Warum ich als Homosexueller die Ehe von Mann und Frau besonders schätze

Von Dennis Riehle

Es war eine respektvolle Debatte im Deutschen Bundestag, wie man sie sich öfter einmal wünschen würde. Denn jeder wusste: Auch wenn man für die „Ehe für alle“ war, so musste man gerade bei Gewissensentscheidungen die persönlichen Beweggründe des Anderen für ein eventuelles Nein zumindest würdigen.

Ich bin als Homosexueller gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Und nein, diese Einstellung leitet sich nicht aus dem zweckgebundenen Denken ab, das viele Kritiker einer „Ehe für alle“ vorbringen, denn das Kinderkriegen allein kann kein ethischer Wert einer Beziehung sein.

Niemand bestreitet, dass Prinzipien des Zwischenmenschlichen ohne jeglichen Abstrich auch in einer Verbindung aus Mann und Mann oder Frau und Frau gelebt werden können. Das Grundgesetz schützt eine Institution, die sich nicht ausschließlich durch das Versprechen zum Einstehen füreinander definiert.

Es billigt dieser einzigartigen Konstellation der naturgeschaffenen Unterschiedlichkeit, die sich sexuell, aber auch in der Gegensätzlichkeit geschlechtlicher Eigenschaften klassisch ergänzt, eine Position zu, die auch für mich als Schwulen verstehbar privilegiert erscheint.

Die positive Betonung des Wertes der Ehe bedeutet nicht gleichzeitig die Diskriminierung anderer Lebensformen. Ich fühle mich nicht benachteiligt, wenn einem Miteinander, das sich über die Maße vervollkommnet, noch weitere, abseits der allseits gültigen und universellen Menschenrechte hinaus gehende Grundrechte zugesprochen werden, die mir zwar eine Entbehrung abverlangen, mich in meiner Würde aber nicht schlechter stellen.

Gleichstellung kann nur dort gelingen, wo auch Vergleichbares gegenübersteht. Hat die Natur mit unterschiedlichen Geschlechtern nur aus Zufall heraus eine Verschiedenheit der Menschen geschaffen, ohne damit aber einen Sinn zu verbinden? 

Die Ehe zwischen Mann und Frau ist keine Auserwählung, sondern die Hinnahme der bloßen Erkenntnis, dass sich in vielen verschiedenen Bereichen das Korrelat zwischen zwei unterschiedlichen Geschlechtern als offenkundig idealistisch erweist, über den Schatz der gelebten Solidarität, wie sie unter allen Menschen praktiziert werden kann, aber keine Aussage trifft. 

Unser Autor Dennis Riehle aus Konstanz hat weitere Stellungnahmen hier online gestellt: www.Dennis-Riehle.de

 

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CHRISTUS ist der „Fürst des Friedens“ in einer gnadenlosen Welt

Von Dennis Riehle

Im Jahr 2016 wurde der Glaube an einen friedliebenden Gott wieder einmal auf die Probe gestellt. Brutalität und Gewalt eines Ausmaßes, das wir über Jahre und Jahrzehnte nicht gesehen haben. Gnadenlosigkeit und Hass auf verschiedensten Seiten, ausgehend von terroristischen Organisationen, von Staatsmännern und möglicherweise sogar Kindern. Riehle, Dennis_5

Die Maschinerie der Machtdemonstration hat mit „Aleppo“ einen neuen Namen bekommen. Eine Unmenschlichkeit, die diejenigen zu lähmen erscheint, von denen eigentlich Interventionen erhofft werden. Aber viele Menschen setzen nicht allein auf die irdische Beeinflussung des Blutvergießens, sondern hoffen auf göttlichen Beistand.

In der Adventszeit singen wir mit Hoffnung über den König, der zu uns kommen möge. Wir bauen auf Christus, der uns als „Friedefürst“ erstrahlen und vor Freude jauchzen lassen soll.

Doch kann man tatsächlich Zuversicht entwickeln bei Bildern von Fassbomben, von ausgehungerten Babys oder Kriegsschiffen, die auf See patrouillieren, um auch niemanden in das „gelobte Land“, nach Europa, hinein zu lassen, der dort „nicht hingehört“?

Der Theismus und die WARUM-Frage

Ein Agnostiker sagte mir vor kurzem, er könne sich ja noch mit einem Deismus abfinden, mit dem Glauben an einen Schöpfergott. Doch nach den sieben Tagen, da hat ER die Welt offenbar alleine gelassen, meinte er. Theistisch zu denken, davon überzeugt zu sein, dass Gott in das Weltgeschehen eingreife, das gelinge ihm nicht. phoca_thumb_m_111218065_b_weihnachtsbaum

Auch ihn plagt die „Theodizée-Frage“ nach dem „Warum?“. Weshalb kann ein Gott die von ihm geschaffenen Menschen sich gegenseitig die Köpfe einschlagen lassen – und dabei einfach nur zusehen, wenn er doch allmächtig ist und die Möglichkeiten haben sollte, dieses Leid zu stoppen?

Philosophen und Religionstheoretiker streiten sich darum: Kann ER nicht, will ER nicht Einfluss nehmen auf das Geschehen seiner Ebenbilder, die es offenbar nicht schaffen, in Eintracht miteinander auf einem gemeinsamen Planeten zu leben?

