Ethikrat fordert Mindestmaß an sozialen Kontakten in der Langzeitpflege

Am 18.12.2020 hat der Deutsche Ethikrat eine Ad-hoc-Empfehlung zur Langzeitpflege in Zeiten der Corona-Pandemie veröffentlicht. In dem vierseitigen Papier schlägt er Maßnahmen vor, die in Einrichtungen der Langzeitpflege lebenden Menschen trotz der aktuell gebotenen Infektionsschutzmaßnahmen ein Mindestmaß an sozialen Kontakten sichern sollen...

Zwar habe der Gesetzgeber mit der jüngsten Novellierung des Infektionsschutzgesetzes ausdrücklich vorgeschrieben, dass in Alten- oder Pflegeheimen sowie Einrichtungen der Behindertenhilfe trotz aller Schutzmaßnahmen ein Mindestmaß an sozialen Kontakten stets gewährleistet bleiben muss.

Das Ethikberatungsgremium fordert u.a., bei der Bestimmung des Mindestmaßes sozialer Kontakte weniger deren Anzahl und Häufigkeit als vielmehr deren Qualität in den Blick zu nehmen…Wo immer dies vertretbar ist, sollen die in Einrichtungen der Langzeitpflege Lebenden selbst über die Auswahl ihrer Kontaktpersonen entscheiden.

Außerdem sollten auch Formen virtuellen Kontakts ermöglicht und Angebote bereitgestellt werden, die ihrerseits zur Integration, Teilhabe und Lebensqualität der Langzeitpflege-Betroffenen beitragen. Dabei wird allerdings betont, dass dies als Ergänzung und nicht als Ersatz für den physischen Kontakt zu verstehen ist.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.sterbehilfe-debatte.de/neues/aktuell-2020/20-12-20-ethikrat-zu-langzeitpflege-ad-hoc-empfehlung/

Hier geht es zur Pressemitteilung des Dt. Ethikrats:

PDF

Mindestmaß an sozialen Kontakten in der Langzeitpflege während der Covid-19-Pandemie


NEIN zum Impfzwang durch die Hintertür

OnlinePetition an den Deutschen Ethikrat in Berlin

Impfstoff gründlich testen

Auslöser dieser Petition ist die geplante Impfung gegen Covid19, die nach dem neuen

„Bevölkerungsschutzgesetz“ möglichst flächendeckend durchgeführt werden soll. Wir möchten betonen, dass wir nicht grundsätzlich gegen Impfungen sind, möchten aber dringend an Sie appellieren, die geplanten Maßnahmen auf den Prüfstand zu stellen, insbesondere im Hinblick auf

1. die Zulassungsvoraussetzungen des Impfstoffes.

Normalerweise dauert die Erprobung eines Impfstoffes 8 bis 12 Jahre, bevor er unter Abwägung aller Risiken angewendet werden kann. Das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gegeben. Durch die Verkürzung der Phase-3-Studien auf wenige Monate bleibt nicht annährend genug Zeit, um das Nebenwirkungsprofil der Impfstoffe ausreichend zu erfassen. Wie kann es ethisch vertretbar sein, solche unvollständig geprüfte Impfstoffe, dazu für die Gesamtbevölkerung und nicht nur für Risikogruppen, in Verkehr zu bringen?

2. den befürchteten Eingriff in die menschliche DNA

Wie aus medizinischen Fachkreisen zu erfahren war, kann nicht ausgeschlossen werden, dass besonders die sich in der Entwicklung befindenden DNA-Impfstoffe zu einer Veränderung des Erbguts an der Injektionsstelle etwa mit Aktivierung von Onkogenen und damit zur Krebsbildung führen könnten. Somit wäre dies ein erster „Genversuch an Menschen“. Wer haftet für Impfschäden? Wie ist ein solches Vorgehen ethisch zu rechtfertigen?

3. eine mögliche Beeinträchtigung der Schwangerschaft.

Das Eiweiß Syncitin, welches für einen wichtigen Schritt in der Plazentabildung beim Menschen verantwortlich ist, weist eine Ähnlichkeit zu Epitopen im Stachelprotein des SARS-CoV-2-Virus auf. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige der Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zu einer Kreuzreaktion gegen das Syncitin und damit zu Störungen von Schwangerschaften und der Fertilität führen könnten. Wie kann es ethisch vertretbar sein, diese Impfstoffe zuzulassen ehe diese Frage ausreichend wissenschaftlich geklärt ist?

