CHRISTUS ist der „Fürst des Friedens“ in einer gnadenlosen Welt

Von Dennis Riehle

Im Jahr 2016 wurde der Glaube an einen friedliebenden Gott wieder einmal auf die Probe gestellt. Brutalität und Gewalt eines Ausmaßes, das wir über Jahre und Jahrzehnte nicht gesehen haben. Gnadenlosigkeit und Hass auf verschiedensten Seiten, ausgehend von terroristischen Organisationen, von Staatsmännern und möglicherweise sogar Kindern. Riehle, Dennis_5

Die Maschinerie der Machtdemonstration hat mit „Aleppo“ einen neuen Namen bekommen. Eine Unmenschlichkeit, die diejenigen zu lähmen erscheint, von denen eigentlich Interventionen erhofft werden. Aber viele Menschen setzen nicht allein auf die irdische Beeinflussung des Blutvergießens, sondern hoffen auf göttlichen Beistand.

In der Adventszeit singen wir mit Hoffnung über den König, der zu uns kommen möge. Wir bauen auf Christus, der uns als „Friedefürst“ erstrahlen und vor Freude jauchzen lassen soll.

Doch kann man tatsächlich Zuversicht entwickeln bei Bildern von Fassbomben, von ausgehungerten Babys oder Kriegsschiffen, die auf See patrouillieren, um auch niemanden in das „gelobte Land“, nach Europa, hinein zu lassen, der dort „nicht hingehört“?

Der Theismus und die WARUM-Frage

Ein Agnostiker sagte mir vor kurzem, er könne sich ja noch mit einem Deismus abfinden, mit dem Glauben an einen Schöpfergott. Doch nach den sieben Tagen, da hat ER die Welt offenbar alleine gelassen, meinte er. Theistisch zu denken, davon überzeugt zu sein, dass Gott in das Weltgeschehen eingreife, das gelinge ihm nicht. phoca_thumb_m_111218065_b_weihnachtsbaum

Auch ihn plagt die „Theodizée-Frage“ nach dem „Warum?“. Weshalb kann ein Gott die von ihm geschaffenen Menschen sich gegenseitig die Köpfe einschlagen lassen – und dabei einfach nur zusehen, wenn er doch allmächtig ist und die Möglichkeiten haben sollte, dieses Leid zu stoppen?

Philosophen und Religionstheoretiker streiten sich darum: Kann ER nicht, will ER nicht Einfluss nehmen auf das Geschehen seiner Ebenbilder, die es offenbar nicht schaffen, in Eintracht miteinander auf einem gemeinsamen Planeten zu leben?

Auch die FREIHEIT ist Gottes Liebesbeweis

In 1. Mose 3,22  stellt uns Gott auf unsere eigenen Beine. Man könnte meinen, so etwas sei verantwortungslos, spätestens dann, wenn man erkennt, dass die Schützlinge wohl eben doch nicht ohne Halt laufen können. Man könnte es aber auch ganz anders deuten: Ist es nicht ein großer Liebesbeweis, sein Kind in die Freiheit zu entlassen? Ihm Verantwortung zu übertragen und damit auch zu verdeutlichen, dass man ihm etwas zutraut?  wnm_2012_Weihnachtsmarkewww

Nur wenn Eltern loslassen können, dann entwickeln sich ihre Kleinsten irgendwann auch zu eigenständigen Persönlichkeiten. „Aus Erfahrung klug werden“, das wäre vielleicht ein Credo gegenüber uns Menschen, doch offenbar lernen wir aus unseren Fehlern nicht. Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass wir uns abschlachten. Schon in der Bibel war es so. Und auch da war es nicht die „unsichtbare Hand Gottes“, die dann wundersame Rettung brachte.

Offenbar geht dieser Allmächtige einen Weg, den wir auf den ersten Blick nicht verstehen können. „Der Friede, der höher ist als all unsere Vernunft“, so hören wir es immer wieder nach den Predigten in den Kirchen, ist derjenige, den wir mit unserem begrenzten Verstand nicht greifen können. Wir erwarten die Erlösung im Sinne eines Fingerschnippens – und plötzlich ist alles wieder gut.

Kein Radiergumme für die Realität des Lebens

Ja, naiv sind wir schon. Und wir meinen, wir müssten uns nicht abmühen, im Zweifel wird Gott es schon wieder richten. Doch ER hat uns nicht auf die Spielwiese unseres Lebens entlassen, denn unsere Realität ist eine Zeichnung, in der es keinen Radiergummi gibt.

Ja, wir werden mit den Konsequenzen unseres Handelns konfrontiert, hart und unbarmherzig. Und wir allein tragen dafür die Schuld, wir müssen uns vor unserem Gewissen verantworten – und vor einem Gott, der eben nicht der Mann mit dem Rauschebart und der roten Mütze ist, der jetzt wieder die Geschenke unter den Baum legen wird.

Theismus bedeutet nicht, dass wir stets auf ein Sicherheitsnetz vertrauen können, das uns und unsere Fehler einfach nur auffängt, wenn wir gerade wieder einmal nicht darüber nachgedacht haben, was wir anstellen. Weihnacht 2013.001

Ob ein Herr Assad, ein Herr Erdogan, ein Herr Trump: Egal, was wir sagen, was wir tun, im Augenblick des Hier und Jetzt mögen uns die Folgen wenig interessieren. Doch jeder von uns wird an einen Punkt kommen, an dem wir uns fragen, was wir eigentlich für diese Erde getan haben.

