jetzt die Großmutter eines jung verlobten Enkels, dass die in beiden Familien hochbetagten verwitweten Großmütter, obgleich sie ziemlich weit entfernt wohnten, häufig an den Wochenenden von dem verlobten Paar besucht würden, um auch den alten, verdienten Personen der Familien auf diese Weise aktiv Wertschätzung und Dankbarkeit zu beweisen. Und auch wenn sie erst eine Familie wären, würden sie das fortführen, um ihren Kindern auf diese Weise den hohen Wert einer lebendigen Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln zu vermitteln.

Ein anderer, ein 15-Jähriger, erzählte mir, dass er seine Großeltern neu entdeckt hätte. Vor allem der Großvater sei ein hoch interessanter Mensch, mit dem sich viel anfangen ließe, der ihm so viele alte Geschichten erzähle!

Was für eine Wende, welche wichtigen Schritte zur Sanierung einer Gesellschaft, die per Verführung in eine falsche Richtung abgedriftet war.

Wie ist das ausgelöst worden? Nun, die Kinder heute erleben oft – in welcher Form auch immer – Eltern, die keine Zeit haben. Das Aufzuwärmende finden diese Jugendlichen im Gefrierschrank und auch in ihrer Seele erfahren sie ein unbewusstes Gefühl von seelischer Kälte: Hektisch, flüchtig, überfordert ist der elterliche Alltag.

In dieser Atmosphäre keimte deshalb bei den Kindern als Ersatz eine Naschsucht ohnegleichen auf. Aber Zucker ist auf die Dauer doch kein befriedigender Ersatz. Und so erleben z. Z. viele nachdenklich gewordene Jugendliche etwas, das innerlich zufriedener macht. Da ist eine Großmutter, die erst einmal einen schmackhaften Auflauf oder eine frische Suppe anbietet, die dann Ideen hat, etwas gemeinsam miteinander zu machen: mit den Mädchen zu backen, mit den Jungen zu basteln.

Und der Großvater kommt auf die Idee, mit ihnen draußen zu fußballern. Mit strahlenden Augen verkünden diese Kinder zum Abschied, dass sie auf jeden Fall wiederkommen wollen!

Großelternschaft kommt neu in Schwung!

Was dürfen wir daraus schließen und hoffen? Gehört so etwas wie ein gesunder Clan in Gottes Schöpfungsplan? Ist es deshalb förderlich, dass dadurch heute die Familienbildung in späteren Jahren stattfindet als früher, sodass es immer häufiger Großeltern gibt, die bereits in Rente gegangen sind und Zeit haben?

Für mich als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin ist es geradezu befreiend, sich vorzustellen, dass hier gegen all die ideologischen Verführungen neu Kultivierung aufbricht.

Denn längst hat sich doch uns Fachleuten gezeigt, dass diese eine Voraussetzung in der liebevollen dualen Beziehung hat. Die Wahrheit ist: Die Menschheit ist eigentlich auf ein Lieben in nahen Gemeinschaften gestrickt, und dazu ist die Familie das Urmodell des Schöpfers. Aber das lässt sich nur neu begreifen, wenn wir bei unseren Entscheidungen hinauffragen zu sinnvollen, zu befriedigenden Tätigkeiten, die den Begabungen entsprechen.

Mit beglückender Zuwendung entdecken die Großeltern nun neu bei erfreulichen Enkel-Besuchen: Plötzlich kommen sie bei den Enkeln mit alten Brettspielen, mit Mühle und Mensch ärgere Dich nicht, in Gemeinsamkeit an.

Ein Enkel trägt nach großmütterlicher Anleitung mit schönsten Backwerken, mit neuen Schneidereien, ein anderer mit neuen Handwerksarbeiten oder auch mit kunstvollen Zeichnungen bei. Mit strahlendem Lächeln sagen sie: „Ich habe jetzt mit großer Freude entdeckt, was mir wirklich Spaß macht – im Haus meiner Großeltern! Das ist für mich ein toller Fund, dass ich jetzt Sinnvolles für meine Freizeit gefunden habe.“

Eine kaum für möglich gehaltene Hoffnung für die Kultur in Europa!


