Der FAZ-Herausgeber über wachsenden Aberglauben in einer „aufgeklärten“ Welt

Am Samstag, den 7. Februar 2015, erschien in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ auf der Titelseite ein bemerkenswerter Kommentar von Jürgen Kaube, dem FAZ-Herausgeber und stellv. Leiter des Feuilletons (Kulturteil).

Unter dem Titel „Die Dummheit blüht“ äußert sich der Autor über das widersprüchlich erscheinende Phänomen, daß wir einerseits in einer „aufgeklärten Welt“ mit moderner Technologie leben, aber „gleichzeitig“ ein irrationaler Glaube bzw. Aberglaube wächst, zB. in puncto Esoterik oder Verschwörungstheorien. zeitungen

Kaube erwähnt die schon von Horkheimer und Adorno festgestellte „Dialektik der Aufklärung“, die u.a. darin besteht, daß Technik, Expertentum und Wissensvermehrung neben Fortschritt und Wohlfahrt auch viele verderbliche Entwicklungen befördert haben.

Zudem steigt, so der Verfasser, „täglich die Vielfalt des Aberglaubens“.  Er nennt neben politischen Konspirationsthesen auch den „privaten Bereich“, denn dort „blüht der Glaube an merkwürdigste Heilmethoden, an den Haaren herbeigezogene und dieselben sträubende Deutungsmuster“.

Die „gesteigerte moderne Bereitschaft zum Aberglauben“ sieht der Autor mitverursacht durch die neue Medienentwicklung:

„Schon die Druckerpresse erhöhte nicht nur die Reichweite des Wissens, sondern beförderte auch die Übertreibungen. Auf die heutige Lage gewendet: Was vor kurzem noch im Rauch über den Stammtischen sich mitauflöste, steht jetzt im Netz. Jeder Blödsinn wird inzwischen verschriftlicht und findet auf diesem Weg eine Fachgemeinschaft von Mitdummköpfen.“

Hinweis: Den erwähnten Leitartikel gibt es jetzt auch FAZ-online: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/moderne-und-aberglaube-die-dummheit-blueht-13414273.html