Zwischenruf eines deutsch-israelischen Judenchristen zur aktuellen Politik

Von Klaus Moshe Pülz

Deutschland könnte das reichste Land der Erde sein, wenn der „deutsche Michel“ nicht durch seine jeweilige Obrigkeit derart manipuliert werden könnte. Einst war es das Kaisertum, das uns in den Ersten Weltkrieg stürzte; schließlich dann die Verführung durch einen ungebildeten Obdachlosen aus Österreich namens Adolf Hitler, der letzten Endes 60 Millionen gewaltsam getöteter Menschen und sämtliche deutsche Städte zerstört hinterließ.

Und heute regiert seit 16 Jahren eine ehemalige Mitläuferin des letzten Despoten der DDR, Erich Honecker, in Deutschland, eine gewisse Angela Merkel, als gäbe es keine fähigeren Köpfe in Deutschland.

Es ist eine Tragödie, was aus Deutschland seit Ludwig Erhardts Tagen geworden ist. Eingeleitet hat diese desaströse Politik Helmut Kohl mit der Abschaffung der soliden deutschen Währung in Form der „Deutschen Mark“. Es war stets nicht nur den Franzosen ein Dorn im Auge, daß Deutschland niemals seine harte Währung gegenüber den anderen europäischen Währungen abwerten mußte. Selbst Israel deckte seine heimische Währung Schekel zu 20 Prozent mit der DM ab.

Der wirtschaftliche Niedergang war nur möglich, weil Frau Rita Süßmuth  –  auch auf meine Anfrage hin –  Referenden (Volksbefragungen) ablehnte. Und so mauserte sich die deutsche Demokratie zu einer Art Diktatur, wonach der Deutsche seine Möglichkeiten auf den Urnengang beschränkt bekam.

Bereits zu Beginn ihrer Amtszeit erhöhte Frau Merkel die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent, was zur Verteuerung sämtlicher Waren und Dienstleistungen führte. Daher hätte diese Dame kein zweites Mal zur Bundeskanzlerin gewählt werden dürfen.

Dieser Entwicklung folgte die Kreation der unseligen Europäischen Union, deren Zahlmeister mit 26 Prozent in die Brüsseler Kasse Deutschland ist. Damit finanziert der deutsche Steuerzahler das Verwaltungsmonster in Belgien, und ein Italiener regiert wie einst Ludwig XIV. (l’état c’est moi!) ein gewisser Mario Dragi, der kurzum seit vielen Jahren zum ersten Mal in Deutschlands Geschichte die Verzinsung der deutschen Sparguthaben annullierte. Auf einen Protest der Massen warte ich noch heute vergebens.

Ein Land mit der höchsten Besteuerung der Welt lebt sozusagen von seiner Substanz, nämlich was die Nachkriegsgeneration aufgebaut hat.

Heute indes werden Menschen von dieser Regierung präferiert, die gar nicht zum deutschen Volke gehören. Als Nahost-Experte, der ich als Deutsch-Israeli sein darf, der aber seit dem Ableben des Verlegers Axel C. Springer nicht mehr gefragt ist, kenne ich allzu gut die Mentalität der arabischen Menschen im Nahen Osten.

Das Gerücht, wonach man in Deutschland Geldzuwendungen, Sprachunterricht, Unterbringung, medizinische Versorgung sowie sogar universitäre Ausbildung ohne Arbeitseinsatz erhält, ist nicht nur im Munde dieser Leute, sondern auch halb Afrika schließt sich dem Wunsche an, in Deutschland eine Art Scharaffenland zu sehen.

Und wenn „Pro Asyl“ dieses Streben nach Ausbeutung Deutschlands massiv unterstützt, so dient dies dem Niedergang des deutschen Wohlstands. Solchen Institutionen müßte der Status der Gemeinnützigkeit entzogen werden!

Fatal dabei ist der Umstand, daß die christliche Kirchen aller Couleur diesen Influx von antichristlich eingestellten Muslimen offen unterstützt, so daß sie sich dabei selbst das Wasser zu ihrem eigenen Nachteil abgräbt, was auch auf die beiden christlichen Parteien CDU und CSU zutrifft, die sich noch wundern über den enormen Zuwachs der Grünen, da Muslime bekanntlich keine christlichen Parteien wählen (dürfen).

Nein, es gibt nicht nur einen Hans-Georg Maaßen, der geschasst wurde, selbst ein kompetenter Politiker wie Herr Merz war und ist noch Opfer der Frau Merkel!

Nicht zu vergessen die einstigen Kommunisten, die sich als Partei „Die Linke“ plötzlich menschenfreundlich gibt, wobei die „DDR“-Diktatur einst die eigenen Landsleute bei ihrer Republikflucht an der Grenze abknallte wie die Hasen.

Inzwischen verfügt jeder fünfte Deutsche über einen Migrationshintergrund. Damit wird das Lernniveau in den deutschen Ausbildungsstätten derart herabgesenkt, daß Deutschland auf dem internationalen Parkett bald nicht mehr konkurrenzfähig ist. Ich weiß durch meine hebräischen Kenntnisse, wie schwierig es ist, eine orientalische Sprache zu erlernen. Ich kenne auch das Lernniveau in arabischen Universitäten, wo der Professor wichtige Kernaussagen ihres Studienganges in die Feder diktieren muß. Ein freies akademisches Denken und Forschen gibt es nicht!

So ist die Kurzsichtigkeit deutscher Politik geradezu unverantwortlich für ein Land, das seit Jahrhunderten eine christlich-jüdische abendländische Kultur gepflegt hat, auch wenn deren antisemitische Ausrichtung letztendlich den Segen Gottes entzogen erhält!

Es ist ein Gericht Gottes, daß die Anhänger der Kantschen Aufklärung im Zeitalter der Digitalisierung und des Robotertums noch gar nicht gemerkt haben, wie dabei unsere Gesellschaft sukzessive entseelt wird. Wo sind jene deutschen Wissenschaftler, die diesen Mißstand ebenfalls erkannt haben?

Dies geht sogar so weit, daß man die deutsche Sprache für Ausländer sozusagen „mundgerecht“ gemacht hat, indem man das „daß“ wieder abschaffte und zum „das(s)“ veränderte. Weder Franzosen noch Engländer kämen in den Sinn, aus Gründen der Sprachvereinfachung ihre Landessprache zu verändern.