Auch die FREIHEIT ist Gottes Liebesbeweis

In 1. Mose 3,22  stellt uns Gott auf unsere eigenen Beine. Man könnte meinen, so etwas sei verantwortungslos, spätestens dann, wenn man erkennt, dass die Schützlinge wohl eben doch nicht ohne Halt laufen können. Man könnte es aber auch ganz anders deuten: Ist es nicht ein großer Liebesbeweis, sein Kind in die Freiheit zu entlassen? Ihm Verantwortung zu übertragen und damit auch zu verdeutlichen, dass man ihm etwas zutraut?  wnm_2012_Weihnachtsmarkewww

Nur wenn Eltern loslassen können, dann entwickeln sich ihre Kleinsten irgendwann auch zu eigenständigen Persönlichkeiten. „Aus Erfahrung klug werden“, das wäre vielleicht ein Credo gegenüber uns Menschen, doch offenbar lernen wir aus unseren Fehlern nicht. Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass wir uns abschlachten. Schon in der Bibel war es so. Und auch da war es nicht die „unsichtbare Hand Gottes“, die dann wundersame Rettung brachte.

Offenbar geht dieser Allmächtige einen Weg, den wir auf den ersten Blick nicht verstehen können. „Der Friede, der höher ist als all unsere Vernunft“, so hören wir es immer wieder nach den Predigten in den Kirchen, ist derjenige, den wir mit unserem begrenzten Verstand nicht greifen können. Wir erwarten die Erlösung im Sinne eines Fingerschnippens – und plötzlich ist alles wieder gut.

Kein Radiergumme für die Realität des Lebens

Ja, naiv sind wir schon. Und wir meinen, wir müssten uns nicht abmühen, im Zweifel wird Gott es schon wieder richten. Doch ER hat uns nicht auf die Spielwiese unseres Lebens entlassen, denn unsere Realität ist eine Zeichnung, in der es keinen Radiergummi gibt.

Ja, wir werden mit den Konsequenzen unseres Handelns konfrontiert, hart und unbarmherzig. Und wir allein tragen dafür die Schuld, wir müssen uns vor unserem Gewissen verantworten – und vor einem Gott, der eben nicht der Mann mit dem Rauschebart und der roten Mütze ist, der jetzt wieder die Geschenke unter den Baum legen wird.

Theismus bedeutet nicht, dass wir stets auf ein Sicherheitsnetz vertrauen können, das uns und unsere Fehler einfach nur auffängt, wenn wir gerade wieder einmal nicht darüber nachgedacht haben, was wir anstellen. Weihnacht 2013.001

Ob ein Herr Assad, ein Herr Erdogan, ein Herr Trump: Egal, was wir sagen, was wir tun, im Augenblick des Hier und Jetzt mögen uns die Folgen wenig interessieren. Doch jeder von uns wird an einen Punkt kommen, an dem wir uns fragen, was wir eigentlich für diese Erde getan haben.

Bei manch Einem könnte dann die Reue einsetzen und das Bangen ob einer gnädigen Vergebung. Bei Anderen zählt allein das Machtinteresse, auch über das weltliche Dasein hinaus. Bei Vielen von uns wiederum ist es wohl jetzt schon Resignation angesichts der Hilflosigkeit.

Gott lässt uns in diesem kaum auszuhaltenden Spannungsbogen aus „Unrast und Unruh‘“, wie es Zofia Jasnota im Jahre 1977 schrieb, weil wir „ständig versuchen, Friede für alle zu schaffen“ – und der Empörung über die offenbare Untätigkeit desjenigen, der einerseits auch an Weihnachten 2016 wiederum ein Teil von uns werden will, aber gleichzeitig die klaren Zeichen für einer Intoleranz des menschlichen Verhaltens in den Krisengebieten und Trümmern allüberall vermissen lässt.

Wir sind keine Marionetten des Ewigen

Doch was wäre es für ein Gott, wenn ER nicht darauf setzen würde, dass wir selbstständig entscheiden können. Wir würden zu seinen Marionetten werden, uns fehlte jedwede Integrität, Selbstbewusstsein und auch Einsichtsfähigkeit.

Jesus bräuchte es nicht, denn immerhin ist ER es, der uns allen beweist, dass Menschsein auch anders aussehen kann als das, was derzeit nicht nur in seiner Heimat geschieht. Gott hält viel auf jeden Einzelnen, ansonsten könnte er uns unseren eigenen Willen nehmen, uns einen Freifahrtsschein geben, damit wir uns in Gewissheit um seine „Airbags“ immer wieder neu in das Unheil unseres Handelns stürzen und uns ausprobieren – allerdings nie ohne die Chance, auch einmal unabhängig werden zu können, uns durchsetzen und auch für uns und unser Leben aus eigenen Stücken befinden zu können.  christus

Weisheit könnte gar nicht erst wachsen. Klugheit würde sich nicht entwickeln, denn es bräuchte sie auch gar nicht. Denn auch Mündigkeit gäbe es bei einem Theismus, der Gott immer dann eingreifen lässt, wenn unser Unvermögen wieder einmal Oberwasser gewinnt, keineswegs.

Nein, wir können wahrlich nicht nachvollziehen, dass es erst Millionen von Toten bedarf, ehe wir irgendwann erkennen mögen, wie egoistisch wir sind – bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir plötzlich auf uns gestellt sind. Wird Gott dann erst milde werden, wenn wir uns wie Beschämte über uns selbst in die Ecke stellen, weil wir auf einmal mit Schrecken feststellen, dass wir all das kaputt gemacht haben, was die Grundlage für die Existenz ist – unsere Mitmenschen, unsere Ethik, die Ressourcen?

Gott ist nicht das Sprungtuch, das sich auf Knopfdruck öffnet. ER verhilft uns nicht zu einer Eins in der kommenden Mathearbeit, obwohl wir nicht dafür gelernt haben. Er sucht uns keine neue Bleibe, nur weil wir uns nicht um eine Wohnung gekümmert haben. Und ER lässt auch nicht das Geld vom Himmel regnen, wenn wir vergessen haben, uns beim Amt zu melden.

