CDU-Vize-Chefin Julia Klöckner widerspricht Bundeskanzlerin Merkel betr. Islam

Die stellv. CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner hat der Auffassung widersprochen, der Islam gehöre zu Deutschland.

In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe) sagte sie: „Es gibt nicht den einen Islam, es gibt verschiedene Ausprägungen.“  Köln-MoscheeDSC_0596_ShiftN

Dazu gehörten auch extremistische Strömungen, die den Einsatz von Gewalt gegen Nicht- und Andersgläubige befürworteten, eine Gleichberechtigung von Mann und Frau ablehnten oder antisemitisch und homophob seien.

„Muslime, die unsere Grundordnung eines aufgeklärten Landes teilen, die gehören zu Deutschland, aber nicht fundamentalistisch-extremistische Ausprägungen des Islam“, erklärte die CDU-Politikerin.

In der Vergangenheit hatten mehrere Politiker pauschal betont, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Darunter waren Bundeskanzlerin Angela Merkel und der frühere Bundespräsident Christian Wulff sowie der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann.

Quelle: http://www.idea.de

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Souverän und mutig: Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller und die Causa Christian Wulff

Von Felizitas Küble

Erzbischof Gerhard L. Müller   –  er ist  Chef der römischen Glaubenskongregation  –  stellt bei vielen Themen unter Beweis, daß er mutig, standpunktfest und geistig souverän auf aktuelle Ereignisse, Streitthemen und grundsätzliche Herausforderungen zu reagieren vermag.

Dies zeigt sich z.B. auch angesichts diverser Debatten um Ex-Bundespräsident Christian Wulff:

Zu einem Zeitpunkt, als dieser auf dem Höhepunkt seiner Macht und Beliebtheit stand, als er sich zudem noch der besonderen Gunst der BILD-Zeitung erfreute, die das „Traumpaar“ Christian und Bettina ständig in Jubelpose präsentierte  –  genau damals, als die Medien-Sonne äußerst freundlich über dem Präsidenten leuchtete, besaß der damalige Bischof von Regensburg den Mut, das deutsche Staatsoberhaupt daran zu erinnern, daß er als Katholik durchaus keine Sonderrechte beanspruchen kann.

In jener Zeit  –  Mitte September 2011  –  ging es in der öffentlichen Diskussion u.a. darum, daß Wulff als geschieden-Wiederverheirateter nicht zum Tisch des HERRN geladen ist.

Reformorientierte Katholiken wandten sich wie üblich gegen den vermeintlich „starren“ Standpunkt der katholischen Kirche   –  und auch der Bundespräsident selbst brachte beim amtlichen Empfang von Papst Benedikt in Berlin sein persönliches Eheschicksal indirekt zur Sprache, was durchaus nicht zu seiner Aufgabe als Staatsoberhaupt gehörte.

Der damalige Bischof von Regensburg, Gerhard L. Müller, hatte seinerzeit öffentlich daran erinnert, daß geschieden-Wiederverheiratete nicht zu den Sakramenten zugelassen sind   –   und wir berichteten darüber. Der Untertitel unseres Beitrags lautete: „Der Bundespräsident hat als Katholik keine besonderen Vorrechte.“

Der damalige Oberhirte von Regensburg hatte öffentlich klargestellt: „Wir Katholiken gehen von dem hohen Gut, ja, dem Geschenk der Unauflöslichkeit der Ehe aus.” 

Das gelte auch für den Katholiken Christian Wulff, so der Bischof: „Als Bundespräsident hat Christian Wulff im staatlichen Sektor Anspruch auf besondere Achtung. Als Katholik hat er keine besonderen Vorrechte.“

Als sich Christian Wulff noch in Glanz und Gloria, in Glamour und Glück sonnen konnte, zeigte Bischof Müller klaren Mut zum Widerspruch  –  und genauso beweist er ihn jetzt, wenn er jene unfaire, geradezu verleumderische Pressekampagne vom Vorjahr kritisiert, die Christian Wulff zum Rücktritt veranlaßte.

Medienkritik hört man von Kirchenführern sonst eher selten  –  viele Bischöfe wollen es sich mit dieser mächtigen „vierten Gewalt“ im Staate wohl nicht verderben (mitunter gewinnt man den Eindruck, als hätten die Medien längst schon die „erste Gewalt“ inne).

