Juden finden zum Glauben an Jesus Christus

 

Quelle: https://gloria.tv/photo/dA66CkqrtmgF4veZ3NTNzQ1WD

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Evang. Ex-Landesbischof von Thüringen gegen Änderung der 6. Vaterunser-Bitte

Prof. Kähler: Bisherige Fassung soll bleiben

Papst Franziskus hat die in Deutschland verwendete Fassung der Vaterunser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ als „keine gute Übersetzung“ kritisiert. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, sondern der Teufel, erklärte er.

Dazu hat die evangelische Nachrichtenagentur IDEA folgenden Beitrag des früheren thüringischen Landesbischof Prof. Christoph Kähler veröffentlicht:

„Der Wortlaut des Vaterunsers „Und führe uns nicht in Versuchung“ (Mt 6,13a) ist keine Frage der richtigen Übersetzung, sondern der angemessenen Deutung.

Diese alte Formulierung ist in den deutschsprachigen Gemeinden schon vor Martin Luther nachweisbar und gibt den griechischen Text korrekt wieder…Sehr viele andere deutsche Bibelübersetzungen halten sich ebenfalls an diese alte Fassung und haben diesen Satz nicht verändert, weder in lutherischen noch in katholischen noch in reformierten Bibeln.

Zur angemessenen Deutung biblischer Stellen gehört es, andere Bibeltexte zur Erläuterung heranzuziehen.

BILD: Christus siegt über den teuflischen Versucher in der Wüste

Für die sechste Bitte des Vaterunsers ist an die Versuchung Christi zu erinnern, die in Matthäus 4,1–11 (Lukas 4,1–13) beschrieben wird. In dieser Geschichte ist der Teufel der Versucher, doch der Geist Gottes bringt Jesus Christus in die Wüste, damit der Teufel ihn versuchen kann.

Das bedeutet, Gott lässt die Versuchung am Beginn der Wirksamkeit Jesu zu. So wie er auch den Kreuzestod Jesu zulässt, obwohl ihn der Gottessohn in Gethsemane flehentlich darum bittet, dass dieser Kelch an ihm vorübergehen möge

Das Geheimnis, dass der gütige Vater seinem Sohn und seinen Menschenkindern Leiden nicht erspart, kann und darf klagend ins Gebet genommen werden, also auch in das Vaterunser.

Eine Änderung des Wortlauts aber erspart niemand die dunklen Stunden und Erfahrungen, die sich daraus ergeben, dass Gott solche Versuchungen zulässt.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.idea.de/spektrum/detail/vaterunser-eine-aenderung-des-wortlauts-erspart-niemandem-dunkle-stunden-103541.html

Siehe hierzu die inhaltlich ähnliche Predigt des katholischen Bischofs von Regensburg: https://charismatismus.wordpress.com/2017/11/30/regensburg-bischof-voderholzer-uebt-kritik-an-neu-formulierung-der-vaterunser-bitte/

2. Foto: Dr. Edith Breburda


Gedicht zum ADVENT von Heinrich Held: „Sei willkommen, o mein Heil“

Gott sei Dank durch alle Welt,
der sein Wort beständig hält
und der Sünder Trost und Rat
zu uns hergesendet hat.

Was der alten Väter Schar
höchster Wunsch und Sehnsucht war
und was sie geprophezeit,
ist erfüllt in Herrlichkeit.

Sei willkommen, o mein Heil!
Hosianna, o mein Teil!
Richte du auch eine Bahn
dir in meinem Herzen an,

dass, wenn du, o Lebensfürst,
prächtig wiederkommen wirst,
ich dir mög entgegengehn
und gerecht vor dir bestehn.

Heinrich Held (17. Jahrh.)

 


Die Gaben des Heiligen Geistes finden in Christus ihre Erfüllung

Aus der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche: Jes 11,1-10:

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. 

Der Geist des HERRN lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. ER erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.

ER richtet nicht nach dem Augenschein, und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet ER, sondern ER richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist.

ER schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes.
Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib.

 


Der römische Hauptmann und sein starker Glaube an die Gottheit Christi

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Mt. Mt 8,5-11:

In jener Zeit, als Jesus nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn: HERR, mein Knecht liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen.

Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.

Da antwortete der Hauptmann: HERR, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er es.

Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, das sage ich euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden.

Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.

 


Für mich bedeutet ADVENT: Ankommen bei GOTT und meine Heimkehr zu CHRISTUS

Von Dennis Riehle

Schon bald feiern wir wieder 1. Advent. „Ankunft“, dieses Wort hat für mich in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung gewonnen. Ich bin wieder angekommen, zurück in der evangelischen Kirche. Doch es geht nicht in erster Linie um die Institution.

Viel eher bin ich wieder angekommen bei Gott. Nach fünf Jahren Abkehr vom christlichen Glauben, aber einem stetigen Ringen mit den existenziellen Fragen des Lebens, habe ich wieder Heimat gefunden.

Die Kirche hat mir die Türen geöffnet und mich willkommen geheißen. Obwohl und gerade, weil ich manches Mal über sie geflucht habe, weil mich zwischenmenschliche Enttäuschungen hadern ließen und weil ich ernstlich gefragt habe „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, gerade deshalb scheint mich die Kirche mit offenen Armen begrüßt zu haben.

So empfand ich es zumindest. Sie würdigte die Ehrlichkeit, mit der ich um die „Theodizée“-Frage gerungen habe. Sie anerkannte, dass ich mich verlassen gefühlt hatte, von Gott, von der Kirche, von meinen Mitgläubigen. Und sie respektierte, dass ich eine Auszeit brauchte, um meine Gedanken, meinen Glauben neu ordnen zu können.

Und dieser Tage frage ich mich, ob ich das alles schon abgeschlossen habe, ob ich wirklich um meinen Willen, meine Überzeugung und meine Seele weiß. Ob ich in mir aufgeräumt habe, alles sortiert ist, wenn ich mich in den nächsten Wochen auf das Kommen des Herrn vorbereite.

Da rollt eine gewaltige Aufgabe auf uns zu, so singen wir bereits: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, eu’r Herz zum Tempel zubereit‘“, heißt es im ersten Lied des ev. Gesangbuchs bei Georg Weissel 1642.

Ja, ist denn mein Herz wirklich schon so weit, dass ich Türen und Tore bedenkenlos für ihn öffnen kann?

In den letzten Wochen des Jahres sieht es bei Vielen von uns nicht danach aus, als wäre alles geregelt. Im Gegenteil: Wir hasten dem nach, was noch zu tun ist, um den Jahresabschluss zurechtzubiegen. Nebenbei sollen noch Geschenke gekauft, Weihnachtsfeiern gefeiert und Postkarten geschrieben werden. Zweifelsfrei, wenn uns ein Gast ins Haus steht, dann wird es schon einmal hektisch.

Doch für Gottes Sohn müssen wir nicht staubwischen, die Gläser nicht polieren, keine Kleidung bügeln. Viel eher müssen wir bereit sein, uns seiner Ankunft zu stellen. Und noch mehr: Wir dürfen bereit sein, ihn in unser Leben zu lassen. Doch was braucht es dafür, dass wir uns in Losgelöstheit zurücklehnen können, seine Gnade anzunehmen?

Ich mache es so, wie es die Kirche getan hat, als sie mich zurücknahm. Unvoreingenommen, zugeneigt, vertraut sein. Tatsächlich bemerkte ich aber auch bei ihr eine gewisse Unsicherheit. Denn als ich mich langsam heranwagte, wiedereinzutreten, da arbeitete ich mich vorsichtig bis zu meiner Heimatgemeinde vor, tastete den Weg ab und erkannte bei vielen Menschen, mit denen ich aus früheren Zeiten in der Kirche noch eng verbunden war, eine gewisse Zurückhaltung.

„Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir?“ – Paul Gerhardt dichtete so 1653. Und es ist wirklich nicht einfach, sich auf jemanden vorzubereiten, mit dem aus ganz verständlichen Gründen Berührungsängste bestehen. Mit Jesus ist es genauso. Da kommt ein König, er zieht bei uns ein – und wir wissen eigentlich nicht, was wir ihm bieten können. Plätzchen, Glühwein, ein paar Nüsse?