4. den geplanten Impfausweis als „Eintrittskarte ins normale Leben“

Maßnahmen in anderen Ländern, etwa der Vorstoß der australischen Fluglinie Quantas lassen befürchten, dass wer sich nicht impfen lässt aus wichtigen Teile des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen werden könnte. Unsere bereits tiefgespaltene Gesellschaft würde hierdurch weiter gespaltet werden mit in der Folge wachsendem Unmut und weiterer Radikalisierung. Kann dies ethisch vertretbar sein?

FORTSETZUNG und Unterzeichnungsfeld h i e r : https://www.citizengo.org/de/signit/183934/view


CDU-Fraktion lehnt hinsichtlich Prof. Bauer ihren eigenen früheren Kandidaten ab

Beatrix von Storch

Der Bundestag hat vorgestern Mitglieder des Deutschen Ethikrates gewählt. Unser Wahlvorschlag (siehe hier) wurde wieder einmal von allen anderen Fraktionen abgelehnt.

SPD, Linksfraktion und die Grünen sowie eine Minderheit in der CDU/CSU-Fraktion stimmten dagegen. Die Mehrheit der CDU/CSU-Fraktion und die FDP-Fraktion enthielten sich.

Unsere Vorschläge lauteten: Prof. Dr. med. Axel W. Bauer, Prof. em. Dr. med. Helmut Hahn.

Mit Prof. Axel Bauer wurde ein angesehener Medizinethiker abgelehnt, der von 2008 – 2012 bereits Mitglied des Deutschen Ethikrates war. Nominiert hat ihn seinerzeit die CDU/CSU-Fraktion.

Dass die Unionsfraktion nun mithalf, Prof. Bauer zu verhindern, zeigt einmal mehr ihre Prinzipienlosigkeit in Sachfragen und ihre bornierte Anti-AfD-Kumpanei mit den Linksparteien. (Link zum Thema hier)

GENAUERE INFOS über die Wahl zum Ethikrat hier in der 2. Meldung: https://242283.seu2.cleverreach.com/m/11949106/503865-3a2f28246d75476f713490e22a663805


CDL: Es darf keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung beim Selbstmord geben

Die Pressesprecherin der Christdemokraten für das Leben e. V. (CDL), Susanne Wenzel, kommentiert zustimmend die Kritik des Deutschen Ethikrates zur erstmaligen Genehmigung des Tötungsmittel Pentobarbital durch das Bundesverwaltungsgericht:

Im März 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass Suizidwilligen der Zugang zu einem bisher in Deutschland nur für Tiertötungen zugelassenen Betäubungsmittel (Pentobarbital) zur Selbsttötung „in extremen Ausnahmefällen“ nicht verwehrt werden dürfe.

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes wurde im März bereits nicht nur von Seiten der Christdemokraten für das Leben (CDL) kritisiert. Erfreulicherweise hat inzwischen auch der Deutsche Ethikrat in einer Ad-hoc-Empfehlung vom 1. Juni 2017 verdeutlicht, dass es keinen Anspruch auf eine staatliche Unterstützung beim Suizid geben könne.

Die CDL begrüßen die klare Aussage des Ethikrates, dass es eine staatliche Unterstützung beim Suizid nicht geben kann. Bereits in seiner Empfehlung „Zur Regelung der Suizidbeihilfe in einer offenen Gesellschaft“ aus dem Jahr 2014 lehnte der Ethikrat ein „Regelangebot von Ärzten und speziellen Vereinen“ zur Suizidbeihilfe ab.  

Die CDL geht ebenso davon aus, dass durch die organisierte Sterbehilfe der Respekt vor dem Leben in unserer Gesellschaft weiter ausgehöhlt wird. Wenn es künftig tatsächlich „ausnahmsweise“ eine staatliche Unterstützung des Suizids geben würde, ginge die bedingungslose Achtung vor dem Leben am Lebensende schrittweise ganz verloren.

Das zeigt sich auch an den weiter voranschreitenden Arten der sog. „Sterbehilfe“ etwa in den Niederlanden und in Belgien. Diese beschränkt sich längst nicht mehr nur auf leidende Patienten in der Schlußphase schwerster Krankheiten, sondern betrifft bereits Menschen, die an einer kritische Diagnose oder Demenz leiden oder wie in Belgien schwerstkranke Kleinstkinder und Kinder.

