Der hl. Paulus über die Gefahr, sich nach göttlichen Offenbarungen zu „überheben“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 2 Kor 12,7-10.

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.

Dreimal habe ich den HERRN angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.

ER aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. – Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.

Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.


Als Gläubige sind wir „Mitbürger der Heiligen“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Eph 2,19-22:

Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.

Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlußstein ist Christus selbst.
Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im HERRN.
Durch ihn werdet auch ihr im Geiste zu einer Wohnung Gottes erbaut.

.


Kritische Anmerkungen zum Charismatismus

Von Pater Dr. Martin Lugmayr

Im Hinblick auf das diesjährige Pfingstfestival in Salzburg sagte Georg Mayr-Melnhof, der Gründer der Loretto-Gemeinschaft, dass die eingeladenen 470 Leiter zur Vorbereitung das Buch „Wahre Geschichten und Wunder der Azusa Street“ lesen sollten.

Gegen Ende des Interviews betont er, „dass sich viele danach sehnen, dass Gott das, was er bei Azusa tat, jetzt wieder tut“ (DT vom 20. Mai 2021, S.15).

Was geschah damals im Jahre 1906?

Der Prediger William J. Seymour wollte in Los Angeles in kleinen Treffen, die in der Azusa-Street stattfanden, ganz neu sich dem Wirken des Geistes öffnen. Auf diesen Weg brachte ihn sein Lehrer Charles Fox Parham, der in der amerikanischen Heiligungsbewegung tätig war.

Folgende Ereignisse werden aus der Azusa-Street berichtet:

Menschen beteten laut chaotisch und ungeordnet, sprangen im Raum herum, fingen krampfhaft zu weinen oder zu lachen an, riefen unverständliche Laute aus, fielen wie ohnmächtig zu Boden.

Heute würde wohl niemand mehr davon berichten, wenn nicht Seymour am 14. April 1906 ein Zorngericht Gottes angekündigte hätte, das die Erde erbeben lassen würde. Tatsächlich erschütterte vier Tage später ein starkes Erdbeben die in der Nähe gelegene Stadt San Francisco: über 3000 Menschen starben, mehr als die Hälfte der Einwohner (etwa 225.000 von 400.000) wurden obdachlos.

Wegen dieses Zusammentreffens strömten jetzt viele Menschen in die Azusa-Street, ließen sich ganz auf die dortigen Vorgänge ein, die sie als vom Heiligen Geist bewirkt ansahen.

Im selben Jahr wurde eine Zeitschrift namens „Apostolic Faith“ (Apostolischer Glaube) mit einer Erstauflage von 5000 Exemplaren gegründet, ein halbes Jahr später waren es bereits 40.000, die in den USA und weltweit verbreitet wurden.

Die erste Nummer, die im September 1906 erschien, hatte den Titel: „Pentecost Has Come!“ (Pfingsten ist gekommen!). Als die Praktiken von Azusa 1907 auch nach Deutschland importiert wurden, führte dies zu großen Spannungen innerhalb der pietistischen „Gemeinschaftsbewegung“.

Zur Berliner Erklärung von 1909

Zur Spaltung kam es am 15. September 1909 mit der „Berliner Erklärung“, in der sich 56 Leiter von der neuen Bewegung distanzierten:

„Die sogenannte Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten; sie hat viele Erscheinun­gen mit dem Spiritismus gemein. (…) Der Geist in dieser Bewegung bringt geistige und körperliche Machtwirkungen hervor; dennoch ist es ein falscher Geist. Er hat sich als ein solcher entlarvt.

Die hässlichen Erscheinungen, wie Hinstür­zen, Gesichtszuckungen, Zittern, Schreien, widerliches, lautes Lachen usw. treten auch diesmal in Versammlungen auf. Wir lassen dahingestellt, wie viel davon dämonisch, wieviel hysterisch oder seelisch ist – gottgewirkt sind solche Erscheinungen nicht. (…)

Wir glauben, dass es nur ein Pfingsten gegeben hat, Apostelgeschichte 2. Wir glauben an den Heili­gen Geist, welcher in der Gemeinde Jesu bleiben wird in Ewigkeit, vgl. Joh. 14, 16. Wir sind dar­über klar, dass die Gemeinde Gottes immer wieder erneute Gnadenheimsuchungen des Heiligen Geistes erhalten hat und bedarf. Jedem einzelnen Gläubigen gilt die Mahnung des Apostels: „Wer­det voll Geistes!“ (Epheser 5,18).

Der Weg dazu ist und bleibt völlige Gemeinschaft mit dem gekreu­zigten, auferstandenen und erhöhten Herrn. In Ihm wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig, aus der wir nehmen Gnade um Gnade. Wir erwarten nicht ein neues Pfingsten; wir warten auf den wieder­kommenden Herrn“.

Dieser Text, nur drei Jahre nach den Ereignissen von Los Angeles verfasst, hat nichts an Aktualität verloren.

Übrigens kam es auch in der Azusa-Street selbst bald zu Auseinandersetzungen und Spaltungen. Es entstanden unzählige Gemeinschaften, die weder theologisch noch in der Praxis eins sind.

Zu den Phänomenen von Toronto

In den 1990iger Jahren begannen in Toronto ähnliche Phänomene, die in Form des „Toron­to-Segens“ in die Welt hinausgetragen wurden. Zu den Vorfällen der Azusa-Street kamen noch hinzu das Ausstoßen tieri­scher Laute wie Brüllen, Knurren und Wolfsgeheul, krampfartiges Zucken und Zittern am ganzen Leib, schnelles Hin- und Herbewegen des Kopfes, Umfallen (gedeutet als „Ruhen im Geist“) und ein der Trunkenheit ähnlicher, tranceartiger Bewusstseinszustand.

Auch diese Vorkommnisse wurden unmittelbar mit dem Heiligen Geist in Verbindung gebracht und als Vorboten von großen Wundern gedeutet, in deren Folge viele Men­schen zum Glauben kommen würden.

Noch ein weiteres Zeichen des Pentekostalismus soll erwähnt werden, das ebenfalls direkt dem Wirken des Heiligen Geistes zugeschrieben wird, nämlich Wohlstand innerhalb einer Vision des Sieges bereits im Diesseits.

Solche Gruppierungen heißen z.B. „Victory Bible Church‟, „Jesus Breakthrough Assembly‟ oder „Tri­umphant Christian Centre‟. In den Versammlungen werden Themen behandelt wie „Ein Leben im Über­fluss‟ oder „Der Schritt zur Größe‟.