GOTT ist nicht unser Bittsteller

Das ist kein Theismus, Gottes Gegenwart und seine Hilfe wird nicht dort erkennbar, wo wir es gern hätten. Welches Gottesbild müssen wir haben, wenn wir vollends unverschämt darauf setzen, dass dieser Allmächtige immer dann eingreift, wenn wir einen Fehler gemacht haben? Wir würden die Positionen tauschen, der Allmächtige würde zu unserem Bittsteller werden. Das Menschgeschaffene soll Gott wieder richten, wie ein nachsichtiger Vater, der damit verhindert, dass wir je erwachsen werden. Logo Christustag

Auch bei Krankheiten, in Armut oder bei all den Katastrophen – dort, wo wir als Menschen scheinbar unschuldig in Not geraten, hält ER sich zurück. Kaltherzig, so könnte man es vermuten. Denn wir vermögen nicht entdecken, warum dieses Leid nötig sein soll. Dabei müsste ER doch die Möglichkeit haben, uns davor zu bewahren. Will ER denn wirklich nicht? Nein, es ist wahrlich keine Prüfung, in der wir ihm etwas beweisen müssen. Das Durchschreiten der tiefsten Täler ist die Gelegenheit für uns, in etwas Sinnlosem einen Sinn zu erkennen – und an dieser Erkenntnis wachsen zu können.

Gott lässt uns „im Stich“, aber ER lässt uns nicht los

Gott lässt uns im Stich, aber ER lässt uns nicht los. Seine rettende Hand zeigt sich dann, wenn wir es nicht vermuten. Und sie offenbart sich auch nicht so, wie wir es uns wünschen. Nicht dann, wenn uns die Nachricht über den Krebs erreicht. Nicht, wenn uns der Arbeitgeber die Kündigung übergibt. Und auch nicht, wenn die Artillerie-Feuer in Ost-Aleppo niedergehen. „Friede soll mit euch sein“, so erhofft es auch Zofia Jasnota. Aber der Kehrvers des Liedes schränkt gleichsam ein: „Nicht so, wie ihn die Welt euch gibt, Gott selber wird es sein“. geburt-christi-bethlehem-stall

Dann, wenn wir nicht mehr daran glauben, tut sich Hoffnung auf. Wie bei Maria und Josef, die umherirrten, aber keine Bleibe finden konnten. Und plötzlich dieser Stall, die Hirten und dann auch noch Engel. Aus Obdachlosigkeit wurde schlussendlich die Geburt eines Kindes, das uns bis heute daran erinnern soll, dass wir mit Gottes Nähe rechnen dürfen.

Theismus wird nur dann verständlich werden, wenn wir es auch schaffen, von unserem irdischen Denken einmal loszulassen. Wenn wir Vertrauen finden in die Verheißung, dass es unsere Vernunft eben nicht vollbringen kann, die Gottesgnade zu fassen. Wenn wir uns auf die kleinen Zeichen einlassen, die für uns zunächst einmal unbedeutend erscheinen.

Nicht die großen Wunder können uns retten, sondern das Unverhoffte inmitten des großen Elends. Die haltende Hand nach dem verheerenden Bombenhagel, der Klinikclown auf der Kinderonkologie im Krankenhaus, das Lächeln der Mutter, wenn es doch nur für die „Fünf“ im Zeugnis gereicht haben sollte. Um unserer Freiheit willen müssen wir die Auswirkungen unserer menschlichen Unzulänglichkeit ertragen lernen und darauf warten, dass Gott uns seinen Frieden so schenkt, wie ER es möchte, nicht, wie wir es wollen.

Verstehen kann man das wahrscheinlich nicht. Aber dann wäre es sicher auch kein Glaube…

Unser Autor Dennis Riehle (Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz) ist evangelischer Prädikant (Laienprediger) und in der Beratungsarbeit tätig
Webpräsenz: http://www.Dennis-Riehle.de


Warum erschöpft sich das „Wort zum Sonntag“ in substanzloser Sozialkritik?

OFFENER BRIEF an Beauftragte der evang. und kath. Kirche über das „Wort zum Sonntag“

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Jahrzehnten gehört das „Wort zum Sonntag“ zu den Garanten im deutschen Fernsehen: Weiterhin sind jeden Samstag hunderttausende Zuseher vor den Geräten, mittlerweile auch an den digitalen Empfängern, um das „Wort zum Sonntag“ als einen Impuls für den bevorstehenden Feiertag mit in die Nacht zu nehmen. Riehle, Dennis_5

Auch ich gehöre zu diesen Interessierten, die sich regelmäßig einen christlichen Blick auf unser Zeitgeschehen wünschen. In einem ansprechenden Format, kurz und prägnant, modern und doch seriös – das sind die wesentlichen Eckpunkte einer mehrminütigen Sendung, die zeigen soll, welche Kultur und welche religiösen Traditionen unser Land auch im 21. Jahrhundert fortdauernd prägen.

Die Gedanken, die uns die evangelischen und katholischen Sprecher mit auf den Weg geben, sollen persönlich, aber auch für die Zuschauer in ihr jeweiliges Leben übertragbar sein. Sie sollen wirklichkeitsnah, aber eben nicht dem Zeitgeist hinterherrennend sein. Und sie sollen fundamental im besten Sinne, nämlich den Wurzeln lebendigen Christentums nah, sein.

Das geschieht am sinnvollsten durch die Bibel. Als Heilige Schrift ist sie das wesentliche Instrument, um Menschen zu erklären, was unsere Religion ihnen sagen möchte. Sie ist Grundlage für eine Existenz nach all unseren Werten, den Überzeugungen und den klaren Botschaften christlicher Verkündigung, die die Sendung sein soll:

Keine Kurzpredigt im dogmatischen oder belehrenden Verständnis, sondern ein ganz vitaler Anstoß, der freudig, aber eben nachdenklich machen soll, sich mit dem eigenen Glauben wieder neu kritisch und ermahnend gleichsam auseinanderzusetzen.