Bei manch Einem könnte dann die Reue einsetzen und das Bangen ob einer gnädigen Vergebung. Bei Anderen zählt allein das Machtinteresse, auch über das weltliche Dasein hinaus. Bei Vielen von uns wiederum ist es wohl jetzt schon Resignation angesichts der Hilflosigkeit.

Gott lässt uns in diesem kaum auszuhaltenden Spannungsbogen aus „Unrast und Unruh‘“, wie es Zofia Jasnota im Jahre 1977 schrieb, weil wir „ständig versuchen, Friede für alle zu schaffen“ – und der Empörung über die offenbare Untätigkeit desjenigen, der einerseits auch an Weihnachten 2016 wiederum ein Teil von uns werden will, aber gleichzeitig die klaren Zeichen für einer Intoleranz des menschlichen Verhaltens in den Krisengebieten und Trümmern allüberall vermissen lässt.

Wir sind keine Marionetten des Ewigen

Doch was wäre es für ein Gott, wenn ER nicht darauf setzen würde, dass wir selbstständig entscheiden können. Wir würden zu seinen Marionetten werden, uns fehlte jedwede Integrität, Selbstbewusstsein und auch Einsichtsfähigkeit.

Jesus bräuchte es nicht, denn immerhin ist ER es, der uns allen beweist, dass Menschsein auch anders aussehen kann als das, was derzeit nicht nur in seiner Heimat geschieht. Gott hält viel auf jeden Einzelnen, ansonsten könnte er uns unseren eigenen Willen nehmen, uns einen Freifahrtsschein geben, damit wir uns in Gewissheit um seine „Airbags“ immer wieder neu in das Unheil unseres Handelns stürzen und uns ausprobieren – allerdings nie ohne die Chance, auch einmal unabhängig werden zu können, uns durchsetzen und auch für uns und unser Leben aus eigenen Stücken befinden zu können.  christus

Weisheit könnte gar nicht erst wachsen. Klugheit würde sich nicht entwickeln, denn es bräuchte sie auch gar nicht. Denn auch Mündigkeit gäbe es bei einem Theismus, der Gott immer dann eingreifen lässt, wenn unser Unvermögen wieder einmal Oberwasser gewinnt, keineswegs.

Nein, wir können wahrlich nicht nachvollziehen, dass es erst Millionen von Toten bedarf, ehe wir irgendwann erkennen mögen, wie egoistisch wir sind – bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir plötzlich auf uns gestellt sind. Wird Gott dann erst milde werden, wenn wir uns wie Beschämte über uns selbst in die Ecke stellen, weil wir auf einmal mit Schrecken feststellen, dass wir all das kaputt gemacht haben, was die Grundlage für die Existenz ist – unsere Mitmenschen, unsere Ethik, die Ressourcen?

Gott ist nicht das Sprungtuch, das sich auf Knopfdruck öffnet. ER verhilft uns nicht zu einer Eins in der kommenden Mathearbeit, obwohl wir nicht dafür gelernt haben. Er sucht uns keine neue Bleibe, nur weil wir uns nicht um eine Wohnung gekümmert haben. Und ER lässt auch nicht das Geld vom Himmel regnen, wenn wir vergessen haben, uns beim Amt zu melden.

GOTT ist nicht unser Bittsteller

Das ist kein Theismus, Gottes Gegenwart und seine Hilfe wird nicht dort erkennbar, wo wir es gern hätten. Welches Gottesbild müssen wir haben, wenn wir vollends unverschämt darauf setzen, dass dieser Allmächtige immer dann eingreift, wenn wir einen Fehler gemacht haben? Wir würden die Positionen tauschen, der Allmächtige würde zu unserem Bittsteller werden. Das Menschgeschaffene soll Gott wieder richten, wie ein nachsichtiger Vater, der damit verhindert, dass wir je erwachsen werden. Logo Christustag

Auch bei Krankheiten, in Armut oder bei all den Katastrophen – dort, wo wir als Menschen scheinbar unschuldig in Not geraten, hält ER sich zurück. Kaltherzig, so könnte man es vermuten. Denn wir vermögen nicht entdecken, warum dieses Leid nötig sein soll. Dabei müsste ER doch die Möglichkeit haben, uns davor zu bewahren. Will ER denn wirklich nicht? Nein, es ist wahrlich keine Prüfung, in der wir ihm etwas beweisen müssen. Das Durchschreiten der tiefsten Täler ist die Gelegenheit für uns, in etwas Sinnlosem einen Sinn zu erkennen – und an dieser Erkenntnis wachsen zu können.

Gott lässt uns „im Stich“, aber ER lässt uns nicht los

Gott lässt uns im Stich, aber ER lässt uns nicht los. Seine rettende Hand zeigt sich dann, wenn wir es nicht vermuten. Und sie offenbart sich auch nicht so, wie wir es uns wünschen. Nicht dann, wenn uns die Nachricht über den Krebs erreicht. Nicht, wenn uns der Arbeitgeber die Kündigung übergibt. Und auch nicht, wenn die Artillerie-Feuer in Ost-Aleppo niedergehen. „Friede soll mit euch sein“, so erhofft es auch Zofia Jasnota. Aber der Kehrvers des Liedes schränkt gleichsam ein: „Nicht so, wie ihn die Welt euch gibt, Gott selber wird es sein“. geburt-christi-bethlehem-stall

Dann, wenn wir nicht mehr daran glauben, tut sich Hoffnung auf. Wie bei Maria und Josef, die umherirrten, aber keine Bleibe finden konnten. Und plötzlich dieser Stall, die Hirten und dann auch noch Engel. Aus Obdachlosigkeit wurde schlussendlich die Geburt eines Kindes, das uns bis heute daran erinnern soll, dass wir mit Gottes Nähe rechnen dürfen.