Glaubenspräfekt Gerhard L. Müller hat sich jetzt zum Korruptionsprozeß gegen Ex-Präsident Wulff geäußert: „Wer nur ein wenig Gerechtigkeitssinn hat, kann den juristischen und finanziellen Aufwand um 700 Euro nicht verstehe“, stellte er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazins FOCUS klar. 

Er fügte hinzu: „Es ist auch nicht zu tolerieren, dass Personen in ihrer Menschenwürde so verletzt und gekränkt werden dürfen, besonders wenn die Vorwürfe gar nicht bewiesen sind.“

Damit dokumentiert Erzbischof Müller erneut seinen wachen Gerechtigkeitssinn und seine zeitgeistkritische Courage, die allen Bischöfen zu wünschen wäre.

Foto: Bistum Regensburg


Evangelische Stimme zur Schlammschlacht um den Limburger Bischof

Von Jörgen Bauer

„Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ (Joh 8,7)

Ich bin nicht katholisch und deshalb könnte es mir egal sein, was mit dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geschieht, der derzeit den Blätterwald zum Rauschen bringt und für eine aufgegeilte mediale Erregung sorgt.

Foto: Bistum Limburg

Foto: Bistum Limburg

Aber mich widert dieses heuchlerische, selbstgerechte Geschwurbel ebenso an, wie vor einiger Zeit die Medienhatz gegen den Bundespräsidenten a.D. Christian Wulff.

Die Sache mit dem Limburger Bischof hat allerdings noch eine weitere Dimension:

Er ist ein Mann der katholischen Kirche – und nachdem sich gerade die katholische Kirche als moralische Instanz versteht, die sich von Sündern abgrenzt – man denke an wiederverheiratete Geschiedene  –  wiegt das, was dem Limburger Bischof angelastet wird, besonders schwer und ist ein gefundenes Fressen für alle, die etwas gegen die Kirche und den christlichen Glauben haben.

Da nützt es auch nichts, auf die Milliardenbeträge zu verweisen die bislang beim Berliner Flughafen versenkt wurden oder auf das Bundeskanzleramt, das an die
250 Millionen DM gekostet haben soll. Auch sonst wurde und wird bis heute viel verschwendet, was aber niemanden stört.

„Es geht dabei um Stimmungsmache“

Anders bei der Kirche. Das Affäre um den Limburger Bischof wird jetzt zum Anlass genommen, die gesamte katholische Kirche hinsichtlich ihrer Finanzen besonders in Augenschein zu nehmen, wobei es weniger um Fakten, sondern mehr um Stimmungsmache geht, bei der man es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen muss.

Die „ersten Erfolge“ in Form von Kirchenaustritten sind bereits eingetreten.

Aber warum treten Menschen  –  in diesem Fall Katholiken  –  aus ihrer Kirche aus? Das ist eigentlich nur vorstellbar, wenn sie bislang an die Kirche und ihre Amtsträger  –
im Fall von Limburg  –  an den dortigen Bischof, geglaubt haben und nicht an Jesus Christus, als den eigentlichen HERRN der Kirche.

Ist Christus aber der HERR der Kirche, dann ist diese der Leib Christi, der aus Sündern und fehlbaren Menschen besteht, die allesamt der ständigen Vergebung bedürfen, angefangen beim Papst bis hin zum letzten Kirchgänger.

Die Lehre, die wir uns hier als Christen aller Couleur ganz dick hinter die Ohren schreiben sollten, ist die, dass wir, wenn wir bekennende Christen sind, unter besonderer Beobachtung stehen. Deshalb sind Demut und Bescheidenheit anstelle vollmundiger öffentlicher Bekenntnisse angesagt, an denen wir gemessen werden. Das lasst uns immer bedenken.

JÖRGEN BAUER, Am Jagdschlössle 15 in 89520 Heidenheim, Tel. 07321 / 739115

Foto: http://www.bistumlimburg.de/


Analyse der Bundestagswahl: Stimmungslage der Nation zeigt Sehnsucht nach Sicherheit

Mathias von Gersdorff

In seinem Buch „Machtwechsel“ beschreibt Prof. Arnulf Baring den „seismographischen Charakter von Bundespräsidentenwahlen“.