Von den Konflikten unterm Christbaum und einer (Er-)Lösung unter dem Kreuz

Von Christa Meves

Weihnachten ist vorüber und jeder Nachdenkliche unter uns schaut dankbar zurück: Die Kirchen waren wieder voll. Hoffnung brandet neu darüber auf, dass sich so viele Hände trotz aller Wohlstandsgefährdungen voll Andacht gefaltet hatten.

Großer Anlass zur Dankbarkeit besteht doch auch darin, dass wir hierzulande immer noch weiter ein Fest in politischem Frieden erleben durften.

Doch der Alltag im neuen Jahr zwingt dazu, zumindest im privaten Bereich, spätestens am 2. Januar zur Kenntnis zu nehmen, dass sich unsere Probleme nicht einfach aufgelöst haben, sondern nach wie vor – ja, meist mehr als in den früheren Jahren – im Raum stehen:

Die unruhigen Kinder z. B. werden eher mehr als weniger zappelig, obgleich viele von ihnen mit einem reichlichen Potenzial an Geschenken bestückt wurden, ohne jetzt ruhiger, zufriedener damit beschäftigt zu sein.

Ein 14-Jähriger z. B. antwortete auf die Frage seiner Großmutter, ob er denn schon ihr Buchgeschenk gelesen habe: „Wie soll das gehen, ich habe allein dreimal Harry Potter Nr. 4 und 5 bekommen, dazu drei Kinderbibeln und eine für Jugendliche. Das alles zu lesen, schaff ich sowieso nicht, da fang ich doch gar nicht erst an!“

Kürzlich berichtete mir eine andere Großmutter, dass sie ihren Enkel vorher nach seinen Wünschen gefragt habe, und der 5-Jährige erbat sich einen neuen Stoffdackel. Wie enttäuscht war sie aber, als sie damit konfrontiert wurde, dass eine der weiteren Großmütter dem Kind einen lebendigen Dackel präsentierte. Wütend habe sie gefragt, warum er denn bei allen den gleichen Wunsch geäußert habe. „Na, bei einer meiner vier (4!) Großmütter wird es denn doch wohl klappen – ist doch toll“, habe er mit dem Dackel auf dem Arm geantwortet.

Wodurch entstehen diese absurden neuen Schwierigkeiten?

In manchen Fällen jedenfalls handelt es sich um die Konkretion unserer Bevölkerungspyramide: Alte Menschen in sich steigernder Lebenserwartung gibt es reichlich, junge Familien hingegen werden immer seltener. Wechseln Eltern während der Erziehungszeit ihrer Kinder – und in der Mehrzahl sind das Einzelkinder – mehrere Male den Partner, so entsteht eine Umkehrung der Normalität:

Einst hatten viele Kinder der damals üblichen Großfamilien allenfalls zwei Großelternpaare – oft sogar nur eine einzige verwitwete Großmutter – , heute hat das Einzelkind einer Scheidungsfamilie eher – durch die neu hinzukommenden neuen Partner – eine Vielzahl von Großelternpaaren. Durch weihnachtliche Pflichtbesuche bei mehreren Großeltern (vorrangig in der Hoffnung auf Geschenke) bleibt die Zeit, sich besinnlich in ein Buch, in eine Bastelei oder in ein neues Spiel zu vertiefen, auf der Strecke.

Zunehmend häufiger wird das Kind auch nur mit einem Geldschein abgespeist. Flüchtigkeit und diffuse Unruhe werden so weiter verstärkt; denn diese – so wissen wir Kinderpsychologen heute – werden durch den unbewussten seelischen Hunger und die Suche des Kindes nach Bergung, Anregung, nach liebevollem Kontakt, ja, nach einem festen Platz hervorgerufen.

Manchmal gibt es seit der „Öffnung unserer Ehen zur Vielfalt“ Bemühungen, die verschiedenen neuen und alten Verbindungen unter einen Hut zu bekommen und die Ex-Partner mit „Rücksicht auf die Kinder“ an den Weihnachtstagen alle gemeinsam einzuladen – in der Hoffnung, eine friedfertige Patchwork-Familie aus dem Boden zu stampfen.

Aber wie oft erweist sich das als Überschätzung menschlicher Souveränität! Oft branden die alten Konflikte während der direkten Konfrontation in verschärfter Form wieder auf.

