Poetisch ins NEUE JAHR mit Eduard Mörike

Wie heimlicher Weise
Ein Engelein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!

In IHM sei’s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Du lenke und wende!
HERR, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!

Mörike, Eduard (1804 – 1875)

SELK-Erklärung zum Attentat in Halle: Wir sollten positive Gegenwerte schaffen!

Stellungnahme der SELK (Selbständig Evang. Lutherischen Kirche):

Am Mittwoch, 9. Oktober 2019, dem jüdischen Jom Kippur-Fest, versuchte ein – nach jetzigem Kenntnisstand – rechtsextremistisch, antisemitisch orientierter Attentäter in die jüdische Synagoge der Stadt Halle/Saale einzudringen, um die Gottesdienstbesucher anzugreifen. Da dies misslang, erschoss er willkürlich andere Opfer.

BILD: Die Synagoge in Münster mit der Menora (siebenarmiger Leuchter)

Der Beauftrage der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) für „Kirche und Judentum“, Pfarrer Andreas Volkmar aus Bielefeld, nimmt in einem Kommentar dazu Stellung:

„Bin voller Scham und Trauer!“, schrieb mir ein guter Freund nach dem gestrigen Attentat vor der Synagoge in Halle/Saale am höchsten jüdischen Feiertag „Jom Kippur“. Ich konnte dem nur zustimmen und ein tiefer Schmerz über diese Tat erfüllt mich.

Ja, auch viele andere sind geschockt und fragen sich: „Wie und warum konnte es zu einem solchen antisemitisch motivierten Anschlag in Deutschland kommen?“

Aus dem Nichts kam diese Aktion nicht. Wer seit einigen Jahren aufmerksam im Internet unterwegs ist, findet ohne Schwierigkeiten unverblümten Antisemitismus. Es gibt durchaus das Bemühen, solche Aktivitäten zu begrenzen. Aber diese Leute finden immer wieder Schlupflöcher im Netz.

Die Not ist, dass man Menschen, die so denken, kaum mit rationalen Argumenten begegnet kann. Die „jüdische Weltverschwörung“ ist für sie das „Satanische“ an sich. Nur wer in dieser Szene enttäuscht wird, entwickelt die Energie, nachzudenken und auszusteigen.

Was kann man angesichts dieser Situation tun?

Den überzeugten Antisemiten, wird man nur schwerlich überzeugen können. Umso wichtiger ist es, die Breite der Öffentlichkeit gegen den Antisemitismus zu immunisieren oder zu impfen!

In der Regel liegt zurzeit der Schwerpunkt darauf, daran zu erinnern, welche Gräuel aus dem Antisemitismus erwachsen sind. Dieses Erinnern wird eine bleibende Aufgabe sein. Leider erschöpfen sich reine Negativschablonen irgendwann. Mancher will gar nicht mehr hinhören.

Darum müssen auch positive Akzente gesetzt und an sie erinnert werden:

1. So sollte gezeigt werden, welche eine fruchtbare Symbiose deutsche und jüdische Kultur gebildet haben. Künstler und Autoren wie Wolf Biermann, Alfred Döblin, Heinrich Heine, Else Lasker-Schüler, Felix Mendelsohn-Bartholdy, Kurt Weill und Michael Wolffsohn (siehe Foto) haben aus dieser Symbiose heraus geschaffen und gelebt.

2. Es müssen verstärkt Momente der Geschichte in den Blick genommen werden, wo Deutsche für Freiheit und Demokratie gerungen haben. Nur Wenigen sind Namen der sogenannten „48er“ wie Friedrich Hecker, Carl Schurz und Franz Sigel bekannt.

Nachdem sie nach der gescheiterten Revolution 1848/49 in die USA emigrieren mussten, waren sie dort Stützen der Demokratie und kämpften dort gegen den Rassismus gegenüber den Farbigen und die Vernichtung der Indianer. Carl Schurz bracht es sogar zum Innenminister.

3. Die antijüdischen Äußerungen des Reformators Martin Luthers haben nicht das Wesen der lutherischen Kirche bestimmt. Sie gehören nicht zum lutherischen Bekenntnis. Es haben sich sogar Menschen jüdischer Herkunft immer wieder bewusst diesem Bekenntnis zugewandt, ohne ihre jüdischen Wurzel zu vergessen. #

Erinnert sei an Carl Paul Caspari (*8.2.1814, + 11.4.1892), der als Theologe in Deutschland und Norwegen lehrte, und Friedrich August Philippi (*15.10.1809, + 29.8.1882), der eine der wichtigsten lutherischen Dogmatiken im 19. Jahrhundert schrieb.


MORGENLIED von Annette v. Droste-Hülshoff

Der Morgenstrahl                                                                   
Steht auf dem Tal,
Die Nebel ziehen drunter her,
Und auf der Au
Liegt still der Tau
Wie Perlen in dem weißen Meer.
Wie ich nun Alles recht beschaut,
Da wird mir’s rege im Gemüte,
Daß Alles nur ein Wort, ein Laut,
O Gott, von deiner Lieb und Güte!