Kaum einem Menschen hierzulande fällt auf, daß neuerdings speziell Migranten unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung dazu mißbrauchen, deutschen Frauen Gewalt anzutun und zudem Messer mit sich führen, von denen sie gegenüber deutschen Bürgern eifrig Gebrauch machen.

Auch das unselige Schengen-Abkommen macht es möglich, daß man heutzutage ohne Gefahr Drogen und Sexsklavinnnen über Landesgrenzen chauffieren kann. Es gibt schlichtweg keine Grenzkontrollen im Raum der Europäischen Union mehr, was naturgemäß die internationale Kriminalität (Mafia) potenziert. „Europol“ ist dabei nur eine Art „Feigenblatt“.

Daher gilt es in summa den Status quo wiederherzustellen, d.h. einen Zustand, wonach jeder europäische Staat seine Integrität und Souveränität sowie seine eigene monetäre Währung zurückerhält. Dazu gehört auch die eigene Gerichtsbarkeit ohne einen luxemburgischen Internationalen Gerichtshof in einem Land, das als „Steuerparadies“ gilt, wo Großkonzerne vor ihrem Fiskus Gewinne hinterziehen. Juncker ist demnach eine völlige Fehlbesetzung als EU-Präsident!

„Denke ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht“, sagte einst der Jude Heinrich Heine. Was würde er erst heute über die Mischkultur dieses heutigen Deutschlands sagen?

Ich bitte um eine möglichst große Verbreitung dieses Statements aus einem tränenreichen Herzen!

Unser judenchristlicher Autor Klaus Mosche Pülz leitet die „Messianische Bekenntnis-gemeinschaft“ und ist Herausgeber der deutschsprachigen Zeitschrift „Bote Neues Israel“, die auch im Internet vertreten ist: http://www.zelem.de


Warum Deutsch eine jüdische Sprache ist

Von Chaim Noll

In einer Diskussion an der Ben Gurion Universität in Beer Sheva über die Zukunft der deutsch-jüdischen Literatur ließ die aus Wien stammende, heute in Amerika lebende Schriftstellerin Ruth Klüger den Satz fallen: „Deutsch ist eine jüdische Sprache“.

Niemand widersprach. Als wir vor rund zwanzig Jahren zum ersten Mal eine Konferenz über deutsch-jüdische Literatur an der Ben Gurion Universität veranstalteten, eine Konferenz, auf der zwangsläufig deutsch gesprochen wurde, obwohl die offizielle Konferenzsprache vorsichtshalber Englisch war, kam es zu Unmutsäußerungen der Bevölkerung.

FOTO: Unser Gast-Autor Chaim Noll ist deutsch-jüdischer Schriftsteller und lebt in Israel

Lange haben die deutschen Einwanderer in Israel ihre Sprache verleugnet. Viele haben innerhalb ihrer Familien nicht mehr Deutsch gesprochen, ihren Kindern und Enkeln die frühere Muttersprache vorenthalten, eine Sprache, in der Juden über Jahrhunderte in Deutschland, Österreich-Ungarn, der Schweiz, in Teilen Polens, der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern eine Sprachheimat hatten, in der sie ihre Geschäfte machten, an den Universitäten unterrichteten und literarisch brillierten.

In den frühen Kibuzim war es regelrecht verboten, deutsch zu sprechen, obwohl oder gerade weil ihre Erbauer oft zu einem großen Teil aus deutschsprachigen Ländern und Gebieten stammten.

Zum einen sollte die drakonische Maßnahme dem aus alten Büchern wiederbelebten Neu-Hebräisch helfen, sich in der extrem multikulturellen, aus aller Welt eingewanderten, etwa zweihundert Muttersprachen sprechenden jüdischen Bevölkerung des britischen Mandatsgebiets Palästina, später des jungen Staates Israel durchzusetzen.

Zweitens galt der deutschen Sprache die tiefe Aversion der Flüchtlinge aus Hitler-Deutschland und den besetzten europäischen Ländern – die Sprache wurde absurderweise mit den Nazi-Tätern identifiziert, obwohl diese sie weder liebten noch wirklich beherrschten.

Daher war es in Israel über Jahrzehnte allgemeine Verabredung, die deutsche Sprache zu ignorieren und zu verachten. Trotz der damit verbundenen Einbußen:

So konnte fast niemand mehr – auch kaum ein Fachwissenschaftler – die Werke der Gründerväter des neuen Staates im Original lesen, denn Theodor Herzl, Moses Hess, Nathan Birnbaum und viele führende Zionisten schrieben deutsch. In dieser Sprache verständigte sich die Szene des säkularen Zionismus, deutsch führte sie ihre Debatten und Korrespondenzen, organisierte sie ihre Strukturen und Kongresse.

Deutsch scheint auch die Sprache der gebildeten Juden im Osten gewesen zu sein: Leo Pinsker, geboren in der Wojewodschaft Lublin im östlichsten Polen und russischer Staatsbürger, verfasste 1882 sein zionistisches Grundsatzpapier „Autoemancipation. Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden“ auf Deutsch – er sprach Russisch nur mittelmäßig, Hebräisch gar nicht und Jiddisch lehnte er als „Jargonsprache“ ab.

Feststellung des Verlusts

Auch die Gedankenwelt der deutsch-jüdischen Philosophie blieb fast allen Israelis in ihrer sprachlichen Subtilität verschlossen, sei es das Werk von Moses Mendelssohn, von Abraham Geiger, Franz Rosenzweig, Hermann Cohen, oder das Schrifttum eines für Israels religiöse Bevölkerung wegweisenden Rabbiners wie Samson Rafael Hirsch aus Frankfurt, der seinen berühmten, von Hunderttausenden Juden in aller Welt studierten Tora-Kommentar selbstverständlich in seiner deutschen Muttersprache schrieb. 

Sogar ein Sprachwissenschaftler und Islam-Forscher wie Ignaz Goldziher verfasste damals, obwohl er in Budapest lebte und lehrte, seine umfangreichen Bücher in deutscher Sprache.