Eine großmütterliche Gastgeberin ist zum Beispiel über eine neue Schwiegertochter verärgert. Dieser will das Hauptgericht nicht munden, und sie bringt das mit lauter Kritik über die „alten, fetten Essgewohnheiten“ zum Ausdruck. Der darüber erregten Gastgeberin fällt darauf die Nachspeise beim Auftragen aus den Händen. Die Schüssel zerschellt am Boden.

Niemand schafft es, die Großmutter, die es mit diesem Arrangement so ganz besonders gut gemeint hatte, zu trösten – erst recht nicht, als die Schwiegertochter nun zwecks Rechtfertigung ihrer Unverschämtheit einen Großangriff gegen die Gastgeberin wegen derer „übersteigerten Eingriffe in die Belange der jungen Familie“, speziell bei der Kindererziehung, startet. Ein Urproblem um die Macht im Kral eskaliert zur Lachnummer – aber niemandem der Anwesenden ist zum Lachen zumute!

Oft werden auch finanzielle Unvereinbarkeiten der Geschiedenen oder alte massive seelische Störungen beim einen oder anderen von ihnen neu aktiviert.

Nicht selten branden beim Fest sogar Konflikte zwischen der Tochter und ihrer leiblichen Mutter auf. Immer hocken die Kinder um die Großmutter herum! Aber das bringt es nun eben beim Feiern an den Tag, dass sich die Kinder dominant an die Großmutter gebunden haben, weil diese die hauptsächlich Betreuende der Enkel ist, während die junge Frau bald schon nach der Geburt des ersten Kindes ihre außerhäusliche Erwerbstätigkeit wieder aufgenommen hatte.

Beim gemeinsamen Weihnachtenfeiern war ihr das nun schmerzhaft sichtbar geworden und wurde von ihr sogleich mit stichelnden Bemerkungen beantwortet. „Im nächsten Jahr werde ich Deine Mutter nicht wieder einladen“, so eskaliert nach dem Fest die Enttäuschung der jungen Mutter mit einer Forderung an ihren Mann – und erzeugt so bei dem getreuen Sohn einen gefährlichen Ehekonflikt.

Aber unter dem Tannenbaum können auch Schwägerinnen eine ursprunghafte Feindseligkeit gegeneinander aktivieren, indem die eine die andere in modischen Neuheiten zu übertrumpfen sucht. Aber das ist auch hier nicht die Quelle der Aversion. Vielmehr hat die Tochter der Familie bereits die eingeheiratete Frau ihres Bruders als Eingriff einer fremden Person in das väterliche Gehege erlebt, weil sie – unverheiratet – dieses als ihr und der Ursprungsfamilie Eigenes, das ihr allein Zustehende versteht!

Ebenso selten können Jungmänner es aushalten, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Frau ihren eigenen Vater oder ihre eigene Mutter mehr liebt als ihn. Gar nicht aushalten können es junge Ehefrauen, wenn sie den Eindruck haben, dass ihr Mann seine Mutter mehr zu lieben scheint als sie!

All diese Zerwürfnisse lassen sich im Alltag des Neuen Jahres durch Festhaken an den Kränkungen und Zerwürfnissen in einer gefährlichen Weise fortsetzen und potenzieren. Die vielen seelischen Schmerzen, die dadurch entstehen, lassen sich freilich auch nicht einfach durch Verdrängen überwinden; denn sie neigen wie jede Überbetonung von allem Naturhaften zur Wucherung.

Selbst wenn sich ergibt, dass es vorrangig ein einziger Streithammel ist, der das Feuer anfacht, ist nicht Parteinahme, sondern eher kluge Gelassenheit und telefonische Zurückhaltung gefragt. Die zerstörerischen Tendenzen des Durcheinanderwerfens durch Distanzierung auszuhungern, ist die bessere Methode, rät uns Jesus Christus in der Begegnung mit den Angehörigen in seiner Heimatstadt (siehe Lukas 4/30).

Wie kann das bei uns gehen? Zunächst durch ein Erkennen der Infantilität, hinter der Macht- bzw. Besitzansprüche, aber vor allem das Bedürfnis nach Anerkennung und Wertgehaltensein stecken.