Für die Jahre 1949 bis 1979 hätten diese eine große atmosphärische Bedeutung gehabt. Diese Wahlen seien ein Barometer für die Stimmungslage der Nation. Bei der Kandidatensuche würden bewußt oder unbewußt die Grundströmungen in der Bevölkerung eine große Rolle spielen. 

M. von Gersdorff

M. von Gersdorff

Vieles spricht dafür, daß etwa dreißig Jahre nach Erscheinen von „Machtwechsel“ diese Einschätzung immer noch zutrifft, doch eher, um zu erklären, wieso die letzten beiden Bundespräsidenten beim Volk „nicht angekommen“ sind.

Nach dem Rücktritt Horst Köhlers wurde Christian Wulff rein aus machtpolitischen Überlegungen heraus am 3. Juni 2010 gewählt. Ob er das Amt des Bundespräsidenten ausfüllen konnte oder nicht, spielte bei der Kandidatenwahl kaum eine Rolle. Viele hielten damals den Gegenkandidaten, Joachim Gauck, für den besseren.

Mit Wulff zog zudem eine „Patchwork-Familie“ auf Schloß Bellevue ein. Unter diesen Umständen konnte Wulff als Bundespräsident gar nicht wirklich ernst genommen werden.

Nach Wulffs Rücktritt folgte am 18. März 2013 nun Joachim Gauck. Doch auch er blieb bis heute eine blasse Figur. Eine Symbiose zwischen Amt und Person ist nicht erfolgt, parteiübergreifende Identifikationsfigur ist er bis heute nicht geworden.

Auch er brachte unregelmäßige Familienverhältnisse nach Schloß Bellevue. Der verheiratete Man lebt mit einer Lebensgefährtin zusammen.

Zum Zeitpunkt der Wahl meinten wohl viele Politiker, Eheverhältnisse seien in unseren Tagen unwichtig. Das stimmt aber nicht. Der Familienreport 2012 des Bundesfamilienministeriums berichtet, daß sich drei Viertel aller jungen Deutschen eine Familie wünschen. Für 80 Prozent gehört Familie zum persönlichen Glück dazu.

Sehnsucht nach Familie und Stabilität

Die Sehnsucht nach Familie geht einher mit der Sehnsucht nach Stabilität, klaren Verhältnissen und Verläßlichkeit. Die Deutschen sind ein Volk mit einem besonders stark ausgeprägten  –  fast pathologischen  –  Sicherheitsbedürfnis.

Dieses Bedürfnis ist aufgrund von Eurokrise, Globalisierung und schwieriger zu planender Zukunft in den letzten Jahren immer größer geworden. Ein in „wilder Ehe“ lebender Bundespräsident konnte den Deutschen da kaum eine kuschelige Geborgenheit vermitteln.

Angela Merkel, deren politischer Instinkt oft unterschätzt wird, hat das offenbar erkannt und Forderungen innerhalb der Union nach Gleichstellung von Homo-Paaren und nach Adoptionsrecht durch Kristina Schröder, Matthias Zimmer und andere schnell und unmißverständlich mehrmals eine Absage erteilt. Zuletzt tat sie das zu Beginn des Frühjahrs 2013, also in einer Zeit, in der sich die Parteien thematisch für den Wahlkampf positionierten. Die Union sollte beim Thema Ehe und Familie nicht zerstritten im Wahlkampf auftreten.

Tendenziell konservative Atmosphäre

Bemerkenswert ist, daß auch SPD und Grüne diese Themen kaum während des Wahlkampfes aufgriffen, obwohl diese Parteien sogar eine Öffnung des Ehegesetzes für homosexuelle Paare befürworten. Die diversen Vereine von Homosexuellen haben sich ebenfalls zurückgehalten.

Sicherlich hatte das mit den gigantischen Demonstrationen in Frankreich gegen die Homo-Ehe zu tun. Obwohl die Politiker ein solches Ausmaß hierzulande nicht zu befürchten hatten, wollten sie offenbar nicht den Wahlkampf mit derart polemischen und polarisierenden Themen belasten.

Auch zeigte die enorme Polemik gegen das „Orientierungspapier“ der EKD zur Familie, daß sich gegenwärtig das Interesse für gesellschaftsrevolutionäre Themen in Grenzen hält.

