Prominente jüdische Stimmen aus aller Welt würdigen das Pontifikat von Papst Benedikt: „Er besitzt die Tiefe eines großen Denkers“

Juden anerkennen vor allem Benedikts Offenheit und Herzlichkeit: „Er hat in gegenseitiger Wertschätzung auch schwierige Themen nicht gemieden.“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland äußert sich sehr positiv über das Wirken von Benedikt XVI.  – Er habe die christlich-jüdische Annäherung seines Amtsvorgängers beherzt fortgesetzt, erklärte Zentralratspräsident Dieter Graumann am gestrigen Montag:

„Die Leistungen von Papst Benedikt XVI. würdigen wir mit tiefem Respekt und wünschen ihm von Herzen alles Gute und Gottes Segen.“  –  Er habe dem jüdisch-christlichen Verhältnis neue Impulse verliehen und es mit Herzlichkeit erfüllt:

„Die Versöhnung mit dem Judentum war Papst Benedikt XVI. ein ganz persönliches Anliegen.“

Graumann erinnert zudem an mehrere Begegnungen jüdischer Persönlichkeiten mit dem Pontifex:

„Der Papst hat das Gespräch mit der jüdischen Gemeinschaft ausdrücklich gesucht und in gegenseitiger Wertschätzung auch schwierige Themen nicht gemieden. Die Begegnung mit ihm war für uns eine große Freude und getragen von persönlicher Wärme.“

Charlotte Knobloch, die Vorgängerin Graumanns und heutige Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, hat den angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt „zutiefst“ bedauert:  IMG_1093

„Ein deutscher Papst  –  das war etwas Besonderes und sehr Bedeutsames vor allem für die Gläubigen in der Bundesrepublik“, sagte sie am gestrigen Montag in München  –  und fügte hinzu:

„Dieser zweifellos in tiefstem Glauben und größtem Verantwortungsbewusstsein gefasste Entschluss von Benedikt XVI verdient absoluten Respekt und Hochachtung.“

Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, lobte Papst Benedikt dafür, daß er den katholisch-jüdischen Beziehungen eine „solide theologische Basis gegeben und sie mit Inhalten und Leben gefüllt“ habe.

Das ECHO in POLITIK , RELIGION und MEDIEN in ISRAEL verlief weitgehend positiv:

Staatspräsident Shimon Peres erklärte, er sei traurig über die Entscheidung des Pontifex und würdigte zugleich seine Persönlichkeit:

„Papst Benedikt besitzt die Tiefe eines großen Denkers, die Ernsthaftigkeit eines großartigen Gläubigen, die Leidenschaft eines Friedensstifters und die Weisheit, sich auf Veränderungen in der Geschichte zu beziehen, ohne seine Werte zu verändern.“

Foto: KOMM-MiT-Verlag


Der 89-jährige Präsident des jüdischen Staates hob zudem die Verdienste Benedikts für die Beziehungen zwischen dem Volk Israel und der kath. Kirche hervor.

Der Oberrabbiner der sephardischen Juden, Schlomo Amar, würdigt das Eintreten Benedikts gegen jeden Antisemitismus. Zudem sollten seine Worte in Erinnerung bleiben, laut denen die Juden die „älteren Brüder“ und „Vorfahren“ der Christen seien.

Auch Israels zweiter Oberrabbiner Yona Metzger lobt die Verdienste des Papstes, wie die „Jerusalem Post“ gestern berichtet:

“Während seiner Amtszeit gab es die besten Beziehungen zwischen der Kirche und dem Oberrabbinat. Wir hoffen, dass sich das fortsetzt“, ließ Metzger ausrichten. Der Papst verdiene für sein Wirken „ein hohes Ansehen und viel Anerkennung“. Der führende israelische Gelehrte wünschte dem Papst “gute Gesundheit und ein langes Leben“.

