CHRISTUS ist das Haupt seiner Kirche

Heutige liturgische Fest-Lesung der kath. Kirche: Eph 1,17-23:

Der Gott Jesu Christi, unseres HERRN der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr IHN erkennt.
ER erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch IHN berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.
ER hat sie an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat, hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen genannt wird.
Alles hat ER ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt; sie ist sein Leib und wird von IHM erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht.


Der Heilige Geist deckt der Welt auf, was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht bedeuten

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Joh 16,5-11.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Jetzt gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du?
Vielmehr ist euer Herz von Trauer erfüllt, weil ich euch das gesagt habe.

Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden.

Und wenn ER kommt, wird ER die Welt überführen (und aufdecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist;
Sünde: dass sie nicht an mich glauben;
Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht;
Gericht: dass der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.

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In keinem anderen Namen ist das Heil

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche: Apg 4,8-12.

Da sprach Petrus zu ihnen, erfüllt vom Heiligen Geist: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten! Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist, so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen:

Im Namen Jesu Christi, des Nazareners, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.

ER ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Foto: Felizitas Küble


Ist der Westen träge und kraftlos geworden?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am 3. November 2019 fand in der katholischen Akademie Berlin eine Podiumsdiskussion über die Frage statt: „Ist Europa alt, müde und kraftlos geworden?“

In der Ankündigung dazu hieß es: „Für Millionen Menschen außerhalb Europas ist der Kontinent ein Sehnsuchtsort. Für viele Europäer aber scheint Europa keine Hoffnung mehr zu geben. Sind der Abbruch religiöser Überlieferungen und der Mangel an Visionen Zeichen von Altersschwäche? Nicht Wenige vermissen auch kraftvolle christliche Stimmen zu Europa“.

Geht Europa unter, weil Kulturen und Zivilisationen sich wie biologische Organismen verhalten, wie Oswald Spengler meinte – oder weil „schöpferische Minderheiten“ in ausreichendem Umfang fehlen (Arnold Toynbee)?

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Ein entscheidender Faktor bei diesen Reflexionen ist die geistige Situation. Wie ist diese für Europa zu charakterisieren?

Lassen wir jemand von außen sprechen: Robert Kardinal Sarah (siehe Foto). Er hat einen engagierten Blick auf den alten Kontinent, weil er europäischen Missionaren seinen Glauben und seine Bildung verdankt. Sarah stammt aus Afrika, dem „derzeit vitalsten und dynamischsten Teil der universalen Weltkirche“ (so Erzbischof Georg Gänswein).

In dem Buch mit dem Titel „Herr, bleibe bei uns – denn es will Abend werden“, das ein Interview des Journalisten Nikolaus Diat mit Kardinal Sarah wiedergibt, findet sich das Kapitel 4: „Die Krise der abendländischen Identität und die geistliche Trägheit“.

Diat fragt: „Wie würden Sie die geistige Lage des Westens charakterisieren?“ – hierauf antwortet Sarah: „Ich glaube, dass der Westen das erlebt, was die Wüstenväter Versuchung durch den Mittagsdämon nannten… Die Wüstenväter bezeichneten das Phänomen als Akedia“.

Der Begriff meint geistige Trägheit. Sarah erläutert diese Trägheit als „eine Art Depression, eine Ermattung, einen geistigen Überdruss… ein gewisses Schwinden der inneren Lebensfreude, eine Entmutigung, eine Erschlaffung der Seele“.

Nach Sarah zeigt sich diese „Trägheit“, welche die Freude „das Merkmal einer gottvertrauten Seele“ angreift… Diese Form von ‚Trägheit‘ nährt in der Seele den Abscheu gegen alles, was ihr Gott näher bringen könnte und ist ein allgemeiner Überdruss gegen alles, was das geistige Leben betrifft“… „Das Abendland weigert sich zu lieben und tötet den Antrieb jeder Spiritualität: Die Sehnsucht nach Gott“.

Die Abkehr von Gott ist der Endpunkt der Abwendung von der Kirche. – Benedikt XVI. sagte: Die spirituelle Krise sei „die gravierendste seit dem Untergang des römischen Reiches gegen Ende des fünften Jahrhunderts. Das Licht des Christentums ist überall im Westen am Verlöschen“.

Wir können überall den „Paradigmenwechsel“ im Menschenbild feststellen. Der Mensch bemisst sich in der säkularen Gesellschaft nach seinem biologischen, sozialen und ökonomischen Nutzwert. Wir erfahren das in der Embryonenforschung, der pränatalen Diagnostik, der Massenabtreibung, der aktiven Sterbehilfe, der Leihmutterschaft etc..

Sarah nennt in seinem Interview drei typische Folgen der „Trägheit“ in westlichen Gesellschaften: „Erstarrung, Bitterkeit und Flucht in den Aktivismus“.

  • Erstarrung in den drängenden, aber nicht gelösten Reformen wie die demographische Situation, den moralischen Verfall, die hohe Staatsverschuldung.
  • Flucht in Aktivismus, wenn Konferenzen, Sitzungen und Tagungen einander jagen, aber nur magere Ergebnisse liefern.

Der Vergleich mit dem Untergang des Römischen Reiches

Gehen wir davon aus, dass die Fähigkeit zum Überleben eine solide Bevölkerungsbasis, eine gemeinsame Kultur, wenn auch mit regionalen Unterschieden, ein gemeinsames Rechts- und Staatsbewusstsein benötigt, dann hatte das Römische Reich gute Voraussetzungen für eine lange Lebensdauer.

Zwar gab es bereits seit Kaiser Augustus Versuche, den Geburtenrückgang in Rom zu stoppen, z.B. durch Gesetze, die Familien mit drei und mehr Kindern förderten und gegen kinderlose Paare, unverheiratete Frauen ab 20 und Männer ab 25 Jahren finanzielle Sanktionen richteten. Ähnliche Maßnahmen gab es bei späteren Cäsaren. Sie waren nicht sehr wirkungsvoll. Die Gesamtbevölkerung des Römischen Reiches wurde durch die unterworfene Bevölkerung im größer werdenden Imperium und gelungene Integration wettgemacht.