Aus dieser Einsicht lässt sich eine liebevolle, humorvolle Souveränität vorantreiben, indem sich alle Betroffenen ihre eigenen Gefahr, in solche kindischen Ansprüche zurückzufallen, bewusst machen.

Letztlich indem wir uns bemühen, uns selbst beim Auftauchen solcher Probleme nach dem Fest die Heilsbotschaft von Weihnachten auch im Alltag des neuen Jahres zum Maßstab des eigenen Verhaltens machen zu wollen und dann vorab daran zu arbeiten; denn das heißt schlicht:

Schaue bei solchen Konflikten als Erstes hinauf; denn nur durch diese Blickrichtung kannst du in aller dann bewusst werdenden Dankbarkeit gegenüber dem HERRN selbst so liebessatt werden, dass du das vorrangige Geliebtwerden-wollen von deinen Angehörigen nicht mehr als unbewusste Ursache sich rechtfertigender Reaktionen brauchst; denn dann wächst dir die Kraft zu, deine Nächsten zu lieben, selbst sogar dann, wenn sie sich feindlich gebärden.

Die trübe Quelle, auf der Suche nach Gegenliebe mit familienzerrüttenden Rachefeldzügen antworten zu wollen, zerfällt dann. Geduldiges Reifen auf die Bereitschaft zur Versöhnlichkeit hin kann dann eher zu wachsen beginnen. Schauen wir doch hin:

Sogar auf dem Feld der Familie hat sich der HERR nicht allein als Wunderheiler, sondern auch als Ratgeber und ganz direkt als der uns Vorausgehende erwiesen.

Christa Meves ist Bestseller-Autorin und Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Warum Erziehung heute schwieriger ist

Von Christa Meves

Wie lässt sich heute gegen all das viele Fragwürdige in unserem Umfeld ringsum noch standhalten und wie weiter erfolgreich erziehen?

Denn schließlich enthält unser Zeitgeist so viel Bedenkliches im Hinblick auf unsere Kinder, dass es doch schwerer möglich ist als früher, das Richtige vom Schädlichen zu unterscheiden.

Wenn Sie das für Panikmache halten, brauchen Sie sich bei Youtube lediglich z. B. einen Vortrag des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer herunterzuholen, um aus den umfänglichen wissenschaftlichen Studien – vor allem aus den USA – hieb- und stichfest zu erfahren, dass allein bereits das Smartphone und alles Digitale darüber hinaus keineswegs zufriedenstellend bildungsfähig machen, sondern vor allem die Lernfähigkeit des noch unreifen Kindergehirns lebenslänglich mindern.

Aber es reicht auch schon, ratlos zu werden, wenn man heute Gelegenheit bekommt, Einblick in Grundschulklassen oder in das Leben junger, moderner Familien mit ihren Kita- und Grundschulkindern zu nehmen.

Täglich schreiben mich verzweifelte Jung-Mütter an, die hilflos dem so häufigen Protestgeschrei ihrer Trotzkinder gegenüberstehen. Vergeblich kämpfen manche Eltern gegen die hartnäckige Lernunlust und die Unruhe ihrer kleinen Grundschulsöhne an.

Verzweifelt sucht ein ganzer Clan nach einem (der meist bereits ausgebuchten) Therapeuten, weil eine Erstklässlerin von einem – allen unerklärlichen – seelischen Schmerz erfasst ist. Zwar sind hierzulande – der Not entsprechend – Hilfsstationen aus dem Boden geschossen. Aber die sind meist auch schon ausgebucht oder unbezahlbar.

Wie erschreckend: Hier kommt jetzt offenbar eine Kindergeneration ins Blickfeld, der in einer epidemischen Zahl die Möglichkeit fehlt, unbeschwert angepasst heranzuwachsen.

Was geht hier vor sich, was ist geschehen?

Eine Zunahme der Verhaltensstörungen ließ sich bereits seit den 60er Jahren erkennen und ihre Zunahme voraussagen. Von dieser Zeit ab wurde den Belangen der Kinder in unserer Gesellschaft immer weniger jene zentrale Beachtung eingeräumt, die diesen Ressourcen für erfolgreiche Zukunft zugestanden werden muss.