Der Leiter der Abteilung für Diaspora und Religion beim Außenministerium, Schmuel Ben-Schmuel, dankte Benedikt für seine „herzliche und freundliche Haltung gegenüber dem jüdischen Volk“.  –  Er wies zudem darauf hin, daß dies der erste Papst (seit Gründung des Staates Israel) war, der offen den Radikalismus im Islam kritisiert hat.

David Rosen aus Jerusalem, ein führender Rabbi, der noch kürzlich energisch Erzbischof Müller gegen Angriffe in deutschen Medien verteidigte,  erklärte laut israelischer Zeitung „Haaretz“, Papst Benedikt habe die Beziehungen zum Judentum weiter verbessert, wenngleich es ihm „nicht gelungen sei, seinen konservativen Aktionen ein Lächeln aufzusetzen.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster

 


ISRAEL: Führender jüdischer Gelehrter nimmt Glaubenspräfekt Müller vor „böswilligen“ Auslegungen in Schutz

David Rosen übt scharfe Kritik an der deutschen Bundesjustizministerin

Im Zusammenhang mit Erzbischof Müllers Kritik an einer anwachsenden „Pogromstimmung“ gegen Kirche und die katholische Geistlichkeit kam es vielfach in deutschen  Mainstream-Medien und innerkirchlichen Kreisen zu schweren verbalen Angriffen gegen den Chef der römischen Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller.

Einige Politiker griffen sogar zur Holocaust-Keule gegen den unbeugsamen Vatikanvertreter, weil dieser in einem WELT-Interview erklärt hatte:

„Auch im Fernsehen werden Attacken gegen die katholische Kirche geritten, deren Rüstzeug zurückgeht auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum. Hier wächst eine künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert.“images

Nun wird der Kurien-Erzbischof von einem führenden jüdischen Oberrabbiner   –   David Rosen aus Jerusalem (siehe Foto)  –  energisch verteidigt, wie Paul Badde in der Online-Ausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ heute berichtet.

Der internationale Direktor des amerikanisch-jüdischen Komitees für interreligiöse Angelegenheiten nimmt Müller gegen den Vorwurf von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) in Schutz, die dem Glaubenspräfekten und vormaligen Bischof von Regensburg einen Holocaust-Vergleich unterstellt hatte.

„Kein Vergleich mit den Grausamkeiten der Schoah ist je angemessen“, sagte Rosen gegenüber der Zeitung „Die Welt“:

„Ebenso klar ist für jeden vernünftigen Menschen, der die Worte Erzbischof Müllers nachliest, aber auch, dass ein solcher Vergleich keineswegs in dessen Absicht war. Dies dem Interview zu entnehmen, kann nur das Ergebnis einer böswilligen Absicht sein.“

Der dreifache Familienvater David Rosen war einst Oberrabbiner von Irland und ist ehem. Vorsitzender des IJCIC (Internationales Jüdisches Komitees für Interreligiöse Konsultationen). Der Gelehrte aus Jerusalem ist zudem einer der Gründer des Interreligiösen Koordinierungsrats in Israel, der 70 Organisationen umfaßt. Auf der Nahost-Sondersynode des Vatikans war Rosen als Redner eingeladen und wurde vom Papst persönlich begrüßt.

Bereits seit Jahren würdigt der Rabbiner die judenfreundlichen Worte und Gesten von Papst Benedikt XVI.: So habe der Pontifex als erster Papst Vertreter des Judentums nicht nur zur Trauerfeier für seinen Amtsvorgänger eingeladen, sondern auch zu seiner eigenen Amtseinführung.

Er habe sich zudem als Kurien-Kardinal und Glaubenspräfekt maßgeblich für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl und dem Staat Israel eingesetzt  –  und später als Papst mehrfach jüdische Delegationen zu Gesprächen im Vatikan empfangen. Auch der Besuch Benedikts in Israel im Mai 2009 wird von Rabbi Rosen als höchst bedeutsam und von nachhaltiger Wirkung eingeschätzt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Webseite „terrasanta.net“