Doch wo ist dieses Werk geblieben? Wie oft fragte ich mich in der letzten Zeit, wodurch sich das „Wort zum Sonntag“ noch von dem Kommentar unterscheidet, den ich kuchristusrz davor in den „Tagesthemen“ sah. Denn von der Bibel war keine Rede. Viel eher ein recht weicher Meinungsbeitrag zu aktuellen Themen, dem es an jedwedem christlichen Inhalt fehlte.

Nein, Sozialkritik ist in einem Sendungsformat, das sich explizit mit dem religiösen Verständnis unserer Gegenwart befassen möchte, nicht möglich, solange es an einem Bezug zu einer biblischen Stelle fehlt. Friedensappelle werden in einem solchen Rahmen wertlos, wenn nicht Gottes Vergebung ihre Erwähnung findet. Und finanzpolitische Einordnungen bleiben dann unglaubwürdig, wenn sie im „Wort zum Sonntag“ ohne ein Gleichnis aus dem „Buch der Bücher“ auszukommen vermögen.

Standpunkte, Gutdünken oder Besserwisserei – für sie brauchen wir keine drei Minuten des Samstags. Sie können wir täglich in den sozialen Netzwerken, aber auch im Alltag erleben.

Das „Wort zum Sonntag“ ist viel zu wertvoll, um zu einem Sendeplatz zu verrohen, an dem substanzlose Einordnung dessen geschieht, was ohnehin schon jeder von uns weiß. Die Themen der Bibel, sie sind genauso präsent wie unser Heute – nutzen wir doch dieses Alleinstellungsmerkmal, das „Tagesschau“, Wissensmagazine und Talksendungen eben nicht zu bieten haben:

Die Betrachtung aus diesem Blickwinkel des Religiösen, des Christlichen, der eben doch einzigartig ist, wenn man die Chance nicht vergibt, ihn mit  geistlicher Nahrung jeden Samstag neu zu füttern und in Erinnerung zu rufen, wozu wir uns bekennen und worauf wir uns beziehen dürfen.

Mit dieser Ermutigung und den besten Segenswünschen
grüße ich Sie herzlich

Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz
Webpräsenz: http://www.Dennis-Riehle.de

 


Kritik an Pro-Islam-Plakataktion des BDKJ: Interreligiöser Dialog auf Abwegen

 Von Dennis Riehle

„Alle Christen glauben an Allah“, so titeln derzeit viele Plakate in der Region Tübingen. Gemeinsam mit dem Islam-Verband DITIB hat der „Bund der deutschen katholischen Jugend“ (BDKJ) eine Aktion gestartet, die für große Empörung sorgte.  Riehle, Dennis_5

Eigentlich hatte man sich für den interreligiösen Dialog einsetzen wollen, doch jetzt protestieren sogar Politiker der SPD gegen das Projekt. Immerhin gibt es mehrere anstößige Punkte, die nicht nur den Gläubigen aufgefallen sind:

DITIB steht als „verlängerter Arm“ der türkischen Regierung in der Kritik, direkte Einflussnahmen durch Präsident Erdogan auf den Dachverband werden befürchtet. Hat sich die katholische Jugend „missbrauchen“ lassen, wie es manche Kritiker nun vorbringen?

In der bisherigen Diskussion ist der theologische Aspekt der Plakataussage weitgehend unbeachtet geblieben:

Der BDKJ argumentiert, dass „Allah“ doch schließlich auch „Gott“ bedeuten würde, insofern seien Christen und Muslime verbunden. Ob sie eine höhere Macht haben, an die sie gemeinsam glauben dürfen, das wird sicher stets ein Geheimnis bleiben.

Doch nicht die Übersetzung interessiert bei der letztendlichen Frage des Glaubens. Allein der Umstand, dass wir unterschiedliche Bezeichnungen in den verschiedenen Sprachen vorfinden, belegt, dass es nicht um dieses Subjekt „Gott“, sondern viel eher um die Bilder von ihm gehen dürfte, die uns trennen – und die wir eben nicht miteinander teilen sollen, wenn wir mit ihnen unterschiedliche Religionen praktizieren.allah-poster

„Allah“, „Jahwe“ oder eben „Gott“ – jede Begrifflichkeit ordnet dem Unbegreiflichen eine Vorstellung darüber zu, wie sich „Gott“ uns Menschen offenbart. Diesen Umstand hat der BDKJ bei seinen Betrachtungen ausgelassen.

Christen sind überzeugt von einem trinitarischen Verständnis, das wir von Gott haben. Es ist eben nicht dasselbe wie jenes von Muslimen oder Juden. Wer aus einem nachvollziehbaren Grund von Verständigung versucht, Gott auf seine alleinige Existenz im Glauben der unterschiedlichen Lehren zu reduzieren, dabei aber vertuscht, dass es gerade die Erscheinungsformen sind, in denen sich die Anschauungen voneinander unterscheiden, setzt den „guten Willen“ über die Tatsache, dass Religionen mit der Aufgabe ihrer Prinzipien nicht nur ihr Alleinstellungsmerkmal verlieren würden.

Viel eher gäben sie sogar ihr Fundament auf, das keinesfalls nur eine Rechtfertigungsgrundlage, sondern das Selbstbewusstsein einer jahrtausendealten Bewegung ist.  

Parallelen ergeben sich nicht dadurch, dass man von einem Gott überzeugt sein mag, sondern viel eher in der Frage seiner individuellen Transzendenz. Deshalb können Christen nicht an Allah glauben, der Aufschrei wäre viel größer, hätte man stattdessen umgekehrt  festgehalten: „Alle Muslime glauben an den Vater Jesu“, wie die richtige Beschreibung lauten müsste, würde man eine Entsprechung suchen wollen, die dem „Gott“ gerecht wird, von dem Christen eigentlich sprechen sollten.