Die Kirche hat mir Zuwendung geboten. Sie schenkte mir ein offenes Ohr, sie würdigte meine Bedenken, meine Furcht, meine Unrast. Aber sie ermutigte mich auch in meiner Neugier, in meinem Herzblut, in meiner Leidenschaft für den Glauben. Christus als der, mit dem wir über unser Zweifeln, über unsere Unzufriedenheit mit dem Leid der Welt ins Gespräch kommen können. Mit dem wir aber auch dankbar beten können für all das, was uns Gutes getan wird. An Trost, an Liebe, an Fürsorge.

Geben wir auch Jesus die Chance, seine Verkündigung auf uns wirken zu lassen.

Christus kommt in unsere Herzen, um Frieden zu stiften. Er ist der Friedefürst. Und er will uns versöhnen. Ich habe mich in diesem Jahr mit der Kirche versöhnt. Und  nicht nur deshalb habe ich das Gefühl, dass ich gut auf die Ankunft des Gottessohnes vorbereitet bin. Denn ich habe versucht, auch andernorts Versöhnung zu suchen. Sei es mit manch einem Freund, mit dem schon seit längerem Stillschweigen herrschte. Mit manch einer Entscheidung, die ich getroffen habe, mit der ich im nachhinein aber nicht zufrieden war.

Oder auch mit meinem Leben ganz allgemein. Neue Gelassenheit zu finden, das täte uns auch in den Adventswochen gut. Innerlich brodelnde Konflikte aufzutun und sie zu lösen, zumindest es zu versuchen. Nein, das kann nicht sofort gelingen. Und Jesus nimmt es uns auch nicht übel, wenn wir eben noch nicht völlig frei sind bei seiner Ankunft. Wenn wir noch nicht fertig sind, unser Chaos entwirrt zu haben.

„Sein Szepter ist Barmherzigkeit“, so schreibt es Weissel in der 2. Strophe. Gott ist nachsichtig mit uns, doch er lädt uns ein, die Adventszeit auch dafür zu nutzen, unser Seelenheil zu finden. Endlich einen Schlussstrich zu ziehen unter manch eine Vergangenheit.

All das kann nur funktionieren, wenn wir gleichzeitig auch unsere Geste des Vergebens üben. Sich Zeit nehmen, um nachzudenken, wo vielleicht ein zwischenmenschlicher Kontakt noch gekittet werden kann.

Wenn wir die Vorbereitung auf die Ankunft Jesu dafür verwenden, Versöhnung zu leben, dann können wir ganz gewiss sein, dass alles bereitet ist. Setzen wir Zeichen des Friedens in unserem eigenen, kleinen Kreis, damit Friede werde hier auf Erden. Ich fühle mich erleichtert, dass ich 2017 einen solchen Schritt getan habe. Und nein, ich bin noch lange nicht am Ziel. 

Immer wieder bringt Christus diese Ermutigung mit sich: Vergebt einander, wie auch er vergeben hat! Diese Worte sollen uns begleiten – ob im Advent oder dann, wenn die Tannen schon wieder auf der Straße landen.

Gelegenheit für Liebe ist jederzeit. Vertrauen wir darauf, dass Gott sie uns schenkt.

Unser evang. Gast-Autor Dennis Riehle wohnt in Konstanz und hat folgende Homepage: http://www.Dennis-Riehle.de

 


Regensburg: Bischof Voderholzer übt Kritik an Neu-Formulierung der Vaterunser-Bitte

Schweizer Bischöfe haben Vaterunser-Bitte neu gefaßt

Die katholischen Bischöfe in der französischsprachigen Schweiz haben die bekannte Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ für den liturgischen Gebrauch neu formuliert. Zukünftig heißt es: „Ne nous laisse pas entrer en tentation“, also auf deutsch: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“

Der Regensburger Oberhirte Dr. Rudolf Voderholzer äußert sich kritisch über diesbezügliche Neufassungen.

Schließlich sei die überlieferte Vaterunser-Bitte so bei Matthäus und Lukas überliefert; es könne nicht darum gehen, Christus gleichsam zu korrigieren, erklärt der Bischof; vielmehr sei es angesagt, diese Worte im Lichte der biblischen Botschaft zu erläutern.