Theismus wird nur dann verständlich werden, wenn wir es auch schaffen, von unserem irdischen Denken einmal loszulassen. Wenn wir Vertrauen finden in die Verheißung, dass es unsere Vernunft eben nicht vollbringen kann, die Gottesgnade zu fassen. Wenn wir uns auf die kleinen Zeichen einlassen, die für uns zunächst einmal unbedeutend erscheinen.

Nicht die großen Wunder können uns retten, sondern das Unverhoffte inmitten des großen Elends. Die haltende Hand nach dem verheerenden Bombenhagel, der Klinikclown auf der Kinderonkologie im Krankenhaus, das Lächeln der Mutter, wenn es doch nur für die „Fünf“ im Zeugnis gereicht haben sollte. Um unserer Freiheit willen müssen wir die Auswirkungen unserer menschlichen Unzulänglichkeit ertragen lernen und darauf warten, dass Gott uns seinen Frieden so schenkt, wie ER es möchte, nicht, wie wir es wollen.

Verstehen kann man das wahrscheinlich nicht. Aber dann wäre es sicher auch kein Glaube…

Unser Autor Dennis Riehle (Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz) ist evangelischer Prädikant (Laienprediger) und in der Beratungsarbeit tätig
Webpräsenz: http://www.Dennis-Riehle.de


Buch-Kritik: „Kirche und Freimaurerei im Dialog“ (Herbert Vorgrimler)

Felizitas Küble über Prof. Vorgrimler und die „getrennten Brüder“

In der Rezension „Fundamente des Glaubens geleugnet“ (siehe  Monatsblatt „Theologisches“ Nr. 4/2003) hatte ich das neue, Anfang 2003 erschienene Buch von Prof. em. Herbert Vorgrimler untersucht und zahlreiche theologische Irrtümer aufgezeigt.

Dr. Bernd F. Pelz

Das eindeutig häretische Werk des gefeierten Rahner-Schülers trägt den irreführenden Titel „GOTT – Vater, Sohn und Heiliger Geist„; der Münsteraner Dogmatiker verwirft darin entscheidende Teile der kirchlichen Trinitätslehre, leugnet die Gottheit Christi und die Personalität des Heiligen Geistes, kritisiert die Deutung des Kreuzestodes Christi als Opfer bzw. Sühne und stellt die historische Glaubwürdigkeit des Neuen Testamentes infrage.  

Ab 1987 wirkte Dr. Herbert Vorgrimler, der seit 1972 als Nachfolger Karl Rahners in Münster Dogmatik lehrte, einige Jahre auch als Dekan der Kath.-Theologischen Fakultät.

Zwei Jahre zuvor veröffentlichte er seine „Theologische Gotteslehre„, die sich von wichtigen Teilen der kirchlichen Trinitätslehre distanzierte und überdies erklärte, die „biblischen Gottesbilder“ ließen sich heute „nicht mehr vermitteln“. Dieses 1985 erschienene Werk erhält durch das in diesem Jahr veröffentlichte Buch eine (theo)logische Fortsetzung, weil die Häresien dort munter vermehrt wurden.

1975, genau 10 Jahre vor dem Erscheinen der „Theologischen Gotteslehre“, brachte der Frankfurter Knecht-Verlag ein Buch heraus, das nicht nur eine Annäherung, sondern eine klare

Parteinahme für die Freimaurerei darstellt, gespickt mit häufigen Angriffen gegen die kirchliche Position.

Dieses Werk trägt den Titel „Kirche und Freimaurer im Dialog“. Als Verfasser dieses Lobgesangs auf die Freimaurerei fungieren der Theologe Herbert Vorgrimler, der die Freimaurer

freundlich als „getrennte Brüder“ bezeichnet (man glaubte bislang, dieser Begriff gelte den evangelischen Christen)  –  sowie der Redakteur Rolf Appel, eigenen Angaben zufolge Freimaurer seit 1948, danach mit hochrangigen Funktionen bekleidet (Mitglied des Senats der Vereinigten Großlogen von Deutschland).

Kritik an katholischer Kirche

Schon in der von Vorgrimler verfassten „Einleitung“ des Buches wird die Kath. Kirche wegen ihrer Ablehnung der Freimaurerei scharf kritisiert:

„Lange Zeit“ sei „selbst die katholische Kirche dem Anti-Freimaurer-Wahn verfallen„. Diese Fehlhaltung könne nur durch „Besinnung auf das ursprüngliche Christentum“ abgebaut werden. Die Kirche müsse sich lösen von einer „hysterischen Psychose gegen Minderheiten“, wobei Vorgrimler „Juden, Kommunisten und Freimaurer“ namentlich benennt. imm031_29A

Überhaupt könnte man den Eindruck gewinnen, als ob Freimaurer in Deutschland übel diskriminiert würden, bezeichnet Vorgrimler sie doch allen Ernstes als „verfolgte und verleumdete Minderheit hierzulande“. Vorgrimler berichtet, dass er kein Logenmitglied sei, weil er persönlich „verschiedene Bedenken“ empfinde, die aber „nicht theologischer oder dogmatischer Natur“ seien.