Das römische Imperium war eine offene Gesellschaft: Wer sich Sprache und römische Kultur aneignete, konnte bis in die höchsten Stellen aufsteigen. Bereits im zweiten Jahrhundert wurden die Legionen bis zu den Offiziersstellen durch Nichtrömer aufgefüllt. Nichtrömer übernahmen wichtige Verwaltungsfunktionen. Als Kaiser Caracalla 212 n. Chr. allen Freien im römischen Reich das Bürgerrecht (civitas romana) gewährte, sanktionierte er einen bestehenden Zustand.

Die Städte in Gallien oder Spanien wetteiferten mit ihren Foren, Tempeln, Bädern etc. mit Rom.

Auch die Götter der unterworfenen Völker hatten im römischen Pantheon Hausrecht. Sorgen bereiteten eher, dass dieser Götterglauben nur mehr formell war und keine Bindungskraft für die Gesellschaft mehr hatte. Der Kaiserkult sollte die geistige Klammer bilden. Die Aufteilung des Riesenreiches unter den Kaisern und Mitkaisern hatte Kämpfe um die Alleinherrschaft zur Folge.

Die Integration der Barbaren in das Imperium Romanum glückte, bis ausgelöst durch Attila und seine Hunnen eine Völkerwanderung und -Verschiebung nach Westen einsetzte. Das Imperium konnte diese Massen nicht mehr integrieren. Aber selbst im fünften Jahrhundert hatte dieses Reich noch herausragende Heerführer wie Stilicho, Aetius und Ricimer, die mit Legionen unter dem römischen Adler das Imperium verteidigten.

Es ist kennzeichnend für die Gleichgültigkeit der meisten Römer, dass der Nachruf auf 800 Jahre Rom und seine Größe von dem Gallier Rutilius Numantianus kam. Rutilius hatte Kariere in der Verwaltung gemacht. Er war Präfekt der Toskana und Umbriens. In seinem Nachruf in klassischem Latein schrieb er u.a.: „Du (Rom) hast aus verschiedenen Stämmen eine Heimat für alle gemacht… Wer ohne Gesetze lebte, ist dein Schuldner geworden, weil er aus Menschen Bürger gemacht hat.

Kultur und christliche Identität Europas

Die Zukunftsfähigkeit der kulturellen Identität hängt davon ab, ob die eigene Kultur und Geschichte wertgeschätzt und weiterentwickelt wird. Diese Wertschätzung ist eine wesentliche Voraussetzung Immigranten zu integrieren.

Auch in klassischen Einwanderstaaten wird verlangt, dass sich neu hinzugekommene die Verfassung und die Gesetze des Einwanderungslands zu eigen machen. Die christliche Identität Europas ist von innen her gefährdet, weil dieses Europa „die Überzeugung von seinen eigenen Prinzipien und der Glaube an die eigenen Werte, ohne die man keine wirkliche Verfassung erstellen kann“ (Marcella Pera) nicht mehr hat.

Pera stimmt im Dialog mit Ratzinger dessen Feststellung zu, dass der Westen „sich selbst nicht mehr mag“, dass Europa „von innen leer geworden, gleichsam gelähmt zu sein scheint“. Und dass es einen „nur pathologisch zu bezeichnenden Selbsthass des Abendlandes gibt“, der „nur noch das grausame und zerstörerische sieht“.

Diese Etikettierung wird stärker für die jüngeren Jahrgänge zutreffen. Sie ist zugleich eine Anfrage an die Schulbildung mit den Unterrichtsfächern, die Geschichte und Kultur.

Der demographische Wandel und seine Auswirkungen in Deutschland

Die demographische Situation in Deutschland ist weitgehend identisch mit den bevölkerungsreichen Ländern Westeuropas, nämlich Italien, Frankreich und Spanien. Wie in diesen Ländern schmilzt die Bevölkerungsbasis in Deutschland weg. Es gibt zu wenige Kinder. Der Titel eines Buches von Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“ ist zutreffend. Zahlen kann man anschreien, wie Franz-Josef Strauß einmal angemerkt hat, aber die Fakten ändern sich deswegen nicht.

Prof. Dr. Karl Michael Ortmann von der Hochschule Technik Berlin hat in einem Vortrag 2010 die Auswirkungen des demographischen Wandels dargestellt. Einige der wichtigsten Erkenntnisse von Prof. Ortmann lauten:

„Es ist weithin bekannt, dass sich die demographische Struktur in Deutschland verändert. Eine alternde Bevölkerung belastet im Umlageverfahren des deutschen Sozialversicherungssystems die Solidargemeinschaft im Verlauf der Zeit immer stärker. Die Bevölkerungsalterung stellt einen nicht unwesentlichen Kostensteigerungsfaktor für altersbedingte und gesundheitliche Versorgungsleistungen des deutschen Staates dar“.

Durch ausbleibende Geburten gab es in Deutschland immer weniger jüngere und immer mehr ältere Menschen. Die Fertilitätsrate fiel auf etwa 1,4 Kinder pro Frau im Verlauf ihres Lebens und stagniert seit einiger Zeit auf diesem Niveau. Das durchschnittliche Alter stieg von 1960 bis 2010 von 35,7 auf 49,9 Jahre.

Tatsächlich gab es somit einen doppelten Alterungseffekt der Bevölkerung zu beachten. Betrug die Lebenserwartung in Westdeutschland für Männer noch 66,5 Jahre, so war sie im Jahr 2010 auf 77,9 Jahre gestiegen… Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten demographischen Zeitbombe, die nicht nur die Rentenversicherung sondern auch die Krankenversicherung betrifft.

Ende 1960 fielen auf 1000 Erwerbsfähige 176 Rentner. Ende 1990 waren es schon 241 Rentner, Anfang 2011 kamen auf 1000 Erwerbsfähige 346 Rentner.

