Berlin: Wird der Skandal um pädosexuelle „Pflegeväter“ amtlich vertuscht?

Der jüngste Skandal um den Berliner Senat, der in den Siebzigerjahren wissentlich Pädophile als Pflegeväter für Straßenjungen eingesetzt hat, zeigt, dass das Thema sexueller Kindesmissbrauch nach wie vor aktuell ist. Einer umfassenden Aufklärung steht allerdings Desinteresse der Politik im Wege.

Buchtitel der Aktion Göttinger Wissenschaftler, die eine Verstrickung des Berliner Senats zu Pädophilie-Aktivisten untersucht haben, fanden heraus, dass es auch eine Verbindung zur Odenwaldschule gab. Der Senat finanzierte dort Schulplätze für Kinder der Jugendhilfe.

Die Wissenschaftler fordern nun den Senat zur Nachforschung auf, ob die von ihm entsandten Jungen dort sexuell missbraucht wurden.

BILD: Buchtitel der Aktion „Kinder in Gefahr“: Mathias von Gersdorff warnte schon früh vor den Folgen der 68er Kulturrevolution

„Das ist kein Thema der Vergangenheit“, sagt auch Christine Bergmann, ehem. Familienministerin und heute Mitglied in der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Die vor etwa einem Jahr gegründete Kommission beschäftigt sich mit sämtlichen Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR.

Dass der Kommission jegliche Befugnisse fehlen, kritisiert Norbert Denef vom Netzwerk B., das sich für betroffene von sexualisierter Gewalt im Kindesalter einsetzt. Er sagt: „Das Vertuschen von Missbrauchsskandalen hat System und es fehlt der politische Wille, hier wirklich etwas aufzuarbeiten.“

Im Zeitraum von rund einem Jahr sind bei der Kommission rund 415 Anmeldungen für vertrauliche Anhörungen sowie 67 schriftliche Berichte eingegangen. 38 vertrauliche Anhörungen gab es bisher seit September. Hinzu kommen rund 200 Telefonate.

In einem Sputnik-Interview sagte Norbert Denef: „Diese Kommission ist politisch nur dazu befugt, sich die Opfergeschichten anzuhören, Aufarbeitung findet dort nicht statt.“

Auch die neuerlichen Vorwürfe rund um die Odenwaldschule wundern Denef nicht: „Man hat den Eindruck, dass dort eine große Mauer des Schweigens ist, auch von Prominenten, die an der Odenwaldschule vertreten waren. Diese haben verhindert, dass stelle ich mal als These in den Raum, dass hier eine wirkliche Aufarbeitung stattfindet.“

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: http://netzwerkb.org/2016/12/07/vertuschen-hat-system/

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Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis: Vergleich von Kirche und GEW

Ist das Mißbrauchsthema nur als Knüller gegen die kath. Kirche interessant?

Christine Bergmann, Mißbrauchs-Beauftragte der Bundesregierung bis Oktober 2011 und frühere SPD-Familienministerin, erklärte in einem Interview mit der GEW-Zeitschrift „Erziehung und Wisenschaft“ (Nr. 7-8/2011), zur Vorbeugung vor Mißbrauch sollten alle Lehrer und Pädagogen wegen ihres Dauerkontaktes mit Kindern und Jugendlichen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Zudem erläuterte die Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Mißbrauchs, hinsichtlich der bei ihr gemeldeten Fälle seien die Schulen mit 24% im Bereich der Institutionen sehr hoch plaziert bzw der zweithäufigste Tatort.

Während die meisten katholischen Bistümer in den letzten drei Jahren ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis von allen ihren Priestern verlangen (selbst dann, wenn diese längst im Ruhestand sind und nicht in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv), hat sich die seit Jahrzehnten links-orientierte GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) bislang geweigert, von den ständig mit Kindern und Jugendlichen im Kontakt stehenden Lehrern und Pädogogen ein solches erweitertes Führungszeugnis zu fordern.

Bundesvorsitzender der GEW ist der 53-jährige Ulrich Thöne (SPD), früherer Landesvorsitzender des Berliner GEW, die als besonders links ausgerichtet gilt.

Warum kümmern sich unsere doch sonst so „enthüllungsfreudigen“ Medien nicht um dieses merkwürdige Mißverhältnis in puncto Führungszeugnis und GEW?

Oder ist das Thema Mißbrauch nur dann von Interesse, wenn es dazu vereinnahmt werden kann, die katholische Kirche zu attackieren? Geht es nicht um die geschädigten Opfer, sondern um eigene ideologischen Vorurteile?

Felizitas Küble