Überflüssiges Rauschen im Blätterwald wegen jüngster Papst-Äußerungen

Klare Sache: Geschieden-Wiederverheirate sind „nicht exkommuniziert“

In einigen Medien gibt es wieder einmal Wirbel und Sensationsgetuschel um Aussagen von Papst Franziskus im Vorfeld der römischen Bischofssynode über Ehe und Familie. Anscheinend wird jetzt erst recht jede Äußerung von ihm auf die Goldwaage gelegt. flyerstralsund2

Allerdings ist es überflüssig bis lächerlich, wenn im reformerischen Spektrum der Eindruck erweckt wird, als habe der Pontifex etwas Neues geliefert mit seiner Bemerkung, die geschieden-wiederverheirateten Katholiken seien „nicht exkommuniziert“. Umgekehrt ist es genauso unangebracht, wenn sich traditionelle Stimmen über diese Aussage von Franziskus empören.

Was soll an dieser schlichten Tatsache aufregend sein?

Seit Jahrzehnten weisen Päpste (auch Benedikt) bisweilen darauf hin, daß der erwähnte Personenkreis durchaus nicht exkommunziert ist  –  mit anderen Worten: er ist nicht aus der kirchlichen „Communio“ (Gemeinschaft) ausgeschlossen, sondern „nur“ vom Sakramentenempfang. Wenn jemand nicht zum Tisch des HERRN darf, bedeutet dies aber noch lange keine Exkommunikation.

Auch das Getöse, eine solche Äußerung zum jetzigen Zeitpunkt sei gleichsam ein reformerisches „Signal“ an die Familiensynode, ist unsinnig, weil der Papst lediglich auf etwas hinweist, was einen Neuigkeitswert von 0,0% aufweist. Nur Personen (ob von links oder von rechts), die sich theologisch und kirchenrechtlich wenig auskennen, beginnen jetzt mit ihren oberschlauen Spekulationen.

Weiterführende Infos hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/02/17/wegweisender-sammelband-zum-dauerbrenner-ehe-und-kommunion/


Margot Käßmann und Luthers Exkommunikation – die Ex-Bischöfin glänzt durch Unwissenheit

Verständigung ist keine Einbahnstraße!

Derzeit liest man allenthalben, daß die evangelische Ex-Bischöfin Margot Käßmann von der katholischen Kirche „erwartet“, daß bis zum Reformations-Jubiläumsjahr 2017 die Exkommunikation Martin Luthers aufgehoben wird.

Zur Bekräftigung fügte die prominente Protestantin am vergangenen Montag gegenüber dem „Mannheimer Morgen“ hinzu: „Das fordern ja auch Katholiken wie etwa Hans Küng“.

Und wenn ein   –  von der katholischen Kirche zudem seit langem amtsenthobener   –  Theologe wie Küng etwas verlangt, dann kann das wohl nur klug und richtig sein?

Umgekehrt wird freilich ein Schuh draus: Eine Rücknahme der Exkommunikation ist nicht einmal logisch möglich, geschweige theo-logisch sinnvoll. Das gilt nicht allein für Luther, sondern grundsätzlich für alle Verstorbenen, die zu Lebzeiten exkommuniziert waren.

Wieso? Weshalb? Warum?

Ganz einfach: Wenn die Kirche ein Mitglied exkommuniziert, dann hat das nichts mit einer „Verfluchung“  zu tun, damit ist auch keine „Verdammung“ fürs Jenseits ausgesprochen, sondern der Betreffende wird vielmehr aus der „Communio“ –  der kirchlichen Sakramentengemeinschaft  – ausgeschlossen.

Er darf also nicht mehr an den Sakramenten teilnehmen und z.B. keine kirchlichen Ehrenämter bekleiden. (Er darf aber selbstverständlich an Gottesdiensten, Andachten und hl. Messen teilnehmen, aber nicht zum Tisch des Herrn gehen.)