Die schrumpfende Zahl der Jüngeren ist wesentlich bedeutender für die demographische Alterung als die steigende Lebenserwartung. Die im Geburtenrückgang der in der Vergangenheit nicht geborener Kinder fehlen künftig als potentielle Eltern. Deshalb wird auch die absolute Anzahl der Geburten weiter abnehmen. Selbst wenn die Fertilität ab sofort, d.h. schon in 2012 auf sechs Kinder pro Frau anstiege, würde es bis etwa zum Jahr 2033 dauern, bis der Effekt für die Rentenversicherung erstmals wirksam würde.

Um im Jahr 2050 eine stabile Bevölkerungsstruktur vorzufinden, müssten dann etwas 125,6 Mio. neu hinzugezogene Immigranten in Deutschland leben. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie die Anzahl der prognostizierten Bevölkerung von 62,7 Mio.

Um den Altersquotienten auf das Niveau von 2010 zu drücken, müsste – unter Berücksichtigung der beschlossenen Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre bis 2028 – das Rentenniveau in etwa halbiert werden, oder aber die Anzahl der Bezugsberechtigten auf die Hälfte reduziert werden.

Die Situation verschärft sich durch die Politik, welche durch zu geringe Förderung der Mehrkindfamilie seit Jahrzehnten zu wenig Zukunftsvorsorge betreibt. Hinzu kommt die Massenabtreibung von jährlich 100.000 im Mutterleib getöteter Kinder. Änderungen sind möglich. Das Beispiel Ungarns beweist das.

Jürgen Liminski zeigt mit seinem Artikel „Ungarn setzt sich ab“ (Tagespost 8.11.2018) dass auch heute Mentalitätsänderungen möglich sind. Das ungarische Beispiel, das er anführt, ist daher ermutigend und sollte verbreitet werden. Die ungarische Orban-Regierung ist seit 2010 im Amt. Die Resultate ihrer Familienpolitik sind kurz zusammengefasst:

  • Die Geburtsrate stieg von 1,20 auf 1,50.
  • Die Zahl der Abtreibungen nahm um ein Drittel ab, in Zahlen von 40.449 auf 28.500.
  • Die Scheidungsrate ging um ein knappes Viertel zurück, nämlich von 23.873 auf 18.600.
  • Die Zahl der Eheschließungen stieg um 42%.

Diese Erfolge wurden durch materielle Hilfen für die Familien mit Kindern erreicht, z.B. u.a. durch Kreditsubventionen und Steuervorteile. Die Frist vom Antrag auf Abtreibung bis zum Vollzug wurde um drei Tage verlängert, um Zeit zum Nachdenken zu geben. Die Adoption für Kinder wurde erleichtert.

Um den Stand der Bevölkerung in Deutschland zu halten, ist Einwanderung notwendig. Sie verändert die Zusammensetzung der Bevölkerung in wesentlichen Bereichen. Sie brachte 2015 – man gibt je nach Zählung zwischen 900.000 bis 1,2 Mio. Flüchtlinge an – nicht die erwarteten Resultate für die Wirtschaft. Alle Neuankömmlinge fanden eine Unterkunft und eine angemessene Betreuung. Vertreter der deutschen Wirtschaft begrüßten die Masseneinwanderung. Sie begründeten das mit den benötigten Arbeitskräften.

Rund die Hälfte der Flüchtlinge hat eine Beschäftigung gefunden, allerdings nicht dort, wo das Problem besteht, nämlich bei den Fachkräften. Aufgrund mangelnder Sprachfähigkeit und mangelnder Ausbildung gehen 42% der neu Hinzugekommenen, die einen Job bekamen, einer Arbeit mit geringer Qualifikation nach. Eine wirtschaftliche Krise betrifft sie rasch. Ein hoher Anteil ist also langfristig auf Sozialleistungen angewiesen.

Zur Situation der katholischen Kirche in Deutschland:

Von der deutschen Bevölkerung bezeichnen sich 54% als Christen, davon 23 Mio. als Katholiken. Von diesen glauben 63% das, was Katholiken im Credo bekennen, Jesus ist der Sohn Gottes und er ist von den Toten auferstanden 61%.

Zwischen fünf und zehn Prozent würden von sich sagen, was Christen in der Verfolgung 305 n. Chr. unter Kaiser Decius äußerten: „Ohne die sonntägliche Eucharistiefeier können wir nicht leben“.

Die jährlichen Kirchenaustritte liegen seit Jahren zwischen 180.000 und 240.000. Würden die noch Bleibenden auf die Frage Jesu „Wollt auch ihr gehen?“ wie Petrus antworten: „Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ (Joh 6,69). Nach der Sündenvergebung (Beichte) sehnen sich nur rund 1% der Katholiken.

Die Wirkung der verdunstenden Gläubigkeit zeigt sich in der Gesellschaft:

Dass die katholische Kirche mit „ihren Festen und Ritualen das kulturelle Leben in Deutschland bereichert, meinen 45% der Katholiken, aber nur 28% der Deutschen.

Wenn das Grundrecht auf Leben in der Massenabtreibung jährlich 100.000 ungeborenen Kindern genommen wird, beunruhigt das nur 16% der Katholiken, d.h. nicht mehr als die Gesamtbevölkerung. Diese Einstellung bleibt nicht ohne Auswirkung auf das Leben allgemein.

Das Grundrecht auf ungestörte Religionsausübung ist nicht mehr stark ausgeprägt. „Sorgen auf Grund der weltweit steigenden Angriffe z.B. auf Gotteshäuser, haben 45% der Katholiken, 30% aber nicht.

Die Demontage von Ehe und Familie in Politik und schulischer Erziehung trifft noch bei Weltchristen auf Widerstand. Dazu kommen einige bischöfliche Stimmen, z.B. gegen „Ehe für Alle“, die Genderideologie, die aber im ZdK bei BDKJ und katholischen Frauenverbänden immer stärker Fuß fasst.

Die neuen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin werden nach dem Motto „Was technisch möglich ist, praktizieren wir auch“, umgesetzt.