Dabei solle auch die Lehre von der Erbsünde und von der menschlichen Anfälligkeit und Erlösungsbedürftigkeit bedacht werden.

Dr. Voderholzer (siehe Foto) verweist zu diesem Thema auf seine Predigt zum 1. Fastensonntag 2015, als es u.a. auch um die Versuchung Jesu in der Wüste ging.

Wir dokumentieren diese Predigt des Bischofs vom 22. Februar 2015:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Als Bischof werde ich immer wieder einmal auf die 6. Vater-Unser-Bitte angesprochen: „Vater, … und führe uns nicht in Versuchung“.

Viele Mitchristen tun sich schwer beim Gedanken, der bei dieser Bitte ja scheinbar vorausgesetzt ist, Gott der Vater könne uns Menschen in Versuchung führen, Gott könne ein Interesse daran haben, uns aufs Glatteis zu führen und uns straucheln zu sehen.

Regelmäßig kommt dann auch der Vorschlag, die Formulierung der Bitte abzuändern und zu sagen: „Führe uns in der Versuchung“ oder „führe uns durch die Versuchung“ oder ähnlich. Vielleicht sind ja auch unter Ihnen Mitchristen, die ähnlich denken und denen dieser Vorschlag aus dem Herzen spricht. 

Das Evangelium vom 1. Fastensonntag von der Versuchung Jesu nehme ich als Anlass, darüber einmal tiefer nachzudenken und die Frage zu beantworten.

Wer für eine Änderung der Vaterunser-Bitte im gerade beschriebenen Sinne eintritt, kann mit einem gewissen Recht den Jakobusbrief zu seinen Gunsten anführen, wo es im 13. Vers des 1. Kapitels heißt: „Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung ge-führt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selber niemand in Versuchung.“

Was hindert also daran, das Vaterunser umzuformulieren?

Uns hindert erst einmal die textliche Überlieferung. Sowohl in der Vaterunser-Fassung des Matthäus-Evangeliums (6,13) als auch in der Fassung des Lukas-Evangeliums (11,4), die sich an manchen Stellen durchaus unterscheiden, heißt es eindeutig und gleichlautend: kai mee eisenénkees hemas eis peirasmon. Und führe uns nicht in Versuchung.

Auch in den anderen Sprachen hält man sich treu an diese Überlieferung, im Englischen etwa, was mir durch die Reisen nach Indien und nach Südafrika in den letzten Wochen gegenwärtig besonders im Ohr ist: and lead us not into temptation (lateinisch: et ne nos inducas in tentationem).

Wenn wir anfangen würden, Jesus zu verbessern, zu sagen: Nein, Jesus, also so kannst du das nicht gesagt haben, wir wissen es besser und wir erlauben uns hier, dich zu korrigieren – dann bekommen wir bald eine ganz neue Bibel nach unseren menschlichen Vorstellungen. Die Bibel würde aufhören, Zeugnis von Gottes Offenbarung zu sein.

Die Änderung des Vaterunsertextes, so wie wir ihn gewohnt sind, scheidet aus, weil es die treue Übersetzung der Überlieferung des Jesus-Wortes ist.

Wir müssen versuchen, trotz der Schwierigkeiten, die sich unzweifelhaft mit dieser Aussage verbinden, Jesus richtig zu verstehen.

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist dabei – wie eigentlich immer im Neuen Testament, dass man den alttestamentlichen Hintergrund bedenkt.

Es ist mehr als einmal im Alten Testament bezeugt, dass die Versuchung oder Anfechtung im Glauben als etwas Positives gesehen wird insofern, als sie in den Vorgang des Reifens, des Erwachsenwerdens des Menschen hineingehören. Im Buch Tobit etwa heißt es gemäß einer Überlieferung in der griechischen Bibel: „Weil du bei Gott angenommen warst, war es notwendig, dass die Versuchung dich prüfe.“ – Und im Buch Jesus Sirach steht geschrieben: „Der nicht in Versuchung geführt wurde, weiß wenig“ (Sir 34,10a LXX).