FOTO: Die Menora  – der siebenarmige Leuchter  – ist neben dem Davidstern ein bekanntes Symbol des Judentums

Schon Mendelssohn hatte im späten achtzehnten Jahrhundert so nachdrücklich auf Deutsch als Sprache philosophischer Theorie und schöngeistiger Literatur insistiert, dass er seinen König, Friedrich den Zweiten von Preußen, für deren Vernachlässigung kritisierte.

In seinen um 1770 erschienen Literaturbriefen bedauert er, dass Friedrichs Gedichtsammlung  Poésies diverses nicht in deutscher, sondern französischer Sprache geschrieben war: „Welcher Verlust für unsere Muttersprache (sic!), dass sich dieser Fürst die französische geläufiger gemacht!“

Israelische Leser, der deutschen Sprache entwöhnt, blieben auf englische oder hebräische Übersetzungen angewiesen, um die Gedanken deutschsprachiger Denker zu rezipieren, obwohl noch die eigenen Eltern oder Großeltern diese Sprache gesprochen und gelesen hatten.

Dabei waren gerade die philosophischen und theologischen Vordenker der jüdischen und israelischen Moderne im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit ihren an Kant und der deutschen Philosophie-Sprache geschulten Schachtelsätzen, Substantivierungen und kühnen Begriffsschöpfungen oft nicht adäquat übersetzbar.

Texte von Abraham Geiger, Franz Rosenzweig oder Rabbi Samson Raphael Hirsch kann eigentlich nur ein Kenner der deutschen Sprache in all ihren Feinheiten verstehen.

Deutsch-jüdische Literatur

Am stärksten litt die Rezeption der deutsch-jüdischen Literatur. Seit Jahren erbe ich Bücher aus opulenten deutschsprachigen Bibliotheken, deren Besitzer sterben, ohne dass jemand in ihrer Familie mit ihren Schätzen etwas anfangen könnte, mit den berühmten Erstausgaben der jüdischen Verlage der Weimarer Republik und Österreichs, Samuel Fischer, Kurt Wolff, Czolnay, Cassirer, den in Leder gebundenen Kunstbänden von Klemperer und Meyer-Graefe, den Romanen, Novellen, Gedichten von Arthur Schnitzler, Hofmannsthal, Harden, Wassermann, Else Lasker-Schüler, Stefan Zweig, Julius Bab, Kafka, Max Brod, Franz Werfel, Feuchtwanger, Schalom Asch. 

Diese oft hundert Jahre alten Bücher, in einer heute vergessenen Grandezza der Ausstattung, mit kostbaren Einbänden, Vorsatzpapieren, Vignetten und Illustrationen, mit Golddruck und seidenen Lesebändern, fallen mir in den Schoß – einzig aus dem Grund, weil ich  deutsch lesen kann.

Und so sehr mich die unerwarteten Geschenke freuen, die mir manchmal kistenweise ins Haus kommen und wunderbare Lesestunden bescheren, so sehr bedauere ich, dass die eigentlichen Erben, die in Israel geborenen Kinder und Enkel der Verstorbenen, unfreiwillig darauf verzichten müssen.

Die Literatur der Juden in deutschsprachigen Ländern ist ein für das heutige westliche Selbstverständnis bedeutendes Phänomen, indem sie den über Jahrhunderte währenden Prozess der Einwanderung und Akkulturation in diesen Ländern widerspiegelt.

Deutsch-jüdische Literatur reflektiert gesellschaftliche Verhältnisse über einen Zeitraum von fast zwei Jahrtausenden. Die erste bekannte Erwähnung einer jüdischen Gemeinde in Deutschland in einem Edikt Kaiser Constantins aus dem Jahre 321 lässt auf noch frühere Existenz von Juden im deutschen Sprachraum schließen, da in diesem Edikt bereits von einer reichen, etablierten Gemeinde in Colonia, dem heutigen Köln, die Rede ist, von deren Repräsentanten der römische Kaiser verlangt, endlich ihrer Bedeutung entsprechende öffentliche Ämter zu bekleiden.

Frühe Gemeinden bestanden vermutlich bereits um die Zeitenwende, in den römischen Gründungen entlang des Rheins, in Garnisonsstädten in Süddeutschland, vor allem in Bayern und Franken, ferner – gleichfalls früh bezeugt – im heutigen Österreich.

Auch Versuche jüdischer Dichter in der deutschen Sprache sind früh belegt, etwa des mysteriösen Süßkind von Trimberg aus Franken. Sein Auftauchen im Codex Manesse dokumentiert ihn als vergleichsweise frühen Autor in der erst relativ spät entstehenden deutschen Literatur.

Die sich im Mittelalter – gegenüber dem Reich Karls des Großen – verschlechternde Situation der Juden findet ihren Niederschlag im Rückgang literarischer Äußerung in deutscher Sprache.

Bekannt werden einige jüdische Disputanten, besonders Josel von Rosheim im späten 15. Jahrhundert, die in den öffentlichen Debatten, ausgelöst durch anti-jüdische Hetzschriften, die Position der Juden verteidigen und bei dieser Gelegenheit ihre Beherrschung der deutschen Hochsprache demonstrieren.

Die aus der deutschen Sprachöffentlichkeit verbannten Juden hinterlassen dafür eine umso tiefere Spur im hebräischen Schrifttum dieser Zeit, sowohl im talmudischen – am bekanntesten Rabbi Shimeon bar Izchak, genannt Raschi, in Mainz und Worms – als als auch in der hebräischen Poesie, wie Yehuda ha Chassid, Meir von Rothenburg, Shimeon bar Isaak und andere. 

Raschi gehört bis heute zu den meist gelesenen jüdischen Autoren weltweit. Eine besondere Entdeckung für deutschsprachige Leser seines berühmten Tora-Kommentars sind die gelegentlich im hebräischen Text auftauchenden deutschen Wörter, allerdings in hebräischen Lettern geschrieben, dort, wo Raschi meinte, das deutsche Wort drücke, was er sagen wollte, am prägnantesten aus.

Sie verraten ausgeprägtes Sprachgefühl im Deutschen, das Raschi perfekt beherrschte, wenn er sich dieser Sprache auch nicht offiziell bediente. Andere deutsch-jüdische Autoren dieser Jahrhunderte schreiben jiddisch wie Glückel von Hameln. Bis ins 18.Jahrhundert bleiben durchweg deutsch schreibende jüdische Autoren eine Ausnahme.

