Jüdischer Zentralrat kritisiert Untätigkeit islamischer Verbände gegen Judenhaß

Vor dem Hintergrund jüngster antisemitischer Vorfälle in Deutschland hat der Zentralrat der Juden eine fehlende Unterstützung durch muslimische Verbände beklagt.

Zwar versprächen die Verbände, gegen Antisemitismus vorzugehen, sagte der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”: “Aber konkrete Schritte muss man mit der Lupe suchen.”

Der Zentralrat der Juden habe sich stets für Muslime im Land eingesetzt, eine Solidarisierung von Muslimen mit Juden bleibe nun aber aus, kritisierte Graumann.

Quelle: http://www.wochenblatt.de/nachrichten/welt/Zentralrat-der-Juden-Unterstuetzung-durch-Muslime-fehlt;art29,256767


Prominente jüdische Stimmen aus aller Welt würdigen das Pontifikat von Papst Benedikt: „Er besitzt die Tiefe eines großen Denkers“

Juden anerkennen vor allem Benedikts Offenheit und Herzlichkeit: „Er hat in gegenseitiger Wertschätzung auch schwierige Themen nicht gemieden.“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland äußert sich sehr positiv über das Wirken von Benedikt XVI.  – Er habe die christlich-jüdische Annäherung seines Amtsvorgängers beherzt fortgesetzt, erklärte Zentralratspräsident Dieter Graumann am gestrigen Montag:

„Die Leistungen von Papst Benedikt XVI. würdigen wir mit tiefem Respekt und wünschen ihm von Herzen alles Gute und Gottes Segen.“  –  Er habe dem jüdisch-christlichen Verhältnis neue Impulse verliehen und es mit Herzlichkeit erfüllt:

„Die Versöhnung mit dem Judentum war Papst Benedikt XVI. ein ganz persönliches Anliegen.“

Graumann erinnert zudem an mehrere Begegnungen jüdischer Persönlichkeiten mit dem Pontifex:

„Der Papst hat das Gespräch mit der jüdischen Gemeinschaft ausdrücklich gesucht und in gegenseitiger Wertschätzung auch schwierige Themen nicht gemieden. Die Begegnung mit ihm war für uns eine große Freude und getragen von persönlicher Wärme.“

Charlotte Knobloch, die Vorgängerin Graumanns und heutige Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, hat den angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt „zutiefst“ bedauert:  IMG_1093

„Ein deutscher Papst  –  das war etwas Besonderes und sehr Bedeutsames vor allem für die Gläubigen in der Bundesrepublik“, sagte sie am gestrigen Montag in München  –  und fügte hinzu:

„Dieser zweifellos in tiefstem Glauben und größtem Verantwortungsbewusstsein gefasste Entschluss von Benedikt XVI verdient absoluten Respekt und Hochachtung.“

Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, lobte Papst Benedikt dafür, daß er den katholisch-jüdischen Beziehungen eine „solide theologische Basis gegeben und sie mit Inhalten und Leben gefüllt“ habe.

Das ECHO in POLITIK , RELIGION und MEDIEN in ISRAEL verlief weitgehend positiv:

Staatspräsident Shimon Peres erklärte, er sei traurig über die Entscheidung des Pontifex und würdigte zugleich seine Persönlichkeit:

„Papst Benedikt besitzt die Tiefe eines großen Denkers, die Ernsthaftigkeit eines großartigen Gläubigen, die Leidenschaft eines Friedensstifters und die Weisheit, sich auf Veränderungen in der Geschichte zu beziehen, ohne seine Werte zu verändern.“

Foto: KOMM-MiT-Verlag


Der 89-jährige Präsident des jüdischen Staates hob zudem die Verdienste Benedikts für die Beziehungen zwischen dem Volk Israel und der kath. Kirche hervor.