In Nigeria wurde von David Oyedepo im Jahre 1983 die „Winner’s Chapel“ gegründet. 2013 hatte diese bereits  6.000 Ableger in Nigeria, 700 in anderen afrikanischen Län­dern und 30 in Europa. Die Mutterkirche am Stadtrand von Lagos hat über 54.000 Sitzplätze. David Oyedepo soll ein Vermögen von über 150 Millionen US-Dollar besitzen.

Sein Rezept zum Erfolg: Die Abführung des Zehnten und Ga­ben an Gott (letztendlich an seinen Vertreter Oyedepo). Und so wie er Erfolg hat, werden auch seine Anhänger erfolgreich sein. Seine Aussprüche gelten als „prophetische und göttli­che Aussprü­che“.

Was geschah an Pfingsten wirklich?

Führen sich alle diese Bewegungen zu Recht auf Pfingsten zurück? Was geschah eigentlich zu Pfingsten? Welche Gaben (Charismen) sind in der Heiligen Schrift bezeugt? Wie werden sie beurteilt?

In der Apostelgeschichte lesen wir:

„Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“ (Apg 2,4). Das Zeichen waren eben nicht unverständliche Laute, Geschrei u.ä., sondern echte Sprachen. Daher sagten auch die Menschen: „Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören“ (Apg 2,8) und der Inhalt waren die Großtaten Gottes, sein Heilswirken (Apg 2,11). Kurz: verständliche Sprachen, verständlicher Inhalt.

Nun erwähnt der hl. Paulus im 1.Korintherbrief das davon völlig verschiedene „Zungenreden“. Von einem Menschen, der dieses ausübt, sagt Paulus: „Keiner versteht ihn“ (1 Kor 14,2) – also ganz anders als zu Pfingsten! Paulus vergleicht das „Zungenreden“ mit dem Spielen unklarer Töne, um dann die Korinther direkt anzusprechen: „So ist es auch mit euch, wenn ihr in Zungen redet, aber kein verständliches Wort hervorbringt. Wer soll dann das Gesprochene verstehen? Ihr redet nur in den Wind“ (1 Kor 14,9).

„Wenn also die ganze Gemeinde sich versammelt und alle in Zungen reden und es kommen Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie dann nicht sagen: Ihr seid verrückt?“ (1 Kor 14,23).

Aus diesem Grund erlaubt Paulus bei Zusammenkünften nur das Zungenreden mit Übersetzung – und es dürfen nur zwei Personen sein, höchstens drei (vgl. 1 Kor 14,27). Paulus greift also mit Autorität ein, ebenso bei den prophetisch Begabten (vgl. 1 Kor 14,29).

Er erwartet, dass diese Menschen sich an seine Anweisungen halten, also nicht sich vor anderen hervortun und sagen: „Ich bin prophetisch begabt, also lasst mich reden“. Das weist Paulus ausdrücklich mit der Begründung zurück: „Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens“ (1 Kor 14,33).

Ganz eindeutig darf in den Versammlungen der Christen nicht etwas Unverständliches wie das „Zungenreden“ sich verselbständigen, das übrigens von Paulus in 1 Kor 12 wie auch in Röm 12 als letzte der Gaben genannt wird (zusammen mit dem Übersetzen). In allen anderen Briefen wird es überhaupt nicht erwähnt.

Jedenfalls ist in der Heiligen Schrift „im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist nirgends die Rede von massenweisem Umfallen, tierischen Lauten, Schreien, Gelächter und Verlust der Selbstkontrolle“ (Andrea Strübind).

Vom Geist der Besonnenheit

Der letzte Punkt ist sehr wichtig. Die Heilige Schrift bezeugt in 2 Tim 1,7, dass der von Gott geschenkte Geist ein „Geist der Besonnenheit und Selbstbeherrschung“ ist. Von daher fällt auf, dass Paulus mehrere Gaben erwähnt, die mit dem Verstand in Beziehung stehen, nämlich die Gaben „Weisheit mitzuteilen“, „Erkenntnis zu vermitteln“, „die Geister zu unterscheiden“ (1 Kor 12).

Und es gilt von diesen wie anderen Gaben (wie der Krankenheilung, der Glaubenskraft): Jedem wir sie „geschenkt, damit sie anderen nützt“ (1 Kor 12,7). Alles soll dem Aufbau der Kirche dienen, die der Leib Christi ist (vgl. Röm 12,4-8).

Und Paulus will den Gläubigen noch einen Weg über alle Gaben hinaus zeigen:

„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib opferte, um mich zu rühmen, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts“ (1 Kor 13,1-3).

Für jeden ist letztlich entscheidend, ob er die Liebe hat. Von dieser gilt:

„Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand“ (1 Kor 13, 4-7).

Die Liebe ist das Entscheidende, weil der Heilige Geist selbst die Liebe in Person ist, die in der Trinität den Vater und den Sohn verbindet.

In der Kirche, dem Leib Christi, schenkt der Heilige Geist grundlegende Gaben, damit jeder sich mit der Heilswirken Christi verbinden und je mehr eine Antwort der Liebe geben kann:

Das Leben der Gnade, welches vom hl.Thomas von Aquin als „Gegenwart des Heiligen Geistes“ bezeichnet wird; Glaube, Hoffnung, Liebe; vertrauensvolles Gebet; Christusbegegnung in den Sakramenten; die Ämter der Kirche, welche die Einheit im Glauben, in den Sakramenten und in der kirchlichen Gemeinschaft sicherstellen.

Der Heilige Geist führt nie zu einer Geist-Kirche, sondern er führt zu Christus und seiner Kirche, die auf dem Fundament der Apostel, besonders auf dem Fundament des Petrus ruht (vgl. Mt 16,18; 18,18). Und diese Kirche wurde zu Pfingsten den Menschen offenbar.