Wir kritisieren ebenso wie der Deutschen Ethikrat vehement, dass das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil das selbstverständliche Gebot der staatlichen Gemeinschaft, „den hilflosen Menschen nicht einfach sich selbst zu überlassen“, mit dem staatlich garantierten Zugang zu Betäubungsmitteln nicht verfassungskonform verknüpft.

Niemand, erst recht nicht staatliche Instanzen, darf sich anmaßen, darüber zu entscheiden, ob ein menschliches Leben noch als „sinnvoll möglich“ oder „wertvoll“ anzusehen ist. Es kann weder eine aktive Zustimmung zur Selbsttötung durch den Staat geben, noch darf es eine Selbsttötung „auf Antrag“ geben, die von staatlicher Seite unterstützt wird.

Eine durch das Urteil drohende „Verpflichtung“ staatlicher Institutionen, sich zum Handlanger des Todes zu machen, indem sie leidenden Patienten quasi die Tötungsmittel in die Hand drücken, verstößt gegen die unbedingte Schutzpflicht des Staates. Dass diese Gefahr droht, zeigen mehr als 20 „Anträge“, die seither bereits beim Arzneimittel-Institut eingegangen sind.

 


CDL kritisiert Ad-Hoc-Empfehlung des Dt. Ethikrats zur Regelung der Suizidbeihilfe

Wird der „Tod auf Rezept“ bald Wirklichkeit?

Erklärung der Christdemokraten für das Leben (CDL):

Wieder einmal setzt sich der Ethikbeirat mit einer Forderung an die Spitze der Bewegung derer, die medizin-ethische Standards auf ein möglichst niedriges Niveau setzen wollen. Diesmal geht es um die aktive Mitwirkung von Ärzten am Suizid. imagesCA4JYFAC

Der je zur Hälfte durch die Bundesregierung und den Bundestag vorgeschlagene und vom Präsidenten des Deutschen Bundestages für vier Jahre berufene Deutsche Ethikrat hat sich nähere Gedanken um die Fortentwicklung unserer offenen Gesellschaft gemacht.
 .
In einer Ad-Hoc-Empfehlung vom 18.12.2014 passend zum kommenden Weihnachtsfest tritt er unter der euphemistischen Überschrift: „Zur Regelung der Suizidbeihilfe in einer offenen Gesellschaft: Deutscher Ethikrat empfiehlt gesetzliche Stärkung der Suizidprävention“ an die Öffentlichkeit.
 
Das Papier kommt im zweitletzten Absatz zu folgender Feststellung:
 
„Zudem ist eine Mehrheit des Ethikrates der Auffassung, daß der Gesetzgeber im Betäubungsmittelrecht klarstellen sollte, daß eine im Ausnahmefall erfolgende Verschreibung von Betäubungsmitteln auch im Rahmen einer Beihilfe zu einem frei verantwortlichen Suizid nicht strafbar ist.“

Foto: HMK

Foto: HMK

Der stellv. Vorsitzende Jochen Taupitz hat den Deutschen Ethikrat damit mehrheitlich hinter sich gebracht, denn er hat schon zuvor diese Auffassung geäußert.

Pentobarbital dient in den USA zur Hinrichtung

Gemeint ist vor allem das Präparat Pentobarbital: es wird in der Anlage 3 des Betäubungsmittelgesetzes neben anderen Substanzen aufgeführt, die nach § 13 Absatz 1 Satz 1 Betäubungsmittelgesetz bisher bei bestehender Zielsetzung einer Selbsttötung von Ärzten nicht verschrieben, verabreicht oder einem anderen überlassen werden dürfen.

Wurde das Präparat früher in niedriger Dosierung als Schlafmittel eingesetzt, was wegen schädlicher Nebenwirkungen inzwischen eingestellt wurde, so gibt es heute  – dabei in höherer Dosierung – vor allem eine mögliche Verwendung: die Einschläferung von Tieren und die Tötung von Menschen.

Foto: E. Gründler

Foto: E. Gründler

Pentobarbital wird von Sterbehilfeorganisationen eingesetzt, die der Gesetzgeber im laufenden Verfahren ursprünglich zu verbieten antrat. In den USA wurde Pentobarbital zuletzt im Rahmen der Vollstreckung der Todesstrafe zu Hinrichtungszwecken eingesetzt.
 
