Ranis: Fastennachmittag mit Dr. Boroda würdigt sechs christliche Märtyrer der NS-Zeit

Jüdischer Autor über „Leidenswege in einem gottlosen System“

Beeindruckende Zeugnisse von Menschen, die für ihren Glauben ein Martyrium auf sich nahmen, legte Dr. Moisei Boroda am zweiten Fastensonntag in der katholischen St.-Elisabeth-Kirche in Ranis (Thüringen) vor.

Der Musikwissenschaftler und Autor zeichnete die Lebenswege von sechs christlichen Märtyrern des 20. Jahrhunderts nach, die „dem gottlosen System der Nationalsozialisten zum Opfer fielen“.

Da­bei verwob der 1947 in Georgien als Kind jüdischer Eltern geborene Künstler die Biographien mit Briefen, Zitaten und emotionalen Szenen zu einem Gesamtkunstwerk, ergänzt von der Musik der Schola der katholischen Gemeinde.

BILD: Mit den zwei Bänden des „Deutschen Martyrologiums“ bedankte sich Johannes Heibel (rechts) vom Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde Ranis bei Dr. Moisei Boroda in der St.-Elisabeth-Kirche.

Alle Märtyrer vereint die Bereitschaft, für ihren Glauben den Tod auf sich zu nehmen. Wie sich bei einzelnen Theologen des vergangenen Jahrhunderts diese Erkenntnis geradezu herausbildete, stellte Dr. Moisei Boroda eindrücklich vor.

Seine Texte – von den Lektoren der Raniser katholischen Gemeinde gelesen – ließen die Gäste aus Ranis, Pößneck, Neustadt/Orla, Auma, Weida und Saal­feld an den letzten Stationen des Lebens von Karl Leisner, Alois Andritzki, Edith Stein, Alfons Maria Waxmann, Franz Reinisch und Dietrich Bonhoeffer teilhaben.

Während Edith Stein, laut Boroda „eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des christlich-jüdischen Glaubens“, und der evange­lische Theologe Dietrich Bonhoeffer sicherlich den meisten Gästen vertraut waren, erschloss der Wissenschaftler mit den anderen vier Priestern Neuland. Alle kamen während des Zweiten Welt­krieges, zumeist in Konzentrationslagern oder in Gefängnissen, oder kurz danach ums Leben.

Drei von ihnen sind seliggesprochen (Leisner, Andritzki, Stein), für einen hat der Prozess dazu be­gonnen (Reinisch), Edith Stein wurde außerdem 1989 heiliggesprochen. Damit wird sie als Heilige in der katholischen Kirche besonders verehrt.

Johannes Heibel von der Raniser Gemeinde, der Dr. Moisei Boroda eingeladen hatte, sagte zur Begrüßung: „Uns erscheint es heute fremd, dass Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt und hingerichtet wurden.“ – In vielen Ländern der Welt sei dies jedoch auch heute noch zu beobachten.

Gleichzeitig schlug er den Bogen vom Pallotinerpater Franz Reinisch – einem der vorgestellten Märtyrer – zur Region: Zwei aus der weltweiten Gemeinschaft waren viele Jahrzehnte auch hier als Priester tätig, Pater Ewald Rieg in Ranis und Pater Remigius Unmüßig in Ziegenrück.

Als „sehr ansprechend und sehr prägnant“ würdigte Pfarrer Werner Ciopcia aus Neustadt/Orla im Gespräch mit dieser Zeitung den Fastennachmittag in Ranis. Ihn habe vor allem das Zusam­menspiel der Lebens- und Leidenswege der sechs Märtyrer sehr angesprochen.

„Das 20. Jahrhundert hat uns gezeigt, in welchen Abgrund der Staat kommen kann, wenn er und seine Anführer sich von Gott lossagen“, gab Dr. Moisei Boroda den Gästen am Ende der Veranstaltung mit auf den Weg.

Wenn Edith Stein gesagt habe, dass kein Weg am Kreuz vorbeiführe, so erweitere er diese Aussage zu: „Kein Weg führt an Gott vorbei“, so der Schriftsteller, Komponist und Musikwissenschaftler.

Autor dieses Artikels und Fotograf des ersten Bildes ist Stephan Breidt aus Ranis, dem wir für die Abdruckgenehmigung herzlich danken.

Gemälde: Evita Gründler

 


Dietrich Bonhoeffer über die Dummheit

„Der Dumme ist restlos mit sich selbst zufrieden“

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt.

Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch – und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden.

Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen.

Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. (…)

Die Dummheit ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse. Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt.

Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird (…).

Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat.(…)

Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist (…).

Das Wort der Bibel, daß die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei (Psalm 111, 10), sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.

Übrigens haben diese Gedanken doch dies Tröstliche für sich, daß sie ganz und gar nicht zulassen, die Mehrzahl der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.

Quelle: Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hrsg. von E. Bethge. TB Siebenstern. Gütersloh 1985. S. 14 f.