Priesterweihe in Regensburg: Statt Machtworte verleiht Christus Worte in Vollmacht

Am Samstagvormittag (25. Juni) hat Bischof Rudolf Voderholzer im Regensburger Dom St. Peter acht Diakone zu Priestern geweiht. Diese Feier war der Höhepunkt der Wolfgangswoche 2021. Der Bischof sagte: „Der HERR hat seiner Kirche acht Neupriester geschenkt, wir danken ihm für diese Berufungen.“

Er verwies auf die vielen stillen Gläubigen, die Gott um Berufungen baten und dies auch weiter tun. Der HERR selbst mache die Männer in der Priesterweihe zu vollmächtigen Kündern des Wortes und Spendern der Sakramente. 5 Kandidaten wurden für die Diözese geweiht, 2 Kandidaten gehören zu den Augustiner-Chorherren von Windesheim in Paring und 1 Kandidat zum Oratorium in Aufhausen.

Zu Beginn hatte Regens Msgr. Martin Priller die acht Kandidaten bei ihrem Namen aufgerufen und den Bischof um die Erteilung der Weihe gebeten, nachdem er die Würdigkeit der Kandidaten bezeugt hatte. Auch die Gemeinde bekundete ihre Zustimmung.

Die Weihe erfolgte nach der Anrufung des Heiligen Geistes durch die Handauflegung des Bischofs und das Weihegebet. Die anwesenden Priester breiteten wegen der Corona-Einschränkungen die Hände über den Kandidaten aus (statt sie – wie sonst üblich – ihrerseits aufzulegen). Durch diesen Ritus wird die Aufnahme in die Gemeinschaft der Priester verdeutlicht.

Dann kam es zum Anlegen der priesterlichen Gewänder und zur Salbung der Hände sowie zur Überreichung von Brot und Wein durch den Bischof.

Mit den Neupriestern feierte Bischof Voderholzer die Eucharistie. Als Danksagung wurde das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ angestimmt. Im Segen der Neupriester sprachen sie den Gläubigen Gottes Nähe zu. Der Gottesdienst endete mit dem Gruß an die Gottesmutter Maria: „Segne du, Maria“.

„Synodaler Weg“ spricht viel von Macht

In seiner Predigt zuvor ging Bischof Voderholzer auf den „Synodalen Weg“ ein: „Es ist viel die Rede von Macht.“ Dies erscheine ihm jedoch oft als eine irrationale Debatte.

An die Kandidaten gewandt, erklärte Dr. Voderholzer vielmehr, sie hätten dies vermutlich längst erlebt: „Eure Ohnmacht bei der Weitergabe des Glaubens.

Sie sei nicht durch ein Machtwort zu erzielen, sondern durch Worte des Bekennens und der Glaubenserfahrung. Nämlich seien dies gar nicht „Eure Worte, sondern Worte, die ihr in Vollmacht sprechen dürft“. Es gehe nicht um menschliche Machworte, sondern „um Euch anvertraute Worte“.

Von Herzen froh stellte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Ende des Pontifikalamtes fest: „Es ist schon fast wieder wie früher.“ Erfreut gratulierte er gleich zweien der Neupriester, die an diesem 26. Juni ihren Geburtstag begingen.

Text: Bistum Regensburg – Fotos: altrofoto


Offener Brief an Jesuitenpatres in Berlin

Von Lucia Tentrop

Sehr geehrte Herren Jesuiten,
kürzlich war ich in Ihrer Abendmesse und habe das Evangelium von dem Sämann nach Mk 4,26-34 gehört. Es ging darin um „eine Person„, die Samen aussät.

Dann legt sich diese „Person“ schlafen, am nächsten Morgen steht die „Person“ wieder auf, und der Samen keimt und wächst – und „die Person“ weiß nicht wie… usw.

Dieses ständige Hören von einer „Person“ klang so befremdend künstlich, dass ich, obwohl mir das Evangelium eigentlich bekannt ist, nicht wusste, was ich mir innerlich beim Säen vorstellen sollte. Ich dachte an einen Großstädter, der auf seinem Balkon irgendetwas sät oder einen Professor, der seine Petersilie gießt u.v.a. 

Mich hat das mit der ständigen Person auch in Ihrer anschließenden Predigt so irritiert, dass ich das Evangelium zu Hause nachgeschlagen habe:
Erst da kam das urtümliche Bild des Sämanns wieder in mir hoch. Ein wunderbares Bild, elementar und alles andere als größstädtisch. Ein handfester Bauer, ein durch und durch geerdeter Mensch, der in  weitem Bogen großzügig sein Korn auswirft, etwa so wie der Sämann des Malers van Gogh.

Ein Urbild der Menschheit.
 
In der Kunst und auch bei Jesus ist der Sämann ganz eindeutig ein Mann. Warum darf das nicht sein? Warum ändert man dieses kraftvolle Urbild zugunsten einer undefinierbaren, ja, armseligen Szene, die im Hörer nur ein steriles Lebensgefühl erzeugt?

Ich weiß, dass man seit Brecht häufiger gezielt Texte verfremdet, damit man sich eines Wesentlichen, das durch Gewöhnung verblasst ist, durch den Widerstand der Verfremdung hindurch neu bewusst wird. Aber das war in dieser Predigt nicht der Fall: Die undefinierbare Person führte von dem kraftvollen Urbild Jesu bzw. des Sämanns weg.    

Wofür ist das gut? Warum darf im Evangelium Jesu nicht von einem Mann die Rede sein? Was stört Sie daran?

Mit freundlichen Grüßen
Lucia Tentrop

Unsere Autorin Lucia Tentrop ist katholische Theologin, Musikerin, Malerin und Pädagogin; sie lebt in Berlin; hier ihre Homepage: www.lucia-tentrop.de


Israel: Offener Brief eines judenchristlichen Gemeindeleiters an Ministerpräsident Orban

Von Klaus Moshe Pülz

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Orban,

mit großem Bedauern erfahre ich aus den deutschen Medien und seitens der Frau von der Leyen in ihrer Funktion als EU-Kommissionspräsidentin, wie Sie im Zusammenhang mit der Regenbogen-Debatte in einer Weise attackiert werden, als würden Sie gegen die Menschenrechte verstoßen, weil Sie zurecht die Propagierung homosexueller Praktiken strikt ablehnen.

Ich erlaube mir, Ihnen meinen kritischen Beitrag über die „Ehe für alle“ aus dem „Deutschen Katholischen Sonntagblatt“ zur Kenntnis zu geben.

Es ist eine Schande und Ungeheuerlichkeit, das Symbol des Regenbogens als einem Zeichen des Friedens zwischen Gott und dem Menschen dazu zu mißbrauchen, die schwere Sünde der praktizierten Homosexualität als angebliches „Menschenrecht“ über das Gotteswort zu stellen.