In dieser tendenziell konservativen Atmosphäre konnten die Grünen nur verlieren. In einer Zeit, in der die Menschen Sicherheit und Geborgenheit suchen, kamen die Grünen wie ein schriller Haufen daher, der mit irrsinnigen politischen Forderungen eine neue Republik ausrufen wollte.

Die Pädophilie-Debatte zeigte dann nicht nur den moralischen Sumpf dieser Partei, sondern wie weit ideologische Verblendung führen kann. Die Grünen wurden als starrsinnige Fanatiker empfunden, die keine Skrupel bei der Durchsetzung ihrer verkorksten Ideen kennen.

Merkel verkörpert „preußische Sekundärtugenden“

Der absolute Kontrast dazu war Angela Merkel. Manche werfen ihr vor, sie sei die vollendete Pragmatikerin. Doch möglicherweise mögen sie gerade deshalb so viele Deutsche, wie die Meinungsumfragen zeigen.

Merkel verkörpert für diese Menschen die „preußischen Sekundärtugenden“. Viele wollen, daß sich Politiker schlicht als „Diener des Staates“ beweisen. Jedenfalls schafften es Angela Merkel und die Union, sich als Garanten für Sicherheit und Stabilität zu präsentieren.

Welche politische Linie wird die Union unter diesen Bedingungen in den nächsten Jahren wählen?  – Die Christdemokraten verdanken ihren Wahlerfolg vor allem den Kirchenmitgliedern: 52 Prozent der Katholiken und 42 Prozent der Evangelischen haben Union gewählt. Falls die Union nicht gegen ihre eigene Basis regieren will, darf sie das nicht aus dem Auge verlieren.

Christliche Prinzipien in der Politik

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. September 2012 widmete der Rolle des Christentums in Politik und Gesellschaft eine umfangreiche Analyse auf der Basis von Umfrageergebnissen des Instituts für Demoskopie Allensbach. Die Ergebnisse zeigen, daß das Christentum für die Mehrheit der Deutschen großen Einfluß haben sollte  – auch für Menschen, die sich nicht als Christen empfinden!

Die Tatsache, daß sich kontinuierlich dauerhaft viele Menschen von der Kirche abwenden, hat somit nicht im selben Maße zu einer Laisierung der politischen und kulturellen Ansichten geführt. „So wird auch der Gedanke, Politik auf christliche Prinzipien zu stützen, heute stärker akzeptiert, als man angesichts des Bedeutungsverlusts des Glaubens annehmen könnte“, urteilte die FAZ.

Insofern befindet sich die Union aufgrund der Koalitionsmöglichkeiten in einer sensiblen Situation. Falls sie sich dem Druck beugt, das „C“ weiter zu demolieren, könnte sie schnell ähnliches erleben wie zuletzt die FDP oder die Grünen.

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT


Der Katholik Christian Wulff und der ewige Wert der ehelichen Treue

Viel Schadenfreude über das  –  zumindest vorläufige  –  Scheitern der Zweit-Ehe von Christian Wulff ist allenthalben vernehmbar, das Internet quillt davon über  –  und wohl bald auch die „restliche“ Medienlandschaft, wenngleich vielleicht etwas dezenter als im weniger geordneten Netz.

„Bettina gehört zu Wulff wie der Islam zu Deutschland“   – „Der Wulff ohne Schlafpelz“  –   solche und ähnliche Flaxereien machen die Runde.

Besser wäre freilich eine ernsthafte Werte-Debatte, eine Diskussion über ewige Werte: zeitlose, immer gültige Grundsätze.

Dazu gehört auch und vor allem die eheliche Treue, die kein leerer Wahn sein sollte.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

Christian Wulff hatte in seiner Amtszeit als niedersächsischer Ministerpräsident seine ihm angetraute Ehefrau Christiane und die gemeinsame Tochter verlassen und sich eine weitaus jüngere Dame angelacht; die Geliebte wurde bereits schwanger, als Wulffs Ehe noch nicht einmal geschieden war.

Der CDU-Politiker Christian Wulff ist katholisch, seine erste Ehe bleibt gültig, auch nach Scheidung und standesamtlicher zweiter Heirat, denn das sakramentale Band der Ehe ist unauflöslich.