Post von Dr. Penner: Schluß mit den „Tötungslizenzen“ in den evangelischen 218-Beratungsstellen

Dipl.-Chem. Dr. Hans Penner, 76351 Linkenheim-Hochstetten

OFFENER BRIEF eines evangelischen Christen an Erzbischof Robert Zollitsch

Sehr geehrter Herr Dr. Zollitsch,

dem „Christlichen Forum“ im Internet (https://charismatismus.wordpress.com) mit seiner guten äußeren und inhaltlichen Gestaltung gebührt großer Dank. An dieser Stelle sei die wertvolle Darstellung der markanten Gestalt des verstorbenen Erzbischofs Johannes Dyba hervorgehoben.

Ich denke hierbei an den Anachronismus des Isenheimer Altargemäldes von Matthias Grünewald, auf dem der Täufer Johannes mit überlangem Finger auf den Gekreuzigten hinweist.

Das hat auch Johannes Dyba (siehe Foto) getan; er sagte: __Erzbischof_Dyba

„Ja, der Zeitgeist reibt sich bis zur Empörung an einer ganzen Reihe von Glaubenslehren. Und da, liebe Brüder und Schwestern, sind wir am entscheidenden Punkt. Das ist nichts Neues. Das hat es immer gegeben. Selbst Jesus hat das erfahren:

Nach einer Rede in der Synagoge von Kafarnaum  –  so berichtet das Johannesevangelium  –  sagten viele seiner Jünger, die ihm zuhörten: ‚Was er sagt, ist unerträglich! Wer kann das anhören?‚  – Und viele zogen sich zurück und folgten ihm nicht mehr. Da fragte Jesus die Zwölf: ‚Wollt auch Ihr weggehen?‘  –  Simon Petrus aber antwortete ihm: ‚Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.‘  

Aber wohin denn?‘, sagt Petrus. Was können die aufgeregten Besserwisser von heute denn garantieren? Und wenn sie sich verlaufen haben, dann stehst du mutterseelenallein da und hast den Boden unter den Füßen verloren.“

Dyba ist unerhört aktuell: „Ein Staat ohne Gott ist im besten Falle eine gutorganisierte Räuberbande.“ Sozialhilfeempfänger müssen die unnützen Solardächer wohlhabender Hausbesitzer mitfinanzieren, bis ihnen der Strom abgeschaltet wird, weil sie ihn nicht mehr bezahlen können. Als Raub muß auch die Zwangsenteignung von Kraftwerksbetreibern bezeichnet werden.

Eine echte Ehrung Dybas würde ihm seitens der katholischen Bischöfe zuteil werden, wenn sie demographische Überlegungen anstellten. Jede Woche werden einige tausend ungeborene Mitbürger getötet. Im Grunde ist es nationalsozialistische Ethik, sozial unerwünschte Mitbürger zu liquidieren.

An diesem Massenmord  –  folgt man der Ethik eines Dietrich Bonhoeffer  –  beteiligt sich auch die evangelische Kirche. Für Schwangerenberatungen stellt sie Quittungen aus, die Straffreiheit nach erfolgten rechtswidrigen Tötungen ermöglichen.

Erzbischof Dyba hatte diese „Beratungsscheine“ zu Recht als „Tötungslizenzen“ bezeichnet. Warum hilft man Müttern in Not nicht echt? 

Von den katholischen Bischöfen muß erwartet werden, daß sie ihre evangelischen Amtsbrüder seelsorgerlich ermahnen, damit der Unfug der kirchlichen Beratungsscheine endlich eingestellt wird.

In der Hoffnung auf Ihr Mitleid mit ungeborenen Menschen
und freundlichen Grüßen
Hans Penner

Die zehn beliebtesten Kirchenlieder der Evangelikalen in Deutschland

Platz 1: „Befiehl Du Deine Wege“ von Paul Gerhardt

Die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) hat 2012 das „Jahr der Kirchenmusik“ ausgerufen.  Daher wollte die evangelische Nachrichtenagentur IDEA von den Lesern ihres evangelikalen (glaubenskonservativen) Magazins idea-Spektrum wissen, welche religiösen Lieder sie am liebsten singen.

70 Titel von A wie „All Morgen ist ganz frisch und neu“ bis „Zünde an dein Feuer“ standen zur Auswahl. Die Teilnehmer konnten aber andere Titel nennen, die ihnen besonders am Herzen liegen.

An der Umfrage beteiligten sich 558 Leser.

Das Ergebnis: In der Gunst ganz oben steht der Choral „Befiehl du deine Wege“ von Paul Gerhardt (1607-1676).

Auf Platz 2 rangiert das Lied „Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte“ des schwedischen Dichters Carl Boberg (1859-1940), ins Deutsche übersetzt von Manfred von Glehn.

Auf Platz 3 folgt „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ von Dietrich Bonhoeffer (1906-1945).

Ein „Klassiker“ des Kirchengesangs  –  vor allem bei den Katholiken  –  kommt an 4. Stelle: „Großer Gott, wir loben dich“ von Ignaz Franz (1719-1790).