Wir leben in einer nachchristlichen Welt. Die Laster, die der heilige Paulus im Brief an die Römer (1,22-26) beschreibt, sind Gegenwart.

Die Frage lautet, warum sind die Christen so wenig in der Gesellschaft präsent. Die Antwort heißt: Wir sind religiös unterernährt und es fehlt uns weithin der Mut, unsere Überzeugungen in der Öffentlichkeit präsent zu setzen: Wir sind religiös unterernährt, obwohl es noch nie so viele Möglichkeiten gab wie heute uns zu informieren in z.B. Radio Horeb, kephas-tv, EWTN, Kirche in Not usw.

Was uns fehlt und worauf uns das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich in der Dogmatischen Konstitution hingewiesen hat, ist die Bereitschaft, den Weltauftrag aufzugreifen. Und so stehen wir vor der Versuchung der Frustration und einem scheinbar ausweglosen Negativbild von Kirche und Gesellschaft, das der Widersacher Gottes mit ihrer Fehlerhaftigkeit und ihrem Versagen vor Augen stellt und so den Menschen Lebensfreude und ihre Identität wegzunehmen versucht.

Die Sprachlosigkeit der Kirche
auf die Corona-Pandemie

Die Sprachlosigkeit zeigt sich in der Unfähigkeit der meisten Bischöfe auf die Frage „Was will uns Gott mit der Corona-Pandemie sagen?“ Es ist eine Frage, um die sich die meisten Bischöfe herumdrücken bzw. eine Stellungnahme dazu ablehnen.

So sagt der Limburger Bischof und Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing: Die Verbreitung des Coronavirus sei „gewiss keine Strafe Gottes vor der wir Angst haben müssen und der wir nicht entkommen können. Gott liebt uns bedingungslos und er möchte, dass es uns gut geht“. Der Weltkirchenbischof Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg schrieb auf Twitter: „Coronavirus als Strafe Gottes zu bezeichnen, ist zynisch und mit Jesu Botschaft unvereinbar“.

Pfarrer Winfrid Abel von Stift Heiligenkreuz sagt hingegen:

„Christen müssen sich vor allem der Frage stellen: Was will Gott uns damit sagen?… Es geht als erster Stelle um Umkehr, wie Jesus es immer wieder verkündet hat. Die Welt hatte sich an eine ‚Normalität‘ gewöhnt, die längst nicht mehr der ‚Norm Gottes entspricht!‘ Der Tanz um das goldene Kalb hat Formen angenommen, die den Glauben an Gott und das ewige Leben diametral widersprechen, den Menschen krank machen und die Schöpfung Gottes zerstören. Die Kirche hat den Auftrag, den Menschen zu deuten, was Gott uns mit dieser Heimsuchung sagen will. Statt zum Gebrauch von Desinfektionsmittel zu raten, sollten die Verantwortlichen in der Kirche jetzt dazu aufrufen, dringend die ‚Desinfektionsräume‘ aufzusuchen, die in jeder Kirche stehen: Die Beichtstühle“!

Bischof Voderholzer hat in seiner Osterpredigt zurecht gefragt: „Kann es nach der Pandemie ein folgenloses weiter wie bisher“ geben? Er antwortete: „Das wird es nicht geben und darf es auch nicht geben. Zu gewaltig ist der Einschnitt, die Lektion, die der gesamten Menschheit erteilt wird“.

Warum? Wenn die Menschen ihren Lebensstil nicht ändern, dann ist eine neue Katastrophe vorprogrammiert, denn, so Voderholzer „Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind die Folge einer Kette von Schuld und menschlichem Versagen, in der sich menschliche Hybris, Stolz, Leichtsinn und Profitgier zu einer unheilvollen Allianz verbinden“.

Die Frage, ob Gott die Menschen mit der Pandemie bestraft, beantwortet der Bischof mit der Gegenfrage: „Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns selbst bestrafen, wenn wir uns nicht an den Lebensweisen Gottes orientieren? Wer sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens“… Die „Zeit der Corona-Pandemie muss auch zur Zeit der

Gewissensforschung werden!

Voderholzer wird konkret: „Das fängt an bei der Achtung der Positivität der Geschlechterdifferenz des Menschen, der von Gott als Mann und Frau geschaffen wurde. Hierher gehören alle Themen des Lebensschutzes an seinem Beginn und in Alter und Hinfälligkeit.

Das hat Konsequenzen für einen ehrfurchtsvollen Umgang mit der Weitergabe des Lebens, Stichwort Fortpflanzungsmedizin. Mehr Achtung vor der Wirklichkeit von Vaterschaft und Mutterschaft“. Schließlich fordert der Bischof „eine neue zeitgemäße Formulierung einer Naturrechtslehre, die ausgeht von einer größeren Wahrnehmung und Wertschätzung des von der Schöpfung Vorgegebenen“ – eine Ökologie für den Menschen.

Der Synodale Weg – Aufbruch im Glauben
oder sich abzeichnende Katastrophe?

Lassen wir die Vorgeschichte, die der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 25. September 2019 über das Statut des „Synodalen Prozesses“ vorausgegangen ist, obwohl sie aufschlussreich für die Vorgehensweise wäre.

In der persönlichen Erklärung des Regensburger Bischofs Voderholzer zur Vollversammlung vom 25. September 2019 finden sich die Gründe aufgelistet, warum der synodale Weg, noch bevor er richtig begonnen hat, sein vorgebliches Ziel, die Reform der Kirche, verfehlen wird.

Um dem Prozess die Richtung auf wirkliche Reformen zu geben, hatten Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer einen Alternativentwurf für die Vollversammlung der Bischöfe mit den Themen Evangelisierung, Berufung der Laien, Katechese, Berufungspastoral erarbeitet. Dieser Alternativentwurf hätte dem vom Papst gewünschten Strukturprinzip „Primat der Evangelisierung“ Rechnung getragen.