Der Oberrabbiner der sephardischen Juden, Schlomo Amar, würdigt das Eintreten Benedikts gegen jeden Antisemitismus. Zudem sollten seine Worte in Erinnerung bleiben, laut denen die Juden die „älteren Brüder“ und „Vorfahren“ der Christen seien.

Auch Israels zweiter Oberrabbiner Yona Metzger lobt die Verdienste des Papstes, wie die „Jerusalem Post“ gestern berichtet:

“Während seiner Amtszeit gab es die besten Beziehungen zwischen der Kirche und dem Oberrabbinat. Wir hoffen, dass sich das fortsetzt“, ließ Metzger ausrichten. Der Papst verdiene für sein Wirken „ein hohes Ansehen und viel Anerkennung“. Der führende israelische Gelehrte wünschte dem Papst “gute Gesundheit und ein langes Leben“.

Der Leiter der Abteilung für Diaspora und Religion beim Außenministerium, Schmuel Ben-Schmuel, dankte Benedikt für seine „herzliche und freundliche Haltung gegenüber dem jüdischen Volk“.  –  Er wies zudem darauf hin, daß dies der erste Papst (seit Gründung des Staates Israel) war, der offen den Radikalismus im Islam kritisiert hat.

David Rosen aus Jerusalem, ein führender Rabbi, der noch kürzlich energisch Erzbischof Müller gegen Angriffe in deutschen Medien verteidigte,  erklärte laut israelischer Zeitung „Haaretz“, Papst Benedikt habe die Beziehungen zum Judentum weiter verbessert, wenngleich es ihm „nicht gelungen sei, seinen konservativen Aktionen ein Lächeln aufzusetzen.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster

 


Dieter Graumann über mangelnden Respekt vor der Religion und das Tabu des Antisemitismus unter Muslimen

Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, äußert sich in einem am heutigen Samstag (29.12.) veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ über den in Deutschland weit verbreiteten Mangel an Respekt vor der Religion  – zumal in den herrschenden Medien: „Es gibt auch einen säkularen Fundamentalismus, der alles zu verurteilen versucht, was mit Glauben zu tun hat“, so Graumann.    IMG_1093

Der Zentralrats-Chef spricht auch über die zunehmende Israelfeindlichkeit in der SPD, mag diese auch eher wahltaktisch motiviert sein.

Zudem zeigt er sich  – neben dem altbekannten Judenhaß von Rechtsextremen – auch besorgt über wachsende Judenfeindlichkeit vor allem junger Muslime hierzulande:

„Aber es stimmt, dass es unter jungen Muslimen immer stärker werdende Tendenzen gibt, die oft noch öffentlich tabuisiert sind und über die nicht genug gesprochen wird. Wenn hier auf Schulhöfen und Sportplätzen „Jude“ als gängiges Schimpfwort gebraucht wird, ist das eine brennende Wunde, ein Skandal.

Die Verantwortlichen in den muslimischen Gemeinden müssen diese Judenfeindschaft viel offensiver bekämpfen, auch wenn oder gerade weil das nach innen unpopulär sein mag.“

Die WELT-Redaktion befragte Graumann auch nach einem  „deutschen Patriotismus“  auf  jüdischer Seite; seine Amtsvorgängerin Charlotte Knobloch bekannte sich ausdrücklich dazu. Graumanns Antwort hierzu:

„Mit dem Begriff „Patriotismus“ habe ich es nicht so. Ich bin schon mein ganzes Leben in Deutschland, ich bin bewusst und sehr gerne hier. Doch mit dem Wort „Patriotismus“ tue ich mich generell schwer. Ich habe allerdings auch nichts dagegen, wenn jemand stolz ist, ein Deutscher zu sein. Warum sollte er nicht?“

Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article112285820/Es-herrscht-ein-Mangel-an-Respekt-vor-Religion.html


Jüdischer Zentralrat kritisiert SPD in puncto palästinensischer „Fatah“

Der Zentralrat der Juden ist empört über eine Erklärung der SPD zu einer strategischen Partnerschaft mit der palästinensischen Fatah.