Prof. Vorgrimler: Kein Mitglied, aber zugeneigt

Er kann mit freimaurerischen Symbolen und Riten nicht allzu viel anfangen, zumal es im „katholischen Christentum“, wie er schreibt, „noch genug entbehrliche Symbole, Zeremonien und Titel gibt, die das Wesentliche nicht in sich bergen, sondern verdecken“. – Da möchte sich der Theologe nicht mit weiteren Symbolen und Ritualen aus der Loge „belasten“.

Allerdings bekundet er ausdrücklich seine „Hochachtung und Zuneigung gegenüber der Freimaurerei“. Im Schlußsatz seiner Einleitung bestätigt er den Freimaurern, dass er bei ihnen „nie andere Motive wahrnahm als die der Verwirklichung von Humanität, Toleranz und Gewissensfreiheit.“

Nun wissen nicht wenige konservative Christen aus Erfahrung, dass die „Toleranz“ vieler selbsternannter Lordsiegelbewahrer der Toleranz bisweilen genau dort aufhört, wo der Andersdenkende beginnt, seinen Standpunkt zu äußern. Damit verliert die vielgepriesene Toleranz ihren eigentlichen Sinn, denn dieser kann nur darin bestehen, dass man dem Andersdenkenden den persönlichen Respekt nicht verweigert, also zwischen Person und Sache trennt.

Toleranz als Einbahnstraße?

Davon kann freilich beim Theologen Vorgrimler keine Rede sein. Toleranz erscheint auch bei ihm als Einbahnstraße, die gegenüber angeblich „verfolgten“ Minderheiten wie z. B. Kommunisten und Freimaurern eingeklagt werden muss, aber selbstverständlich gegenüber „bösen“ Konservativen ihre Gültigkeit verliert.

Wer die Freimaurerei eindeutig ablehnt, ist aus der Sicht des Münsteraner Dogmatikers offenbar reif für die „Klapse“ oder gar ein Fall für den Staatsanwalt. Selbst dann, wenn man beispielsweise mit Pater Manfred Adlers Büchern gegen die Freimaurerei nicht übereinstimmt, wird man sich noch lange nicht dazu versteifen dürfen, den Autor einer „nazistischen Geisteswelt“ zu bezichtigen, wie Vorgrimler das mehrfach unterstellt (S. 66/67).

Sieht so etwa die freimaurerisch inspirierte „Toleranz“ aus, die sich flugs in eine „braune Keule“ verwandelt, wenn es sich beim Andersdenkenden um einen Freimaurerkritiker handelt?

Polemik gegen Bischof Rudolf Graber

Auch der damalige Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Graber, der sich in seiner 1973 erschienenen Schrift „Athanasius und die Kirche unserer Zeit“ skeptisch zur Freimaurerei äußerte, erfährt den fast rasenden Zorn Vorgrimlers, der damals als Dogmatikprofessor in Münster lehrte. Er spricht in bezug auf den Bischof vom „Untergrund, der solche Meinungen hervorbringt“ und von einem „Milieu, das den innerkirchlichen Aufstand probt“ (S. 68).

Vorgrimler sieht seine Aufgabe nun darin, vor solchen „Tendenzen“ zu warnen, „in deren Rahmen Phänomene wie Adler und Graber einzuordnen sind“ (S. 68). – Neben dem Miriam-Verlag, der Monatszeitschrift „Der Fels“ und der „neuen bildpost“ wird auch die „Deutsche Tagespost“ dem antifreimaurerischen Spektrum zugerechnet, wobei die „Übergänge zur Sektenmentalität fließend sind“, wie Dr. Vorgrimler zu berichten weiß (S. 69).

Auf Seite 70 lässt der Autor dann die Katze aus dem Sack und psychiatrisiert ausdrücklich seine Gegner, die schrecklichen Freimaurer-Kritiker, bei denen offenbar die hehren Worte und Werte von „Toleranz, Humanität und Gewissensfreiheit“ ihr abruptes Ende finden, denn schließlich  –  das merke man sich bitte!  –  gilt „Gewissensfreiheit“ nur für Gegner der Kirche, für „verfolgte Minderheiten“ wie Kommunisten und Freimaurer.

Psychiatrisierung der Logenkritik

Vorgrimler schreibt also: „Aus dieser merkwürdigen, nur psychoanalytisch und psychiatrisch erklärbaren Subkultur des katholischen Milieus stammen die nachkonziliaren Angriffe auf die Freimaurerei. Die Erzeugung und Nährung von Psychosen ist heutzutage nicht mehr, wie in den Zeiten Pius IX. und Leos XIII., eine Angelegenheit, an der sich der Papst mit der Mehrheit der Bischöfe beteiligt. Den Betroffenen  –  in diesem Fall den getrennten Brüdern, den Freimaurern  –  mag das ein Trost sein. Man könnte diese Subkulturen sich selbst und ihren Wahnvorstellungen überlassen, da sie Feindbilder und Märtyrersehnsucht nötig haben, um überhaupt existieren zu können und ihnen niemand das Recht auf Existenz absprechen möchte …“.