In meinem Beitrag im „Deutschen Katholischen Sonntagblatt“ führte ich all  jene Bibel-Passagen auf, die sich eindeutig gegen homosexuelle Handlungen aussprechen.

Aus diesem Grunde teilen wir israelische Judenchristen die Auffassung des Apostels Paulus und die des amtierenden Papstes Franziskus.

Unser Heiland Jesus Christus vergleicht in Lukas 17,25 ff. die Zeit vor seiner Wiederkunft mit den „Tagen Noahs und Lots samt all der sittlichen Verworfenheit, wie sie bereits zu Lebzeiten von Noah und Lot herrschte. In dieser Glaubensgewißheit sage ich all jenen Personen, die mutwillig sündigen oder zur Sünde aufrufen, voraus, daß sie keinen Anteil am ewigen Leben haben werden.

Mein Vater Erich Pülz in seiner Funktion als Chefarchitekt der MAN-Werke ist übrigens der Baumeister des Olympiastadions in München und würde sich über die derzeitige öffentliche Kontroverse sehr wundern.

Klaus Mosche Pülz,
Buchautor, Theologe, Vorsitzender des deutschen ZeLeM-Verein e.V. und der „Messianischen Bekenntnisgemeinschaft“ in Israel


Was der hl. Paulus dem Prokurator verkündet: Gottes Gebote und das Heil in Christus

Von Prof. Dr. Georg May

„Für dies­mal kannst du gehen; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wie­der rufen las­sen.“ – Das sind Worte des römi­schen Pro­ku­ra­tors Felix zu dem Apos­tel Pau­lus. Der Pro­ku­ra­tor traf mit Pau­lus in Cäsarea am Meer zusam­men. Wie kam es zu der Begeg­nung?

Im Jahre 57 oder 58 reiste Pau­lus über Troas, Korinth, Milet nach Jeru­sa­lem, um den dor­ti­gen Chris­ten eine rei­che Geld­spende aus mehr als ein­jäh­ri­ger Wer­be­ar­beit per­sön­lich zu über­brin­gen. Dort ent­fes­sel­ten seine Feinde einen Kra­wall gegen ihn; er wurde in römi­sche Schutz­haft genom­men, dann zu grö­ße­rer Sicher­heit nach Cäsarea am Meer, dem Sitz des Pro­ku­ra­tors Felix, über­führt.

Dort wurde er zwei Jahre (57 – 59 oder 58 – 60 n. Chr.) in Haft gehal­ten. Anto­nius Felix war von 52 (oder 53) bis 60 (oder 61) Pro­ku­ra­tor von Judäa. Er war ein Frei­ge­las­se­ner des kai­ser­li­chen Hau­ses.

Felix war drei­mal ver­hei­ra­tet. Alle drei Gemah­lin­nen stamm­ten aus könig­li­chem Geschlecht. Die dritte Frau war die jüdi­sche Prin­zes­sin Dru­silla (geb. 38), die Toch­ter Agrip­pas I. und Schwes­ter Agrip­pas II.

Sie war zuerst mit Azi­zus, dem König von Emesa (heute Homs in Syrien), ver­hei­ra­tet. Bald nach ihrer Ver­hei­ra­tung sah Felix die schöne Köni­gin und wusste sie (mit Hilfe eines Magiers aus Cypern) ihrem Gemahl abspens­tig zu machen und für sich zu gewin­nen.

Der Pro­ku­ra­tor Felix fand Gefal­len an Pau­lus, sei­nem Gefan­ge­nen, und führte gern Gesprä­che mit ihm. Eines Tages lässt er den gefan­ge­nen Apos­tel zu sich kom­men, um sich von ihm eine ein­ge­hende Beleh­rung über den Glau­ben an Jesus als den Mes­sias geben zu las­sen.

Den Anlass dazu wird seine Gemah­lin Dru­silla gege­ben haben. Als Jüdin war sie an die­sen Fra­gen beson­ders inter­es­siert. Sie wird das Ver­lan­gen gehabt haben, die­sen Wort­füh­rer des neuen Glau­bens ein­mal zu sehen und zu hören.

Das religiöse Umfeld in der urchristlichen Zeit

Wie war die reli­giöse und sitt­li­che Lage im Römi­schen Reich, im Mit­tel­meer­raum, als das Chris­ten­tum ent­stand?

Die Ant­wort kann nur lau­ten: sie war nicht güns­tig. Die alten polythe­is­ti­schen Volks­re­li­gio­nen und Staats­kulte waren zer­setzt und in wei­ten Krei­sen um ihren Kre­dit gekom­men. Unter den Gebil­de­ten war völ­li­ger Athe­is­mus nicht sel­ten.

Als eine Art Ersatz für den Göt­ter­glau­ben kam der Kai­ser­kult auf, die gött­li­che Ver­eh­rung des ver­stor­be­nen und bald auch des leben­den Kai­sers bzw. sei­nes Genius.

Die ori­en­ta­li­schen Reli­gio­nen und Mys­te­ri­en­kulte übten eine immer stär­kere Anzie­hungs­kraft auf die Mas­sen aus, so nament­lich der Kult der phry­gi­schen Magna Mater Kybele und des Attis, die ver­schie­de­nen syri­schen Baalim, die ägyp­ti­schen Gott­hei­ten Isis und Osi­ris, der per­si­sche Licht­gott Mithras.

Dane­ben blühte jede Art von reli­giö­sem Aber­glau­ben: Astro­lo­gie, Magie, Theur­gie (Göt­ter­be­ar­bei­tung) und Nekro­man­tie (Totenora­kel). Theur­gie bezeich­net den mani­pu­la­ti­ven Umgang mit Gott­hei­ten und den Ver­such ihrer Beein­flus­sung durch den Men­schen. Im Neu­pla­to­nis­mus meinte man gött­li­che Kräfte in ein (in Trance ver­setz­tes) Medium über­füh­ren zu kön­nen.

Nekro­man­tie bezeich­net das Totenora­kel, das durch direkte Beschwö­rung Ver­stor­be­ner, durch das Gebet an eine dem Toten über­ge­ord­nete Gott­heit oder durch den Tem­pel­schlaf auf Grä­bern gesucht wird.

Hand in Hand mit dem Ver­fall der Reli­gion ging, vor allem in den höhe­ren Schich­ten und in den grö­ße­ren Städ­ten, eine furcht­bare sitt­li­che Ver­wil­de­rung. Der Apos­tel Pau­lus zeich­net ihr düs­te­res Bild mit schar­fen Stri­chen (Röm 1,24-32).