Mit Berücksichtigung der Forderung der Mehrheit des Ethikrates würde also endlich der Tod auf Rezept Wirklichkeit, das Traumziel der Todeshelfer wäre erreicht.
Ärzte könnten ihren Patienten ganz legal jenes Gift verabreichen und etwa auch deren Angehörigen überlassen, das man bislang bei uns nur in der Veterinärmedizin zum Einschläfern alter oder kranker Tiere und in den USA zur Hinrichtung bei Vollstreckung der Todesstrafe verwendet.
 
Die ursprüngliche gesetzgeberische Absicht eines Verbots organisierter Sterbehilfe droht im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens zur Organisation der Sterbehilfe durch den Gesetzgeber zu mutieren.
Dabei soll den Ärzten eine Aufgabe übertragen werden, die ihnen durch den Hippokratischen Eid mehr als 2400 Jahre lang untersagt war und deren Übernahme der Ärztestand bis heute zu Recht ablehnt, im sicheren Empfinden, daß die Hilfe zum Sterben mit der ärztlichen Aufgabe der Hilfe zum Leben unvereinbar ist.
 
Alte und leidende Menschen, deren Lebensmut in die Krise geraten ist werden, wenn das wahr wird, künftig unter dem Druck stehen, zu entscheiden, ob sie ihren Angehörigen und der Gesellschaft zur Last fallen oder nicht doch lieber aus dem Leben scheiden wollen.
Der Deutsche Ethikrat empfiehlt dies unter dem Stichwort „Stärkung der Suizidprävention“.
 
 

 


Unionsfraktion gegen jede Aufweichung des Inzest-Verbots – Kritik am Dt. Ethikrat

Kinder brauchen Schutz für eine ungestörte Entwicklung

Der Deutsche Ethikrat hat sich heute mehrheitlich für eine weitgehende Straflosigkeit von inzestuösen Handlungen zwischen Geschwistern ausgesprochen, deren strafrechtliche Verfolgung in § 173 StGB geregelt ist.

Hierzu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker:

Die Abschaffung des § 173 StGB, der den Beischlaf unter Verwandten als strafrechtliches Vergehen einordnet, bzw. die Abschaffung der Strafbarkeit des Inzests unter Geschwistern wäre ein falsches Signal.  42252-3x2-teaser190x127

Der Wegfall der Strafandrohung gegenüber inzestuösen Handlungen innerhalb von Familien würde dem Schutz der unbeeinträchtigten Entwicklung von Kindern in ihren Familien zuwider laufen. 

Die Diskussion darf nicht nur die Fälle erwachsener Verwandter in den Blick nehmen, die außerhalb familiärer Strukturen beiderseits freiwillig und selbstbestimmt zueinander gefunden haben; hier bieten die Ausgestaltung als bloßes Vergehen und die Praxis der Strafverfolgung hinreichende Möglichkeiten zu einem angemessenem Vorgehen.

Es geht zu allererst um den Schutz heranwachsender Kinder und Jugendlicher, die in ihrem familiären Umfeld möglichen Übergriffen anderer, in ihrer Persönlichkeit bzw. ihrem Status innerhalb des familiären Gefüges überlegenen Familienmitgliedern nicht mit dem notwendigen Selbstbewusstsein entgegentreten können.

Fast immer geht Inzest mit der Abhängigkeit eines Partners und äußerst schwierigen Familienverhältnissen einher.

Wir begrüßen deshalb besonders, dass sich mehrere Mitglied des Deutschen Ethikrates in einem Sondervotum u.a. auch aus den genannten Gründen gegen eine die Strafbarkeit einschränkende Änderung des § 173 StGB ausgesprochen hat.“

Hintergrund:
Anlass für die Befassung des Deutschen Ethikrates ist eine Entscheidung des  Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vom 12.4.2012, mit der die Beschwerde eines Mannes aus Leipzig, der mit seiner Schwester vier Kinder gezeugt hatte, gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26.2.2008 zur Strafbarkeit des Geschwisterinzests zurückgewiesen wurde.