Bis dahin darf man beruhigt feststellen, dass der Dogmatikprofessor seinen Gegnern immerhin das „Recht auf Existenz“ nicht abspricht, was schon als Fortschritt gelten mag. Der Satz ist freilich noch nicht zu Ende: „…ihnen niemand das Recht auf Existenz absprechen möchte  –  wären nicht schon einmal aus ähnlichen (wenn auch nicht ausgesprochen „christlichen“) Subkulturen jene gekommen, denen es gelang, im Kampf gegen Juden, Freimaurer und Kommunisten die Welt ins Unglück zu stürzen.“

Die Nationalsozialisten, die Vorgrimler hier ins Spiel bringt, haben vor allem die katholische Kirche bekämpft, was er offenbar zu erwähnen „vergisst“. Nicht die Freimaurer, sondern Papst, Bischöfe, Jesuiten und „Pfaffen“ waren die vorrangigen Feindbilder, die im „Stürmer“ und ähnlichen Hetzschriften ständig attackiert und durch Karikaturen verunglimpft wurden.

Verständnis für deistisches „Gottesbild“

Großes Verständnis zeigt Vorgrimler für das bestenfalls deistische, häufig völlig verschwommene und unpersönliche Gottesbild mancher „christlicher“ Freimaurer der unteren Grade (Johannislogen). Der Autor stellt fest: „Im freimaurerischen Begriff des Großen Baumeisters des Universums ist nun nichts enthalten und ausgesprochen, was dem christlichen Gottesverständnis im Weg stünde.“ (S. 74).

Während Dr. Vorgrimler in den Seiten zuvor alle Hände voll zu tun hatte, Andersdenkende zu diffamieren und zu psychiatrisieren, fällt ihm im Zusammenhang mit der Freimaurerei wieder das Hohelied der Toleranz ein. Auf S. 76 stellt er das vermeintlich weiße Gewand der Loge dem angeblich befleckten Kleid der Kirche gegenüber:

„Ein Katholik kann aber der Überzeugung sein, dass die Bejahung der Menschenrechte in der Kirche, die Bejahung der religiösen Toleranz in der Gesellschaft und damit auch die Bejahung der Gewissensfreiheit, die Einsicht, dass die Freiheit nur soweit verwirklicht ist, als die Freiheit der Einsicht in die Kirche gekommen ist.“

Wer hat diese „Einsichten“ in den Raum der Kirche getragen? – Aber sicher doch, die „verfolgten Minderheiten“ natürlich:

„Er (der Katholik) wird zugeben müssen, dass die Kirche die Freiheit verschüttet hat und dass andere sie neu erkämpfen mussten. In diesem Sinne kann er Außenstehenden – Protestanten, Juden, Freimaurern, Sozialisten – für vielfältige Einsichten dankbar sein, für die seine Kirchenführer blind waren.“

Zustimmung zum Antiklerikalismus

Auf der nächsten Seite erklärt der Autor dem vielleicht damals noch staunenden Publikum, dass es durchaus einen „berechtigten Antiklerikalismus“ gebe. Schließlich könne „auch ein Katholik der begründeten Überzeugung sein, die Kirche einer bestimmten Region nehme zu viel Einfluss auf das öffentliche Leben; sie sei mit zu vielen Privilegien ausgestattet, ihre legitim erworbenen Rechte stünden heute einem glaubhaften evangelischen Zeugnis im Wege, sie müsse daher, wie das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich vorsah, auch auf solche legitimen Rechte verzichten.“

Der Autor erspart sich die Beweisführung aus dem 2. Vatikanum, das angeblich dazu aufruft, die Kirche „müsse“ auf ihre „legitim erworbenen“ (!) Rechte verzichten. Auch wenn die Freimaurerei dies seit Jahrhunderten fordert, „muss“ die Kirche sich diesem Wunsche noch lange nicht fügen, zumal die Logen keineswegs zugunsten der Kirche auf irgendwelche „Rechte“ verzichten. Wieder nur eine Einbahnstraße zu Lasten der Kirche!

Vorgrimler würdigt auch atheistische Logen

Wenn dieser einseitige Antiklerikalismus überdies mit dem wohlklingenden Wort vom „evangelischen Zeugnis“ verbrämt wird, stehen einem erst recht die Haare zu Berge. „Toleranz üben zu lernen ist auch für Katholiken durchaus wertvoll“, schreibt Vorgrimler sogar hinsichtlich jener atheistischer Logen, die den sog. „Obersten Baumeister des Weltalls“ nicht verehren (S. 77/78).

Solange der Glaube in diesen ungläubigen Logen nicht bekämpft werde, stehe einer Mitgliedschaft von Katholiken seiner Ansicht nach nichts im Wege. Aber selbst gegenüber betont atheistischen, gemeint sind wohl antikirchlichen Logen, bei denen sogar Vorgrimler von einer Mitgliedschaft abrät, empfiehlt er „Dialog und Zusammenarbeit“ (S. 78).

Es entspräche „nicht christlichem Geist“, wenn die Kath. Kirche „lediglich“ ihr Verhältnis zu den „regulären Logen“ ordnen würde, hingegen eine „absolute Feindschaft“ gegenüber antiklerikalen „irregulären Logen“ (in Frankreich z. B. der mitgliederstarke „Grand Orient de France“) aufrechterhalten wolle.