Das sind Worte, deren Sinn man nachvollziehen kann, wenn man an die Reifung denkt, die einem selbst vielleicht eine bestandene Krankheit oder eine gut verarbeitete Verlusterfahrung im Leben gebracht haben. So gesehen kann man der Versuchung etwas Positives abgewinnen und sie vielleicht sogar als Teil göttlicher Pädagogik einordnen und es nicht von vorneherein für völlig ausgeschlossen halten, Gott könne einem diesen Weg der Reifung nicht zumuten.

Eine Lösung für unser Problem haben wir damit freilich noch nicht. Denn Jesus lehrt ja beten: Führe uns nicht in Versuchung!

Mir scheint, dass der Exeget Heinz Schürmann in seiner Vaterunser-Auslegung den richtigen Weg zum Verständnis weist. Er erinnert an alttestamentliche Gebetsworte wie etwa Ps 26,2, wo es heißt: „Erprobe mich, Herr, und durchforsche mich. Prüfe mich auf Herz und Nieren.“ D. h. so viel wie: „Führe mich, oh Herr, ja, führe mich ruhig in Versuchung! Du wirst sehen, ich halte stand, ich bleibe treu!“

Das ist Ausdruck großen Selbstvertrauens, großer Sicherheit. Und da sagt nun Jesus: Betet nicht so! Seid euch nicht so sicher! Denn Jesus sieht unsere Versuchlichkeit, un-sere Gefährdung durch die Versuchung weit gefährlicher und tiefer. „Wer im Geiste Jesu betet, hat nicht die geringste Zuversicht, in der Versuchung bestehen zu können; darum muss er so dringend bitten, dass er erst gar nicht in sie hineingeführt werde.“

Dem entspricht die Mahnung an die Jünger auf dem Ölberg am Karfreitag: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geführt werdet“ (Mk 14,38).Von dieser Situation her wird dann auch klar, was die „Versuchung“ eigentlich meint, nämlich: einen Angriff auf meinen Glauben und meine Hoffnung.

Wir müssen wahrscheinlich immer wieder auch unsere Vorstellung von der „Versuchung“ überprüfen und am Ernst des Evangeliums messen. Gerade im Reden von der „Versuchung“ gibt es viel Unernst und Oberflächlichkeit – wenn ich nur an die Werbung denke für die Schokoladen-Marke, die gerühmt wird als „die ‚zarteste Versuchung‘, seit es Schokolade gibt.“

Liebe Schwestern und Brüder: Alle Versuche, in der Fastenzeit Verzicht zu üben, in Ehren. Aber das Thema „Versuchung“ in erster Linie mit Süßigkeiten in Verbindung zu bringen, entspricht nicht dem Ernst der biblischen Botschaft.

Die Versuchung, um deren Ausbleiben Jesus die Jünger zu beten lehrt, ist zunächst einmal die Verunsicherung im Glauben durch das Kreuz Jesu, seine Verhaftung und seinen schmählichen Tod!

Versuchung hat mit Glauben und Hoffnung zu tun. Versuchung, das ist Not, das ist Krankheit, das ist Hunger, das ist Einsamkeit, das ist Todesangst.

Versuchung, das ist die Not, die mich nicht mehr beten lehrt, sondern die mich an Gott irrewerden lässt und fluchen lehrt. Das Sprichwort: Not lehrt beten, ist ja nur die halbe Wahrheit. Die Erfahrung zeigt doch auch: Not lehrt fluchen. Versuchung ist diese Not, die einen fluchen lehrt.

In der Versuchung im wahren und ursprünglichen biblischen Sinn des Wortes sind derzeit unsere Mitchristen in Ägypten, denen die grausamen IS-Milizen im Nachbarland Libyen vor Augen führten, welche Konsequenzen allein schon die Tatsache des Christseins hat. 21 Männer wurden grausam enthauptet.

In einer solchen Situation treu zu bleiben, nicht unsicher und wankend im Glauben an Jesus Christus zu werden, das ist eine schier übermenschliche Herausforderung. Dass sie nicht unsicher werden und fallen, dafür müssen wir beten für die Kopten – ganz abgesehen von der Empörung, die durch die ganze christliche Welt gehen muss.