Bischof Voderholzer (siehe Foto) stellt in seiner Stellungnahme fest, dass im Statut „Die wahren Probleme nicht angegangen werden“, dass „an der Wiege des Synodalen Prozesses eine Unaufrichtigkeit steht. Voderholzer spricht den „Verdacht“ aus, „dass es sich angesichts dieser Weichenstellung um eine ‚Instrumentalisierung des Missbrauchs‘ handelt“…

Bischof Voderholzer kann nicht sehen „dass die Voraussetzungen für einen echten ‚Dialog‘ gegeben sind“. Weiter: „Ich habe darüber hinaus allein zweimal vor dem heutigen Vorsitzenden der DBK feierlich versprochen, den katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen. Daran fühle ich mich gebunden und ich sehe dieses Versprechen gegenwärtig besonders herausgefordert“.

Bischof Voderholzer behält sich in seiner Stellungnahme vor „gegebenenfalls ganz auszusteigen“. Kriterium ist die Beachtung der von Papst Franziskus angemahnten und in der Präambel der Satzung festgehaltenen ‚Leitplanken‘: Primat der Evangelisierung, Sensus ecclesiae, Berücksichtigung der Einheit mit der Weltkirche (und damit Treue zur Lehre der Kirche)“

Vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 fand die erste Zusammenkunft der Mitglieder des „Synodalen Prozesses“ statt. Dort wurden mit der Geschäftsordnung die Weichen für den Ablauf des zweijährigen „Synodalen Weges“ gelegt. Auf ihm werden die vier Foren beraten und abgestimmt werden.

Bei dieser Weichenstellung wurde deutlich, dass die Mehrheit der synodalen Teilnehmer die Synode als Vehikel versteht, um ihre „Reformvorschläge“ durchzusetzen. Bei diesem Verständnis geht es dann nur mehr darum, wie in der Politik Mehrheiten zu organisieren. In der Vorbereitung zum ersten Treffen ist durch die Auswahl der Teilnehmer die Basis für die gewünschten Mehrheiten gelegt worden.

Die Bischöfe von Köln, Regensburg, Passau, Eichstätt und Görlitz, die sich an die Lehre der Kirche halten wollen, mussten eine erste Abstimmungsniederlage hinnehmen. Sie hatten vorgeschlagen, dass Vorlagen die einmütige Zustimmung der anwesenden Mitglieder des Synodalforums erfordern. Bei „Einmütigkeit“ dürfe es höchstens drei Gegenstimmen geben. Dieser Antrag wurde mit 26 gegen 181 Stimmen abgeschmettert. Das waren 87% (!) der stimmberechtigten Mitglieder.

Die Synodalversammlung legte fest, dass die absolute Mehrheit für die Beschlussfassung genüge. Die lehramtstreuen Bischöfe hatten auch vorgeschlagen, dass ein Beschluss nicht gültig werden kann, wenn „Widerspruch zwischen der Textvorlage und der Kirche vorliegt“. Auch dies wurde abgelehnt.

Ist Europa noch zu retten?

Wenn Europa seine christliche Identität bewahren, besser gesagt: zurückgewinnen will, dann geht es darum, wie die christlichen Wurzeln wieder belebt werden können. Kann das die Zivilgesellschaft sicherstellen? Nein! Das kann nur eine erneuerte Kirche!

Einer Kirche, die sich an die gängigen Trends anlehnt, gelingt das nicht: „Die Statistiker sagen uns, dass Kirchen im Maß ihrer Anpassung an die Standards der Säkularisierung, Anhänger verlieren und dass sie attraktiv werden, wenn sie einen festen Halt und klare Weisung versprechen“. (Joseph Ratzinger, „Ohne Wurzeln-2, S. 128/129)

Wer die christlichen Wurzeln wieder beleben will, kommt nicht an der Forderung Christi vorbei: „Denkt um, kehrt um und glaubt an das Evangelium“. Es geht also um einen Prozess innerlicher Umwandlung. Joseph Ratzinger sagt: „Die Kirche soll mit einer neuen Offensive die Wahrheit des Glaubens verkünden. Wir müssen von einer heiligen Unruhe beseelt sein: Die Unruhe, allen das Geschenk des Glaubens, der Freundschaft mit Christus zu bringen“ (Peter Seewald)

Wenn die Christen in ihrer Mehrheit müde geworden sind und keine Strahlkraft mehr haben, gilt: „Lebendiges kann nur von lebendigem kommen“ (Joseph Ratzinger. „Ohne Wurzeln“, S. 129) Sie überwinden die von Sarah genannte geistliche Trägheit („Akedia“).

Ist Europa noch zu retten? Wir wissen es nicht! Aber die Aufgabe ist gestellt. Es kommt auf einen neuen Geist an. Hier liegt der Schlüssel.

Europa wurde nach der Katstrophe nach dem Zweiten Weltkrieg durch Robert Schumann, Konrad Adenauer und Alcide de Gaspari gerettet. Was hat diese drei im Innersten verbunden? Ihr christlicher Glaube. Alle drei waren praktizierende Katholiken.

Ihre Weltsicht hatte die Gemeinsamkeit, dass selbst tödlich verfeindete Nationen durch Vergebung ausgesöhnt werden können. Das Vehikel dafür war die Gemeinschaft einer wirtschaftlichen Union, basiert auf Kohle und Stahl. Alle drei waren Patrioten, aber mit einem Weitblick, der vor den nationalen Grenzen nicht Halt machte. Alle drei waren schon im Pensionsalter als sie ihre Aufgabe aufgriffen. Alle drei nahmen für ihr Ziel Missverständnisse, ja Beleidigungen auf sich:

BILD: Buchtitel „Kornad Adenauer – Der Katholik und sein Europa“

Bei de Gaspari murmelten selbst Parteifreunde „Il austriaco – der Österreicher“, in Erinnerung an die Zeit, wo er als Abgeordneter des Trentino vor dem ersten Weltkrieg im Wiener Parlament saß. Konrad Adenauer musste sich im Bundestag von Kurt Schumacher anhören: „Sie sind ein Bundeskanzler der Alliierten“, und Robert Schumann wurde nicht nur von den Kommunisten im französischen Parlament vorgehalten, er sei ein Freund der Deutschen. Es war der christliche Geist, der das ertragen half, um das Ziel zu erreichen.