Wie wurde damals anläßlich von Wulffs Ehebruch mit seiner jungen Strahlefrau vielfach über die angeblich so altmodische katholische Ehe-Moral hergezogen. 

Wie wurde der Bundespräsident von Presseleuten gewürdigt, weil er bei seiner Begrüßungs-Ansprache anläßlich des Papst-Besuches  2011 indirekt die kath. Haltung gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten kritisierte:

Wulff hatte in seiner Rede provokativ die Frage gestellt, wie „barmherzig“ denn diese Kirche mit den „Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen“ umgehe. Er hätte sich besser selber der Frage gestellt, wie „barmherzig“ er denn mit Frau und Tochter umgegangen ist.

Am 22. Dezember 2011 schrieb ich im CHRISTLICHEN FORUM in einem Artikel über Wulffs „Fettnäpfchen“ Folgendes hierzu:

„Nicht zu vergessen seine fast schon peinliche Ansprache beim diesjährigen Papstempfang, wo er dem hohen Gast indirekt seine Privatprobleme servierte  –  und sich damit eher spätpubertär als staatsmännisch verhielt…

Folgendes kann angesichts der aktuellen Wulff-Debatte vielleicht auch bedacht werden: Hätte er nicht seine Ehefrau verlassen und sich eine Geliebte namens Bettina an Land gezogen, die heute als “First Lady” durchs Land flaniert, dann hätte er kein neues Haus benötigt  –  und den jetzigen Skandal gäbe es schlichtweg nicht.“

Bereits am 30. September 2011 haben wir die deutliche Kritik von Prälat Wilhelm Imkamp  –  Direktor der Wallfahrtsstätte „Maria Vesperbild“   – veröffentlicht, der u.a. erklärte:

“Wenn der katholische Christ Wulff sein politisches Amt und dessen Möglichkeiten dazu benutzt, seine persönlichen Probleme mit und in der Kirche zu thematisieren, könnte man durchaus von einer gewissen Grenzüberschreitung sprechen.” 

Auch Bischof Gerhard L. Müller sprach damals Klartext

Noch früher, am 19. September, hatten wir Bischof Gerhard L. Müllers klare Äußerungen zitiert, der daran erinnerte, daß geschieden-Wiederverheiratete grundsätzlich nicht zum Tisch des HERRN geladen sind.  –  Der Untertitel unseres Beitrags lautete: „Der Bundespräsident hat als Katholik keine besonderen Vorrechte.“ AL-0004

Der damalige Oberhirte von Regensburg hatte klargestellt: „Wir Katholiken gehen von dem hohen Gut, ja, dem Geschenk der Unauflöslichkeit der Ehe aus.“ 

Das gelte auch für den Katholiken Christian Wulff, so der Bischof: „Als Bundespräsident hat Christian Wulff im staatlichen Sektor Anspruch auf besondere Achtung. Als Katholik hat er keine besonderen Vorrechte.“

Diese beiden Kirchenmänner, die wir beispielhaft erwähnen,  zeigten Standfestigkeit und Mut in einer Zeit, als das „Traumpaar“ Christian und Bettina die Fotoserien der Illustrierten prägte  –  und alles in Glanz und Gloria erstahlte.

Und jetzt? – Immerhin wird jetzt sogar  die links-alternative Berliner „taz“ etwas nachdenklich. In ihrem Kommentar „Ein bürgerliches Trauerspiel“ schreibt die „Tageszeitung“ heute Folgendes:

„So aber wird Christian Wulff in steigendem Maße zum Sinnbild einer Gesellschaft, die unsicher ist hinsichtlich ihres eigenen Wertesystems: Reichtum und Glamour werden bewundert  –  und zugleich beneidet… Schicke, möglichst junge Lebenspartnerinnen zeugen von der eigenen Potenz. So lange – und nur so lange – sie bleiben.

Erstaunlich, dass die Unionsparteien noch immer so hohe Umfragewerte verbuchen können, obwohl vieler ihrer Repräsentanten das, wofür Konservative einstmals standen, im Privaten längst nicht mehr vertreten. Man blicke auf Horst Seehofer, auf Ole van Beust oder auf Karl-Theodor zu Guttenberg.“

Mit dem „bürgerlichen Lager“ kann es wohl kaum zum Besten stehen, wenn es jetzt ausgerechnet von linker Seite an konservative Werte erinnert wird.