Die Mitgliedschaft in der irdischen Kirche endet mit dem Tod

Foto: Petrusbruderschaft

Foto: Petrusbruderschaft

Nun hört die Mitgliedschaft in der irdischen, der sog. „streitenden“ Kirche mit dem Tod bekanntlich auf. Also kann die Kirche  nach dem Tod niemanden exkommunizieren  – und daher logischerweise auch keine Exkommunikation aufheben, somit auch nicht Luthers Exkommunikation.

Die kirchliche „Jurisdiktion“ (also die Ausübung des Hirtenamtes und diverser Vollmachten) ist nämlich auf die irdischen „Schäflein“ beschränkt.

Für das Jenseits verfügt die Kirche  –  wie sie selber lehrt  –  nicht über „kirchenrechtliche“ bzw sakramentale Befugnisse. Auch die Gebete der Gläubigen, hl. Messen und Ablässe für Verstorbene können daher „nur“ fürbitthalber wirksam werden, denn das „Reich der Toten“ liegt in Gottes Hand, es liegt buchstäblich „jenseits“ der „Schlüsselgewalt“ der irdischen Kirche.

Also: Die katholische Kirche  k a n  n  die Exkommunikation für Luther nicht aufheben und nicht „widerrufen“, selbst wenn sie es wollte.

Abgesehen davon würde ein solcher Vorgang wohl an den nach wie vor bestehenden Lehr-Unterschieden zwischen der katholischen Kirche und den protestantischen Konfessionen nichts ändern.

Bevor „Luther-Botschafterin“ Käßmann, Küng und Konsorten also ihre umwerfenden „Forderungen“ stellen, sollten sie sich erst einmal schlau machen,  was eine Exkommunikation überhaupt bedeutet, nämlich den Ausschluß aus der kirchlichen Sakramentengemeinschaft.

Man darf jedenfalls davon ausgehen, daß Luther wohl kaum aus dem Jenseits zurückkehrt, um wieder in den Genuß der kirchlichen „Communio“ zu gelangen bzw die katholischen Sakramente zu empfangen…

Ein gewisses Mindestmaß an kirchenrechtlicher und ecclesiologischer Sachkenntnis sollte man von der theologischen Prominenz eigentlich erwarten können.  –  Aber offenbar hält sich die Luther-Botschafterin für unglaublich gebildet, zumal in „ökumenischer“ Hinsicht:

Als katholische Blogger der damaligen Landesbischöfin im Jahre 2005 einen katholischen Katechismus zuschickten, da sie sich zuvor ignorant zum Thema „Ablaß“ geäußert hatte und die katholische Lehrauffassung dazu falsch darstellte, gab es folgende Reaktion aus ihrem Büro:

Durch Ute Neveling-Wienkamp ließ Margot Käßmann am 7. September 2005 ausrichten:

„Sie können davon ausgehen, dass Frau Dr. Dr. h.c. Käßmann sich in ökumenischen Fragen gut auskennt und Ihrer Nachhilfe an dieser Stelle nicht bedarf. Aus diesem Grunde erhalten Sie den Katechismus, wie Sie sehen, zurück. Sie werden dafür sicherlich eine andere Verwendung finden.“

Abgesehen davon:

Wenn die evangelische Seite ihre „Forderungen“ an die katholische Kirche stellt, dann kann das auch mal umgekehrt laufen:

Es wäre sicherlich sinnvoll, wenn sich evangelische Kirchenvertreter beispielsweise von Luthers zahlreichen anti-katholischen Tiraden distanzieren, von seinen Schimpf-Attacken gegen die heilige Messe oder auch von seiner Schrift „Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet“ und weiteren unfreundlichen Pamphleten dieser Art bzw. Unart.

Verständigung und ökumenischer Dialog sind eben durchaus keine Einbahnstraße!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

DIESER ARTIKEL wurde auch in der medienkritischen und faktenstarken JOURNALISTENWATCH veröffentlicht: http://journalistenwatch.com/cms/2012/12/29/margot-kasmann-und-luthers-exkommunikation-die-ex-bischofin-glanzt-durch-unwissenheit/