Zu kei­ner Zeit war das Gefühl der Hilf­lo­sig­keit und das Bewusst­sein der all­ge­mei­nen Ver­derbt­heit ver­brei­te­ter und stär­ker als damals, da Chris­tus in die Welt trat. Fromme Hei­den rin­gen in schmerz­li­chem Seh­nen nach Erleuch­tung und Hilfe von oben. Sie erwar­ten eine Wel­ten­wende und Welt­er­neue­rung, einen geschicht­lich auf­tre­ten­den Hei­land und Ret­ter.

Im Mittelpunkt steht das Wort vom Kreuz

In die­ser schlim­men geis­ti­gen und sitt­li­chen Atmo­sphäre tra­fen der Apos­tel Pau­lus und der römi­sche Pro­ku­ra­tor auf­ein­an­der. Pau­lus wird bei die­sem Gespräch mit Felix das Evan­ge­lium von Chris­tus ver­kün­det haben. Im Mit­tel­punkt steht das Wort vom Kreuz, d.h. von dem einen und ein­zi­gen Heils­mitt­ler Jesus Chris­tus, dem sün­den­lo­sen himm­li­schen Got­tes­sohn, der Mensch gewor­den ist.

Des­sen am Fluch­holz ver­gos­se­nes Blut der gesam­ten sün­di­gen Mensch­heit prin­zi­pi­ell und objek­tiv Sühne für ihre Sün­den und damit die Ret­tung im End­ge­richt beschafft hat. Die­ses Heil bie­tet Gott allen, Hei­den und Juden, unter­schieds­los aus rei­ner, unver­dien­ter Gnade an, und jeder, Jude wie Heide, hat es sich ver­mit­tels des Glau­bens an Christi Per­son und Werk sub­jek­tiv anzu­eig­nen.

Dazu trat die Ver­kün­di­gung des christ­li­chen Sit­ten­ge­set­zes. Wir ken­nen die Ver­kün­di­gung des Pau­lus aus sei­nen Brie­fen:

„Was immer wahr, was ehr­wür­dig, was gerecht, was lau­ter, was irgend­eine Tugend und irgend­ein Lob ist, dar­auf seid bedacht“ (Phil 4,8). – „Gestal­tet euch nicht die­ser Welt­zeit gleich, son­dern wan­delt euch um durch Erneue­rung eures Geis­tes, dass ihr prüft, was der Wille Got­tes ist, das Gute, Wohl­ge­fäl­lige und Voll­kom­mene“ (Röm 12,2). „Seid allen Men­schen gegen­über auf Gutes bedacht“ (Röm 12,17). „Lasst uns, da wir Zeit haben, das Gute an allen tun (beson­ders aber an den Glau­bens­ge­nos­sen)“ (Gal 6,10).

Als trei­ben­den Fak­tor des neuen Lebens sieht Pau­lus den (gött­li­chen) Geist an, der, in der Taufe ver­lie­hen, nun selbst dazu drängt, die Werke des Flei­sches zu las­sen, die bösen Lei­den­schaf­ten und Begier­den zu töten und die Früchte des Geis­tes her­vor­zu­brin­gen (Gal 5,16-24; Röm 5,12ff.).

Durch Christus FREIsein für das Gute

Damit wird die Schwä­che des fleisch­li­chen Men­schen über­wun­den (Röm 8,3), die Tyran­nei der Sün­den­macht gebro­chen und die prak­ti­sche Unfrei­heit unter dem alten Gesetz besei­tigt (Röm 7,14-24). So gewinnt der Christ die wahre sitt­li­che Frei­heit (Röm 8,2; Gal 5,1, 13), die ein Frei­sein für das Gute, für den Dienst Got­tes (Röm 6,16ff.) bedeu­tet.

Pau­lus hat wie kein ande­rer den inne­ren Zusam­men­hang zwi­schen gna­den­haf­ter Erret­tung und sitt­li­cher Ver­pflich­tung gese­hen. Wir sind durch Chris­tus mit Gott ver­söhnt, sol­len uns aber auch mit Gott ver­söh­nen (2 Kor 5,18ff.). Unser alter Sün­den­mensch ist (in der Taufe) ver­nich­tet, mit Chris­tus mit­ge­kreu­zigt (Röm 6,6); wir sol­len ihn aber auch mit sei­nen Taten able­gen und den neuen anzie­hen (Eph 4,22ff.; Kol 3,9f.).

Wir leben im Geist, sol­len nun aber auch im Geist wan­deln (Gal 5,25). Damit ist der sitt­li­che Impe­ra­tiv aufs engste mit dem Indi­ka­tiv des Heils ver­knüpft. Sitt­li­ches Tun ist nicht ohne das gna­den­haft geschenkte Leben Got­tes mög­lich. Aber die­ses ist auch voll und ganz auf die ethi­sche Bewäh­rung hin­ge­ord­net.

So oder ähn­lich dürfte Pau­lus vor dem Pro­ku­ra­tor Felix bei sei­nen wie­der­hol­ten Gesprä­chen das Evan­ge­lium ver­kün­det haben.

Nach dem Zeug­nis der Apos­tel­ge­schichte sprach er von den sitt­li­chen For­de­run­gen des christ­li­chen Glau­bens, ins­be­son­dere von der Pflicht der Gerech­tig­keit und der Ent­halt­sam­keit (Keusch­heit) und betonte die ernste Wahr­heit des zukünf­ti­gen Gerich­tes, bei dem alles Böse seine Strafe und alles Gute sei­nen Lohn emp­fan­gen wird. Gerech­tig­keit bedeu­tet das Ver­hal­ten gemäß Got­tes Wil­len (Gen 15,6; Dt 6,25, 24,13; Is 1,27), da die Taten des Men­schen dem Urteil des gerech­ten Got­tes unter­ste­hen.

Der Gerechte ist der Mensch, der alle sitt­li­chen Pflich­ten erfüllt. Die Gerech­tig­keit for­dert auch die kor­rekte Bezie­hung der Men­schen unter­ein­an­der.