Von diesen Grundsätzen will Frau Bettina Noch-Wulff offenbar nicht allzu viel wissen; in ihrem Buch „Jenseits des Protokolls“ heißt es jedenfalls:

„Ich will mich endlich einmal um meinen eigenen Kern kümmern, um mich selbst, meine Träume und Wünsche. Auch Christian muss sich diesbezüglich umstellen, denn ich fordere jetzt mehr Zeit für mich ein.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

2. Foto: Bistum Regensbu


Ex-Bundespräsident Christian Wulff: nach wie vor kein Tatverdacht

Im Ermittlungsverfahren gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat die Staatsanwaltschaft Hannover nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Focus“ zurzeit keinen hinreichenden Tatverdacht. Dieser ist die Voraussetzung für eine Anklage.

Eine Entscheidung darüber, ob Anklage erhoben wird, solle frühestens im September fallen.

Auch im Verfahren gegen Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker gibt es laut „Focus“ zurzeit keinen ausreichenden Tatverdacht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Wulff wegen des Verdachts der Vorteilsannahme, gegen Glaeseker wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

Quelle: dts /Fulda-Info

Im Mai dieses Jahres hatte die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Christian Wulff mangels Tatverdacht eingestellt: https://charismatismus.wordpress.com/2012/05/24/ermittlungsverfahren-gegen-ex-bundesprasident-christian-wulff-wird-eingestellt/

Hinweis: Das CHRISTLICHE FORUM äußerte sich in dutzenden Artikeln  g e g e n  die unfaire Schlammschlacht, die in der Causa Wulff von Medien- und Politikerseite geführt wurde – siehe hier:

https://charismatismus.wordpress.com/category/causa-christan-wulff/


„Tugendterror“: Über die Kluft zwischen den „hohen“ Medien und dem „kleinen“ Mann

Warum wird nicht auch die „Macht der Medien“ in ihre „Grenzen“ gewiesen?

Unter dem Titel „Nach dem Skandal ist vor dem Skandal“ befaßt sich WELT-Redakteur Thomas Schmid heute in WELT-online ausführlich mit den grundsätzlichen Mechanismen politischer Affären und Medienkampagnen.

Obgleich der Autor seine journalistische Zunft weitgehend in ein helles Licht rückt und Zeitungsleser offenbar als „kleine Leute“ wahrnimmt, ist die Analyse insgesamt aufschlußreich und vielfach zutreffend. Immerhin findet Schmid auch einige kritische Töne über das „Pathos rückhaltloser Aufklärung“, das auch in einem mentalen „Tugendterror“ enden könne.

Gleich eingangs räumt der Autor ein, daß in der Causa Wulff eine Kluft zwischen den meisten Medien und dem Volk bzw den Lesern erkennbar sei   – das gilt auch für die Tageszeitung DIE WELT aus dem Springer-Verlag; er schreibt hierzu:

„Selten hat eine Berichterstattung viele Leser dieser Zeitung so empört wie die über Bundespräsident Christian Wulff und die Finanzierung seines Hauses in Großburgwedel (und viele Leser anderer Publikationen reagierten ganz ähnlich). Wie schon zu der Zeit, als Kritik an Wulffs Amtsvorgänger Horst Köhler laut wurde, tat sich auch diesmal eine beträchtliche Kluft zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung, genauer: zwischen Volksempfinden und Presse auf. Die meisten Leser, die ihre Unzufriedenheit äußerten, warfen der Zeitung und ihren Journalisten vor, sie überschritten ihre Kompetenz, seien unnachsichtig und führten eine Kampagne. Von Diffamierung, Hetzjagd, Treibjagd war die Rede.“

Damit ist die Sachlage durchaus zutreffend umrissen. Natürlich erwähnt der Redakteur nun „die Pflicht von Journalisten, zu recherchieren und zu enthüllen“. Diese Aufgabe stellt kein Vernünftiger in Abrede, es geht allerdings um das „Wie“, um die Methoden und deren Ausmaß, um Fairneß und Sachlichkeit auch beim „Enthüllen“.