Kirche wird „pathologisches Feindbild“ vorgehalten

Das würde bedeuten, dass die Kirche auf eine unmissverständliche Abgrenzung verzichtet gegenüber Gruppen, von denen sie bekämpft wird. So etwas wie „Feindschaft“ darf sich offenbar nur die Loge leisten; von Seiten der Kirche handelt es sich im gleichen Fall um ein „pathologisches Feindbild“ (S. 78).

Wieder einmal fällt dem Theologen Vorgrimler das Zweite Vatikanum ein, wenn ihm sonst nichts mehr einfällt. Es muss jetzt dazu herhalten, „im Interesse der Menschheit“ tätig zu werden:

„Es entspräche nicht den vom Konzil ausgehenden Impulsen, wollte man gar nicht nach Aufgaben fragen, die sich möglicherweise im Interesse der Menschheit und einer humanen Zukunft für Katholiken und Freimaurer gemeinsam abzeichnen.“ (S. 79)

Mit diesem wenig sagenden, aber viel andeutenden Schlußsatz verabschiedet sich Prof. Vorgrimler von den Lesern des Buches.

Möglicherweise denkt er an etwas Ähnliches wie sein theologischer Ziehvater Karl Rahner, der bereits 4 Jahre zuvor, nämlich 1971, in dem Sammelband „Zur Theologie der Zukunft“ auf S. 111 folgendes über die „planetarische Menschheit“ zu schreiben wusste:

„Der Mensch von heute und erst recht der von Morgen ist der Mensch einer planetarisch vereinheitlichten Geschichte, eines globalen Lebensraumes und damit der Abhängigkeit jedes von schlechthin allen. Die UNO ist dafür nur ein bescheidenes Indiz.“

Führender Freimaurer Rolf Appel

Was nun den Buch-Kollegen Rolf Appel betrifft, so stimmt er natürlich mit dem Theologen Vorgrimler in der Wertschätzung der Freimaurerei überein, zumal er dort seit Jahrzehnten als Mitglied zuhause ist. Man muss dem Redakteur und Verleger Appel allerdings zugutehalten, dass er die Logengeschichte weitaus kritischer sieht und sichtet als der katholische Dogmatiker, was einigermaßen erstaunt.

Immerhin räumt er ein, dass vor allem im 18. Jahrhundert schwerwiegende Fehler und Ver(w)irrungen seitens der Freimaurerei vorgekommen sind; ein Gedanke, den Prof. Vorgrimler vermutlich nie zu denken wagte, jedenfalls floss er nicht in seine Tinte.

Der bekennende Freimaurer Rolf Appel jedoch konstatiert offenherzig: „Es ist nur zu verständlich, dass die katholische Kirche den größten Argwohn gegenüber der Freimaurerei hegen musste“, zumal die Logenarbeit damals „streng geheim“ gewesen sei (S. 125).

Das hört sich deutlich anders an als die antikirchlichen Attacken Vorgrimlers gegen die vermeintlich „pathologischen Wahnvorstellungen“ und die „Erzeugung von Psychosen“ durch Papst und Kirche, wogegen er auf den Seiten 62 bis 70 unerbittlich polemisiert.

Causa „Lichtenauer Erklärung“

Im Anhang an den Vorgrimler-Artikel wird übrigens die freimaurerfreundliche „Lichtenauer Erklärung“ von 1970 dokumentiert, an der Prof. Vorgrimler mitwirkte, die aber nicht einmal vom Wiener Kardinal König unterzeichnet wurde, obgleich dieser der Freimaurerei keineswegs feindlich gegenübersteht.

Bischof Dr. Josef Stimpfle (Augsburg) erklärte am 12. Mai 1980 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz in einer Pressemitteilung: „Die Lichtenauer Erklärung hat keinerlei kirchliche Autorisierung erhalten: Weder von einer Bischofskonferenz noch von einer römischen Behörde.

Außerdem stellte er klar: „Die gleichzeitige Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei ist unvereinbar.“ – Seine Begründung: „Die Freimaurerei hat sich in ihrem Wesen nicht gewandelt. Eine Zugehörigkeit stellt die Grundlagen der christlichen Existenz in Frage.“

Die „Deutsche Tagespost“, in Dr. Vorgrimlers Buch der antifreimaurerischen „Subkultur“ zugerechnet, veröffentlichte am 8. 12. 1981 ein Interview von Radio Vatikan mit Bischof Stimpfle. Darin gibt der Augsburger Oberhirte zu erkennen, dass sogar die jahrelangen offiziellen Gespräche mit „regulären“ (nicht antikirchlichen) Freimaurern nur einen Einblick in die unteren drei Grade ermöglicht haben.

Geheimnischarakter der Logen

Der Bischof berichtet wörtlich:

„Die Freimaurerei ist auf vielen Graden aufgebaut. Nur für die unteren drei Grade (Lehrling, Geselle, Meister), für die „Johannismaurerei“, erstreben die Freimaurer eine kirchliche Beitrittserlaubnis, während sie für die höheren Grade eine Öffnung zur Kirche hin nicht erstreben, offensichtlich auch gar nicht für möglich halten. Die höheren Grade, ihr Wesen, ihre Ziele und Aktivitäten, hüllen sie in ein undurchdringliches Geheimnis. Noch im Jahr 1980 hat der zugeordnete Großmeister G. Großmann eine Verstärkung des Geheimnischarakters der Freimaurerei gefordert.“

Daraufhin stellt der Bischof die berechtigte Frage: „Wie kann sich die Kirche einer Organisation öffnen, deren oberste Leitung ihre Pläne und Unternehmungen völlig verborgen hält?“

Unvereinbarkeitsbeschluß der dt. Bischöfe

Die eindeutige Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz, vom „Spiegel“ (Nr. 13/1981) damals als „Anti-Freimaurer-Bannfluch“ und „Rückmarsch ins Ghetto“ bezeichnet, führte zu wütenden Ausfällen des „herausragenden Theologen“.