Die CDL zur Stellungnahme des Deutschen Ethikrats: Gendiagnostik verstärkt Diskriminierung in unserem Land

Anläßlich der heute in Berlin vom Deutschen Ethikrat vorgestellten Stellungnahme „Die Zukunft der genetischen Diagnostik – von der Forschung in die klinische Anwendung“ erklärt die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), Mechthild Löhr (siehe Foto):

„Die Stellungnahme des Ethikrates zur Zukunft der genetischen Diagnostik bietet eine bemerkenswert breite Analyse und Zusammenfassung der dramatischen Entwicklungen in der Biomedizin. Auch wenn kein einziges Mal der Begriff Eugenik fällt, steht jedoch genau diese im Mittelpunkt: mechthild%20l%C3%B6hr[1]

Die systematisch betriebene Gendiagnostik mündet unweigerlich in eine positive oder negative Bewertung von Erbanlagen, sei es bei ungeborenen oder geborenen Menschen, und sie macht ihre Ergebnisse für Dritte verfügbar und manipulierbar.

Der französische Philosoph Michel Foucault hat die Biopolitik als eine moderne Machttechnik bezeichnet. Die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates vom 30.4.2013 illustriert eindrücklich, wie zutreffend dies inzwischen ist.

Zu Recht wird davor gewarnt, daß die neue Form der Gendiagnostik, die inzwischen für wenige tausend Euro die Analyse des kompletten Genoms eines Menschen ermöglicht, das Verhältnis und das Zusammenleben der Menschen tief gehend verändern wird. Dies trifft zukünftig Ungeborene wie Geborene gleichermaßen:

Ungeborene werden zu Prognose-Opfern

Die genetische Analyse wird mit all ihren Unsicherheiten zur dokumentierten gesundheitlichen Risiko-Prognose für den Einzelnen. Der Embryo wird zum Produkt, das nach den Kategorien krank oder risikobehaftet selektiert werden darf. Aber auch die bereits Geborenen werden zu möglichen und tatsächlichen Prognose-Opfern einer Gendiagnostik, die kaum noch allgemeine ethische Limitierungen akzeptieren wird, weil sie der Autonomie des Einzelnen widersprechen.

Die Autonomie der Mutter, der Eltern, des Patienten wird zum Maßstab für die Zuteilung von Lebenschancen: die Gendiagnostik ermöglicht dies durch Risikoprofile aufgrund immer genauerer Einzelanalysen und aufgrund von statistischen Wahrscheinlichkeitsberechnungen.

Besonders deutlich wird die neuere Entwicklung auch am Beispiel des jüngst zugelassenen Praenatests, der Embryonen ab der 10./11. Woche ziemlich sicher auf die Trisomien 13, 18 und 21 testet. Nüchtern analysiert die Stellungnahme, daß beim Vorliegen einer „medizinischen“ Indikation die Abtreibung ohnehin bis vor der Geburt straffrei möglich ist.  PICT0386

Doch dies ist erst der Anfang: die nichtinvasiven Bluttest-Methoden lassen sich ohne Risiko für die Schwangere oder für jeden anderen Probanden generell auf alle genetischen Dispositionen ausweiten.

Auch individuelle Krankheitsrisiken bereits Geborener können heute ohne Kontrolle als Direct-to-Customer-Leistung angeboten, verkauft und gespeichert werden. Eine Blutprobe genügt, die Rechnerkapazitäten ermöglichen bald das Gen-Screening breiter Bevölkerungsgruppen, sei es nur zu Studienzwecken oder zur individuellen oder staatlichen Gesundheitsplanung

Was dies alles für die einzelnen Personen, für die zukünftigen Eltern, für Familien, das Gesundheitssystem und den Staat bedeutet, wird in der Studie leider nur vage angerissen. Immerhin ist zwischen den Zeilen eine wachsende Skepsis spürbar, ob Fortschritt und Ethik hier noch mit einander Schritt halten können.

Dt. Ethikrat pro PID und Abtreibung

Auf hohem, abstraktem Niveau mögen die vom Ethikrat gut geschilderten Herausforderungen noch vertretbar erscheinen, in der Praxis aber ist die Selektion von Menschen inzwischen in den Labors und Praxen längst eingeübt. In der Vergangenheit sich gerade der Ethikrat leider positiv zur Akzeptanz von PID und Abtreibung geäußert. Dies klingt auch hier wieder klar durch.

Inzwischen scheint der gesamtgesellschaftlich verbreitete Grundsatz „Hauptsache gesund“ allgemein, auch in der Medizin, so interpretiert zu werden, daß die Identifikation und Selektion genetisch belasteter Menschen als legitime sozioökonomische Entscheidungshilfe betrachtet und zur Beurteilung ihrer Lebensberechtigung herangezogen wird.