Deutet man nämlich „Allah“ ausschließlich deistisch, würde man seiner Gegenwärtigkeit ebenso wenig gerecht, wie im Falle der Begrenzung von „Jahwe“ auf seine Eigenschaft als Schöpfer der Welt.

Die theistische Bedeutung ist jene, die den jeweiligen Glauben prägt. Wir können nicht darüber hinwegsehen, dass wir trotz der Verbundenheit als abrahamitische Religionen den jeweiligen Anspruch auf die Einzigartigkeit unseres Gottesbildes erheben wollen – und uns deshalb eine leichtfertige Zuschreibung des fremden Verständnisses Gottes auch nicht zu eigen machen können. Mit-Christus-Bruecken-bauen-Logo-e1371220720992

BILD: Motto des Regensburger Katholikentags von 2015: Nicht ohne, sondern  m i t  Christus Brücken bauen!

Mit dem Slogan des BDKJ würden wir unsere Identität als Christen vollends aufgeben, was sicherlich nicht im Sinne all der Macher dieser Aktion gewesen sein dürfte.

Den interreligiösen Dialog voranzubringen, das ist eine ehrenvolle Herausforderung, die zweifelsohne großer Unterstützung bedarf. Wie der Ursprung des Namens aber verrät, ist der Dialog einzig ein „Zwie-Gespräch“. Er darf nicht als eine Vereinnahmung missgedeutet werden, vor allem dann nicht, wenn wir um manch angespannte Situation im Verhältnis der Religionen untereinander wissen.

Wir dürfen uns bewusst mit unserer Überzeugung von einem Gott behaupten, die seine Allgegenwart gerade nicht nur durch den Vater, sondern eben auch als Sohn und daneben im Heiligen Geist zum Ausdruck bringt.

Wenn Annäherung zu einer Anbiederung wird, hat sie nichts mehr von Eigenständigkeit – und wird auch nicht weiter ernst genommen. Im Gegenteil: Schwachheit in den eigenen Glaubensbildern kann dazu führen, dass Religionen belächelt werden. Gerade das hätte das Christentum aber auf keinen Fall nötig.

Dialoge führt man auf Augenhöhe, um sie mit gegenseitigem Respekt und Wertschätzung bereichern zu können. Modernität bedeutet nicht, sich zum Weichspüler unter den Gemeinschaften zu degradieren. Wo ist die Courage der katholischen Jugend denn heute geblieben?

Unser Autor Dennis Riehle aus Konstanz ist evangelischer Prädikant (Laienprediger) und aktiv in Beratung und Seelsorge
Webpräsenz: http://www.Dennis-Riehle.de


Weshalb mein Ausflug in den „säkularen Humanismus“ nicht von Dauer war

Erfahrungsbericht von Dennis Riehle

Wie soll ich mir die Auferstehung Jesu tatsächlich vorstellen? Warum soll gerade er denn nun dieser Sohn Gottes sein? Und wie ist er in den Himmel aufgefahren? Lange Zeit sprach ich das Glaubensbekenntnis mit, ohne mir wirkliche Gedanken darüber zu machen, was ich dort eigentlich wiedergebe. Riehle, Dennis_5

Und überhaupt: Warum greift Gott nicht in das Geschehen der Welt ein, wenn man ihn am meisten brauchen würde? Die klassische Theodizée-Frage erreichte mich nicht ohne Grund, als ich selbst merkte, dass die Kirche keinesfalls der Ort von Heiligkeit ist, für den ich ihn lange gehalten hatte. Ausgrenzung aufgrund sexueller Orientierung, wegen seelischer Probleme, ein wahrlicher Spießrutenlauf durch die zahlreichen Anfeindungen von Geistlichen und auch Laien waren irgendwann zur Tagesordnung geworden.

Und ich zweifelte tatsächlich: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Gesundheitliche Leiden plagten mich, der soziale Halt, den die Gemeinde geboten hatte, war verschwunden – und ich spürte, dass auf keines meiner Gebete noch eine Antwort kam.

Dabei hatte ich über viele Jahre eine Menge guter Erfahrungen gesammelt. Mit großer Freude die Ausbildung zum Prädikanten (Hilfsprediger) und in der Seelsorge absolviert, in der Gemeinde viel Sinnstiftendes erlebt, Gottesdienste gestaltet, Konfirmanden unterrichtet, Andachten gehalten.media-390606-2

Doch plötzlich war ich für die Jugendarbeit nicht mehr der Richtige, war die Citypastoral kritisch geworden, weil ich die katholischen Vorgaben nicht hinnehmen wollte – und diejenigen Mitchristen, denen ich noch vor ein paar Wochen freundschaftlich begegnet bin, wechselten unverhohlen die Straßenseite, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Wie sollte also ein theistischer Gott aussehen, der hierbei tatenlos bleibt, zusieht, ohne ein Zeichen zu senden?

Jahre ließ ich vergehen, die Skepsis wurde immer größer. Schlussendlich die Frage: Kann ich weiterhin einem „Verein“ angehören, der mich offenbar nicht will und dessen Grundlagen ich mittlerweile kaum noch überzeugt mitgetragen habe, lediglich aus dem Umstand, weil „man“ es eben so macht? Die Antwort kam eines Nachts: Am nächsten Morgen unterschrieb ich meine Austrittserklärung aus der Kirche – und erlebte einen befreienden Moment.