Die Erd‘ in Pracht
Hast du gemacht 
Für mich, dein ungetreues Kind,
Und den Azur
Der Wolkenflur,
Für mich den frischen Morgenwind.
Ach, alle Worte sind zu schwach,
Um deine Liebe zu verkünden,
Und dennoch läßt mein Streben nach,
Und jeder Tag sieht mich in Sünden.

Herr, steh mir bei, 
Der du aufs Neu
Mir einen jungen Tag verliehn;
Der Geist ist wach,
Das Fleisch ist schwach,
Und ohne Frucht ist mein Bemühn.
Doch deine Hand ist stark und fest,
Will ich nur willig sie umfassen;
Ach, wer nicht selber dich verläßt,
Den hast du nimmermehr verlassen.

O Herr, wenn oft
Und unverhofft
Mich kleine Kränkungen bedrohn,
Sei mein Gesicht
Zu dir gericht‘,
Und mein Gedanke sei: dein Lohn!
Ach, manches Leiden groß und schwer
Gabst du mir Gnade zu besiegen,
Und vor der kleinen Sorgen Heer
Sollt‘ meine Stärke unterliegen?

Herr, mich befrei
Von falscher Scheu,
Von Hoffahrt und von Ungeduld,
Und all mein Sinn
Sich wende hin
Zu deinem Kreuz und meiner Schuld.
Wer diesen Tag mich schmäht und kränkt,
Dem laß mich gern und treu verzeihen,
Und ihn laß, eh die Nacht sich senkt,
Vor dir sein Unrecht still bereuen.

Zu deinem Preis,
Auf dein Geheiß
Will ich an meine Pflichten gehn;
Wie auch die Welt
Sie rings umstellt,
Ich will nur deinen Willen sehn.
Mein Wirken über Haus und Kind,
Das ruht in deinen weisen Händen,
Was sich mit deinem Preis beginnt,
Das muß zu deinem Ruhme enden.

Annette von Droste-Hülshoff


Israel: Deutsche Sprache, Literatur und Kultur stehen hoch im Kurs

Germanistik und deutsche Dichtung an Israels Universitäten

Eine über zwei Semester laufende Vortragsreihe zur deutschsprachigen Literatur an der Hebräischen Universität Jerusalem in Kooperation mit der Freien Universität Berlin wird am 19. Februar 2014 feierlich eröffnet. Sie hat das Ziel, der Germanistik an der israelischen Hochschule neue Impulse zu geben. globe_germany

Die Vorlesungen in englischer Sprache beschäftigen sich mit dem Werk der wichtigsten deutschsprachigen Autoren und werden von renommierten Germanisten der Freien Universität Berlin sowie anderer deutscher und internationaler Hochschulen gehalten.

Gefördert wird die „Axel Springer Lecture Series on German Literature“ von der Axel Springer Stiftung. Insgesamt wird die Vorlesungsreihe 25 Veranstaltungen über zwei Semester umfassen und die deutsche Literatur vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert behandeln.

Für die Eröffnungsveranstaltung sind Grußworte der Präsidenten beider Hochschulen, Prof. Menahem Ben-Sasson und Prof. Peter-André Alt, sowie des deutschen Botschafters in Israel vorgesehen.

Den Eröffnungsvortrag hält Hans-Jürgen Schings, einer der herausragenden Experten für die Literatur der Aufklärung und der Klassik. Der Germanist von der Freien Universität Berlin spricht auf dem Skopus-Berg über Johann Wolfgang von Goethes „Faust“.

Auf dem Programm der Vorlesungsreihe stehen im Sommersemester Vorträge zu Thomas Mann, Franz Kafka, aber auch zu Autorinnen und Autoren der Gegenwart wie Christa Wolf oder Herta Müller. 1426245_577880468934571_1029821405_n

Nach jedem Vortrag findet ein Kompaktseminar für Studierende der Hebräischen Universität statt. Das folgende Wintersemester bezieht beginnend mit der Literatur des Minnesangs Texte früherer Epochen ein.

Die Vorlesungsreihe soll langfristig dazu beitragen, die Germanistik als Universitätsfach an der israelischen Hochschule weiter auszubauen: „Es besteht bei den Studierenden ein großes Interesse, Deutsch zu lernen und sich mit der deutschen Kultur zu befassen“, sagt Prof. Dr. Susanne Zepp von der FU Berlin, die die Reihe koordiniert.

Der Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Hebräischen Universität, Prof. Dr. Reuven Amitai, erklärt: „Die Ringvorlesung stellt eine einmalige Gelegenheit dar, unseren Studierenden die deutsche Literatur, Kultur und Geschichte in neuer Weise näherzubringen. Sie ist ein wichtiger Baustein unserer engen wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Berlin und Jerusalem“.

Die Hebräische Universität und die Freie Universität Berlin kooperieren im Rahmen einer strategischen Partnerschaft, die zahlreiche Austauschprogramme und gemeinsame Forschungsprojekte sowohl in den Geistes- als auch in den Naturwissenschaften umfasst.

Die neue Initiative demonstriere die große Dynamik dieser Partnerschaft und zeuge davon, was gemeinsam erreicht werden könne, betonen die Präsidenten beider Universitäten, Prof. Dr. Menahem Ben-Sasson und Prof. Dr. Peter-André Alt.

Quellen: Presseerklärungen der Hebräischen Universität Jerusalem und der Freien Universität Berlin vom 12.2.2014