19. Jahrhundert: Emanzipation, Assimiliation und moderner Zionismus

Das änderte sich grundlegend mit der Befreiung der deutschen Juden aus dem Ghetto und ihrer beginnenden bürgerlichen Emanzipation. Ende des 18.Jahrhunderts gelangte die deutsch-jüdische Literatur zu ihrer eigentlichen Ausprägung und  Bedeutung.

Ihre Entfaltung ging einher mit der haskalah-Bewegung, die innerhalb des deutschen Judentums für größere Öffnung gegenüber der deutschsprachigen Kultur und stärkere Assimilation plädierte. Bei einigen deutschsprachigen Autoren dieser Zeit ging die Annäherung bis zum religiösen Übertritt ins Christentum, bei Rahel Varnhagen, Heine und Börne, auch beim jungen Karl Marx.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlangten die Juden in Deutschland bis zu einem gewissen Grad die bürgerliche Gleichstellung, stießen jedoch noch immer auf unüberwindliche Barrieren (keine Professuren, Verbeamtungen etc.).

Die Schaffung des Identitätsraums „Jude in Deutschland“ und Probleme im Spannungsfeld „Assimilation – jüdisches Selbstgefühl“ stehen im Mittelpunkt der literarischen Auseinandersetzung der bedeutenden deutsch-jüdischen Autoren dieser Zeit.

Rasch entstand eine jüdische Belletristik in deutscher Sprache mit namhaften, viel gelesenen Romanciers, Poeten und Dramatikern wie Berthold Auerbach, Karl Emil Franzos, Fanny Lewald oder dem frühen Nobelpreisträger Paul Heyse. Andere beteiligten sich als politische Publizisten und Redner aktiv an der Durchsetzung der bürgerlichen Rechte in Deutschland, etwa Johann Jacoby, von dem der berühmte Satz stammen soll: „Es ist  das Unglück der Könige, dass sie die Wahrheit nicht hören wollen.“

Jüdische Autoren waren maßgeblich an der Entstehung einer kritischen Publizistik beteiligt (die in Deutschland bekanntermaßen sehr viel später als anderswo aufkam), Moritz Saphir, Ernst Dohm oder Julius Rodenberg, vor allem der fulminante Maximilian Harden, der mit Hilfe seiner Zeitschrift Die Zukunft führende Politiker des wilhelminischen Deutschland in große Bedrängnis brachte.

Die Mitwirkung der deutschen Juden am Aufstieg des deutschen Kaiserreichs erreichte ihren Höhepunkt in den sogenannten „Goldenen Jahrzehnten“ der deutschen Juden zwischen der Reichsgründung 1871 und den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Von Anbeginn waren deutsche Juden aktiv am Aufbau des deutschen Reiches beteiligt, auf fast allen Gebieten, darunter auch – für die Öffentlichkeit am meisten spürbar – als Politiker und Parlamentarier, die schriftstellerisch hervortraten.

Auf der anderen Seite beeinflussten jüdische Denker weitgehend das Profil der Opposition, vor allem des deutschen und österreichischen Sozialismus und der Arbeiterbewegung, Marx, Bernstein, Lassalle oder Rosa Luxemburg. Zur gleichen Zeit entstand die Literatur des modernen Zionismus, dessen bahnbrechende Schriften – politisch, wirtschaftlich oder religiös – wiederum von deutschsprachigen Autoren stammen.

Weimarer Republik: Jüdisch geprägte Kulturblüte

Andere leisteten Wesentliches bei der Errichtung und Profilierung der Weimarer Republik, der ersten deutschen Demokratie, nach Ende des Weltkriegs. Parallele Entwicklungen vollzogen sich in Österreich, wo gleichfalls das Kaiserreich von einer Republik abgelöst wurde, in der wiederum Juden eine große öffentliche Rolle spielten.

Die noch in der Kaiserzeit üblichen Behinderungen für Juden entfielen, das religiöse Bekenntnis nahm keinen Einfluss mehr auf die Vergabe öffentlicher Ämter, so dass Juden in fast allen Bereichen und Rängen der Gesellschaft tätig werden konnten.

Der zunehmenden Integration stand jedoch ein wachsender Antisemitismus gegenüber, der zunächst von politischen Gegnern der Republik ausging, dann auf größere Kreise der Bevölkerung übergriff. Dennoch gelangten die deutschen und österreichischen Juden zu einer öffentlichen Bedeutung wie niemals zuvor.

Jüdische Publizistik gewann immensen Einfluss auf das öffentliche Klima, teilweise mit spektakulären Wirkungen auf deutschsprachige Öffentlichkeiten, Autoren wie Theodor Wolff, Alfred Kerr, Tucholsky oder Karl Kraus, teilweise begünstigt durch Medienkonzerne jüdischer Gründer (Ullstein, Mosse) und jüdische Buch- und Zeitschriftenverleger.

Auch viel gelesene Philosophen wie Hermann Cohen und Edmund Husserl, Sozialwissenschaftler wie Georg Simmel, Psychologen wie Alfred Adler, Sigmund Freud und Magnus Hirschfeld gelangten zu einem die Epoche prägenden Einfluss.

Zugleich gewann die belletristische Literatur deutsch-jüdischer Autoren eine Breitenwirkung, die den „jüdischen Hintergrund“ der (meist stark assimilierten, gelegentlich zum Christentum konvertierenden) Autoren nicht selten vergessen machte und ihre – wenngleich illusorische – Identifikation mit der deutschen Literatur dieser Tage begünstigte, Schriftsteller von unterschiedlicher literarischer Qualität, doch großer Beliebtheit beim deutschsprachigen Publikum wie Georg Hermann, Joseph Roth, Alfred Döblin, Vicky Baum, Arthur Holitscher, Emil Ludwig, Mascha Kaleko oder Else Ury, Verfasserin der populären „Nesthäkchen“-Romane, die 1943, als fast Siebzigjährige, in Auschwitz vergast wurde.

Vor allem aber bildeten jüdische Autoren die Avantgarde der literarischen Moderne. Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass die modernen Literaturströmungen in der deutschen Literatur, etwa die expressionistische Lyrik und Dramatik, ihre wesentlichen Impulse von Juden erhielten, von Ernst Blass, Jakob van Hoddis, Paul Kornfeld und Alfred Ehrenstein als Lyriker, Carl Sternheim und Walter Hasenclever als Bühnenautoren.