Recht engagiert orientierte ich mich neu: Humanismus sollte es sein. Über ihn hatte ich mich bereits im Vorfeld informiert und war begeistert von den Überlegungen, die er teilte. Der Einstieg in die säkulare Szene fiel somit leicht, öffnete ich mich doch den Weltanschauungen zwischen Atheismus und Freidenkertum, um zu erfahren, wo künftig meine eigene Heimat sein sollte.

Zweifelsohne ist es in einer sich anscheinend kirchenferner entwickelnden Gesellschaft aber dennoch schwierig, mit anderen Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Nach Gründung der „Humanistischen Alternative Bodensee“ mit einigen Mitstreitern wurde deutlich, dass all diejenigen, die keiner Kirche angehörten, nicht zwingend daran interessiert sind, sich für eine humanistische Orientierung auch wirklich einzusetzen.   0016

Die Erfahrungen aus der „Institution Kirche“ schreckten viele ab, sich neuerlich an eine Organisation zu binden – egal, wie offen man sie auch gestaltet. Und nicht wenige Menschen sind zwar konfessionsfrei, aber nicht gleichsam ungläubig, sondern viel eher agnostisch denkend.

Doch das waren nicht die einzigen Probleme: Der „Evolutionäre Humanismus“ gibt sich nicht nur kirchenkritisch, er zeigt sich in Teilen sogar extrem. Mit einer rigorosen Ablehnung von Religion wird der Andersdenkende nicht selten diffamiert.

Jene, die – wie ich – den Respekt vor jeder Form des Glaubens als notwendig ansehen, werden bisweilen als Unterstützer der Kirchen beschimpft, als immer noch nicht vom Christentum Losgelöste. Ein Schwarz-Weiß der besonders deutlichen Linie, das in Teilen weit über die Attacken hinausgeht, die mir aus kirchlichen Reihen geläufig waren. Der Humanismus wurde bis auf die Spitzen des Denkbaren getrieben. 

Schließlich fiel auch auf, dass die Antworten von atheistischer Seite auf wesentliche kritische Betrachtungen einer Ideologie der Gottlosigkeit spärlich waren. Oftmals wird auf die Evolution verwiesen, die zum Zustand der heutigen Galaxien geführt haben soll. Der Urknall als deren Anfang bleibt in seiner Entstehung trotz zahlreicher Erklärungsversuche aber bislang noch immer nebulös.

Der Wahrheitsanspruch des Atheisten dagegen wächst weiter – und das oftmals ohne nachhaltige Belege, die wiederum von den Religionen eingefordert werden, dort aber gleichsam obsolet sind, liegt zwischen Glaube und wissenschaftlichem Anspruch auf Realität doch bekanntlich der Gedankenfehler, Äpfel mit Birnen vergleiDr. Pelz.chen zu wollen.

Und ebenso die „Natur“. Sie soll den Zusammenhalt der Welt begründen. Doch niemand aus dem säkularen Kreise fragt ernsthaft nach deren Ursprung. Die verherrlichten „Natur-Gesetze“, sie lassen uns zwar nachvollziehen, aber nicht verstehen, wo die Basis all des Wundersamen liegt, das mancher Atheist so krampfhaft als Träumerei und „Heiligen Geist“ zwischen unserem Himmel und der Erde verspotten will.

Substantielle Antworten waren begrenzt, wenn ich auf die Zeit von insgesamt vier Jahren blicke, in denen ich bisher die säkulare Bewegung beobachtet habe. Da machen sich „Spaghettimonster“ viel eher lustig darüber, dass Kirchen an ihren Traditionen festhalten, während sie selbst mit Nudelsieben auf dem Kopf den Anspruch auf gesellschaftliche Anerkennung erhoffen. Ja, Religionsfreiheit muss auch das aushalten. Doch gleichsam ist der Rundumschlag gegen alles, was mit Religion zu tun hat, ebenso ein erfolgloser Versuch, der Menschheit ihren Glauben austreiben zu wollen.

Da tummeln sich im Spektrum des Säkularen nicht wenige Linksradikale, die ihr Freidenkersein mit der politischen Ambition einer unkritischen Russlandfreundlichkeit und sozialistisch bis kommunistisch angehauchten Systemkritik verbinden, ebenso wie rechtslastig anmutende Islamfeinde, die ihren Atheismus als Beweggrund für alles Religiöse auch dafür hernehmen, rassistisch orientierte Hetze gegen Muslime zu begründen.

Nicht, dass es solche Phänomene nicht auch unter gläubigen Menschen gäbe. Doch keinesfalls ist der humanistische Atheismus so friedlich, wie er es oft vermitteln möchte. Die fehlende Wertschätzung des Glaubens im Allgemeinen macht den Säkularismus mitunter zu einer emotionslosen Philosophie, die man als Distanzierter durchaus auch als Kälte deuten könnte.flyerstralsund2

Daneben sind auch die notwendigen Positivaussagen des Humanismus wenig stichhaltig geblieben. Eine Überzeugung von der eigenen Persönlichkeit, ein Glaube an die Vernunft und an den Realismus aller Dinge – das sind keine wirklichen Antworten auf die Sinnfragen, die die Menschen umtreiben.

Die säkulare Bewegung hat es verpasst, ein Konzept zu entwickeln, mit dem sie auch die Gefühle anspricht, die nicht nur nach Karl Marx nötig sind, wenn er die Religion nicht vollkommen zu Unrecht als Opium ansieht, das uns geistigen und gleichermaßen eben auch geistlichen Halt gibt in einem Hiersein, zudem nicht nur die Höhen, sondern eben gleichermaßen die Tiefen gehören, in denen es Hoffnung braucht.