Der Ethikrat dokumentiert in seiner Stellungnahme unzweifelhaft, dass eine zukünftige Einteilung von Menschen in unterschiedliche gesundheitliche Risikogruppen zu einer gefährlichen Diskriminierung führen wird, wenn der Staat nicht den Schutz der Menschenwürde, den Gleichheitsgrundsatz und auch den Datenschutz konsequenter als bisher noch überprüft.

Durch die neuen Instrumente der Gendiagnostik wird der Mensch für sich selbst zum größten Risiko, er wird zum Produkt, das bedroht ist von gesundheitlichen Risiken und ihre Bewertung durch andere. Dies klingt immerhin an.

Auch wenn die Stellungnahme immer wieder ein Recht auf Nichtwissen etabliert und einige Vorschläge zum Schutz der Persönlichkeitsrechte trotzdem Diagnostik unterbreitet, ist spürbar, daß die individuellen und gesellschaftlichen Risiken der kommenden Entwicklungen mehr und mehr skeptisch gesehen werden. Dies erscheint angesichts des früher vorherrschenden, teilweise euphorisch wirkenden Fortschrittsoptimismus des Ethikrates als realistischere Ausrichtung.

Offensichtlich ist den Mitgliedern des Rates jetzt etwas deutlicher bewußt, daß die große Mehrzahl der Bürger, die zukünftig alle potenziell Betroffene sind, sich dem Effizienzdruck einer mehr und mehr utilitaristisch geprägten Gesellschaft kaum noch werden entziehen können. Ein zunehmend stärker unter Ressourcendruck stehendes Gesundheitswesen wird ebenso wie der Arbeitsmarkt kaum auf das wachsende Wissen der gehen Diagnostik verzichten wollen, weder beim Einzelnen noch in der Gesamtheit.

Darf der Mensch, was er kann?

Darf der Mensch, was er kann?  – Die zwei abweichenden Voten, die der Stellungnahme angefügt sind, zeigen das Spektrum möglicher gesellschaftspolitischer Entwicklungen auf:

Von christlicher Seite werden vor allem das Risiko und das Gefährdungspotenzial der Gendiagnostik dankenswerterweise deutlich herausgearbeitet. Die liberalen Kritiker betonen dagegen deren Selektionsfunktion erschreckend positiv und verurteilen die  –  vermeintlich zu große  –  Skepsis gegenüber den Fortschritten der Gendiagnostik.

Diese wichtige Stellungnahme des Deutschen Ethikrates enthält zwar wenig konkret Hilfreiches, um die aufgezeigten, weitreichenden ethischen Konflikte im Interesse der Achtung der Menschenwürde und des Lebensschutzes wirksam zu lösen, jedoch eine sehr informative Fülle von aktuell brennenden Themen, die das künftige Miteinander von gesunden und kranken Menschen wesentlich prägen werden.

Politik, Medizin, Gesellschaft und Kirchen sollten hier endlich hellwach werden und den Schutz und die Achtung der Menschenwürde auch der Ungeborenen in den Mittelpunkt stellen.“

Die Christdemokraten für das Leben (CDL) sind eine Initiative in der CDU/CSU mit 5000 Mitgliedern, darunter zahlreiche Bundestags-, Landtags- und Europa-Abgeordnete sowie Kommunalpolitiker.


Deutscher Ethikrat liefert kontroverse Debatte über „Hirntod“

Muß die Organentnahme bei sog. „Hirntoten“ überdacht werden? Sind Hirntote tatsächlich tot? Welche moralischen Verpflichtungen bestehen gegenüber hirntoten Menschen?

Über diese Fragen diskutierten Experten bei einer Tagung des Deutschen Ethikrates am 21. März vor 300 Teilnehmern in Berlin.

Experten uneins: Wann ist ein Mensch tot?

Aus Sicht des Neurologen Prof. Alan Shewmon (Los Angeles/USA) verfügen Hirntote noch über komplexe Steuerungsfunktionen. Es gebe den „äußeren Anschein der Lebendigkeit“. So sei der Körper von Hirntoten in der Lage, Temperatur, Blutfluss und Hormonhaushalt selbstständig zu regulieren. Hirntote verdauten und schieden aus, zudem reagiere ihr Immunsystem mit Abwehrreaktionen auf Infektionen oder Verletzungen.