Die Überwindung, der von Sarah geschilderten geistlichen Trägheit Europas wird die „Volkskirche“ nicht zurückbringen. Aber die „kleine Herde“ wird weiterleben. Sie wird eine Hoffnung für die Suchenden sein, die in einer „ganz und gar verplanten Welt unsagbar einsam sind und ihre volle schreckliche Armut erfahren, wenn ihnen Gott ganz entschwunden ist“ (Joseph Ratzinger).

Diese „kleine Herde“, wird das „christliche Lebensmodell“ als lebbare Alternative sichtbar machen und es in den immer leerer werdenden Vergnügungen der Freizeitgesellschaft verkörpern. Dieses christliche Lebensmodell wird als ein Leben der wirklichen Weite, die das Leben nicht einengt, sondern die Größe des Lebens erfahren lässt.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN und die Monatszeitschrift DER FELS


Der HERR steigt als Sieger aus dem Grab

Auferstanden ist der HERR

Der Morgen rötet sich und glüht,
der ganze Himmel tönt von Lob,
in Jubel jauchzt die Erde auf,
und klagend stöhnt die Unterwelt.

Der starke, königliche Held
zerbrach des Todes schweren Bann.
Sein Fuß zertrat der Hölle Macht:
Aus harter Fron sind wir befreit.

ER, den der Stein verschlossen hielt
und den man noch im Grab bewacht,
ER steigt als Sieger aus dem Grab,
fährt auf in strahlendem Triumph.

Schon werden alle Klagen stumm,
in Freude wandelt sich der Schmerz,
denn auferstanden ist der HERR;
ein lichter Engel tut es kund.

Dem HERRN sei Preis und Herrlichkeit,
der aus dem Grabe auferstand,
dem Vater und dem Geist zugleich
durch alle Zeit und Ewigkeit.

Hymnus aus dem Stundenbuch der Kirche


Christus ist der Urheber des ewigen Heils

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Hebr 4,14-16.5,7-9.

Da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.

Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt wurde, aber nicht gesündigt hat.

Lasst uns also voll Zuversicht hintreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit.

Als ER auf Erden lebte, hat ER mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und ER ist erhört und aus seiner Angst befreit worden.

Obwohl ER der Sohn war, hat ER durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist ER für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.

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Teuflischer Kreislauf und (un)geistlicher Missbrauch durch „Heilung und Befreiung“

Von Felizitas Küble

Es ist schon einige Zeit her, als ich mit einer jungen Frau, die durch Exerzitien im charismatischen „Haus Raphael“ in Hessen (Bad Soden-S.) psychisch und gesundheitlich erheblich geschädigt wurde, ein längeres Gespräch führte.

Die gläubige Katholikin war wegen dieser schlechten Erfahrungen mit einem Fuß aus der charismatischen Szene ausgestiegen – und mit dem anderen Fuß stand sie beharrlich weiter mittendrin. Man könnte auch sagen: sie hinkte auf beiden Beinen.

Obwohl sie nach dem sog. „Ruhen im Geist“ (Rückwärtskippen in Trance), das in schwarmgeistigen Kreisen weit verbreitet ist, seelisch schwer zu leiden hatte und sich gar dämonisch attackiert fühlte, wandte sie sich zwar gegen diesen „Hammersegen“ (wie ich ihn nenne), verteidigte aber ansonsten nach wie vor die charismatischen Seminare, weil dort ja „nicht alles schlecht“ sei.

Nun ist wohl klar, daß es auf dem weiten Erdenrund selten etwas gibt, das 100% negativ wäre – meist handelt es sich um eine Mischung aus gut und schlecht. Allerdings kommt es darauf an, so erklärte ich der Geschädigten, wie die Wurzel beschaffen ist.

Sie erzählte mir dazu ihre Geschichte:

Ihre Mutter besuchte das charismatische Evangelisationszentrum Maihingen im Schwarzwald, das seit Jahrzehnten in den entsprechenden Kreisen sehr bekannt ist. Von dort wurde sie und auch die Tochter – meine Gesprächspartnerin also – weitergeschickt nach Bad Soden-Salmünster zu den dortigen „Heilungs“-Seminaren in Haus Raphael (das freilich kirchlich nicht anerkannt ist).

Soweit – so ungut, denn was dort geschah, kann aus meiner Sicht nur als geistlicher Missbrauch bezeichnet werden.

Nun argumentierte die Betroffene folgendermaßen:

Es sei zwar schlimm, daß in Maihingen auch viele Leute „umkippen“, aber gut sei es doch, daß indische Heiler die „Belasteten“ durch einen Exorzismus wieder befreien.

Ich widersprach: Das sei ein teuflischer Kreislauf, sie habe es doch selbst erlebt: Mit dem vermeintlichen „Ruhen im Geist“, das dort als Glaubenserlebnis gepriesen wird, hätte sie äußerst bedrückende Erfahrungen gemacht, die sie dann mit einem pseudo-exorzistischen „Befreiungsgebet“ wieder loswerden wolle.

Also werde doch unter einem Dach ein buchstäblicher „Teufelskreis“ praktiziert und die Ratsuchenden in eine Achterbahn der Gefühle geworfen: Erst sollen sie in Zimmer 1 gleichsam auf der Wolke schweben (im „Geiste“ ruhen), hinterher – wenn ihnen „das“ nicht bekommt – sollen sie in Zimmer 2 von „Dämonen“ exorziert werden.

Damit werde zuerst ein Problem geschaffen, um es dann vermeintlich zu „lösen“, in Wirklichkeit werden Gläubige gleich mehrfach in irrgeistiger Weise verwirrt und auf spirituelle Abwege gebracht, die mit einer bodenständigen und besonnenen Frömmigkeit nichts mehr zu tun haben.

Hier sei die Wurzel schon hochproblematisch, somit das Weitere auch entsprechend abzulehnen.