Andere Autoren erwiesen sich als visionäre Gestalten für die intellektuellen Diskurse kommender Jahrzehnte, sowohl im Literarischen, wie Kafka und Walter Benjamin, als auch in Philosophie und Sozialwissenschaften wie Karl Popper, Hans Jonas oder Norbert Elias. Das moderne deutsche Theater und das junge Medium Film verdankten ihre wesentliche Inspiration jüdischen Künstlern (Otto Brahm, Max Reinhardt, Erich von Strohheim oder Fritz Lang), die aus ihren deutschsprachigen Entstehungsländern bis nach Hollywood übergriff.

Die Jahre der Weimarer Republik stellen ein einzigartiges Phänomen von Kulturdurchdringung dar. Ein solcher Grad jüdischer Akkulturation ist in der langen jüdischen Geschichte fast beispiellos, vergleichbar allenfalls der Integration der Juden in den USA.

Als umso schrecklicher wurde der Absturz in die Katastrophe der Shoa empfunden. Eine englische Historikern beschreibt den beispiellosen Vorgang mit den Worten: „German Jewry, from the proudest, most assimilated, most secure of all European-Jewish communities, now became almost overnight a harried minority, struggling for unity and dignity under almost impossible conditions.”

NS: Jewish brain drain und deutsche Kulturkatastrophe

Judenhass war eins der zentralen Motive der Nationalsozialistischen Bewegung, die 1933 in Deutschland zur Macht kam. Dennoch gründeten in Deutschland verbliebene jüdische Künstler und Intellektuelle 1933 den „Kulturbund deutscher Juden“, um das über Jahrhunderte gewachsene Werk deutsch-jüdischer Kultur fortzusetzen.

Die Nationalsozialisten stimmten unter der Bedingung zu, dass sich der Kulturbund ausschließlich zu „jüdischer Thematik“ und für ein jüdisches Publikum äußerte: an Stelle der bisherigen Assimilation der deutschen Juden trat also zunächst ihre Segregation, dann, mit den 1935 erlassenen Nürnberger Rasse-Gesetzen, ihre Kriminalisierung und Verfolgung.

Allerdings arbeiteten jüdische Verlage und Zeitschriften noch bis weit in die Dreißiger Jahre und hielten sich dabei an ihre früheren editorischen Konzepte. So veröffentlichte der S.Fischer Verlag noch 1936 Thomas Manns biblisch orientierte Josephs-Romane, der Schocken-Verlag noch bis Frühjahr 1939 eine ganze Reihe mit Büchern jüdischer Autoren.

Rund eine Viertelmillion deutscher Juden emigrierte in diesen Jahren ins Ausland, infolgedessen entstand eine über alle Welt verstreute deutsch-jüdische Exil-Literatur mit Vertretern selbst an entlegenen Orten wie Neuseeland (Karl Wolfskehl) oder Mexiko (Anna Seghers), massiert jedoch in Nordamerika (Ernst Toller, Richard Beer-Hofmann, Bruno Frank, Siegfried Kracauer, Hermann Broch, Soma Morgenstern, Moritz Goldstein oder Hans Sahl), Westeuropa (Nelly Sachs, Alfred Wolfenstein, Ernst Sommer, F.B.Steiner, Ludwig Winder, Gabriele Tergit, Arthur Koestler, Manes Sperber, Mynona) und im späteren Israel (Else Lasker-Schüler, Max Brod, Martin Buber, Shalom Ben-Chorin, Ludwig Strauss, Gershom Sholem, Manfred Sturmann, Arnold Zweig, Werner Kraft, Leo Perutz, Anna Maria Jokl).

Aus dem Rückblick gesehen, trug die NS-Zeit eher zur Stärkung der deutsch-jüdischen Literatur als –  wie von den Nazis beabsichtigt – zu ihrer Zerstörung bei. Auch unter „fast unmöglichen Bedingungen“ entstand bedeutende deutsch-jüdische Literatur in Nazi-Deutschland oder Österreich (so wurde etwa der Roman „Weg ohne Ende“ des später nach Palästina emigrierten Gerson Stern überhaupt erst 1934 geschrieben und 1935 von der Jüdischen Rundschau in Deutschland veröffentlicht) und weltweit im Exil. 

Die Exil-Autoren erbrachten den Beweis für die Autonomie der deutsch-jüdischen innerhalb der deutschsprachigen Literatur, da sich während der zwölf Jahre erzwungenen Exils herausstellte, dass deutsch-jüdische Literatur auch außerhalb ihrer Herkunftsländer, in fremden Sprach-Umgebungen, gedeiht und fortbesteht.

Die wenigen Juden, die sich nach 1945 in Deutschland und Österreich befanden oder dorthin zurückkehrten, betraten ruinierte, demoralisierte Länder. (Einzig in der Schweiz gab es keine drastische Milieuveränderung.)

Dabei verlief die Entwicklung jüdischen Lebens unterschiedlich in beiden deutschen Nachkriegsstaaten und in Österreich. Für die jüdischen Intellektuellen, die aus dem Exil zurückkehrten oder in deutschsprachigen Ländern überlebt hatten, war die sich wandelnde öffentliche Stimmung im Zuge der „Vergangenheitsbewältigung“ entscheidend.

Die für eine konsequente „Aufarbeitung“ der NS-Vergangenheit eintretende 68er Generation wandte sich den literarischen, philosophischen oder soziologischen Texten deutsch-jüdischer Autoren zu, deren einige, etwa Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Ernst Bloch, Herbert Marcuse, Hannah Arendt oder Erich Fromm, zu Ikonen dieser Bewegung wurden.

Auch belletristische Autoren und Dichter gelangten zu einiger Bedeutung in der Literaturszene der jungen Bundesrepublik, Hilde Domin, Rose Ausländer, Wolfgang Hildesheimer, Hermann Kesten und Edgar Hilsenrath.

In der DDR wurde die Notwendigkeit einer jüdischen Kontinuität geleugnet, das Dasein der wenigen Juden marginalisiert und die Literatur jüdischer Autoren ausschließlich im Kontext ihrer Parteinähe geduldet, nur wenige wagten oppositionelle Regungen (Stefan Heym, Jurek Becker).