Auf den Plätzen fünf bis zehn folgen:

Stern, auf den ich schaue“ von Cornelius F.A. Krummacher (1824-1864),

„Bei dir, Jesu, will ich bleiben“ von Philipp Spitta (1801-1859),

„Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“ von Joachim Neander (1650-1680),

„Meine Zeit steht in deinen Händen“ von Peter Strauch.

„Welch ein Freund ist unser Jesus“ von Joseph M. Scriven (1820-1886), ins Deutsche übersetzt von Ernst H. Gebhardt,

sowie „Vater, unser Vater“ von Christoph Zehendner.

Quelle: http://www.idea.de


Der Papst würdigt Erzbischof Gerhard Ludwig Müller in einer Festschrift

Papst Benedikt XVI. in einer 2007 erschienenen Festschrift zum 60. Geburtstag des Regensburger Oberhirten

Lieber Bischof Gerhard Ludwig!
In der Festschrift zu Deinem 60. Geburtstag möchte ich wenigstens mit einem Grußwort vertreten sein. Ich erinnere mich noch gut unserer ersten Begegnung, als Du mir Deine eben erschienene Dissertation über die Sakramente im Denken von Dietrich Bonhoeffer überreicht hast: Eine ökumenische Arbeit besonderer Art, die bei einem großen protestantischen Denker, den wir von seinen zentralen Thesen her alle zu kennen glauben, unerwartete Aspekte aufzeigt und so auf besondere Weise zur Begegnung einlädt.

1995 hast Du mir dann Deine „Dogmatik“ zugesandt. Sie ist  –  soweit ich sehen kann  –  das einzige derzeit auf dem Markt befindliche Lehrbuch unseres Fachs, das von einem einzigen Verfasser geschrieben ist und so das große Gefüge der Welt des katholischen Glaubens in seiner inneren Einheit sichtbar macht.

Als besonderer Vorzug kommt noch dazu, daß das Werk sich in einem Umfang hält, der es für Studenten als Arbeitsbuch geeignet macht. Damit hast Du eine wichtige Markierung gesetzt, denn die Theologie und auch das Fach Dogmatik droht sich in Spezialisierungen aufzulösen, die das Ganze nicht mehr erkennbar werden lassen, wo doch alles einzelne in unserem Glauben eben nur von seiner Ganzheit her recht verstanden werden kann.

Nach diesen mehr literarischen Begegnungen sind wir uns persönlich nahe gekommen in den Jahren, in denen Du Mitglied der Internationalen Theologenkommission warst, deren Präsident ich als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre gewesen bin. Wir alle haben immer Deine umfassende Kenntnis der ganzen Geschichte von Dogma und Theologie bewundert, die in Deinen Gesprächsbeiträgen zum Vorschein kam und die das Fundament für Dein immer zuverlässiges Urteil gewesen ist.

Bei allem haben wir auch gespürt, daß Deine Theologie nicht bloße akademische Gelehrsamkeit war, sondern  –  wie es das Wesen der Theologie verlangt  –  Mitdenken mit dem Wort des Glaubens, Mitdenken mit dem Wir der Kirche als dem gemeinsamen Subjekt des Glaubens war und ist.

Du hast dafür gesorgt, daß die Arbeiten der Internationalen Theologenkommission auch in Deutschland bekannt wurden und hast in all diesen Jahren mit wichtigen Beiträgen zu den drängenden theologischen Fragen der Gegenwart Stellung genommen.

Du hast Dich darum gemüht, das vielfach auf verzerrende Stichworte reduzierte Dokument „Dominus Iesus“ verständlich zu machen.

Als Bischof von Regensburg hast Du das biblische Grundwort Dominus Iesus – Jesus ist der Herr (Röm 10,9; 1 Kor 12,3) – als Wahlspruch gewählt und damit zugleich ein Programm festgelegt: Christus steht in der Mitte des bischöflichen Dienstes; er ist die Mitte unserer christlichen Existenz.

Im Augenblick Deiner Bischofsweihe, als die Diskussion um das so beginnende Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre noch voll im Gang war, war dieser Wahlspruch zugleich ein Hinweis darauf, daß das Lehramt mit dem umstrittenen Dokument uns eben zu dieser Mitte unseres Glaubens zurückrufen wollte.

Nun sind es schon fünf Jahre, seitdem Dir der Bischofsstuhl des heiligen Wolfgang anvertraut wurde. Du hast manche Stürme erleben müssen, und andere werden wohl noch kommen.

Aber niemand konnte in dieser Zeit daran zweifeln, daß Du letztlich dies eine willst: Zeugnis für Jesus Christus geben, in dem Gott uns sein Angesicht zugewandt und sein Herz geöffnet hat.

So möchte ich Dir bei Deinem 60. Geburtstag wünschen, daß der Herr Dir hilft, immer sein getreuer Zeuge und so „Mitarbeiter unserer Freude“ (2 Kor 1,24) zu sein.

Rom, am Fest des heiligen Hilarius 2007
Benedikt XVI.

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de/bischof/borPage004524.asp

Fotos: Bischöfliches Presseamt Regensburg