Der Unvereinbarkeits-Beschluss des deutschen Episkopats gehöre, so Dr. Vorgrimler, „in die Sammlung aberwitziger Bannflüche seit 150 Jahren“.

Er fügte hinzu: „Die Kirche muss sich nicht wundern, wenn sie angesichts solcher Erklärungen als Gesprächspartner nicht mehr ernst genommen wird.

Das „alte“ Kirchenrecht (CIC von 1917) enthielt bekanntlich eine Bestimmung (can. 2335), wonach der Beitritt zur Freimaurerei bei Strafe der Exkommunikation verboten ist. Nachdem die Freimaurerei im neuen CIC von 1983 nicht mehr ausdrücklich erwähnt ist, wurde dies von interessierter Seite so verstanden, als stände damit einer Logenmitgliedschaft von Katholiken nichts mehr im Wege.

Kardinal Ratzingers Klarstellung zur FreimaurereiPapst Benedikt XVI

Kardinal Joseph Ratzinger trat angesichts der offensichtlichen Verwirrung auf die Notbremse und veröffentlichte am 26. 11. 1983 unter Berufung auf den Papst eine offizielle Erklärung der Glaubenskongregation, in der es heißt:

„Das negative Urteil der Kirche über die freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert, weil ihre Prinzipien immer als unvereinbar mit der Lehre der Kirche betrachtet wurden und deshalb der Beitritt zu ihnen verboten bleibt.“

Zu jener Zeit, als Prof. Vorgrimler sein Dialogbuch pro Freimaurerei herausbrachte (1975), galt ohnehin noch der alte CIC, der für die Mitgliedschaft in der Loge ausdrücklich die Exkommunikation vorsah.

Man hätte nun erwarten dürfen, dass das Vorgrimler-Buch nicht ohne Folgen bleibt, stellt es doch eine offensichtliche Parteinahme für die Freimaurerei dar, verbunden mit scharfen Attacken gegen die Kirche, besonders gegen Bischof Rudolf Graber. Meines Wissens führten weder diese noch andere Veröffentlichungen des Rahner-Schülers im zuständigen Bistum Münster zu diszipliniarischen bzw. kirchenrechtlichen Konsequenzen, obwohl dieser „Star-Theologe“ seit Jahrzehnten seine Häresien publiziert.

Bischof Lettmann würdigt Prof. Vorgrimler

Im Gegenteil: die Freundschaft zwischen Diözesanbischof Dr. Reinhard Lettmann und dem „undogmatischen“ Dogmatiker Vorgrimler ist seit langem bekannt. Niemand macht ein Geheimnis daraus, am wenigsten der Oberhirte selbst.

In den „Westfälischen Nachrichten“ erschien am 12.5.2003 ein vierspaltiger Artikel mit großem Foto und vielsagendem Titel: „Dank an einen herausragenden Theologen“. Gemeint war damit kein Geringerer als Dr. Herbert Vorgrimler, dessen „Goldenes Priesterjubiläum“ es zu feiern galt.

Offenbar scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass bei prominenten Theologen  –  Häresien hin oder her – auch hochrangige Amtsträger zur Stelle sind, die allzu gut wissen, was sie dem Zeitgeist schuldig sind. Das breitformatige Zeitungs-Foto zeigt Dr. Vorgrimler als Hauptzelebranten am Altar, daneben die Bischöfe Dr. Reinhard Lettmann, Heinrich Mussinghoff (Aachen), Evmenios von Lefka (griechisch-orthodox) sowie zwei weitere Geistliche.

„Drei Bischöfe gratulierten“, schreiben die „Westfälischen Nachrichten“ stolz im Untertitel. Diese Tageszeitung erscheint im Aschendorff-Verlag, der auch das neueste Buch von Dr. Vorgrimler herausbringt.

Zeitungsreporter Johannes Loy beginnt seinen Bericht mit sichtlicher Begeisterung:

„Generationen von Studierenden hat er geprägt, sein Name ist in der theologischen Forschung weltweit ein Begriff und „sogar dem Papst bekannt“, wie Bischof Dr. Reinhard Lettmann schmunzelnd formulierte. Prof. Dr. Herbert Vorgrimler (74), emeritierter Universitätsprofessor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, feierte am Samstag sein Goldenes Priesterjubiläum …“.

„Diesem Ruf ist unser Jubilar gefolgt“

Die Zeitung schildert auch die Predigt des Diözesanbischofs:

„Bischof Reinhard Lettmann dankte Vorgrimler für seinen Dienst als Priester und theologischer Lehrer. „Das Priesteramt ist kein „Job“, sondern ein Dienst in der Berufung Gottes. Diesem Ruf ist auch unser Jubilar gefolgt.“

Theologie müsse sich an der Geschichtlichkeit festhalten und dürfe sich nicht in die Mythologie oder in ein Glasperlenspiel flüchten. Dies habe Vorgrimler immer wieder gelehrt. Lettmann wörtlich: „Wenn das Heil geschichtslos wird, wird auch die Geschichte heillos.“

Die „Westfälischen Nachrichten“ berichten sodann, dass Dr. Vorgrimler auch in der Krankenseelsorge des Clemenshospitals von Münster mitwirke. Darauf will sich der „herausragende Theologe“ freilich nicht beschränken, denn: „Etliche weitere Buchprojekte liegen auf seinem Schreibtisch.“

Dass der Aschendorff-Verlag seinen eigenen Autor hofiert, kann man gewiss nachvollziehen, wenngleich die Verehrung zuweilen merkwürdige Ausmaße annimmt.