Die junge Frau brachte den Einwand: Es kann keineswegs die ganze Wurzel schlecht sein: „Der Teufel würde doch nicht wünschen, daß Dämonen ausgetrieben werden, der ist doch nicht saublöd!“

Ich entgegnete: „Der Kellergeist ist nicht nur keineswegs saublöd, er ist sogar sauschlau!“

Sie: „Das sage ich doch!“

Ich: „Aber durch solche Schein-Erfolge wie eine vermeintliche Dämonenaustreibung verführt er die Gläubigen noch tiefer hinein in diesen Teufelskreis einer angeblichen „Heilung“ durch den Hammersegen – und wenn das nicht klappt, sondern zur Belastung wird, dann schreitet man zur exorzistischen „Befreiung“ – was das Problem aber nicht löst, sondern verschärft.“

Sie meinte, ich könne solche schlechten Erfahrungen, wie sie diese selber erlebt habe, nicht verallgemeinern.

Ich erklärte, das wolle ich auch gar nicht: „Auch ein charismatisches Huhn findet mal ein Korn“ – aber es komme auf den Ansatz, auf die Grundlage an – und die sei grundsätzlich problematisch, selbst wenn es vereinzelt zu Erfahrungen käme, die von den Betreffenden als positiv empfunden werden.

Immerhin könne Gott auch auf krummen Zeilen gerade schreiben, was aber nichts an der Krummheit der Zeilen ändere, sondern auf Gottes Barmherzigkeit und Langmut zurückzuführen sei.

Sie erinnerte an das bekannte Bibelwort: „Der Geist weht, wo er will.“

Ich: „Ja, der Geist weht, wo ER will – denn Gottes Geist ist für uns nicht verfügbar, kann nicht eigenmächtig herbeizitiert und von uns vereinnahmt werden, ER ist eine göttliche Person und keine emotionale Energie oder Kraft.“

Zudem erinnere ich sie daran, daß Christus selbst verkündet hat, keineswegs alle Teufelsaustreiber würden sich gleichsam automatisch im Stande seiner Gnade befinden, nur weil sie mit gerade dieser Aufgabe zugange sind.

Bei seiner Warnung geht es wohlgemerkt um christliche Exorzisten, wie sich aus dem Zusammenhang und Wortlaut („…in deinem Namen…!) eindeutig ergibt:

Mt 7,21 ff:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Nicht jeder, der HERR, HERR zu mir sagt, wird in das Himmelreich gelangen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.
Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: HERR, HERR, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunder vollbracht?
Dann werde ich ihnen antworten: Ich habe euch nie gekannt. Hinweg von mir, ihr Übeltäter!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Den Verlockungen des Nihilismus widerstehen

Aus einer Ansprache von Erzbischof Georg Gänswein über die christliche Resilienz, die innere seelische Widerstandskraft aus dem Glauben:

Angst ist in der Tiefe wohl nichts anderes als die elementare Furcht aller Kreatur vor dem Tod, mit existentiellen Fragen wie diesen: Was wird aus uns, was wird aus mir? Was ist der Tod, und was kommt danach?

Auch mich bewegen diese Fragen natürlich, je älter ich werde, immer mehr. Es sind die Fragen nach dem Ewigen Leben und dem Tod, die gewiss zum depositum fidei, das heißt zum Glaubensgut der Christenheit, gehören, seit wir begonnen haben, daran zu glauben, dass Jesus Christus durch seine Auferstehung aus dem Grab den Tod für immer überwunden hat.

Den Tod fürchte ich offen gestanden nicht, Bange wird mir aber etwas im Ausblick auf das Sterben. Das muss ich frei gestehen. Hier sieht man, dass ein gewisser Zweifel den Glauben auf Schritt und Tritt als treuer Zwilling begleitet.

Hier breche ich ab, um zu einem letzten, abschließenden Gedanken zu kommen. 

Oft wundere ich mich über die selbstverständliche existentielle Zuversicht, die aus Kirchenliedern aus der Zeit des 30-jährigen Krieges zu uns spricht, etwa von dem Jesuiten Friedrich von Spee (1591 – 1635) oder dem evangelischen Theologen Paul Gerhardt (1607-1667). 

Es war eine grausame Epoche, wo der Glaube an Christus unter den zerstrittenen Katholiken und Protestanten dennoch als das Allerselbstverständlichste der Welt erschien.

Heute hingegen sind wir immer wieder auf fast törichte Weise stolz, modern zu sein. Modern waren diese Menschen aber auch. Unser Zeitalter fing quasi mit ihnen an.

Folgende Zeilen eines Kirchenlieds von Georg Neumark gehen mir deshalb noch heute unter die Haut, der im Jahr 1641 gegen Ende dieses verheerenden Krieges dichtete:

„Was helfen uns die schweren Sorgen? / Was hilft uns unser Weh und Ach? /
Was hilft es, dass wir alle Morgen / Beseufzen unser Ungemach? /
Wir machen unser Kreuz und Leid / Nur größer durch die Traurigkeit.“

Quelle und vollständige Dokumentation der Rede hier: https://poschenker.wordpress.com/2021/03/27/erzbischof-georg-ganswein-in-der-sigmund-freud-universitat-in-wien/


Papst: Maria ist unsere Wegweiserin zu Christus, aber keine Miterlöserin

Am Vortag des Hochfestes der Verkündigung des HERRN widmete Franziskus seine Katechese dem Thema „Beten in Gemeinschaft mit Maria“.

Jesus sei der Weg unseres Gebetes, Maria als seine Mutter die „Wegweiserin“, die uns in den konkreten Situationen des Lebens und am Ende unseres Weges immer nahe ist, betonte der Papst bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch.

„Christus ist der Mittler, die Brücke, über die wir gehen, um uns an den Vater zu wenden. Jedes Gebet, das wir zu Gott erheben, vollzieht sich durch Christus, mit Christus und in Christus und findet dank seiner Fürsprache Gehör,“ betonte der Papst und verwies auf den besonderen Platz, der Maria als Mutter Jesu auf diesem Weg zukomme. Sie sei für uns „Wegweiserin“, „Wegzeichen“ Christi.