Im Österreich der Nachkriegszeit blieb die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der eigenen NS-Vergangenheit lange Zeit halbherzig, dennoch fanden dort etliche jüdische Autoren einen dauerhaften Ort, Hilde Spiel, Ilse Aichinger, Friedrich Torberg, Heinrich Eduard Jacob, Elfriede Jellinek oder Robert Schindel. In allen deutschsprachigen Ländern, auch in der Schweiz (Margarete Susman, Robert Neumann, André Kaminski, Salcia Landmann, Hans Habe), gab es bald nach dem Krieg wieder deutsch-jüdische Autoren, darunter prominente und einflussreiche.

Juden in deutsch-sprachigen Nachkriegsliteraturen

Die deutsch-jüdische Literatur war durch die Jahre der NS-Herrschaft geschädigt worden, aber nicht verstummt. Zu den Überlebenden und Rückkehrern aus dem Exil gesellten sich jüngere Autoren, Kinder von „Remigranten“ oder von den wenigen in Deutschland und Österreich Überlebenden. Zudem wurden Deutschland und Österreich in den folgenden Jahrzehnten Einwanderungsländer für Juden aus Osteuropa und der Sowjetunion, von denen einige literarisch hervortraten, nach erfolgreichem Wechsel aus der früheren Muttersprache ins Deutsche.

Andere deutsch-jüdische Autoren blieben im Exil, veröffentlichen von dort aus in deutschen Verlagen und nehmen Einfluss auf das geistige Leben ihrer deutschsprachigen Lese-Länder. Einige nach dem Krieg geborenen Autoren verließen ihr deutschsprachiges Herkunftsland, leben dauernd im Ausland und veröffentlichen dennoch weiterhin in deutscher Sprache ihre Bücher.

Schon angesichts der stark gestiegenen Zahl von Juden in Deutschland und Österreich wird die Bedeutung der deutsch-jüdischen Literatur weiter zunehmen. Die Zahl deutsch-jüdischer Autoren ist im Steigen, ermutigt von der wachsenden Zahl ihrer Leser. Ihre Veröffentlichungen wirken sich schon jetzt wohltuend auf das geistige Klima, die Dialogkultur und Weltoffenheit Deutschlands aus.

Auch unter jungen Israelis erlebt die deutsche Sprache in diesen Tagen einen enormen Prestigegewinn, Tausende lernen gegenwärtig diese Sprache, um eine Zeit lang in Deutschland zu leben oder zu Zwecken wissenschaftlicher und beruflicher Arbeit  in ihrem Heimatland.

Der Bann scheint gebrochen, der Zugang zu den Schätzen deutsch-jüdischen Denkens und Schreibens von neuem geöffnet. Nach Jahrzehnten der Bedrohung freuen wir uns über die Begegnung kommender Generationen mit dem geistigen Fundus der zweitausendjährigen deutsch-jüdischen Vergangenheit.

Obwohl ich seit zwanzig Jahren in Israel lebe, habe ich mich vor einiger Zeit entschlossen, meine Bücher wieder in deutscher Sprache zu schreiben. Dem war eine Periode der Abwendung vorangegangen, eine Annäherung an andere Sprachen und ihre Ausdrucksmöglichkeiten, über Jahre mochte ich deutsch weder lesen noch schreiben.

Doch nach einigem Nachdenken habe ich verstanden, dass die Vorgeschichte deutsch-jüdischer Literatur und Geistesarbeit zu bedeutsam ist, zu grandios und zu einzigartig, um sie wegen der zwölf Jahre Naziherrschaft für beendet anzusehen oder aufzugeben.

Ein junger Israeli, den ich kürzlich auf dem Flughafen in Tel Aviv beim Einchecken nach Berlin kennenlernte, erzählte mir, er wolle eine Weile in meiner Geburtsstadt leben, um die Sprache zu lernen. Seine Großmutter stamme aus Berlin, hätte aber in Israel niemals mehr Deutsch gesprochen.

Mit der Zeit sei daher in ihm so etwas wie eine Sehnsucht entstanden, eine Sehnsucht nach der deutschen Sprache, wie nach einem Erbe, das man ihm vorenthalten hatte und in dem er – wie immer, wenn etwas verborgen und verschwiegen wird – besondere Geheimnisse und Köstlichkeiten vermutete.

Und da erinnerte ich mich, dass es mir einst mit dem Judentum, dem Land Israel und der hebräischen Sprache ähnlich gegangen war: gerade, weil ich in meiner Jugend fast nichts darüber lernen konnte, wurde die Sehnsucht danach so stark, dass ich ins Land der Juden auswanderte. Ich bin nicht enttäuscht worden.

Möge es den jungen Israelis, die es heute nach Deutschland und in die deutsche Sprache zieht, genauso ergehen.

Internetpräsenz des Autors: http://chaimnoll.com/


Estlands Präsidentin sprach heute in Münster

Von Felizitas Küble

Zum Thema „Digitalisierung: Von Estland lernen“ sprach am heutigen Freitagnachmittag (13.7.) die Staatspräsidentin des kleinen Baltikum-Staates vor Unternehmern, Politikern und Diplomaten in der IHK (Industrie- und Handelskammer) in Münster.

Auch der CDU-Europa-Abgeordnete Dr. Markus Pieper war unter den Teilnehmern (siehe 2. Foto) und reagierte positiv auf ihre Rede.