Da hilft uns nicht das Erklärbare, sondern die stützende Kraft des Visionären, egal, wie stark mein Glaube an einen Gott ist. Der alleinige Blick auf das zu Greifende ist dann nicht ausreichend, wenn „soft skills“ gefragt sind. Nutzt es einem Jeden von uns wirklich, mit stoischer Klarheit auf das rein Materielle durch die Welt gekommen zu sein, wenn wir aus purem Idealismus letztlich doch seelisch verhungern? Da geht es um mehr als Mitmenschlichkeit, da geht es vor allem auch um persönliche Weitsicht mit dem eigenen Ich und in der nachhaltigen Gestaltung des Zusammenlebens unter dem Eindruck einer Demut, die dem Umstand unserer Rolle in dieser Schöpfung vollkommen Kreuzkuppelgerechtfertigt ist.

Nein, einen humanistischen und säkularen Blick auf die Gesellschaft, auf mein Leben und auf die Zusammenhänge des Universums habe ich nicht verloren. Doch er kann nur Teil einer religiösen Überzeugung sein, die einerseits auf einer Basis gemeinsamer Wertvorstellungen, Vorbilder, Werte,  Bräuche, Ideale und andererseits eines Glaubens zu fußen versucht, der sich nicht mit Belegen einer augenscheinlichen Wirklichkeit zufriedengibt, sondern zu Ehrfurcht vor etwas deutlich Größerem und potenziell kausal Begründbarem bereit wäre.

Dazu gehört auch, Bescheidenheit zu üben. Hingabe vor dem, was nicht nur meine eigenen Horizonte übersteigt, sondern auch weit über meine persönliche Selbstbestimmung hinausgeht und seine Grenzen dort findet, wo die Würde auch meiner Nächsten noch unberührt bleibt. Da bricht sich der Mensch keinerlei Zacken aus seiner aufgesetzten Krone des egoistisch anmaßenden Selbstverliebtseins. Solch eine Einstellung ist für meine Verständnisse nur dort denkbar, wo auch Religion kritisch, aber nicht pauschal zurückweisend betrachtet wird.

Heute bin ich nach meinem Ausflug in den reinen Säkularismus wieder zurückgekehrt: Meinen Glauben hatte ich nie verloren, ich zweifle auch noch heute an Vielem, was das Christentum lehrt und die Kirche vorgibt. jesus in der synagoge von nazareth

Doch ich bin wieder in meiner Heimat, die getragen ist vom notwendigen Fragen und auch Klagen, vom Grundvertrauen an einen Gott, von einem Ja zu Jesus Christus, von dem zwingenden Miteinander aus Staat und Kirche, das so viel Trennung braucht, wie erforderlich, gleichzeitig aber so viel an Zusammenarbeit wie nötig, von einem Humanismus, der die Selbstverantwortlichkeit des Menschen auf unserer Erde herausarbeitet und ihn in den Raum seiner vertretbaren und Gemeinwohl orientierten Möglichkeiten stellt, und von einem Glauben, der letztlich so frei ist, dass er Toleranz erfährt, wenn er auch nicht immer geteilt wird.

Webpräsenz unseres Autors: http://www.Dennis-Riehle.de


Evangelischer Weckruf zum Buß- und Bet-Tag: Wirklich ein Relikt aus alter Zeit?

Von Dennis Riehle

Der Buß- und Bettag ist heute kaum noch in unserer Gesellschaft und dem alltäglichen Leben präsent. Nur noch in einem Bundesland wird er als Feiertag begangen. Er wirkt altmodisch, denn mit seiner Bezeichnung kann in der Sprache der Moderne kaum noch ein Mensch etwas anfangen. Riehle, Dennis_5

Je jünger, umso unbekannter bleibt er in den Kalendern stehen: Der Buß- und Bettag als protestantisches Fest wirkt mit seinem Namen völlig fern dem Zeitgeist, in dem es als normal gilt, nicht an sich selbst zu zweifeln. Wir sind derart von unserer Persönlichkeit, unserem Wirken und dem Denken überzeugt, dass es unattraktiv geworden ist, kritisch mit sich zu sein.

Wieso sollten wir auch? In einer Welt, in der das Ego das Miteinander bestimmt, braucht es keinen Schritt zurück von unserer eigenverliebten Positionierung in der Mitte allen Seins. In einem säkularen Zusammenhang betrachten wir uns als das Zentrum. Wir überhöhen uns – und verlieren den Blick auf die Fehlerhaftigkeit, ja, die Zerbrechlichkeit unserer Existenz.

Buße tun, das ist keinesfalls etwas aus der Vergangenheit. Es gehört damals wie in diesen Tagen zur Größe eines jeden Einzelnen, sich seiner Schuld bewusst zu werden. Das heißt nicht, sich verdammen zu müssen – im Gegenteil. Nur derjenige, der zur Buße bereit ist, kann seine Sündhaftigkeit auch annehmen. Wir sind menschliche Wesen, klein im Vergleich zur Weite des Alls, aber in der Verantwortung zur Gestaltung, wenn wir mit dieser Gewissheit demütig umgehen. 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Aus unseren Sünden kann die Stärke zu neuem, völlig gesunden Selbstbewusstsein erwachsen. Wenn wir durch den Prozess einer ernsthaften und überzeugten Bußfertigkeit gehen, erlernen wir, wie wichtig es ist, Sündhaftigkeit anzunehmen. Wir gehen mit uns ins Gericht, können uns reinigen – nicht nur von dem, was wir gestern und heute verfehlt haben.  Es geht um ein offenherziges Hinarbeiten auf ein besseres Leben – an diese Chance erinnert uns der Buß- und Bettag.

Neben der Buße steht auch das Gebet im Mittelpunkt an diesen Feiertag. Wir müssen uns klar werden, ob wir denn überhaupt bereit sein möchten, mehr Mitmenschlichkeit statt Kleinkriege austragen.  Und wir bitten darum, dass Gott uns dabei helfen möge. Denn ohne sein Zutun wird es schwer, ein anderer Mensch zu werden.