Pau­lus spricht zum Pro­ku­ra­tor Felix und sei­ner Frau Dru­silla auch von der Pflicht zur Ent­halt­sam­keit. Mit der Ent­halt­sam­keit ist an ers­ter Stelle der geord­nete, Got­tes Wil­len ent­spre­chende Gebrauch der Geschlecht­lich­keit gemeint. Es gibt eine vor­ehe­li­che und eine ehe­li­che Ent­halt­sam­keit. Keusch­heit und Ent­halt­sam­keit gehö­ren eng zusam­men. Die eine kann ohne die andere nicht beste­hen.

Keusch­heit ist das sitt­lich geord­nete Ver­hal­ten gegen­über der Geschlecht­lich­keit. „Kein Unzüch­ti­ger oder Unrei­ner… hat Erb­teil am Rei­che Christi und Got­tes“ (Eph 5,5), lehrt Pau­lus.

Das Gericht ist der Erntetag Gottes

Zur christ­li­chen und pau­li­ni­schen Ver­kün­di­gung gehört auch das Gericht Got­tes über die Men­schen. Das Gericht ist der Ern­te­tag Got­tes, an dem er Unkraut und Wei­zen schei­den wird, der Tag, an dem die Men­schen Rechen­schaft able­gen müs­sen von ihrem Tun und Las­sen. Jesus ist der wie­der­kom­mende Men­schen­sohn und Rich­ter.

Der von den Toten erweckte Herr ist von Gott zum Rich­ter des Erd­krei­ses bestimmt. Alle Men­schen müs­sen vor sei­nem Rich­ter­stuhl erschei­nen, um über ihre im Leben voll­brach­ten Taten Rechen­schaft abzu­le­gen und ihren Lohn zu emp­fan­gen (1 Kor 3,8), um zu ern­ten, was sie im Leben gesät haben (2 Kor 9,6; Gal 6,7-10; 1 Kor 10,1-13).

Um dem Gericht zu ent­ge­hen, ist Umkehr ver­langt zu dem allein ret­ten­den Glau­ben an Chris­tus. Die Zeit zwi­schen Ostern und Paru­sie ist die letzte Gna­den­frist zur Abson­de­rung der sich Bekeh­ren­den von der ver­stock­ten Welt. Im Schrei­ben an die Bewoh­ner von Salo­niki sprach Pau­lus von den Feu­er­flam­men des Gerich­tes, wenn der Herr Jesus denen die Strafe bringt, die Gott nicht ken­nen und sei­nem Evan­ge­lium nicht gehor­chen (2 Thess 1,7f.).

All das Erwähnte und vie­les andere wird Pau­lus dem Pro­ku­ra­tor Felix und sei­ner Frau Dru­silla vor­ge­tra­gen haben. Er war dafür bekannt, dass er die Wahr­heit scho­nungs­los vor­trug. Daher beginnt bei Felix das Gewis­sen sich zu regen. Auch der Dru­silla wird es bei die­sen Aus­füh­run­gen nicht ganz wohl gewe­sen sein. Darum bricht Felix die Unter­re­dung ab.

Diese Ver­kün­di­gung ist ihm unan­ge­nehm. Er gedenkt nicht, zu dis­ku­tie­ren, nein, er schnei­det dem Apos­tel das Wort ab. Er gerät in Angst und sagt: „Für dies­mal kannst du gehen; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wie­der rufen las­sen.“

Warum gerät der Pro­ku­ra­tor in Angst? Ver­mut­lich des­we­gen, weil ihm vor den hohen Wahr­hei­ten, die Pau­lus ver­kün­dete, und vor den erha­be­nen sitt­li­chen For­de­run­gen, die er dar­legte, das Grauen, das Unbe­ha­gen und der Schwin­del über­fällt. Er dachte und lebte anders, als es nach der Lehre des Pau­lus von Gott gebo­ten war.

Vor allem der Gedanke an das Gericht, das Pau­lus ankün­digte, mag Felix in Schre­cken ver­setzt haben. Davon mochte er nichts hören. Er wollte Ruhe haben. Darum brach er das Anhö­ren der christ­li­chen Lehre ab. Felix hatte ein gewis­ses Inter­esse am Chris­ten­tum. Er war viel­leicht von einem unbe­stimm­ten Wohl­wol­len für Pau­lus erfüllt. Aber zu einem wirk­li­chen Ver­ständ­nis für den reli­giös-sitt­li­chen Ernst der christ­li­chen Bot­schaft war er nicht fähig oder nicht gewillt.

„Für jetzt höre auf und gehe.“ – So spre­chen heute viele Men­schen, die ein Gläu­bi­ger an Gott, seine Macht und sein Gesetz erin­nert. Sie wol­len in ihrem Tun und Las­sen nicht gestört sein.

„Ich will Spaß haben“, sagte der Fuß­bal­ler Lothar Matt­häus, als er auf sei­nen Umgang mit der Ehe ange­spro­chen wurde. Dar­auf ist mit dem Buch von der Nach­folge Christi zu ant­wor­ten: „Siehe, zwei­fa­che Freude gibt es nicht für dich. Hier die törich­ten Freu­den der Welt töricht mit­ge­nie­ßen und dort mit Chris­tus herr­schen, siehe, das kannst du nicht.“

Prof. Dr. Georg May ist katholischer Priester, Theologe, Kirchenrechtler und Buchautor; er wurde von Papst Benedikt zum Apostolischen Protonotar ernannt. Seine fundierte, umfangreiche Predigtsammlung ist seit langem in unserer Linkliste auf der Startseite zu finden: https://http://www.glaubenswahrheit.org/


Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche: 2 Kor 5,6-10

Wir sind also immer zuversichtlich, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom HERRN in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind; denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende.

Weil wir aber zuversichtlich sind, ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern und daheim beim HERRN zu sein. Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind.

Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.

.


Christus kam nicht, um das jüdische Gesetz abzuschaffen, sondern um es zu erfüllen

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Mt 5,17-19.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.
Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

So hielt Christus auf dreifache Weise am Gesetz fest:

Erläuterung des Kirchenvaters Johannes Chrysostomus (345 – 407 n. Chr.) zu dieser Bibelstelle:

Wollt ihr wissen, wie Jesus Christus, weit davon entfernt das Gesetz und die Propheten aufzuheben, diese vielmehr bestätigt und ergänzt hat?