Hirntote Kinder könnten sexuell reifen. Im Körper hirntoter Schwangerer könnten Föten heranwachsen. Laut Shewmon wirkt das Gehirn nicht als Integrationszentrale für alle menschlichen Körperfunktionen. Integrationskraft könne keinem einzelnen Körperteil zugeschrieben werden, sondern entstehe im Zusammenspiel des gesamten Organismus.

Die Definition des Hirntodes sei daher problematisch. Bei den sogenannten Hirntoten handele es sich um „lebende, bewusstlose Menschen“.

Dem widersprach die Neurologin Stefanie Förderreuther (München). Die Feststellung des Hirntodes schaffe diagnostische Sicherheit und sei das sicherste Kriterium, das Ärzten zur Verfügung steht. Vorgeschrieben ist unter anderem, dass hirngeschädigte Menschen durch zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander untersucht und mindestens zwölf Stunden beobachtet werden. Förderreuther zufolge ist ein Hirntoter „kopflos“ und gewinnt durch eine monatelange Beatmung nichts: „Ohne Gehirn ist der Mensch als körperlich geistige Einheit nicht mehr existent.“

Nach den Worten des Philosophieprofessors Ralf Stoecker (Potsdam) bietet die Hirntod-Konzeption scheinbar eine Lösung für zwei ethische Probleme: Erstens: Wer tot ist, muss von der Intensivmedizin nicht mehr am Leben erhalten werden. Zweitens: Die Definition macht die Entnahme von unversehrten, knappen Spenderorganen möglich.

Es bestehe jedoch ein ethisches Dilemma: Einerseits könnten Organspenden das Leben vieler Menschen retten. Andererseits bauten die Begründungen für die Organentnahme auf „fragwürdigen, mehr als fadenscheinigen Todeskonzeptionen“. Er sei von der Hirntod-Konzeption nicht überzeugt, so Stoecker.

Quelle: Evangelische Nachrichtenagentur IDEA


Weihbischof Losinger unterstützt Deutschen Ethikrat betr. „Intersexuelle“

Aus der CSU kommt Kritik am Vorstoß des Ethikrats zum „anderen“ Geschlecht

Gen 1,27: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“

Am 25.2.2012 erschien in Radio Vatikan folgende Meldung (Linien von uns):

„Die katholische Kirche des Landes fordert Respekt für Intersexuelle. Menschen, deren Geschlecht nicht festgestellt werden kann, sind vor gesellschaftlicher Diskriminierung zu bewahren. Das sagte der Augsburger Weihbischof Anton Losinger am Freitag dem Kölner Domradio.

Losinger ist für die Deutsche Bischofskonferenz Mitglied im Deutschen Ethikrat. Dieser hatte am Donnerstag Entschädigungen für Menschen gefordert, die infolge ihres nicht ausgeprägten Geschlechts mit Hormonen behandelt und operiert wurden. Durch die früher medizinisch erfolgten „Geschlechtszuweisungen“ fühlten sich die Betroffenen verletzt, so Losinger. Die Menschen „in einem solchen Dazwischen“ seien weder männlich noch weiblich, noch fühlten sie sich so.

Der Weihbischof verteidigte den Vorschlag des Ethikrates, im Personenstandsregister neben den Geschlechtskategorien „weiblich“ und „männlich“ auch die Eintragung „anderes“ einzuführen. Das Gremium habe sich nicht für die Einführung eines „dritten Geschlechtes“ ausgesprochen, das es „ja de facto“ nicht gebe.“

Das „Deutschlandradio“ veröffentlichte am 24.2.2012 diese Nachricht:

„Die CSU ist gegen das dritte Geschlecht. Nachdem gestern der Deutsche Ethikrat neben „weiblich“ und „männlich“ eine dritte Bezeichnung für intersexuelle Menschen gefordert hat, regt sich bei der CSU-Landesgruppe im Bundestag Widerstand. Der Parlamentarische Geschäftsführer Stefan Müller hält das für – so wörtlich – „keine gute Idee“. Es sei zwar zu begrüßen, dass der Ethikrat mit seiner Stellungnahme auf das Leid von Intersexuellen hingewiesen habe. Eine Änderung des Personenstandsregisters käme für ihn aber „nicht in Frage“.“