„Die SPD macht sich gemein mit einer Terror-Organisation, die zu Hass und Hetze gegen Juden aufruft. Die Partei sollte sich schämen“, sagte Zentralratsvorsitzender Dieter Graumann der Bildzeitung. 

Die sozialdemokratische Stellungnahme zu gemeinsamen Werten mit der Fatah sei ein „Skandal“.

Anlaß ist der Besuch von Fatah-Vertretern bei SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Dabei habe die SPD eine offizielle Mitteilung über einen „strategischen Dialog zwischen SPD und Fatah“ verfaßt und betont, die Beziehungen zwischen Fatah und SPD beruhten auf gemeinsamen Zielen und Werten.

Graumann forderte Konsequenzen der SPD-Spitze:

„Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück müssen sich jetzt ganz schnell erklären, was das zu bedeuten hat und sich davon distanzieren. Ich hoffe, sie wissen überhaupt, mit was für einer Organisation sie es hier zu tun haben. So ist die SPD ganz sicher nicht regierungsfähig.“

Quelle: WELT-online


Zentralrats-Chef Dieter Graumann würdigt verbesserte Beziehungen zwischen Juden und katholischer Kirche

Gestern war Gedenktag Allerseelen, an dem die katholische Kirche besonders der Verstorbenen gedenkt und für sie betet. In den ‚Trauermonat November’ fällt auch der Gedenktag für die Opfer des Holocaust am Freitag in einer Woche.

Das Kölner Domradio hat darüber mit Dieter Graumann, dem Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, gesprochen. Graumann selbst hat den Holocaust nicht miterlebt, aber seine Eltern.

Auch die zweite Generation sei noch stark von dem Völkermord an den Juden, der ‚Shoah’ geprägt, erläutert Graumann:

Foto: Konrad Ruprecht

„Ich bin ja mit Shoah-Geschichten aufgewachsen so wie andere Kinder mit Grimms Märchen, nur  –  meine waren wahr und ohne Happy End, ich kannte sie genau. Und deshalb haben wir immer gespürt: Wir müssen versuchen, den Eltern irgendwie zu ersetzen, was sie verloren haben. Das war schon schwierig für uns Kinder, so aufzuwachsen. Auf der anderen Seite kannten wir es nicht anders, und darum haben wir uns in die Rolle hineingefügt – aber es war schon eine schwierige Rolle.“

Graumann hofft, daß sich das in Zukunft ändert:

„Das ist ja ein großes Anliegen von mir, dass wir die Shoah als Juden bestimmt nie vergessen, ganz sicher nicht, aber dass wir uns davon nicht heute noch gefangennehmen lassen, sondern dass wir sagen: Wir dürfen nicht nur in der Vergangenheit und in unseren Katastrophen leben, sondern ganz im Gegenteil. Wir müssen die Zukunft, die uns jetzt hier in Deutschland zuwächst, auch aktiv und kreativ gestalten mit einem Stück Leidenschaft und Begeisterung. Genau das will ich tun!“


„Wir Juden waren zufriedener mit dem Papstbesuch als die Protestanten“

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland äußerte sich in dem Gespräch auch zum Verhältnis von katholischer Kirche und Judentum. Hier habe sich in jüngerer Zeit viel getan.

Es gäbe zwar Differenzen wegen Pius XII. und „Piusbrüdern“, gleichwohl seien die Beziehungen insgesamt gut:

Alles zusammen ist es doch erheblich besser geworden  –  und bei unserer Begegnung mit dem Papst im letzten Jahr habe ich festgestellt, dass wir eine ganz neue Nähe und Freundschaft entwickelt haben.

Ich muss sogar sagen: Wir Juden waren mit unserer Begegnung mit dem Papst viel mehr zufrieden als die Protestanten mit ihrer Begegnung mit dem Papst! Und das kann man auch nicht jeden Tag behaupten.“

Quelle (Text / Foto 2): Radio Vatikan