BILD: Die estnische Präsidentin inmitten ihrer Delegation
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Die im Jahr 2016 gewählte Kersti Kaljulaid ist das erste weibliche Staatsoberhaupt Estlands; sie war zuvor als Wirtschaftswissenschaftlerin tätig.
Die nicht nur adrett, sondern auch kompetent und sehr natürlich wirkende Präsidentin erklärte – umgeben von ihrer estnischen Delegation, darunter auch dem Botschafter  – in ihrer Rede, wie erfolgreich ihr Land mit der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft vorangekommen ist, z.B. durch die elektronische Identitätskarte für ihre Bürger, wobei viel Wert auf „Cyber-Hygiene“  und Information der Bürger über Chancen und Risiken der Datensicherheit gelegt wird.
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Estland machte – so scheint es – aus der Not eine Tugend: Der Staat mußte nach dem ersehnten Ende der sowjetischen Besatzung in vielen Punkten von vorne anfangen, nachdem der kommunistische Staatssozialismus den Mittelstand ruiniert und die Wirtschaft weitgehend zum Erlahmen brachte.
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Bei diesem Neubeginn wurden die Ärmel aufgekrempelt – und damit viele Menschen in ländlichen Regionen auch von zuhause aus arbeiten können, wurde stark in Computer und Internet investiert, Informatik früh in der Schule gelehrt und an Universitäten gefördert –  anders als hierzulande, wo diese wissenschaftl. Disziplinen vor allem in der Bildungspolitik rotgrüner Bundesländer vernachlässigt werden.
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Die Präsidentin betonte in ihrer englisch und frei gesprochenen Rede vor etwa 60 Teilnehmern, daß die Europäische Union auch in ihrer Digitalisierungs-Politik die jeweiligen Entwicklungsschritte der einzelnen EU-Länder berücksichtigen und ihre Selbständigkeit beachten sollte. Auch die Wertschätzung Deutschlands  – nicht nur als Handelspartner – ging aus ihrer Ansprache hervor.
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Die deutsche Sprache ist in Estland weit verbreitet, in der älteren Generation teils von früheren Kontakten (etwa mit Ostpreußen), teils durch das Erlernen von Deutsch als Fremdsprache – teils nicht in der Schule, sondern durch deutsche Privatsender.
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In Estland wurde der Ostblock durch eine „singende Revolution“ besiegt – ohne daß ein einziger Schuß fiel. Aber fast das ganze Volk stand auf den Beinen, als die Kommunisten den Versuch unternahmen, das Land nach seiner Unabhängigkeitserklärung wieder „heim ins Reich“ (Sowjet-Reich) zu holen. Es gibt ca 25% Russen in Estland, die sich insgesamt gut in die Mehrheitsbevölkerung integriert haben.
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Die Präsidentin betont in Interviews das positive Verhältnis zwischen Estland und den USA; sie nimmt Präsident Trump gegen Vorurteile in Schutz. Zudem erinnert sie die NATO-Partner an die 2% Verteidigungsausgaben, die dem westlichen Bündnis versprochen wurden, woran sich die Mitgliedsstaaten auch halten sollten. (Näheres dazu hier: https://www.deutschlandfunk.de/interview-mit-der-estnischen-staatspraesidentin-die.868.de.html?dram:article_id=402857)
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Bevor Frau Kaljulaid nach Münster kam, wurde sie  – ebenso wie der lettische Präsident Vējonis –  vom nordhrein-westfälischen Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Düsseldorfer Landeshaus empfangen. 
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Auch er betonte, daß „wir viel von Estland lernen können“, vor allem in puncto schnelles Netz und Digitalisierung. Von den circa 30.000 Letten in Deutschland lebt jeder vierte in Nordrhein-Westfalen.
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Die beiden baltischen Präsidenten sind anlässlich der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises in NRW.
Am morgigen Samstag, den 14. Juli, werden die drei Staatsoberhäupter der baltischen Republiken  – also auch die litauische Präsidentin Grybauskaitė  –  in Münster wegen ihrer außergewöhnlichen Bemühungen um Integration in Europa und ihres besonderen Einsatzes für ein friedliches Miteinander ausgezeichnet.
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.
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Fotos: Felizitas Küble

Was ein katholischer Priester in Werl beim Einkaufen an der Kasse erlebte

Die katholische Propstei im westfälischen Werl berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe der Pfarrnachrichten (die zweiwöchentlich erscheinen) auf der Titelseite folgendes Ereignis:

„Einer unserer Gemeindepriester schreibt ein Erlebnis in Werl vom Oktober 2017 auf: 

„Ich stelle mich Samstag am frühen Nachmittag nach erfolgtem Einkauf an die Kasse im Lidl/Werl, um zu bezahlen. Bekleidet war ich mit der üblichen priesterlichen Alltagsdienstkleidung, also als Priester erkennbar.

Der Supermarkt war recht gut gefüllt und wenn ich richtig gesehen habe, waren alle Kassen geöffnet. Vor mir waren noch 3 Kunden und hinter mir noch ein weiterer Kunde.

Direkt vor mir war eine Dame, vermutlich (?) Herkunft, mit einem langen, beige-braunen Mantel bekleidet und einem dunkelbraunen Kopftuch.

Sie legte gerade die Ware auf das Kassenband. Plötzlich kam (offensichtlich) der Ehemann dieser Frau dazu. Als er mich sah, begann er, mich in seiner Muttersprache zu beschimpfen. Dass es eine Beschimpfung war, war eindeutig! 

Ich habe darauf in keiner Weise reagiert. Dann aber fasste der besagte Mann an meinem Einkaufswagen und schüttelte/schob selbigen hin und her, während er weiter schimpfte.

Daraufhin fühlte ich mich aufgefordert, zu reagieren und sagte dem Herrn mit normal höflichem Ton, dass er ruhig in deutscher Sprache mit mir sprechen könne, da ich die durchaus verstünde.

Er schaltete direkt um und schimpfte wie folgt: „Du Ungläubiger!“  – „Du Schwein!“  – Sofort wählte ich ohne Kommentar mit dem Handy die Nummer der Polizei, die sich nicht zuständig sah.

Von den Umstehenden hat niemand etwas dazu gesagt.“

HIER geht es zum BUSSGELD-Katalog bei BELEIDIGUNGEN: https://www.bussgeldkatalog.org/beleidigung-im-strassenverkehr/

 


Buchpräsentation am 15.10. über Paul Lévy: „Die deutsche Sprache in Frankreich“

Einladung zur Buchvorstellung: Paul Lévy: Die deutsche Sprache in Frankreich. – Band 2: Von 1830 bis 1944.

Im Mai 2013 wurde im Elsässischen Kulturzentrum in Straßburg die deutsche Übersetzung des ersten Bandes des Straßburger Germanisten Paul Lévy über die Geschichte der deutschen Sprache und der Deutschen in Frankreich vorgestellt: „La langue allemande en France. Pénétration et diffusion des origines à nos jours“ (1950 – 1952). paullevy

Der Autor Lévy (siehe Foto) war Elsässer jüdischer Herkunft und promovierter Deutschlehrer, der neben diesem Buch eine bis heute maßgebliche Sprachgeschichte für das Elsass und Lothringen verfasst hat.