Kurzfristig gewinnträchtige wirtschaftliche Akzente und damit auch die Erwerbstätigkeit der Frau bekamen von nun an Vorrang. Die Familie als Wert wurde häufig in den gesellschaftlichen Plänen gar nicht mehr gesehen und die gärtner-ähnliche Aufgabe, Kinder in ihren Wachstumsphasen aufmerksam zu begleiten, verschwand seufzerlos unter all den Möglichkeiten, sich das Leben lustvoll und sexy zu gestalten.

Deswegen ist das Aufziehen der Kinder heute schleichend zu einer übergriffigen Angelegenheit des Staates geworden:

Die Krippe – spätestens ab dem ersten Lebensjahr – ist zu einer Art ungeschriebenem Gesetz für junge Familien geworden. Aber das ist ein verheerender Fehler!

Sogar seriöse Wissenschaft sagt heute völlig abgesichert aus: Ganz besonders gerade um diese Zeit brauchen die Kleinen Mutters Gegenwart bei ihren ersten Schritten in die Welt. Trennung von ihr zu dieser Zeit stanzt sich sonst in ihren Kopf ein und taucht später in Krisen als ein übermächtiges Gefühl von Verlassensein immer wieder auf!

Auch den Kindergarten ab drei als eine eiserne Pflicht aufzufassen, ist nicht kindgerecht, wenn das Nachdenken über die Bekömmlichkeit für das einzelne Kind ausgelassen wird. Und in der Grundschule gehört oft reichlich drastischer Sexualkundeunterricht meist schon zum Programm. Neuerdings wird sogar Ganztagsschulbeaufsichtigung geplant!

Mitten im Zeitalter entfesselter Freiheit geschieht dieser Kindergeneration der Verlust eines behüteten Freiraums! Dadurch wird das Leben mit schwierigen, unglücklichen, im Grunde bereits gestörten Kindern immer häufiger zu einer katastrophalen Qual in den Familien.

Es ist also bereits sehr spät; denn seriöse Hirnforschung weiß nun, dass – im sich in den ersten drei Lebensjahren entfaltenden Gehirn – wenn seine gesunden Wachstumsbedingungen nicht erfüllt worden sind, ein unruhiger Habitus und das Suchen nach Ausgewogenheit den Menschen unbewusst lebenslänglich begleiten und sein Leben vielfältig erschweren kann.

Dabei ließe sich diese dramatische Situation rasch ändern: Gäbe man den Müttern für ein längeres Daheimbleiben ein Gehalt und für ihr Alter eine Rente, würden viele junge Mütter mit Erleichterung länger daheim bleiben, weiß ich aus der Praxis; denn es ist vor allem die Nähe zu Mama, die die Kleinen zur Entwicklung einer stabilen Ausgeglichenheit und seelischen Gesundheit brauchen.

Aber für ein solches Programm gibt es in den meisten Staaten des Westens kaum Anzeichen.

Dennoch brauchen wir nicht zu verzagen; denn es existieren in unserem Land immerhin noch Familien, die der Schöpfungsordnung treu bleiben – mit Einschränkungen zwar, doch nicht selten unterstützt von wachen, verantwortungsbewussten Großeltern und Paten.

Hierzu gibt es folgende Berichte:

“Bei uns ist alles ziemlich in Ordnung. Munter, fröhlich und aufgeschlossen sind unsere Kinder. Wir haben eine recht normale Schule für sie gefunden. Dort kommen sie gut zurecht und machen anstandslos ihre Schularbeiten. Bei uns herrscht ein solides Familienklima mit klaren Linien für unsere Kinder. Und sogar eine tägliche gemeinsame Abendbrotmahlzeit gehört dazu.“

Solche Eltern legen großen Wert darauf, dass ihre Kinder selbstständig werden. Sie haben die berechtigte Hoffnung, dass diese später ihre Ausbildungen anpacken und eine eigene Lebensgrundlage zustande bringen.

Aber diesen Eltern ist das eben Gesagte noch nicht genug. Sie hoffen darüber hinaus, dass ihre Sprösslinge in ihrem familiären Umfeld einen dauerhaften Rückhalt entwickeln.

Dabei zeigt sich: Das Vorbild der Eltern, ihre direkte Zuwendung und ein unbekümmert natürlicher (am besten gläubiger) Verhaltensstil hat sich als das erfolgreichste Modell herausgestellt. Denn dadurch entsteht unterschwellig ein Band, das dennoch freilässt und dadurch später auch realistische Bindung an neu hinzukommende Menschen ermöglicht.