Die Propheten hat er erfüllt, indem er alles, was sie über ihn gesagt hatten, durch seine Taten bestätigte. Deshalb sagte der Evangelist auch jedes Mal: „Damit erfüllt würde das Wort des Propheten“ (Mt 5,17; Joh 19,28). […]

Das Gesetz hat der HERR nicht nur auf eine, sondern auf zwei und dreifache Weise erfüllt. Einmal dadurch, dass ER keinen einzigen Punkt des Gesetzes übertrat. Dass ER es nämlich in allem erfüllt, kannst du aus den Worten entnehmen, die er zu Johannes sprach: „So geziemt es uns, jegliche Gerechtigkeit zu erfüllen“ (Mt 3,15). Und zu den Juden sagte er: „Wer von euch kann mir eine Sünde vorwerfen?“ (Joh 8,46). […]

Die zweite aber ist die, dass er es auch durch uns erfüllen lässt. Das ist ja das Wunderbare an der Sache, dass er nicht nur selbst das Gesetz erfüllt, sondern es auch für uns erfüllte. Das offenbart uns auch der hl. Paulus mit den Worten: „Der Zweck des Gesetzes ist Christus, zur Rechtfertigung für jeden, der an ihn glaubt“ (Röm 10,4).

Und von der Sünde sagt der HERR, er „habe sie im Fleische gerichtet, damit die Rechtfertigung durch das Gesetz [in Christus] in uns erfüllt würde, wenn wir nicht nach dem Fleische leben“ (Röm 8,4); und ein anderes Mal sagt er: „Heben wir also das Gesetz durch den Glauben auf? Durchaus nicht! Im Gegenteil, wir bestätigen das Gesetz“ (Röm 3,31).

Der Zweck des Gesetzes war nämlich, den Menschen gerecht zu machen. Doch fehlte es ihm an der Kraft dazu. Da kam Christus selbst, führte die neue Art der Rechtfertigung durch den Glauben ein, und erfüllte so den Zweck des Gesetzes.

Was dieses durch die bloße Vorschrift nicht vermochte, das hat ER durch den Glauben bewirkt. Darum sagt ER: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzuheben.“ Wer aber genau zusehen will, wird noch eine dritte Art finden, wie ER das Gesetz erfüllte.

Und welches wäre diese? Die Art und Weise, wie ER sein neues Gesetz gab, das ER eben zu verkünden im Begriffe stand. Durch seine Worte hat ER nämlich das Frühere nicht aufgehoben, sondern nur bestätigt und erfüllt.


Jutta: Ich habe einst abgetrieben – leider!

Ich war in meinem jungen Leben, in dem die Abtreibung stattfand, eine Schauspielerin – richtig ausgebildete Schauspielerin und ich habe auch einige Engagements gehabt, konnte tatsächlich eine Zeit lang von dem Beruf leben, was nicht selbstverständlich ist.

Zur ganz großen Karriere, obwohl man mir die mehrmals prophezeit hat, kam es nie. Ich war schön, süß, auch begabt – sicher nicht brillant, hatte aber – so hieß es – das gewisse Etwas, das Geheimnisvolle.

Das haben mir vor allem die weiblichen Kollegen bestätigt – ganz wichtig, denn Männer sind sehr unzuverlässig in der Beurteilung von Frauen, da in dieser Branche – ebenso wie in der Musik – alles selber schuld ist, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist … und der Sinnenrausch erfasst einen … unterstützt durch Drogen und Alkohol.

Ich war süchtig nach Leben, aber sehr gehemmt – süchtig nach großen Erlebnissen, aber viel zu langweilig und normal und vernünftig, um in die völlig “abgefahrenen” Kreise aufgenommen zu werden. Ich hatte zu nichts eine wirkliche Beziehung. Ich war eine schöne, leblose Maske. Das ist die eine Hälfte.

Gleichzeitig war da natürlich, wie bei jedem Menschen, egal, ob Mann, Frau oder Kind … die Sehnsucht nach Liebe, nach Angenommensein. Nach einem Zuhause. Ich war auch sensibel, fürsorglich, feinfühlig, kontaktfreudig, neugierig, interessiert an Menschen, an Philosophie …

Ja, ich bin ohne Gott aufgewachsen. Aber meine Eltern sind für meine Entscheidung nicht mitverantwortlich zu machen. Wir hatten kein gutes Verhältnis. Aber meine Eltern sind seit über 60 Jahren verheiratet und dabei die größte Zeit glücklich. Sie nehmen einander bedingungslos an und sind gemeinsam durch alles durchgegangen. Es war ganz allein meine eigene Entscheidung damals … und wer weiß, hätte ich über meinen Schatten springen können….vielleicht hätte ich das Kind bekommen.

Allerdings war ich in keiner festen Beziehung, ich hatte, was man landläufig eine Affäre nennt, und eine zweite, parallel dazu, bahnte sich an. Denn ich wusste, dass aus der Liebelei, die ich hatte, das Kindes enstand, wie ich nach längerem Überlegen herausfand – und daß der Vater sich von seiner damaligen Freundin nicht trennen würde. Das hat er mir deutlich zu verstehen gegeben, als wir dieses Verhältnis begannen. Naja, Frauen denken dann oft: Ich schaff das schon, dass er sich ganz zu mir bekennt … und hoffen und hoffen …

Ich betrieb das, was die Bibel Hurerei und Unzucht nennt. Nicht wahllos … es gab auch lange Zeitabschnitte, in denen ich allein war und das auch gut aushalten konnte … aber ich hatte nie eine gesunde Sexualität, weil ich meiner Begierde und der des Mannes meist sofort nachgegeben habe.

Wobei es die Frau ist, die aussucht .. wenn es normal läuft und wenn sie das Signal gibt .. auf welch geheimnisvolle Weise das auch immer ablaufen mag, kommt der Stein ins Rollen. Auch das hat nur mit mir zu tun, mit meinen Neigungen, mit meiner eigenen Schwäche und nichts mit der Erziehung. Denn meine Eltern haben mir ja eine treue Ehe vorgelebt.

Als ich schwanger war, habe ich das die ersten zweieinhalb Monate gar nicht registriert. ich hatte kein gutes Verhältnis zu meinem Körper, und dass die Regel ausblieb,habe ich nicht so bewusst wahrgenommen, bis es mir dann doch merkwürdig vorkam.

Damals lebte ich in einer Einzimmerwohnung, hatte die Ausbildung abgeschlossen, war bei einer renommierten Schauspielagentur, die mich vermitteln sollte … und lebte von Arbeitslosenhilfe. Alle Bewerbungen und Versuche, an Arbeit zu kommen, waren bislang fruchtlos gewesen.