Der Verlag Harrassowitz (Wiesbaden) hat nun den zweiten Band dieses Buches herausgegeben, der die Jahre 1830 bis 1944 behandelt. Übersetzt und auf der Grundlage neuerer einschlägiger Studien aktualisiert hat ihn wiederum Prof. Dr. Barbara Kaltz (Université de Provence in Aix-en-Provence/Freiburg).

Die Stiftung Deutsche Sprache stellt dieses Buch gemeinsam mit der René Schickele-Gesellschaft (Straßburg) und dem Verlag Harrassowitz am 15. Oktober 2016 um 17 Uhr im Elsässischen Kulturzentrum (5, bd de la Victoire, 67000 Strasbourg) vor.

Zu dieser Veranstaltung, an der Claire und Michel Gaspard, die beiden Enkel des Verfassers, teilnehmen werden, und zu dem anschließenden kleinen Empfang laden wir herzlich ein.

Wir wären dankbar, wenn Sie sich kurz telefonisch, per Fax oder per E-Mail anmelden würden unter: Tel.: 0231-7948520, Fax: 0231-7948521 oder auskunft@stiftungds.de.
 
gez. Prof. Dr. Helmut Glück


Erstmals Israelis bei der Deutsch-Olympiade

Die Internationale Deutsch-Olympiade ist der weltweit größte Wettbewerb zur deutschen Sprache. Er findet alle 2 Jahre in Deutschland statt. Die Olympiade hat das Ziel, junge Menschen im Ausland für die deutsche Sprache zu begeistern und ihnen die Türen zur deutschen Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft zu öffnen.

In Berlin treten die Jugendlichen aus aller Welt in den Wettstreit um die Auszeichnung des besten Deutschlerners in drei Sprachniveaustufen.

Die Initiatoren der IDO sind der Internationale Deutschlehrer-Verband und das Goethe-Institut.

Zum ersten Mal nehmen zwei Israelis an der Internationalen Deutscholympiade teil, die vom 17. bis zum 30. Juli in Berlin ausgetragen wird. Maya Gafni und Tal Barak (siehe Foto) haben sich im April in Haifa im nationalen Vorausscheid deutschgesetzt.

Die Wettbewerbsteilnehmer wurden dabei in den Niveaus A2 (3 Teilnehmer) und B1 (8 Teilnehmer) in getrennten Räumen im Hör- und Leseverstehen geprüft.

Quellen: Goethe-Institut / Botschaft des Staates Israel

Weitere Infos: https://www.goethe.de/de/spr/unt/ver/ido.html


Student, schwarzer Gastwirt und Sängerin Connor sind „Sprachwahrer des Jahres“

Der genderkritische Student Sebastian Zidek von der Technischen Universität Berlin ist Sprachwahrer des Jahres 2015. Das hat die Zeitschrift DEUTSCHE SPRACHWELT anläßlich der Leipziger Buchmesse bekanntgegeben. 

Auf den zweiten Platz kommt der schwarze Wirt Andrew Onuegbu aus Kiel; auf den dritten die Sängerin Sarah Connor. Die „Sprachwahrer des Jahres“ werden hier ausführlich gewürdigt: www.deutsche-sprachwelt.de/sprachwahrer/index.shtml

Die Leser der Zeitung ehrten Sebastian Zideks Einsatz gegen Genderdeutsch. Sie wählten den Studenten mit rund einem Viertel der Stimmen (25,9 Prozent) auf den ersten Platz. Zidek hatte sich geweigert, Binnen-Is, Gender-Sterne oder Unterstriche (StudentInnen, Student*innen, Student_innen) zu verwenden. Als ihm daraufhin schlechtere Noten angedroht wurden, wandte er sich an die Kanzlei der Universität, die ihm recht geben mußte.

Schwarzer Wirt nennt sein Gasthaus „Zum Mohrenkopf“

An zweiter Stelle folgt mit 18,5 Prozent der Wirt und Koch Andrew Onuegbu, weil er sich nicht den Vorgaben „politisch korrekter“ Sprache unterwirft. Der Nigerianer nennt gerade deswegen sein Gasthaus „Zum Mohrenkopf“ (siehe Foto), weil er selbst schwarz ist: http://zum-mohrenkopf.de/das-restaurant/das-team/SONY DSC

Er fände es auch schade, wenn der „Negerkuß“ verschwände. Das Wort „Mohr“ hält er für unbedenklich, sagte er der Schleswig-Holsteinischen Zeitung: „Ich bin Mohr. Ich stehe zu meiner schwarzen Hautfarbe.“

Sarah Connor singt jetzt auf deutsch

Platz drei erringt mit 17,3 Prozent die Sängerin Sarah Connor, weil sie in ihren Liedern von Englisch auf Deutsch wechselte und so nach eigener Aussage „mehr Tiefe“ erreichte. Der Erfolg ihres Albums „Muttersprache“ bestätigt sie.

Seit dem Jahr 2000 wählen die Leser der DEUTSCHEN SPRACHWELT „Sprachwahrer des Jahres“, um vorbildlichen Einsatz für die deutsche Sprache zu würdigen. Die Auszeichnung erhielten bisher beispielsweise Johannes Singhammer (2014), Frank Plasberg (2012), Loriot (2011), Papst Benedikt XVI. (2005) und Reiner Kunze (2002).

Die DEUTSCHE SPRACHWELT ist mit rund 80.000 Lesern die größte deutsche Zeitschrift für Sprachpflege und Sprachpolitik. Sie ist Sprachrohr und Plattform einer ständig wachsenden Bürgerbewegung, die sich um die deutsche Sprache sorgt. Die DEUTSCHE SPRACHWELT tritt für die Erhaltung einer lebendigen deutschen Sprache und für ein neues Sprachbewußtsein ein. Die Druckausgabe erscheint vierteljährlich.

Kontakt-Daten: Deutsche Sprachwelt, Postfach 1449, D-91004 Erlangen, Telefon 09131-480661, Fax 09131-480662
www.deutsche-sprachwelt.de
www.sprachpflege.info
Kostenloses Probe-Exemplar: bestellung@deutsche-sprachwelt.de

Quelle dieser Pressemitteilung: www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/pm-2016-03-16.shtml