Sodann schreibt Schmid, „dass der Journalist zwar der Wahrheit, nicht aber dem Gemeinwohl verpflichtet ist und es natürlich auch um Auflage geht.“  – Um Auflage geht es meist in weitaus größerem Ausmaß als um „Wahrheit“  – und auch die „Wahrheit“ hat meist zwei Seiten, doch bei „Enthüllungs“-Feldzügen kommt nur jene „Wahrheit“ zum Tragen, die den Angegriffenen belastet.

Immerhin gibt der Autor zu: „Die Formen, die das annimmt, mögen nicht immer die feinen sein – am Ende steht aber der schöne Effekt, der im Zweifelsfall auch ein unintended effect sein kann: Licht kommt ins Dunkel übler Machenschaften, die Macht wird in ihre Grenzen verwiesen.“

Die Macht der Politiker zweifellos  – aber wäre es nicht längst an der Zeit, daß die Macht der Medien „in ihre Grenzen gewiesen“ wird? Mitunter könnte man fast von „Allmacht“ reden. Oder ist hier eine gewisse Machtkontrolle plötzlich nicht nötig?

Der Autor versucht sich sodann, in die Seelenlage seiner von Pressekampagnen angenervten Leser einzufühlen:

„Wenn ich ihren Blickwinkel einnehme, kann ich die empörten Leser verstehen. Dass die Berichterstattung über die Causa Wulff neben kräftiger Zustimmung auch wütende Proteste auslöste, hat einen tiefen Grund. Es ging in diesem Streit um etwas, was für die ganz große Mehrheit der Bürger – erst recht für jene, die über keine großen Mittel verfügen – von existenzieller Bedeutung ist: um Beziehungen und Freundschaft.(…) Da wir aber – wie man „draußen im Lande“ gut weiß – nicht in der besten aller Welten, vermutlich nicht einmal in der zweitbesten aller Welten leben, werden wir diesen unverzichtbaren Normen nicht gerecht. „Man kennt sich, man hilft sich“ (Konrad Adenauer) – das ist die alltägliche Erfahrung von Millionen…Deshalb ist der kleine Mann nicht bereit, das schützende Gehäuse der Freundschaften, des Milieus und der wechselseitigen Vorteilsnahme zu verlassen.“

Diese Argumentation verfrachtet den kritischen Leser in eine moralisch nicht ganz niet- und nagelfeste Position nach der Devise: Bei einem Volk von Schnäppchenjägern kann der oberste Schnäppchenjäger so unbeliebt nicht sein.

Der Herr Journalist vergißt freilich, zu erwähnen, daß gerade die Zunft der Journalisten über viele Schnäppchen-Vorteile (von freien Eintritten bis hin zu Rabatten beim Autokauf) verfügt, worüber der „kleine Mann“ (wie der WELT-Redakteur ihn zu benennen pflegt) vor Neid erblassen würde. Freilich sind diese Berufsvorzüge durchaus nicht Gegenstand der Berichterstattung….

Stattdessen wird dem „kleinen Mann“ huldvoll zugestanden, daß er „auch Mensch“ sei:

„Der Bürger ist auch Mensch. Als um- und einsichtiger Bürger hält er sich an die Regeln und weiß auch, dass das einem guten Zweck dient. Als schlauer Mensch, der durchkommen muss, ist er von der fast anthropologischen Gewissheit getragen, dass eine Hand die andere waschen soll, dass es gar nicht anders geht und dass froh sein kann, wer Freunde hat, die ihm beispringen. Was Christian Wulff widerfahren ist, wird – zu Unrecht, aber aus gutem Grund – als Freundschaftsverbot, als Versuch wahrgenommen, Freundschaft zu kriminalisieren und das stützende Geflecht der Alltagsbindungen in der ätzenden Säure unerbittlicher Öffentlichkeit zu zersetzen.“

Immerhin beginnt nun ein leicht kritischer Ton beim Journalisten Schmid: „Seit der Französischen Revolution ist der Jakobinismus samt seiner Schrecken eine Möglichkeit, die nicht mehr wegzudenken ist. Der kleine Mann mag den Jakobiner nicht, hinter seinen Vernunftargumenten spürt und riecht er den Tugendterror.“

Damit wollen wir es für heute gut sein lassen  –  den „Rest“ des langen Artikels, der analytisch durchaus interessant ist, können Sie hier lesen:  http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13907734/Nach-dem-Skandal-ist-vor-dem-Skandal.html