So wird es nicht allein unsere Anstrengung sein, die darüber entscheidet, wie es mit seiner und unserer Vergebung steht. Unser Gebet ist auch ein Bekenntnis dazu, sich Gottes Barmherzigkeit zu stellen und uns auf seine Gnade einzulassen. Der Buß- und Bettag verbindet Innehalten und frische Zuversicht gleichermaßen.  Der 16.11.2016 ist somit auch ein Tag, der zum Ausprobieren aufruft.

Webpräsenz von Dennis Riehle aus Konstanz: http://www.Dennis-Riehle.de

 


Evangelisches Plädoyer für die Erdbestattung und die Würde unseres Leibes

Von Dennis Riehle

Wir hören in der Diskussion über Erd- oder Feuerbestattung immer wieder von der Abwandlung des biblischen Verses: „Asche zu Asche, Staub zu Staub“. Und wir entnehmen daraus nicht nur die Rechtfertigung, sondern gar eine Bestärkung in unserem Denken, das Verbrennen des Leibes sei die Form des Beerdigens, die wir als Christen guten Gewissens befolgen können. Riehle, Dennis_5

Die Heilige Schrift kennt unterschiedliche Bezeichnungen für den „Staub“. Nicht jeder ist so zu verstehen, wie wir es mit unserem einzigen Begriff tun. Viel eher zeigt uns ein Blick auf die zentrale Stelle, aus der das oben genannte Sprichwort immer wieder abgeleitet wird, wie vielseitig die Bibel in ihrer so bildlichen Darstellung ist:

In Prediger 12,7 verweist die Schrift uns auf Kapitel 3,20 des gleichen Buches, wo wir lesen, dass dieser „Staub“ wieder dorthin zurück muss, wo Gott ihn hergeholt hat. Aber eben nicht durch unsere Hand, das macht auch die Bedeutung von דכא an dieser Stelle deutlich. Sie bezieht sich nämlich mit diesem Verb auf Genesis 2,17, wo es der HERR ist, der die Asche aus dem Lehmboden formt und ihm den Odem einhaucht.

Zu Staub werden – aber nicht durch unsere Hand

Nicht wir sind die Aktiven, sondern Gott selbst lässt uns aus dem Staub des Ackerbodens zum Menschen werden. Mit seiner Hilfe erwachsen wir – und allein mit seinem Zutun kehren wir wieder in diesen Zustand der Asche zurück.

Für mich spricht die Bibel eine eindeutige Sprache: Es liegt nicht an uns, der Rückkehr in Gottes Hand durch unser Werk hinein zu pfuschen. ER holt uns zu sich, so wir ER uns schuf.

Das funktioniert auf ganz natürliche Weise, unser Eingreifen ist dabei nur ein modisches Phänomen, das von Kostendruck, Ängsten und sozialer Isolation wahrhaftig und nicht nur sprichwörtlich „befeuert“ wird.

Trauerkultur statt Fixierung auf „Kostenzwänge“

Statt sich diesen Zwängen zu unterwerfen, brauchen wir mutige und besonnene Stimmen, die eine Lösung der zugrunde liegenden Ursachen mahnen. Hätten wir mehr Vertrauen, würden wir uns nicht vor dem Tod sorgen.014_11

Die Schrecken machenden Bilder, die uns mit unserem Ableben von allen Seiten genannt werden, sind zweifelsfrei Grund, sich ein schnelles Ende zu wünschen: verbrannt, vergessen, aus dem Sinn. Was für eine traurige Botschaft entnehmen wir solchen Vorstellungen!

Wo ist die Zuversicht auf unser Geborgensein? Wenn das Begräbnis zu teuer wird und eine Urne dem Sarg vorgezogen wird, weil das Geld für nicht mehr reicht, müssen wir uns fragen, wie wichtig uns unsere Trauerkultur denn wirklich ist!

 Das Sterben ist nichts, was man möglichst kostengünstig hinter sich bringen kann. Bewusstsein für diesen Prozess, der ein Leben beschließt, so umfangreich, wie es beginnt, findet auch Ausdruck darin, wie ernst wir unser letztes Geleit nehmen.

Wir können der Ewigkeit nicht entrinnen

Bloß weg von dieser Welt – viele von uns möchten davonrennen, obwohl wir wissen, dass wir der Ewigkeit nicht entrinnen können, egal, wie wir sie verstehen. Spuren bleiben, Erinnerungen können nicht gelöscht werden, auch nicht durch das Feuer im Krematorium.

Und das Menschenrecht jedes Einzelnen muss es erlauben, dass wir eine Bestattung erhalten, die dem Leben würdig ist. Ob wir am Ende alleine waren – oder viele von uns Abschied nehmen möchten.

Wohin geht unsere Gesellschaft, wenn wir aus Einsamkeit die Verbrennung dieses einen Körpers, mit dessen Gabe uns Gott eine Verantwortung übertragen hat, ob in 1. Mose 2,15 oder in Kapitel 3,22, der Rückgabe in seine Hand, in die Erde, bevorzugen?

Nicht ohne Grund schreibt auch Martin Luther in seinem Text „Nun legen wir den Leib ins Grab“ davon. Nein, wir verbrennen ihn nicht, weil wir stattdessen die Hoffnung haben: „… durch Gottes Gab wird, was wir hier verweslich sä’n, einst unverweslich auferstehn“ (EG 520,1).

Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz
Webpräsenz: www.Dennis-Riehle.de

Ergänzender Artikel dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/05/17/5-punkte-fur-eine-kultur-des-todes-warum-die-erdbestattung-empfehlenswert-bleibt/