Unter dem Strich bedeutet das: Bei einem kontinuierlichen Erziehungsstil dieser Art können wir dann auch hoffen, dass die Kinder als Erwachsene genug Festigkeit besitzen, den eigenen Stürmen des Lebens zu widerstehen, indem sie die Fähigkeit erworben haben, auch gegen Widerstände kontinuierlich standfest zu bleiben und in einem eigenen Umfeld Kraft zum Lieben, zum Durchhalten – auch zum Mitsorgen und Helfen angesichts der Schwächeren in der Familie, den ganz Kleinen und den Uralten, – zu entfalten.

Es hat sich aber auch neu herausgestellt, dass solche familiären Erfolge am ehesten zu erreichen sind, wenn Familien auf dem Boden eines starken christlichen Wertsystems, ja, mit einer eigenen emotionalen Festigkeit im christlichen Glauben stehen. Denn aus einer solchen Haltung erwächst ein bewussteres Verantwortungsgefühl und darüber hinaus eine selbstverständliche, freiwillige Opferbereitschaft für die anderen.

Besonders Familien, in denen auch der Vater – nicht die Mutter und Großmutter allein – diesen Stil bewusst lebt, haben eher eine Chance, dass ihre Kinder sich besonders von ihm beschützt fühlen und deshalb leichter eine gute Verhaltenskultur entwickeln. Einem gewissenstreuen Vater, der seinen Glauben an Gott und die Zehn Gebote ernst nimmt und sich bei wichtigen Entscheidungen danach ausrichtet, gelingt es oft besser, mit den Jugendlichen durch die Pubertät zu kommen.

Seit vor 50 Jahren mit der sogenannten Studentenrevolte eine mächtige Lebensveränderung, eine Ausweitung unserer Spielräume, ja, eine Entfesselung der Sexualität stattgefunden hat, war diese neue Nachdenklichkeit dringend nötig geworden.

Von nun an gelang es jungen Eltern nicht mehr selbstverständlich, die Vorbilder einer gut funktionierenden Eltern-Familie einfach zu wiederholen und mit ihrem Nachwuchs nachzuahmen. Die Voraussetzungen für eine stabile Kindererziehung mussten neu bewusst aufgenommen werden, um damit den vielen Übertretungen und Auswüchsen standhalten zu können.

Spätestens heute müssen wir uns klarmachen:

Unversehens wurden in den Gesellschaften des Westens die gesunden Möglichkeiten eines vernünftigen Lebens überschritten.

Es lassen sich jetzt nicht einfach weiter Augen und Ohren davor zumachen, dass Rechtsbrüche und chronische Krankheiten in der Bevölkerung in dem Maß zunahmen und weiter zunehmen, in dem Menschen in unbekömmlichen Trends mitlaufen, sodass gesundes Maßhalten verloren geht und mancher von ihnen dadurch sogar auf schiefe Bahnen rutscht.

Heute sind sogar schon manche Schulpläne ideologisch durchseucht, sodass z. B. die Gender-Ideologie gelegentlich schon als eine neue Glücksmöglichkeit gelehrt wird!

Resümee: Eltern sollten wissen, dass unsere Gesellschaft zur Zeit einer Ideologie erlegen ist, die, wenn sie fortdauert, vielen Kindern schweren seelischen Schaden zuzufügen vermag.

Ich habe deshalb in meinen Büchern und noch mehr Vorträgen und Aufsätzen unermüdlich davor gewarnt, sich durch Befolgen dieses Zeitgeistes Unglück über Unglück einzuhandeln  – und gebe auch heute noch (unentgeltlich) Rat jedem, der aus diesem Feld bei mir anklopft.

Aber wir können uns auch heute noch retten, z. B. indem wir mit der ganzen Tiefe des Herzens wieder in den Familien das kommende Weihnachtsfest feiern. Da steht doch die echte Krippe unseres Gottes im Zentrum und singt die Wahrheit in jedes Herz, indem wir mit Freude hinaufflehen: „Welt, gehst du auch verloren, doch uns ist Christus geboren – mit dem leuchtenden Stern einer klaren Ausrichtung über Bethlehems Stall!“