„In der christlichen Ikonographie ist sie überall präsent, ja manchmal kommt ihr ein besonderer Platz zu, aber stets in Beziehung zu ihrem Sohn und von ihm abhängig. Ihre Hände, ihre Augen, ihre Haltung verweisen auf das, was der Angelpunkt, die Mitte ist: Jesus“, erläuterte Franziskus.

„Seit diesem Moment werden wir alle unter ihren schützenden Mantel gestellt, wie man auf vielen mittelalterlichen Fresken oder Gemälden sehen kann….

Die Muttergottes, die als Mutter, der uns Jesus anvertraut hat, uns alle umhüllt; aber als Mutter, nicht als Göttin, nicht als Miterlöserin,“ präzisierte der Papst und fügte hinzu: „Die schönen Dinge, die die Kirche und die Heiligen über Maria sagen, ändern nichts daran, dass Christus der einzige Erlöser ist.“

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2021-03/papst-franziskus-generalaudienz-katechese-maria-wegweiserin.html


Kath. Kirche segnet sehr wohl Homosexuelle – aber nicht ihre „Partnerschaft“

Von Felizitas Küble

Im Zusammenhang mit der seit Jahren diskutierten Frage, ob es auch in der katholischen Kirche – so wie durchweg in der EKD – Segensfeiern für schwule oder lesbische Partnerschaften geben soll, wird immer wieder folgender Einwand geracht:

Gerade die katholische Kirche sei doch so segensfreudig – es gäbe bald nichts, was sie nicht segnen oder weihen würde: Autos, Meerschweinchen (Tiere allgemein), Kräuter, Häuser usw. Der Papst segne an Ostern „urbi et orbi“ gar ohne Wenn und Aber die Stadt Rom und den ganzen Erdkreis.

Da sei es doch völlig unverständlich, homosexuell empfindende Menschen den Segen Gottes zu verweigern.

Das Argument scheint ins Schwarze zu treffen, doch es läuft völlig ins Leere, denn die Kirche segnet selbstverständlich seit eh und je und auch weiterhin ihre „Schäfchen“ (und übrigens auch Christen anderer Konfessionen) unabhängig von ihrer sexuellen „Orientierung“.

Der einzelne Homosexuelle kann also problemlos gesegnet werden, auch mehrere von ihnen in einer Gruppe – was die Kirche aber nicht tun kann und darf: Einen Segen für eine homosexuelle Partnerschaft spenden (es sei denn, die „Beziehungskiste“ ist rein platonisch, aber dann wären die Beiden lediglich Freunde und eben kein intimes „Paar“).

Die Sexualität gehört laut biblischer und kirchlicher Lehre allein in die EHE von MANN und FRAU. Christus selber erinnerte daran, was bereits das Alte Testament darlegt: „Der Mann wird Vater und Mutter verlassen und seiner FRAU anhangen – und sie werden zwei in einem Fleische sein.“

Nun können vielleicht manche Leute einfacheren Zuschnitts, die ihr schmales theologisches Wissen hauptsächlich aus der Boulevardpresse oder der „Glotze“ beziehen, den Unterschied zwischen Person und Sache nicht ganz begreifen, also zwischen der Segnung einer homosexuellen Person einerseits – und der Nicht-Segnung von Homo-Partnerschaften andererseits.

Immerhin wird diese Trennung von Person und Sache auch anderweitig eingehalten: Die Kirche spendet z. B. Männern oder Frauen (als Einzelpersonen) ihren Segen, selbst wenn sie geschieden-wiederverheiratet sind – aber sie segnet nicht ihre irreguläre neue Verbindung, wenn die erste Ehe gültig war und damit nach wie vor besteht. Ebenso wenig kann die Kirche z.B. eine intime voreheliche Beziehung segnen.

Nun wird man aber von einem hohen Geistlichen, der erstens Theologie studiert und zweitens als Priester an das kirchliche Lehramt gebunden ist, erwarten dürfen, daß er diese beiden verschiedenen Ebenen (Person und Sache) auseinanderhalten kann, ihm also klar ist:

Die Kirche liebt den Sünder, aber nicht die Sünde – ganz nach dem Beispiel ihres göttlichen Meisters, welche sich der Ehebrecherin als barmherzig erwies, aber ihr zugleich auftrug: „Gehe hin und sündige nicht mehr!“ – Nach seiner Rettung der Frau vor einer Steinigung hat er ihr nicht etwa „großzügig“ angeboten, ihre sündhafte Beziehung zu segnen oder auch nur zu tolerieren.

Der Speyerer Generalvikar Andreas Sturm läuft jetzt Sturm gegen die aktuelle Weisung aus dem Vatikan, wonach eine Segnung von homosexuellen Partnerschaften nicht möglich ist, weil die Kirche dazu von Gott keine Vollmacht erhielt, denn ein Segen würde Billigung oder gar Gutheißung bedeuten und auch so verstanden werden.

Die „rechte Hand“ des Bischofs von Speyer erklärte, er werde „auch zukünftig“ Homosexuelle segnen:

„Ich habe Wohnungen, Autos, Fahrstühle, unzählige Rosenkränze usw. gesegnet und soll zwei Menschen nicht segnen können, die sich lieben? Das kann nicht Gottes Wille sein.“

Er kann zwei Menschen sehr wohl segnen, aber als einzelne Gläubige, nicht jedoch ihre Verpartnerung. So einfach ist das!

Und natürlich kennt der Herr Generalvikar diesen Unterschied, also stellt er sich wohl naiv, um seine „reformerischen“ Sonderanliegen leichter rechtfertigen zu können, zumal er sich mit solchen Sprüchen des Beifalls der Medien sicher sein kann allerdings nicht der Zustimmung von „oben“, denn was Gottes Wille ist, stellt nicht er fest, sondern hat uns bereits die Heilige Schrift und vor allem Christus und seine Apostel im Klartext und verbindlich für alle Zeiten mitgeteilt.