Meinen Liebhaber habe bei den ersten Dreharbeiten, die ich erlebte, kennengelernt – als Hauptrolle. Er hat nie erfahren, dass ich schwanger war.

Es gab dann noch eine hilfreiche Frau – heute würde ich behaupten wollen, dass GOTT mir damit einen Ausweg zeigen wollte, ich war aber zu verstört, um ihr zu vertrauen; sie traute mir auch etwas zu … sie hielt meine Begabung auch sprechtechnisch für entwicklungsfähig und sie hatte ein sehr feines Ohr – mir zu helfen. Ich solle das Kind bekommen und dann würden wir weitersehen.

Ich sehe uns noch in ihrer kleinen Küche sitzen, in ihrer Wohnung, die ziemlich überfüllt war – eine kultivierte, leise und doch etwas seltsame Frau. Ich wünschte heute, ich hätte diese Hilfe angenommen.

Es hätte einem Menschen das Leben gerettet und es hätte für mich bestimmt auch andere Arbeit gegeben als die der Schauspielerin, denn wirklich geeignet war ich ohnehin nicht – mir fehlte dieser “Killerinstinkt”, dieser unbedingte Ehrgeiz, es zu schaffen. Ohnehin liebte ich das Theater mehr und wollte mithelfen, die Welt zu verändern: Der Welt einen Spiegel vorhalten. Das Katharsiserlebnis.

Heute weiß ich, dass das niemals funktioniert und dass auch Brecht sich getäuscht hatte, als er sein episches Theater “erfand”, um die Welt und die Gesellschaft zu erziehen, zu verändern, aufzurütteln. Brecht ist damit gescheitert.

Ich wollte zwar mithelfen, die Welt zu verändern, bin aber selbst tragisch daran gescheitert, mein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen, und habe mich – nachdem ich aufgrund meines Unwohlseins und meiner Irritation endlich den Ganz zum Frauenarzt gewagt habe – fast ohne Gefühl, bzw. mit dem Gefühl der Hilflosigkeit, des Überfordertseins, des Ärgers – zur Abtreibung entschieden.

Ich musste mich schnell entscheiden – auch damit war ich überfordert, denn ich war schon in der 10. Woche – und Abtreibungen sind „nur“ bis zur 12. Woche erlaubt. Und wir hatten verhütet … zu der Zeit habe ich keine Pille genommen … aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten… Hätte ich noch etwas gewartet ….

Ich bin dann zum vorgeschriebenen Termin bei Pro Familia gewesen … konnte glaubhaft machen, dass ich mit dem Kindsvater keine Beziehung habe und auch keine will. Anstatt die Konsequenzen anzunehmen, war ich bereit, lieber zu töten, als zu riskieren, das Kind ohne Vater zu bekommen… und es wäre ja auch möglich gewesen, noch jemanden kennenzulernen …

Und dann ging alles ganz schnell … ich habe sofort einen Termin in der Klinik bekommen .. meine damalige Agentur und die Schauspiellehrerin haben mich “beglückwünscht”, dass ich eine “vernünftige“ Entscheidung getroffen habe. Ich war wie gefühllos. Weder Erleichterung noch Trauer. Schmerzen hatte ich – wie es mir schien – nur körperliche.

Danach verlief das Leben wie immer. Ich habe keine einzige lange, funktionierende Partnerschaft erlebt, geschweige denn eine Ehe. Ich habe keine Kinder. Ich bin aber auch nie wieder schwanger geworden – ich habe mir dann später die Spirale einsetzen lassen, weil ich diese Hormone der Pille nicht mehr wollte. Heute weiß man, dass mit Pille und Spirale auch so etwas wie Frühabtreibungen stattfinden können, das ist dann der Preis für die sichere Verhütung. Wobei es doch die natürliche Empfängnisregelung gibt und die Temperaturmessmethode kann auch funktionieren. Allerdings ist man dann halt weder allzeit bereit noch allzeit verfügbar.

Ich bin absolut sicher, dass meine Depressionen, meine Selbstmordgedanken, meine Lebensangst vielleicht nicht ursächlich von der Tötung meines Kindes herrühren, aber diese Neigung dadurch massiv verstärkt wurde.

Was mich davon überzeugt hat, dass wir, vor allem die Frauen, im tiefsten Inneren wissen, dass es Mord ist und etwas zutiefst Verbotenes und Abscheuliches. Wenn man jemandem von der Vergangenheit erzählt, wird diese Sache meist verschwiegen.
Selbst (oder vor allem?) Mitchristen konnte ich davon kaum erzählen aus Angst, verurteilt zu werden und eine nicht vergebbare Sünde begangen zu haben. Interessanterweise hatte ich weniger Furcht vor GOTT als vor den Menschen.

GOTT hat mich durch die Trauer geführt und ER weiß, dass ich zutiefst und lange getrauert habe. In meiner Vorstellung wäre es ein Mädchen gewesen, mit lockigen braunen Haaren, darin hätte es seinem Vater geähnelt.

Als ich dann eine Weile im Glauben lebte, begann mich die Frage zu bewegen: Wo ist mein Kind jetzt ? Was wird der Jesus mir sagen, wenn ich dereinst vor IHM stehe. Werde ich das Kind kennenlernen, welches Alter wird es haben, in welchem Zustand werde ich es antreffen?

Ich habe mir durch eigene Schuld ein Glück und eine Wachstumsmöglichkeit genommen – und es verweigert, eine Aufgabe zu erfüllen, die mir wohl durchaus zugedacht war: Mutter zu sein.

Und ich hatte keinen Seelsorger, der mich aufgefangen hat. So hat vieles wahrscheinlich auch länger gedauert und ich habe manches erst langsam verstanden. Ich habe immer die neubekehrten Christen beneidet, die zum Glauben kamen, flugs die Bibel gelesen und verstanden und entweder – als Mann – sofort gepredigt haben – oder als Frau tausend “Werke” in Angriff genommen.

Da hinke ich absolut hinterher. Ich habe genug damit zu tun, meinen Alltag auf christliche Art und Weise zu bewältigen (Gal 5, 22) und zu erkennen, wo und wie ich Zeugnis geben kann. Seitdem Christus mein Heiland geworden ist, hat mein Leben wieder einen Sinn erhalten.

Die Autorin Jutta S. ist unserer Redaktion mit Name und Anschrift bekannt