Als der Zeitungsverlag am 22. Januar dieses Jahres zu einem Vortrag mit Prof. Vorgrimler einlud und zugleich sein neues Buch vorstellte, kamen ca. 170  –  meist weibliche – Zuhörer.

Ein Verlagsmitarbeiter würdigte den Referenten in seiner Begrüßung über alle Maßen, indem er beispielsweise sagte, er sei „nicht würdig, ihm (Dr. Vorgrimler) die Schuhriemen zu lösen“. – Abschließend appellierte er an die Anwesenden: „Was er euch sagt, das tut!“ – Gemeint war mit „er“ nicht etwa Jesus Christus, sondern der gefeierte Theologe von der schreibenden Zunft.

Bischof Mussinghoffs ist Vorgrimler verbunden

Zu den „Fans“ von Dr. Vorgrimler gehört anscheinend auch Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff (Aachen), der vor seiner Bischofsweihe als Dompropst in Münster tätig war. Er ist zum Vize-Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz aufgestiegen und gilt, wie es in einer Überschrift der „Westfälischen Nachrichten“ heißt, als „Mann der leisen Töne mit Ambitionen“.

Weniger leise, sondern eher verwunderlich klang es freilich, als Bischof Mussinghoff beim „Weltgebetstreffen der Religionen“ in Aachen (7. bis 9. September 2003) Folgendes zum Besten gab:

„Gott ist nicht katholisch. Gott ist nicht evangelisch. Gott ist nicht orthodox. Gott ist nicht einmal christlich.“

Am 12. Mai 2003 konzelebrierte er beim „Goldenen Priesterjubiläum“ von Dr. Vorgrimler gemeinsam mit Bischof Reinhard Lettmann. In einem Interview mit den „Westfälischen Nachrichten“ vom 14. August 2003 erklärte Bischof Mussinghoff, dass er sich weiterhin gelegentlich mit Prof. Vorgrimler treffe.

Auf die Frage „Was vermissen Sie heute?“, antwortete der Aachener Oberhirte: „Den Kontakt zur katholisch- theologischen Fakultät. Eine solche Fakultät gibt es in Münster, in Aachen nicht … Einen regelmäßigen Gedankenaustausch mit Theologie-Professoren pflegen zu können, das habe ich während meiner Zeit als Dompropst sehr geschätzt und genossen.“

Diesen Gedankenaustausch schätzt auch sein Münsteraner Amtskollege Reinhard Lettmann, jedenfalls in bezug auf Dr. Vorgrimler. Als der Bischof im Februar 2003 seinen 70. Geburtstag feierte, erschienen in der Bistumszeitung „Kirche und Leben“ (Nr. 8/2003) drei positive Würdigungen, darunter auch eine von Bischof Mussinghoff unter dem Titel „Treue und Beständigkeit“.

ARD-Chef Fritz Pleitgen lobt Bischof Lettmann

Einen weiteren Beitrag („Hoch gebildet und tief geerdet“) über Dr. Reinhard Lettmann verfasste Fritz Pleitgen, politisch linksorientierter WDR-Intendant und bis vor kurzem auch Chef der ARD. – Der fünfspaltige Artikel „Dem Kommenden entgegen“ stammte selbstverständlich vom „herausragenden Theologen“.

Dr. Vorgrimler bezeichnet sich darin als „persönlichen Wegbegleiter“ und „Weggefährten“ des Münsteraner Oberhirten. Er berichtet von gemeinsamen Urlaubsreisen und „unvergesslichen Situationen“, z. B. der folgenden:

„Zu ihnen gehört ein Abend in den Bergen des Sinai, als das Feuer tief niedergebrannt war, die zwei Beduinen schliefen, die Kamele leise schnaubten, als wir schlaflos die Sternenpracht des tiefdunklen Himmels schauten und Reinhard Lettmann englische Gedichte rezitierte.“

Der Theologe schildert seinen „Weggefährten“ als jemanden, der durch Gebet und Gottvertrauen die Kraft finde, ein „positiver, konstruktiv denkender und auch ein toleranter Mensch zu sein.“

Dr. Vorgrimler fügt hinzu: „Mit den Miesmachern, den „Unheilspropheten“, die überall nur Verderben und Untergang wittern, hat er nichts gemein.“ 

Auch wenn glaubenstreue Katholiken in den Veröffentlichungen des Münsteraner „Startheologen“ keinen Untergang wittern, so erkennen sie durchaus Verderben darin, wenn Glaubensfundamente zerstört und wesentliche Wahrheiten der Heiligen Schrift und der verbindlichen kirchlichen Lehre geleugnet werden.

Das gilt besonders für die Gottheit Christi, denn mit dem Glauben an den Gottmenschen Jesus Christus steht und fallt nicht „nur“ der katholische Glaube, sondern das Christentum insgesamt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift „Theologisches“ vom November 2003