In der Versuchung sind vor allem die Opfer der Hinrichtung selbst auf ihrem Weg zum Strand, geführt von den Henkern mit den Messern im Gewand. Nicht zu verbittern, nicht zu fluchen, sondern für die Henker zu beten … das hieße, in der Versuchung standzuhalten. Wie schwer muss das sein!?

Vater, … führe uns nicht in Versuchung. Wenn wir dieses Wort Jesu, uns geschenkt im Vaterunser, einordnen in das Gesamt der biblischen Überlieferung, dann können wir sagen:
Gott kann die Versuchung zulassen, aber es ist der Böse selbst, der uns in ihr begegnet. Die Bitte unterstellt Gott nicht die Gemeinheit, uns aktiv böse zu wollen, sondern sie erinnert uns an die eigene Gefährdung, an die Versuchlichkeit im Glauben, sie warnt uns vor Selbstsicherheit und Überheblichkeit, und sie lehrt uns so gesehen auch, das große Geschenk wertzuschätzen, das darin besteht, wirklich glauben zu können und von Verunsicherungen im Glauben verschont zu sein.

„Der Beter des Unservater ist kein Überfrommer, kein Superstar der Frömmigkeit; er bittet Gott nicht um Gelegenheit zur Bewährung seines Glaubens, sondern bittet ihn, ihn nicht auf die Probe zu stellen.“

BILD: Bischof Voderholzer betet am Altar bei einer Firmung im Regensburger Dom

Das heutige Evangelium von der Versuchung Jesu zeigt uns: Jesus weiß, wovon er spricht, wenn er uns beten lehrt: „Vater, führe uns nicht in Versuchung.“ Er hat, vom Geist in die Wüste geführt, die Urversuchungen des Menschen bestanden: Physische Not, Vermessenheit Gott gegenüber und schließlich die Vergötzung der Welt und ihrer Macht.

Die Versuchungen Jesu durchziehen freilich sein ganzes irdisches Wirken. Wenn Petrus ihn beispielsweise davon abhalten will, den Weg des Kreuzes zu gehen, muss er sich anhören: Hinter mich, Satan, du willst nicht was Gott will …

So ist für Jesus die große Versuchung auch noch einmal sein Leiden, wie es der Hebräerbrief sagt: „Darum musste er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hoherpriester vor Gott zu sein und die Sünden des Volkes zu sühnen. Denn da er selbst in Versuchung geführt wurde und gelitten hat, kann er denen helfen, die in Versuchung geführt werden.“ (Hebr 2,17)  Und: „Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat.“ (Hebr 4,15)

Liebe Schwestern und Brüder des geweihten Lebens,

das Thema der Versuchung, der Anfechtung im Glauben ist ein Thema, das jeden Getauften Christen, der seinen Glauben ernst nimmt, immer wieder beschäftigen wird. Die Glaubenserfahrung der Kirche weiß darüber hinaus, dass der Weg in die besondere Nachfolge auch in besonderer Weise seine Prüfungen kennt.

So könnten die Überlegungen zur Vaterunser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ Trost sein und Ansporn zugleich: Trost, weil der Herr um unsere Schwäche weiß und dass wir uns mit ihm verbinden können, wenn die Prüfungen uns an die Grenzen des Erträglichen führen; Ansporn, dankbar zu sein für den Glauben, dankbar vor allem, wenn wir sagen können, dass uns Prüfungen im Leben haben reifen lassen, wie wir in der Reflexion auf unseren Lebensweg vielleicht erkennen können.

Aufforderung freilich auch, uns mit allen Mitchristen, die in schwerer Versuchung sind, im Gebet zu vereinen; seien es die ägyptischen Christen, die Kranken und die Kinder und alle, mit denen Sie auf unterschiedliche Weise beruflich zu tun haben.

Der Herr hat stellvertretend für uns alle Versuchungen bestanden. Bitten wir ihn zum Beginn dieser österlichen Bußzeit, dass er uns in diesen 40 Tagen neu die Schönheit und das Glück des Glaubens und des Glaubenkönnens aufgehen lässt und dass wir uns, nach seinem Beispiel, durch Fasten, Gebet und Werke der Nächstenliebe in diesem Glauben stärken lassen, auf dass wir ihn in der Osternacht – in Erinnerung unserer Taufe – neu und froh bekennen können, Amen.